Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Jahrgang. 
SchleswLg-HollìeLnîschL 
129. Jahrgang. 
mtun 
Renbsburger DrgebloL 
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Nr. 78 
Mttkmch, to 1. April 
1038 
Bedenkliche Einleitung 
Die englisch-franzöfische „Borbereitung" für den 
M. Mürz 
Wir haben hier bereits beim Abschluß der 
beiden Londoner Konferenzen darauf hinge 
wiesen. daß die gegenwärtige englische Regie 
rung die Frage der Generalstabsbesprechungen 
mit Frankreich sowohl dem Inhalt wie dem 
Termin des Beginns nach zweifellos mit voller 
Absicht so unklar wie möglich behandelt hat. 
Aus der Berliner Wahlrede Adolf Hitlers 
wußte man in Paris und London, daß am 
81. März, also gestern, ein diplomatisches Do 
kument mit deutschen Vorschlägen in London 
übergeben werden würde. Die englische und 
die französische Regierung haben eine höchst 
sonderbare Art gefunden, die Stimmung für 
den hochbedeutsamen Vorgang der Ueber- 
reichung der Vorschläge der Reichsregierung 
vorzubereiten. In London hat man für richtig 
gehalten, ausgerechnet am Tag vorher einen 
Regierungsbeschluß herbeizuführen, wonach 
die Generalstabsbesprechungen unter allen Um 
ständen, und zwar sofort einzuleiten seien. Der 
Beschluß wurde gefaßt ohne Rücksicht auf den 
Inhalt der deutschen Vorschlüge, deren Kennt 
nisnahme man nicht einmal abgewartet hat. 
Es wäre schon ein absonderliches Verfahren, 
weitn die englische Regierung der französischen 
eine so offenkundige Hilfsstcllung für die 
Aprilwahlen in Frankreich geben würde, für 
die die französische Regierung selbst gerade die 
Generalstabsbesprechungen zu Zwecken des 
Stimmfangs in einer nicht eben günstigen Si- 
tuation offen benutzt. Aber die Londoner Maß- 
nahme geht zu einem guten Teil auch darauf 
zurück, daß man Frankreich dafür zu „entschä 
digen" wünscht, daß man die Pariser Sankti- 
onsforderung nicht mitgemacht hat. 
Frankreich seinerseits hat mit der hetzerischen 
Flandinrede vom Sonntag, die wieder ein 
Uebermaß von Ueberheblichkeit zeigte und auch 
nicht mit einer Nuance dem Gedanken der 
Gleichberechtigung Rechnung trug, einen 
neuen Propagandafeldzug gegen Deutschland 
entfesselt. Es hätte nicht erst der Kommentare 
der französischen Presse bedurft, um zu wissen, 
daß der französische Außenminister mit voller 
Ueberlegung so gänzlich abseitige Probleme 
wie Memel oder Danzig oder Oesterreich u. a. 
in die Debatte geworfen hat, um einmal die 
bevorstehenden Verhandlungen von vornher 
ein zu komplizieren und zweitens die Klärung 
solcher Nebenprobleme als Vorbedingung für 
den Eintritt in die Hauptdiskussion aufzustel 
len. 
Mit anderen Worten, Frankreich will, nach 
dem es seit 1926 eine Ausgleichskonferenz nach 
der anderen und jede diplomatische Aktion zur 
Befriedung Europas zu Fall gebracht hat, auch 
die neuen Verhandlungen von vornherein un 
ter den Druck französischer Bedingungen 
stellen! 
Es wäre zuviel Ehre bei einem unwürdigen 
Anlaß, wenn man sich mit Herrn Flandin über 
den höchst ungehörigen Ton unterhalten 
wollte, in dem er von dem deutschen Staats 
oberhaupt und dessen Erklärungen zu sprechen 
sich erlaubte. Aber es ist eine perfide Unver 
schämtheit, wenn ein Blatt wie der „Temps" 
schreibt: „Für die Berliner Regierung ist die 
Stunde gekommen, sich ohne Umwege zu er 
klären, und ihre Vorschläge in einer Form 
zu unterbreiten, die keine Zweideutigkeiten 
zuläßt." Es ist eine mehr als armselige und 
schließlich unerträgliche Art der politischen 
Verhandlung, wenn man die unzähligen prak 
tischen Beweise und Angebote einer fast drei 
einhalbjährigen Friedenspolitik einfach Über 
sicht, also indirekt leugnet und dann gar noch 
der vor aller Welt klaren Politik des Führers 
Tendenzen unterstellt, die auf bewußte Ver 
leumdungen hinauslaufen. 
