Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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^^Jahrgang | Nr. 128 
Şuv Unterhaltung 
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt) 
Donnerstag, Sen 4. Juni 1936 
Von Spinnen, Göttinnen vnd Aberglauben 
Von E r w i n S t o l t e. 
Spinnen spielen im Volksaberglauben eine 
öroße Rolle. Sieht man frühmorgens eine 
spinne, so sagt bas Sprüchlein: Spinne am 
Morgen, Kummer und Sorgen. Sieht man sie 
..Er am Mittag, so kann man guter Dinge 
lein, denn: Spinne am Mittag, Glück auf den 
Ģ.tten Tag. Auch die Abendspinne will uns 
^ohl: Spinne am Abend, erquickend und 
labend! 
,Bon der Kreuzspinne geht die Sage, daß 
Einstmals die Göttin Minerva voller Neid ein 
àtz, das diese Spinne gesponnen, zerrissen 
habe, weil die Kunstfertigkeit der kleinen 
^iere ihre eigene übertraf. Bei den Mohamme 
danern gilt die Kreuzspinne als heilig, weil 
Kreuzspinne Mohammed auf der Flucht 
l'or seinen Feinden das Leben gerettet haben 
M. Mohammed hatte sich in einer Grotte ver 
aeckt, und während der Nacht webte eine Spin 
ne ihr Netz vor dem Eingang. Als die Ber 
giger das Spinnennetz sahen, hielten sie die 
trotte für leer und untersuchten sie gar nicht 
Wenn die Spinne den Kopf aus ihrem Ver 
lock herausstreckt oder ihr Netz zu weben be- 
8"rnt, gibt es gutes Wetter. Kriecht sie aber 
Möglichst tief in ihr Versteck hinein, mit dem 
Ķopf nach innen gewandt, so gibt es innerhalb 
gerundzwanzig Stunden Regen. Diese Wet- 
grvorhersage ist zuverlässiger als manches 
Barometer. 
Am meisten von Sagen umsponnen ist die 
^arantel, die ihren Namen von der Stadt 
parent bekommen hat. Die Tarantel ist eine 
Aaubspinne, die man überall an den Küsten 
"es Mittelmeeres findet. Auch in Süd-Frank- 
^ich kommt sie häufig vor. In all diesen Ge 
llenden glaubt man, daß ein Mensch, wenn er 
der Tarantel gebissen wird, einen wilden, 
Wirbelnden Tanz zu tanzen beginne. Andere 
Hehaupten, daß das Gift der Tarantel eine 
Art Krämpfe hervorrufe oder den Verletzten 
! n einen schweren Schlaf versenke. Der italieni 
sche Arzt Baglivi, der um 1700 lebte, glaubte 
steif und fest, daß es gegen den Biß nur das 
^iiie Heilmittel gäbe: zu tanzen, bis man vor 
Müdigkeit zusammenbräche. Er hat sogar ge 
wisse Melodien aufgezeichnet, die für diese 
Ģlle am geeignetsten sein sollten. 
, Ueber die Kreuzspinne gibt es übrigens noch 
^ne andere Sage, die in Griechenland erzählt 
î^rd. Dort lebte die Tochter eines Purpur- 
mrbers, die Arachne hieß. Sie sollte die Kunst 
j: e § Webens von Pallas Athene selber gelernt 
haben. Arachne wurde bald um ihrer Webe- 
^ien willen berühmt, dann jedoch wurde sie 
llhermütig und forderte ihre Lehrmeisterin 
Die Garde stürmt 
Mit dem Namen des Generals Litz- 
Mann ist eine der unvergänglichsten Waf- 
ientaten des deutschen Heeres während des 
Weltkrieges verbunden. Theodor Jakobs gibt 
in seinem Werk „Der Löwe von Brzeziny" 
(Hanseatische Verlagsanstalt AG., Leinen 
3 RM.) eine Darstellung der Schlacht, in de- 
ien Mittelpunkt die heroische Tat des Gene 
rals Litzmann steht. Dem vorgenannten 
Werk entnehmen wir nachstehend einen Ab 
schnitt, der uns den heldenmütigen Sturm 
ourch den Galkower Wald schildert. 
