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129. Jahrgang.
Schleswig-HolsternrsthL
129. Jahrgang.
Renösburger TageblnLt
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Nr. 127
Mtlwoch. tzen 3. 3mn
1938
Deutschland nimmt Abschied:
Ms Şàà-L?àLtî«g
fits Pg. General Litzmann
Der Führer ehrt seinen Weggenossen ans der Kampfzeit — Generalfeldmarschall Blombergs ehrende Gedächtnisrede
Bor der letzten Fahrt Fackeln über die kleine, von märkischen Kie-
fern umsäumte Anhöhe. Er fiel auf die drei
«65 ^k6ü6ütMÜ5 Olli DüiJvty'ÖCS» Findlinge, die der General hier hatte her-
DNB. Neuglobsow, 2. Juni. Trauer ist in
® e ut kleinen verträumten märkischen Erho
lungsort Neuglobso eingezogen, seit sein groß-
Şohn, der Heerführer des großen Krieges und
Nationalsozialistischen Kämpfers, General der
Infanterie Karl Litzmann, seine Augen für
immer schloß. Am Vortage der feierlichen Bei
zung ist kein Haus ohne Trauerschmuck.
Der ganze Ort steht im Zeichen des bevorste
henden Staatsaktes. Einwohner und Trauer-
8aste wollen dem verblichenen Helden ein
Würdiges Geleit bei seiner letzten Fahrt ge
ben.
Im Totenzimmcr des Gutshauses.
Das Wohnzimmer des schlichten Gutshau-
!es, von einem Garten umgeben, in der
Dorsstraße am Dagow-See liegend, ist zum
Dotenzimmer geworden. Die Wände sind mit
bunklem schwarz-rotem Tuch ansgeschlagen,
^us dem dichten Grün der Rückwand ragt ein
schmales silbernes Kreuz hervor, das auf den
schweren Eichensarg herabsieht. Auf dem Sarg
Achen der Helm und der Ehrendegen , den
General Litzmann von Kaiser Wilhelm I. als
Anerkennung für sein hervorragendes Ab
schneiden auf der Kriegsakademie bekam, und
bavor eine fast unübersehbare Flut von Krän
en und Blumen, die die Verehrung und Liebe
Anes ganzen Volkes zu dem greisen Helden
^künden. Vom Fenster fällt der Blick auf den
Dagow-See, der zum Besitztum gehört und
bem General Litzmann besonders lieb war.
^eit Mittag hat vor dem Hause ein Doppel
bosten der Wehrmacht Wache bezogen.
Bor der nächtlichen Ueberführung auf die
"owno-Höhe im Park fand am Dienstagabend
^ch Trauerhause in engstem Familienkreise
b'o feierliche Auslegung statt.
Ae Uebersührmg aus die Kowrichöhe.
. Nach Beendigung der Familientrauerfeier
Armierte sich vor dem Gutshause der Trauer-
^ndukt zur nächtlichen Ueberführung auf die
ìowno-Hôhe im Park zu Neuglobsow. SA.-
chänner setzten den schweren Eichensarg auf
Ze sechsspännige Lafette. Dumpf dröhnten die
^ommelwirbel in die nächtliche Stille. Im
Fackelschein reckten sich die Arme empor zum
,^nß an den großen Heerführer und natio
nalsozialistischen Kämpfer. Dann setzte sich ein
àg Infanterie von der Wachttruppe Berlin
n die Spitze. Es folgte die Lafette mit dem
dahinter gingen die nächsten Angehöri-
^n deģ Generals, in der ersten Reihe sein
S°5n. SA.-Obergruppenführer Litzmann.
stnn schlossen sich SA.-Männer an, die die
^ley Kranzspenden trugen. So ging der
t otwa einen halben Kilometer lang — durch
Fackelspalier der märkischen SA.
k Fn dieser nächtlichen Ueberführung kam
^Nibolhast das Wesen des großen Toten zum
î Usdruck. Der deutschen Wehrgeltung galt
^ ganzes Leben und sein ganzer Einsatz im
^?6on Krieg, und der nationalsozialistischen
^bee gab ei sich in nie versagendem Opfer-
j und beispielloser Tatkraft hin. So gelei-
^^n ihn denn die Männer der wiederstande-
^,n Wehrmacht und der SA. gemeinsam ans
^er nächtlichen Ueberführung.
