Kleine Geschichte uns de« Leben
Russische Tragödie.
Wie eine antike Tragödie mutet das Schick
sal des Dr. Kleinmann aus Moskau an. Dr.
Kleinmann war ein Kind, als die Bolschewi
sten das alte Rußland zerstörten und mor
dend durch das Laud zogen. Die Geißel des
roten Teufels traf seine Mutter und seinen
Vater, seine jungen Geschwister verschwanden,
ihn selbst nahmen mitleidige Verwandte auf.
Er wuchs heran und schlug sich mehr schlecht
als recht durch das bittere sowjetrussische Le
ben, ein „Bourgeois", den man schwer arbei
ten und gerade soviel verdienen ließ, daß er
nicht verhungerte.
Es gab nur einen Lichtblick in seinem Leben,
die neunzehnjährige Tamara Rodin, gleich
ihm eine Waise aus den Stürmen der Revo
lutionszeit. Sie liebten sich, und als Boris
endlich eine Stelle gefunden hatte, die ihm
etwas mehr Geld einbrachte, beschlossen beide,
zu heiraten.
Am Abend vor der Trauung wurde Boris
von einem Freund angerufen: „Lieber Boris,
du kannst Tamara unmöglich heiraten . . ."
— „Wieso nicht?" — „Sie ist deine Schwester."
Der Freund hatte Kleinmanns Familie ge
kannt, war den Schicksalen der Angehörigen
seines Freundes nachgegangen und hatte in
Erfahrung gebracht, daß Tamara Rodin, die
früher ganz anders geheißen hatte, vor neun
zehn Jahren als ein wenige Monate altes
Kind von Bauern in einem Haus gefunden
worden war, das eben bolschewistische Bandi
ten geplündert hatten. Unter einem fremden
Namen inmitten fremder Menschen war Ta
mara aufgewachsen wie so viele Tausende von
Kindern, deren Eltern Opfer der roten Ver
nichtungswut geworden waren.
Boris Kleinmann stellte nun selbst Nach
forschungen nach der Herkunft seiner Braut
an, Nachforschungen, die die Vermutung sei
nes Freundes bestätigten. Kleinmann hatte
seine Braut verloren und seine Schwester
wiedergefunden. Das eine wog ihm das an
dere nicht auf. Er beging Selbstmord.
Wenn man sich die Möglichkeit vorstellt,
daß alles Eis an den Polen schmelzen würde,
so würde der Wasserstand der Meere um etwa
18 Meter steigen.
Allerlei «ms alles Welt
Das größte Hotel Tokios.
In Tokio ist kürzlich ein Hotel eröffnet wor
den, das den poetischen Namen „Galo-on",
„Des Dichters Ruhestätte" erhielt. Sehr ruhig
werden es die Herren Dichter aber dort schwer
lich haben, da diese Gaststätte für eine Zahl
von 7000 Besuchern eingerichtet ist und sich
in der Tat auch schon eines großen Anstur
mes von Gästen erfreut. Es stehen zwanzig
Säle zur Verfügung, deren größter eine Fläche
von über 900 Quadratmeter umfaßt. In zwei
Riesenküchen, deren guter Ruf schon fest be
gründet ist, arbeiten hundert Köche für das
leibliche Wohl der Besucher. Der Bau ist von
bekannten Architekten, Bildhauern und Ma
lern entworfen und ausgestattet worden. Un
ter anderen Besonderheiten enthält er auch ein
Schwimmbad, in dem hundert Gäste Erfri
schung finden können. Die Kosten für die Er
richtung dieses luxuriösen Gebäudes betru
gen 6 Millionen Mark.
Begräbnis auf dem Mond.
Edward L. H. Hanna aus Cleveland ist fel
senfest davon überzeugt, daß früher oder spä
ter ein regelmäßiger Luftverkehr zwischen
Erde und Mond und umgekehrt stattfinden
wird. Diesem Vertrauen hat er in seinem Te-
„Queen Mary" auf Jungfernfahrt.
Das neue englische Riesenschiff „Queen Mary" ist vom Hafen Southampton zu
seiner ersten Fahrt nach Newyork ausgelaufen. Zahllose Schiffe mit Neugierigen
und am Strand eine nach Hunderttausenden zählende Menge gaben dem Schiff das
Geleit. (Scherl-Bilderdienst, K.)
stament durch ein Legat von 20 000 Dollar
Ausdruck gegeben, die dazu dienen sollen, uM
seine Leiche und die seiner Frau nach dew
Mond zu überführen und dort beizusetzen,
wenn einmal die Reisen von der Erde zuw
Mond verwirklicht sein werden, gleichgültig,
wie lange es bis dahin noch dauern wird.
daß man ausgerechnet hat, daß alle Gold
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In einer Radiofabrik in Chicago wird ein
Empfangsapparat gebaut, der mehr als 300 Kg-
wiegt und mit 40 Röhren ausgestattet ist. Man
soll mit seiner Hilfe mehr Sender empfangen
können als mit irgendeinem der bisher kon
struierten Geräte, wenn nicht überhaupt alle
Sender der Welt. Die Wahl eines Senders ist-
schieht mit Hilfe einer besonderen Kathoden
röhre vor Einschaltung des Lautsprechers, da
sonst die Lautstärke unerträglich wäre.
Wußten Sie schon...
daß nicht alle Weine mit dem Alter besser
werden? Ein mittelmäßiger Wein wird bei
längerem Lagern nur schlechter.
daß bestimmte Formen von Geistesstörung
neuerdings mit Farben und Duftstoffen be
handelt werden?
daß ein schlimmer Feind der Häuser der
Rauch ist? Der Rauch ist in der Regel der
Träger von Ruß, der sich durch die anziehende
Feuchtigkeit als Fettsubstanz in den Häusern
festsetzt. Da aber der Ruß scharfe Säuren^ent-
hält, werden durch ihn Holz, Metall und Stein
angegriffen.
daß der Kork von der Korkeiche gewonnen
wird, die in Südeuropa heimisch ist? Die
Rinde dieser Korkeiche ist sehr dick und setzt
in jedem Jahre neue Schichten an. Der beste
Kork kommt aus Spanien.
daß man bei den Eingeborenen von Tibet
vielerorts den Brauch findet, eine Frau durch
Herausstecken der Zunge zu begrüßen?