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Utt^ brausten blühen bîe Rosen -..
Dis Rose in Geschichte, Sage ßtt8 Dichtung
Von Albert Schweitzer.
de^^lume zieht durch Me Kulturgeschichte I gärten, bei Leichenverbrennungen verwandte
- ^°"er etn so farbenfrohes, duftiaes Band man Rosenholz, und auch heute noch pflanzt
Von von Hölderlin, dem großen Einsamen,
wird berichtet, daß ihn nichts so sehr aus der
Macht des Wahnsinns ins Leben zurückrufen
konnte, wie der Duft und Anblick roter Rosen.
Lenau war die Rose ein Sinbild der Liebe, und
er meint:
wi° ?. otfer .ein so farbenfrohes, duftiges Band
fuß ' e Nose, die „Königin der Blumen", die
s.f ietzt wieder in ihrer vollen Schönheit ent-
tet. Sie war der Menschheit in ihrer kultu-
„ Entwicklung stets ein treuer Begleiter
«d wußte ihren Platz als Königin der Blu-
« durch alle Zeiten hindurch zu behaupten.
man mit Vorliebe seinen Toten Rosen auf
die Gräber.
Von Göttern geschaffen.
einer alten Ueberlieferung
Nach einer alten Ueberlieferung soll die
5 ch aus einem Schaumtröpfchen herrühren,
sâ ìn dem Augenblick, als Venus Aphrodite
^ den Meereswellen entwand, am Ufer zur
. ">c fiel. Der persische Dichter F i r d u s i be
fugtet, daß sie ans einem Schweißtropfen des
^opheten M o h a m e d entstanden sei, den
,Ber beim Durchschreiten des Paradieses von
er Stirne wischte, als er sich plötzlich dem
^wrgen gegenüber sah. Nach einer anderen
J*9E! soll der Rosenstrauch aus der Reue der
, rtemis und den Tränen des Eros erst
anden sein, und eine indische Legende berich-
f.» öer Gott der Götter, W i s ch n u, habe eine
'"er Frauen, Pagoda, in einem Rosen-
gefunden. Eine orientalische Sage er-
°Mt folgendes: Zwischen der Stadt Bethlehem
ad der Kirche auf dem blühenden Gefilde von
moridas sollte einst ein zu Unrecht der Un-
^uschheit geziehenes Mädchen anmutigster
.Mnheit zur Strafe lebendig verbrannt wer-
Ņļs der Scheiterhaufen bereits brannte,
,7 sie in inbrünstigem Gebet den Herrn, ihr
Uelsen, ihre Unschuld zu offenbaren. Furcht-
bestieg sie den brennenden Scheiterhaufen,
Uö sofort erlosch das Feuer. Die glühenden
^izer aber wurden zu Rosensträuchern, über
.Ud über mit leuchtenden, flammenden Rosen
überschüttet...
sşiZN öer germanischen Mythologie spielt die
^vse eine bedeutsame Rolle. Loki zwingt die
^ude zum Rosenlachen und zaubert so den
Kühling ins Land. Dort, wo die heiligen
Mne standen, gedeiht die Heckenrose am be-
gefürchtet von Hexen und Werwölfen,
ş, er auch den jungen Mädchen gefährlich, denn
ş e werden verstrickt oder zu Rosenprinzessin-
. en verwandelt, die hinter Dornenhecken schla-
'î» müssen, bis der heiße Kuß des Sonnen-
Mtes Baldur sie zu neuem Leben erweckt
Um Märchen von Dornröschen). Um die Dome
3* Hildesheim, Lübeck und Breslau spinnen
N Sagen, deren Mittelpunkt die Rose ist.
Me Rose, die wir in L a u r i n s Rosengarten
pttd in dem Rosengarten öer Königin Krim
vitz in Worms finden, wurde später auch in
e îi christlichen Kult aufgenommen. Den Ger
itten galt die Rose als Sinnbild des Todes.
Machtfelder und Grabstätten hießen Rosen-
Von Königen verschwendet.
Die erste wirkliche Kunde über die Rosen
vermitteln uns die viele 1000 Jahre alten
Tschudengräber. Auf einigen Silber-
münzen, die man neben anderen Schmucksachen
und Geräten fand, befand sich auch das Gepräge
einer Rose. Einige hundert Jahre später trank
man in China einen Tee aus gelblichen Ro
senblättern.