ein ^ Kowno-Höhe wurde der Sarg ans
şchwarz umsäumten niedrigen Katafalk
odergesetzt, vor dem sich die Kränze zu ei-
gewaltigen Berg häuften. Unter feicrli-
Üfi* ^^ille grüßten die Angehörigen und die
biswn wenigen Zeugen dieser eindrucksvol-
^ Stunde den Dahingeschiedenen mit den
ätschen Gruß. Hell leuchtete der Schein der
schaffen lassen. Ihre Inschriften sind symbol-
haft für sein Leben. Der erste Stein wurde
gesetzt am 18. Oktober 1913 zur Erinnerung
an die große Schlacht bei Leipzig, der zweite
am 18. August 1929 zur Erinnerung an die
Erinnerung von Kowno, bei der sich General
Litzmann besonders auszeichnete, und der
dritte schließlich zur Erinnerung an den 30.
Januar 1933, die Geburtsstunde des Dritten
Reiches. Neben diesen drei Findlingen steht
nun der Sarg aufgebahrt zur letzten Feier.
Z65 fmeMchs NMàM'àis.
DNB. Nen-Globsow, 3. Juni. (Eig. Funkm.)
Schon am frühen Morgen herrscht in Neu-
Glvbsow reges Leben. Aus nah und fern sind
die Ehrenabordnungen der nationalsozialisti
schen Formationen und die Trauergäste mit
der Bahn, mit Omnibussen und zu Fuß nach
der kleinen märkischen Gemeinde geeilt, um
an dem Staatsbegräbnis für General Pg.
Litzmann teilzunehmen. Bewegten Herzens
marschieren sie durch die lange Dorfstraße an
dem Wohnsitz des großen Toten vorbei, der
seit 150 Jahren Besitztum der Familie Litz
mann ist, und der dem alten General sein
ganzes Leben lang stets eine teure Heimat
war, vorbei an der kleinen Schule, die seit
einiger Zeit mit Stolz den Namen General-
Litzmann-Schule trägt, und die der General
schon im Alter von 4 Jahren besuchte. Immer
wieder werden Erinnerungen an den „Papa
Litzmann" ausgetauscht, Erinnerungen an seine
rastlose Tätigkeit in den Jahren des Kampfes,
in denen er trotz seines hohen Alters in Mas
senversammlungen sprach und für den Na
tionalsozialismus warb, Erinnerungen aber
auch an die Tat von Brzeziny, an jene hel
denmütige Waffentat, die seinen Namen in
ganz Deutschland und darüber hinaus in der
ganzen Welt bekannt und berühmt gemacht
hat. Soldaten des Krieges und die Kämpfer
der nationalsozialistischen Bewegung haben sich
hier zusammengefunden, um zum letztenmal
den Mann zu ehren, der ihnen beiden ange
hört: Den Armeegruppenführer des Weltkrie
ges und den nationalsozialistischen Vorkämp
fer.
Auf der Kowno-Höhe haben bereits um
9 Uhr die Ehrenabordnungen Aufstellung ge
nommen. Eine Ehrenkompagnie der Wehr
macht, ein Ehrensturm der SA. und ein Zug
der Leibstandarte Adolf Hitler stehen ange
treten. Hinter ihnen ist die ganze Höhe um
säumt von den Fahnen der Politischen Leiter,
der SA. und den Traditionsfahnen der Wehr
macht. Nur der Platz in der Mitte der Anhöhe
vor dem Sarg ist freigelassen. Immer noch
werden Kränze niedergelegt. Auf dem Sarge
liegen der Helm und der Ehrendcgen des Ge-
Zrr Der Spannung Nalren—EngTandi
Der Interefsenkampf im Mittelmeer
England-Italien: Der Kampf um neue Ziele
beginnt.
