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Ein Menschenleben.
über ßem nicht bas Dort: Lwigßelt
geschrieben steht, ist wie
eine Blüte ohne îrnchtansntz.
Gedanke» zum Pfingstfeste
-lm ersten Pfingsttage erfüllte Jesus Chri
stus Seine vor dem Abschluß Seiner irdischen
Lebensaufgabe gegebene Verheißung in der
Endung des Heiligen Geistes. Diese höchste
"ottesgabe an die Menschheit wurde zunächst
seinem engsten irdischen Vertrauenskreise zu-
stN. Cr erwies sich damit nach Seiner Himmel-
als der Lebendige auf einer höheren
^tufe Seiner Wirksamkeit für das Heil der
Menschheit.
Wer ist nun der Heilige Geist? Wozu wurde
gesandt und worin offenbart Er sich?
Nach den göttlichen Urkunden der heiligen
Schrift ist Er die dritte Person in der gött-
"chen Dreieinigkeit, dem Vater und dem Sohne
âļiûch in der Majestät und Souveränität Sei
nes Willens, unterschieden in der Wesenheit
.Einer göttlichen Natur. Das Geheimnis der
göttlichen Einheit in dieser Dreiheit ist das,
gaß trotz dieser Wesensunterschiedlichkeit alles
handeln in der vollkommenen Harmonie in
Zollen und Ausführung aller göttlichen Pla-
Unngen von Ewigkeit her geschieht. Die
Menschliche Ebenbildlichkeit in der
Dreieinigkeit nach Leib, Seele und Geist zu der
gleichen Harmonie zu führen, ist e i n Ziel des
göttlichen Ratschlusses mit Seinem vornehm
en Geschöpfe, dem Menschen.
. Wozu wurde Er gesandt? Um die mit der
Erlösung und der Versöhnung der Menschheit
vurch den menschgewordenen Sohn Gottes an
gefangene Wiedergeburt der Menschheit in ihr
fortzusetzen und dereinst zu vollenden.
Worin offenbart Er sich? Daß Er aus dem
gtten aüamitischen einen neuen Men
schen macht. Wo diese Frucht fehlt, fehlt
Er selbst!
Die Jünger Jesu, die ersten Empfänger die
ter Gabe, waren die lebendigsten Zeugen eines
ueuen Menschentums. Aus zaghaften, feigen,
un Dunkel der Erkenntnis göttlicher Dinge
tappenden, selbstsüchtigen, in fleischlichen Hoff
nungen auf Ehre, Ansehen und Macht in die-
trr Welt befangenen Menschen wurden in
l-iebe, Wahrheit und Opferbereitschaft bis in
Das Kätzchen von Barowen
Eine Pfingstgeschichte von Thea Rose.
Peter Brügel ist ein richtiger Bauernsohn.
Er faßt die Arbeit hart an, und jede geht ihm
nonstatten wie kaum einem zweiten. Er ist in
allen Dingen geschickt, und die Mutter, die
Mi in der Führung der Wirtschaft ganz auf
An verlassen muß, dankt jeden Tag Gott, daß
"er Junge nach dem Vater kommt und so
gut einschlägt. Ja, der Peter wird einmal hier
Herr sein und ganz im Sinne des Vaters
wirken.
. Peter ist jetzt im einundzwanzigsten Lebens
lahre. Die Mutter hat die rasche Entwicklung
ein Knaben zum Jüngling gesehen, und fast
eil es ihr scheinen, als wäre Peter schon ein
Ķann. Denn die Kusine Erika, die seit drei
Wochen zu Besuch ist, sieht ihn so merkwürdig
au, und der Peter lächelt ein nicht mehr kind
liches Lächeln.
Die Mutter ahnt, daß sich da etwas an
spinnt, und es ist ihr recht. Die Erika ist ein
lEhr braves Mädel, die ihr kräftig in der
gliche und im Hause zur Hand geht. Zwar
Eine studierte Dame, aber wenn die Studier
en alle so natürlich und arbeitsam sind, dann
lann man sie sich schon gefallen lassen. Peters
Mutter spricht einmal mit dem Jungen dar
über:
»Wie gefällt dir denn die Erika?"
»Gut."
»Sonst nichts?"
»Was denn noch, Mutter?"
»Sie ist doch so hübsch und eine studierte
Dame."
»Na ja."
Die Mutter weiß nicht, daß sie da einen
funden Punkt berührt hat, denn der Peter
!>l bis über beide Ohren in die Erika ver
ebt und sagt sich immer wieder, daß er ja
Uur ein einfacher Bauer ist. Wenn er der
Erika etwas davon sagen würde, wie er über
Ue denkt, würde sie ihn nicht etwa auslachen?
End das vertrüge sein Stolz nicht.
