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Deutsches Soldatentum
Nr. 124
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt)
Freitag, den 29. Mai 1936
Skagerrak
Jahre sind mit dem 31. Mai 1936 seit dem
şie von Skagerrak verstrichen. Der Donner
px Geschütze, bis an unsere schleswigsche West
küste hörbar, ist verhallt, die aufgewühlte See
A sich geglättet und die Wunden, die diese
flacht schlug, sind längst vernarbt. Aber je
Nr der gewaltige Eindruck des persönlichen
^nterlebens zurückweicht, desto klarer tritt
şìeser Tag als der bedeutendste Markstein un
terer Flottengeschichte hervor. Denn darin liegt
J e „wt die Jahrhunderte wirkende geschichtliche
?^'öße dieser Stunden: Der erste große Hieb,
?A r mit der neuen Waffe ausgeteilt wurde,
Nrte ihr zugleich die Unsterblichkeit. Auf dem
Schlachtfeld von Skagerrak fand sie die Be
tätigung ihres Glaubens an die eigene Kraft
tnü Aufgabe, die das Heer im Laufe der
Jahrhunderte in ungezählten Schlachten sich
Written hatte. Hier erwarb sich die Marine
,che eigentliche Bestimmung, daß sie nicht mit
chl Weltpolitik des zweiten Reiches, deren
instrument und Schöpfung sie ursprünglich
gewesen war, dahinsank, sondern den Wechsel
Zeiten stolz überdauerte als die Schütze
rn heimatlicher Küsten und Hüterin eines
wertvollen Teiles unserer Wehrkraft.
Und neben dieser deutschen Bedeutung steht
W andere: Englands Grand Fleet, die sich
cht Nelsons Tagen den Nimbus der Unbe-
llegbarkeit in steigendem Maße erworben hatte,
Uotzdem sie nach ihm in keine größere Schlacht
mehr verwickelt worden war, wurde von der
deutschen Hochseeflotte zwar nicht besiegt aber
doch entscheidend getroffen. 45 000 Deutsche
kämpften gegen 60 000 Engländer; 3600 ver
feuerten deutschen schweren Granaten standen
4600 englischen gegenüber; unsere Schiffe er
hielten 100 Treffer, während den Engländern
120 beigebracht wurden; bei uns sanken 61000
Tonnen mit 2554 Mann, dort 116 000 Tonnen
mit 6945 Mann.
Der 20. Skagerraktag ist als der Tag der
Einweihung des Marine-Ehrenmals in Laboe
dem Gedenken der tapferen Toten von beiden
Seiten gewidmet. Als im vorigen Jahre Ad
miral Jellicoe zur ewigen Ruhe gebettet
wurde, sanken auf allen deutschen Kriegsschif
fen in allen deutschen Häfen die Fahnen auf
Halbstock als Ausdruck der Ehrung des ein
stigen Gegners durch unsere Kriegsmarine,
als ein Zeichen, daß die Feindschaft vergessen
und von dem Geist ehrlicher Achtung überwäl
tigt war. Es ist der aufrichtige Wunsch aller
Deutschen, daß Engländer und Deutsche nie
wieder gegeneinander stehen möchten, sondern
beide, getreu der nur durch den Weltkrieg
unterbrochenen Ueberlieferung, Schulter an
Schulter den ihnen von der Geschichte gestell
ten Aufgaben gerecht werden mögen.
Dem Gedenken der Schlacht und der Arbeit
der Marine des Dritten Reiches ist unsere
heutige Wehrbeilage gewidmet. O
wie Skagerrak gewonnen wurde
Von Admiral Schcer.
Durch die Liebenswürdigkeit der Ange
hörigen des Siegers vom Skagerrak sind
wir in der Lage, aus dem Nachlaß des
verstorbenen Admirals die nachstehenden
Gedanken zu veröffentlichen.
Schmerzlich wirkte in den beiden ersten
^riegsjahren die Enttäuschung auf die Flotte,
N ihr nicht die volle Bewegungsfreiheit ein
räumt wurde. Der Seemannsstolz unserer
Mariner fühlte sich getroffen, daß sie zum
weitaus größten Teil keine Gelegenheit zur
Betätigung fanden, da doch viele einzelne
Ruhmestaten unserer Kreuzer und U-Boote
^eweise abgelegt hatten, welcher Geist in der
Marine herrschte.