Mit einem Schlag ist der Kampf um die An
erkennung der Annexion Abessiniens zwischen
England und Italien in gegenseitiger Ueber
einstimmung so weit in den Hintergrund ge
rückt, daß dadurch die von uns hier wiederholt
angekündigte stillschweigende Anerkennung
eigentlich schon Tatsache geworden ist. An dessen
Stelle ist nunmehr der Kampf um die Siche
rung der kolonialen Verbindungswege getre
ten. Dieser wäre schon schwierig genug, wenn
sich die englische und die italienische Straße
auch nur ein einziges Mal kreuzen würden.
Tatsächlich laufen sie jedoch durch die ganze
östliche Hälfte des Mittelmeers und an der
ganzen nordostafrikanischen Küste parallel mit
einander, ja decken sich sogar! Das erschwert
die Auseinandersetzung naturgemäß ganz er
heblich. Andererseits liegt darin für beide
Mächte die geradezu zwingende Notwendigkeit,
sich auf irgendeine Weise zu einigen, zwingend
deshalb, weil eine machtpolitische Auseinander
setzung keiner der beiden Staaten ohne schwer
ste Schädigung durchhalten kann. Das endgül
tige Ziel ist bereits dadurch bedingt, daß Ita
lien ans ein freundschaftliches Verhältnis zu
England als der Beherrscher der Mittelmeer
macht nicht verzichten kann und England selbst
einen latenten Zustand der Bedrohung seines
Seeweges nach Indien sowie seine ostafrikani
schen Interessen keinesfalls hinnehmen kann.
Die ersten Wegweiser zu diesem Ziel wurden
bereits durch die diplomatischen Mitarbeiter
des „Daily Telegraph" und der „Times" einer
seits, durch den italienischen Botschafter Grandi
in London andererseits aufgestellt, wobei es für
das Endergebnis völlig unerheblich ist, ob die
„Entspannungsoffensive" nunmehr von Rom
oder mehr von London aus betrieben wird.
Selbst die Sanktionsfrage ist nicht mehr un
bedingt entscheidend. Schon machen sich in Eng
land Bestrebungen bemerkbar, auch bei einer
Vertagung der Sanktionsentscheidung auf die
Genfer Septembersitzung ein für Genf und
London in gleicher Weise annehmbares Kom
promiß zu konstruieren. Letzten Endes laufen
Englands und Italiens Interessen in Afrika
auf eine ebenso lange Strecke parallel wie ihre
Verbindungswege dorthin. Danach wird man
in Rom und London mit aller Wahrscheinlich
keit zu handeln wissen.
Moskau schürt die Flammen allüberall.
„Zentralkomitee der Kommunistischen Par-
. tei Palästinas" sind die Broschüren und Flug
zettel unterzeichnet, die man jetzt bei den nach
Palästina geworfenen englischen Truppen ge
funden hat. Diese Tatsache beleuchtet den gan
zen Ernst der dortigen Lage. Er wird noch ge
steigert durch solche Momente wie die Bereit
stellung weiterer dreier englischer Regimenter,
durch die Zerstörung sämtlicher von Jerusalem
ausgehenden Telegraphen- und Fernsprech-
leitungen, durch unaufhörliche blutige Zusam
menstöße, Brandstiftungen, Bombenanschläge,
ja sogar durch die Plünderung eines britischen
Waffen- und Munitionslagers und durch die
Flucht der Araberführer aus dem britischen
Gefängnis zu den kämpfenden Aufständischen
im nahen Gebirge. Die Zahl der Todesopfer
ist bereits so hoch, daß die britischen Behörden
sich angesichts der ständigen Auswirkung der
Leichenbegängnisse zu politischen Kundgebun
gen zu der ungewöhnlichen Maßnahme veran
laßt sahen, den Ausschluß der Oeffentlichkeit
bei solchen Beerdigungen anzuordnen. Entge
gen britischen Darstellungen hat sich die Lage
noch verschärft durch die absolute Weigerung
der arabischen Bürgermeister, den Streik abzu
blasen. Dies war von englischer Seite gefordert
worden als Vorbedingung für die Ueberprü-
filng der arabischen Beschwerden durch eine
britische Kommission, die bekanntlich bereits
vorbereitet wird. Die Araber ihrerseits ver
langen als Vorbedingung für die Einstellung
des Streiks wie des ganzen Kampfes eine bin
dende Verpflichtung Englands zur Einstellung
der jüdischen Einwanderung. Unterdessen soll
die Zahl der Toten die Dreihundert bereits
überschritten haben. Stärker als je machen sich
die Auswirkungen der palästinischen Kümpfe
in Transjordanien, Syrien und Aegypten be
merkbar.
