$uv Unter haitun
ļ^fsafjrgang ' Nr. 122
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landesreitung (Rendsburger Tageblatt)
Mittwoch, den 27. Mai 193g
Altgermarrische Traumweisheit
Von Dr. Fv
Unsere Vorfahren waren gewiß keine
»Träumer", die, ganz ihrem Innenleben hin
begeben, dem äußeren Leben mehr oder weni
ger hilflos gegenüber standen, sondern tat-
ļräftige Naturen, die ihr — wahrlich nicht
Achtes — Leben kraftvoll meisterten und ohne
6urcht den Schlägen des Schicksals entgegen
traten, unbesorgt darum, wie auch der Kampf
ausgehen möge. Und nicht nur die Männer,
/ìe Frauen waren ihnen ebenbürtig an ak-
nver und passiver Heldenkraft. Wir haben Bei-
Ipiele in reicher Fülle, die zeigen, wie diese
àuen mit den Männern trugen, was ein
hartes Geschick ihnen auferlegte, wie sie frei
willig bis zum bitteren Ende klaglos und in
iiolzem Mute deren Schicksal teilten.
Aber trotz dieser unerschrockenen Tatkraft,
Uotz dieses Wirklichkeitssinnes tut unser in
/r Vorzeit forschendes Auge oft Einblicke in
şrelische Tiefen, die uns zunächst Rätsel und
Unergründliche Geheimnisse darbieten und
dennoch unserem eigenen Empfinden so ver
wandt erscheinen, daß uns ein Ahnen über
kommt von Erbströmen, die aus den Tiefen
oes Wesens von den Vorfahren zu uns
Nuten . . .
Solch eine unbewußte Ueberlieferung mag
Es auch in der Einschätzung des Traumes ge
hen. Ist doch anch in uns noch die Anschau
ung lebendig, daß der Traum etwas sei, das
felbständiges Leben besitzt, Einfluß auf unser
Ļeben haben kann, dem Prophetisches inne-
wohnt, das eine Offenbarung aus einer höhe
ren Welt darstellt . . Dichter und Philosophen
haben am Rätsel des Traumes geraten, und
«äs Volk bewahrt noch heute seine uralten
Anschauungen vom Traum, der Künder ist
von dem, was Vernunft und Verstand nicht
Ergründen. Das ist Urvätererbe, und keine
Wissenschaft.
Ein reiches Material über Traumerlebnisse
steht uns in den altisländischen Sagas zur
Verfügung und gibt uns Aufschluß über diese
Anschauung. Die „Geschichte von den Lauter-
seern" erzählt uns von den Brüdern Einar
Und Guömund dem Mächtigen. Kurz vor dem
^ode des Gudmund hatte nun Einar einen
^raum: „Er sah einen prächtigen, großgehörn-
len Ochsen durch die Landschaft aufwärts stei
gen, bis er nach Labkrautwiesen, dem Gehöft
Ģudmunds, kam. Dort ging er in jedes Haus
îm Gehöft und zuletzt ins Wohnhaus, wo er
auf den Hochsitz, dem Platz des Hausherrn, zu
ging. Dort fiel er tot nieder."
, Als Einar erwachte, erzählte er seiner Gat
lin den Traum und sagte: „So etwas kündet
Ein großes Ereignis an, denn diese Erschei
nung war die Fylgja eines Menschen, und ich
weiß, wessen." Er meinte die Fylgja Gud-
wnnds. Die Fylgja — das ist der im einzel-
A. K e r r l.
nen Menschen sich offenbarende Lebensgeist der
Sippe, und wenn diese Fylgja sich gewisser
maßen von dem Menschen losgelöst hat, so ist
sein Tod schon eingetreten oder steht nahe be
vor.
Die „Geschichte von Gisli, dem Geächteten",
erzählt: „Eines Nachts, als Gisli in Auds
(seiner Gattin) Hof schlief, lag er sehr un
ruhig, und als er aufwachte, fragte sie ihn,
was er geträumt habe. Er antwortete: ,Jch
habe zwei Traumfrauen. Die eine ist gut zu
mir und sagt mir immer Gutes, aber die an
dere sagt mir einmal ums andere immer
Schlimmeres und weissagt mir nichts als
Unglück. Jetzt träumte mir, ich ginge zu einer
Art Haus oder Halle und ginge auch hinein,
und da erkannte ich viele Befreundete und
Verwandte darinnen. Sie saßen an sieben
Feuern und tranken. Einige waren sehr her
untergebrannt, einige noch in hellster Flamme.
