Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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Zîņweşyung be§ Marine-Ehrenmals în Laboe, 
me Kaiserliche Kriegsflagge 
' auf ôen in der Heimat befindlichen Kriegs- 
Ichrffen der Kriegsmarine im Großtopp,' 
' auf den Dienstgebäuüen der Kriegsmarine 
neben der jetzigen Reichskriegsflagge, 
auf dem Turm des Marine-Ehrenmals in 
r^aboe gesetzt wird. 
Vom Bauernhof ins Gefängnis. 
x. Neumünstcr, 29. Mai. Zwei im Kreise 
«enösburg bei Bauern bedienstete junge 
"Ute, sie ihre Brotstellen plötzlich verließen, 
Mtten sich in einem Falle des Betruges und 
»er Unterschlagung und im andern Falle des 
^îebstahls schuldig gemacht und sind nach ihrer 
mzwrschen erfolgten Verhaftung ins Gefüng- 
als eingeliefert worden. Der eine von ihnen 
arbeitete bei einem Bauern in Luhnsteöt und 
erlangte eines Tages sofort seine Papiere. 
begab sich von dort nach Hohenwestedt und 
,-äuste sich bei einem dortigen Geschäftsmann 
tar so Mark Kleidungsstücke auf den Namen 
mnes Arbeitgebers. Damit machte er sich auf 
nnem von seinem Arbeitskameraden gepump- 
bn Fahrrad auf den Weg nach Belöorf bei 
yademarschen, um dort eine neue Stellung zu 
Mchen, die er auch erhielt. Die Gendarmerie 
yatte ihn hier aber bald ausfindig gemacht 
und brachte ihn ins Untersuchungsgefängnis 
nach Neumünster. Das gleiche Schicksal traf 
nnen zuletzt in Ost er sie dt beschäftigten 
iungen Mann, der seinem Bauern auf und 
vavon ging, nachdem er diesen um zwei Uhren 
und einen Geldbetrag bestohlen hatte. 
Erneuerung der Bramaubrücke. 
lt. Stellau, 29. Mai. Die Bramaubrücke, 
«eiche die Verbindung des Fußweges und 
nirchensteiges von Stellau nach Kellinghusen 
verstellt, befindet sich seit einigen Fahren in 
s em außerordentlichen schlechten Zustand, 
w daß eine Erneuerung der Brücke beschlossen 
wurde. Die Erneuerung wurde wegen des 
uarken Eisganges und des öfteren Hochwassers 
«er letzten Jahre notwendig. 8 größere Röh- 
U'n, welche das Fundament bilden sollen, sind 
ereits angefahren. Sie werden zu je zwei 
Dohren aufeinandergestellt befestigt und wer 
den dann mit Zement ausgegossen. Auf die- 
lern Fundament werden die Pfeiler aufge 
lauert. Die Arbeiten sollen in Kürze bei 
vledrigem Wasserstand in Angriff genommen 
«erden. 
Gefährliches Spiel mit Pulver. 
^Itzehoe, 28. Mai. Mehrere Knaben aus 
Ztzehoe hatten beim Spielen auf dem Boden 
lues Hauses ein größeres Quantum Pulver 
befunden, das zum Stubbensprengen Ver 
wendung findet. Die Knaben verschafften sich 
eht dickes Eisenrohr und schütteten dies voll 
Pulver sowie Papier und Sand. Mit Streich 
hölzern wurde die „Kanone" dann zur Er- 
plosion gebracht, wobei ein IZjähriger Junge 
durch Eisensplitter schwere Verletzungen am 
Fuß erlitt. 
Das Elmshoruer Krankenhaus wird erweitert. 
Elmshorn, 27. Mai. Auf der letzten Sitzung 
der Gemeinderäte wurde beschlossen, eine Er 
weiterung des Städtischen Krankenhauses vor 
zunehmen. Das Krankenhaus, das für insge 
samt 100 Betten eingerichtet ist, ist seit etwa 
zwei Jahren dauernd überbelegt. Durch den 
Erweiterungsbau werden Räume geschaffen, 
die sämtlich der Sonnenseite zugekehrt sind und 
210, notfalls noch mehr, Betten aufnehmen 
können. 
x Neumünstcr, 28. Mai. Die Ortsfachgruppe 
Rendsburg der Kraftfahrlehrer ist, nachdem 
seit einiger Zeit dort Schwierigkeiten bestan 
den haben, unter eine neue Leitung gestellt 
worden. Der Bezirksfachgruppenleiter der 
Bezirksgruppe Nordmark hat nunmehr den 
Kraftfahrlehrer Karl G. Hanft-Neumünster 
mit der Kommissarischen Leitung der Orts- 
fachgruppe Rendsburg beauftragt, die dieser 
sofort übernommen hat. 