. Eines Tages, es ist Mitte Mai, gehen die
Heiden durch die Felder. Es ist ein herrlicher
şşug. Der Peter sagt keinen Ton, aber er
llEht immer nur die Erika von der Seite an.
Die tut, als merke sie es nicht. Und da wagt
er Peter ganz sacht, seine Hand um ihre
Echulter zu legen. Sie duldet es. So gehen sie
den leiblichen Tod hinein, in Verfolgung und
Trübsal treueste Zeugen Gottes. Man braucht
nur die Jünger Jesu nach den auch in dieser
Beziehung sehr deutlichen Zeugnissen der hei
ligen Schrift vor und nach dem ersten Pfingsten
zu vergleichen, um die wesenhafte Unterschied
lichkeit ihrer Geisteshaltung sowohl in Wor
ten als auch in Taten zu erkennen.
Steht nun die Christenheit in der Gegenwart
in ihrer Gesamtheit auf der gleichen Höhe der
Zeugenschaft der Jünger? Diese Frage aus
werfen heißt sie verneinen. Hat sich nun
der Heilige Geist in der Kraft und dem Wollen
Seiner Wirksamkeit der Menschheit gegenüber
geändert oder hat die Haltung der Christenheit
Tue Ausgießung des Heiligen Geistes.
dem Heiligen Geiste gegenüber in ihrer fast
zweitausendjährigen Geschichte sich gewandelt?
Die Antwort auf diese Fragen ist der Zu
stand der Kirche in der Gegenwart
in ihrer Gesamtheit. Die heilige Schrift
hat nach Ursache und Wirkung diese Ent
wicklung bis in ihre letzten Folgerungen auf
gezeigt und zwar bezüglich der Ursache in
der M i n a ch t u n g oder gar Verwerfung
der organisch wirkenden G n a d e n w i r -
kungen des Heiligen Gei st es, bezl.
der Wirku n g in der Preisgabe an die Ein
flußnahme nicht göttlicher Geisteskräfte, die
Verfall und Zersetzung zeitigen. Die zweitau
sendjährige Kirchengeschichte ist in jeder Gene
ration die Beweisführung für die
Warnungen oder Feststellungen der heiligen
Schrift.
Gibt es diesem Zustande gegenüber ein Heil
mittel? Nach den göttlichen Urkunden j a!
Und zwar die uneingeschränkte Umkehr zu dem
lebendigen Gott in den von Ihm gestellten
Ansprüchen. Die Gegenwart ist mehr wie die
Jahrzehnte vorher erfüllt mit dem Suchen nach
Wahrheit auch bezüglich der Dinge, die über
diese Welt hinaus zielen. Der G e i st der
P s i n g st e n kann Antwort geben, wenn wir
Ihn von Herzen suchen. Gemäß göttlicher Ver
heißung ist Er cs, der in alle Wahrheit
leitet. ©+
Girr Pfingftbrauch
in MeÄerdeirtschland
Der Tauschlepper.
In der Altmark war es am Pfingstfest
Sitte, daß Knechte, Pferde- und Ochsenjungen
mit Gesang auf den Höfen herumzogen und
den Bauern Maikronen brachten, die aus Blu
men und Birkenzweigen geflochten waren.
Diese wurden in den Häusern aufgehängt und
erst am nächsten Pfingstfest erneuert. Am
Pfingstmorgen trieben Jungen und Mägde
ihr Vieh zum ersten Male auf die Brachweide.
Wer zuerst da war, dessen Tiere wurden mit
der sogenannten „Dansleipe" geschmückt, das
heißt, es wurde an den Schwanz ein Maien
busch gebunden. Wer aber zuletzt erschien, war
dem Spott der anderen ausgesetzt und sein
Pferd oder seine Kuh wurde mit Tannenrei
sern, allerlei Grün und bunten Blumen ge
putzt, und hieß dann bunte Kuh oder buntes
Pferd. Der Hütejunge hieß Pfingstkääm oder
Pfingstküärel. In Havelberg bekam die erste
Kuh beim Heimtreiben eine Blumenkrone und
die letzte die Dausleipe. In der Mittelmark,
wie in Fürstenwald, bekam die zuletzt ausge
triebene Kuh einen Kranz umgehängt, und die
Magd, die es traf, mußte an den Hirten Strafe
zahlen. Ein ganz eigenartiger Brauch herrschte
in den ehemaligen Wendendörfern. Dort mach
ten Knechte und Mägde aus Tannenzweigen,
Stroh und Heu eine große Puppe, putzten sie
mit bunten Blumen, befestigten sie auf der
zuletzt ausgetriebenen Kuh und steckten ihr
eine Pfeife aus Ellernholz in den Mund. Sie
wurde so vor alle Höfe gejagt, überall wurde
ihr der Zugang gesperrt, bis endlich die Puppe
herunterfiel, in Stücke ging und der Eigen
tümer der Kuh ihr den Stall öffnete. In eini
gen Dörfern der Altmarkt nannte man den,
dessen Pferd zuerst auf die Weide kam, Tau
schlepper. Der sein Pferd zuletzt brachte, hieß
der Junge, wurde von oben bis unten mit
Blumen behängt, von Hof zu Hof geführt und
der Tauschlepper mußte folgende Worte dazu
sprechen:
Wie bringen enen bunten Jungen int Hus.