Das Wettrennen um Aegypten
zwischen Italien und England scheint bereits
zugunsten Englands entschieden zu sein. Wenn
nicht alle Anzeichen trügen, dann bringt der
britische Obcrkommissar von Aegypten, Sir
Miles Lampson, den fertigen Entwurf eines
englisch - ägyptischen Militürvertrages aus
Kairo nach London mit. Es ist immerhin eine
Nuance von politischem Reiz, wenn er mit die
sem überaus wichtigen Dokument in der Tasche
seinen Weg ausgerechnet über — Brindisi
nimmt. Sollte die englische Regierung dem
Entwurf zustimmen, so würde sie einen dop
pelten Erfolg verbuchen können. Einmal würde
sie dem italienischen Angebot eines Nichtan
griffspaktes mit Aegypten zuvorkomme» und
zweitens würde die von Aegypten immer wie
der vertretene Forderung nach Zurückziehung
der britischen Truppen aus Aegypten und be
sonders aus der Kanalzone wieder einmal auf
unabsehbare Zeit vertagt werden. Denn der
Vertragsentwurf sieht zwar eine Verdoppe
lung der ägyptischen Streitkräfte, aber auch
eine ganz erhebliche Verstärkung der englischen
zu Wasser, zu Lande und zur Luft vor, nicht
zuletzt in der Kanalzone. Bleibt die Frage,
was England für ein so weitgehendes ägypti
sches Zugeständnis seinerseits zahlen will und
was Italien tun wird.
* * *
134 Tote, 4064 Verletzte in einer Woche!
Eine ôļalêstik der Mrmmg!
DNB. Berlin, 2. Juni. Reichsvcrkehrsmini-
ster Freiherr von Eltz-Rübenach teilt mit: In
der vorigen Woche wurden im Straßenverkehr
134 Personen getötet und 4064 Personen ver
letzt. Durchschnittlich kommen z. Zt. im Stra
ßenverkehr des Reiches wöchentlich 120 Men
schen um und rund 3000 Menschen werden
verletzt.
Fußgänger, Radfahrer, Pferdekutscher, Kraft
fahrer, schieb' nicht einer die Schuld auf' den
anderen! Jeder erziehe sich dahin, daß die
Unfallzahlen, die ich von jetzt ab wöchentlich
bekanntgeben werde, sich verringern.
* * *
Minister Hmnn über seine Eindrücke
in ZeuļWaà
Kultus- und Unterrichtsminister Dr. Ho
man äußerte sich vor Pressevertretern über
seine Eindrücke in Deutschland. Als größtes
Erlebnis bezeichnete er die monumentale
Weise, in der deutsche Kraft und systematische
Ordnung in allen Organisationen zum Aus
druck kommen. In allen Städten sei die Ent
wicklung zur Größe wahrzunehmen. Man
stehe den Ergebnissen einer unglaublich raschen
Entwicklung gegenüber. Diese Monumentali
tät offenbare sich in der gesamten Planwirt
schaft. Ueber seinen Besuch beim Führer und
Reichskanzler sagte der Minister unter ande
rem: „An der Person Adolf Hitlers hat mich
vor allem sein einfaches, unmittelbares und
ungezwungenes Auftreten ergriffen."
*
Finnland-Reise des Königs von Schweden.
König Gustav von Schweden ist am Dienstag
abend mit dem Flugzeugmutterschiff „Got
land" nach Finnland abgereist, um den vor
jährigen Besuch des finnischen Staatspräsi
denten Svinhufvud in Stockholm zu erwidern.
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