Die Skagerrak-Schlacht brachte diese Be-
'^eiung. Was niemand erwartet hatte, daß die
îuglische Flotte von der deutschen geschlagen
Werden könne, anstatt sie völlig zu vernichten,
wbald sie sich nur zum offenen Kampf im
treten Wasser herauswagen würde, das trat
e>n.
Es ist nicht meine Sache, hier darzulegen,
wie es erreicht wurde. Nur das mag gesagt
werden: es gelang, weil ich das Vertrauen in
pä Gelingen hatte, weil ich mich vorwärtsge-
ş ieben fühlte von dem kampfesfreudigen und
es mutigen Geist der Besatzungen, die den
Mihrer nicht geachtet hätten, der einer Gele-
Nnheit, mit der englischen Flotte anzubinden,
^sgewichen wäre.
, Es soll mich einmal ein hoher Herr gefragt
^ben, was ich mir bei den Gefechtswendungen
rr Flotte in der Skagerrak-Schlacht eigentlich
«edacht hätte. Ich soll darauf geantwortet ha-
JU: „Nichts". Ich weiß mich dieses Vorfalls
?war nicht zu erinnern, will aber nicht bestrei-
j en , daß meine Antwort in diesem Sinne ge
nutet haben kann, um nämlich damit auszu
gucken, daß der Flottenchef in der Schlacht
Aue Zeit zu langen Ueberlegungen oder gar
Beratungen mit seinem Stabe hat, sondern
pfte Entschlüsse ganz instinktiv und rasch trcf-
W muß, wenn er, ohne für seme Person
Deckung vor dem feindlichen Feuer zu haben,
Wennt, daß sich zwischen den mit äußerster
straft dahinjagenüen Schiffen eine Lage ent-
'ckelt, die sofortiges Handeln erfordert. Es
ìht ihm dabei wie einem Fechter, der schnell
friert und dann, eine Blöße des Gegners er-
ennend, wieder zuschlägt. Eine Summe von
^sahrungen aus den im Frieden erlebten
-wsechtsübmigen haben sich aufgespeichert und
ş 6en einem unwillkürlich, jetzt wird dies oder
Res eintreten, also mußt du so oder so ver
ehren. Ich war mir keinen Augenblick rm
Zweifel, als die Meldung mich erreichte, nun
ft Se die englische Linienschiffsflotte quer vor
Scherer Spitze, zunächst unbekümmert darauf-
^Şfahren zu müssen, statt zu zaudern, weil
W^us eine schwierige Lage entstehen könne.
» wd ebenso kurz wurde nachher, als ich er-
Wstte, daß der Gegner sehr bald die artille-
- !stsche Ueberlegenheit auf seiner Seite haben
r wrde, wie die Einschläge auf unseren Schif-
s-w sich mehrten, ohne daß wir wegen der Un-
- Migkeit der Ziele gleiche Wirkung beobach
tn, öer Entschluß gefaßt: Herum mit der
s?wzen Linie, um die Spitzenschifse zu entla
st Dann allerdings verfolgte ich mit höch-
Spannung den nächsten Verlauf, ob mein
Wllnl „Rechtsum kehrt" richtig erkannt und
La? rechtzeitig ausgeführt werden würde. Als
Mit wunderbarer MMKon geschah, hatte
ich die Empfindung: bei solcher Beweglichkeit
kann die Sache überhaupt nicht schief gehen.
Der Grundton dieses Geistes, der alle
Besatzungen durchdrang, war die Selbstver
ständlichkeit der Pflichterfüllung, es war die
Treue dem Vaterlande gegenüber, die sich in
der Gefahr bewährte, wenn es gilt, das Leben
einzusetzen und dadurch das höchste zu erhal
ten, was den einzelnen wie ein ganzes Volk
ziert: seine Ehre.
Die deutschen Schlachtkreuzer im Gefecht.
Von links: „Moltke", „Seydlitz" und „Derfflinger". Nach einer Zeichng.)
„Lützow" und „Derfflinger"
vernichten den Schlachtkreuzer „Invincible"
Admiral Hood geht mit seinem Flaggschiff in die Tiefe.
