Der Tag in Wort un- Vilö
Olympiavorbereitungev in der Reichsdmckerei
Ein Einblitk in das Gebäude
Es gibt wohl kaum einen Betrieb in Ber
lin, der nicht irgendwie sich auf die Olympi
schen Spiele eingestellt hat. Und natürlich
macht eines der größten Unternehmen des
Reiches, die Post, davon keine Ausnahme.
Unweit der Leipziger Straße in Berlin
stehen in stillen Seitenvierteln wichtigste Ge
bäude der Reichsregierung. Man kennt zwar
nun allgemein die Wilhelmstratze mit ihren
vielen hochpolitischen Aemtern, man weiß um
den Hausvogteiplatz mit dem imponierenden
Gebäude der Reichsbank. Aber wer kennt die
stille Oranienstraße, in der schmucklos Haus
an Haus sich reiht und deren größte Gebäude
der Reichsdruckerei gehören? Außerordentliche
Werte und zahlreiche Geheimnisse bergen diese
Mauern, hinter denen Banknoten und Gesetz
entwürfe, Steuerbanderolen, Marken und
Kunstwerke gedruckt werden.
Auf einer Gesamtgrundfläche von 41521
Quadratmeter erheben sich die Gebäude der
Reichsdruckerei, die nicht weniger als 75 000
Quadratmeter Fläche in ihren Arbeits- und
Lagerräumen besitzen. Die modernsten Maschi
nen sorgen für eine Arbeitsmöglichkeit, wie
sie kein Privatunternehmer! auch nur an
nähernd bieten kann. Täglich werden etwa
30 Tonnen Papier verarbeitet, das in mehr
als 1000 Sorten vorrätig gehalten wird. Tau
sende von verschiedenen Drucksachen und Wert
zeichen werden für den Verkauf an Behörden
ständig auf Lager gehalten und an die Ver
braucher des ganzen Reiches verschickt. Eine
richtige kleine Stadt für sich, in der die Erfin
dung des Druckes regiert, ist die Reichsdrucke
rei.
Das achtgeschossige Fabrikgebäude hinter
der Hauptfront läßt die Geld- und Wertdrucke
entstehen, deren Herstellung ganz besondere
Vorsichtsmaßnahmen nötig macht. Hier wer
den Brief- und Stempelmarken gedruckt, Ban
derolen, Lotterielose, Gutscheine, Postkarten
und Banknoten. Die geschulten Kräfte und die
speziellen Maschinen erlauben eine tägliche
Leistungsfähigkeit von 1 Million Stück Wert
papieren, 40 Millionen Marken, 3 Millionen
Postkarten, 5 Millionen Banderolen und be
lasten trotzdem dabei den Betrieb nicht über
mäßig.
Die Herstellung der Briefmarken, die täglich
bis zu 20 Millionen Stück verschickt werden,
geschieht ebenfalls in der Abteilung für Wert
drucke. Papierrollen in Breite von 1 Meter
werden zu diesem Zweck zunächst gummiert,
für die Druckmaschinen zugeschnitten, dann
von Runddruckmaschinen bedruckt; gleichzeitig
öurchlochen die Maschinen zu Markenbogen,
versehen sie mit Zahlen und schneiden sie zu
Bogen von je hundert Marken.
In Tag- und Nachtbetrieb wird hier mit
Maschinen- und Handsatz gearbeitet. Rund
druckpressen für Buch- und Offsetdruck don
nern in den Hallen. Literaturerzeugnisse des
Morgen- und Abendlandes können hier gesetzt
werden und ein erfahrener Setzer versteht
ebenso gut ein chinesisches wie ein koptisches,
ein chalöäisches wie ein russisches Manuskript
zu setzen. Ständig werden die Bestände dieser
Schriften erweitert.
Das Verfahren des Mehrfarbendruckes gibt
der Reichsdruckerei Möglichkeiten zur Er
zeugung von Landkarten, Plakaten, Unter
richtungstafeln und anderen größeren und
kleineren Aufträgen auf diesem Gebiet.
Die überaus wichtigen Aufgaben der Reichs-
bruckerei bringen eine große Verantwortung
mit sich. Strengste Auslese des Personals,
völlige Unabhängigkeit von fremden, mit
wirkenden Kräften sind Erfordernis.