Wer em sehn will, de kohm herrut;
De Blomen hebbn wi vörs uns geplückt,
Do hebben wi em met utgeschmückt;
Un hödden wi uns noch eher bedacht,
So hödden wi em noch bäter gemakt,'
Söß Eier, sötz Dreier, 'neu Stück Speck,
So gähn wi gliks wedder weg.
Gesegnete Pfingsten
Geisteswind aus Himmelshöhen,
Rauscht mit Macht durch alle Lande,
Laß uns Glaubenswunder sehn,
Mach des Feindes Werk zu schänden.
Führe, Herr, Dein Volk zum Ziele,
Gib ihm Glaubensfreudigkeit,
Deinen Namen zu bekennen
Trotz Verfolgung, Spott und Hohn.
Nichts soll, Herr, von Dir uns trennen,
Großer, ewger Gottessohn.
Wirken laßt uns für den Heiland,
Treu zur Kreuzesfahne steht,
Sonst wird, eh' sein Werk vollendet,
Unsre Sonne untergehn.
Licht soll's um den Abend werden,
Sucht die Seelen, die verirrt,
Bis der ganze Kreis der Erde
Eine Herde und ein Hirt.
E. D ö h r i n g.
weiter. Und auch als er stehen bleibt und sie
ganz leise an sich zieht, wehrt sie sich nicht.
Erst als seine Lippen auf den ihren brennen,
macht sie sich von ihm frei.
„Was ist denn, Peter?" fragt sie. '
„Nichts", sagt er, „was soll denn sein? Lieb
habe ich dich."
„So", sagt sic, „und wohin soll das führen?"
Er überlegt ein bißchen. Sein junges Blut
brennt, aber wenn einer wie der Peter eine
Frau lieb hat, dann weiß er ganz genau,
wohin das führen soll. Er lächelt ein bißchen,
als er ihr nun auseinandersetzt, wohin das
führen wird.
„Einmal wird eine Frau, die genau so aus
sieht wie du, tu meinem Haus in Barowen
sein, und diese Frau wird alles haben, was
ihr Herz begehrt: Land und Garten und Tiere
und volle Schränke. Und der Mann wird da
für sorgen, daß sie glücklich ist."
„Schön ist das", sagt die Erika, „die Frau,
glaube ich, kann wirklich glücklich sein."
Dann gehen sie Arm in Arm auf den Hof
zu und sprechen nicht mehr davon.
Peter aber denkt in dieser Nacht immer nur
an das Mädel. Er denkt an die Zukunft und
rechnet sich schon aus, wo die Erika wohnen
und wie sie die Arbeit im Hause mit der Mut
ter teilen wird. Am Morgen bringt er der
Erika einen Strauß Maiblumen. Sie dankt
und zeigt ihm einen Brief. Da schreibt ein
Herr aus der Stadt, daß er die Erika gern
sprechen würde, und die Erika fragt den Pe
ter, ob er und seine Mutter etwas dagegen
hätten, wenn sie den Herrn, der ein Kollege
von ihr sei, hierher kommen ließe.
Der Peter hat nichts dagegen, und die Mut
ter blinzelt nur ein bißchen, als sie von dem
kommenden Besuch hört. Erika dankt und
spielt ein bißchen mit dem kleinen Kätzchen,
dem Liebling von Barowen, das so lustig und
ausgelassen ist.
Peter aber denkt sich etwas. Wer ist der
Mann, der kommen soll? Sie hat nie etwas
von ihm gesagt, und es muß schon ein sehr
guter Freund von ihr sein, wenn er so ohne
weiteres zu ihr kommen kann.
Man sieht es seinem Gesicht an, daß ihn
solche Gedanken quälen. Die Erika sieht es
und fragt ihn danach.
„Was über die Leber gekrochen, Peter?"
„Warum?"
„Siehst so aus."
„Bist du eine Gedankenleserin?"
„Jetzt ohne Scherz, Peter, was hast du?"
„Ich dachte, wir seien verlobt?"
„Ja", sagte die Erika, „das dachte ich auch."
„Und jetzt kommt da einer, den ich nicht
kenne und besucht dich hier."
Erika lacht laut hinaus.
„Peter ist eifersüchtig."