Etwa um 7.30 Uhr zerriß der Gefechtsqualm
östlich der deutschen Schlachtkreuzer, und vor
„Lützow" und „Derfflinger" stand in der Mitte
des freien Teils des Horizonts in völliger
Klarheit ein britisches Großkampfschiff.
„Lützow" und „Derfflinger" konzentrieren auf
ungefähr 90 hm ihr Feuer auf das eben sicht
bar gewordene Schiff. Das britische Groß
kampfschiff — es ist der Schlachtkreuzer „In
vincible", das Flaggschiff des Admiral Hood —
wehrt sich verzweifelt. Das bereits getroffene
britische Schiff erwidert das Feuer der beiden
deutschen Schlachtkreuzer mit so guter Wir
kung, daß Admiral Hood von der Admirals
brücke dem Artillerieoffizier Commander
Dannreuther, der das Feuer leitet, durchs
Sprachrohr zuruft: „Ihr Feuer ist sehr gut,
fahren Sie so fort, äußerste Feuergeschwindig
keit — jeder Schuß ist ein Treffer!" Aber eine
Der Aufmarsch der deutsche» uud englische» Flotte.
Deutlich ist die drohende Gefahr der Umklammerung sichtbar, in der sich Admiral
Scheer befand.
Welche Schiffe der deutschen
Kriegsmarine führen Kriegsorden?
Diese Frage beantwortet der „Kyffhäuser",
Reichsblatt des Deutschen Reichskriegerbundes:
Das Vermessungsschiff „Meteor" trägt nicht nur
am Heck das Eiserne Kreuz von 1870 für das Ge
fecht vor Havanna, sondern auch im Vormars. (Das
im Sturm vor Fehmarn am 26. Juli 1082 geblie
bene Segelschulschiff „Niobe" führte gleichfalls das
Eiserne Kreuz als Fortsetzung der Tradition der
früheren Schulschiffe der kaiserlichen Marine:
„Stosch", „Stein", „Charlotte", „Gneisenau" usw.)
Weiterhin wurde der Kreuzer „Emden" (III) als
Träger der Tradition der berühmten „Emden" (I),
dessen Kommandant Fregattenkapitän v. Müller
war, mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Das
Unterseeboot „U 0" erhielt das Eiserne Kreuz in
Erinnerung an die Vernichtung der drei britischen
Kreuzer „Hogue", „Aboukir" und „Cressy" durch
KapMukeutnaut Otto Weddigeu am 22, g. 1914.
deckende Salve nach der anderen schlägt auf der
„Invincible" ein. Um 7 Uhr 33 Minuten trifft
gerade noch eine Salve der „Lützow" den bri
tischen Schlachtkreuzer zwischen den mittleren
Türmen, als gleichzeitig die Artillerieoffiziere
von „Lützow" und „Derfflinger" gewaltige
Explosionen im vorderen Turm und dann an
anderen Stellen der „Invincible" beobachten.
Die Masten stürzen um, Schiffsteile wirbeln
durch die Luft, eine gewaltige Rauchwolke
steigt gegen den Himmel, aus den zerbrechen
den Schiffsteilen spritzt Kohlenstaub und
Pulverqualm nach allen Richtungen, Flam
men zucken über das Schiff, neue Explosionen
folgen, und dann verschwindet das Schiff, das
den stolzen Namen der „Unbesiegbare" trug,
den Blicken der deutschen Beobachter. Aus
„Derfflinger" wird in das Telephon gerufen:
„Unser Gegner ist in die Luft geflogen!" und
mitten im Gebrüll der Schlacht schallt donner-
ŞŞ ein »Hurra" duĢ SKA HM ķàâàtzâMIĢchŞM besondrer Berweuàng.