. Am dunklen Bahndamm im Galkower Wald 
v ckren leise Waffen. Gedämpfte Stimmen 
fatten von Ohr zu Ohr einen Befehl. Der 
b t Schrei eines Nachtvogels kommt aus 
Men Wipfeln, harsch raschelt der Wind im 
brren Ginsterkrant. Unheimlich wird das 
Zweigen. Den Russen packt dumpfe Angst, 
chNlos beginnt er zu schießen. Die graue Li- 
j lc antwortet nicht. Jetzt bricht der Mond Hin- 
tz? Wolkensetzen hervor, gießt sein Licht über 
^.E Stätte, daß der Schnee bläulich glänzt. Im 
chatten des Waldrandes gehen zwei Offi 
ce. „Sind die Vataillonsfahnen in guter 
rckung? Weiß der Verbindungsposten, daß 
Äser Gefechtsstand in der ersten Linie ist?" 
"üamohl, Exzellenz. Ich gestatte mir, darauf 
^Merksam zu machen, daß die Gefechtslei- 
~ na " c Vi'fi ttifvtf) mrtS fiiAoit mnssr»rt 
8 ." „Ich weiß, was Sie sagen wollen. 
^IP .... - , ... ^ y- y" • i . . . • Pi. 
j~! e Meinen's gut mit mir. Doch hinten ist 
„. Er Mann überflüssig." „Wenn Exzellenz 
jj.. Unglück trifft?" „Dann übernehmen Sie 
Hauptmann von Kriegsheim sofort das 
^rnmando und versuchen ohne Zaudern 
^ Ieziny zu erreichen. — Und nun — seien 
ņ E vernünftig, lieber Wulfsen." Sie nähern 
E>en Stabsoffizieren. Der Kommandeur 
vor ihnen stehen. „Kameraden in der 
Schützenlinie!! Drüben", seine Hand zeigt auf 
kaum erkennbares Haus „sehen wir uns 
ì^Eder". Ungestüm, den Kopf zurückgeworfen, 
k ver Linken den unvermeidlichen Krückstock, 
ver Rechten den entblößten Degen, so schrei- 
zum Wettkampf heraus. Pallas Athene ver 
wandelte sich in eine alte Frau und riet ihr 
von diesem Versuch ab. Arachne jedoch ließ sich 
nicht zurückhalten und webte eine wunder 
schöne Decke, in der allerlei Liebesszenen der 
Götter dargestellt wurden. Pallas Athene 
wurde darüber so ärgerlich, daß sie die Decke 
zerriß. Arachne aber erhängte sich, weil ihr 
Kunstwerk zerstört worden war. Pallas Athene 
jedoch erweckte sie wieder zum Leben und ver 
wandelte sie in eine Spinne. 
Ein Spinnfaden ist so fein, daß man den ein 
zelnen Faden selbst bei hellem Tageslicht kaum 
wahrnehmen kann, und dennoch ist dieser ein 
zelne Faden aus etwa 700 Fäden, die aus den 
Spinnwarzen hernusgepreßt werden und sich 
dann sofort zu einem Faden vereinigen, zu 
sammengesetzt. Betrachtet man einen solchen 
Faden unter dem Mikroskop, so merkt man, 
daß er spiralförmig gedreht und mit einer 
klebrigen Flüssigkeit gefüllt ist. Durch die Win 
dungen der Spirale sickert die klebrige Flüssig 
keit durch, so daß das Netz immer ein wenig 
feucht bleibt und damit seinen Zweck, die Beute 
festzuhalten, erfüllen kann. Die Kreuzspinne 
selber fettet ihre Füße ein, so daß sie in dem 
Netz nicht hängen bleibt. 
Im Herbst legt die Spinne ihre Eier, etwa 
zwei- bis dreihundert winzig kleine, rötlich 
gelbe Perlen, die sorgfältig in ein ganz feines 
Gespinst eingefüllt werden. Dann werden sie 
als kleiner Beutel an der Wand der Höhle be 
festigt. Die Mutterspinne aber legt sich in 
einer dunklen Ecke zum Sterben nieder. Im 
nächsten Frühjahr kriechen die achtfüßigen 
Jungen aus. Sie sind von Anfang an ebenso 
geschickte Weberinnen, wie die Mutter es war. 
Die Spinnenmännchen sind meist bedeutend 
kleiner als die Weibchen,' manchmal ist der 
Unterschied so groß, daß das Männchen eigent 
lich nur eine Art Parasit des Weibchens ist. 
Bei der tropischen Spinne Nephila zum Bei 
spiel sitzt das Männchen, ein winziger Zwerg, 
sein kurzes Leben lang an der Unterseite des 
Weibchens. 
Aber auch bei den andern Spinnen spielt das 
Männchen keine sehr große Rolle und ist 
eigentlich nur dazu da, die Nachkommenschaft 
zu sichern. Ein Spinnenmünnchen kommt, 
wenn es Hochzeit hält, selten mit dem Leben 
davon, sondern wird meist von der eigenen 
Braut verzehrt, die sich auf ihn stürzt, sobald 
das Männchen seine Pflicht erfüllt hat. 
