129. Jahrgang.
Schleswig-Holsteinische
129. Jahrgang.
Renösburger Tageblatt
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Montag, den 6. April
1838
Zwölf Jahre rückwärts I
Die
englische Ablehnung einer sofortigen
Zweiten Locarno-Konferenz wirb die franzö
sischen Absichten einer Forcierung des Ge
genplanes zweifellos noch bestärken. Dies um
so mehr, als man in Paris keinerlei Verständ
nis dafür hat, daß England zunächst keine Ver
handlungen unter gleichzeitigem ostentativen
Ausschluß Deutschlands zu führen wünscht.
Außerdem fehlt nach wie vor eine endgültige
Stellungnahme Italiens zu dem Londoner
Memorandum, ohne die eine zweite Locarno-
Konferenz so gut wie zwecklos wäre.
Weit davon entfernt, sich durch diese Tat
sachen beeinflussen zu lassen, ist Frankreich
vielmehr bereits damit beschäftigt, schon jetzt
seine Gefolgschaft für die Maisitzung des Völ
kerbundsrates zu versammeln. Um auf jeden
Fall auch Italien in die gegen Deutschland
aufzubauende Front einbeziehcn zu können,
verhandelt Flandin zur Zeit lebhaft mit dem
Pariser italienischen Botschafter, und die eng
lische Befürchtung, wonach Frankreich bereits
die Aufhebung der Sanktionen gegen Italien
betreibt, erscheint angesichts der neuen franzö
sischen Unfriedenspläne durchaus begründet.
Außerdem ist inzwischen der rumänische
Außenminister Titulcscu in Paris eingetrof
fen und beteiligt sich ebenfalls an der Vorbe
ratung des französischen Gegenplanes, der zum
ersten Male am Mittwoch innerhalb der fran
zösischen Gefolgschaftsstaaten erörtert werden
soll.
Flandins Anleihe bei Paul-Boncour.
Nach den bisherigen Dispositionen wird der
französische Plan zunächst die deutsche Beweis
führung über die französische Außenpolitik
hinsichtlich ihrer Tendenz zur Einkreisung
Deutschlands zu widerlegen versuchen. Zwei
tens wird man den französischen Standpunkt
in der Frage der Rheinlandbesetzung durch
Deutschland klarstellen und dabei bestimmte
Forderungen wegen der deutschen „Vertrags
verletzung" vorbringen. Diese Forderungen
beziehen sich in erster Linie auf die Frage deut
scher Befestigungen im Rheinland. Frankreich
scheint etwaige deutsche Sicherungen im
Rheinland unter allen Umständen von Genf
aus verhindern zu wollen, da man in Paris
den von uns gekennzeichneten, sinnlosen
Standpunkt vertritt, daß deutsche Befestigun
gen am Rhein das ganze französische System
der Militärbündnisse bis zu einem gewissen
Grade entwerten könnten. Ja, es liegen sogar
Aeußerungen aus Paris vor des Sinnes, daß
Frankreich tm Falle der Anlage irgendwelcher
deutscher Sicherungen am Rhein England auf
den Bündnisfall festlegen und dazu die soeben
von England erhaltenen Briefe als Unterlage
benutzen will. Wir haben hier bereits darauf
hingewiesen, wie außerordentlich bedenklich es
von der englischen Außenpolitik war, diese
Briefe überhaupt aus der Hand zu geben.
Ferner sieht der französische Plan gegensei
tige obligatorische Beistandspakte sowie die
Aufstellung einer Völkerbundsarmee vor, die
im Falle von Sanktionen gegen den Angreifer
eingesetzt werden soll. Der Form halber ge
beult man auch den Vorschlag einer „Nü-
stungsbegrenzung" in den Plan aufzunehmen.
Es geht aus diesen Punkten bereits hervor,
baß die französischen Vorschläge, die den Titel
eines „Konstruktivplanes" für sich beanspru
chen, während man zugleich mit der bekannten
gewissenlosen Verdrehung der Tatsachen von
einem deutschen „Hegemonieplan" spricht,
weiter nichts sind als die Rückkehr zu dem
berüchtigten Genfer Protokoll vom Okto-
ben 1924, das die Regierung Herriot,
Paul-Boncour bekanntlich im Jahre 1932
wieder aufgriff.