Erst seit dem Jahre 1879 arbeitet die
„Reichsdruckerei" unter diesem umfassenden
Namen. Die Geschichte des Unternehmens
selbst aber geht auf eine lange Tradition zu
rück und schon Friedrich der Große gab seine
Aufträge in die Druckerei, die damals den
Namen ihres Gründers Georg Jakob
Decker trug und 1763 gegründet wurde. Sie
wurde bald zum größten und bekanntesten
graphischen Privatunternehmen Berlins und
blieb in der Hand der gleichen Familie, bis
1877 Rudolf von Decker starb und sein In
stitut in den Besitz des Reiches überging, für
das es schon seit Jahrzehnten vorzugsweise
gearbeitet hatte. Bismarck und Heinrich von
Stephan waren es, die der Reichsdruckerei ein
großumrissenes Arbeitsfeld zuwiesen und es
ihr ersparten, als Monopolunternehmen die
eigene wirtschaftliche Kraft erlahmen zu
lassen.
* * *
Norwegischer Dampfer gesunken.
DNB. Oslo, 29. Mai. (Eig. Funkmeld.)
Nach einer in Haugesund eingetroffenen Mel
dung ist der 990 Tonnen große, in Bergen be
heimatete Dampfer „Hogstad" mit 14 Mann
Besatzung auf der Fahrt von England nach
Norwegen in der Nordsee gesunken. Lediglich
der in einem Rettungsboot treibende Kapitän
des Schiffes wurde von dem holländischen
Dampfer „Westpleine" gerettet. 13 Mann Be
satzung dürsten ertrunken sein.
* * *
Sportflugzeug verunglM.
Hamburg, 28. Mai. Am Donnerstag stieß in
der Nähe des Flughafens Hamburg das Ver
kehrsflugzeug Berlin—Hamburg mit einem
Sportflugzeug zusammen. Die Verkehrsma
schine konnte trotz der erlittenen Beschädigung
dank der Umsicht der Besatzung, Flugkapitün
Platz und Flugmaschinist Ahlers, glatt auf dem
Flugplatz landen. Der Sportdoppeldecker
stürzte dagegen ab und fiel auf die Alsterüor-
ser Anstalt für Schwachsinnige. Er durchschlug
das Dach, fiel in den Speisesaal und geriet in
Brand. Der Flugzeugführer kam dabei ums
Leben. Von den Zöglingen der Anstalt wurden
zwei getötet, einer schwer und drei leicht ver
letzt.
* * *
HunderljghrfMr her Technischen
Hochschule Darmslndl.
DNB. Darmstadt, 28. Mai. Im Mittelpunkt
der Darmstädter Festtage anläßlich der Hun
dertjahrfeier der Technischen Hochschule und
der 80-Jahrfeier des Vereins Deutscher In
genieure stand eine Feierstunde am Donners
tagvormittag. Annähernd 4000 Festgäste des
In- und Auslandes hatten sich in der Darm
städter Festhalle eingefunden. Unter den Ehren
gästen sah man den Beauftragten des Füh
rers für Technik, Dr. Todt, Vertreter der
Partei und ihrer Gliederungen, der Wehr
macht, der hessischen Landesregierung und der
staatlichen und städtischen Behörden, ferner
zahlreiche Vertreter ausländischer Hochschulen
sowie der Industrie.
Die akademische Feier, die von musikalischen
Darbietungen umrahmt war, wurde mit herz
lichen Begrüßungsworten des Rektors Prof.
Dr. ing. Hübener eröffnet. Dann ergriff
Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger das
Wort. Er überbrachte die Wünsche des Füh
rers und der Reichsregierung zu den Darm-
städter Jubeltagen.
Für den Reichserziehungsminister über
brachte Professor Dr. Bachè die Glückwünsche
zur Jubelfeier. Der deutsche Ingenieur der
Zukunft könne nur dann Beachtliches leisten,
wenn die schöpferisch gestaltenden Kräfte, die
Deutsch-ungarisches Kulturabkommen.
Während der Anwesenheit des ungarischen Kultusministers Dr.