Die Ursache de« Storchkampfe 
Jetzt tauchen die ersten Meldungen über 
Kämpfe zwischen Störchen um die Nester auf, 
wobei meistens der Schluß gezogen wird, daß 
die Wohnungsnot bei den Störchen ungeheuer 
groß sei und daß deshalb hierin der Grund für 
diese Erscheinung zu suchen sei. Recht häufig 
kommt es vor, daß bei diesen Kämpfen einer 
der Besitzer des Nestes oder auch einer der 
Angreifer das Leben einbüßt. Recht oft wird 
dabei auch das Gelege zerstört. Ist nun aber 
wirklich der Mangel an Nestern allein an die 
sem Vorgang schuld? 
Bis vor wenigen Jahren hatten wir nicht 
nur in Schleswig-Holstein, sondern eigentlich 
in ganz Nordöeutschland einen von Jahr zu 
Jahr steigenden Rückgang der Zahl der Stör 
che zu verzeichnen. Einwandfrei wurde festge 
stellt, daß eine allgemeine Abwanderung nach 
dem Osten erfolge, bis dann plötzlich in dieser 
Bewegung ein Stillstand eintrat und in den 
darauf folgenden Jahren wieder eine nicht 
unbeträchtliche Vermehrung der Zahl der be 
setzten Storchnester erfolgte. Die erste Zählung 
des Storches erfolgte in Schleswig-Holstein 
1925 und wurde 1930 wiederholt. Seitdem ha 
ben verschiedene Kreise unserer Provinz all 
jährlich eine Zwischenzühlung vornehmen las 
sen, die, wenn auch kein genaues, so hoch ein 
einigermaßen einwandfreies Bild von der Ab 
nahme und späteren Zunahme des Storches 
in Schleswig-Holstein boten. Während 1926 in 
Schleswig-Holstein 1332 Nester festgestellt wur 
den, waren es im Jahre 1930 nur noch 1181. 
Von 1931 an bewegt sich dann die Kurve wie 
der aufwärts, doch muß dabei bemerkt werden, 
daß sich von den etiva 17 Landkreisen nur elf 
an der Zählung beteiligten, das Bild also noch 
etwas lückenhaft ist. Immerhin konnten in 
diesen elf Kreisen 1931 196 neubesetzte Nester 
festgestellt werden. Aehnlich war der Fortschritt 
in den folgenden Jahren, und vor allem stieg 
auch, von gelegentlichen Schwankungen abge 
sehen, die Zahl der erbrüteten Jungstörche 
Daraus erhellt schon, daß die vielfach aufge 
stellte Behauptung, die Abnahme der Stroh 
dächer habe zu einem ivesentlichen Teil die 
Verminderung der Zahl der Störche verschul 
det, nicht zutrifft. Denn von 1930 ab ist die 
Zahl der Strohdächer in Schleswig-Holstein 
durch Brände und durch Abbruch der alten 
Rauchkaten weiter zurückgegangen, während 
die Zahl der Störche wieder zunahm. 
Die Storchkämpfe aber haben auch in der 
Zeit der Abnahme der Störche stattgefunden, 
in den Jahren also, als hinreichend Nester vor 
handen waren und von einer Wohnungsnot 
nicht die Rede sein konnte, und tatsächlich han 
delt es sich hier auch nicht — wenigstens in den 
meisten Füllen nicht — um einen Mangel an 
Nestern, sondern es sind sogenannte Jungge 
sellen, die das glückliche Familienleben unseres 
Adebars zu stören versuchen. Der Storch wird 
erst mit dem dritten Lebensjahr, ähnlich wie 
der Schwan, fortpflanzungsfähig und verbleibt 
auch wohl in diesen ersten Jahren in Afrika. 
Erst wenn die Zeit gekommen ist, daß er nach 
einer Lebensgefährtin Ausschau hält, kehrt er 
stets nach Europa zurück, da er im Gegensatz 
zu seinem Better, dem schwarzen Storch oder 
Waldstorch, niemals in heißen Ländern brütet. 