Allerlei aus aller Welt 
Der Wasserfall der „alten Leute". 
Höher als die Niagara-Fälle mit ihren 113 
Meter stürzen die Fluten des Potaro-Flusses 
über einen 247 Meter hohen Felsen in die 
Tiefe. Der Fluß stürzt mit rasender Geschwin 
digkeit schon vor den eigentlichen Fällen über 
Felsen und Abhänge, so daß sein Gesamtge- 
fülle an dieser Stelle 274 Meter betrügt. Die 
Wasserfälle haben in der Sprache der Einge 
borenen den Namen Kaietur-Fülle, d. h. 
übersetzt soviel wie „Wasserfälle der alten 
Leute". Diese Bezeichnung stammt von dem 
seit Jahrhunderten geübten Brauch der einge 
borenen Indianer, sich der alten, für den 
Stamm lästigen Angehörigen zu entledigen. 
Wenn ein Stammesangehöriger ein Alter er 
reicht hat, in dem er der Ansicht der Indianer 
nach zu nichts mehr nütze ist, wird er kurz 
oberhalb der Fülle in ein Kanu gesetzt. Dann 
wird das Boot mit dem Mann, der sein 
Schicksal kennt und es als unabänderlich hin 
nimmt, vom Ufer abgestoßen. Die 274 Meter 
des Kaietur-Falls sorgen für einen schnellen 
und schmerzlosen Tod. 
Ein wahres Ungeheuer. 
Man sieht es der im Wasser lebenden Larve 
der Libelle nicht an, welch zierliches Geschöpf 
aus ihr wird. Sie hat einen langen, plumpen, 
oft mit schlämm überzogenen Körper mit sechs 
Beinen,' am Kopf große Augen und eine son 
derbare „Maske". Es ist dies die verlängerte 
Unterlippe, die mit mehreren Gelenken zu 
sammengelegt wird. Naht eine Beute, so wird 
das Ding vorgeschnellt und ergreift sie. Die 
Tiere sind schlimme Räuber. 
Schwarze Wölfe photographieren sich selbst. 
Tier zu klug war, um in Fallen zu gehen, 
die der Mensch stellte, war moderne Technik 
empfindlich genug, Wolfsschlauheit zu über 
listen. 
Sie mW» zur LlyaiMe raifta;... 
daß der ursprüngliche Zweck der Sport- 
erziehung der spartanischen Jugend ein rassen 
hygienischer war,' 
daß die jungen Spartaner durch alljährliche 
Geißelung am Altar der Göttin Artemis 
gegen Schmerzempfindlichkeit abgehärtet wur 
den,' 
daß das klassische Volk der Griechen schon fast 
alle Sportarten der späteren Zeit ausgebildet 
hatte,' 
daß die Sportstätten der Griechen „gymnasion" 
(Stätten, wo man sich nackt — gymnas bewe 
gen konnte) hießen,' 
daß schon die Urmenschen Wettbewerbe aus 
trugen. Aus der Zeit um 3000 v. Chr. sind 
uns Steinzeichnungen erhalten, die Leibes 
übungen darstellen,' 
daß die großen altgriechischen Sportfeste in 
Nemea, Korinth, Delphi und Olympia abge 
halten wurden,' 
daß die Griechen nach den Olympischen Spie 
len ihre Zeitrechnung führten. Zwischen zwei 
olympischen Spielen lag ein Zeitraum von 
vier Jahren. 
Zwei Monate lang waren Jäger an den 
Ufern des Mississippi unterwegs, um ein oder 
zwei jener großen schwarzen Wölfe zu erlegen, 
die hier seit Jahren ihr Unwesen treiben. Es 
galt vor allem, der Chikagoer Universität und 
Akademie der Wissenschaften für die zoologi 
sche Abteilung das nötige Material zu lie 
fern. Da die schwarzen Wölfe sich aber allen 
menschlichen Schlichen und Tücken gewachsen 
zeigten, ist man jetzt zu einer anderen Lösung 
übergegangen: man hat in den Wäldern und 
an den Flußufern Fallen aufgebaut, die frei 
lich nur aus ganz feinen, dünnen Fäden be 
stehen. Aber diese Fäden lösen die elektrischen 
Kontakte starker Batterien aus. Durch diese 
wiederum werden Blitzlichter entzündet und 
Schaltungen an photographischen Apparaten 
in Tätigkeit gesetzt. Und siehe da, nach 14 Ta 
gen hatte man drei fabelhaft schöne Bilder 
von den schwarzen Wölfen vorliegen. Wo das 
Heitere Ecke 
Das Recht des Erstgeborenen. 
