129 - Jahrgang. / Nr. 124. / Zweites Blatt.
VŞswèg-ķïoìstàksiH-!
Lanbeszeituns
ļķìendsdliĢr àgedtaS
Freitag, den 29. Mai 1936.
rTinniminin m
Rotkrevztag 1936
5Ctn Mittwochabend fand im Ev. Gemeinde
haus eine gemeinsame Sitzung des Beirats
°es Ortsmännervereins vom Roten Kreuz
^t den Vorständen der Frauenvereine vom
àoten Kreuz unter dem Vorsitz von Propst
Abraham statt. Der Hauptpunkt betraf die
Ausgestaltung des Rotkreuztages in Rends
burg und Büdelsdorf am 13. und 14. Juni,
gemeinschaftlich wird der Verkauf des Ab-
àchens in den Häusern uild auf den Straßen
Durchgeführt. Am Kriegerdenkmal der 85er
g der Christ- und Garnisonkirche findet eine
Kranzniederlegung statt. Platzkonzert un
srer Militärkapellen am 13. und 14. Juni
wlleu erbeten werden. Die segensreiche Tätig
est des Roten Kreuzes dürfte allen zur Ge
nüge bekannt sein. Die fleißigen Sammler
Werden sicher freudige Abnehmer der kleinen
Notkreuzabzeichen finden.
Rückkehr unserer Artillerie.
Nach fast vierwöchiger Abwesenheit traf die
Nendsburger Artillerie, der Regimentsstab,
°rr Regiments-Nachrichtenzug und die 2. Ab-
^lung des Art.-Regts. 20 am Donnerstag
wieder in Rendsburg ein. Das ganze Regi
ment befand sich 3 Wochen zu Schießübungen
?uf dem Truppenübungsplatz Zossen bei Ber-
îu. Die Rückkehr erfolgte zunächst mit der
Rendsburg, den 29. Mai 1936.
Bahn bis Lübeck. Die letzten vier Tage fanden
Marschmanöver in Holstein zwischen Lübeck
und den Standorten Rendsburg und Itzehoe
statt. Unter klingendem Spiel des Trom
peterkorps rückte die Artillerie mit dem Regi
mentskommandeur, Oberst Müller, an der
Spitze gegen y,2 Uhr mittags, von der Bevöl
kerung begrüßt, in ihre Garnisonstadt ein. Auf
dem Paradeplatz fand ein Vorbeimarsch vor
Oberst Müller statt. Dann ging es in die Ka
sernen zurück, deren Eingangstore zum Emp
fang mit Grün geschmückt waren.
* * ~
* Eine Pfingstandacht findet auch in diesem
Jahre am ersten Pfingsttag von 11—11.30 Uhr
im Gehölz von Nobiskrug statt, wozu Bänke
im Wald aufgestellt sind. Der Nendsburger
Posaunenchor wird bei der Andacht mitwirken.
* Sein 25jähriges Dienstjubilänm beging am
letzten Sonntag Strafanstaltsinspekt. Spring-
brunn an der hiesigen Strafanstalt.
* Wem gehört das Fahrrad? Gefunden
wurde vor einigen Nächten in der Löwen
straße ein gebrauchtes Herrenfahrrad ohne
Marke, mit Gepäckhalter und Lederriemen.
Das Rad hat hinten helles Schutzblech.
* Schisfsbewegung der Reederei Zerssen
& Co., Rendsburg-Kiel. D. „Glückauf" am
28. Mai von Stettin nach Königsberg abge
gangen,' D. „Arnis" am 27. Mai von der
Tyne nach Holtenau abgegangen.
ĢerichLsàg irr üett^ffeutg
Drei Fälle vor dem Amtsgericht, fünf vor der Kieler Strafkammer
sichtbare Angeklagte, unsichtbarer Angeklagter
Im Warteraum schräg gegenüber dem
^erhandlungssaal des hiesigen Amtsgerichts
hswgt die Abbildung des erschütternden Werkes
eines Bildhauers. Es nennt sich „Der Zahltag"
Und zeigt einen betrunkenen Mann, der
^kgungslos auf einer Stufe liegt. Er hat den
twhn am Zahltag vertrunken. Schmerzvoll
Mut ftine Frau auf ihn herab. Ein Kind
Jagt sie auf dem Arm, ein zweites hält sie an
^ Hand, das dritte birgt sich hinter ihrer
s.würze. Das Bild ist eine stumme und doch
»hreiende Anklage gegen die Versündigung an
° er Familie.