allen Telephonen wieder herausschallt, sich von
Gefechtsstation zu Gefechtsstation fortpflan
zend. So war es deutschen Schiffen vergönnt,
hier in der Nordsee die von der „Invincible"
bei den Falkland-Jnseln niedergekämpften
Schiffe „Scharnhorst" und „Gneisenau" des
Grafen Spee zu rächen. Mit der „Invincible"
gingen Admiral Hood und seine gesamte Be
satzung unter, nur eine Gruppe von sechs
Mann, darunter der Artillerieoffizier Dann-
reuther, die sich auf ein Floß retten konnte,
wurde von einem britischen Torpedoboot aus
den Fluten geborgen. Als im weiteren Ver
lauf der Schlacht der britische Flottenchef, Ad
miral Jellicoe, das Wrack der „Invincible"
passiert, ragen Bug und Heck des in zwei Teile
auseinandergerissenen Schlachtkreuzers hoch
aus dem Wasser heraus. Admiral Jellicoe
glaubt das Wrack eines deutschen Großkampf
schiffes zu sehen, triumphierend läßt er die
Besatzllng seines Flaggschiffes Front nach dem
„deutschen" Wrack nehmen, als ihm ein Sig
nalgast meldet: „Auf dem Heck steht der Name
„Invincible". Ergriffen befiehlt der britische
Admiral: „Mützen ab zum Gebet für unsere
gefallenen Kameraden der „Invincible"! Die
„Invincible" war das erste Schiff des Schlacht
kreuzertyps gewesen, man nannte ganz allge
mein alle Schlachtkreuzer „Jnvincibles", so
wie man alle Großkampflinienschiffe nach dem
ersten Typschiff „Dreadnoughts" nannte. So
war hier „die Mutter aller Schlachtkreuzer den
Weg der anderen zwei gegangen, die nicht
mehr waren".
Wenige Minuten nach dem Untergang der
„Invincible" wurde der Kommandoturm des
Flaggschiffes des ill. Geschwaders von einer
schweren Granate getroffen, das Geschoß glitt
aber ab und explodierte 50 m vom Schiff ent
fernt, wobei der Chef des Hl. Geschwaders,
Konteradmiral Behnke, durch ein Sprengstück
verwundet wurde.
Wir entnehmen vorstehenden Artikel mit
freundlicher Genehmigung des Verlages K. F.
Koehler, Leipzig, dem Buch „Der Sieg der
deutschen Hochseeflotte am 31. Mai 1916" von
Freg.-Kapt. a. D. von Hase. Der Verfasser hat
an der Schlacht selbst teilgenommen und ver
mittelt ein anschauliches Bild der verschiedenen
Phasen des Kampfes. Der Leser verfolgt die
von Liebe zur deutschen Flotte und ihrer
tapferen Besatzung getragene Darstellung des
Schlachtverlaufs mit Spannung und wachsender
Begeisterung. Das durch zahlreiche Bilder und
Gesechtsskizzen ergänzte Buch ist ganz beson
ders auch für unsere Jugend geeignet.
Der Stand der deutschen Kriegsmarine
Das „Marine - Verordnungsblatt" veröffentlicht
die Liste der deutschen Kriegsmarine nach dem
Stande vom 1. April 1936. Danach haben wir an
Panzerschiffen: „Deutschland", „Admiral Scheer",
„Admiral Graf Spee". Im Bau sind „Ersatz Elsaß"
und „Ersatz Hessen". Zu den Panzerschiffen kom
men die alten Linienschiffe: „Hannover", „Schlesien"
und „Schleswig-Holstein". An Kreuzern sind vor
handen: „Emden", „Königsberg", „Karlsruhe",
„Köln", „Leipzig", „Nürnberg". Im Bau sirid
„Ersatz Berlin", „Ersatz Hamburg" und „I".
Im Bau sind die Zerstörer Z 1—16. Vorhanden
sind dieTorpedoboote T135, T190, 2196, G7, G8,
G 10, G 11, „Möwe", „Greif", „Seeadler", „Alba
tros", „Kondor", „Falke", „Wolf", „Iltis", „Tiger",
„Luchs", „Jaguar", „Leopard". Vorhanden sind die
Unterfeeboote U 1—U 15, U 17—U 20, im Bau
u 16, u 21—u 86. Die Liste führt drei vorhandene
Flottenbegleiter und sieben Flottenbegleiter im
Bau sowie 29 Minensuchboote und 20 Räumboote
auf; vier Räumboote sind im Vau. Dazu kommen
eine Anzahl Schnellboote, Bewachungsfahrzeuge,
Sperrübungsfahrzeuge, Stationstenöer, zwei Ar
tillerie-Schulschiffe, fünf Artillerie-Schulboote, das
Vermessungsschiff „Meteor", das Segelschulschiff
„Gorch Fock", das U-Boot-Begleitschiff „Saar" so-