Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Dev Zag in ttWt und Bilö 
Adolf Wagner über die neue Kunst 
Eröffnung der großen Münchener Kunstausstellung 
DNB. Mönche«, 27. Mai. Die Große 
Münchener Kunst aus st ellung 1936 
wurde am Mittwoch durch den bayrischen 
Staatsminister des Innern Gauleiter Aöol 
Wagner in der festlich geschmückten Pinakothek 
feierlich eröffnet. 
Der Präsident der Münchener Künstlerge 
nossenschaft und Vorsitzende der Ausstellungs 
leitung, der Maler Rvsner, begrüßte die Er 
schienenen.^ Dann sprach, von lebhaftem Bei 
fall begrüßt, Staatsminister Adolf Wagner. 
Er führte u. a. aus, daß das „Haus der deut 
schen Kunst" im kommenden Jahr um diese 
Zeit fertig sein werde, so daß die nächste 
Kunstausstellung in München wieder in einem 
Rahmen stattfinden kann, der der Bedeutung 
Münchens als Stadt der deutschen Kunst ent 
spricht. Der Minister zeigte dann den Weg 
auf, wie man der Kunst im allgemeinen Brot 
zu geben gedenke. Hier sei es besonders not 
wendig, daß auch jene Künstler, die in den 
großen Ausstellungen im „Hause der deut 
schen Kunst" nicht zum Zuge kommen, genü 
gende und schöne Ausstellungsmöglichkeiten 
erhalten. Darüber hinaus wandte sich der 
Minister an den Kunsthandel mit einem Ap 
pell, nicht nur alte Meister zu handeln, son 
dern sich für die nächste Zeit mehr um die Le 
benden zu kümmern, denn diese hätten viel 
fach Hunger. Auch die Presse sollte sich für die 
jungen bildenden Künstler einsetzen, Hilfe 
könne nur derjenige Künstler erwarten, der 
sie verdient. Diese Hilfe soll nicht in Unter 
stützungen und Almosen bestehen, sondern in 
Form von Aufträgen. 
Der Minister sprach dann darüber, wie die 
Kunst geführt werden solle. Es sei nicht dar 
an gedacht, der Kunst etwa Vorschriften zu 
machen, wie sie sich zu entwickeln habe und 
welche Richtung erwünscht sei. Man beschrän 
ke sich zunächst lediglich darauf, das vorhan 
dene Unkraut aus der Kunst auszujäten. 
Wenn eine dekadente Zeit die Symbolik dieser 
Zeit, nämlich die Dekadenz verherrlichte, 
dann möge das für diese Zeit richtig gewesen 
sein. Die Zeit Adolf Hitlers aber habe nicht 
den Niedergang, sondern den Aufstieg, das 
lebendige Leben, das Herrliche im Menschen 
auf seine Fahnen geschrieben und dies müsse 
in der Kunst unserer Zeit festgehalten wer 
den. Adolf Hitler und seine Bewegung haben 
der deutschen Kunst einen Nährboden gegeben, 
reich und fruchtbar. Die nationalsozialistische 
Revolution ist auch auf dem Gebiete der 
Kunst absolut siegreich gewesen. Auch in der 
Kunst ist der Feind geschlagen, und wo er noch 
lebt, wird er geschlagen, wo wir ihn treffen. 
Unser Künstlertum soll nicht nur am kleinen 
Kunstwerk stehen bleiben, sondern soll sich auch 
wieder heranwagen an die Monumentalität. 
Monumental sind die Schöpfungen des Füh 
rers, monumental ist unsere Zeit, und so mö 
ge dann im kommenden Jahr unser Künstler 
tum aus sich herausholen, was gottbegnadete 
Kunst in ihn hineingelegtģhat. „Wir aber," 
so schloß Adolf Wagner, „als politisch führen 
de und tätige Männer, wir wollen unserem 
Künstlertum mit der ganzen Kraft unserer 
Seele dankbar sein, wenn es sich als edle 
Kampfgenossenschaft neben uns stellt und mit 
uns kämpft für die Größe der deutschen 
Nation!" 
Um das Blaue Band. 
„Üueen Mary" auf der Jungfernfahrt. 
