Toni Zaggler /
Hochļaņdsroman von Hans Ernst
Urhcberrechtsschutz durch Berlagsanstalt Mauz,
München.
20) Nachdruck verboten.
Eigentlich unnütz, sich Knnrrner zu machen.
Der Brandt ist gut zu ihm, obwohl er es wissen
muß. Was in jedem Haus bekannt ist, wird
doch wohl auch der Brandt und seine Frau
wissen. Aber nein, er hat kein Wort gesagt,
als er am Samstagabend in der Dämmerung
seine Monika bei ihm unter den Rosen im
Garten sitzen sah.
Der Jäger blickt zu den rötlich ziehenden
Wolken auf, nagt an der Unterlippe und denkt:
„Vielleicht mag auch die Unruhe in mir einen
andern Grund haben."
Eine Gefahr ist da. Man spürt sie förmlich
in allen Gliedern. Man sieht sie nicht, und doch
ist sie zum Greifen nahe. Die nächste Zeit
bringt eine große Entscheidung. Sie liegt schon
förmlich in der Lust.
Der Abend ist still. Leise läuten die Glocken
drüben am Hang, und Mtzlord, der Preisstier,
steht am andern Ufer und blickt zu dem Jäger
herüber.
Ein scharfer Ruf von der Hütte her läßt
Toni herumfahren.
Graf Bruggstein ist von der Jagd zurückge
kommen.
Als Toni zu ihm in die Stube tritt, empfängt
er ihn mit den Worten:
„Du, Toni, da hat mir heute der Werndl er
zählt, du hättest vor vierzehn Tagen beim Mai
tanz mit dem Steinmüller Bartl gerauft. Wie
ist denn das hergegangen?"
Toni erzählt, wie es war.
„Halt die Augen offen, Toni", warut der
Graf. „Du hast jetzt den Bartl nicht nur mehr
als Jäger zum Feind, sondern auch außer
dienstlich. Ueber kurz oder lang wirst doch
einmal mit ihm zusammentreffen im Revier.
Heut bin ich schon wieder auf Eingeweide ge
stoßen, am schwarzen Joch."
„Herr Graf, ich wünsch mir nichts anderes,
als daß ich sobald wie möglich mit dem Bartl
zusammentreff."
„Nimms nicht zn leicht, Toni."
„Ich weiß, Herr Graf, was auf dem Spiel
steht."
„Deine Ehre steht auf dem Spiel und dein
Leben. Dein junges Leben, Toni. Vorige Nacht
bist einmal fort zum Dienstgang und haft bloß
eine Patrone im Lauf gehabt. DaS darf nim
mer vorkommen, Toni. Drei Schuß mutzt im
mer zur Verfügung haben. Für das hab ich dir
ja einen Drilling gegeben."
,^}a, ich Habs mir hintnach selber denkt, das
war leichtsinnig von mir."
Graf Bruggstein setzt sich auf die Bank und
spreizt den einen Fuß vor.
„Komm her, Toui, und zieh mir die Schuh
aus. Heut bin ich stockmüd und werd gleich
schlafen gehen. Um halb drei weckst du mich.
Wir gehn morgen zum Gröllstein. Da hab ich
heute eiuen Hirsch gespürt."
„Soll ich nix zum Essen richten, Herr Graf?"
„Nein, ich hab schon gegessen in der Bacher
alm."
„Die dem Rödl von Ambach gehört?"
„Ja, dem, glaub ich, gehört sie. Gut Nacht,
Toni!"
„Gut Nacht, Herr Graf!"
Graf Bruggstein zieht sich in sein Stübchen
zurück. Man hört die Matratze knarren und
bald darauf regelmäßige, tiefe Atemzüge.
Toni holt ein Stück Wurst aus dem Keller
und Brot und setzt sich damit vor die Hütte.
Ein märchenhaftes Schweigen liegt über der
Hochwelt. Die höchsten Gipfel lodern im Son
nenuntergangsfeuer. Die Wände sind schon
dunkel. Auch die Almfelder.
Nicht lange dauert die Dunkelheit. Hinter der
Almhütte des Brand! steigt ein bläulicher, un
bestimmt nach allen Seiten sich verteilender
Schein rasch empor. Er wird stärker, und mit
einem Male schwimmt grell leuchtend und ge
waltig wie eine Sonnenscheibe, der Vollmond
am Himmel.