Die Jungstörche aber, die zurückkehren, schla 
gen sich sehr häufig zu größeren Herden von 
-0 bis 50 Stück zusammen und zeigen nun sehr 
häufig eine vielleicht aus der beginnenden Ge 
schlechtsreife herrührende Rauflust. Der Ab 
schuß einzelner solcher Junggesellen aus einer 
Herde hat nun gezeigt, daß es sich hier aber 
nicht nur um männliche Störche handelt, son 
dern Professor Thienemann, der frühere Leiter 
der Vogelwarte Rossitten, hat festgestellt, daß 
das Geschlechtsverhältnis in einer solchen Herde 
annähernd gleich ist, daß also auch Jungge 
sellinnen sich darunter befinden. Auch ältere 
-törche, die einmal nicht brüten, findet man 
Er repräsentiert Englands Macht 
in Palästina. 
Lord Wauchope, der Hohe Kommissar von 
Palästina, der nach seinen nach dem 24. Mai 
getroffenen Maßnahmen von den Arabern 
als Hauptgegner betrachtet wird. 
(Associated Preß, K.) 
gelegentlich darunter, und auch sie mögen sich 
dann und wann an solchen Kümpfen beteiligen. 
Immerhin kann natürlich in einzelnen Ge 
genden Schleswig-Holsteins, in denen die Zu 
nahme des Storches besonders stark ist, auch 
der Mangel an Nistgelegenheit eine Rolle bei 
diesen Storchkümpfen spielen und deshalb soll 
te jeder Bewohner auf dem Lande, der die 
Möglichkeit dazu hat, dem Storch Gelegenheit 
geben, sein Nest zu bauen. Die Mühe ist ge 
ring, die Freude an dem schönen Vogel aber 
bleibt. 
Anmeldung zum Deutschen Schntzenver- 
band. Alle Schützenvereine, die sich bisher nicht 
zur Mitgliedschaft im Deutschen Schützenver 
band angemeldet haben, müssen dies unverzüg 
lich nachholen. Für den Gau Nordmark ge 
schieht die Anmeldung beim Gauschützenführer 
O. Wolters, Kiel-Wik, Prinz-Heinrich-Str. 124. 
Mit zwei Zentnern dnrch'den WeltMsg 
Erinnerungen eines Optimisten. 
Von Karl Borromäus Gröber. 
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(32. Fortsetzung 
Nach dem Begräbnis ging es zum Angriff 
M öie Stadt. Vom Meer her dröhnten die 
chüsse der deutschen Kreuzer, welche die 
vauptstützpunkte der Bolschewiken unter Feuer 
^Nommen hatten. Auch wir gingen zum An- 
^lff über, und nach schweren Kämpfen drän 
gn wir durch die Vororte bis an den Rand 
sh* eigentlichen Stadt vor. Beim finnischen 
. ätionalmuseum gingen wir für mehrere 
. tunden in Stellung. Während der Rnhcpau- 
^ interessierten mich die Sammlungen des 
useums, aber hier waren alle Fensterläden 
^ichlossen. Auf mein Läuten erschien ein ver- 
.ņgstigter Hausmeister, der mir erklärte, er 
K'se mir die Sammlungen nicht zeigen, er 
erde aber sofort an den Herrn Direktor tele 
fonieren, daß deutsche Soldaten den Wunsch 
Besichtigung des Nationalmuseums hätten, 
ftth siehe da, es dauerte nicht lange, ein Auto 
iv?^ ü0 . r ' Ķd ihm entstiegen mehrere Herren 
ņ Zylinder, die sich als Leiter des Museums 
sttth ļlten und sofort eigenhändig — unter- 
aii ŗ ein paar deutschen Soldaten, die sich 
şņ.ŗ öas Museum interessierten — die 
11 öffneten. Wir wurden in der Haupt- 
Wp äuerst mit einer festlichen Rede begrüßt, 
fcf, Mon ? Pulveröampf geschwärzte Helden ge- 
eils Träger einer bohcn, der fin- 
Wchen gleichgearteten Kultur selbst noch un- 
k Pfeifen der Kugeln und dem Dröhnen 
st . Ķanonen für die höchsten Werte des be- 
vüi ņņd befreundeten Landes interessierten. 
y dankte in wohlgesetzter Rede, wobei ich im- 
st Durchs Fenster nach meiner Batterie schiel- 
r îņich waren die Verhältnisse noch lange 
^wt so geklärt, wie die Herren Finnländer 
öjx Amen. Dann begann der Rundgang durch 
ttļ Sammlungen. Sicher ist den paar Kano- 
zy tCtt und Fahrern, die mit durch die Säle 
stşi' ein Museum nie wieder so schön er- 
W* worden, wie dazumal in der Stellung 
Helsingfors. Ein kleiner Imbiß, der in der 
dstE noch besorgt worden war, vereinigte dann 
"oesucher des Museums sowie einen guten 
eZ 5wteil der übrigen Batterie, der sich — wie 
Ei solchen Gelegenheiten geht — wenigstens 
àgefnnden hatte. Es ging hoch her, 
stpj ^den noch mehr Reden gehalten, und ich 
Elt von meinem Hausherren genauere An- 
Copyright i83ö by Deutsche Berlagsanstalt Stuttgart. 
gaben, wie ich in mein Quartier gelangen 
könne. Am Abend passierte ich auch glücklich 
bei ihm ein, und nachdem ich im Kreise der 
Familie noch eine Flasche Wein getrunken 
hatte, sank ich nach den Mühen des Tages in 
einem herrlichen Bett zur wohlverdienten 
Ruhe nieder. 