Da kam meine freundliche Traumfrau und
sagte, das bedeute meine Lebenszeit, wieviel
ich noch zu leben hätte, und gab mir viele gute
Ratschläge/ Und eines Nachts träumte er
wieder, die freundliche Traumfrau käme auf
einem grauen Roß zu ihm und lüde ihn ein,
mit ihr zu kommen. Sie kamen zu einem Hau
se, das war beinah wie eine Halle, und sie
führte ihn in das Haus hinein. Da lagen Kis
sen auf den Bänken im Saal, und alles war
schön eingerichtet. Sie sagte, er möge nur hier
bleiben und es sich bequem machen: ,Hierher
kommst du, wenn du stirbst/ sagte sie, ,hier
wirst du Reichtum und Seligkeit genießen/
Und ein andermal erzählte er Aud: ,Mir
träumte, die schlimme Traumfrau trat auf
mich zu und zog mir eine blutige Mütze über
den Kopf, und vorher wusch sie mir den Kopf
mit Blut und begoß mich ganz damit, so daß ich
vom Blute troff/"
Begegnet uns in dem Traum Einars die re
ligiöse Vorstellung von der Fylgja, dem aus
dem Lebensgeist der Sippe stammenden Le
bensgeist der einzelnen, die sich im Traume
dem anderen zeigt, so zeigen uns Gislis
Träume von der freundlichen Traumfrau, die
ihn einmal in eine Halle führt, in der er „Be
freundete und Verwandte", also verstorbene
Sippenangehörige, sieht, die religiöse Vorstel-
Wissenschaftliche Chronik
Das kleinste Buch der Welt.
China, das Land, das das größte Buch der
Welt sein eigen nennt, darf seit einiger Zeit
nun auch den Ruhm für sich beanspruchen, das
kleinste Buch der Welt zu besitzen. Das winzige
Werk ist vier Millimeter hoch und dreieinhalb
Millimeter breit; sein Verfasser ist der chinesi
sche Schriftsteller Lochuangdschnng. Es gibt da
von nur ein Stück. Auf 27 Seiten allerfeinsten
Papiers behandelt es die Lebensgeschichte des
Mongolenkaisers Chubilaikhan. Es bringt da
neben noch auf den letzten vier Seiten zwölf
Anekdoten. Das Werk trug seinem Verfasser
ein Honorar von 800 Liang (etwa 2000 Mark)
ein.
Der Name „Blaugas".
Der Name Blaugas hat nichts mit der Farbe
dieses Gases zu tun, das in Wirklichkeit farb
los ist. Das Blaugas ist nach dem Augsburger
Chemiker Blau so benannt worden, der der
Entdecker dieses Gases ist.
Farbige Straße«.
Seit längerer Zeit überlegen die Verkehrs
techniker, durch welche Spezialfärbung eine
Chaussee oder eine Straße überhaupt in der
Dunkelheit die beste Sichtbarkeit haben kann,
ohne Laternen oder etwa gar Leuchtfarben zu
verwenden.
Die Fachleute konnten sich über die Farbe
nicht einigen. Deshalb ist man nun dazu über
gegangen, die Chaussee von Sheffield mit al
len Farben zu bemalen, die der Regenbogen
überhaupt aufweist. Mit Hilfe dieser prakti
schen Anwendung der Spektralanalyse auf die
Verkehrstechnik hofft man der Dunkelheit je
nes Geheimnis zu entreißen, dem die Ver-
kehrsfachleute nun schon seit Jahren nach
spüren.
weitere Elke
So ist das Leben.
„Na, wie war's in der Versammlung?" fragt
Mutter Lemke ihren Mann, der von seiner
Vereinssitzung nach Hause kommt.
„Ich bin stellvertretender Vorsitzender ge
worden!" sagt Vater Lemke.
