Rendsburg, den 2. Juni 1936.
Dies ««d das von Pfingsten
Wie ganz anders ließ sich der heutige
"Pfingstdienstag" an als der erste Feiertag!
Marine Lonne erfüllte das Land, man spürte
ļjļ*, allein den Sommermonat Juni. Der
Pfingstsonntag dagegen war ein Tag kühler
plagen, an dem der Ofen und warme Ge
iränke zu Ehren kamen. Trotz regnerischer
àrcht und regnerischer Frühe fanden sich
àmlich viele Nienschen zu den Morgenzügen
ļpï Reichsbahn eilt; matt stand Schlange vor
Schaltern, wenn auch nicht Riesenschlange,
Me das wahrscheinlich bei blitzender Frühe des
Atzten Maitages der Fall gewesen wäre. Lange
"üge fuhren vor — die betriebstüchtige Bahn
wußte sich doch vorsehen — und manches Ab-
wil verlangte nach mehr Insassen. Der Ver
mehr auf der Kreisbahn litt gleichfalls unter
èsn Unbilden der Witterung. Was sich am
Pfingstsonntag auf den Weg machte, war
hauptsächlich Familienbesuch; denn der Aus
zug ins Grüne war ja verregnet. Wer sich im
pause des Tages auf das Kapern eines regen-
fleien Stündchens verstand, kam noch ziemlich
Ms seine Kosten. In sattem Grün lag unter
schattendem Gewölk die Landschaft da und
pustete. Bei den Abendzügen war es nicht die
wüst an hohen Festtagen gewohnte Fülle der
Heimkehrer. Unsere Stadt kann sich trotz der
Wettertücke über Besuch von auswärts nicht
beklagen. Vor allem waren es untcrnehmungs-
justige „Kraft durch Freude"-Fahrer, die hier
Station machten, besonders am Kanal, und
h^nn weiterstrebten.
Ob es in der Nacht zum zweiten Feiertag
wirklich strichweise etwas Frost gegeben hat,
Me gestern einige munkelten, ist uns nnbe-
Üümt. Tatsache ist, daß es Jahre gab mit
Frostschäden zwischen Mai und Juni und im
äuni. Nach der wenig ermutigenden Erfah
rung des vorangegangenen Tages trauten die
Misten auch am Pfingstmontag dem Wetter
Mch nicht recht. Doch hielt der Tag sich wacker,
^ie Temperatur ließ freilich zu wünschen
übrig. 11 Grad Celsius vormittags im Schat
ten und Wind, nachmittags 13 — das war nicht
Gerade junimüßig. Desungeachtet setzte gegen
Mittag nach mehreren Ausflugsorten reger
Verkehr ein. Auch auf dem Wasser war es
lebhafter als tags zuvor. Wenn die Wolken
längere Zeit die Sonne freigaben, dann emp
fand man auch das diesjährige Pfingsten dank
baren Herzens als das liebliche Fest, und es
Mochte wohl hier und da auf fröhlicher Tour
Ms bekannte alte plattdeutsche Pfingstlied
Mch Hamburger Mundart angestimmt worden
lein: To Pingsten o wie scheun!
Der Wetterbericht für Pfingsten hatte seine
Mtterdiplomatischen Haken, um nicht zu sagen
Verstecktheiten. Der heutige klingt für unser
Gebiet besser. ^
*
Mit der NSG. „Kraft durch Freude" oder
Ms sonstigen Gesellschaftsreisen weilten Pfing
sten zahlreiche Gäste auf der Durchfahrt in
Rendsburg und hatten am Kanal im „Con-
Mntgarten" Aufenthalt. Bereits am Soun-
Mendnachmittag trafen rund 300 „KdF."-Fah-
ïe r in 9 großen Autobussen aus Hamburg
wu. Sîê befanden sich auf einer Pfingstfahrt
Mch Glücksburg an der Flensburger Förde,
şuf Veranlassung der NSG. „Kraft durch
àeude" war im „Conventgarten" eine Kaffee
tafel gedeckt, wo die Fahrtteilnehmer sich an
Kaffee und Kuchen stärkten. Nach etwa einstün-
^8em Aufenthalt ging die Fahrt weiter. Am
Mnnabendnachmittag machten etwa 80 Rei-
. ņde aus Warnemünde im „Conventgarten"
°jmt Kaffeetrinken Rast. Sie waren in drei
Mtobussen auf der Durchfahrt nach Kopen
hagen. Auch am Sonntagvormittag war am
yMlal trotz Regenwetters Hochbetrieb. Reichlich
°° „KdF."-Fahrer trafen aus Hamburg ein.
rjpe unternahmen einen Pfingstausflug an die
Schlei nach Arnis und Maasholm, wo Quar-
sYp te zum Uebernachten bereitstanden. In
'Rendsburg hatte die NSG. „Kraft durch Freu-
S für ein Frühstück gesorgt. Nach etwa cin-
Mndigem Verweilen ging es weiter. Am ersten
àşìngsttagmorgen kamen aus Hamburg ferner
cP Personen in zwei Autobussen. Nach einem
frühstück wurde die Fahrt nach Kopenhagen
fortgesetzt. Auch vom Norden kamen Gäste,
fmnd 4o Personen aus Nordschleswig
?afcn in einem Autobus aus Sonderburg auf
M Durchfahrt nach dem Harz hier ein und
"ren zu kurzer Rast im „Conventgarten".
ihren Zimmern angefangen bis zu den Ar
beiten in den Werkstätten. Auch Reiten und
Sport wurden vorgeführt und die zahlreichen
Neubauten gezeigt. Gütig und warmherzig
widmete sich der General jeder Schülerin; was
Wunder, daß das abschließende Kaffeetrinken
zu einer unvergeßlichen Feierstunde wurde.
