Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Der Tag in Wort un- Vilö 
Olympiavorbereitungev in der Reichsdmckerei 
Ein Einblitk in das Gebäude 
Es gibt wohl kaum einen Betrieb in Ber 
lin, der nicht irgendwie sich auf die Olympi 
schen Spiele eingestellt hat. Und natürlich 
macht eines der größten Unternehmen des 
Reiches, die Post, davon keine Ausnahme. 
Unweit der Leipziger Straße in Berlin 
stehen in stillen Seitenvierteln wichtigste Ge 
bäude der Reichsregierung. Man kennt zwar 
nun allgemein die Wilhelmstratze mit ihren 
vielen hochpolitischen Aemtern, man weiß um 
den Hausvogteiplatz mit dem imponierenden 
Gebäude der Reichsbank. Aber wer kennt die 
stille Oranienstraße, in der schmucklos Haus 
an Haus sich reiht und deren größte Gebäude 
der Reichsdruckerei gehören? Außerordentliche 
Werte und zahlreiche Geheimnisse bergen diese 
Mauern, hinter denen Banknoten und Gesetz 
entwürfe, Steuerbanderolen, Marken und 
Kunstwerke gedruckt werden. 
Auf einer Gesamtgrundfläche von 41521 
Quadratmeter erheben sich die Gebäude der 
Reichsdruckerei, die nicht weniger als 75 000 
Quadratmeter Fläche in ihren Arbeits- und 
Lagerräumen besitzen. Die modernsten Maschi 
nen sorgen für eine Arbeitsmöglichkeit, wie 
sie kein Privatunternehmer! auch nur an 
nähernd bieten kann. Täglich werden etwa 
30 Tonnen Papier verarbeitet, das in mehr 
als 1000 Sorten vorrätig gehalten wird. Tau 
sende von verschiedenen Drucksachen und Wert 
zeichen werden für den Verkauf an Behörden 
ständig auf Lager gehalten und an die Ver 
braucher des ganzen Reiches verschickt. Eine 
richtige kleine Stadt für sich, in der die Erfin 
dung des Druckes regiert, ist die Reichsdrucke 
rei. 
Das achtgeschossige Fabrikgebäude hinter 
der Hauptfront läßt die Geld- und Wertdrucke 
entstehen, deren Herstellung ganz besondere 
Vorsichtsmaßnahmen nötig macht. Hier wer 
den Brief- und Stempelmarken gedruckt, Ban 
derolen, Lotterielose, Gutscheine, Postkarten 
und Banknoten. Die geschulten Kräfte und die 
speziellen Maschinen erlauben eine tägliche 
Leistungsfähigkeit von 1 Million Stück Wert 
papieren, 40 Millionen Marken, 3 Millionen 
Postkarten, 5 Millionen Banderolen und be 
lasten trotzdem dabei den Betrieb nicht über 
mäßig. 
Die Herstellung der Briefmarken, die täglich 
bis zu 20 Millionen Stück verschickt werden, 
geschieht ebenfalls in der Abteilung für Wert 
drucke. Papierrollen in Breite von 1 Meter 
werden zu diesem Zweck zunächst gummiert, 
für die Druckmaschinen zugeschnitten, dann 
von Runddruckmaschinen bedruckt; gleichzeitig 
öurchlochen die Maschinen zu Markenbogen, 
versehen sie mit Zahlen und schneiden sie zu 
Bogen von je hundert Marken. 
In Tag- und Nachtbetrieb wird hier mit 
Maschinen- und Handsatz gearbeitet. Rund 
druckpressen für Buch- und Offsetdruck don 
nern in den Hallen. Literaturerzeugnisse des 
Morgen- und Abendlandes können hier gesetzt 
werden und ein erfahrener Setzer versteht 
ebenso gut ein chinesisches wie ein koptisches, 
ein chalöäisches wie ein russisches Manuskript 
zu setzen. Ständig werden die Bestände dieser 
Schriften erweitert. 
Das Verfahren des Mehrfarbendruckes gibt 
der Reichsdruckerei Möglichkeiten zur Er 
zeugung von Landkarten, Plakaten, Unter 
richtungstafeln und anderen größeren und 
kleineren Aufträgen auf diesem Gebiet. 
Die überaus wichtigen Aufgaben der Reichs- 
bruckerei bringen eine große Verantwortung 
mit sich. Strengste Auslese des Personals, 
völlige Unabhängigkeit von fremden, mit 
wirkenden Kräften sind Erfordernis. 