Durch das ganze Altertum hindurch trieb
man einen ungeheuren Rosenkultus. Die Rose
war die Blume öer Schönheit und Sinnen-
freude. Persephone (Homer) pflückte
Rosen und Krokus! Eros, die Grazien,
die Musen — Geburt und Tod, Fest
mahl und Opfer — — alle und alles schmückte
die Rose.
Die vornehme römische Gesellschaft trieb
während öer späteren Katserzeit einen gewal
tigen Luxus mit Rosen. Nero ließ bei einem
Gastmahl für 60 000 Mark Rosen aus Alex
andrien kommen.
In Mittelalter wurde die Rose vielfach als
heraldischer Wappenschmuck benutzt. Das Ro
senwappen öer lippischen Länder ist bekannt.
Nach ihren Wappen nannten sich die beiden
rivalisierenden englischen Regentenhäuser
Lancaster und York die „Rote Rose" und die
„Weiße Rose", und unter diesen idyllischen
Feldzeichen wurde der berühmte Erbfolgekrieg,
der mit dem Untergang Richards III. endete,
während mehr als dreißig Jahren in blutigen
Kämpfen ausgefochten. Auch Martin Luther,
der die dunkelrote Rose als Sinnbild der
Treue liebte, wählte sie als Wappenschild mit
Herz und Kreuz darin und dem Spruch: „Des
Christen Herz ans Rosen geht, selbst wenn es
unterm Kreuze steht."
Von Dichtet« besungen.
Die Hochschätzung, die die Völker des klassi
schen Altertums für die Rose empfanden, be
steht bis auf unsere Tage fort. Unzählbar wie
die Blätter aller Rosen, sind auch die Gedichte
und Lieder, die die Rose als Verkörperung der
Liebe und Schönheit feiern. Schon die Dichte
rin Sappho verherrlichte die Rose als Köni
gin der Blumen im Liede, wie auch Petrarca.
Wie viele Edelsteine köstlichster Art bietet
nicht allein die Volkspoesie! Wem wäre nicht
Goethes „Heidenröslein" bekannt, jene herr
liche Ballade mit ihrem verborgenen tragischen
Sinn. Schiller spricht von „himmlischen Rosen",
die die Frauen „ins irdische Leben flechten".
Nie soll weiter sich ins Land
Lieb und Liebe wagen,
Als sich blühend in der Hand
Läßt die Rose tragen.
Dir Königin des Pfingstfestes
Eine Betrachtung von Hans Bethge.
Alle Feste haben ihre Blumen. Pfingsten
dagegen hat Blumen die Fülle. Es ist das ei
gentliche Fest des Blühens, das wahre Früh
lingsfest, und alle Wunder der Auferstehung
leuchten uns aus Gärten, Hainen und Wiesen
entgegen. Die Blume des Festes, die wirkliche
Königin des Festes ist die Pfingstrose: groß,
üppig, strahlend, von wunderbarem Rot, aber
in den verschiedenen Züchtungen auch abschat
tiert über das bezauberndste Rosa zu einem
schimmernden Weiß. Sie duftet nicht, all ihre
Schönheit tut sich in ihrer blätterreichen, lok-
keren, lachenden Form und in ihrer Farbe
kund.
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Die Blume ist seit Jahrtausenden bekannt.
Sie wächst wild in Griechenland, im südlichen
Deutschland, in den Ländern des Fernen
Ostens. Sie war eine beliebte Zierblume schon
bei den Griechen, von denen sie den Namen
„Päonie" erhielt. Der Name wird von einem
berühmten griechischen Arzt Paeon hergeleitet,
andere bringen ihn mit dem Gott öer Heil
kunst, Paeonius, in Verbindung. Sie wurde
von den Alten gegen Gicht und Fallsucht ver
wendet, noch heute wird sie in manchen Ge
genden volkstümlich Gichtrose genannt. Die
gleichfalls volkstümliche Bezeichnung Putenje
ist nichts weiter als eine Verstümmelung von
Päonie.
