Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Allerlei aus aller Welt 
Der Elefant im Knopfloch. 
Als König Chulalongkorn von Siam nach 
England kam, imponierte ihm am meisten 
die Küche des englischen Königshauses und 
vor allem der Koch, der es meisterhaft ver 
stand, echte siamesische Gerichte vorzüglich zu 
zubereiten. Der König von Siam ließ also 
den Koch zu sich kommen und bemühte sich 
zwei Stunden lang, ihn dazu zu bewegen, 
einen langfristigen Kontrakt nach Siam anzu 
nehmen. Aber der Koch wollte in London blei 
ben und winkte ab. Da entschloß sich der Kö 
nig von Siam zu einer besonderen Auszeich 
nung: „In Anbetracht Ihrer Verdienste um 
meinen Magen wurde ich Sie mit dem wei 
ßen Elefanten von Siam belohnen!" Als 
Fitsch eine halbe Stunde später dem Koch be 
gegnete, machte dieser ein todunglückliches Ge 
sicht. Er zerbrach sich nun schon 30 Minuten 
lang den Kopf, wo er den weißen Elefanten 
unterbringen könne. In den Palast könne er 
ihn nicht gut nehmen. Man würde ihn sonst 
für einen Tierbändiger halten. Schließlich 
fragte er vertrauensvoll den Detektiv Fitsch. 
ob dieser nicht dem Londoner Zoo den Ele 
fanten verkaufen wolle. Er atmete hörbar auf, 
als man ihm erklärte, daß der weiße Elefant 
von Siam einfach ein Orden sei, den man 
bequem im Knopfloch zu tragen vermag. 
Schädelopcrationen bei den alten Indianern. 
Ter Anthropologe Alex Hrdlicka bereist im 
Auftrage der Smithsoian-Jnstitution einen 
großen Teil Alaskas. Er stieß hier auf Spu 
ren von Indianern, die etwa vor 2000 Jahren 
dort gelebt haben dürften. Aus den Schädel 
untersuchungen ergab sich, daß sie in äußerst 
geschickter Form Schädelaufmeißelungen an 
lebendigen Personen vorzunehmen verstan 
den und diese Operierten jene gefährlichen 
Eingriffe auch wirklich überlebten. Da man 
in Peru, Bolivien und Columbia ähnliche 
Feststellungen an Jndianerschüdeln machte, 
ergeben sich interessante Zusammenhänge für 
die Erforschung des Wanderungsweges je 
ner Indianer. 
Eine Professur für Guitarrespicl. 
Vor Wochen verlautete, daß die spanische 
Regierung beim National-Konservatorium 
einen Lehrstuhl für Guitarrespielen ein 
gerichtet habe. Nun ist auch schon der erste 
Professor, Don Regino Sainz, ernannt wor 
den. Durch diesen Lehrstuhl soll die alte spa 
nische Kunst des Guitarrespielens und des 
Volkstanzes wieder belebt werden. Man 
hatte nämlich in Spanien mit Sorge in letz 
ter Zeit beobachtet. — daß — beeinflußt durch 
Radio und Filme — die spanische Jugend sich 
mehr für die leichten Tänze interessierte, die 
in Paris, London und Newyork erdacht wur 
den. In Kürze plant man sogar einen Ton 
film rein spanischen Ursprungs herzustellen, 
der die berühmten katalanischen Schwerttänze 
bringen soll, begleitet von jener Guitarrenmu 
sik, die hochschulmüßig gelehrt in einzigarti 
ger Vollendung Spanien neuen Ruhm ein 
tragen soll. 
Kleine Eisberge. 
Kleine Eisberge sind oft den Walfänger 
schiffen in den antarktischen Gewässern sehr 
hinderlich. Bisweilen können sie ein Schiff 
inehrere Tage lang verfolgen, selbst wenn die 
ses den Kurs ändert, um ihnen zu entkommen. 
Die Mannschaft nimmt dann oft ein altes 
Kabel und bindet die Eisberge an einer 
Klippe oder an einem größeren Eisberge ge 
wissermaßen fest. 
Sonnenbäder in amerikanischen Gefängnissen. 
