Mit zwei Zentnern durch den Weltkrieg
Erinnerungen eines Optimisten.
Von Karl Borromäus Gröber.
(33. Fortsetzung.)
Ein höherer Offizier, der in der Nähe stand
und der das Gespräch in italienischer Spra
che — die er leider auch verstand — gehört
hatte, packte plötzlich den Pseudokrieger am
Kragen. Mario mußte nach drei Tagen mit--
samt seinen Büchern zurück nach Danzig ins
Gefangenenlager. Es fiel ihm schwer, und da
er kein Geld mehr hatte, bat er mich um ein
paar hundert Mark, die ich ihm, weil er ein
anständiger Kerl war. gern gab. Er versprach
mir, sie zurückzugeben, wenn der Friede wie
der eingezogen sei. Ich habe dann lange nichts
von Mario gehört und hatte mein Geld längst
vergessen, als mir eines schönen Tages — es
war schon im Dezember 1919 — in meiner
Wohnung in München ein „französischer Of
fizier" gemeldet wurde. Obwohl ich mir nicht
denken konnte, was gerade ein Franzose bei
mir wolle, empfing ich ihn doch und war sehr
erstaunt, als mein alter Mario freudestrah
lend ins Zimmer trat. Er war damals bei
irgendeiner Ententekommission beschäftigt und
hatte nach langem Suchen endlich meine
Adresse erfahren. Seinen Vorschlag, mit ihm
und seinen Kameraden im Hotel zur Nacht zu
speisen, lehnte ich dankend ab, lud ihn aber
ein. Len Abend bei einem bescheidenen Nacht
essen und einem Glase Bier bei mir zu ver
bringen. Alte Erinnerungen wurden ausge
tauscht, und es war schon sehr spät, als Mario
damit herausrückte, er wolle mir bei dieser
Gelegenheit seine alten Schulden bezahlen.
Ich erklärte ihm, daß einem Deutschen jetzt
mit Geld nicht gedient sei, er solle dieses nach
Hause schicken und mir dafür die guten ita
lienischen Weine und Eßwaren zusenden las
sen, die man damals leider nur noch aus der
Erinnerung kannte. Mario versprach es und
hielt Wort. Wie schieden als die besten Freun
de. Ein paar Tage vor Weihnachten brachten
mir dann vier Italiener zwei umfangreiche
Kisten ins Haus, die all das enthielten, was
damals ein deutsches Gemüt entzückte. Außer
köstlichen Weinen und Schnäpsen gab es
Kannen mit feinstem Olivenöl, dicke und
schwere Bologneser Mortadellen, Neapolita
ner Antipasten, die feinsten Makkaroni, kur;
alles, was es in Italien in Hülle und Fülle,
bei uns aber noch nicht gab. Es war eine
Freude nicht nur für mich, sondern für alle
meine Freunde, die in meinem Hause ein und
ausgingen, und deren wurden es plötzlich sehr
viele.
In Frederiksborg war es nicht gemütlich.
In der stark bevölkerten Vorstadt lagen höch
stens zweihundert Teutsche, und wir merkten
bald, daß etwas gegen uns im Gange war.
Copyright 1935 by Deutsche Berlagsanstalt Stuttgart.