DNB. London, 27. Mai. In vollem Flaggen 
schmuck und unter größter Anteilnahme der 
gesamten englischen Oeffentlichkeit trat der 
neue 80 000-To.-Dampfer der Cunard-Linie 
„Queen Mar y" am Mittwochnachmittag 
von Southampton seine Jungfernfahrt nach 
Newyork an. An Bord befinden sich rund 
2100 Fahrgäste und eine Besatzung von etwa 
1100 Köpfen. 
Als das Riesenschiff langsam die Ausfahrt 
antrat, brach die gewaltige Zuschauermenge, 
die sich zur Abfahrt eingefunden hatte, unter 
den Klängen des Liedes „Rule Britannia" 
in einen Sturm der Begeisterung aus. Im 
Laufe des Tages waren an Bord der „Queen 
Mary" mehr als 5000 Glückwunschtele 
gramme eingelaufen. 
Die Schiffsleitung wird die Entscheidung 
darüber, ob es versucht werden soll, bereits auf 
der ersten Fahrt den Rekord des französischen 
Dampfers „Normandie" zu brechen und damit 
das Blaue Band für England zurückzugewin 
nen, von den Wetterverhältnissen abhängig 
machen. Der Kapitän des Schiffes glaubte 
jedoch, vor der Abreise vor einer übermäßigen 
Beanspruchung der neuen Maschinen auf der 
Jungfernfahrt warnen zu müssen. 
Englische Eisenbahner aus Ieutschland- 
sahrl. 
DNB. München, 27. Mai. Die Mitglieder der 
„Institution of Locomotive Jngeneers", die 
anläßlich des Löjäßrigen BesteheuZ ihrer Ge 
sellschaft eine Deutschlandreise unternommen 
hatten, reisten am Mittwochfrüh mit dem fahr 
planmäßigen Berliner D-Zug von München 
nach Nürnberg ab. Zur Verabschiedung der 
englischen Gäste hatten sich Vertreter der 
Reichsbahnöirektion München am Bahnsteig 
eingefunden. 
Die Engländer äußerten sich begeistert über 
die Eindrücke, die sie als Gäste der Deutschen 
Reichsbahn auf einer Zugspitzfahrt gesammelt 
haben. Auch die Besichtigung des Reichsbahn 
ausbesserungswerkes München-Freimann und 
der Werkstätten der Maschinenfabrik Augs 
burg-Nürnberg in Augsburg hat ihre beson 
dere Aufmerksamkeit erweckt. 
In Nürnberg werden die englischen Gäste 
ebenfalls einen zweitägigen Aufenthalt neh 
men und alle sie interessierenden Einrichtungen 
der Deutschen Reichsbahn in Augenschein neh 
men. Ueber Dinkelsbühl und Rothenburg o. T. 
geht dann die Fahrt weiter nach Berlin, wo 
außer dem Besuch des Olympia-Stadions und 
des Olympischen Dorfes auch der Besuch der 
Lokomotivprüfanlagen im Grünewald und 
eine Fahrt mit dem „Fliegenden Hamburger" 
nach Deutschlands Welthandelshafen vor 
gesehen ist. 
Das Zährunglück auf der Thaya. 
DNB. Prag, 27. Mai. Bon den Opfern des 
Fährunglücks auf der Thaya sind bis jetzt die 
Leichen von 9 Schulkindern und die Leiche des 
Kutschers geborgen worden. Es werden noch 
22 Kinder vermißt. Pioniertruppen arbeiten 
ununterbrochen an der Unglücksstelle. Aus der 
ganzen Republik gehen bei der Gemeinde Rak- 
vitz, dem Ortsschulrat und bei der Schulver 
waltung Beileidskundgebungen ein. 
Romantische heirat. 
DNB. Athen, 27. Mai. Die Prinzessin A s s a,' 
die älteste Schwester des Königs G h a s i l. 
von Irak, hat durch eine romantische Hei 
rat die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf 
sich gelenkt. Die Prinzessin hatte sich in einen 
armen Griechen namens Haralambis, der 
Pförtner in einem Hotel auf der Insel Rhodos 
war, verliebt. Am Dienstag erschien sie mit 
Haralambis in Athen und verheiratete sich 
heimlich mit ihm, nachdem sie sich vorher nach 
orthodoxem Ritus hatte taufen lassen und den 
Namen Anastasia angenommen hatte. 
Die jüngere Schwester der Prinzessin, die sich 
ebenfalls in Athen aufhält, hat sich durch Ver 
mittlung der türkischen Gesandtschaft an die 
griechischen Sicherheitsbehörden gewandt und 
die Ungültigkeitserklärung der Ehe verlangt. 
Das jungverheiratete Paar hat Athen mit 
unbekanntem Ziel verlassen. 
Lettland will dieses deutsche Kulturdenkmal vernichten. 