Der Gouverneur eines Gefängnisses in 
Buffalo hat für seine Gefangenen jetzt Son 
nenbäder eingeführt. Ein Teil des Daches 
wurde in eine Art Dachgarten umgewandelt, 
auf dem sich die Gefangenen im Sommer 
bräunen lassen können. Andere Gefängnisse 
sind diesem Beispiel bereits gefolgt. Die ame 
rikanische Oeffentlichkeit billigt diese Humani 
tätsduselei, die die Kriminalität nur zu för 
dern geeignet ist, durchaus nicht, zumal na 
mentlich die neueren Gefängnisse den Gefan 
genen ohnehin einen Komfort bieten, den sich 
die meisten amerikanischen Arbeiter, von den 
Arbeitslosen ganz zu schweigen, niemals lei 
sten können. Außerdem werden für die Mo 
dernisierung oder den Neubau von Gefängnis 
sen in der letzten Zeit Mittel aus dem Fonds 
für Notstanösarbeiten benutzt, und die ameri 
kanische Oeffentlichkeit ist im allgemeinen der 
Ansicht, daß Notstandsarbeiten nicht unbe 
dingt zur Förderung der Bequemlichkeit von 
Verbrechern zu dienen brauchen. 
Das Fangnctz für die Soune. 
In den peruanischen Anden gibt es ein 
höchst merkwürdiges Denkmal. Hier stehen 
nämlich auf zwei benachbarten Felsspitzen 
zwei Türme ziemlich nah beieinander. Die 
Türme wurden vor vielen hundert Jahren von 
den damaligen Bewohnern der Gegend er 
richtet, die ein Riesennetz zwischen diesen Tür 
men ausspannten und glaubten, damit die 
Sonne fangen zu können. 
Eine Giraffe vor dem Tunnel. 
Der Holland-Tunnel unter dem Hudson ist 
ein Werk der Technik, das viel bewundert 
wurde,' und doch hat er sich in einem ganz be 
stimmten Fall als unzulänglich erwiesen. Neu 
lich mußte eine Giraffe von Jersey City nach 
dem Zirkus in Madison Square Garden ge 
schafft werden, und der Weg führte durch den 
Ein Wüstenerlebnis 
Das war in einer kleinen Gesellschaft, die 
sich zusammengefunden hatte, um die Heimkehr 
der ersten Karl-May-Filmexpedition zu fei 
ern. Alle waren wißbegierig,' man hatte sich 
in Gruppen aufgeteilt und war im eifrigsten 
Gespräch. Nur um Erich Haußmann, den Dar 
steller des Abu Seif in dem Syndikat-Film 
„Durch die Wüste", war es ganz still. Hauß 
mann ist ein wahrer Moltke unter den Schau 
spielern. Ein Kunststück, ihn zum Sprechen 
zu bringen! Einer aber hat es fertig bekom 
men. Er stellte ihm wortlos eine Flasche 
Soda auf den Tisch und den Whisky daneben. 
Der Schauspieler nickte nur dankbar, goß sich 
ein, trank. Und lachte plötzlich, wie aus einer 
Erinnerung heraus, laut auf. Alles blickte zu 
ihm hin. 
„Ich kann diesen alten Löwen nicht verges 
sen", sagte Haußmann ohne jede besondere 
Aufforderung. „Wir haben viele Löwen ge 
sehen und waren ihren Anblick gewöhnt. 
Eines Tages überraschte mich so ein alter 
Kerl, als ich gerade bei der Morgenwäsche war. 
Ich konnte deutlich das Weiße in seinem Auge 
sehen, und das störte 'mich. Also nahm ich 
meine Waschschüssel und schleuderte ihm die 
ganze nasse Ladung ins Gesicht. Das kam ihm 
wohl doch etwas unfreundlich vor,' er machte 
kehrt und lief im Zuckeltrab davon." 
Lauter ungläubige Gesichter waren fragend 
auf Haußmann gerichtet, doch wagte es nie 
mand, dem allgemeinen Gedanken Ausdruck 
zu geben: er flunkert. Haußmann war wieder 
in Schweigen versunken und sprach kein 
Wort mehr. Er nippte nur behaglich an sei 
nem Whisky-Soda. 
Da sprang Heinz Evelt, der Darsteller des 
Hadschi Halef Omar, auf: 
„Also so ist das? Du warst schuld? Und 
ich habe mich immer gewundert, wo der alte 
Löwe den nassen Vollbart her hatte, als ich 
ihm im Vorbeigehen den Kopf kraulte. — So 
eine kleine Marotte von mir, allen Löwen die 
Mähne zu kraulen," setzte er, zu der Gesell 
schaft gewendet, hinzu. 