Es tauchten plötzlich verdächtig viel junge
Leute, die wir vorher nicht gesehen hatten, in
unseren Quartieren auf. Wenn man in die
Stadt selbst ritt, konnte man mit Sicherheit
darauf rechnen, daß einem ein paar Kugeln
um die Ohren pfiffen, kurz, man merkte deut
lich, daß man mitten in einem recht üblen
Wespennest saß. Als ich an einem Nachmittag
vom Kasino in mein Quartier bei einem
Lokomotivführer zurückkehren wollte, drückte
mir ein kleines Mädchen einen Zettel in die
Hand und lief darauf eiligst wieder fort. Als
ich den Zettel erstaunt öffnete, las ich die kur
zen Worte: „Haben Sie acht, die Roten wollen
die Deutschen diese Nacht überfallen!" Meine
Pistole hatte ich — wie ich es von anderen
feindlichen Ländern her gewohnt war — im
Quartier gelassen. Als ich nach Hause kam, be
merkte ich in der Küche meines verdächtigen
Gastgebers schon wieder ein paar neue Bur
schen, und als ich mir meine Pistole ansah,
mußte ich entdecken, daß sie sich zwar noch am
alten Platz vorfand, aber fein säuberlich ent
laden war. Die Situation fing an kritisch zu
werden! Vorsorglich hatte ich aber immer ein
paar Rahmen scharfer Patronen in meiner
Manteltasche. Um den Herren draußen in der
Küche zu zeigen, daß ich vorerst doch nicht
ganz hilflos sei, feuerte ich einen Schuß in den
Fußboden. Dann verließ ich mit dem Stahl
helm auf dem Haupte in voller Wehr wieder
mein trautes Heim und schritt, mit den Augen
kriegerisch blitzend, an den leicht verdatterten
Gesellen vorüber aus dem Hause. Der Batte
rieführer hatte unterdessen eine ähnliche Nach
richt erhalten. Unsere Geschütze wurden in al
ler Ruhe, aber sehr ostentativ auf eine Fel
senhöhe, von der aus man den Ort beherrschte,
gebracht und höchste Alarmbereitschaft wurde
angeordnet. Zehn Mann starke Patrouillen
durchzogen die Straßen und ließen keinen
Menschen mehr aus den Häusern heraus. Die
Stadt war wie ausgestorben, und als die an
gekündigte Stunde des Ueberfalls herankam,
ertönte unsererseits ein Signal, und unter
Führung der gutgesinnten Einheimischen hol
ten wir die Rädelsführer aus ihren Wohnun
gen und sperrten sie in das von den Bolsche
wiken aufs raffinierteste angelegte Gefängnis
ein. Diese Herren hatten nämlich beim Bau
jegliche Vorrichtung zum Lüften vergessen. Die
paar unentwegten Feinde, die in dieser Nacht
trotzdem zu den Waffen griffen, mußten dies
mit ihrem Leben bezahlen. Ihre Leichen blie
ben als abschreckendes Beispiel zwei Tage da
liegen, wo sie gefallen waren. Für uns aber
war es eine gute Lehre, und solange wir in
Finnland waren, gingen wir nie mehr ohne
Pistolen aus.
Tom Zaggler /
llrheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Manz,
München.
22) Nachdruck verboten.
Ter Graf gibt keine Antwort, bis sie an die
Nähe des Gröllsteins kommen. Da sagt er:
„Halte den Schnabel jetzt. Sonst brennt uns
der Hirsch durch, ehe wir ihn zu sehen bekom
men."
Schweigend steigen sie den Berg hinan, über
klettern die Kuppe und betreten dann einen
schmalen Steg, der auswärts führt. Als sie um
eine Wegbiegung kommen, zupft Büchler den
Grafen am Aermel und zischelt:
„Dort steht er, Herr Graf."
„Wo?"
Büchler deutet mit dem Bergstock über eine
grüne Mulde zum Waldrand hinüber.
„Seh'n Sie ihn net, Herr Graf? Dort drüben
am Waldrand."
„Meiner Seel. Ich war jetzt so in Gedanken
versunken, daß ich gar nicht obacht gegeben
habe. Ta, halt mein Gewehr." Er nimmt den
Feldstecher und späht hinüber zu dem Hirschen.
„Aber so ein Hirsch!"
Er atmet tief. „Wastl, wenn das gut naus-
geht —In diesem Augenblick hat er allen
Groll gegen den Füger vergessen. „Komm, wir
müssen rückwärts, sonst sieht er uns."
