Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Kleine Geschichte uns de« Leben 
Russische Tragödie. 
Wie eine antike Tragödie mutet das Schick 
sal des Dr. Kleinmann aus Moskau an. Dr. 
Kleinmann war ein Kind, als die Bolschewi 
sten das alte Rußland zerstörten und mor 
dend durch das Laud zogen. Die Geißel des 
roten Teufels traf seine Mutter und seinen 
Vater, seine jungen Geschwister verschwanden, 
ihn selbst nahmen mitleidige Verwandte auf. 
Er wuchs heran und schlug sich mehr schlecht 
als recht durch das bittere sowjetrussische Le 
ben, ein „Bourgeois", den man schwer arbei 
ten und gerade soviel verdienen ließ, daß er 
nicht verhungerte. 
Es gab nur einen Lichtblick in seinem Leben, 
die neunzehnjährige Tamara Rodin, gleich 
ihm eine Waise aus den Stürmen der Revo 
lutionszeit. Sie liebten sich, und als Boris 
endlich eine Stelle gefunden hatte, die ihm 
etwas mehr Geld einbrachte, beschlossen beide, 
zu heiraten. 
Am Abend vor der Trauung wurde Boris 
von einem Freund angerufen: „Lieber Boris, 
du kannst Tamara unmöglich heiraten . . ." 
— „Wieso nicht?" — „Sie ist deine Schwester." 
Der Freund hatte Kleinmanns Familie ge 
kannt, war den Schicksalen der Angehörigen 
seines Freundes nachgegangen und hatte in 
Erfahrung gebracht, daß Tamara Rodin, die 
früher ganz anders geheißen hatte, vor neun 
zehn Jahren als ein wenige Monate altes 
Kind von Bauern in einem Haus gefunden 
worden war, das eben bolschewistische Bandi 
ten geplündert hatten. Unter einem fremden 
Namen inmitten fremder Menschen war Ta 
mara aufgewachsen wie so viele Tausende von 
Kindern, deren Eltern Opfer der roten Ver 
nichtungswut geworden waren. 
Boris Kleinmann stellte nun selbst Nach 
forschungen nach der Herkunft seiner Braut 
an, Nachforschungen, die die Vermutung sei 
nes Freundes bestätigten. Kleinmann hatte 
seine Braut verloren und seine Schwester 
wiedergefunden. Das eine wog ihm das an 
dere nicht auf. Er beging Selbstmord. 
Wenn man sich die Möglichkeit vorstellt, 
daß alles Eis an den Polen schmelzen würde, 
so würde der Wasserstand der Meere um etwa 
18 Meter steigen. 
Allerlei «ms alles Welt 
Das größte Hotel Tokios. 
In Tokio ist kürzlich ein Hotel eröffnet wor 
den, das den poetischen Namen „Galo-on", 
„Des Dichters Ruhestätte" erhielt. Sehr ruhig 
werden es die Herren Dichter aber dort schwer 
lich haben, da diese Gaststätte für eine Zahl 
von 7000 Besuchern eingerichtet ist und sich 
in der Tat auch schon eines großen Anstur 
mes von Gästen erfreut. Es stehen zwanzig 
Säle zur Verfügung, deren größter eine Fläche 
von über 900 Quadratmeter umfaßt. In zwei 
Riesenküchen, deren guter Ruf schon fest be 
gründet ist, arbeiten hundert Köche für das 
leibliche Wohl der Besucher. Der Bau ist von 
bekannten Architekten, Bildhauern und Ma 
lern entworfen und ausgestattet worden. Un 
ter anderen Besonderheiten enthält er auch ein 
Schwimmbad, in dem hundert Gäste Erfri 
schung finden können. Die Kosten für die Er 
richtung dieses luxuriösen Gebäudes betru 
gen 6 Millionen Mark. 
Begräbnis auf dem Mond. 
Edward L. H. Hanna aus Cleveland ist fel 
senfest davon überzeugt, daß früher oder spä 
ter ein regelmäßiger Luftverkehr zwischen 
Erde und Mond und umgekehrt stattfinden 
wird. Diesem Vertrauen hat er in seinem Te- 
„Queen Mary" auf Jungfernfahrt. 
Das neue englische Riesenschiff „Queen Mary" ist vom Hafen Southampton zu 
seiner ersten Fahrt nach Newyork ausgelaufen. Zahllose Schiffe mit Neugierigen 
und am Strand eine nach Hunderttausenden zählende Menge gaben dem Schiff das 
Geleit. (Scherl-Bilderdienst, K.) 
stament durch ein Legat von 20 000 Dollar 
Ausdruck gegeben, die dazu dienen sollen, uM 
seine Leiche und die seiner Frau nach dew 
Mond zu überführen und dort beizusetzen, 
wenn einmal die Reisen von der Erde zuw 
Mond verwirklicht sein werden, gleichgültig, 
wie lange es bis dahin noch dauern wird. 
daß man ausgerechnet hat, daß alle Gold 
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Juni rechtzeitig zu erneuern, bitten wir. j o f o rl 
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geben. Die Zeitung wird dann für Juni über 
wiesen und damit jede Unterbrechung im Postbezug 
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In einer Radiofabrik in Chicago wird ein 
Empfangsapparat gebaut, der mehr als 300 Kg- 
wiegt und mit 40 Röhren ausgestattet ist. Man 
soll mit seiner Hilfe mehr Sender empfangen 
können als mit irgendeinem der bisher kon 
struierten Geräte, wenn nicht überhaupt alle 
Sender der Welt. Die Wahl eines Senders ist- 
schieht mit Hilfe einer besonderen Kathoden 
röhre vor Einschaltung des Lautsprechers, da 
sonst die Lautstärke unerträglich wäre. 
Wußten Sie schon... 
daß nicht alle Weine mit dem Alter besser 
werden? Ein mittelmäßiger Wein wird bei 
längerem Lagern nur schlechter. 
daß bestimmte Formen von Geistesstörung 
neuerdings mit Farben und Duftstoffen be 
handelt werden? 
daß ein schlimmer Feind der Häuser der 
Rauch ist? Der Rauch ist in der Regel der 
Träger von Ruß, der sich durch die anziehende 
Feuchtigkeit als Fettsubstanz in den Häusern 
festsetzt. Da aber der Ruß scharfe Säuren^ent- 
hält, werden durch ihn Holz, Metall und Stein 
angegriffen. 
daß der Kork von der Korkeiche gewonnen 
wird, die in Südeuropa heimisch ist? Die 
Rinde dieser Korkeiche ist sehr dick und setzt 
in jedem Jahre neue Schichten an. Der beste 
Kork kommt aus Spanien. 
daß man bei den Eingeborenen von Tibet 
vielerorts den Brauch findet, eine Frau durch 
Herausstecken der Zunge zu begrüßen?
	        
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