Plüsch und Plumm sind zwei Brüder. Als 
sie eines Tages über einen Friedhof gehen 
und an einer schönen Erbgruft vorbeikommen, 
da sagt Plüsch, der ältere: „Das ist schön, das 
sollten wir uns auch anschaffen!" 
Wütend antwortet Plumm: „Ja, das könnte 
dir passen, damit du dich wieder als erster hin 
einlegen kannst." 
Das einzige Mittel. 
Als Aubert, der Komponist der einst außer 
ordentlich volkstümlichen Oper „Die Stumme 
von Portici", bereits an die neunzig war, sagte 
jemand in seiner Gegenwart, daß es doch 
.eigentlich langweilig sei, zu denken, daß der 
Mensch immer älter werde. 
Der greise Musikus gab das rund heraus zu. 
„Aber", fügte er hinzu, „es ist bis jetzt das 
einzige Mittel, um lange zu leben!" 
tet der älteste Soldat der Division über die 
Lichtung. In dem vom Helmrand beschat 
teten Augen leuchtet es wie „Tambour, schlag 
an". Stoßweise geht der Atem, der im Bart 
zu Eis wird. Den Mann kttmmert's nicht. 
Russenkugeln umschwirren ihn, er hört sie 
nicht. Graue Gestalten liegen vor ihm. Noch 
einige Schritte. Dann wirft er sich zwischen sie 
in den Schnee. „Was ,e>d ihr?" „Pioniere!" 
Der Soldat, der die Antwort gibt, blickt ent 
geistert auf den grauen Schnurrbart und die 
breiten roten Hosenstreifen des eben angekom 
menen Kameraden. Er sieht und will's nicht 
glauben. Doch es ist wahr. Respektvoll ver 
bessert er: „1. Kompagnie, Pionierbataillon 28, 
Exzellenz." Wie ein reißender Wildbach jagt 
die Nachricht: „Unser Litzmann stürmt mit" 
durch die lange Front. Die Häupter heben sich, 
freie Stirnen schauen offen zum Gegner. Bei 
jedem Mann, ob Gardist oder Bagagesoldat, 
Reiter oder Pionier mit Gewehr oder erbeu 
tetem Kosakenkarabiner, ob Kompanieschreiber 
oder Telefonist, bei allen kehrt die alte unbän 
dige Angriffslust zurück. Was jetzt vom jüngsten 
Soldaten bis zum Generalleutnant angreifen 
will, sind nicht mehr nach dem Reglement ein 
geteilte Soldaten — nein — das ist das Volk. 
„Kerls, geht ran — ran—n—n!" Drohend, be 
schwörend ist die Mahnung. Der General war 
tet zähneknirschend auf das Signal. Verdammt 
langweilig müssen die Sekundenzeiger kreisen. 
Anno siebzig, wie er als Gardepionierleut 
nant die große Brücke bei Argenteuil sprengte, 
mußte die Uhr schneller gegangen sein. Das 
war nun 44 Jahre her. Seine Eltern hatte er 
damals beim Abschied nicht mehr gesehen, aber 
ein Brief, von der Mutter geschrieben, hatte 
ihn noch erreicht. Was drin stand? Worte der 
Pflicht an den Sohn — „Es ist nicht nötig, daß 
Du wiederkehrst, wohl aber, daß Du Deine 
Schuldigkeit tust." 
Von links Hörnergeschmetter — Trommel 
wirbel — Hurra — Hurra — Hurra! Ter- 
rumm tumm tumm. Terrumm tumm tumm. 
Das Kaisergeschenk, der Ehrendegen wird hoch 
erhoben. „Sv—r—u—n—g ans, marsch, marsch!" 
In gewaltigen Sprüngen stürmt der General 
voraus und wird zum Gruppenführer. Russen 
kugeln zischen und schwirren. Was schert's. Er 
brüllt den Kampfschrei. Die Sturmreihe nimmt 
ihn auf. Das Hurra der Garde tönt wie Frei 
heitsbrausen. Die Hörner und Trommeln gel 
len und poltern dazwischen. Unwiderstehlich ist 
diese Sturmmusik. O herrliche, grausame 
Stunde. Das Schienental ist erreicht. Der 
General stürmt hinunter. Stolpert über die 
Gleise, läuft den Hang hinauf, gleitet aus, 
Glatteis hemmt den Schritt. Pioniere holen 
ihn ein, reißen ihn nach oben, hinein in die 
Russenstellung — sie ist leer. Der letzte Mosko 
witer springt vor ihm auf, sein Degen will 
stechen, da ergibt sich der Mann. Der Wald 
boden kracht von dem Lauf der Fliehenden. 