Es wird beinahe taghell ringsum. Scharf
und gewaltig treten silberübergossen die
Spitzen der Berge aus der Nacht. Das Almfeld
bekommt mattgrüne Färbung und man sieht
verstreute, dunkle Buckeln umherliegen.
)er Jäger, die erloschene Pfeife im Mund,
nimmt alle Bilder dieser silbernen Nacht in sich
auf. Sie fallen ruhig in seine aufgewühlte
Seele hinein, stimmen ihn friedsam und still,
so daß er nach aller Unruhe, die ihn zuweilen
überfällt, nichts anders ist als ein junger Jä
ger, der seinem Herrn Treue geschworen hat
und der in einem stillen Haus wohnt, an
einem Hang, wo die Alpenrosen blühn, ein
junger Jäger, der von einem Mädchen träumt
mit blonden Zöpfen und zwei brennend roten
Lippen, mit dem weißen Glanz der Milchzähne
dazwischen.
Es ist schön, jung und ein Jäger zu sein.
Schön ist auch die Gefahr. Man findet eine
fremde Spur im Revier, die man verfolgt.
Man nimmt das Gewehr vom Rücken, das
Schloß schiebt sich mit einem bösen Laut hinter
eine Patrone. Man wartet — wartet sich die
Seele heraus. Die Gefahr bleibt aus. Dafür
kommt am Abend der Herr heim und sagt, daß
er wieder auf Eingeweide gestoßen sei.
Toni Zaggler erhebt sich und streckt gähnend
die Arme.
„Nur einmal wenns mir vergönnt wäre, mit
so einem Lumpenkerl zusammenzutreffen!"
Toni kann keinen Schlaf finden. Unruhig
wälzt er sich auf dem Lager hin und her, liegt
dann schließlich ganz still, mit weit geöffneten
Augen.
Das Mondlicht liegt auf der Diele und wan
dert langsam weiter, berührt alle Dinge, den
Ofen, die Gewehre an der Wand und den jun
gen Jäger, der mit wachen Augen in den blei
chen Schimmer sieht.
Schließlich wird ihm dieses Hindösen zu
dumm. Er steht auf und wandert mit bloßen
Füßen die Stube auf und nieder, holt die
kleine Totenkopfpfeife aus der Joppentasche
und bläst die blauen Wölkchen in kurzen
Stößen vor sich hin.
Dann geht er in die Hütte, nimmt das Ge
wehr vom Nagel und verläßt leise die Hütte.
Mit gleichmäßigen Ruderschkagen treibt er
das Boot über den Sec und geht das mond
helle Almfeld hinauf. Auf einmal steht ein
breiter, wuchtiger Koloß vor ihm. Der Stier
Mylord.
Der Jäger krault ihm mit der Hand im
dicken Haarwulst zwischen den kurzen, stumpfen
Hörnern. Der Stier hebt den Kopf, warmer
Atem kommt aus seinen geblähten Nüstern,
und als der Jäger fortgeht, schickt er ein dump
fes, wohliges Murren hinterher.
Toni geht an der Almhütte vorbei, die dun
kel und verschwiegen liegt, öffnet das Zaun
gatter, überquert ein Geröllfeld und klettert
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Marinerekruten im Gelände.
Rekruten der 2. Kompagnie der Marineschule Wesermünde bei
ihrer ersten Geländeausbildung. (Weltbild, K.)
dann über eine steile Graskuppc den einsah
aufstrebenden Felskegel hinan. Dort sitzt e
nun, legt die Flinte über den Schoß und blm
in das Land hinaus.
Bisher ist alles still gewesen. Aber auf ein
mal hört man Geräusche aus dem Tal. V?
muß in Ambach sein. Man hört ganz öeutuw
jetzt das Kreischen der Angeln. , %
Die Geräusche kommen immer etwas verspä
tet bis herauf zur Höhe, weil die Entfernung
immerhin fast zweitausend Meter sein nurg-
Es ist fast unheimlich anzuhören, wie die Ge
räusche ihr Echo in den Wald werfen, wie F
dann eine Weile unbestimmt in der Luft krei
sen, bis sie zu dem Jäger heraufkommen.
Toni schaut auf die Uhr. Sie zeigt die zweite
Stunde nach Mitternacht.
Jetzt hört man das dumpfe Brummen eine^
Motors. Zwei grelle Lichtkegel zucken auf und
bewegen sich langsam vorwärts. Auch in ein
paar anderen Häusern sieht man jetzt Licht aus
leuchten.