Es war höchste Zeit gewesen, daß die Deut 
schen nach Helsingfors kamen. Die erbitterten 
Bolschewiken wollten der verhaßten Bourgeoi 
sie vor ihrem Abrücken noch ein gehöriges aus 
wischen. Sie hatten in der Eile, was sie an 
halbwüchsigen Bürgerkindern erwischen konn 
ten, zusammengetrieben, und die Aermsten 
şsillten im Hofe eines Gymnasiums mit dem 
Maschinengewehr zusammengeschossen wer 
den. Da, wie schon erwähnt, das Telephon 
ttach außen noch in Betrieb war, wurde uns 
dieser entsetzliche Plan sofort mitgeteilt und 
wir wurden um schleunigste Hilfe gebeten. So 
rasch es ging, rüstete man einen gepanzerten 
Lastwagen aus. Eine Schar beherzter Leute 
meldete sich freiwillig und fuhr in rasendem 
-rempo durch die Stadt, die noch von Roten 
wimmelte. Unsere Leute kamen gerade recht, 
das Schlimmste zu verhüten. Ein tapferer Pi- 
omerleutnant warf ein paar geballte Hand 
granaten in das Zimmer im ersten Stock, in 
welchem das Maschinengewehr schon ausge 
stellt war. Leider konnte nicht verhindert wer 
den, daß bei der darauf erfolgenden Explo 
sion auch ein paar Unschuldige getötet wurden. 
Die Freude der Geretteten aber war grenzen 
los, und fast noch größer war die Dankbar 
keit ihrer Eltern. 
Wir hatten gehofft, daß wir nun in der 
finnischen Hauptstadt ein paar Tage Ruhe 
hätten. Schon am anderen Morgen aber muß 
ten wir unsere guten Quartiere im Zentrum 
der Stadt räumen und wurden draußen im 
Vorort Frederiksborg bedeutend bescheidener 
einquartiert. In diesem Stadtteil wohnten 
hauptsächlich Eisenbahner, und cs dauerte 
lange, bis hier Ruhe ivar. Schon am zweiten 
-i-age ritt ich — nur von meinem Burschen 
begleitet — wieder in die Stadt hinein. Ich 
hatte gehört, daß es in der Nähe der Univer 
sität eine großartige Buchhandlung gäbe, in 
der man deutsche Bücher jeder Art, sogar sol 
che, die es in der Heimat nicht mehr gab, über 
aus preiswert erwerben könne. Die Buch 
handlung übertraf jede Erwartung. Was es 
an deutscher Literatur in Finnland gab, lag 
wohlgeordnet auf den Tischen, außerdem aber 
fand ich noch Bücher, die ich schon lange ver 
geblich gesucht hatte. Nachdem die Bibliothek 
glücklich durchstöbert war, türmte sich auf dem 
Ladentisch ein riesiger, sorgfältig ausgewähl 
ter Stoß heißersehnten Lesestoffes. Der Ver 
käufer, den ich bat, mir die Rechnung auszu 
stellen, lächelte verbindlich und erklärte mir, 
der ich etwas verdutzt dreinsah, daß die Rech 
nung schon lange bezahlt sei. Ich konnte mich 
zum Dank nur vor einigen alten Damen und 
Herren verlegen verbeugen, die das Geschäft 
liche, ohne Aufsehen zu machen, erledigt hat 
ten. Ein Buch aber, das ich während des Vor 
marsches in einer Bibliothek gesehen und das 
von mittelalterlicher finnischer Plastik han 
delte, hatte ich nicht finden können. Der Buch 
händler erklärte mir, daß es längst vergrif 
fen sei, er wolle Recherchen anstellen, um es 
mir zu besorgen. Ein alter, würdiger Herr 
mischte sich in unsere Unterhaltung, stellte sich 
vor, bat mich um meinen Namen und Adresse 
und lud mich überaus liebenswürdig zu sich 
zum Abendessen ein. Wer beschreibt mein Er 
staunen, als ich zu Hause bei meiner Rück 
kehr schon das ersehnte Buch vorfand! Auf der 
ersten Seite trug es die Widmung: „Einem 
tapferen Befreier Finnlands überreicht vom 
Verfasser." Mein erster Gedanke war, daß 
der Verfasser der freundliche alte Herr selbst 
gewesen sei. Nachher aber stellte sich heraus, 
daß er zu diesem schnurstracks gefahren war 
und ihm den Wunsch des deutschen Soldaten 
übermittelt hatte. Dieser nahm sofort sein ei 
genes Handexemplar vom Bücherbord und 
schickte es mir durch einen eiligen Voten zu. 