Erst seit dem Jahre 1879 arbeitet die 
„Reichsdruckerei" unter diesem umfassenden 
Namen. Die Geschichte des Unternehmens 
selbst aber geht auf eine lange Tradition zu 
rück und schon Friedrich der Große gab seine 
Aufträge in die Druckerei, die damals den 
Namen ihres Gründers Georg Jakob 
Decker trug und 1763 gegründet wurde. Sie 
wurde bald zum größten und bekanntesten 
graphischen Privatunternehmen Berlins und 
blieb in der Hand der gleichen Familie, bis 
1877 Rudolf von Decker starb und sein In 
stitut in den Besitz des Reiches überging, für 
das es schon seit Jahrzehnten vorzugsweise 
gearbeitet hatte. Bismarck und Heinrich von 
Stephan waren es, die der Reichsdruckerei ein 
großumrissenes Arbeitsfeld zuwiesen und es 
ihr ersparten, als Monopolunternehmen die 
eigene wirtschaftliche Kraft erlahmen zu 
lassen. 
* * * 
Norwegischer Dampfer gesunken. 
DNB. Oslo, 29. Mai. (Eig. Funkmeld.) 
Nach einer in Haugesund eingetroffenen Mel 
dung ist der 990 Tonnen große, in Bergen be 
heimatete Dampfer „Hogstad" mit 14 Mann 
Besatzung auf der Fahrt von England nach 
Norwegen in der Nordsee gesunken. Lediglich 
der in einem Rettungsboot treibende Kapitän 
des Schiffes wurde von dem holländischen 
Dampfer „Westpleine" gerettet. 13 Mann Be 
satzung dürsten ertrunken sein. 
* * * 
Sportflugzeug verunglM. 
Hamburg, 28. Mai. Am Donnerstag stieß in 
der Nähe des Flughafens Hamburg das Ver 
kehrsflugzeug Berlin—Hamburg mit einem 
Sportflugzeug zusammen. Die Verkehrsma 
schine konnte trotz der erlittenen Beschädigung 
dank der Umsicht der Besatzung, Flugkapitün 
Platz und Flugmaschinist Ahlers, glatt auf dem 
Flugplatz landen. Der Sportdoppeldecker 
stürzte dagegen ab und fiel auf die Alsterüor- 
ser Anstalt für Schwachsinnige. Er durchschlug 
das Dach, fiel in den Speisesaal und geriet in 
Brand. Der Flugzeugführer kam dabei ums 
Leben. Von den Zöglingen der Anstalt wurden 
zwei getötet, einer schwer und drei leicht ver 
letzt. 
* * * 
HunderljghrfMr her Technischen 
Hochschule Darmslndl. 
DNB. Darmstadt, 28. Mai. Im Mittelpunkt 
der Darmstädter Festtage anläßlich der Hun 
dertjahrfeier der Technischen Hochschule und 
der 80-Jahrfeier des Vereins Deutscher In 
genieure stand eine Feierstunde am Donners 
tagvormittag. Annähernd 4000 Festgäste des 
In- und Auslandes hatten sich in der Darm 
städter Festhalle eingefunden. Unter den Ehren 
gästen sah man den Beauftragten des Füh 
rers für Technik, Dr. Todt, Vertreter der 
Partei und ihrer Gliederungen, der Wehr 
macht, der hessischen Landesregierung und der 
staatlichen und städtischen Behörden, ferner 
zahlreiche Vertreter ausländischer Hochschulen 
sowie der Industrie. 
Die akademische Feier, die von musikalischen 
Darbietungen umrahmt war, wurde mit herz 
lichen Begrüßungsworten des Rektors Prof. 
Dr. ing. Hübener eröffnet. Dann ergriff 
Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger das 
Wort. Er überbrachte die Wünsche des Füh 
rers und der Reichsregierung zu den Darm- 
städter Jubeltagen. 
Für den Reichserziehungsminister über 
brachte Professor Dr. Bachè die Glückwünsche 
zur Jubelfeier. Der deutsche Ingenieur der 
Zukunft könne nur dann Beachtliches leisten, 
wenn die schöpferisch gestaltenden Kräfte, die 
Deutsch-ungarisches Kulturabkommen. 
Während der Anwesenheit des ungarischen Kultusministers Dr. 
