Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

wußt war die Freundschaft der Kinder. 
Hannelore lächelt still und fein. Zart hat sie 
den Garten ihrer jungen Liebe gehütet. Sie 
zählt die Jahre und weiß nur von einer 
Treue. Jetzt ist Herbert schon sechs Jahre auf 
der Universität. Sie weiß, daß er mit beiden 
Ellbogen um Brot und Studium gekämpft hat. 
Aber er wird sein Ziel erreichen. Und sie war 
tet gern auf ihn. 
Wieder geht die Klingel und schreckt sie hart 
aus den Träumen auf. Ist er jetzt gekommen? 
Endlich? Wie lieb sie ihn empfangen will! 
Alle Schmerzen werden vergessen sein, wenn 
er jetzt vor der Tür steht. Aber es ist die 
Abenöpost. Mechanisch nimmt Hannelore die 
beiden Briefe in Empfang, die ihr der Bote 
reicht. Es sind Briefe für den Vater, keine 
Nachricht von ihm. Fast müde steigt Hannelore 
die Treppen hoch. 
Dann zieht sie die Gardine zurück und sieht 
aus die Straße. Eilfertig rennen hier die 
Leute, um ihre letzten Geschäfte zu besorgen. 
Mit hellem Klingeln führt eine Elektrische 
vorüber. Autos hupen in langgezogenen Tö 
nen und winden sich sicher und schnell durch die 
Menge. 
Hannelore Berg sinkt in ihren Sessel zurück. 
Der Ausdruck ihrer Züge wechselt allmählich. 
Hat sich bisher in ihnen Freude und Erregung 
gespielt, so wandeln sie sich jetzt in Traurig 
keit und Angst. Eintönig fließen die Stunden 
des Nachmittags. Als es ein drittes Mal 
schellt, kommt der Vater von der Arbeit heim. 
Von den Türmen der Stadt schwingen die 
Glocken durch den Abend. Feierlich läuten 
sie das lieblichste aller Feste ein. In der 
Mullgarüine verstecken sich die letzten Sonnen 
strahlen. Noch immer sitzt Hannelore am Fen 
ster. Nervös spielen ihre Finger in der zar 
ten Stickerei der Decke, Im Zimmer ist tiefe 
Stille. Herbert Richter ist nicht gekommen. — 
Hannelore Berg steht am Fenster ihres 
Schlafzimmers. Ein junger Tag erwacht 
strahlend schön im Osten. Im frischen Grün 
der Pfingstbüume leuchten die Straßen der 
Stadt. Die klare Morgenluft ist voller Glocken- 
singen. 
Hannelore geht in die Kirche. Der Jubel des 
Pfingstfestes dringt an eine verschlossene 
Herzenstür. Heute kann sie nicht beten — und 
hat doch so oft an dieser Stätte für ihren Ge 
liebten den Herrgott bestürmt. Sie hört nur 
immer auf den Schlag ihres wunden Herzens. 
Der Schlag ist dumpf und tief: Herbert Rich 
ter ist nicht gekommen! Und sie denkt wieder an 
die Schmerzen der letzten Monde, wo sie Tag 
für Tag vergebens auf einen Brief gewartet. 
Er ist hart, er weiß nichts von ihren Leiden. 
Da steigt eine böse Bitterkeit in ihr auf. Hat 
sie ihr Leben in eine falsche Hand gegeben? 
Lachend und plaudernd stehen die Menschen 
vor der Kircheutür, schütteln sich die Hände 
und wünschen sich Glück. Hannelore Berg geht 
still durch die Menge. Wohin soll sie gehen? 
Noch unschlüssig besteigt sie eine Straßen 
bahn. Der Wagen fährt in den Park. Hanne 
lore ist es recht. Sie will jetzt allein sein. Nur 
nicht unter den fröhlichen Menschen. 
Am Weiher steht eine einsame Bank. Hier 
ruht Hannelore und wirft kleine Steinchen in 
das Wasser. Sie denkt: So eng wie dieses 
Wasserrund sind auch erst die Kreise der Men 
schen. Aber sie werden größer und wachsen, 
und schließlich erkennt man sie nicht mehr. 