Dre lettische Wirtschaftskammer in Riga hat ihre Absicht bekundet, das Haus der 
Großen Grlde in Riga niederzureißen, an dessen Stelle ein Kongreßgebüude er 
baut werden soll. Sollte diese Absicht in der Tat verwirklicht werden, so würde 
hier eine Kulturbarbarei erfolgen, die nicht scharf genug gebrandmarkt werden 
kann. Bei den Gildehäusern in Riga handelt es sich um die ältesten deutschen Kul- 
turdenkmäler im baltischen Raum. Das Haus öer Großen Gilbe beispielsweise 
stammt in seinen ältesten Teilen aus dem 13. Jahrhundert. Das Bild zeigt links 
das Haus der Großen und der Kleinen Gilde in Riga, rechts den großen Saal im 
Haus der Großen Gilde. (Donath K) 
Das Mim Einsturzunglück vor Gericht 
DNB. Berlin, 27. Mai. Am Mittwoch, dem 
26. Sitzungstag im Bauunglücksprozeß, wurde 
zuerst ein von der Verteidigung geladener 
Zeuge vernommen, der als Betonpolier auf 
der Baustelle tätig war. Nach seiner Auffas 
sung seien aber „unten" die nötigen Sicher 
heitsvorschriften beachtet worden. Der Zeuge, 
der schon vor dem Kriege im U-Bahn-Bau 
gearbeitet hat, gibt weiter an, daß es auch 
früher handwerksmäßig üblich gewesen sei, 
gestoßene Steifen zu verwenden und Löcher 
in die U-Eisen zu brennen. 
Der 34jährige Straßenbahnfahrer Retzke 
bekundete bei seiner Zeugenvernehmung, daß 
er mit seinem Wagen in Richtung Potsdamer 
Platz bereits die Haltestelle überfahren hatte, 
die sich früher kurz vor der Unglücksstelle be 
fand. Plötzlich bemerkte er, wie das Erdreich 
vor ihm zusammenstürzte, der Bagger in den 
Schacht hineinsackte, die Straßenbahnschienen 
nachrutschten und mehrere Tiergartenbäume 
niedersausten. 
Der Zeuge P a n n e ck behauptete, daß schon 
mehr Verschwertungen eingebaut waren als 
auf den Lichtbildern sichtbar ist. Nach Ansicht 
der Verteidigung besteht die Möglichkeit, daß 
die vorliegenden Aufnahmen zu denjenigen 
gehören, die am 12. August gemacht wurden. 
Der Photograph, der die Aufnahmen gemacht 
hat, soll noch als Zeuge gehört werden. 
In der Nachmittagssitzung wurde eine 
Reihe von Zeugen vernommen, die zu den 
Mitgliedern der Kolonne gehörten, die die 
Sicherungsarbeiten in der Baugrube auszu 
führen hatte. Auf eine Frage des Verteidi 
gers über die Beschaffenheit des Eisenmateri 
als erwiderte ein Zeuge, daß das Material 
zwar nicht neu, aber auch nicht minderwertig 
gewesen sei. 
Standort des Luftschiffes „Hindenburg". 
DNB. Hamburg, 27. Mai. Das nach Süd 
amerika fahrende Luftschiff „Hindenburg" pas 
sierte Mittwoch mittag 13.30 Uhr MEZ. die 
Kapverdische Insel Sao Vicente. Nach 
Mitteilung der Deutschen Seewarte stand es 
«E M Utzr WEZ. jüdrvestlich diejer Insel, 
Bantzite« 
lleberfälle auf asiatische Bahnen 
DNB. Tokio, 27. Mai. Am Dienstagabend 
wurden mehrere schwere Banditenüberfülle 
auf die Eisenbahnlinien östlich von Hsin 
king und Charbin verübt. Bei San 
ta cho an der norömandschurischen Bahn, etwa 
600 Kilometer östlich von Charbin, zerstörten 
die angreifenden Banditen die Gleise und 
beschossen dann einen entgleisten Zug. Dabei 
wurden zehn Passagiere, darunter ein Japa 
ner, getötet und elf schwer verwundet. Bei 
einem Gegenangriff fielen zwei japanische 
Hauptleute und ein Soldat. Nach Einsatz 
japanischer Hilfstruppen wurden den Ban 
diten schwere Verluste beigebracht. Kurze Zeit 
später griffen die Banditen den Bahnhof 
Laosungling östlich Kirin an und zerstörten 
die Station durch Bomben. Ein dritter An 
griff erfolgte bei Mulan etwa 160 Kilometer 
östlich von Charbin auf ein mit fünfzehn 
Beamten, darunter vier japanische Offiziere, 
besetztes Polizeiauto. Der Kraftwagen wird 
samt seinen Insassen vermißt. In Hsinking 
ist man stark darüber beunruhigt. Es ist be 
reits eine Strasexpedition ausgesanöt wor 
den. 