Sie sollte bei uns für das Pfingstfest viel
ergiebiger gezüchtet werden, denn diese Blume
ist wunderbar. Die ganze souveräne Heiterkeit
des Frühlings ist darin, und man kann sich
auf dem festlichen Tisch des Hauses kaum etwas
schöner Schmückendes denken, kaum eine an
dere Blume, die so lachend dekorativ in die
Erscheinung tritt. In Paris scheuen sich die
Mädchen nicht, die große, lachende Blüte zur
Pfingstzeit auf der Brust zu tragen, und es
steht ihnen herrlich. Ganz in sie verliebt aber
sind die Maler in Japan und China.
Ja, nirgends ist die Päonie mit solcher
Liebe, mit solcher Hingebung, mit solcher Ver
senkung in ihre königliche Schönheit gemalt
worden wie in den großen Kulturländern des
Fernen Ostens. Es gibt zahllose Bilder der
großen klassischen Maler in China und Japan,
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Pfingsten, das liebliche Fest,
wie es Ludwig Richter sah. (Entstanden I860.}
(Max Löhrich, K.)
die nichts weiter als einen Zweig grüner Blät
ter mit einigen Päonienblüten zeigen. Aber
wie haben es diese Künstler verstanden, das
Wunder der Päonienblüte darzustellen! Bis in
ihre feinsten, zartesten Nuancen hinein ent
hüllt sich die Schönheit öer Blume, man möchte
sagen: ihre edle seelische Wesenheit wird auf
gedeckt, ja, das mystische Wesen des Blumen
haften überhaupt schein sich dem entzückenden
Betrachter zu offenbaren.
Die Birkenreiser sind schön, man stellt sie
auf dem Lande neben den Haustüren auf, aber
in die Stuben passen sie nicht. Auf die festlichen
Tische in den Zimmern gehören purpurne
Pfingstrosen, — sie sollten in keinem Haus
fehlen, denn eine schönere Festblume gibt es
nicht!
Der PftngftkramZ
Skizze von Franz Pohl.
^Pfingstsonnabend! — Auch beim Bauern
^ottschalk war alles vom frühen Morgen an
n Tätigkeit. Die Ställe wurden gesäubert
mit frischem Stroh versehen, der Hof ge-
stöt, und im Hause waren ganze Wasserflu-
über Treppen und Fußböden geflossen.
.Mn kam Sand auf die weißen Dielen und
Mges Birkengrün an Wände und Türen,
^ckbentzs saßen die Dienstleute in ihren
v ^îtagskleidern um den Tisch, sie wollten
Wchher nach alter Sitte singend durch das
^vrf gehen und waren in aufgeräumter
şilmmung. Besonders die „kleine Magd"
Dt.
Zarie war ganz ausgelassen, sie neckte wie
/tturer den Knecht Karl, der ihrem Spott
Ehrlos ausgesetzt war. Je röter und verle-
?Mer der große stattliche Bursche wurde, um
wehr ärgerte ihn Marie, die sich auch durch
e Vorwürfe Annas, der Großmagd, von ih-
„tummen Getue" nicht abbringen ließ.
sonders wußte sie Karl, öer immer von
Änlicher Sauberkeit war und viel auf sich
t, «Luuoerreir wo
, in seiner Eitelkeit zu treffen. Jetzt
l 9tc sie auf seinen glänzenden Scheitel.
»Nu seht doch, ihr Leute", rief sie lachend,
Ms der Karl für einen feinen Pomaden-
j'Mel hat! Drin bespiegeln möcht man sich
j ' Damit fuhr sie ihm mit beiden Händen
Mer. Der Pserdejunge Paul, für den der
Mcht keine Respektsperson war, lachte laut
y.,6 verstummte aber sogleich erschrocken, und
şch die Großmagd ließ die Gabel sinken:
Ml hatte sich seltsam verändert! Er war
Jo geworden, hatte die Augenbrauen finster
Ij^wmengezogen und atmete schwer. Plötz-
Mfprang er so gewaltsam auf, daß der Stuhl
Miel, und mit wutverzerrtem Gesicht stürzte
s, sich auf Marie, die schreiend aus der Küche
Sie eilte den Gang hinunter bis zur
sî Mdekammer, riß die Tür auf und riegelte
^ hinter sich zu. Karl, öer ihr auf den Fersen
şļgt war, rüttelte wie besessen an der
^ wke und warf sich dann mit seinem ganzen
Mper gegen die Tür, so daß sie krachend und
Msiernd aufsprang. Die Magd war, halbtot
M. Angst, zwischen Bett und Fenster auf die
Me gesunken. Der Knecht hatte den Kopf
Mebeugt und die Arme wie zum Schlage
Globen. Aber seine Fäuste öffneten sich und
MFinger griffen suchend ins Leere. Die
Innung in seinem Gesicht ließ nach
öie Haare und wirbelte sie wild durchein-
und
machte einem grübelnden Ausdrucke Platz.
