Dev Tag in Wovt UN-Vilö
Katastrophe auf einem Ausflug
tschechoslowakischer Schulkinder
31 beim Untergang einer Fahre ertrunken
DNB. Lundenberg (Mähren), 26. Mai. Am
Dienstagvormittag unternahmen die Volks
schulen von Nakvitz im Bezirk Auspitz (Mäh
ren) einen Ausflug auf die Pavlover Höhe.
Bei Neumühl wurden die Schulkinder mit
einer Fähre über den angeschwollenen THa
tz a - F l» tz gesetzt. Dabei kenterte das Fähr-
boot, und die Kinder fielen ins Wasser. Biele
sind ertrunken.
Dem Tschechoslowakischen Pressebüro werden
von Augenzeugen folgende Einzelheiten gemel
det: 106 Schüler der Volksschule in Rakovice
unternahmen einen Schulausflug in die nahen
Pollauner Berge. Im Tal der Thaya muß
ten die Wagen über den durch die letzten Re
genfälle angeschwollenen Thaya-Flutz überge
setzt werden. Die ersten beiden Wagen mit ju
gendlichen Ausflüglern waren ohne Unfall auf
das andere Ufer der Thaya gelangt. Nun sollte
der dritte Wagen übergesetzt werden. Die
Kinder der folgenden Wagen konnten ihre Un
geduld nicht länger meistern, sprangen aus den
Wagen und bestiegen ebenfalls die Fähre, die
nun — da außer den Kindern auch noch ein
mit zwei Pferden bespannter Wagen auf ihr
Platz genommen hatte — stark überlastet war.
Kaum war das Fährboot vom Ufer
ßen, begann es zu sinken. Inmitten dà
ses, der infolge des hohen Wasserstande-. ..n
dieser Stelle etwa acht Meter tief ist, ging das
Boot unter und brach dabei auseinander. Es
entstand eine unbeschreibliche Verwirrung. Die
reißende Strömung riß alle Kinder, Pferde
und Wagen ins Wasser. Einige Kinder ver
mochten sich an dem Leitseil festzuhalten und
sich so zu retten. Die Mehrzahl der Kinder
wurde jedoch von der reißenden Strömung
erfaßt und Uber die Stromschnellen fortgetra
gen. Tie entsetzliche Tragödie, die sich mitten
auf dem reißenden Fluß abspielte, lähmte kei
nen Augenblick die Entschlußkraft der am Ufer
zurückgebliebenen Männer. Ein Kutscher ret
tete mit übermenschlicher Anstrengung allein
acht Kinder. Der Lehrer Novotny, der sich mit
den Kindern auf der Fähre befand, rettete
neun vor dem Tod.
31 Kinder, und zwar 22 Mädchen und 9 Kna
ben, sind nicht mehr zurückgekehrt. Es besteht
zwar noch die Hoffnung, daß sich einige Kin
der in der Verwirrung in den am Ufer gelege
nen Wäldern verirrt haben,' doch ist diese Hoff
nung leider sehr gering.
Ser Fährmann verhaftet.
DNB. Prag, 27. Mai. (Eig. Funkmeld.) Wie
die Blätter zu dem Fährunglück auf der Thaya
melden, ist der Fährmann Leopold Schuster
verhaftet worden. Beim Uebersetzen der Kin
der soll alle Vorsicht außer acht gelassen wor
den sein. Betriebsvorschriften gebe es nicht
und noch weniger eine Betriebskontrolle. Die
vorläufige Untersuchung der aufgefischten
Planken des Fährprahms ergab, daß das Boot
alt und angefault war. Es ist in der Mitte aus
einandergerissen. Eine Pionierabteilung und
die Feuerwehr von Brünn haben die ganze
Nacht trotz Unwetters mit Scheinwerfern nach
den ertrunkenen Kindern gesucht. Bisher wur
den nur ein toter Schüler und der Leichnam
des Kutschers gefunden.
*
Wittenberger Schüler in der Sächsischen
Schweiz verungtüüt.
DNB. Bad Schandau, 26. Mai. In Porsch
dorf ereignete sich am Dienstag ein schwerer
Verkehrsunfall. Ein Lastwagen aus Witten
berg, auf dem sich 31 Schüler mit ihrem Lehrer
befanden, geriet in einer Kurve aus der Fahr
bahn, durchstieß ein Geländer und rutschte die
Böschung hinab. Glücklicherweise wurde der
Wagen von Bäumen am Fuße der Böschung
aufgehalten, so daß ein Sturz in den dort
fließenden Bach vermieden wurde. Bei dem
Unfall wurde der zwölf Jahre alte Schüler
Heinz Doerp tödlich verletzt. Zehn weitere
Schüler mußten mit mehr oder weniger schwe
ren Verletzungen ins Krankenhaus nach Bad
Schandau eingeliefert werden. Auch der Fahrer
des Wagens trug schwere Verletzungen davon.