Ebenso bekanntlich hat England die Annahme
bes Genfer Protokolls bisher stets abgelehnt.
Das Protokoll, das die irreführende Bezeich
nung „für die friedliche Regelung internatio
naler Konflikte" erhielt, soll für Frankreich
eine neue Garantie für alle durch das Ver
sailler Diktat geschaffenen Verhältnisse in
Europa von allen beteiligten Staaten erbrin-
Frankreichs Gegenplan
gen,' das würde mit anderen Worten praktisch
auf die Verweigerung der Gleichberechtigung
Deutschlands und die Ausschließung der An
wendung des Artikels 19 des Versailler Dik
tates bedeuten. Das Protokoll soll Frankreich
ferner die Möglichkeit geben, sämtliche ihm
nahestehenden Staaten ganz nach dem Gutdün
ken von Paris für militärische, finanzielle und
wirtschaftliche Maßnahmen im Dienste der
französischen Außenpolitik mit dem Ziel der
dauernden Niederhaltung Deutschlands heran
zuziehen und zugleich das ganze umfangreiche
System der französischen Militärbündnisse
durch den Völkerbund in aller Form sanktio
nieren zu lassen. Das Genfer Protokoll vom
Oktober 1924 würde also bei seiner Durchfüh
rung nichts anderes bedeuten als die offizielle
Verankerung der französischen Vorherrschaft
in Europa hinter der wiederum irreführenden
Fassade des Völkerbundes.
Es ist also nunmehr völlig klar, daß Frank
reich dem großzügigen deutschen Friedensplan
nichts anderes entgegenzusetzen hat als den in
aller Eile auf den Tisch geworfenen Entwurf,
jenes üblen Protokolls, lind das bedeutet die
direkte Forderung nach einer Verewigung des
Versailler Diktats! Zugleich würde nach die
sem Plan in der bisherigen Weise der Völker
bund wieder genau so Richter wie Partei sein.
Nunmehr wird sich England, dem ja der deut
sche Friedensplan überreicht worden ist, dar
über klar werden müssen, ob es sich für die Le
galisierung der dauernden Beunruhigung
Europas durch Frankreichs oder für eine auf
so lange Sicht arbeitende Befriedung entschlie
ßen will, wie sie der deutsche Plan aufzeigt.
Daily MM" krilîsmļ die HMng
dec Wüschen Regierung.
DNB. London, 6. April. (Eig. Funkmeldg.)
Die „Daily Mail" greift in einem Leitartikel
erneut die britische Regierung an und schreibt
ironisch, die Beiträge, die England zur Befrie
dung Europas geleistet hätte, hätten in Gene-
ralstabsbcsprechnngen und Sanktionen bestan
den. Sie seien gegen Deutschland und Italien,
die beiden am schwächsten gerüsteten Staaten
der Welt, gerichtet. Den militärischen Bespre
chungen zuzustimmen, nachdem man Hitlers
Angebot empfangen habe, eine Friedensrege
lung auszuhandeln, sec ein ernster Fehler der
britischen Regierung gewesen.
Ed§u UÌ0 eme ZusMMNkunfl
- der LsMMMWs ah.
DNB. London, 4. April. Wie Preß Associa
tion erfährt, hat der französische Geschäftsträ
ger M. Roger Cambon noch in der Nacht zum
Sonnabend Eden den Vorschlag gemacht, am
kommenden Mittwoch in Paris oder Brüssel
eine Sitzung der Locarnomächte abzuhalten.
Außenminister Eden hat am Sonnabend im
Foreign Office den französischen Geschäftsträ
ger zusammen mit dem belgischen Botschafter
empfangen. Wie Preß Association mitteilt, hat
Eden erklärt, daß es im Hinblick auf die be
reits nach Genf einberufene Konferenz des
Dreizehnerausschusses wohl nicht wünschens
wert sei, am nächsten Mittwoch in Paris oder
Brüssel eine Sitzung der Locarnomächte, wie
sie die Franzosen vorgeschlagen hätten, abzu
halten. Dce Sitzung des Dreizchnerausschusses
werde eine günstige Gelegenheit für einen
Meinungsaustausch bieten.
England will Frankreich von der Notwendig
keit einer Aussprache mit Deutschland über
zeugen.