Homann in Berlin wurde ein deutsch-ungarisches Kulturabkommen 
abgeschlossen, dessen Unterzeichnung durch Reichserziehungsminister 
Rust und durch den Gast unser Bild zeigt. (Heinr. Hoffmann, K.) 
in ihm schlummern, einer Aufgabe zugeführt 
werden. 
Weiter überbrachte Kreisleiter Oberbürger 
meister Warmbolöt die Glückwünsche der 
Stadt Darmstadt, die besonders stolz auf ihre 
Technische Hochschule sei, für die deutschen 
Hochschulen einschließlich der Hochschule Dan 
zig der Rektor der Gießener Universität. Freu 
dig begrüßt wurde Professor Dr. List, der für 
die Technische Hochschule Wien und für die deut 
schen Technischen Hochschulen Brünn und Prag 
sowie für die Technische Hochschule Kopenhagen 
und Drontheim herzliche Grüße überbrachte. 
* * * 
Ioppeljubiläum auf dem Brocken. 
io« Jahre Wetterbeobachtungen 
ans dem Brocken. 
Brocken, 28. Mai. Das dem Reichsamt für 
Wetterdienst angeschlossene Brocken-Observa 
torium, die windreichste Wetterstation Euro 
pas, begeht in diesem Jahre ein Doppeljubi 
läum. Vor genau 100 Jahren wurden die 
ersten offiziellen Wetteraufzeichnungen auf 
dem Brocken begonnen und systematisch fort 
gesetzt, um sie für Wettervorhersagen wissen 
schaftlich auszuwerten. Die Aufzeichnungen 
oblagen den jeweiligen Wirten des Brocken 
gasthauses. Vor 40 Jahren wurde die erste amt 
liche Wetterstation auf dem Brocken erbaut, 
in der ein hauptamtlicher Beobachter tätig ist. 
Seit einiger Zeit sind es zwei Beobachter, die 
sich in den Tag- und Nachtdienst teilen. 
Im Zeitalter des Flugverkehrs hat das 
Brocken-Observatorium größere Bedeutung 
denn je erhalten. Es liegt an der windigsten 
Stelle Europas. Ueber dem Brocken, in der 
Mitte des Kontinents, überschneiden sich die 
Luftströmungen aus allen Richtungen. 
* * " 
Zischzuchlleiche vernichlei. 
90 000 Fische vergiftet. 
Mailand, 28. Mai. Bei Treviso schütteten un 
bekannte Täter Giftstoffe in das Wasser, das 
zur Speisung großer Fischzuchtteiche dient. Der 
Aufseher der Fischzuchtanstalt stellte bei einem 
Rundgang fest, daß Zehntausende von Forellen 
und anderen Fischen tot im Wasser treiben. 
Dem Bubenstreich sind schätzungsweise 90 000 
Fische zum Opfer gefallen. 
Hilldenburg aus Fahrt 
Zsrdbmch! vom „Hlàîàrg". 
DNB. An Bord des LZ. „Hindeuburg", ,29« 
Mai. (Eig. Funkm.) Wir hatten seit Madeira 
die angenehmste Schönwetterfahrt. An Bord ist 
alles in bester Laune. Die Schiffsmotoren lau 
fen tadellos. Die Landung in Rio de Janeiro 
erfolgt Freitag früh (Ortszeit). Der Start zur 
Rückkehr ist für den Morgen des Sonnabend 
vorgesehen. 
Vsr der Landung 
dicht vor Rio de Janeiro. 
DNB. Hamburg, 29. Mai. (Eig. Funkmeld.) 
Wie die Deutsche Seewarte mitteilt, stand das 
Luftschiff Hindenburg um 7 Uhr MEZ. nur 
noch 60 Klm. vom Zielhafen Rio de Ja 
neiro entfernt. 
* * * 
Erdbeben in Argentinien 
Buenos Aires. Ei» Erdbeben legte die Ort 
schaft Las Chacras in Trümmer. Große Schä 
den wurden in 3 weiteren Orten verursacht- 
Meldungen über Todesopfer liegen bisher 
nicht vor. 
* 
AnMlker in Nordhöhmen. 
DD. Warnsdorf, 28. Mai. Am Mittwochnach 
mittag ging über dem Schluckenauer und 
Nixdorfer,Gebiet ein schweres Unwetter 
nieder, das in ganz kurzer Zeit die beide« 
Städte unter Hochwasser setzte. Der Hagelschlag 
dauerte ununterbrochen etwa eine Stunde an- 
Die Hagelkörner erreichten teilweise die Größe 
von Taubeneiern, stellenweise lagen die Eis 
körner bis zu 30 cm, an den Anschwemmstellen 
bis zu 1 Meter hoch. Das ganze Gebiet war in 
eine weiße Winterlandschaft verwandelt. 