*
Eine grausame Laune des Schicksals fügt es,
daß sich noch eine dritte Katastrophe auf einem
Schülerausflug zugetragen hat, und
zwar in Polen. Darüber liegt folgende Funk
nachricht vor:
Eine dritte Katastrophe.
22 verletzte.
DNB. Warschau, 27. Mai. (Eig. Funkmeld.)
Bei Lodz stürzte ein Kraftomnibus in einen
Graben. In dem Wagen befanden sich Schul
kinder nud ihre Mütter ans einem Schulans
flug. 7 Personen wurden schwer und 15 leicht
verletzt.
Der Mädchenmord in der Wuhlheide.
DD. Berlin, 26. Mai. Das Geheimnis über
dem Mord in der Wuhlheide, der am Sonn
tagfrüh entdeckt wurde, lüftet sich. Der Kri
minalpolizei gelang es, die Persönlichkeit des
Mädchens einwandfrei festzustellen. Es han
delt sich um die 12jährige Volksschülerin Hil
degard Lindenberg aus der Rosenthaler
Straße, die anscheinend schon am Sonnabend
auf dem Wege zu einer Tante in Oberschöne
weide in den Anlagen des Volksparks Wuhl
heide ermordet wurde. Vergeblich wartete die
Tante auf die Ankunft ihrer Nichte. Am
Montagfrüh war die Mutter über das Aus
bleiben ihrer Tochter verwundert, vermutete
aber, daß ihr Kind sich verspätet und von
Oberschöneweide direkt die Schule aufgesucht
habe. Da die Mutter einer Beschäftigung
nachgeht, wurde das Mädchen erst am Mon
tagabend regelrecht vermißt. Hildegard Lin
denberg war für ihr Alter übermäßig kräftig
entwickelt und wurde von Fremden als viel
älter eingeschätzt. Von dem Täter selbst fehlt
bisher noch jede Spur.
* 2 *
Grotzfeuer in Fabriken
Am Niederrhsin
DNB. Neuß, 27. Mai. (Eig. Funkmeldung.)
In den Balutawerken explodierte am Dienstag
spätabends ein Oelbehälter. In kurzer Zeit
stand das Fabrikgebäude in Flammen. Den
Neußer und Düsseldorfer Feuerwehren gelang
es gegen 3 Uhr morgens, das Großfeuer ein
zudämmen. Dem verheerenden Element ist vor
allem die Papierfabrik zum Opfer gefal
len, während die eigentliche Balatumfabrika
tion nicht so sehr in Mitleidenschaft gezogen ist.
In Westfalen
DNB. Gütersloh, 27. Mai. (Eig. Funkm.)
Die Sperrholz-Furnier- und Sägewerke W.
Ruhenstroth (Wirus - Werke) wurden am
Dienstagabend von einem Großfeuer heimge
sucht. Die bei der Firma beschäftigten Arbei
terinnen konnten sich nur mit knapper Not vor
den Flammen retten und mußten zum Teil
über die Dächer geborgen werden. Dabei
wurde eine Arbeiterin schwer verletzt. Die
Feuerwehren von Gütersloh und Bielefeld
griffen den Brand mit 18 Strahlrohren an,
doch reichte ihr Einsatz nicht aus, so daß die
Gütersloher Luftersatzkompagnie alarmiert
wurde. Zwei Soldaten erlitten bei der Hilfe
leistung leichte Verletzungen. Nach dreistündi
ger Löscharbeit wurde der Brand auf seinen
Herd beschränkt.
*
In den Hafenanlagen von San Franzisko
brach ein schweres Schadenfeuer aus, durch das
drei riesige Holzlager zum größten Teil ver
nichtet wurden. Fünf Personen wurden von
den Flammen eingekreist und verbrannten,
drei weitere werden vermißt. Der Sachschaden
betrügt rund eine Million Dollar.
Bei den Löscharbeiten wurden 8 Feuerwehr
leute verletzt.
Bordbericht mm „Hmbentzurg".
DNB. An Bord des LZ. „Hindenburg", öeu
27. Mai. (Eig. Funkm.) Wir überflogen Köln
in der Nacht zum Dienstag bei Mondschein.