Ist das die Gefahr, die unheimlich, drohend,
am Abend schon und dke ganze Nacht vor dein
Jäger gestanden hat?
Toni lächelt.
„Wie kann ich nur so dumm sein! Das ist
doch der Rödl, der jeden Mittwoch mit scinein
Lastauto das Vieh der Bauern in die Stadt
bringt."
Natürlich, man hört es ja ganz deutlich jetzt-
wie sie das Vieh einladen.
Eine halbe Stunde später fährt der WageU
aus dem Dorf. Die Scheinwerfer dringen schvu
in den Waldspitz. Es sieht sich an, als ob alle
Gipfel in hellem Feuer stünden. Gleichmäßig
hängt das Surren des Motors in der Luft-
Und auf einmal, gerade als der Wagen hinter
dem Wald vorkommt, setzt der Motor aus und
alles ist still.
Ganz deutlich sieht der Jäger den Wagen tief
unter sich,' ein dunkler Schatten auf der mond
hellen Straße.
Da — was ist das? Gestalten huschen um den
Wagen herum. Man hört ein dumpfes Gepol
ter,' das Herablassen der hinteren Verschalung-
Und wieder huschende Gestalten.
Der Jäger springt auf. Er weiß nicht, wie
es ihm in den Sinn gekommen, aber rnit
wuchtigen Sätzen hetzt er die Graskuppe hin
unter, biegt in den Wald ein und stürzt aus
dem holprigen Wege dahin.
Schon hat er weit über die Hälfte des Weges
bis zur Straße zurückgelegt, da fährt der Wa
gen wieder an.
„Verdammt noch einmal", knirscht Toni är
gerlich. Und dann kommt es ihm auf einmal
lächerlich vor, was er getan. Weil ein Wagen
mitten auf der Straße gehalten hat — wegen
einer Panne vielleicht, oder sowas — rennt er
den weiten Weg herunter und vergißt, daß
sein Herr um diese Zeit geweckt sein will zur
Hirschjagd.
Schon will er umkehren, als ihn Schritte aus
horchen lassen.
Schritte?
Ja, ganz deutlich hört man sie jetzt den Wald
heraufkommen.
(Fortsetzung folgt.)
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«Mebretträtsel.
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Mi
Jeder Kreis erhalt einen entjprechenden Buchstaben, jo daß
waagerecht und senkrecht dreibuchstabige Wörter entstehen:
Waagerecht: 1. Trinkstube, 4. Böge!, 7. indische Münze,
10. Schöpfung, 13. Ausruf des Erstaunens, 16. Nebenfluß des Rheins,
19. persönliches Fürwort, 22. Artikel.
Senkrecht: 1. Kurort, 2. Vorfahr, 3. selten, 4. deutsche Stadt,
6. Zeitmesser, 7. türkischer Männername, 9. Fisch, 17. norwegischer
Romanschriftsteller.
Das Naturwunder.
Ü
11
LWÄ
mir.
m
Die folgenden Wortpaare kräftig schütteln,
und so die gefragte Bedeutung ermitteln.
In den gefundenen Anfangslauten ihr dann seht,
einen Mann, der auf vier Beinen geht.
„Mord" und „Ader" wird zum Wüstentier;
aus „Mops" und „Sou" wünsch' einen Pelz
„Sieg" und „Raub" ist Landstrich am Rhein,
und „Eile" und „Sippe" wird Fallsucht sein.
Wer „Gitter" und „Lanner" nun richtig mischt,
dem eine Schlange entgegenzischt;
dieweil „Rest" und „Same" — ihr werdet'S ja sehn,
einen Komponisten lassen entstehn.
Und nun müßt ein „tz-Bvot" mit „Lima" ihr paaren,
man kann dann im Ganzen spazieren fahren.
Etwas „Kern" und „Wachs" zusammengeschweißt,
das Süßmäulchen selten wohl von sich weist.
Zum Schluß kann man Ostpreußenstadt ergründen,
würd' „Biene" und „Grund" man znsammenwmden
Wer mit Geduld die Worte mischt,
de« der Blerbàemaņņ nicht mehr eàiîcht.
Silbenrätsel.