Zu den bevorstehenden Besprechungen der
Nestlocarnomächte in Genf schreibt der diplo
matische Korrespondent des Daily Telegraph,
daß die Besprechungen zwischen den Außen
ministern einen nicht formellen Charakter
haben würden. Die Bemühungen der britischen
Regierung würden nach ivie vor dahin gehen,
Frankreich davon zu überzeugen, daß man
einen Weg finden müsse, um mit Deutschland
in eine Aussprache über die „europäische Si
cherheit als eines Ganzen" einzutreten.
Der Schluß der „Gedanken zur Zeitgeschichte"
aus unserer Sonnabend-Nummer befindet sich
auf der 9. Seite (3. Hauptblattscite).
Ziele deutschen Kulturschaffens
Dr« Goebbels vor dem Reichskulturfenat — Zweite Arbeitstagung
DNB. Berlin, 4. April. Im festlich hergerich
teten gelben Saale des Hotels „Der Kaiser
hof" fand am Sonnabendmittag die -zweite
Arbeitstagung des Reichskultursenats unter
Teilnahme des Präsidenten der Reichskultur
kammer, Reichsminister Dr. Goebbels,
statt.
Der Vizepräsident der Reichskulturkammer,
Staatssekretär Funk, hieß die anwesenden
Mitglieder des Reichskultursenats: Neichslei-
ter B o u h l e r, Reichsarbeitsführer Staats
sekretär Hierl, Reichsjugendführer Baldur
von S ch i r a ch und den Meister deutscher Er
zählungskunst Emil Strauß willkommen
und würdigte besonders die Berufung des
ebenfalls anwesenden Reichs- und preußischen
Ministers für Wissenschaft, Erziehung und
Volksbildung, N u st. Die Berufung führender
Persönlichkeiten aus Partei und Staat habe
eine Bedeutung, die weit über die persönliche
Ehrung und Mitarbeit der Bericfenen hinaus
gehe, denn es werde damit eine enge Verbin
dung zwischen der Arbeit der Reichskultur
kammer und der Gesamtheit der Kulturarbeit
in Staat und Partei herbeigeführt.
Besocrders bedeutungsvoll sei es, daß bei die
ser Kulturarbeit vorzugsweise die Erziehung
der deutschen Jugend zu den Idealen des nä-
tionalsozialistischen Kulturschaffens und Kul
turwillens berücksichtigt werde. Jeder schaffen
de deutsche Künstler von heute müsse Geist und
Willen dieser kulturellen Gestaltungskräfte in
sich aufnehmen und in seinem künstlerischen
Schaffen beherzigen. Der Führer habe mit sei
ner historischen Tat vom 7. März und mit sei
nem die ganze deutsche Nation mitreißenden
Appell zur Ehre, Freiheit und Frieden nicht
nur sich selbst, sondern eine ganze deutsche Ge
neration unsterblich gemacht. Mögen in dieser
großen politischen Zeit auch deutsche Kunstwer
ke entstehen, die ewig sind, wie das Werk des
Führers. Die Olympischen Spiele im Sommer
dieses Jahres werden beim Wettstreit um den
Sieg in den schönen Künsten den deutschen
Künstlern eine besonders gute und seltene Ge
legenheit zur höchsten Entfaltung ihrer Schaf
fenskräfte geben.