Tunnel, d. h. er sollte führen,' denn das -r.>er 
wollte nicht in die Oeffnung des Tunnels 
passen, und nicht einmal den vereinigten An 
strengungen der beiden Wärter gelang es, dw 
Giraffe zu bewegen, sich in ihrem Transport 
wagen niederzulegen. Eine Beförderung über 
die nächste Brücke, die einige Meilen entfernt 
liegt, hätte Tage in Anspruch genommen, da die 
Giraffe mit Rücksicht auf ihre Empfindlichkeit 
nur mit einer Geschwindigkeit oder, besser ge 
sagt, Langsamkeit, von anderthalb Stunden 
kilometern befördert werden darf. Endlich ent 
schloß man sich, eine Fähre zu nehmen, und so 
gelangte die Giraffe um Mitternacht wohlbe 
halten an ihrem Bestimmungsort an. 
Kann man ohne Salz leben? 
Drei englische Aerzte, die die Bedeutung des 
Salzes für den menschlichen Organismus stu 
dieren wollten, unterwarfen sich für eine Wo 
che einer strengen salzlosen Diät. Ein Arzt 
vom Kings College Hospital überwachte ihre 
Mahlzeiten. Das Ergebnis dieses Versuchs 
war, Schwinden jeden Appetits auf Nahrung 
und sogar auf Zigaretten, Uebelkeit, Muskel 
krämpfe, starke Müdigkeit,' die drei Aerzte 
konnten stundenlang völlig untätig auf einem 
Stuhl sitzen. Diese Symptome entsprechen den 
Erscheinungsformen einer sehr seltenen Krank 
heit der Nieren, der Addison-Krankheit, bei 
der das Salz in der Heilbehandlung eine große 
Rolle spielt. 
Sie Me» zur LlyWiuìe Me»:... 
daß Olympia im Peleponnes in der Landschaft 
Elis lag,' 
daß die Olympischen Spiele der Sage nach von 
Herakles gegründet wurden: 
daß das Stadion von Olympia 214 Meter lang 
und 30 Meter breit war und 50 000 Zuschauer 
faßte,' 
* 
daß das Jahr der ersten Olympischen Spiele 
uns unbekannt ist: 
daß 776 v. Chr. erstmalig der Name.des Sie 
gers im Kurzstreckenlauf aufgezeichnet wurde. 
Er hieß Korvibvs aus Elis und war von Be 
ruf Koch,' 
* 
daß das Wort Stadion ursprünglich ein Län 
genmaß bezeichnete. Ein Stadion in Olympia 
betrug ungefähr 192 Meter. 
Toni Zaggler / 
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Manz, 
München. 
Nachdruck verboten. 
Alle Geräusche dringen nur undeutlich an 
das Ohr des Jägers. Nur den dumpfen, schwe 
ren Schritt der Tiere vernimmt er deutlich, 
und der Boden über ihm ächzt und zittert 
manchmal. 
Dann geht es fort in rascher Fahrt. Aber 
schon nach einer kurzen Weile hält der Wagen 
wieder. 
Bei Toni spannt sich jeder Nerv. So gut es 
geht, richtet er sich auf und zieht beide Hähne 
seines Gewehres hoch. Im Fall einer Ent 
deckung will er sofort aufs ganze gehen. 
Im Rückteil des Wagens öffnet sich ein 
meterbreiter Spalt. Es muß also da ein 
Mechanismus angebracht sein, den Toni trotz 
eifrigen Suchens nicht finden konnte. 
Ein Stück wird hereingeworfen, ein zwei 
tes und drittes. Dann hört man die Stimme 
Rödls. 
„Js das alles?" 
Eine Atwort kommt. Das ist der Stein 
müller Bartl. 
„Denk dir, der Graf hat den Büchler zu sich 
genommen und der Toni ist im Büchler sein 
Revier. Drei Schlingen hat er mir weggenom 
men, der Hundling." 
„Der Toni hat aber ein paar Tag Urlaub. 
Gestern abend war er in Ambach." 
„Teusi! Er wird doch nix in der Nas'n 
haben." 
„War auch mein erster Gedanke. Aber ich 
hab ihm den Angerer nachgeschickt, wie er 
heim ist. Gelt, Angerer, du bist ihm nach bis 
Sintsbach?" 
„Ja, bis Sintsbach", antwort der Angere 
dete. „Da brauchen wir nix befürchten von 
dem. Der schlaft schon lang wie ein Mankerl." 
(Murmeltier.) 
