Rendsburg, den 28. Mai 1936.
Jahreshauptversammlung des Vereins
der Haus- und Grundeigentümer
Festsetzung der Einheitswerte — Hypotheken und Kapitalmarkt — Landes-
brandkasfe und Hausreparaturen — Das Hausbuch
In der Jahreshauptversammlung des Ver
ms der Haus- und Grundeigentümer Rends-
urgs, die im Deutschen Haus stattgefunden
erl 's 110 ļeîder nur müßig besucht gewesen ist,
^stattete der Vereinsleiter Jsennecker den
şires- und Kassenbericht. Es sei diesem das
^mgende entnommen:
^ie Mitgliederzahl ist im Jahre 1935 von
ņf 535 gestiegen, die Zahl der in der Haft-
^"chtversicherung befindlichen Häuser von 77
Nu Die Geschäftsstelle der Organisation
urde an 86 Sprechtagen von 628 Personen,
» Senüber 379 des Vorjahres, in Anspruch ge-
ommen. Sie ist inzwischen weiter ausgebaut
A°ŗoen durch die Einstellung einer Hilfskraft,
şi«Großveranstaltungen wurden im letzten
Ģhre der Verbanöstag in Flensburg und der
5^tralverbanöstag in Königsberg beschickt,
9} zwar fuhren nach Flensburg neben dem
!, ^einsleiter 3 Mitglieder, nach Königsberg
9 t Vereinsleiter allein. Im übrigen fanden
weitere Verbanöslagungen in Kiel statt.
Verein hat 5 Mitgliederversammlungen
behalten neben 6 Sitzungen des Beirates.
\5it diesem Jahr wurden die Einheits
orte festgesetzt. Maßgeblich für die Errech-
«ng dieses Wertes ist neben der Mietsumme
Dingen die Meßzahl, mit welcher
w Rohmiete errechnet wird durch Multipli-
atlon. Die Ermittelung der Meßzahl erfolgt
Us öem Vergleich der verschiedenen Kauf
lüste, die bei dein Verkauf der Häuser erzielt
wrden. Diese Kaufpreise werden mit dem
uetertrag in ein Verhältnis gesetzt, und dar-
us wird durch verschiedene Aenderungen die
wßzahl ermittelt. Der Verband hatte daher
sM besonderes Interesse daran, in den Besitz
sicher Kaufpreise zu kommen. Zu diesem
Zwecke hatte man ein besonderes Formular
"halten. Dem Ersuchen an etwa 100 Perso-
” eit / dies Formular auszufüllen, kamen sage
«ntz schreibe 2 nach. Durch derartigen Mangel
M Interesse schädigt man sich selbst. Im letz-
/ņ Jahre erfolgte dann auch die dritte Rege-
Mg des Hypothekenverkehrs. Die Fälligkeit
zinsgesenkten Hypotheken und der gekün
sten, vor dem 8. 12. 31 entstandenen Hypo-
«ïe« wurde wieder hinausgeschoben bis zum
y - 7. 38 bzw. 31. 12. 38. Diese Regelung ist
wch ^ur vorübergehend. Das Ziel ist, die Hy
potheken in Tilgungshypotheken umzuwan-
."n, damit auf diese Art die Hypotheken,
^nn auch in kleinen Beträgen, flüssig ge
rächt werden und dem Kapitalmarkt
Kleber zugute kommen. Es handelt sich dabei
^ eine Gesamtkapitalsumme von etwa 12 bis
Milliarden Mark, bei der schon 1 Proz. Til-
erhebliche Kapitalrückflüsse verursacht,
für die Schaffung neuen Wohnraumes ge
sucht werden können.