Homann in Berlin wurde ein deutsch-ungarisches Kulturabkommen
abgeschlossen, dessen Unterzeichnung durch Reichserziehungsminister
Rust und durch den Gast unser Bild zeigt. (Heinr. Hoffmann, K.)
in ihm schlummern, einer Aufgabe zugeführt
werden.
Weiter überbrachte Kreisleiter Oberbürger
meister Warmbolöt die Glückwünsche der
Stadt Darmstadt, die besonders stolz auf ihre
Technische Hochschule sei, für die deutschen
Hochschulen einschließlich der Hochschule Dan
zig der Rektor der Gießener Universität. Freu
dig begrüßt wurde Professor Dr. List, der für
die Technische Hochschule Wien und für die deut
schen Technischen Hochschulen Brünn und Prag
sowie für die Technische Hochschule Kopenhagen
und Drontheim herzliche Grüße überbrachte.
* * *
Ioppeljubiläum auf dem Brocken.
io« Jahre Wetterbeobachtungen
ans dem Brocken.
Brocken, 28. Mai. Das dem Reichsamt für
Wetterdienst angeschlossene Brocken-Observa
torium, die windreichste Wetterstation Euro
pas, begeht in diesem Jahre ein Doppeljubi
läum. Vor genau 100 Jahren wurden die
ersten offiziellen Wetteraufzeichnungen auf
dem Brocken begonnen und systematisch fort
gesetzt, um sie für Wettervorhersagen wissen
schaftlich auszuwerten. Die Aufzeichnungen
oblagen den jeweiligen Wirten des Brocken
gasthauses. Vor 40 Jahren wurde die erste amt
liche Wetterstation auf dem Brocken erbaut,
in der ein hauptamtlicher Beobachter tätig ist.
Seit einiger Zeit sind es zwei Beobachter, die
sich in den Tag- und Nachtdienst teilen.
Im Zeitalter des Flugverkehrs hat das
Brocken-Observatorium größere Bedeutung
denn je erhalten. Es liegt an der windigsten
Stelle Europas. Ueber dem Brocken, in der
Mitte des Kontinents, überschneiden sich die
Luftströmungen aus allen Richtungen.
* * "
Zischzuchlleiche vernichlei.
90 000 Fische vergiftet.
Mailand, 28. Mai. Bei Treviso schütteten un
bekannte Täter Giftstoffe in das Wasser, das
zur Speisung großer Fischzuchtteiche dient. Der
Aufseher der Fischzuchtanstalt stellte bei einem
Rundgang fest, daß Zehntausende von Forellen
und anderen Fischen tot im Wasser treiben.
Dem Bubenstreich sind schätzungsweise 90 000
Fische zum Opfer gefallen.
Hilldenburg aus Fahrt
Zsrdbmch! vom „Hlàîàrg".
DNB. An Bord des LZ. „Hindeuburg", ,29«
Mai. (Eig. Funkm.) Wir hatten seit Madeira
die angenehmste Schönwetterfahrt. An Bord ist
alles in bester Laune. Die Schiffsmotoren lau
fen tadellos. Die Landung in Rio de Janeiro
erfolgt Freitag früh (Ortszeit). Der Start zur
Rückkehr ist für den Morgen des Sonnabend
vorgesehen.
Vsr der Landung
dicht vor Rio de Janeiro.
DNB. Hamburg, 29. Mai. (Eig. Funkmeld.)
Wie die Deutsche Seewarte mitteilt, stand das
Luftschiff Hindenburg um 7 Uhr MEZ. nur
noch 60 Klm. vom Zielhafen Rio de Ja
neiro entfernt.
* * *
Erdbeben in Argentinien
Buenos Aires. Ei» Erdbeben legte die Ort
schaft Las Chacras in Trümmer. Große Schä
den wurden in 3 weiteren Orten verursacht-
Meldungen über Todesopfer liegen bisher
nicht vor.
*
AnMlker in Nordhöhmen.
DD. Warnsdorf, 28. Mai. Am Mittwochnach
mittag ging über dem Schluckenauer und
Nixdorfer,Gebiet ein schweres Unwetter
nieder, das in ganz kurzer Zeit die beide«
Städte unter Hochwasser setzte. Der Hagelschlag
dauerte ununterbrochen etwa eine Stunde an-
Die Hagelkörner erreichten teilweise die Größe
von Taubeneiern, stellenweise lagen die Eis
körner bis zu 30 cm, an den Anschwemmstellen
bis zu 1 Meter hoch. Das ganze Gebiet war in
eine weiße Winterlandschaft verwandelt.