Bluttat in Mexiko 
13 Tote 
DNB. Mexiko, 27. Mai. Pressemeldungen 
aus Guadalajara verzeichnen eine neue 
schwere Bluttat mexikanischer Banditen. Da 
nach wurde der Gemeindevorsteher von 
T o n i l a im Staate Jalisco von einer 
Rebellenbande überfallen, wobei er und seine 
Begleiter ermordet wurden. Das Blatt „EH 
celsior", das sich mit dem Fall beschäftigt- 
spricht von 13 Todesopfern, unter denen şş 
vier Gemeindebeamte befinden sollen. Außer 
dem seien sieben Personen verwundet worden- 
Zur Verfolgung der Banditen sind Truppen 
eingesetzt worden. 
5 Tote. 
DNB. 
Schwere Unwetter 
in der TfchêchŞwM. 
Prag, 27. Mai. Ein am Dienstag 
nachmittag über Neu-Paka niedergegangener 
heftiger Wolkenbruch, der von einem starken 
Gewitter mit Hagelschlag begleitet war, ver 
wandelte die Bäche der Gegend in reißende 
Ströme. Ungeheurer Schaden wurde an 
gerichtet, der in die Millionen gehen dürfte- 
Bei der Katastrophe sind eine 70jährige 
Greisin, zwei achtjährige Mädchen und ein 
Knabe ums Leben gekommen. 
Auch in dem Bezirk von Puchow an der 
Waag (Slowakei) herrschte ein schwerer. 
Sturm mit Wolkenbruch und Hagelschlag. Ein 
Bauer, der mit seiner elfjährigen Enkelin 
Vieh auf die Weide trieb, wurde beim Ueber- 
schreiten des angeschwollenen Flusses vorn 
Sturm in das Wasser geschleudert. Das Mäd 
chen rettete sich, der Bauer ertrank. Das Un 
wetter hat auch hier riesigen Schaden an 
gerichtet. 
Gase im SchiffsrnWf. 
3 Tote. 
DD. Paris, 27. Mai. Ein folgenschwerer 
Unglücksfall ereignete sich in den Nachmittags 
stunden des Montag an Bord eines Schlep 
pers in der Nähe von Versailles. Der Be 
sitzer des Schiffes war in eine tiefliegende 
Kammer hinabgestiegen, um eine Reparatur 
auszuführen, als er plötzlich bewußtlos zu 
sammenbrach. Zwei Matrosen, die ihm, durch 
seine Abwesenheit beunruhigt, folgten, er 
eilte das gleiche Schicksal. Darauf stiegen zwer 
Algerier, die auf einem danebenliegendest 
Schlepper arbeiteten, in den Schiffsrumpş-' 
aber auch sie brachen nach wenigen Sekunde« 
bewußtlos zusammen. Der sofort benachrich 
tigten Feuerwehr gelang es zwar, die fü«! 
Opfer an Deck zu heben. Aber nur die beide« 
Algerier konnten wieder ins Leben zurück 
gerufen werden. Der Tod der drei änderest 
ist auf Einatmung giftiger Gase zurückzufüh 
ren, deren Ursprung noch nicht festgestellt wer 
den konnte. 
Das Flaggschiff der britischen Mittelmeer 
flotte „Barham" hat am Mittwochfrüh vor 
Haifa Anker geworfen. Die Lage in der Stadt 
und in der näheren Umgebung wird als ruM 
bezeichnet. 
Memel. Nach dem endgültigen Ergebnis der 
Stadtverorönetenwahl der Stadt Memel er 
hielt die Memelländische Gemeinschaftsliste 
Sitze, während die vier litauischen Listen 
saunnen 12 und die drei Splitterlisten di^ 
Sitze bekamen. 
silts) 
Der arabische Steuerstreik. 
Ein Bild, das in einem Dorf bei Jerusalem aufgenommen wurde: Araber , 
zu einer Protestversammlung zusammengekommen. Der Redner ruft die Menge zur 
Verweigerung der Steuerzahlung auf, bis die jüdische Einwanderung gestoppt wird. 
Versammlungen dieser Art sind zur Zeit bei der bäuerlichen arabischen Bevölkerung 
i» ganz KaläKna W à Tķsoàrmtz. WWaMg, ķ
	        
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