Sie gehen ein Stück zurück, klettern auf der
Ostseite soweit hinauf, bis sie das Wild direkt
sich gegenüber haben. Hinter einem kleinen
Felskegel geduckt, beobachtet der Graf durch
das Glas dieses Prachtexemplar. Einmal wen
det er kurz den Kopf nach dem hinter ihm kau
ernden Jäger und flüstert:
„Schnauf net so laut, wir haben schlechten
Wind."
Dann legt er das Glas weg und langt mit
der Hand nach rückwärts.
„Gib das Gewehr her."
Im nächsten Augenblick kracht der Schuß.
Graf Bruggstein läßt die rauchende Büchse
sinken.
Der Hirsch wankt, doch nur einen Augen
blick, dann verschwindet er im Wald.
„Hat ihn schon", lacht der Graf und schwenkt
sein graues Jügerhütl. „Komm, Büchler!"
Toni Zaggler hört den Schuß, als er mit
Sack und Pack unterwegs ist in sein neues
Revier. Er blickt hinauf in das Gestein und
Hochlandsroman von Hans Ernst
sieht die beiden Jäger wie zwei kleine, dunkle
Striche sich in dem Felsgewirr abwärts bewe
gen und dann im Wald verschwinden.
„No, also, jetzt hat er seinen Hirschen", nickt
Toni vor sich hin, und geht wieder weiter.
Am zweiten Tag besucht ihn Graf Brugg
stein in seiner Hütte.
„Na, Toni, wie gehts?"
„Dank der Nachfrag, Herr Graf. Arbeit
gibt's genug hier. Drei Schlingen hab ich bis
her gefunden."
„So eine Saubande!"
„Ja, Herr Graf. Es muß eine gutorgam-
sierte Bande sein."
Graf Bruggstein schiebt den Hut in den
Nacken.
„Ich werde noch einen Jäger einstellen. Der
Förster kann den Dreust nicht mehr versehen
und übernimint demnächst einen Posten im
Flachland."
„Und der Büchler?" fragt Toni scheu.
„Der bleibt vorerst bei mir. So zuwider mir
der Kerl auch ist, augenblicklich kann ich nichts
gegen ihn unternehmen. Daß er mir nachts
nicht aussteigen kann, hab ich mein Lager nun
auch in die Küche richten lassen."
Stach einigem Ueberlegen sagt Toni:
„Darf ich für nächste Woche um ein paar
Tage Urlaub bitten?"
Graf Bruggstein hebt überrascht die Augen.
„Urlaub? Ach ja, du kommst kaum mehr
zum Schnaufen. Natürlich kannst du ein paar
Tage haben. Und wenn der neue Jagdgchilfe
da ist, kannst du ein par Wochen haben."
Toni begleitet den Grafen bis zur Grenze
seines Reviers, dann macht er sich auf den Weg
zur Bacheralm, die dem Nödl vom Ambach
gehört.
Die Sennerin, die ihn damals beim Mai
tanz als „Protzigen" bezeichnet hat, ändert an
diesem Abend ihre Ansicht, indem sie feststellt,
daß der Zaggler Toni ein recht gemütlicher
Gesellschafter ist. Bloß ein bißl neugierig ist
er. Sonderbar, für was der Zaggler Toni sich
alles interessiert.
Eine abenteuerliche Fahrt.
Toni Zaggler sitzt in der Wirtschaft in
Ambach und spielt mit dem Postschaffner und
dem jungen Aushilfslehrer Tarock. Um den
Ofentisch sitzen die Bauern. Auch der Rödl ist
Frcderiksborg war nur eine kurze Etappe l
in diesem Feldzuge. Die finnische Weiße Armee
hatte die Bolschewiken von Norden her immer
mehr gegen die russische Grenze gedrückt, und
wir wurden zur letzten kriegerischen Tat ge
gen die Flanke des zurückflutenden feindli
chen Heeres eingesetzt. Der Marsch ins Innere
des Landes begann. Finnland ist ein eigenar
tiges Land. Unser Weg ging durch unendliche
Wälder, an steil abfallenden Küsten entlang,
dann kam ein See, dann wieder ein paar Ki
lometer Wald, dann wieder ein See und
schließlich, nach langem, langem Marsch, eine
große Lichtung, in der sich ein weit zerstreut
liegendes Dorf befand. Unser nächstes Ziel
war der Eisenbahnknotenpunkt Riihimäki.