Am Himmel brummt ein Flieger. In der 
Sonne blitzt das Metall des schönen Vogels. 
Jetzt ist er über dem Park. Gleich wird er schon 
drei Fußstunden weit sein. Hannelore möchte 
einsteigen und weit wegfahren, so weit wie 
der Vogel der Sehnsucht sie tragen kann. 
Sie weiß nicht, wie lange sie schon im Park 
sitzt. Auf einmal fällt eine Unruhe sie an. Da 
eilt sie über die weißen Kieswege dem Aus- 
gang zu. Durch die mittagsstillen Straßeü 
rummelt die Elektrische. 
Verloren steigt Hannelore die Stufen des 
Treppenhauses hoch. Der plötzliche Eifer rveiclst 
wieder jener Wunschlosigkeit, die der Mensch 
nach tiefsten Enttäuschungen in sich trägt. Als 
sie aber aus dem Zimmer des Vaters 0 C 1 
dämpftes Stimmgewirr vernimmt, brenn» 
eine letzte Hoffnung in ihrem Herzen an. Sie 
kann noch eben die Zimmertür öffnen, sie hör» 
noch dunkel die Stimme ihrer Mutter, sie siş 
noch mit einem Blick Herbert Richter auf 
zueilen, dann bricht sic im Türrahmen ä u * 
sammen. 
Herbert Richter ist doch gekommen, linö 
Hannelore Berg wird seine Frau werdet 
denn er hat es immer gewollt. Er ist zudcnl 
ein junger Doktor. Bor der weißen 
gardine stehen in einer blauen Vase rot? 
Pfingstrosen. 
Pfingstrosen 
Novellette von Wilhelm Vernekohl. 
Am Pfingstsamstagnachmittag sitzt sie hinter 
der weißen Mullgarüine am Fenster in Va 
ters Arbeitszimmer. Es ist eine seltene Auf 
regung in ihr. Sie kann ihr Geheimnis nicht 
verbergen. Nur zum Schein hat sie eine Hand 
arbeit geholt. Heute wird sie die Stickerei an 
der kostbaren Spitzendecke, die sicher einmal 
das Schmuckstück ihrer Wäschegarnitur aus 
machen wird, nicht fördern. Läutet nicht die 
Klingel der Haustür? Schon rennt Hanne- 
lorc das Treppenhaus hinunter. Es ist nur 
die Wäscherin. Sie bringt Vaters Hemden und 
Kragen und wünscht dem Fräulein „Frohe 
Festtage". 
Und wieder sitzt Hanuelore am Fenster. 
Heute muß Herbert Richter zurückkommen. Er 
hat es selber gesagt. Seit Monaten hat sie 
keine Nachricht mehr und bangt um ihn. Aber 
er ist tapfer. Er wollte nicht früher heimkeh. 
ren, als bis er sein Examen bestanden. Er ist 
ein guter Junge. Sein Wort gilt. Sie darf 
auf ihn bauen. 
Hannelore träumt. In' der Mullgardine 
spielen die Sonnenstrahlen. Schöne Kringel 
kramen auf dem Teppich des Zimmers. Als sie 
beide — Hannelore und Herbert — noch in die 
Schule gingen, hatte er einmal für sie Prügel 
bezogen. „Hau mich!" hatte er auf dem Schul 
platz zum Lehrer gesagt, der Hannelore ohr 
feigen wollte, weil sie von den Gräbern des 
nahen ■ Friedhofs Blumen abgerissen hatte. 
Damals war es angefangen. Scheu und unbe- 
Niedcrdeutsche Pfingsten. 
Scherenschnitt von Gerda Riege. 
P' 
Margit war in ihrem Boot auf großer 
fingstfahrt. Blau lachte der Himmel über ihr, 
und das Grün der jungen Pflanzen und 
Bäume wollte kräftig ans Licht. Es war eine 
wahre Lust zu leben. 