Peter wird ganz rot, aber dann faßt er sich
schnell und seine Antwort ist so rührend und
so entwaffnend, daß sie ihm die Wange strei
chelt.
„Du mußt entschuldigen, Erika, aber ich
habe mit Frauen noch so wenig Erfahrung."
Und dann lachen sie wie die Kinder, und die
Sache scheint beigelegt.
Der Herr, der die Erika besuchen kommt,
sieht sehr gut aus. Er ist groß, tiefschwarz und
stark und hat blendend weiße Zähne. Er be
dankt sich bei Peter und bei der Mutter, daß
er kommen durfte und erzählt Peter so neben
bei, daß er die Erika sehr hoch schütze. Sie
hätten beide zusammen studiert, und er sec
jetzt hierher gekommen, um sich Auskünfte von
ihr über ein Spezialgebiet zu holen, weil er
für sein Examen eine Arbeit darüber schreibe.
Die Erika habe sich gerade darin große Er
fahrung angeeignet.
Peter weiß, daß dieser Mann sehr sympa-
tisch ist. Aber für ihn nicht. Der kann ihm
viel erzählen, er glaubt ihm einfach nicht.
Und er hat em scharfes Auge auf den Frem
den.
Die Mutter dagegen ist sehr freundlich zu
dem Herrn, und schließlich zeigt sie ihm sein
Schlafzimmer, das neben dem Peters liegt.
Peter hat in der Nacht — es ist die letzte
vor dem ersten Pfingstfeiertag, und der frem
de Herr hat gesagt, daß der Feiertag ihm sehr
zunntzen komme — einen schweren Traum.
Er kämpft mit einem Drachen um Erika und
unterliegt. In Schweiß gebadet wacht er auf
und hört ganz leise Geräusche aus dem Zim
mer Erikas. Ein großer Schreck befällt ihn.
Was ist mit Erika und dem fremden Mann?
Er liegt ganz still, um festzustellen, ob er viel
leicht immer noch träumt. Aber nein, er hört
das Geräusch ganz deutlich.
Es muß jemand in Erikas Zimmer sein
und sich dort bemerkbar machen. Sein Stolz
bäumt sich hoch.-Da wagt es jemand, ihn in
seinem eigenen Hause zu brüskieren. Peter
fühlt, wie eine kalte, grausame Wut über ihn
kommt. Und das Geräusch will nicht ver
stummen.
„Sie machen dich lächerlich", pocht es in ihm.
Und langsam steht der Peter auf und greift
nach dem kurzen Gewehr. Wehe dem, den
er da oben finden wird.
Peter zieht sich an, er ist ganz ruhig. Dann
geht er leise die Stiege hinauf und öffnet
lautlos die Tür zu Erikas Zimmer. Er lugt
hinein. Das Zimmer liegt im Dunkeln. Nur
ewas Weißes bewegt sich graziös hin und her,
und Peter erkennt, daß es das Kätzchen ist.
Es hat auch das Geräusch verursacht. Wahr
scheinlich hat Erika das niedliche Geschöpf mit
genommen. Das Tierchen blickt einen Augen
blick auf den Eindringling, dann widmet es
sich wieder dem Spiel. Es hat ein Buch vom
Tisch auf den Boden gerissen und ist dabei,
es zu zerfetzen. Mit einem raschen Schritt
nimmt Peter es an sich, dann wirft er noch
einen Blick auf die schlafende Erika und geht
mit dem Gefühl, ein schlechter Kerl zu sein, der
andern Leuten Schlechtes zutraut, wieder in
sein Zimmer.
Er denkt lange nach. Wie konnte er nur auf
den Gedanken kommen, daß Erika, seine Eri
ka, ein falsches Spiel treiben würde! Sie war
soviel besser als er. Aber er wollte es gut
machen, er wollte ein Mann sein und es ihr
erzählen.
Als Peter Licht macht, fällt sein Blick auf
das Buch.
„Tagebuch" steht darauf. Er schlägt die letzte
Seite auf und liest:
„Peter ist noch ein halbes Kind, aber ich
fühle es, wie dieser Junge mein Schicksal
wird. Ich bin zwei Jahre älter als er, aber
in seiner Gegenwart fühle ich mich geborgen.
Ist das die Liebe? Ich weiß es noch nicht ge
nau, aber fast möchte ich es wünschen . . ."
Peter ist so bewegt, daß er ans Fenster
tritt und es aufstößt. Die ersten Strahlen des
kommenden Morgens dringen herein, und
Peter empfindet den Pfingstfeiertag, den we
nig später volltönend die Glocken einläuten,
zutiefst, er fühlt, daß das Schicksal ihn geführt
hat. Denn der Himmel öffnet sich uns erst
häufig, nachdem er uns am Abgrund vorbei
geführt hat.