Auf dem Vormarsch ereignete sich nichts Be
sonderes. Erst als wir in die Nähe des Städt
chens kamen, wurde die Sache dramatisch. Wir
erfuhren, daß der Bahnhof noch keineswegs
vom Feinde geräumt sei und noch ständig Züge
aus dem Norden durchkämen. Die Bolschewi
ken versuchten, auf der großen internationalen
Verbindungsstrecke Haparanda—Petersburg
nach Süden zu entkommen und sich der all
mählich immer enger werdenden Umklamme
rung zu entziehen. Die Bahnlinie mußte un
bedingt in unsere Hand kommen oder minde
stens möglichst rasch unterbrochen werden.
Wir hatten Glück. Bis auf fünf Kilometer
konnten wir uns unbemerkt dem Bahndamm
nähern. Aus mehrjähriger Erfahrung wußten
unsere Richtkanoniere, daß Schießen auf ein
festes oder gar bewegliches Ziel auf diese Ent
fernung recht unsicher sei. Man konnte den
Feind wohl beunruhigen, aber nicht genau
treffen. Plötzlich meldete eine vorgeschobene
Patrouille, von Norden nahe sich ein langer
Eisenbahnzug Riihimäki. Einer unserer jüng
sten Offiziere brachte in aller Eile sein Ge
schütz auf eine kleine Anhöhe, von der man das
Gelände übersehen konnte, setzte sich selbst an
das Zielfernrohr, visierte nach allen Regeln
der Kunst den heranfahrenden Zug und zog
das Geschütz ab. Gespannt verfolgte die ganze
Batterie den Einschlag. Was wir am wenig
sten erwartet hatten, geschah. Unsere kleine
Granate schlug als Volltreffer in einen der
Wagen hinter der Lokomotive ein, ein Blitz,
eine Rauchwolke, und nach einigen Sekunden
kündete ein furchtbarer Knall deutlich den Er
folg unseres Feuers an. Der junge Schütze
hatte ausgerechnet in einen Eisenbahnwagen,
der mit Dynamit gefüllt war, getroffen, und
der ganze Zug von der Lokomotive bis zum
letzten Wagen war restlos in Trümmer ge
gangen. Der Bahndamm hatte an dieser Stelle
ein ungeheures Loch bekommen, das weiteren
Zügen der Bolschewisten ein Durchkommen
nach Süden unmöglich machte. Als sich die Bat
terie der Unglücksstclle näherte, bot sich ein
eigenartiges Bild, eine weitere Folge der Ex
plosion dar. Das Unglück war kurz vor den
ersten Wohnungen der Stadt geschehen. Durch
die große Gewalt des Luftdruckes waren die
unter ihnen,' ein hagerer, dunkelhaariger
Mensch mit scharfen, stechenden Augen. Er
führt das Wort am Tisch der Bauern und weiß
über alles Bescheid.
Toni ist nur halb beim Spiel und läßt sich
keins der Worte vom Rödl entkommen.
Gegen zehn Uhr macht er sich auf den Heim
weg.
„Hast heut Nachtdienst?" fragt der Nödl.
Toni wirft das Gewehr hinter die Achsel.
„Nein, ich hab ein paar Tage frei. Js keiner
dabei, der nach Sintsbach geht? Schad! Zu
zweit käm einem der Weg kürzer vor."
„Ist ja mondhell", sagt der Angerer. „Da
hast ein gutes Gehen."