Gottlob sind solche Szenen unter den reini-
uenden und erzieherischen Einwirkungen un-
^er Zeit seltener geworden. Daß sie sich aber
ì und wieder noch zutragen, wurde ans der
Verhandlung gegen eine junge Ehefrau aus
Nendsburg ersichtlich. Sie ist erst 26 Jahre alt
ud hat drei kleine Kinder im Alter von 9 Mo-
aten bis zu 3 Jahren. Es handelt sich um
Ne Frau, die, wie in der Zeitung stand, An-
dieses Monats bei drei Kaufleuten unter
Zugabe falscher Namen und falscher Wohnung
^arcn gepumpt sin einem Falle zu erlangen
.Jucht) hat, dann aber nichts mehr von sich
ließ. Das war B e t r u g. Die Ange-
ofi st 6*e, die im Laden den Anschein erweckte, als
^ ne nach der Lohnzahlung ihres Mannes die
y^îrld begleichen wolle, berief sich vor Gericht
r i ihre Notlage, die dadurch hervorgerufen
daß ihr Mann das ganze Geld vertrinke.
Usofern trat zu der sichtbaren Angeklagten
n unsichtbarer Angeklagter, der leider nur
Moralisch zur Mitverantwortung gezogen wer-
L 1 dünnte. Die Angabe eines falschen Namens
, gründete die Frau damit, daß sie sonst nichts
dämmen hätte. Zweimal ist sie, und zwar im
- uru, von der Polizei verwarnt worden. In.
e der Amnestie ging sie damals straffrei
ï( 3 hat sie das betrügerische Manöver
Sto’p bald wieder begangen. Die erhaltenen
àm/ņ blieben ganz oder größtenteils unbe-
Jetzt erklärte die Frau, sie wolle es nicht
^ber^turl.
s^Erafe muß natürlich sein. Der Amtsanwalt
bev Juan wolle der Angeklagten gern glau-
Mann den Lohn versoffen habe
Da? Familie deshalb in Not gewesen sei.
Fr» berechtige aber nicht, zu betrügen. Der
bot ^àtten sich andere Wege zur Abhilfe ge-
Ştraserschwerend sei die Verwarnung,
fcin .urtsanwalt beantragte 2 Monate Ge-
we^ņis. Das Urteil lautete dementsprechend
j**" fortgesetzten Betrugs. Mildernde Um-
lj^de wurden versagt wegen des gcmeinschäd-
ihx ņ Verhaltens der Angeklagten. Es müsse
g^' Uieß es, beigebracht werden, daß es so nicht
gjŗ Um besonderen hielt der Richter der An
hat vor, daß sie sich auch Dinge verschafft
^' die, wenn man in Not ist, nicht lebensnot
wendig scheinen. Die Frau nahm das Urteil
an. Sie möchte Bewährungsfrist haben. Dies
bezüglich muß sie ein Gesuch an die Staats
anwaltschaft richten.
In Rendsburg versackt.
Der kleine lebhafte 43jährige Sachse, Georg
mit Vornamen, der aus der Untersuchungshaft
vorgeführt wurde, war bei Tetenhusen be
schäftigt. Er kam vor drei Wochen nach Rends
burg, um weiter nach Glückstadt zu fahren,
weil er dort angeblich noch 13 Mark zu kriegen
hatte. In Rendsburg soll es mit dem Zugan
schluß vorbei gewesen sein. Georg hatte, wie
er strudelnd erzählte, Pech mit seinen Vorfra
gen in Gasthäusern wegen eines Nachtquar-
tcers und verleibte sich eine ziemlich große
Menge Grogs ein. Anderen Morgens wollte
er weiterfahren. Doch o weh! es fehlten ihm
20 Pfg. am Fahrgeld. Die wollte er sich in
eurem Geschäft an der Hohen Straße „leihen".
Der Fall sah aber verdächtig nach Betteln ans,
und ein Polizeibeamter nahm unsern angehei-
terten Georg, der mit 16 Vorstrafen (er war
auch schon im Arbeitshaus) kein unbeschriebe
nes Blatt mehr ist, unter seine Fittiche. Bei
der Festnahme will Georg 3 nach dem nächt
lichen Bummel verbliebene Reichsmark aus
Schreck verloren haben. Das glaubt ihm aber
niemand, auch nicht die Leihabsicht. Er wurde
wegen Bettelei zu 6 Wochen Haft verurteilt
unter Anrechnung der Untersuchung. Geknickt
dreinschauend, akzeptierte er die Strafe. Er
muß jetzt noch 3 Wochen brummen und hat
V cn Vorsatz, so schnell wie möglich wieder in
Arbeit zu kommen.
Wegen Verletzung der Unterhaltspflicht
gegenüber einem unehelichen Kinde war so
dann vor dem Amtsgericht ein 27 Jahre alter,
jetzt verheirateter Mann aus W. angeklagt.