»ich — an — blo — brach — char — chan — che — com — de
dels — den — der — des — di — dre — duld — e — ei — ein — elb
en — eth — for — füh — ge — ge —- gels — gie — gli — grach — gut
i — im — ir — jew — jew — ko — ko — kra — kras — la — la
lo — loch — mel — men — mi — mo — na — ne — ne —- nel —- ni
nist — no — o — o — pen — rä — re — rer — sän — satz — scha
Ben — ser — sie — sis — sow — syn — ta — tau — ten — ten — ti
ti — ti — tos — tro — tun — ul — us — Ta — vi — wall
Aus vorstehenden 85 Silben sind 28 Wörter zu bilden, deren
Anfangs- und Endbuchstaben, beide abwärts gelesen, einen Zwei
zeiler von Wilhelm Busch ergeben. 1. russischer Dramatiker, 2. Dienst
grad, 3. Anstifter, 4. Spielsumme, 5. politischer Bund in Italien,
6. Teil des Gesichtes, 7. juristischer Begriff, 8. Vorlage, 9. Wasser
wege in Holland, 10. Parze, 11. Zeitbestimmung, 12. unterirdisches
Bauwerk in Hamburg, 13. englische Grafschaft, 14. chinesische Ehren
erweisung, 15. Werturteil, 16. große Nachsicht, 17. russischer Lyriker,
18. krankhafte Empfindsamkeit, 19. Schweizer Geograph, 20. Kaffee-
ausfuhrhafen, 21. einer der Eisheiligen, 22. heiße Zone, 23. Wider
ruf, 24. ostdeutsche Landschaft, 25. übertriebener Patriot, 26. Stadt
am Bug, 27. Schweizer Maß, 28. Völkerkunde, ich = 1 Buchstabe.)
Anrüchig.
So sehr er die Dame auch umschwärmt,
für den Geruch hat er sich nie erwärmt.
aì'tîï KMKk i! vN >î'l> -101 TIT41
Füllrätfel: 1. Lafette, 2. Klavier, 3. Kollege, 4. General, 5. Ster
let, 6. Genelli, 7. Emanuel, 8. Pergola, 9. Breslau, 10. Antenne,
11. Holbein, 12. Flunder, 13. Legende.
Silbenrätsel: 1. Weisel, 2. Oktoberfest, 3. Naturschutz, 4. Ader-
bau, 5. Chlorkalk, 6. Sottise, 7. Ovation, 8. Libanon, 9. Latwerge,
10. Mazedonien, 11. Abbau, 12. Nektarinen, 13. Altarbild, 14. Man-
zonares, 15. Einerlei, 16. Ninive, 17. Dublin, 18. Eigenbrvtlerei,
19. Telemach, 20. Ruhegehalt, 21. Aranjuez, 22. Chiemgau, 23. Ta-
naelv, 24. Egede, 26. Nashornkäfer, 26. Dogma, 27. Jrtysch, 28. Ernte
dankfest, 29. Wolke, 30. Enterhaken. Wonach soll man am Ende
trachten? Die Welt zu kennen, und sie nicht zu verachten.
(Goethe.)
Geographisches RebuS: 1. Cassel, 2. Inn, 3. Sieg, 4. Rügen,
5. Leine, 6. Gmunden, 7. Gent, 8. Weichsel. Lass' nie die Lüge
deinen Mund entweihn.
Gitterrätsel: 1. Eppendorf, 2. Meiningen, 3. Edenkoben,
4. Friedenau.
Bridge-Ausgabe
1. * 2, 3, K, <y 6
2. * 2. 9, v, 6
3. A 5, A, O 0, 4> 4
4. 4 4, K, A, 8
6. ch> 3, 10, t? L. ch 7
6. y A. 2. <> 2. st? 8
7. st? Ist, 4. <> 3. st, 10
8. st? D, 7, 0 7 4
9. C? 3, 9, * 7, 0 10
10. * 6. 10. 0 B. 6
11. « D -
B in Abwnrfzwang, wirft er 0 D oder ♦ B ab, W »pWt Y je B*ob-
deu «it ch 6 oder H 8 weit«.
«ôsselşpŞg.
See
auf
voll
be
Hal
Frucht
den
ne
Feu
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le
ist
sind
sie
selbst
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denn
be
ge
le
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al
mei
Far
le
er
flim
er
tan
singt
Schrei
Sin
lie
das
zen
wacht.
In
ge
le
Gott
«l
denn
zwi
mernd
Scheu
ten
ial
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da
ne
Glück
al
sin
welch
ne
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der
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schen
mer
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Geleitet von I. Schindler.
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