„No also, Bartl, dann nütz die Gelegenheit 
aus. In letzter Zeit is er nimmer recht zu 
frieden." 
Die Oeffnung schließt sich wieder, ganz laut 
los, ohne jedes Geräusch, und der Wagen 
fährt an. 
In ein paar Ortschaften wird angehalten und 
noch Vieh dazugeladen. Endlich geht es ohne 
Aufenthalt weiter. 
Toni in seinem dunklen Gefängnis denkt 
angestrengt darüber nach, wer dieser „Er" sein 
könnte. Im Geist stellt er M die verblüfften 
Hochlaudsroman von Hans Ernst 
Gesichter des Rödl und des Angerer vor, 
wenn er plötzlich vor ihnen steht. 
Endlich hält der Wagen im Hof des Schlacht 
hauses in München. 
Das Vieh wird abgebunden, und es dauert 
fast über eine Stunde, bis die Fahrt wieder 
weitergeht. 
Toni kriecht vor und stemmt sich mit dem 
Rücken gegen die Decke über sich. Irgendwo 
muß doch die Oeffnung sein, durch die er her 
eingestiegen ist. Da ist sie schon! 
Als er vorsichtig den Kopf heraussteckt, sieht 
er, daß der Wagen stadteinwärts in viele 
Seitenstraßen einbiegt und schließlich in ei 
nem schmalen, von hohen Häuserfronten um 
gebenen Hof endet. 
Toni huscht blitzschnell aus seinem Versteck 
heraus und springt vom Wagen. Im selben 
Augenblick wird ein Schubtor aufgeschoben: 
der Winninger kommt mit zwei Männern 
zum Vorschein. Rödl und Angerer springen 
vom Führersitz. 
Rödl erblickt den Jäger zuerst und wechselt 
die.Farbe. Jetzt starren zehn Augenpaare den 
Jäger an, der das Gewehr hochreißt und 
schreit: 
„Keiner rührt sich oder es kracht!" 
Winninger findet zuerst die Sprache wieder. 
Er tut harmlos: 
„Was wollen Sie denn eigentlich hier?" 
Der Jäger gibt keine Antwort. 
„Lassen's mit sich reden, Zaggler", sagt der 
Winninger und macht ein paar Schritte vor. 
„Halt!" schreit Toni. „Fünf Schritt vom 
Leib oder es kracht!" 
Der Angerer ist blitzschnell unter den Wa 
gen gekrochen. Da gibt Toni einen Schreck 
schuß ab. 
Im Augenblick öffnen sich fast sämtliche 
Fenster und Leute, vom Schlaf aufgeschreckt, 
sehen auf das seltsame Bild da unten im Hof. 
Sie hören den Pfiff, den Winninger abgibt 
und sehen aus einem Keller einen Mann 
springen, der den Jäger von hinten ansprin 
gen will. 
Toni merkt in der letzten Sekunde die Ge 
fahr und fährt dem Angreifenden mit dem 
Gewehrkolben ins Gesicht, daß er blutüber 
strömt zusammenknickt. 
Trotzdem ist die Lage jetzt für Toni recht 
bedrohlich und es bedarf eines zweiten Schreck 
schusses, um sich die Wilderer- und Hehler 
bande vom Leib zu halten. Da erscheint der 
von einem Hausbewohner herbeigerufene 
Schutzmann und fünf Minuten später führt 
das Ueberfallkommando vor und bringt Win 
ninger und Genossen zur Polizei. Auch Toni 
findet sich dort ein. 
Rödl und Winninger halten dicht und sind 
zu keiner Aussage zu bringen. Sie behaupten, 
das Wild rechtmäßig erworben zu haben. 
Aber da führt Toni dazwischen: 
„Graf Bruggstein verkauft kein Wild an den 
Winninger." 
„Ich habe nicht gesagt, daß ich das Wild von 
Graf Bruggstein habe", beteuerte Winninger. 
„Es gibt noch andere Jagden, Bauernjagden, 
deren Pächter mir verkaufen." 
„Das kann schon sein. Da werden vielleicht 
ein Hirsch und ein paar Rehböcke gekauft und 
unterwegs wird das in Graf Bruggsteins Re 
vier Gewilderte dazugeladen. 
Rödl und Winninger wissen für alles eine 
Erklärung. Zu ihrem Unglück aber wider 
spricht sich der Angerer ein paarmal, als er 
ins Kreuzverhör genommen wird und der 
Kriminalbeamte erklärt nach einer halben 
Stunde Winninger und Genossen für drin 
gend verdächtig und ordnet die sofortige Un 
terbringung ins Untersuchungsgefängnis an. 