Wir bedauern auch feststellen zu müssen, 
daß es auf demselben Niveau steht, wenn die 
Londoner „Times" die nun beginnenden eng 
lisch-französischen Generalstabsbesprechungen 
bezeichnet als „Beitrag zur Vergütung an 
Frankreich und Belgien für den Verlust an 
Sicherheit, den diese Länder durch die Wieder 
besetzung der Rheinlandzone erlitten haben". 
Es ist kein gutes Zeichen für die Reinheit des 
englischen Gewissens, wenn es sich in einem 
für ganz Europa entscheidenden Augenblick 
derartig in Widersprüche verstrickt. Die eng 
lische Regierung hat wissen lassen, die Gene 
ralstabsbesprechungen seien „lediglich eine 
Vorsichtsmaßnahme, da die deutschen Streit- 
kräfte im Rhein kerne Bedrohung" seien. 
Wenn die paar deutschen Bataillone in den 
Friedensgarnisonen also keine Bedrohung 
gegenüber der riesigen Angriffsfront des fran 
zösischen Festungssystems und der französischen 
Stoßarmee sind, wo ist dann der „Verlust au 
Sicherheit" für Frankreich und Belgien? 
Und ein weiterer Widerspruch in der Hal 
tung Englands., Die englische Regierung will 
ihre Verpflichtungen gegenüber Frankreich 
aufrecht erhalten nur „für den Fall eines un- 
prvvozierten Angriffs gegen Frankreich". Dem 
gleichen Leitgedanken werden auch die neuen 
Generalstabsbesprechungen genau wie die sechs 
Wochen langen vom November—Dezember 
unterstellt. Wie schon während und nach den 
beiden Londoner Konferenzen, wird also stän 
dig die Möglichkeit eines deutschen Angriffs 
erörtert, als wenn es nichts Selbstverständ 
licheres auf der Welt gäbe! 
Die englische Regierung kennt sehr genau die 
Gründe, aus denen jeder deutsche Angriff aus 
geschlossen ist, sie hat gerade zu dem irrsinni 
gen Gedanken eines deutschen Angriffs die 
feierlichsten bindenden Erklärungen und Auf 
klärungen der Reichsregierung auch während 
des verflossenen Wahlkampfes wiederum er 
halten. 
Wenn sie diese Möglichkeit gleichwohl auch in 
diesem Augenblick noch erwägt, dann kann man 
die wachsende Erregung in England verstehen, 
die der Möglichkeit einer neuen verhängnis 
vollen Verstrickung der englischen Außenpoli 
tik in die Bestrebungen französischer Herrsch 
sucht entgegensieht. Erst vor 48 Stunden ist die 
englische Regierung von ihrer eigenen Presse 
daran erinnert worden, daß die unselige Ver 
quickung Englands mit der Hegemoniepolitik 
Frankreichs das englische Volk in den letzten 
hundert Jahren den grausigen Preis von 3,3 
Millionen Toten gekostet hat. Und es entspricht 
sicher der Denkweise einer erdrückenden Mehr 
heit des englischen Volkes, wenn jetzt die 
„Evening News" schrieben: „Warum brüstet 
man sich eigentlich mit diesen Generalstabs 
besprechungen? Warum fuchtelt man damit 
Herrn Hitler vor der Nase herum? Was die 
öffentliche Meinung Englands beunruhigt ist 
dies, und nicht etwa die Tatsache, daß ein paar 
alte Generäle miteinander verhandeln". Wird 
man in England nicht endlich einmal einsehen, 
daß die ganze herausfordernde Beistandspoli 
tik solange eine ständige Friedensbedrohung 
ist, als niemand angegriffen werden soll? Und 
da jedermann in England weiß, daß ein An 
griff gegen Frankreich vom Osten her niemals 
von Deutschland, sondern nur vom bolschewisti 
schen Moskau kommen kann, dessen Vortrupps 
ja bereits in aller Offenheit in Frankreich ar 
beiten, wozu braucht man dann neue Verein 
barungen zwischen den englischen und französi 
schen Generalstäben? 