, Zur Erfüllung der Pflicht betreffs Jnstand-
şwtung des vorhandenen Wohnraumes lei-
die L a n d e s b r a n ö k a s s e unserer Pro-
/ņz tatkräftige Hilfe. Sie stellt für Repara-
"en, Umbauten und sonstige Verbesserun-
sj. n ganz erhebliche Mittel zur Verfügung,
sav ^onös von 100 000 Jt steht den Organi-
«onen immer zur Verfügung. Das Geld ist
M nur 3 Proz. zu verzinsen und durchschnitt
st 3 Jahren zurückzuzahlen. Die Durch-
Mittssumme pro Haus ist auf 1000 MJl. fest
ig jedoch lassen besondere Verhältnisse
->^suahmen zu. Voraussetzung ist, daß der
, brlehnsnehmer Mitglied der Organisation
tz 1 Haus- und Grundeigentümer ist. Hier ist
r Einfluß der Organisation in die Erschei-
tzşig getreten. Ebenso muß das reparaturbe-
itcfc 8e Haus bei der Landesbrandkasse ver-
bjh"t sein. Um Schmarotzern den Weg zu den
^wgeu Darlehen abzuschneiden, ist die Lan-
Tà s ändkasse dazu übergegangen, von den
^ Nehnsnehmern zu fordern, daß sie nicht
£ r siir die Zeit der Darlehnsannahme der
st öanisation angehören, sondern auch minde-
t^şiur die Dauer der Rückzahlung. Im letz-
sä Äahr hat der Rendsburger Verein für
Z 38 giji Darlehen vermittelt. Diese Sum-
^ wurde von 22 Mitgliedern in Anspruch
hwonnnen. Die Rückzahlung der seit 1933 von
.Ļandesbrandkasse gegebenen Darlehen
b/0mt nach den Mitteilungen der Landes-
ch.Mokassc fast lOOprozcntig, ein gutes Zei-
öer? îìr den Willen der Darlehnsnehmer und
Qtfi ņ Leistungsfähigkeit infolge der Aufbau-
wit^^ unseres Führers. Es kann manchem
w , er Einrichtung geholfen werden, und
^llte die Möglichkeit in weitestem Maße
iiļļļ.'Jfeit. Aber nicht allein Instandsetzungen
^ie bauten haben interessiert, sondern auch
èara ŗ "bauten. Hier kam es vor allem
I un, den neuen Hauseigentümer mit
ivext uekanntzumachen, was er für den Er-
hc>t ^oàer Bau des Hauses zu berücksichtigen
er Verband hat ein Baumerkblatt her-
lvg ^ogeben, das in der Geschäftsstelle kosten-
2 u Empfang genommen werden kann.
J* 1 Feuer, Sturm und Wasser hat sich ein
Zerstörer des Eigentums gesellt, der
schlimme Arbeit tut: der H a usb o ck k äfe r.
Die Landesbrandkasse hat systematisch eine
ganze Reihe Bauten in der Provinz auf das
Vorhandensein des Hausbockkäfers unter
sucht und dabei festgestellt, daß von den unter
suchten Gebäuden rund 36 Proz. vom Haus
bock befallen waren. Das ist ein recht hoher
Prozentsatz. Festgestellt wurde, daß der Haus
bock nicht allein in den Balken des Hauses zu
finden ist, sondern auch in den Möbeln. Das
Tierchen wird also bei seiner Zerstörung noch
gefährlicher. Mit der Landesbrandkasse zu
sammen werden die Wege ermittelt, die zur
Vernichtung des Schädlings führen.
Schließlich die Steuerfrage. Der neu festge
setzte Einheitswert ist vorerst für die Berech
nung der Grundsteuer von keiner Bedeutung.