Die unzähligen Stadtlichter, die heraufglänz
ten, boten ein wunderbares Bild. Die Fahrt
über den Kanal ging flott vonstatten, da ein
Rückenwind den Flug beschleunigte. Das Luft
schiff erreichte eine Geschwindigkeit von 165
Stundenkilometer. Am Dienstagvormittag
machte sich leichter Gegenwind bemerkbar.
Ueber dem Meer lag friedlicher Sonnenschein.
Nachmittags hatten wir bei blauem Himmel
und ruhiger See die portugiesische Küste weit
hinter uns gelassen. Bei leichtem Westwind
nahmen wir Kurs auf Madeira. Wir erwarten
Nordwind und wieder schnellere Fahrt.
* *
Einbrecher im venzinkeller verbrannt.
DNB. Wehlau (Ostpreußen), 27. Mai. (Eig.
Funkm.) In dem Benzinkeller des Gutes
Piatcn wurde von drei Dieben ein Einbruch
verübt. Die Diebe steckten, um sich zu orien
tieren, ein Streichholz an. Dabei entzündeten
sich die in dem Keller entstandenen Benzin-
dämpfe, und die 'Einbrecher standen im Nu in
Flammen. Einer von ihnen kam dabei ums
Leben. Die beiden anderen erlitten schwere
Verletzungen. Glücklicherweise kam es nicht
zu einer Explosion der Benzinvorräte,' der
Brand konnte von dem Verwalter des Gutes
gelöscht werden.
* * *
Grubenunglück in England.
DNB. London, 26. Mai. In der Nähe von
Haverfordwest in der Grafschaft Pembrokshire
ereignete sich ein schweres Grubenunglück, dem
wahrscheinlich 7 Menschen znm Opfer gefallen
sind. Infolge Wassereinbruchs wurde ein
Stollen, in dem 21 Bergleute arbeiteten, in
kurzer Zeit völlig überschwemmt. 14 Berg
arbeitern gelang es, sich rechtzeitig in Sicher
heit zu bringen. Von den übrige» sieben ist
bisher einer als Leiche geborgen. Die anderen
sechs sind noch eingeschlossen. Man befürchtet
das Schlimmste für sie.
Wie jetzt feststeht, sind 7 Bergleute ums
Leben gekommen. Sie sind ertrunken, nachdem
der Stollen, in dem sie arbeiteten, durch einen
gewaltigen Wassereinbruch überschwemmt wor
den war.
* * *
Zuchthaus für Zahrraddiebe.
Das Stendaler Schöffengericht fällte
zwei Zuchthausurteile gegen Fahrraddiebe.
Der erste Angeklagte, Walter Gille aus Sie
dengrieben (Kreis Salzwedel), hat zahlreiche
Vorstrafen. Eines Nachts verschwand er mit
dem Fahrrad eines Bekannten. Vor Gericht
leugnete er den Diebstahl. Das Urteil lautete
auf ein Jahr drei Monate Zuchthaus, drei
Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizei
aufsicht. Der zweite Angeklagte, Werner Krause
aus Schleuß (Kreis Stendal), verschwand eben
falls von seiner Dienststelle, nahm ein Fahrrad
und 50 Mark von einem Arbeitskameraüen
mit. Das Gericht verurteilte ihn wegen seiner
niedrigen Gesinnung zu einem Jahr 6 Mona
ten Zuchthaus, 3 Jahren Ehrverlust und Stel
lung unter Polizeiaufsicht.
Beim Waldbrand
vom Gegenfeuer erfaßt.
5 Tote, 33 Vermißte.
DNB. Newyork, 26. Mai. Wie aus New
Gretna (New Jersey) gemeldet wird, sind bei
der Bekämpfung eines Waldbrandes, der sich
über ein Gebiet von 130 qkm erstreckte und
mehrere Dörfer bedrohte, fünf Angehörige des
freiwilligen Arbeitsdienstes, die zur Löschung
des Brandes herangezogen worden waren,
ums Leben gekommen. Die Arbeitsdienstfrei
willigen, in derartigen Löscharbeiten unerfah
ren, hatten versucht, durch Gegenfeuer den
Brand zu ersticken. Der Wind schlug jedoch
um und trug plötzlich die Flammen eines
brennenden Kiefernwaldes mit großer Schnel
ligkeit aus die Arbeitsmänner zu, so daß es
nur wenigen gelang, auf einem Lastkraftwagen
zu entfliehen. Außer den fünf Mann, die als
tot gemeldet werden, erlitten sieben weitere
Der Generalinspekteur des polnischen Heeres,
General Rydz-Smigly, hielt eine Aufsehen er
regende und viel kommentierte Rede über die
Probleme eines polnischen Führerstaates. MN
polnischen Heer ist der Generalinspekteur iM
Falle eines Krieges der Oberbefehlshaber de--
Heeres. (Selle-Eysler, K.)
schwere Brandwunden. Ferner werden 33
Arbeitsmänner vermißt,' man befürchtet, daö
der größte Teil von ihnen ebenfalls den Flam
men zum Opfer gefallen ist.