Weder in London noch in Paris hat man es 
verstanden, die Ueberreichung der deutschen 
Vorschläge in dem Verantwortungsbewußtsein 
vorzubereiten, das man von jedem Staats 
mann in der heutigen von Frankreich herauf- 
beschworenen Lage Europas verlangen muß. 
Es ist die Frage, ob man überhaupt den Willen 
gehabt hat, neue Verhandlungen von vorn 
herein unter das Zeichen des Friedens zu 
stellen. 
Edmrö VIII. soll eine Engländerin heiraten 
Vorschläge englischer Lords — „Um politische Komplikationen zu vermeiden"! 
Von einem Mitarbeiter 
London, im Mürz. 
Die im Zusammenhang mit den Etatsbera 
tungen für das britische königliche Haus ak 
tuell gewordenen Heiratsfragen rings um den 
neuen König Eduard VIII. werden jetzt durch 
Anregungen ergänzt, die aus dem Kreise ein 
flußreicher englischer Lords und zahlreicher 
Mitglieder des englischen Ober- und Unter 
hauses stammen. Bekanntlich wurden in den 
letzten Tagen alle noch heiratsfähigen und un 
abhängigen Prinzessinnen Europas wenigstens 
vorläufig theoretisch in Beziehung gesetzt zu 
dem Prinzen von Wales unter gleichzeitiger 
Abwägung der möglichen Chancen. Aber es 
zeigte sich schon bei einer einfachen Ueber- 
leguug, daß fast in allen Fällen unter Umstün 
den unangenehme politische oder diplomatische 
Komplikationen aus einer solchen Heirat er 
wachsen konnten. 
Das Unterhaus spricht mit. 
Uebrigens hat sich das englische Unterhaus 
insofern einen gewissen Einfluß auf die Gat 
tinneuwahl des englischen Königs gesichert, als 
auf Grund irgend einer verwickelten Bestim 
mung eine sogenannte Legalisierung dadurch 
erfolgeu muß, daß der König den Namen sei 
ner Braut vorher dem Unterhaus mitteilt. 
Aeußerlich ist selbstverständlich der englische 
König frei in seiner Gattinnenwahl, sofern er 
die Verpflichtungen, die ihm die Krone auf 
erlegt, berücksichtigt. Aber diese Einflußmög- 
lichkeiten des Unterhauses gestatten interes 
sante Rückschlüsse auf jene Anregungen, die 
dem einstigen Prinzen von Wales und jetzigem 
König von England zugeleitet worden sind. 
Die Liste der „Möglichen". 
Danach soll Eduard VIII. jede außenpolitische 
Heirat vermeiden und als Braut eine Eng 
länderin wählen. Man hat ihm (streng ver- 
rraulich natürlich) 3 Ladies vorgeschlagen, die 
sämtlich aus ersten Häusern stammen. 
Da ist zuerst Lady Mary Grosvenor, die 
26 Jahre alte Tochter des Herzogs von West 
minster. Sie würde insofern zum Prinzen von 
Wales passen, als sie eine leidenschaftliche Jä 
gerin ist und selbst einen Kenya-Film drehte. 
An zweiter Stelle kommt Lady Helena Fitz 
william, die 29jährige Tochter des Earl Fitz 
william. Sie ist eine bekannte Rennreiterin, 
die mit einem geradezu phantastischen Glück 
aus allen Unfällen, die sie mit Autos und Pfer 
den hatte, unverletzt hervorging. 
An dritter Stelle nennt man Lady Anne 
Hope, die 22jührige Tochter des Marqueß von 
Linlithgow, des neuen Vizekönigs von Indien. 
Sie ist ein sehr schönes schlankes Mädchen, eine 
ausgezeichnete Reiterin und eine leiden 
schaftliche Tänzerin. 
Endlich spricht man noch von Lady Lettice 
Cooper, der 25jährigen Tochter des Earl of 
Shaftesbury, und von Lady Angela Montagu- 
Douglas-Scott, der Schwester der Herzogin 
von Gloucester. 
In England würde zweifelsohne die Wahl 
einer Engländerin zur Königin stärksten Bei 
fall finden. In unterrichteten Kreisen bleibt 
man jedoch dabei, daß offenbar der englische 
König in der Theorie schon verheiratet ist, ehe 
er überhaupt selbst seinen Entschluß gefaßt hat. 