Er sah die junge Gestalt in dem bunten
Sonntagskleide, die flehend gefalteten Hände,
die angstvoll geöffneten Augen und die wir
ren blonden Haare. Dann irrte sein Blick über
die kahlen Wände hin — er atmete tief, wandte
sich um und ging schwankend zur Tür hinaus,
vorbei an Anna, dem Pferdejungen und den
Bauersleuten, die auf den Lärm herbeigeeilt
waren. —
Karl blieb verschwunden, die kleine Magd
hatte sich weinend auf ihr Bett geworfen, und
so waren denn Anna und Paul allein in das
Dorf gegangen. Sie hatten in ihrer Aufre
gung vergessen, daß der Pfingstbaum noch gar
nicht aufgerichtet war. Das Loch vor öer
Scheune, in das er gestellt werden sollte, war
schon gegraben, der Baum und der mächtige
Kranz, aus Tannengrün und Birkenreisern
geflochten, lagen daneben, keiner kümmerte
sich darum. Der Bauer ging mit seiner Fa
milie schlafen, und der Hof lag verlassen da.
Es wurde Nacht und auch im Dorf immer
stiller. Nur hin und wieder hörte man das
Lachen der Burschen und Mädchen und das
Bellen öer Hunde. In den Ställen rührte sich
das Vieh und rasselte dumpf mit den Ketten.
Und auf dem Scheunendach saß im Mondlicht
ein Käuzchen und jammerte kläglich. — Da
kam Karl in den Hof geschlichen. Verstört
blickte er um sich und setzte sich dann auf ei
nen Stein neben dem Pfingstbaum. Er nahm
den Kranz in die Hände und sah in Gedan
ken versunken vor sich hin. Plötzlich fuhr er
zusammen: Eine Tür öffnete sich und Marie
trat heraus. Sie kam an den Ställen entlang
und überschritt den Hof, bis sie neben Karl
stand. Der blieb unbeweglich sitzen, aber sein
Herz klopfte laut und heftig. Marie legte ihm
leicht die Hand auf die Schulter:
„Karl", sagte sie leise mit zitternder Stim
me, „ich bin ja daran schuld, ich albernes dum
mes Ding — bist du mir denn noch böse?"
Als sie keine Antwort hörte, fing sie nach
einer Weile stockend wieder an:
„Der Kranz hat ja noch gar keine Bänder
— sieh hier, ich habe welche mitgebracht!"
Dabei wies sie Karl einen ganzen Arm voll
bunter Bänder vor, die sie auf dem Rücken
gehalten hatte. Da blickte der Knecht auf und
sagte:
„Na, Mariechen, da möchten wir wohl tzen
Pfingstbaum fertig machen!"
Eifrig machten sich beide an die Arbeit, und
bald stand der Wngstbaum aufgerichtet^ mit
Tannengrün bekränzt, da. Hoch ragte er in den
Sternenhimmel und die Bänder, leicht vom
Winde bewegt, glänzten in allen Farben,
blau, grün, gelb und rot. —
Die Glocken läuteten Pfingsten ein, und
zu der Kirche zog eine festlich gekleidete Men
ge. Aus den umliegenden Dörfern kamen die
Bauern wie immer mit Leiterwagen gefahren,
die mit Zweigen, Bändern und Blumen ge
schmückt waren, auch die Pferde hatten Bir-
kenreiser am Geschirr. Am meisten fiel die
Fuhre auf, mit der Bauer Gottschalk und seine
Leute ankamen. Schneidig fuhr der prächtig
ausstaffierte Wagen um die Ecke, und mit ei
nem Ruck blieben die jungen Füchse stehen.
Aber es mar ja kein Wunder: der Karl kut
schierte! Stattlich und wie aus dem Ei ge
pellt sah er wieder aus, und mit wichtiger
Miene hielt er die Leinen. Als er aber galant
der kleinen Magd Marie beim Aussteigen
half, und sie ihn zärtlich ansah, da strählte er
über das ganze braune Gesicht.