„Und junge Füß hat er auch", wirft der
Rödl hin und bläst den Rauch seiner Virginia
gegen die Decke.
„Also, gut Nacht beieinander!"
Toni verläßt die Gaststube und nimmt die
Richtung nach Sintsbach.
Kaum hal sich die Tür hinter ihm geschlossen,
wirst der Rödl dem Angerer einen bezeichnen
den Blick zu. Ein Nicken darauf ist die Ant
wort, und dann verläßt der Angerer ebenfalls
die Stube.
Toni geht raschen Schrittes auf der Straße
dahin, tut, als ob er nicht merke, daß ihm
jemand folgt. Aber notgedrungen muß er da
durch fast bis nach Sintsbach. Hinter einer
Scheune bleibt er stehen und wartet. Im hel
len Mondlicht kann er nach einer Weile eine
Gestalt sehen, die wieder rückwärts nach Am
bach geht.
Toni lächelt.
„Schau, wie argwöhnisch der Rödl ist."
Dann kehrt er wieder um und geht auf
einem Waldweg wieder zurück nach Ambach.
Im Wirtshaus ist es inzwischen dunkel ge
worden. Auch die andern Häuser liegen still
und verschwiegen.
Toni streift seine schweren Nagelschuhe ab
und schleicht vorsichtig an das Rödlanwesen
herail.
Das Scheunentor ist versperrt. Aber ein
Stallfenster ist aus. Eng an die Stallmauer
gedrückt, verschnauft der Jäger. Nichts rührt
sich. Dann schiebt er die Schuhe und das Ge
wehr durch das Stallsenster und klettert selbst
nach.
Nun steht er im Stall. Schräg fällt das
Mondlicht durch die kleinen Fenster herein,
so daß sich Toni ganz leicht zurechtfindet.
Eine Kuh erhebt sich schnaubend und schwer-
Holzhäuser entweder ganz von ihrem Funda
ment heruntergeblasen worden, oder sic st»m
den, wenn sie weiter entfernt waren, nur noch
teilweise auf ihrem gemauerten Unterbau.
Alle Fenster waren in Scherben, und für d>e
zwei Glasermeister von Riihimäki begannen
goldene Tage. Der russische Soldat trügt sein
Bajonett ständig aufgepflanzt. Die Gewehre,
welche durch die Gewalt des Dynamits wen
in die Höhe geschleudert worden waren, lande
ten alle mit der Spitze voran wieder auf der
Erde, und in der näheren und weiteren Um-
gebung des verunglückten Zuges konnte inan
sie zu Hunderten umgekehrt im Boden oder
auch in den Häusern stecken sehen.
Der junge Leutnant, der den Hauptschuß
abgegeben hatte, wurde kurz darauf verwun
det und kam als erster deutsche Offizier iim
Lazarett nach Helsingfors. Er hatte einen be
scheidenen Schuß in die Wade bekommen, und
schon nach wenigen Tagen konnten die
wieder ohne Zensur erscheinenden — Helsing-
forser Zeitungen zufriedenstellende Bulletins
von der fortschreitenden Heilung des verwun
deten deutschen Helden bringen. Es begann
ein Sturm der gesamten holden Weiblichkeit
an das Krankenlager des Rekonvaleszente»-
Diescm hatte der Herr ein überaus sonniges
Gemüt und das schätzenswerte Talent ver
liehen, in allen Lebenslagen scharmant usit
Damen umgehen zu können. Bald glich sein
Krankenzimmer dem Ausstellungsraum einer
größeren Handelsgärtnerei. All die Hunderte
von jungen Damen, die ihm ihr Mitleid und
ihre Bewunderung zu Füßen legten, schiede»
begeistert und entzückt von seinem Schmer
zenslager. Die Zeitungen waren voll von dem
„betörenden Jüngling". Als unser Kamerad
nach kurzer Zeit das Krankenhaus verließ,
stellten ihm die Helsingforser Jungfrauen
einen bequemen Wagen mit zwei herrlichen
Pferden zur Verfügung, mit dem er spazieren
fuhr und die ungezählten Diners, Tees und
Soupers bei seinen Verehrerinnen absolvier
te. Es war damals sehr schön und lohnend, in
Finnland leicht verwundet zu werden. Zu er
wähnen ist jedoch, daß der „betörende Jüng
ling" ein hartes Herz hatte, denn er kam un
beweibt aus Finnland in die Heimat zurück,
während mancher unserer Mannen dort oben
sein Herz verlor und sich dort auch verhei
ratete.