„Ach, das ist aber ulkig", meint Mutter
Lemke, „genau dasselbe, was du hier zu Hause
bist!"
Kein Unterschied.
„Mama, ich möchte auch einmal auf einem
Kamel reiten!", sagt der kleine Fritz, als er
mit der Mutter im Zoo ist.
„Ach was, warte, bis wir wieder zu Hause
sind, dann läßt dich der Papa auf seinen Knien
reiten, das ist dasselbe!"
Das gute Geschäft.
„Herr Kommerzienrat, ich habe ein sehr gu
tes Geschäft für Sie. Sie können mit Leichtig
keit 100 000 Mark dabei verdienen!"
„Das hört man gern! Um was handelt es
sich denn?"
„Sie geben ja Ihrer Tochter 200 000 Mark
Mitgift,' — nun, ich nehme sie für 100 000
Mark."
lung vom Helgafell, dem heiligen Totenhügel,
in den die Angehörigen der Sippe nach ihrem
Tode eingehen, um von dort die Geschicke der
Sippe mit Anteilnahme zu verfolgen und ge
gebenenfalls zu lenken.
Die gute wie die schlimme Traumfrau sind
beide nichts anderes als seine Fylgja, sein
jeweils hoffnungsfroher oder todahnender
„Lebensgeist", der, im Traum sich zeigend,
ihm in schöner oder schrecklicher Weise seinen
Tod voraus verkündigt.
Und noch ein eigenartiger Traum . . . Nicht
weit von Gudmund wohnte Finni, ein Mann,
von dem man sagte, daß er Träume deuten
und Kommendes voraussehen könne. — Wir
würden sagen, er hatte das „Zweite Gesicht".
Finni stand vor der Tür seines Hauses. Da
kam Thorhall, ein tüchtiger Bauer, aus dem
Jnselfjoröland, zu ihm und sagte:: „Ich möch
te, Finni, daß du einen Traum 'deutest, den
ich gehabt habe." — Finni sagte: „Pack dich so
schnell wie möglich,' ich will deinen Traum
nicht hören. Geh und erzähl ihn dem Gud
mund auf Labkrautwiesen,' geh, sonst jage ich
dich mit den Waffen fort." Er ging hinein
und schlug die Tür zu. Thorhall kam zu Gud
mund und erzählte ihm seinen Traum. Sie
redeten darüber. Danach wollte Gudmund es
sen, aber als man ihm sein Essen hinstellte,
neigte er sich zurück und war tot.
Als Gudmunds Bruder Einar, den man ge
holt hatte, kam, um die Leiche zur Bestattung
zu rüsten, sagte er: „Dein Traum, Thorhall,
hat nicht geringe Kraft, und Finni hat es dir
angesehen, daß der des Todes wäre, dem du
den Traum erzähltest. Das aber gönnte er dem
Gudmund, dem er immer feind gewesen ist."
Hier tritt uns die seltsame Vorstellung ent
gegen, daß ein Traum — wir wissen nicht, ob
der Traum Gudmund betraf, aber es ist viel
leicht anzunehmen — wirkenden Einfluß auf
den Menschen hat, sogar den Tod herbeiführen
kann, eigentümlicherweise nicht bei dem, der
ihn hatte, sondern dem er erzählt wird — und
den er vielleicht betrifft. Sicher ist auch hier
religiöse Anschauung wirksam: wem das Gött
liche in der Wirklichkeit entgegentritt, sei es
in der Gestalt seiner Fylgja, sei es, indem ge
wissermaßen ein menschlicher Träger der gött
lichen Botschaft, wie hier der Bauer Thorhall,
dazwischengeschaltet wird, der ist dem Tode ge
weiht. *
Daß diese Anschauung, diese Traumweisheit ,
auch fernerhin im germanischen Denken leben
dig blieb, zeigt uns das Nibelungenlied:
Es träumte Kriemhilden in Tugenden,
der sie pflag,
Daß sie einen wilden Falken hegte
manchen Tag.
Den erwürgten ihr zwei Aare!
daß sie das mußte sehn!
Ihr konnte in dieser Welt
nimmer größeres Leid geschehn.
Das Zweimarkstück
Von Kurt Miethke.