Die Begeisterung der Finnländer und ihre 
Opferwilligkeit überschritten alle Begriffe. 
Wir haben uns sehr bald abgewöhnt, irgend 
ctivas, das uns gefiel, zu bewundern, denn 
die guten Leute waren dann nicht mehr davon 
abzuhalten, uns den gepriesenen Gegenstand 
zu verehren. 
Durch die akademische Buchhandlung ver 
loren wir übrigens einen guten und sehr 
brauchbaren Kameraden. Dieser Kamerad war 
zwar kein Deutscher, sondern ein junger Ita 
liener namens Mario, den wir drunten in 
Venetien am Monte Grappa gefangen hatten. 
Ich war auf Jnfantcriebeobachtung, als, für 
die damaligen Verhältnisse völlig sinnlos, ein 
tapferer italienischer Unteroffizier mit ein 
paar Mann unsere uneinnehmbare Stellung 
sozusagen auf eigene Faust zu stürmen versuch 
te. Die keuchende Feinde wurden gebührend 
in Empfang genommen und entwaffnet. Wir 
waren alle sehr überrascht, als mir nachher 
der junge Italiener, der die verunglückten 
Helden geführt hatte, in reinstem Deutsch 
seine Aussagen machte. Es war ein junger 
Hotelier, der vor dem Krieg in München und 
anderen deutschen Städten sein Geschäft er 
lernt hatte. Außer Italienisch und Deutsch be 
herrschte er perfekt Französisch und Englisch 
und sogar noch etwas Russisch. Beim Rück 
transport schlugen wir ihm vor, ob er nicht 
bei uns Dolmetscher werden wolle. An der 
Westfront war so etwas ja nicht üblich, aber 
wir Wandervögel des Krieges, die von Kriegs 
schauplatz zu Kriegsschauplatz und von einer 
unbekannten Sprache zur anderen flatterten, 
nahmen unsere Dolmetscher, wie wir sie fan 
den, und genau so machten es die anderen 
Truppenteile. Der junge Gefangene war so 
fort einverstanden und bat nur» seiner alten 
Mutter, die annehmen müsse, daß er gefallen 
sei, mitteilen zu dürfen, daß es ihm gut gehe. 
Was ich nun tat, war nicht sehr militärisch 
und hätte mir sicher, wenn es bekanntgewor 
den iväre, einen argen Rüffel eingetragen. 
Mario schrieb einen Brief an seine Mutter, 
den ich zur Vorsicht nochmals abschrieb und 
durch einen deutschen Flieger über Treviso 
abwerfen ließ. Es dauerte keine vierzehn 
Tage, bis unser neuer Dolmetscher über die 
Schweiz Antwort von zu Hause erhalten hat 
te. Der gute Mario war überaus brauchbar, 
er hatte sich überraschend schnell an die rau 
hen Sitten seiner Feinde getvöhnt, und bald 
hätte kein Mensch mehr in dem hübschen 
schwarzen Kerl in deutscher Uniform einen 
italienischen Kriegsgefangenen vermutet. Ma 
rio zog mit uns nach Frankreich, fuhr mit 
nach Danzig, machte den ersten Teil des fin 
nischen Feldzuges mit und gehörte schon ab 
solut zu uns, als ihn dann doch in der Buch 
handlung in Helsingfors sein Schicksal er 
eilte. Auch ihn hatte der Lesehunger dorthin 
getrieben, denn außer deutschen, finnischen und 
russischen Büchern gab es hier auch italienische 
zu kaufen. Einer der Verkäufer, der Mario 
bedient hatte, wunderte sich, daß dieser selt 
same deutsche Soldat nur italienische Bücher 
aussuchte, und da er zudem selbst italienisch 
sprach, kam er mit Mario ins Gespräch. Die 
ser gestand ihm, daß er gar kein Deutscher, 
sondern ein gefangener Italiener sei, der aber 
an seinem Schicksal nichts auszusetzen habe, 
(Fortsetzung folgt.)
	        
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