In den tiefer gelegenen Stadtteilen vo«
Schluckenau, die von einem Bach durch
zogen werden, der weithin aus den Ufern trat,
konnte man das Vieh nur dadurch vor der«
Ertrinken retten, daß man es auf die Dachbö
den brachte. Das Wasser drang stellenweise in
die Häuser ein und riß zentnerschwere Steine
mit sich fort, verwüstete Straßen und Wege.
Das Berliner Einsturznngliick mt Gericht
DNB. Berlin, 28. Mai. Von besonderer Be
deutung im Verlauf der Donnerstagvormit
tagsitzung im Baugrubenunglück ist die Zeu
genaussage des Photographen B e t t g e. Dieser
Zeuge hat im Aufträge der Berlinischen Bau
gesellschaft wenige Tage vor dem Einsturzun
glück Aufnahmen für Werbezwecke angefertigt,
die im Prozeß schon des öfteren eine Rolle
spielten. Von seiten der Verteidigung war die
Vermutung geäußert worden, daß der Zeuge
einige Aufnahmen, die er schon am 12. August
gemacht hatte, mit dem Datum des 16. August
— des nächsten Ausnahmetages — versehen
hatte.
Der Zeuge erklärte jedoch, daß die auf den
Photographien aufgestempelten Daten den je
weiligen Aufnahinctag richtig bezeichnen.
Als er am 12. August die ersten Aufnahmen
machen wollte, hatte er die Absicht, eine fah
rende Straßenbahn mit auf das Bild zu brin
gen. Dies sei ihm aber nicht gelungen; er
mußte sein Stativ auf eine der Steifenlagen
aufstellen und bemerkte dann jedesmal, daß
beim Vorbeifahren der Bahn eine so starke
Erschütterung entstand, daß das Bild ver
wackelte. Nach dreimaligen vergeblichen Ver
suchen sah er sich schließlich gezwungen, eine
Straßenbahn an der Haltestelle aufzunehmen.
Der Zeuge erklärte weiter, daß auch der starke
Autobusverkehr erhebliche Erschütterungen
verursachte. Diese Beobachtungen habe er dan«
auch bei seinen Besuchen am 16., 17., 19. u«b
am 20. August, dem Einsturztage selbst, ge
macht.
Die Frage des Vorsitzenden, ob er Verram
mungen in der Hermann-Göring-Straße be
merkt habe, bejaht der Zeuge, erklärt aber
weiter, daß es ihm aufgefallen sei, daß nach der«
Einsturzunglück auf den anderen Baustelle«
der Nordsüd-S-Bahn plötzlich eine fieberhafte
Tätigkeit eingesetzt habe; man war damit be
schäftigt, überall Sicherungsanlagen in beson
ders starkem Maße anzubringen.
Der Zeuge Erich Werner, der dann ver
nommen wurde, war am Unglückstage zusam
men mit einem Kameraden, wie üblich, in der
Baugrube mit dem Einziehen von Bohlen ««
der Westwanü beschäftigt. Plötzlich spürte er,
wie Sand von oben auf ihn herabrieselte-
Gleichzeitig hörte er ein Knistern und Knacke«-
Er rief darauf seinem Arbeitskameraden ei«e
Warnung zu, und beide ergriffen die Flucht i Jt
Richtung Brandenburger Tor. — „Ich blickte
mich noch einmal um", schilderte der Zeuge
weiter, „lind sah jetzt, wie die Steifen heru«-
terprasselten." Nach Vernehmung einer Reim
weiterer Zeugen wurden die Verhandlungen
auf Freitag vertagt.
Des Führers Spende für das Dankopfer.
In der Reichskanzlei zeichnete jetzt auch der Führer seinen Bei
trag für das Dankopfer der Nation in die Liste der SA.-Standarte 4
von Berlin-Pankow. Mit der Einzeichnung des Führers gilt die
Opfergabe des deutschen Volkes als abgeschlossen.
(Heinrich Hoffmann, K.)
V