Der Polizeichef Eidisch erhob sich höflich und
der jungen Dame einen Sessel an. Diese
sthte sich dankend und zog ihre Handschuhe
aus.
„Sie ließen mir sagen, Sie kämen in der
palschmünzeraffüre?" fragte Eidisch. — Die
lUnge Dame nickte.
^ „Nun, Fräulein Reeh, da bin ich gespannt.
Wir selbst, die Polizei, kommen nicht weiter.
Sie uns dann helfen können werden?"
„Ich will heiraten, das ist die Sache", er
härte Fräulein Reeh. „Und dazu brauche ich
°îe Belohnung."
Eidisch lachte und meinte: „Sie scheinen ja
überhört sicher zu sein." — „Bin ich auch."
„Also, wen haben Sie im Verdacht?"
^„Einen gewissen Herrn Kiß. Der Mann ist
/äst bei uns, regelmäßiger Gast. D. h., er
jede Woche einmal. Am Sonntagabend.
, üd dann telefoniert er immer. Er kommt nur
, n unser Lokal, um zu telefonieren, den Ein
druck habe ich. Er trinkt natürlich auch ein
/las Bier, aber das tut er nur anstandshal-
Er. Er heißt Kiß, wie ich schon sagte."
„Weswegen soll er aber mit der Falschmün-
oErbande in Beziehung stehen?"
„Ja, er bezahlt immer in Kleingeld, Zehn
und Fünfpfennigstücke. Das fiel mir schon seit
s^ügem auf. Neulich jedoch reichte das Klein-
?Eļd nicht aus, und da mußte er ein Zweimark-
Nück auf den Tisch legen. Ich sah, wie er zö-
/lte. Cr tat es sichtlich ungern. Es war das
Zste Mal, daß er eine größere Münze zur
//Zahlung benutzte — und nur deshalb fiel es
/Nr auf. Und bald darauf stand in der Zei-
üyg die Sache von dem Falschgeld. Ich be
achtete mir sehr genau das Zweimarkstück
îbd ich sah sofort nach der Beschreibung in der
Mtung, daß es falsch war." Fräulein Reeh
tfttete ihr Handtäschchen und zog ein Zwei
markstück hervor. „Hier ist es."
Der Polizeiches wars einen Blick daraus und
nickte: „Es ist gefälscht. Erzählen Sie weiter."
„Nun, ich beschloß, aufzupassen. Am nächsten
Sonntag kam Herr Kiß tatsächlich wieder und
telefonierte. Ich als Büfettfräulein kann im
mer alle Gespräche mit hören, da das Telefon
direkt neben dem Büfett ist. Ich höre zuweilen
sogar die Stimme des Teilnehmers am ande
ren Ende mit, wenn jemand telefoniert, der
Apparat schallt so komisch. Na, und was hörte
ich? Ja, sagte Herr Kiß in den Apparat, ich
habe verstanden. Ich soll 731 Schachteln Streich
hölzer mitbringen und zwölf Feuerzeuge.
Wird gemacht. Besten Dank." Damit hängte
Herr Kiß ab und setzte sich wieder an seinen
Tisch. Dort nahm er, wie immer, das Reichs-
adreßbnch, das nebenan in einem Regal liegt,
und blätterte darin. Er hatte mir einmal ge
sagt, für ihn gäbe es keine interessantere Lek
türe als das Reichsadreßbuch, und seit der
Zeit blätterte er regelmäßig darin herum. An
jenem Abend aber paßte ich ganz genau auf.
731 Schachteln Streichhölzer und zwölf Feuer
zeuge hatte er gesagt. Was für ein Blödsinn!
Wer wird denn ausgerechnet 731 Schachteln
Streichhölzer bestellen! Diese Zahlen mußten
einen anderen Sinn haben, das war mir klar.
Aber welchen? Ich grübelte nach, und dann
hatte ich den glänzendsten Einfall meines Le
bens. Wissen Sie, was ich meine?"
Der Polizeichef schütclte den Kopf: „Keine
Ahnung!"