~ * *
Im Bedinge BgMubenMzeß
wurde am Dienstag eine Reihe Straßenbahn^
als Zeugen gehört. Straßenbahnschasfnen
Friedrich Stielte bekundete folgendes: „WC
fuhren in Richtung Potsdamer Platz. ÄM
Brandenburger Tor stoppte plötzlich mein
Kollege Retzke heftig den Wagen ab. Ich sich
eine große Staubwolke und beobachtete, n>C
die Baugrube einstürzte. Im gleichen Augen-
blick sausten drei Tiergartenbüume mit den
Erdmassen hernieder, erst dann sackte der Bag
ger ab, und das Wasser strömte aus den Ab
flußrohren hervor. Das alles ging in Sekun
denschnelle vor sich."
Nach der Verlesung einiger Schriftstücks
wurde die Verhandlung auf Mittwoch vertagt-
* * "
Der Nationale Film- und Buchpreis.
Sie Überreichung der Vreise.
Reichsminister Dr. Goebbels übergab aM
Dienstag den diesjährigen Preisträgern de§
Nationalen Film- und Buchpreises, dem Re
gisseur Carl Fröhlich und dem Standarten
führer Gerhard Schumann, ihre Preise. Dct
Nationale Filmpreis ist ein Wanderpreis und
bisher für den Film „Flüchtlinge" und für den
Reichsparteitagfilm „Triumph des Willens
verliehen worden. Er wird jetzt im Atelier
seines neuen Inhabers Aufstellung finden-
Der Nationale Buchpreis wurde vor zwei Jah
ren Richard Euringer, im vorigen Jahre Ever-
hardt Wolfgang Möller verliehen.
« * *
Familientragödie.
DNB. Ebersbach (Sachsen), 26. Mai. Ein^
Familientragödie hat sich hier in einer Sied
lung abgespielt. Eine 32 Jahre alte Frau
Bauer wurde zusammen mit ihren 4 Kindern,
Mädchen im Alter von zwei MonateM
anderthalb Jahren, vier und sechs Jahren
der Wohnung durch Gas vergiftet tot aufge
funden. Die polizeiliche Untersuchung ergab'
daß die Frau mit ihren Kindern den Tod ge
sucht hat. Der Grund zu diesem Schritt ist nicy
bekannt. Der Mann der Frau sollte nach mehr
wöchiger Abwesenheit heimkehren.
Die Berliner sind ungehalten über eines)
nassen und kühlen Mai. Sie liebäugeln nst,
dem Grog, einem Getränk, das sonst nreh
der Wasserkante vorbehalten ist. Ein schnur
riger Hausdichter der „DAZ." entlädt seine
Harm in folgendem Trost- und Loblied:
Steifer Grog
Durch die Gartenkegelbahnen
Geistert holdes Frühlingsahnen,
Einsam sitzt ein Gast am Tische,
' Daß er einen Grog erwische.
In des Erdenwehs Verkettung
Ist er oft die einz'e Rettung.
Nur den Kragen hochgeschlagen,
Läßt das Dasein sich ertragen.
Denn in unsrer kalten Zone
Tut's nicht nur die Kaffeebohne,
Auch der Tee, wenn ohne Rum er,
Schützt vor Kälte nicht und Kummer.
Grog allein kann Depressionen,
Die dem Wetter innewohnen,
Von der Menschenseele rücken.
Daß sie diese nicht bedrücken.
Lasset uns im holden Maien
Einheitlich im Chore schreien
Als ein kampfentschlossner Block:
Kellner, nochmals einen Grog!
Frakirrr.
Libyer huldigen Mussolini.
Am 24. Mai wurde in Rom der Jahrestag des Eintritts Italiens in den Welt
krieg gefeiert. Aus diesem Anlaß nahm Mussolini erstmalig eine Parade libyscher
Faschisten ab, die ihm begeisterte Huldigungen darbrachten. (Pressephoto, KJ