Staatsrat Krebs, Oberbürgermeister von
Frankfurt am Main, hielt einen sehr eingehen
den Bortrag über die Kunstpslege in Gemein
den und Gemeindevcrbänden im Zusammen
wirken mit der Reichskulturkammer. Er streifte
dabei alle Gebiete der künstlerischen und kultu
rellen Beteiligung der Gemeinden und stellte
vor allem die Pflicht der Gemeindeverwaltun
gen heraus, die schöpferischen Leistungen den
breiten Schichten der Bevölkerung zugänglich
zu machen. Der Nationalsozialismus habe die
deutsche Kunst und die deutschen Künstler auf
den Weg zur Volksgemeinschaft zurückgeführt
und sie wieder herangeführt an die großen
Aufgaben der neuen Zeit. Die erbliche u. land
schaftliche Gemeinschaft sei der Boden, aus dem
Kultur und Kunst am besten gedeihen. Die
Linie der Kulturpolitik werde vom Reich fest
gelegt, die örtliche Ausführung und Betreu
ung bleibe den Gemeindeverbänden überlas
sen. Sie seien die natürlichen Mittler zwischen
der Reichskulturkammer, den Künstlern und
dem kunstliebenden Volksgenossen. Die Ge
meinden begrüßen es dankbar, daß sie als
Träger der verschiedenen Kunsteinrichtungen
in die Reichskulturkammer eingebaut worden
seien. Besonders eingehend befaßte sich der
Vortragende mit dem Theater- und Musik
wesen. Die Gemeinden wollten aus der kultu
rellen Verpflichtung gegenüber der Jugend
der Nation heraus den gesunden Kräften der
künstlerisch-schöpferischen Jugend den Weg
ebnen. Mit Hilfe der NS.-Kulturgemcinde
und der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freu
de" sei ciuc Blütezeit aller kulturellen Einrich-
tungen, der Bühnen, Konzerte und Museen
entstanden, die noch ungeheure Entfaltungs
möglichkeiten, insbesondere hinsichtlich der
Wanderbühnen habe. Mit tiefer Befriedigung
sei festzustellen, daß auf dem Gebiete des Chor-
und Musikwesens große Erfolge erzielt wor
den seien und daß auch hier neue Kräfte sich
regten.
Weiter ging Staatsrat Dr. Krebs auf die
kulturelle Mission der Gemeinden ein, die
wertvollen alten Werke der bildenden Künste
zu erhalten und zu betreuen. Andere Aufgaben
der Gemeinden seien u. a. die Schaffung von
Büchereien und von Dichterheimen. Bei allen
ihren Aufgaben würden die Gemeindeverwal
tungen mit der Reichskulturkammer und dem
Reichskultursenat aufs engste zusammenarbei
ten.
An der lebhaften und fruchtbaren Aussprache
über diesen Vortrag beteiligten sich u. a.
Reichsminister Rust, die Generalintendanten
Otto Krauß-Stuttgart, Wilhelm Rode, Berlin,
der Präsident der Reichstheaterkammer, Mini
sterialrat Dr. Schlösser, der Präsident der
Reichsmusikkammer, Professor Dr. Peter Rabe,
der stellvertretende Pressechef der Reichsregie
rung, Alsred-Jngemar Berndt, Oberbürger
meister Dr. Zörner-Dresden, Reichsminister
Dr. Goebbels nahm selbst das Wort zu zahl
reichen Anregungen, die sich aus der Ausspra
che ergaben, und traf noch an Ort und Stelle —
ein Zeichen dafür, daß im nationalsozialisti
schen Staate nicht geredet, sondern schnell ge
handelt cvird — Maßnahmen zur Umsetzung
wertvoller Anregungen in die Tat.
Dr. Goebbels
machte sodann in einer längeren Schlußan
sprache grundlegende Ausführungen über eure
ganze Reihe von Fragen des deutschen Kirn st
und Kulturlebens.
Anknüpfend an das durch die Wahl zntage-
getretene überwältigende Bekenntnis der Na
tion zum Führer und damit zum National
sozialismus überhaupt, betonte der Minister,
daß dieses Ergebnis als die Frncht einer im
Grunde genommen künstlerischen Umgestal
tung der gesamten deutschen Nation anzusehen
sei.
„Wie groß dieser innere Umbruch war, läßt
sich daran ermessen, daß das Ausland diesem
Ereignis, daß es das deutsche Wunder nennt,
vielfach fassungs- und verständnislos gegen
übersteht. Das ist deshalb der Fall, weil Men
schen, die außerhalb der deutschen Mentalität
leben, dieses Wunder auch beim besten Willen
oft nicht erfassen und verstehen können. Mit
tiefer innerer Beglückung empfinden wir
heute, welche Stabilität und innere Festigkeit
das neue Reich gewonnen hat."
„Erst im Blick auf die zahllosen Schwierig
keiten, Sorgen und Nöte, die die großen poli
tischen Entscheidungen der hinter uns liegen
den Jahre des Staatsaufbaues mit sich ge
bracht haben, erst im Blick auf das, was allein
aus politischem Gebiet in diesen drei Jahren