„Fräulein Margit," hatte die Wirtin gesagt, 
„es ist wirklich nicht gut, wenn der Mensch im 
mer allein ist, besonders wenn er ein so hüb 
sches Mädel ist wie Sie. Sie kommen aus dem 
Büro und nehmen ein Buch zur Hand. Gewiß 
?auer müssen Sie 
lobenswert, aber auf die 
doch unter Leute." 
Margit hatte der besorgten Dame geantwor 
tet, daß es ihr genüge, ihr Boot zu haben, mit 
dem sie jeden Sonn- und Feiertag ins Freie 
fahre. 
„Freunde, die Sie mir ja wohl empfehlen, 
sind ein zweischneidiges Schwert," sagte sie 
daun. „Ich habe einmal einen Freund gehabt, 
an den ich glaubte, und dann hat er sich mit der 
Tochter unseres gemeinsamen Chefs verlobt." 
-,Ja," sagte die Wirtin, „das ist freilich trau 
rig, wenn man so getäuscht wird, aber es ist 
wirklich kein Grund, wegen eines Menschen 
das ganze Vertrauen aufzugeben. Wir müssen 
ein bißchen Freude ins Leben hineintragen, 
wenn wir Freude ernten wollen." 
Margit lächelte. Die gute Frau redete, wie 
sie es verstand. Aber dann hatte sie wohl nicht 
ihre Erfahrungen. Einmal enttäuscht, blieb sie 
für sich allein und suchte Erholung nur in der 
Natur. 
Heute, am ersten Pfingstseiertag, waren die 
Wasserstraßen mit frohen Menschen überfüllt. 
Margit hatte gerade am Ufer in einem Restau 
rant Rast gemacht und sah sich die vorüber 
ziehenden Boote an. Am Tisch nebenan saß ein 
großer blonder Herr, der ebenfalls sein Boot 
hier angelegt hatte. Es war ein Zweisitzer, und 
Margit wunderte sich, daß er allein war. Würde 
wohl seine Gründe haben, denn sicherlich war 
das Boot seinerzeit für zwei Personen gekauft 
worden. Nun, was ging das sie an. Sie küm 
merte sich nicht um fremde Angelegenheiten. 
In diesem Augenblick sah der fremde Herr 
auf und blickte ihr offen ins Gesicht. Sie sah 
fort. Aber er wollte wissen, warum sie allein 
sei. 
„Ich könnte dieselbe Frage an Sie selbst 
richten," erwiderte sie. 
„Das ist eine lange Geschichte," sagte er. Da 
bei war sein Blick von einer solchen Traurig 
keit, daß Margit wirklich gespannt war, diese 
Geschichte zu erfahren. Denn der blonde Hcrr 
machte nicht den Eindruck, als sei er immer 
nur zu Scherzen aufgelegt. Sicher hatte ihn der 
Ernst des Lebens schon schwer gepackt. 
„Ein schöner Tag," sagte er. 
„Ja, so recht zur Freude gemacht." 
„Kann man sich denn allein freuen?" 
Sie überlegte. 
„Es kommt darauf an, wie sehr man mit üer 
Natur verwachsen ist." 
Er war sichtlich interessiert, eine solche An- 
schauung von ihr zu hören und ging weiter auf 
das Thema ein. 
„Auch die Menschen sind ein Teil der Natur, 
mein Fräulein, und wir können sie uns da, wo 
sie am buntesten ist, gar nicht fortdenken. Nur 
. innerliche Bösewichte behaupten, daß Menschen 
die Natur zerstören." 
Sie blickte an den Bootsstand und bemerkte, 
daß sein Boot den Namen „Marie" führte. 
„Ihr Boot heißt Marie?" 
„Ja, der Name war mir einmal sehr teuer. 
Aber das ist vorbei. Sie sehen ihr übrigens 
ähnlich." 
„Wem?" 
„Jener Marie. Sie war meine Verlobte, und 
dann verlor ich sie." 
Margit mußte an das eigene Schicksal denken. 