General Ritter von Epp schied mit Worten
größter Anerkennung für die schnelle Entwick
lung der Schule in den letzten Jahren und
für den Geist ihrer Arbeit. Die Schülerinnen
begleiteten die Gäste — es waren u. a. Prinz
von Hohenzollern-Sigmaringen und Oberst
leutnant von Boemcken mitgekommen — auf
Rädern bis zur Drehbrücke; dann ein letzter
Händedruck, und unter dem Schulrus Zicke
zacke Heil! Heil! Heil! entschwand das Auto
den Blicken.
Turnier in Rendsburg
Wie im vergangenen Jahr, so veranstalten
die 2. Abt. Art.-Regt. 20 in Rendsburg und
die SA.-Reiterstandarte 15 wieder gemeinsam
ein großes Reit- und Fahrturnier in Rends
burg. Das Turnier findet am Sonnabend,
dem 20. Juni, nachmittags, und am Sonntag,
dem 21. Juni, vormittags und nachmittags
aus dem Turnierplatz bei der Eiderkaserne
statt. Vorgesehen sind 4 Dressurprüfungen, 6
Jagdspringen, eine Vielseitigkeitsprüfung, 6
Eignungs- und Materialprüfungen, 2 Gelän
deritte, Wettkämpfe der Reiterstürme und
Mannschaftsjagdspringen der Wehrmacht, SA,.
SS. Außerdem wird das reichhaltige Pro
gramm durch eine Geschützquadrille und eine
Springquaürille bereichert. Mit einer starken
Beteiligung am Turnier wird auch in diesem
Jahre gerechnet.
* Halbmast für Litzmann. Aus Anlaß der
Beisetzung des verstorbenen Generals der In
fanterie Litzmann flaggen am morgigen Mitt
woch, dem 3. Juni, alle öffentlichen Gebäude
im Reich halbmast.
* Frau Rinom tot. Am Pfingstsonntag
morgen bemerkte.eine Insassin des Hospitals
zum Heiligen Geist, daß aus dem Ziinmer
einer Nachbärin, der 93jährigen Witwe Hilde- '
bürg Rinow, Gasgeruch drang. Nachdem die
verschlossene Tür mit einem Dietrich geöffnet
war, fand man die Frau in dem mit Gas an
gefüllten Zimmer bewußtlos im Bett. Sie
wurde schnellstens mit dem Rendsburger Sa-
nitätsauto ins städtische Krankenhaus ge
bracht. Dort ist sie gegen Abend, ohne die Be
sinnung wiedererlangt zu haben, an Gasver
giftung gestorben. Die Frau hat am Sonn
abendabend versehentlich den Hahn des Gas
kochapparates in ihrem Zimmer nicht ganz
geschlossen, wie festgestellt wurde, so daß Gas
entweichen konnte. Sie ist dann zu Bett ge
gangen und eingeschlafen, ohne das Gas wahr
genommen zu haben. — Frau Rinow ist die
älteste Insassin des Stifts und wohl auch die
älteste Einwohnerin unserer Stadt gewesen.
Die Heimgegangene erinnerte sich aus ihrer
Kindheit lebhaft der bewegten Zeit der 48er
Jahre und wußte u. a. zu erzählen von dem
Explosionsunglück des Arsenals. Immer plau
derte sic heiter, wenn man sie aufsuchte.
* 25 Jahre im Justizöienst. Die Justiz-
inspektoren geschäftsleitender Bürobeamter
Johannsen und stellvertretender Amtsanwalt
Jsennecker konnten am 1. Juni auf eine 25jäh-
rige Tätigkeit im Justizdienst zurückblicken. —
Johannsen wurde 1934 ans Amtsgericht
Rendsburg versetzt, Jsennecker ist über zehn
Jahre im hiesigen Justizdienst
* Die städtische Flutzbadeanstalt an der Eider
hat mit dem heutigen Tage wieder ihre Pforten
geöffnet.
* Er kam nicht weit. Am Sonntagnachmittag
entwich ein im hiesigen städtischen Kranken-
haus zur Behandlung befindlicher Strafge
fangener der Rendsburger Strafanstalt. Er
wurde aber einige Stunden später auf dem
Reichsbahnhof, wo er in den Zug nach Ham
burg, seiner Heimatstadt, eingestiegen war,
von der Polizei festgenommen und ins Kran
kenhaus zurückgebracht.
Bon Epp in der KolosHnle
. Äm Sonnabend vor Pfingsten hatte die Ko-
Zniale Frauenschule, die außer vom Reichs-
"Nenminister vom Kolonialpolitischen Amt
"er NSDAP, betreut wird, hohen Besuch. Der
etter des Kolonialpolitischen Amtes und des
ştchskolonialbundes, Reichsstatthalter von
hatte sein Kommen angesagt. Da die
. ändert allein der Schule gewidmet sein soll-
l, ņ, hatten die Schülerinnen Gelegenheit, dem
-'Men Gaste alles in Ruhe zu zeigen, von
* Das Trompctcrkorps -cs Art.-Regts. 20
veranstaltete unter Leitung von Musikmeister-
Anwärter Scheer am 2. Pfingstnachmittag ein
Gartenkonzert im „Schützenhof". Bei schönem
Wetter hatten sich viele Besucher eingefunden.
Es wurde gute Musik geboten, zum Schluß
der Marsch „Hoch Rendsburg" von Musikmei
ster-Anwärter Scheer.