Bis zum Januar verflossenen Jahres will er
für das Kind monatlich 10 Mark von seinem
Lohn gezahlt haben. In neuerer Zeit arbeitet
er bei seinem kränkelnden Schwiegervater auf
dem Lande. Er wußte glaubhaft zu machen,
daß weder er noch seine Frau Bargeld in die
Hände bekommt, sondern der Unterhalt von
den Schwiegereltern, die es wohl auch nicht
leicht haben, bestritten wird. Dazu hat ihn eine
Krankheit der Frau zurückgebracht. Weil er
augenblicklich nicht in der Lage ist, zum Un
terhalt des Kindes beizutragen, wurde der
Angeklagte, gemäß dem Antrag des Amtsan
walts, freigesprochen. Es stehe, so hieß es in
der Urteilsbegründung, nicht fest, daß der
Schwiegervater Barlohn zahlen könne. Bon
dem Freigesprochenen wird erwartet, daß er
sich die Unterhaltspflicht vor Augen hält und
darnach trachtet, Unterhaltsmittel zu erlangen,
gegebenenfalls durch Annahme anderer Arbeit.
*
Drei Jrigendverderber
^Die Strafkammer 2 Kiel, die unter dem
Vorsitz von Lanögerichtsdirektor Dr. Römer
hier tagte, hatte sich u. a. mit drei Sittlichkeits-
Verbrechen zu befassen. Der erste Fall wurde
in der Strafanstalt behandelt. Vorgeführt
wurde der 46jährige Walter D. aus Lübeck,
der, nachdem er 1928 wegen Sittlichkeitsverge
hens in 8 Füllen mit 2 Jahren Gefängnis be
straft worden war, im Mai 1936 wegen Vor
nahme unzüchtiger Handlungen an zwei Mäd
chen unter 14 Jahren zu 2 Jahren Zuchthaus,
3 Jahren Ehrverlust und Entmannung, die
inzwischen erfolgte, verurteilt worden ist. We
gen unzüchtiger Handlungen an zwei Kna
ben in Kiel-Wellingdorf im Jahre 1934 erhielt
er nun auf Grund des 8 176 Z. 3 des StGB,
eine Zusatzstrafe von 6 Monaten Zuchthaus.
Der Staatsanwalt hatte 1 Jahr beantragt. Der
Angeklagte war geständig und beteuerte, daß er
sich gewandelt habe. Er hat Frau und drei
Kinder und ist im Kriege verschüttet worden.
Die Weiterverhanölung der Strafkammer
fand im Amtsgerichtsgebäuöe statt. Der Vor
nahme unzüchtiger Handlungen an einem
13- sowie einem 3jüyrigen Mädchen im Dezem
ber 1935 war der 65 Jahre alte Richard E. aus
Rendsburg angeklagt. E. ist wegen Erregung
öffentlichen Aergernisses mit 2 Monaten Ge
fängnis vorbestraft,' die Sache liegt 12 Jahre
zurück. Der jetzige Anklagefall schrumpfte zu
sammen ans eine Beleidigung der Dreizehnjäh
rigen durch unsittliche Redensarten. Das Ur
teil lautete auf 8 Monate Gefängnis. Im
Falle des kleineren Kindes konnte sich das Ge
richt trotz erheblicher Verdachtsgründe zu einer
Verurteilung nicht entschließen. Gegen den
Verurteilten, der geleugnet hatte, wurde sofort
zu vollstreckender Haftbefehl erlassen mit
der Begründung, daß die Jugend vor solchen
Menschen geschützt werden müsse. (Von Unhol
den hatte der Staatsanwalt gesprochen und
wegen tätlicher Beleidigung in zwei Fällen
zusammen 1 Jahr Gefängnis beantragt.)
Als dritter Jugendverführer stand der aus
Ostpreußen stammende, wegen versuchter Not
zucht an einem Mädchen mit 6 Monaten Ge
fängnis vorbestrafte, 27jührige Erich A. vor der
Strafkammer. Wegen versuchten Verbrechens
nach 8 175a Z. 3 (Versuch der Verleitung eines
jungen Menschen zu widernatürlicher Unzucht)
wurde er zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt
unter Anrechnung der Untersuchungshaft. A.
befindet sich feit dem 16. 3. ö. I. in Untersu
chung. Die Straftat wurde in Osterraöe began
gen. A. erkannte die Strafe an. In Ostpreußen
schwebt gegen ihn ein weiteres Verfahren, weil
er sich an seiner 12jährigen Stieftochter ver
gangen haben soll.