In den tiefer gelegenen Stadtteilen vo« 
Schluckenau, die von einem Bach durch 
zogen werden, der weithin aus den Ufern trat, 
konnte man das Vieh nur dadurch vor der« 
Ertrinken retten, daß man es auf die Dachbö 
den brachte. Das Wasser drang stellenweise in 
die Häuser ein und riß zentnerschwere Steine 
mit sich fort, verwüstete Straßen und Wege. 
Das Berliner Einsturznngliick mt Gericht 
DNB. Berlin, 28. Mai. Von besonderer Be 
deutung im Verlauf der Donnerstagvormit 
tagsitzung im Baugrubenunglück ist die Zeu 
genaussage des Photographen B e t t g e. Dieser 
Zeuge hat im Aufträge der Berlinischen Bau 
gesellschaft wenige Tage vor dem Einsturzun 
glück Aufnahmen für Werbezwecke angefertigt, 
die im Prozeß schon des öfteren eine Rolle 
spielten. Von seiten der Verteidigung war die 
Vermutung geäußert worden, daß der Zeuge 
einige Aufnahmen, die er schon am 12. August 
gemacht hatte, mit dem Datum des 16. August 
— des nächsten Ausnahmetages — versehen 
hatte. 
Der Zeuge erklärte jedoch, daß die auf den 
Photographien aufgestempelten Daten den je 
weiligen Aufnahinctag richtig bezeichnen. 
Als er am 12. August die ersten Aufnahmen 
machen wollte, hatte er die Absicht, eine fah 
rende Straßenbahn mit auf das Bild zu brin 
gen. Dies sei ihm aber nicht gelungen; er 
mußte sein Stativ auf eine der Steifenlagen 
aufstellen und bemerkte dann jedesmal, daß 
beim Vorbeifahren der Bahn eine so starke 
Erschütterung entstand, daß das Bild ver 
wackelte. Nach dreimaligen vergeblichen Ver 
suchen sah er sich schließlich gezwungen, eine 
Straßenbahn an der Haltestelle aufzunehmen. 
Der Zeuge erklärte weiter, daß auch der starke 
Autobusverkehr erhebliche Erschütterungen 
verursachte. Diese Beobachtungen habe er dan« 
auch bei seinen Besuchen am 16., 17., 19. u«b 
am 20. August, dem Einsturztage selbst, ge 
macht. 
Die Frage des Vorsitzenden, ob er Verram 
mungen in der Hermann-Göring-Straße be 
merkt habe, bejaht der Zeuge, erklärt aber 
weiter, daß es ihm aufgefallen sei, daß nach der« 
Einsturzunglück auf den anderen Baustelle« 
der Nordsüd-S-Bahn plötzlich eine fieberhafte 
Tätigkeit eingesetzt habe; man war damit be 
schäftigt, überall Sicherungsanlagen in beson 
ders starkem Maße anzubringen. 
Der Zeuge Erich Werner, der dann ver 
nommen wurde, war am Unglückstage zusam 
men mit einem Kameraden, wie üblich, in der 
Baugrube mit dem Einziehen von Bohlen «« 
der Westwanü beschäftigt. Plötzlich spürte er, 
wie Sand von oben auf ihn herabrieselte- 
Gleichzeitig hörte er ein Knistern und Knacke«- 
Er rief darauf seinem Arbeitskameraden ei«e 
Warnung zu, und beide ergriffen die Flucht i Jt 
Richtung Brandenburger Tor. — „Ich blickte 
mich noch einmal um", schilderte der Zeuge 
weiter, „lind sah jetzt, wie die Steifen heru«- 
terprasselten." Nach Vernehmung einer Reim 
weiterer Zeugen wurden die Verhandlungen 
auf Freitag vertagt. 
Des Führers Spende für das Dankopfer. 
In der Reichskanzlei zeichnete jetzt auch der Führer seinen Bei 
trag für das Dankopfer der Nation in die Liste der SA.-Standarte 4 
von Berlin-Pankow. Mit der Einzeichnung des Führers gilt die 
Opfergabe des deutschen Volkes als abgeschlossen. 
(Heinrich Hoffmann, K.) 
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