Er erlangt steuerrechtliche Bedeutung erst mit
der Einführung der neuen Steuern, die für
den 1. 4. 37 vorgesehen ist. In welcher Art
diese steuerliche Belastung dann erfolgen soll,
ist noch nicht bekannt. Daneben ist die Frage
der Kirchensteuer, insbesondere der dinglichen,
ausgiebig behandelt worden. Soweit man bis
jetzt gehört hat, soll ein neues Kirchensteuer
gesetz für die Provinz Schleswig-Holstein ge
schaffen werden. Zu beachten ist ferner die
Regelung der Einkommensteuer vom Ertrag
des Grundstücks, d. h. also, ob der Ueberschuß
aus den Mieteinnahmen als Einkommen zu
versteuern ist. Bisher war in unserer Pro
vinz die Regelung so, daß für die Berücksich
tigung der Werbungskosten ein Pauschalsatz
angesetzt wurde. Er betrug in unserer Stadt
75 Proz. Von der Rohmieteeinnahme konnte
jeder Eigentümer erst mal diese 75 Proz. als
Werbungskosten absetzen. Von den restlichen 25
Proz. gingen noch die Zinsen ab, so daß in
den meisten Fällen ein Betrag verblieb, wel
cher der Einkommensteuer nicht mehr unter
lag. Das Einkommen aus der Miete war
also steuerfrei. Dies wird anders, und zwar
schon im nächsten Jahr. Die Pauschale fällt
fort. Der Hauseigentümer muß seine Wer
bungskosten fortan durch Belege im einzelnen
nachweisen. Kann er dies nicht, dann finden
solche Beträge keine Berücksichtigung bei der
Ermittelung des Einkommens aus der Mie
te. Aus diesen Gründen wird es notwendig,
daß der Hauseigentümer Buch führt über
die Einnahmen und Ausgaben seines Hau
ses. Der Zentralverband hat zu diesem Zweck
das Hausbuch herausgebracht. Bei der Eigen
art der Hauseinnahmen und -ausgaben war
die Abfassung eines solchen Buches nicht so
einfach,' denn alles muß nach gewissen Ge
sichtspunkten geordnet sein. Dabei muß die
Abfassung so einfach sein, daß jeder Haus
eigentümer sie verstehen kann. Die Ausfüh
rung des Hausbuches hat die Zustimmung des
Reichsfinanzministeriums gefunden. Es wird
jedem Mitglied ein solches Buch kostenfrei
vom Verein ausgehändigt. Die Geschäftsstel
len der Organisationen gelten als Steuer
buchstellen im Sinne der Reichsabgabenord
nung bei der Führung des Hausbuches, dür
fen also die Bücher für die Mitglieder führen.
Zum Kassenbericht übergehend, teilte der
Vereinsleiter mit, daß die Einnahmen sich auf
4018,07 Jljl belaufen, die Ausgaben auf
3435,36 JUt, so daß ein Kassenbestanö von
682,71 MJL verbleibt. Die Einnahmen über
steigen den Voranschlag um 1018,07 MJL, die
Ausgaben den Voranschlag um 435,36 MJL.
Unter den Ausgaben steht der Verbandsbei
trag mit 1166,81 MJL = 34 Prozent, die Haft
pflicht mit 259,65 MJL = 8 Prozent. Die Kasse
ist geprüft,' es wurde Entlastung erteilt.
Im weiteren Verlauf des Abends sprach
Jsennecker über Gedanken zum Mietrecht. Wir
behalten uns vor, auf die Ausführungen zu
rückzukommen. Dem Musikzug der Marine-
SA.-Standarte 55 ist man zu Dank verpflich
tet für seine Darbietungen.
* * *
Eine Ortsgruppenversammlung
des NS.-Lehrerbundes
fand am Mittwoch im „Schützenhof" statt. In
Vertretung des Ortsgruppenamtsleiters er
öffnete Clausen die Tagung. Dann berichtete
Kreisamtsleiter Henke, Vreiholz, über die
Gauarbeitstagung in der vergangenen Woche
in Schleswig, auf der der Gauamtsleiter,
Regierungsdirektor Petersen, u. a. die Richt
linien über die zukünftige Lagerschulung der
Lehrer- und Erzieherschaft bekanntgab. Noch
in diesem Jahre wird voraussichtlich ein Gau
schulungsheim für die Erzieherschaft Schles
wig-Holsteins gebaut werden. Schon jetzt aber
wird eine behelfsmäßige Lagerschulung durch
geführt. Die Lagcrschulung der Lehrer- und
Erzieherschaft wird das ganze Jahr hindurch
durchgeführt. Im Juni findet in Mölln eine
Schulung von Lagerleitern statt. Daran
nehmen zwei Lehrer aus dem Kreise Rends
burg teil. Auch wird bei der Lagerschulung
.ein Austausch von Gauen vorgenommen. 50
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