Die Pşiņgsthoke
Humoreske von Magda Trott
Pfingstausflügler überall. Die Eisen
bahnzüge überfüllt. Man war froh, wenn
man rasch noch einen Sitzplatz erwischte. Aer-
gerlich schauten die Fahrgäste auf, wenn sich
iurmer und immer wieder die Tür öffnete,
wenn neue Reisende einstiegen. Die neuen
Pfingstkleider litten unter dieser Enge.
; Kurz vor Abfahrt des Zuges kam noch eine
junge Dame den Bahnsteig entlang geeilt. Sie
sah die überfüllten Abteile und öffnete kurz
entschlossen die zweite Klasse, weil hier noch
etwas mehr Platz war. Ein junger Mann,
der die Beine weit von sich gestreckt hielt, be
trachtete die Dame mit unwilligen Blicken.
Die Dame ließ sich neben dem jungen Herrn
nieder, der verärgert etwas zur Seite rückte.
Dann schlug er die Beine wieder übereinan
der, daß die seidenen Strümpfe sichtbar wur
den. Die graue Hose, die nach modernstem
Schnitt gearbeitet war, schien eben erst vom
Schneider gekommen zu sein, die Bügelfalte
stach den Mitreisenden aufdringlich in die
Augen.
Nach etwa halbstündiger Fahrt fing Dora
Lepein an, in ihrem Handtäschchen zu kramen.
Sie zog schließlich ein Fläschchen hervor, das
mit einer dunkelroten Flüssigkeit angefüllt
war, setzte die Flasche an die Lippen und
trank.
Da — eine Kurve — der Wagen schüttelte
heftig — die rote Flüssigkeit schwappte über
und zwei große Tropfen zeigten sich auf öer
schönen neuen Hose.
„Rotwein, mein Herr. Ich bitte um Ent
schuldigung!"
„Denken Sie, daß von einer Entschuldigung
die Flecke aus der neuen Pfingsthose ver
schwinden? Eine funkelnagelneue Hose!"
„Ich gebe Ihnen meine Adresse, mein Herr",
erwiderte die junge Dame ruhig. „Schicken
Sie mir das Beinkleid zu, oder noch einfacher,
lassen Sic es reinigen, die Rechnung werde ich
bezahlen!"
„Reinigen, reinigen! Rotweinflecke gehen
aus dem Stofs nicht heraus. Ich denke dar nicht
daran, wie ein Dreckfink herumzulaufen. Sie
werden mir die graue Hose, die neue Pfingst
hose, ersetzen."
„Es ist gut, mein Herr. Wenn Sie auf mei
nen Vorschlag nicht eingehen, werde ich Ihnen
das Beinkleid ersetzen."
„Ich mache Ernst! Die Hose ist verdorben!
Außerdem —" er holte eine elegante Brief
tasche hervor, „ich habe zufällig die Rechnung
des Schneiders bei mir. Da, wie Sie sehen,
kostet sie 46 Mark."
„Die Rechnung ist noch nicht quittiert, mein
Herr. Soll ich das Geld direkt an die ange
gebene Adresse senden?"
„Mein Schneider geht Sie gar nichts an",
klang es grob zurück. „Die Hose hat 46 Mark
gekostet, durch Ihre Schuld ist sie verdorben
worden. Sie haben mir die 46 Mark zu er
setzen."
Ein Griff in die Handtasche, die junge Dame
hielt dem eleganten Herrn die 46 Mark hin,
die er wortlos nahm.
„So, mein Herr", sagte die Dame ruhig, „die
Hose ist nun mein Eigentum. Bitte, geben Sie
sie mir."
„Sie sind wohl verrückt!"
„Bitte, geben Sie mir die Hose!" Es klang
sehr energisch.
Ein älterer Herr mischte sich in die Unterhal
tung. „Gestatten Sie, meine Herrschaften,
Rechtsanwalt Herrmann. Die Dame hat recht.
Durch Kauf ist die Hose in ihr Eigentum über
gegangen. Sie, mein Herr, haben ihr die Hose
daher sofort auszuhändigen. Sie machen sich
sonst strafbar."
^ In demselben Augenblick hielt der Zng auf
einer Station. Der junge Herr griff nach sei
nem Hut, legte die 46 Mark auf den Polster
sitz und verließ mit hochrotem Kopf das Abteil,
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