Als sie abgeführt werden, wirft der Win 
ninger dem Toni einen Blick zu voll Haß und 
Wut. 
Toni lächelt ihm kalt ins Gesicht und sagt: 
„Der Bartl wird auch bald nachkommen." 
Der Rödl will darauf noch etwas antwor 
ten, doch der Polizist schiebt ihn unsanft über 
die Schwelle und die Tür schnappt ins Schloß. 
Toni aber telegraphiert voll Stolz an Graf 
Bruggstein auf Schloß Wandeck bei Sints 
bach: ' 
„Winninger mit Bande verhaftet. Näheres 
mündlich. Toni." 
„Und jetzt geht's dem Bartl an den Kragen." 
Mit diesem Vorsatz steigt der Toni zwei 
Stunden später in den Zug, der ihn wieder 
nach Hause bringt. 
Graf Bruggstein ist mit Büchler soeben von 
der Pirsch zurückgekommen, als der Diener 
Wilhelm schwitzend den Waldweg herauf 
kommt und ein Telegramm überreicht. 
Hastig greift der Graf danach und sein er 
ster Gedanke ist, daß mit Juta etwas gesche 
hen sein könnte. 
Aber dann springt er wie elektrisiert auf die 
Füße. 
Was war denn da geschehen? Wie kam denn 
Toni nach München? Wie mag er es nur zu 
wege gebracht haben? Er, der Jüngste von 
seinen Jägern! 
Am liebsten wäre er in die Hütte gestürzt 
und hätte dem Büchler das Telegramm unter 
die Nase gehalten und ihm gesagt: „Da schau 
her, was der Toni fertiggebracht hat!" Aber 
noch sind die Zusammenhänge unklar. Er will 
lieber warten, bis Toni zurückkommt. 
Und er wartet mit Ungeduld. 
Die Sonne verbrennt an den Felsen. Alles 
versinkt in Ruhe und wundersamen Frieden- 
Büchler sitzt vor der Hütte und schmiert die 
Jagdschuhe seines Herrn, der neben ihm sitzt 
und sein Pfeiflein raucht. 
Da werden vom Steig herauf Schritte hör 
bar. Gleich darauf taucht Toni zwischen de» 
Latschen auf, tritt vor seinen Herrn hin und 
meldet in dienstlich knappem Ton den Verlaus 
seiner Aktion. 
Graf Bruggstein schüttelt ihm kräftig die 
Hand. 
„Toni, du bist ein ganzer Kerl. Darum hast 
du mich also um Urlaub gebeten." 
Er wendet das Gesicht noch Büchler, der in 
fassungslosem Schreck vor sich hinstarrt. 
„Büchler, da nimm dir ein Beispiel an dein- 
Ein Jahr ist er im Dienst und hat mehr fcï* 
tig gebracht wie du in drei." 
Toni wirft einen kurzen Blick auf den Kol' 
legen. Dann sagt er: 
„Das ist erst der Anfang, Herr Graf. Nach'' 
dem nun der Winninger, das Haupt der Bam 
de, hinter Schloß und Riegel sitzt, sind die an 
deren leicht zu fassen. Wenn auch der Rost 
und der Winninger nichts ausreden, der Am 
gerer ist net so sicher, und wenn er richtig im 
Kreuzverhör g'nommen wird, dann gibt cï 
die anderen auch noch an." 
Büchler steht mit aschfahlem Gesicht. Es zu^ 
um seine Augen und um seinen Mund. 
Da sagt der Graf: , 
„Toni, den Tag wollen wir feiern. Ist noşş 
Bier im Keller, Büchler?" 
Der nickt nur. Seine Kehle ist wie zug^ 
schnürt. 
Im selben Augenblick, als Graf Bruggst^ 
in die Hütte will, füllt oben in den Beķ" 
ein Schuß. 
Alle drei starren zur Höhe hinauf. Da" 
stürzt Graf Bruggstein in die Hütte und m 
das Gewehr. Ohne Joppe und Hut, nur o 
Büchse in der Hand, eilt er davon, die ' 
den Jäger hinter ihm nach. Einmal dreht 
das Gesicht. Seine Augen bleiben am Bücht 
haften. Dann sagt er: . 
„Du bleib zurück, Büchler. Komm, Toü' 
dich brauch ich." 
(Fortsetzung folgt-).
	        
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