Vielleicht hatte auch er den Schmerz einer 
/ Pfingfterzählung von Dörte Friedrich 
leichtsinnig verschmähten Liebe durchgemacht 
und war einsam geworden wie sie. Die gleiche 
Seelenstimmung, die sie bei ihm voraussetzte, 
machte ihn ihr plötzlich sympathisch. 
Er fuhr fort zu erzählen: 
„Wir haben uns wirklich lieb gehabt. Aber 
der Tod war unerbittlich. Sie starb, kaum 
zwanzig Jahre alt, an einer tückischen Krank 
heit. Seit dieser Zeit ist ihr Platz in meinem 
Boot frei." 
Unwillkürlich hatte Margit mit diesem 
Mann großes Mitleid. Sie sprachen nicht mehr 
viel Miteinander, aber als sie die Boote wie 
der lösten, war er ihr behilflich und tat alles, 
um ihr die Abfahrt zu erleichtern. Sie dankte 
mit einem leichten Nicken des Kopfes, und 
dann fuhr sie ab, ohne sich noch einmal umzu 
sehen. 
Aber obwohl sie nur eine halbe Stunde mit 
dem Manne gesprochen hatte, konnte sie sich 
nicht verhehlen, daß er einen tiefen Eindruck 
auf sie gemacht hatte. Er war einsam und allein 
wie sie, und er ehrte das Andenken der Braut, 
die ihm genommen war, indem er im Boot 
ihren Platz freihielt. Wenn so einer käme und 
spräche: „Margit, ich begehre Dein und will 
Dich zur Frau," dann hätte sie wohl ihren 
Widerstand ausgegeben . . . 
Ihren Gedanken über diesen Mann machte 
ein schnell auf dem See aufkommendes Un 
wetter ein Ende. Am Ufer wurde der War 
nungsball hochgezogen, aber ehe die Boote noch 
den rettenden Hafen erreicht hatten, war das 
Wetter mit einem schweren Gewitter da. Die 
Wellen gingen hoch und trieben die Boote kreuz 
und quer durch den Sturm, und obwohl Mar 
git eine geschickte Padölerin war, gelang es ihr 
doch nur mit größter Mühe, sich zu halten. 
Aber als sie abgetrieben wurde und noch das 
Paddelruder verlor, da bekam sie es doch mit 
der Angst zu tun. Das kleine Boot trieb jetzt 
hilflos, und schon rechnete Margit mit der 
Möglichkeit, sich an Land schwimmend zu ret 
ten, als neben ihr wie ein Schatten ein anderes 
Fahrzeug auftauchte. 
„Kommen Sie zu mir!" schrie eine Stimme 
befehlend. Eine Hand hielt ihr Boot fest, und 
sie beeilte sich, dem Befehl zu gehorchen. Sie 
arbeitete sich geschickt hinüber, und trotz des 
immer steigenden Wellenganges gelang es ihr, 
in das fremde Boot zu kommen. 
„Nehmen Sie die Paddelstange und ver 
suchen Sie, das Gleichgewicht zu halten, damit 
wir nicht kentern." 
Margit erkannte den blonden jungen Mann 
und war innerlich so selig und ruhig, als wenn 
sie sich nicht in einem Sturm auf dem wüten 
den See, sondern auf einer bunten Blumen- 
iviese bei hellstem Sonnenschein befände. Der 
Mann machte ihr Fahrzeug an dem seinen fest, 
und dann paddelten sie gemeinsam durch den 
Sturm. 
Er manövrierte geschickt, und als sie endlich 
nach einer halben Stunde in den Hasen kamen, 
da standen ein paar Leute am Landungssteg, 
die seine Hilfsaktion beobachtet hatten und nun 
in begeistertes Händeklatschen ausbrachen. Da 
wurde der blonde Mann rot wie ein Schu^ 
junge und ging schnell in das Restaurant, wo 
er für Margit und sich einen Platz in einer 
Ecke ergatterte. Er bestellte einen steifen Grog- 
„Es ist zwar kein Pfingstgetränk, aber es 
wird Ihnen nach der rauhen Seefahrt gut tun- 
Sic sah ihn mit einem süßen Lächeln an. 