„Kinder, nachstoßen. Holt sie euch mit dem 
Bajonett — spart Patronen." Sie tun es. Im 
Waldesdnnkel wird weitergestritten. Die 
Kämpfer können sich nicht erkennen. Ein Griff 
— ob Pelzmütze oder Helm. Wer am schnellsten 
ist, bringt den anderen nach Walhall. Der 
General verschnauft sich und horcht in den 
schwächer werdenden Kampfeslärm. Rufe nach 
Sanitätern und russische Schreie sind zu ver 
nehmen. Eine Gestalt nähert sich ihm, spricht 
ergriffen und glücklich „Exzellenz!" „Wulfsen", 
die Hand klopft die Schulter des Hauptmanns, 
„war das schön, habe ich eine Freude in mir!" 
Von den Führern kommen die ersten Nachrich 
ten, sie melden Durchbruch. 
Der beste Edelstein 
Nach einer alten Sage erzählt 
von Heinz Magka. 
Es mag um die Mitte des 13. Jahrhunderts 
gewesen sein, als sich die Ritter der rheinischen 
Lande wieder einmal auf einem der sieben 
Berge zum fröhlichen Tun versammelt hat 
ten. In den Bechern perlte das köstliche Gold 
der heimischen Reben, und der Burgherr hatte 
es sich nicht nehmen lassen, die besten Weine, 
die sein Keller beherbergte, zu kredenzen. Man 
erzählte von siegreichen Fehden und heißen 
Kämpfen, von drohenden Wettern, die am po 
litischen Himmel dräuten. Neugierig lugte der 
Mond durch die bemalten Burgsentzer. Die 
Silhouetten der Berge und Burgen wurden 
sichtbar, der Vater Rhein trug seine Melodie 
hinauf zu jenem frohen Mahle, und dazwi 
schen hörte man den friedlichen Bittgesang der 
Nonnen von der Insel Nonnenwerth, den der 
Abendwind leicht hinaufwehte zur Burg. 
Die kriegerischen Gespräche waren ver 
stummt, und für eine Weile herrschte Stille 
im Burgzimmer. Da — als der Stromberger 
seinen Becher nahm, ging ein Funkeln und 
Leuchten durch den spärlich vom Mondlicht er 
hellten Saal. Es war der kostbare Stein, den 
der Stromberger in seinem Ring trug, und 
der einen gar seltenen Glanz ausstrahlte. Be 
wundernd maßen die Ritter das kostbare Stück. 
Eine heiße Debatte entstand um die Frage, 
wer wohl den kostbarsten Edelstein am Finger 
trage? Niemand dachte daran, auch nur einen 
Zoll von der Meinung preiszugeben, daß sein 
Stein unbestritten der kostbarste sei. Lange 
stritten sich die Ritter um die Ehre, und jeder 
wußte seinen Stein derart zu loben, daß man 
sich nicht einig werden konnte, wer nun den 
kostbarsten Edelstein am Finger träge?! 
Ruhigen Tones unterbrach der Drachenfel- 
ser die erregte Unterhaltung: „Was soll dies 
nutzlose Streiten? Ihr werdet doch zu keiner 
Entscheidung kommen, und ich will euch be 
weisen, daß der kostbarste Stein hier im Saale 
sich an meinem Finger befindet!" Lächelnd 
hob der Ritter seine Hand und wies auf sei 
nen Ring. Statt eines funkelnden Kleinods 
war es ein Stückchen jener Werksteine, seines 
Berges, den er hatte köstlich einfassen lassen. 
Als die Ritter dieses sahen, da lachten sie von 
Herzen, und ein Hagel von Spott ergoß sich 
auf den Drachenfelser, der sich aber lächelird 
erhob und sagte: 
„In der Tat ist dieser Stein, den ihr ver 
lacht, kostbarer als alle eure Edelsteine, die 
euch nicht den geringsten Nutzen einbringen. 
Dieses Gestein bringt mir alljährlich allein 
vom Domstiste zu Köln viele hundert Gulden 
ein, die es mir zahlt für die Steine, welche 
zum Bau des Domes in meinen Steinbrüchen 
gebrochen werden." 
Die Ritter waren verstummt, und der Streit 
war geschlichtet, denn alle mußten dem Dra- 
ZeußeM Recht geben.
	        
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