Unser Aufenthalt in Riihimäki dauerte nur
drei Tage. Am Orte befand sich eine Bier
brauerei, deren technischer Leiter ein Münche
ner Brauer war. In irgendeinem Winkel der
weitläufigen Kellereien hatte er etwas stärke
res Bier eingelagert, als es die finnische Re
gierung zu brauen erlaubt hatte. Dieses stellte
er uns restlos zur Verfügung, und der sonst
so trostlose Ort war uns dadurch bald aus
Herz gewachsen.
'Fortsetzung folgt.)
füllig, und hinten im Stand grunzt behaglich
ein Mutterschwein.
Toni bleibt stehen und wirft einen Blick
über die Planke. Ein idyllisches, schönes Bild,
das sich ihm bietet. Zwölf kleine Ferkel liege»
rund um die Mutter herum, schnarchen leise
mit geöffneten Mäulern.
Ganz hinten im Eck ist eine Tür.
„Wenn die jetzt in die Scheune führt, kan»
alles ganz gut gehen", denkt Toni, und drückt
behutsam auf die Klinke.
Die Tür öffnet sich und Toni steht im Stadel
vor dem großen, blauen Lastwagen.
Jetzt zieht der Jäger die Schuhe wieder a»
und nimmt die Taschenlaterne zur Hand.
Zuerst schreibt er sich die Wagennuminer
auf, dann leuchtet er alle Bestandteile sorg
fältig ab, klopft mit dem Gewehrkolben die
Wände ab und steigt dann aus den Wagen.
Der Boden ist mit einer Strohschicht bedeckt-
Toni greift mit der Hand den Boden ab, kann
nichts entdecken und will schon wieder um
kehren, als er mit dem Fuß an etwas stößt-
Es ist ein ganz kleiner Eisenriegel.
Toni hat richtig vermutet: der »Wagen hm
einen doppelten Boden. Zwischen dem ersten
und zweiten ist ein hohler Raum von unge
fähr achtzig Zentimeter Höhe.
Der Jäger kriecht in den dunklen, von einem
dumpfen Geruch erfüllten Raum hinein. Des
Kegel seiner Taschenlaterne fällt auf zMsî
Rehe,' einen kapitalen Bock und eine Geiß-
Letztere mußte mit der Schlinge gefangen wor
den sein, denn mau sieht die blutigen Würg
male an ihrem Hals. Des weiteren liegst
noch vier Hasen und ein kleines Gemskw
dabei.
Toni Zaggler überlegt, was er tun soll. DeN
Wachtmeister Gfchwündler verständigen oder
seinen zuerst gefaßten Plan durchführen? ^
entscheidet sich für letzteres, steigt aus dem
Loch heraus, holt sich einen Bauschen Strv»'
mit dem er sich in der Ecke des HohlrauMs
ein Lager zurechtmacht. Dann klappt er dn
Oeffnung über sich zu und wartet.
Um halb drei Uhr hört er, wie das
nentor in den Angeln kreischt. Dann spring
der Motor an. Der Wagen fährt langsam an
hält aber gleich darauf wieder.
Tiere werden aufgeladen mit Flüchen u»
Schelten, wenn eins der Tiere sich recht wider
spenstig anstellt.
(Fortsetzung folgt-).