„Ich danke Ihnen, mein lieber Ritter, daß 
Sie mich geholt haben." 
„Ich habe Sie gesucht, weil ich mir dachte, daß 
Sie allein nicht mit dem Element fertig wer 
den. Und sehen Sie, Menschen sind auch nicht 
fortzudenken aus dem Kampf gegen die Natur. 
Sie mögen sagen, was Sie wollen, aber wir 
sind nun eben einmal nach göttlichem Ratschluß 
aufeinander angewiesen. Und wenn ich meinem 
Gefühl trauen darf, sind wir zwei es in be- 
sonderem Maße. Ist es so?" 
Margit wurde sehr rot. 
„Ich weiß es nicht," sagte sie. 
„Aber Sie ahnen es. Heute ist der Tag, an 
dem das neue Gefühl und der neue Lebens 
wille seinen Einzug halten. Drei Jahre lang 
habe ich einen Platz in meinem Boot freige 
halten. Aber heute ist der Platz in meinem 
Boot neu besetzt worden, und dafür danke ich 
dem Sturm." 
Margits Herz klopfte wie wahnsinnig, aber 
sie fühlte, wie alle philosophischen Vorsätze vor 
der klaren Logik dieses Mannes und ihrem 
eigenen Gefühl verschwanden. - 
„Ja," sagte sie endlich, „ich glaube, daß ich 
diesen Platz einnehmen kann. Und wohin gehl 
die Fahrt?" 
„Mutig in die Zukunst." —* 
Heitere Ecke 
Ein allzu gelehrter Bizcfeldwebel. 
Wie viele gelehrte Herren war während des 
Weltkrieges auch ein Professor der Philosophie 
aus Göttingen zum Waffendienst einberufen. 
Als Vizefcldwebel d. R. stand er bei einem 
Infanterie-Regiment in Belgien. Eines Tages 
sollte ein Trupp Kriegsgefangener nach 
Deutschland gebracht werden. Zu der Begleit 
mannschaft zählte auch der Professor der Phi 
losophie. Die Truppe hatte sich kaum in Marsch 
gesetzt, als der sie führende Hauptmann zn 
seiner Empörung bemerken mußte, wie der 
deutsche Feldwebel und einer der Gefangenen 
des Transports in einen heftigen Streit ge 
rieten. Der Franzose fuchtelte wie besessen mit 
den Händen, auch der Deutsche schien nicht 
übel Lust zu haben, dem andern einen gehö 
rigen Denkzettel zu geben. Der Hauptmann 
verlangte Aufklärung. Zu seinem maßlosen 
Erstaunen mußte er hören, daß der gefangene 
Franzose, Universitätsprofessor aus Paris, mit 
seinem deutschen Kollegen über die — Häufig? 
keit des Konjunktivs in altprovencalischen 
Minneliedern in die heftigsten Meinungsver-' 
schicdenheiten geraten war. —; ; 
Anekdoten um grotze Männer 
Der gute Ruf. 
Als sich eine junge Dame einmal an Scho 
penhauer mit der Frage wandte, wovon eigent 
lich der gute Ruf eines Menschen abhänge, 
antwortete ihr der Zyniker: „Meist von den 
Menschen, die ihn nicht besitzen." 
Birchow geht. 
Professor Birchow wurde einmal auf der 
Straße von . einem Herrn angesprochen, der 
unbedingt seine Bekanntschaft machen wollte: 
„Guten Tag, Herr Professor, ich wette, Sie 
kennen mich nicht mehr." Birchow schaute kurz 
auf: „Sie haben die Wette gewonnen," sprach 
er und ging weiter. 
* 
Als er sich zum Sterben hingelegt hatte, 
trat ein Freund an sein Bett mit der Frage: 
„Nun, mein Lieber, wie geht es?" Mit leiser 
Stimme antwortete Birchow: „Es geht über 
haupt nicht mehr, aber i ch gehe."
	        
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