„Aber Herr Inspektor! Na, hören Sie mal
genau zu. Ich hatte den Einfall, zu Herrn Kiß
an den Tisch zu gehen und ihn zu fragen, ob
er noch ein Glas Bier wünsche. Und dabei wars
ich einen Blick in das aufgeschlagene Reichs
adreßbuch. Ich hätte bald geschrien vor Ueber-
raschung."
„Was war denn los?"
„Was meinen Sie, welche Seite er aufge
schlagen hatte? Seite 731!" Fräulein Reeh
warf einen triumphierenden Blick auf Eidisch
und fuhr fort: „Er wollte kein Bier mehr. Er
zahlte und ging. Kaum war er weg, stürzte ich
mich auf das Adreßbuch und sah mir Seite 731
au. Die Zwölfte Adrefte vou oben herunter
lautete „Hotel Goldener Hahn in Nieder
hagen". Am nächsten Sonntag kam Herr Kiß
wieder und telefonierte. Ich paßte scharf auf.
Er sagte: „So, Fanny läßt mich tausendmal
grüßen. Sie hat mich fünf Jahre lang nicht
gesehen. Na, grüße sie wieder."
Dann ging er an seinen Tisch und schlug
das Reichsadreßbuch nach. Seite 1000. Adresse 5.
Diese Adresse lautete: „Gasthaus zur Amsel"
in Kollow." Fräulein Reeh lehnte sich zurück
und sah den Polizeichef an.
Dieser erwiderte den Blick und sagte: „Sic
sind das gescheiteste Frauenzimmer, das mir
je begegnet ist. Vermutlich handelte es sich bei
diesen Telefongesprächen um die Bestimmung
des Ortes, wo dieser Herr Kitz die neueste
Falschgeldsendüng in Empfang nehmen soll.
Man macht das natürlich außerhalb Berlins
in irgendwelchen kleinen Nestern. Sehr ge
schickt ausgedacht... Wir werden der Sache
nachgehen..."
Dieses Gespräch fand an einem Sonnabend
statt.
Am darauffolgenden Dienstag wurde in dem
„Gasthaus zum Eichbaum" in Duröorf ein
Mann verhaftet, der sich Ludwig Beetel nannte
und als Herr Kiß identifiziert wurde.
Für ihn war postlagernd ein Paket ange
kommen, ein schweres Paket, das er abholte
und in seinem Hotelzimmer verstaute. Ein
Paket von metallener Schwere... Der Beamte
des Erkennungsdienstes erkannte in ihm den
lang gesuchten Hochstapler Taß alias Kiß alias
Beetel wieder, für dessen Ergreifung nichc nur
zweitausend Mark wegen Falschmünzerei, son
dern alles in allem neuntausendvierhundert
Mark wegen verschiedener Vergehen ausge
setzt waren. Es dauerte noch ein paar Monate,
bis es so weit war.
Es — das heißt natürlich, bis ein freude
strahlender Polizeichef einem freudestrahlen
den Fräulein neuntausendvierhundert Mark
aufzählte.
„Sie sind ein gescheites Mädchen, das geschei
teste, das ich kenne", sagte Eidisch. „Sie sollten.
Detektivin werden. Das wäre für Sie der pas
sendste Beruf."
„Da irren Sie mal wieder, Herr Inspektor",
sagte Fräulein Reeh. „Nehmen Sic mirs nicht
übel, aber die Polizei irrt sich eigentlich ziem
lich oft. Aber in diesem besonderen Fall irrt
sie sich sogar ganz fürchterlich. Der passendste
Beruf für mich wäre Detektivin? Nein, da
gibt es einen noch viel, viel passenderen."
„Und das wäre?" erkundigte sich Eidisch.
Da lachte Fräulein Reeh: „Ehefrau natür
lich! Was meinen Sie, was ich mir für eine
fabelhaste Aussteuer für diesen Haufen Geld
kaufe! Morgen wird geheiratet!"
Da schüttelte ihr der Polizeichcf gratulierend
beide Hände.
Das Besucher-Abzeichen für die Olympischen
Spiele.
Dieses Abzeichen werden alle Besucher der
Olympischen Spiele in Berlin tragen. Es
dürfte wohl eines Millionenabsatzes sicher sein.
Mrefte-Bild-Zentrale, K.)