Sitzung des Reichskabinetts. 
Annahme des Neichshaushatts für 1338. 
Ser Dank des Führers. 
DNB. Berlin 31. März. Das Rcichskabi- 
nett beschäftigte sich in seiner heutige» Sitzung 
mit dem Reichshaushalt für 1936. Vorbehalt 
lich einiger noch nicht definitiv feststehender 
Positionen wurden die Vorschläge des Reichs- 
finanzministers, wie sic sich aus Grund der 
Verhandlungen mit den einzelnen Ressorts 
ergeben haben, angenommen. Gleichzeitig wur 
de der Nachtragshaushalt für 1935 genehmigt. 
Im Anschluß an diese Beratung gab der 
Führer und Reichskanzler eine kurze Darstel 
lung der außenpolitischen Lage und gedachte 
ferner mit Worten tiefgefühlten Dankes des 
überwältigenden Bekenntnisses des deutschen 
Volkes znr politischen Führung in Staat «nd 
Partei. Der Führer und Reichskanzler wür 
digte hierbei die einzigartige organisatorische 
Leistung des Parteiapparates und die nn- 
übertreffliche Arbeit der, R.cichswahlkampf- 
leitnng. 
Die nächste Kabincttssitzuüg findet nach den 
Osterfeiertagen statt. 
Tagesbefehl m bk SA.! 
NSK. Stabschef Lutze erläßt den folgenden 
Tagesbefehl an die SA.: 
SA.-Männer! " 
Wieder liegt ein Wahlkampf hinter uns, ein 
Wahlkampf, dessen Ergebnis einzig in der Ge 
schichte der Völker dasteht. Die Welt weiß 
heute, daß das deutsche Volk in allen Fragen 
wie ein Mann zum Führer steht und auch 
künftig stehen wird. 
In jahrelangem und opferreichem Kampf 
hat die nationalsozialistische Bewegung den 
Weg bereitet zu diesem Erfolg. Durch Kampf 
und Opfer wurde er errungen. Die SA. als 
Stoßtrupp -er Bewegung stand auch jetzt wie 
der in vorderster Front, einsatzbereit, opfer 
willig und treu, wie in den Jahren des 
Kampfes vor der Machtübernahme. 
Aber wir wissen auch, daß dieser Wahlkampf 
für uns nicht Ende, sondern nur ein Teil 
abschnitt unserer Arbeit, unseres Kampfes 
war. 
Die Aufgaben, die der Bewegung vom Füh 
rer gestellt sind, werden die SA. auch in künf 
tigen Tagen und Wochen in Anspruch nehmen. 
Unseren schönsten Lohn sehen wir in der 
Möglichkeit, für den Führer kämpfen und 
opfern zu dürfen, unsere höchste Anerkennung 
ist der Erfolg! 
Eine Schlacht ist geschlagen — der Kampf 
geht weiter! 
Es lebe der Führer! 
* * 
Mittwoch vormittag Überreichung 
der deutschen Anlworl in London. 
v. Ribbentrop wieder in London. 
DNB. London, 31. März. Botschafter von 
Ribbentrop und die übrigen Mitglieder der 
deutschen Abordnung sind am Dienstag um 
21.35 Uhr MEZ auf dem Flugplatz Croydon 
eingetroffen. Zu ihrer Begrüßung hatten sich 
der deutsche Botschafter in London, Dr. von 
Hoesch, sowie andere Mitglieder der Botschaft 
eingefunden. Sie begaben sich sofort nach ihrer 
Ankunft im Kraftwagen nach London. 
DNB. London, 31. März. Die deutsche 
Antwortnote auf die Vorschläge der Rest-Lo 
carnomächte wird im Lause des Mittwochvor 
mittags dem englischen Außenminister Eden 
dnrch Botschafter von Ribbentrop überreicht 
werden. 
Reichsinnenminister Dr. Frick veröffentlicht 
einen Dankerlaß an die zahlreichen Volks 
genossen und Volksgenossinnen, die in den 
Wahlvorständcn und sonst bei Durchführung 
der Reichstagswahl ehrenamtlich tätig gewesen 
sind. 
Jerusalem. Zur gleichen Stunde wie die 
Glocken in der Heimat läuteten am Dienstag 
zur Feier des deutschen Wahlsieges auch die 
deutschen Kirchenglocken in Palästina. 
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