Drei Jahre ins Zuchthaus
muß der 1899 in Lübeck geborene Albert D.
wegen viermaligen Diebstahls im Rückfall und
Rendsburg, wie es früher
aussah.
So wie auf dieser Zeichnung
sah die Schleuse imErhcbungs-
jahr 1848 aus. Das war noch
die alte Schleuse, die Vor
läuferin der jetzigen, die wir
auch schon in anderen Bil
dern wiedergegeben haben.
Im Hintergrund sehen wir
rechts das Zollamt und links
das Kanalpackhaus.
Lichtbild: Archiv.
wegen eines Rückfallbetrngs. Außerdem ver
liert er die bürgerlichen Ehrenrechte auf 3
Jahre, und es wurde Sicherungsver
wahrung gegen ihn angeordnet. Eine
Geldstrafe von 100 JtJl, evtl, zwei weitere
Wochen Zuchthaus, gelten durch die Unter
suchungshaft als verbüßt. D. ist elfmal vor
bestraft. Ueber 8 Jahre ist er in Strafanstal
ten gewesen. Die erste Strafe erhielt er
mit 15 Jahren, die letzte hat er 1935 hinter
sich gebracht. Seine neuesten Straftaten
spielen hauptsächlich in Maisborstel, wo er bei
plötzlichem Verlassen seiner Arbeitsstelle eini
ge Arbeitskameraden um Kleidungsstücke be
stohlen hat. In Rostock hat er ein Fahrrad
mit nach Berlin gehen heißen. Der Betrug
im Rückfall wurde darin erblickt, daß er auf
ein Paar Schaftstiefel, die 16 Mark kosten
sollten, nur 6 Mark anbezahlt hat. Seit dem
13. 2. 36 ist D. in Haft. Bezüglich der Siche
rungsverwahrung wurde betont, daß D. als
gefährlicher Gewohnheitsverbrecher anzusehen
sei, auch wenn es sich bei den Diebstählen und
dem Betrug nur um geringe Werte handle.
Gerade das Eigentum von Arbeitskameraden
müsse geschützt werden. D. nahm die Strafe
an. Der Staatsanwalt hatte vier Jahre
Zuchthaus beantragt.
Wegen Unterschlagung eines Fahrrades
erhielt Oskar G. aus Hamburg, hier in Un
tersuchung, 5 Monate Gefängnis. Bezüglich
einer gegen ihn gerichteten Anklage wegen
Betrugs im Rückfall erweisen sich weitere Er
mittlungen als erforderlich. Neuer Termin
ist am 29. 6.
Znm Knivsbergfest.
Das diesjährige Knivsbergfest am 28. Juni
wird im großen und ganzen in denselben
Formen abgehalten werden wie das letzt
jährige. Die Spiele beginnen, um Zeit für
alle Darbietungen zu gewinnen, bereits um
8 Uhr morgens. Für den Feldgottesdienst,
den Pastor Ravn-Lügumkloster abhalten
wird, ist die Zeit zwischen 12 und 1 Uhr vor
gesehen. Jungenschaft und Bund Deutscher
Mädel werden, wie im letzten Jahre, eine
Kundgebung auf der Terrasse des Turmes
veranstalten, außerdem wird der BDM. in
Stärke von 200 Mädchen eine Körperschule
zeigen, die Apenrader Mädels werden außer
dem das Olympiafestspiel vorführen. In Aus
sicht genommen ist weiter als kulturelle Dar
bietung die in Hadersleben mit so großem
Beifall aufgenommene „Feierstunde der
Jugend". Wahrscheinlich werden auch Studen
ten der pädagogischen Akademien Kiel und
Dortmund sowie Studenten der Universitäten
Kiel und Hamburg durch Körperschule und
körperliche Uebungen erfreuen. Daß auch in
diesem Jahre Kasperle nicht fehlen wird, ist
selbstverständlich. An die Festrede, für die der
Redner noch nicht feststeht, wird sich die Ver
kündung der Sieger und die Preisverteilung
anschließen. Hoffentlich wird auch von süd
lich der Grenze die Beteiligung an diesem
deutschen nationalen Volksfest ebenso zahl
reich werden wie in den Vorjahren.
Auch die Nendsburger Ortsgruppe des
VDA. wird mit Omnibussen zum Knivsberg
fest fahren und erhofft eine starke Beteiligung.
Ȋrsch
16
Wien
Wctteraussichten für Sonnabend, den 30. Mai 1936,
_.... *» Nordwestdeutschland.
Mäßige, Zwischen West und Nord pendelnde
Winde, wechselnd bewölkt, vereinzelt leichte Schauer
nur mayig warm.