Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

l29 - Jahrgang / Nr. 129 / Zweites Blatt. 
Schleswig>Solsdetnkl«h« 
Landeszettung 
Renbsdurger DrgedìoN 
Freitag, den 5. Jnni 1936. 
Lehrgang in Wetterkunde 
Etwa 70 Teilnehmer am Lehrgang für Wet- 
Eŗkunde, Lehrer, der Mehrzahl nach natur 
gemäß vom Lande, konnte der Leiter des Lehr- 
g^ttgs, Kreisschulrat Hannemann, am Mitt 
woch um 11.30 Uhr im Physiksaal der hiesigen 
^clttelschule begrüßen. Mit größter Aufmerk- 
lamkeit folgten sie der zwanglos sich bietenden, 
aus der Fülle fachmännischen Wissens und 
^ehrgeschicklichen Könnens ausstrahlenden, 
temperamentvoll-heiteren unterrichtlichen Arr 
?es Lehrenden, Dr. Bender, Vertreter der 
Wetterdienststelle Hamburg. Er traf die für 
Manchen betrübliche Feststellung, daß der 
-ocensch trotz aller Technik und Kunst das Wet- 
ter selbst nicht zu beeinflussen vermag, daß er 
ober insoweit sich vom Wetter unabhängig 
Macht, als er durch die Wettervorhersage seine 
vom Wetter beeinflußbaren Handlungen so 
bornehmen kann, daß er das Wetter sich seinem 
E°llen entsprechend im Wirtschafts-, See- und 
'Flugwetterdienst dienstbar macht. 
Die allgemein bekannten, aus langer Bcob- 
ochtung gewordenen Wetterregeln (Eisheilige, 
^chafskälte) konnten wissenschaftlich bestätigt, 
äum Teil auch erklärt werden. Gegen Ende des 
Lehrgangs wurde den Teilnehmern ein Ein- 
blrck in die wissenschaftliche Werkstatt und Ar 
beitsweise der Wettervorhersage geboten. 
Den wesentlichsten Teil des Lehrgangs je- 
ooch bildete die Einführung in das Lesen und 
Leuten der Wetterkarte. Unter prakti 
scher Betätigung — zu aktiver Teilnahme 
Murden die Kursisten übrigens während des 
ksanzeņ Lehrgangs angehalten — wurde die 
ļttit den notwendigsten Zeichen ausgestattete 
üebungskarte so vervollständigt, daß auch der 
loie nun die Wetterlage daraus erkennen 
konnte. Durch Anleitung zum verständnisvol- 
1«t Vergleich der täglichen Wetterkarten wur 
den die Zuhörer instand gesetzt, im Bereich des 
überhaupt Möglichen die für die Wettervor 
hersage notwendigen Schlüsse zu ziehen. 
Der Dank des Kursusleiters an den Leh 
renden entsprach durchaus dem Geschenk des 
gehaltvollen Lehrgangs, der freilich, wenn sein 
>>ert ein bleibender sein soll, eine das Ganze 
W einzelnen noch einmal bearbeitende Wie- 
berholung erforderlich macht. Dazu bietet das 
Küchlein „Wetterkunde und Wetterkarte (nebst 
^olkenkartes", herausgegeben von der Reichs- 
Wetterdienststelle bei der Deutschen Seewarte 
M Hamburg eine ausreichende Hilfe. Es kostet 
ob ay. 
■Amtsquicht JUndsituq 
Die drei 
»Sie hatten sich zu Hamburg an der Elbe 
^Uen getroffen, Herbert, Wilhelm und ein in 
dischen mit einer Woche Haft Davongekom 
mener, und wurden sich einig, der steinernen 
< boß- und Weltstadt Valet zu sagen und nach 
?M grünen Wagrien zu dippeln. In Herings- 
.orf —uicht dem bekannten Badeort auf Use- 
.°M, sondern dem kleinen, friedlichen Ort im 
Mlsteinischen Kreise Oldenburg — glaubte 
Arbeit zu finden. Einer der drei, Wil- 
oolrn, hat letztes Jahr dort gearbeitet, und er 
og den anderen zwei von der nahen Ost- 
fke mit dem kornwogenden Fehmarn erzählt 
haben. 
Ņîan hatte Zeit. Darum vielleicht und weil 
Rendsburg, den 5. Juni 1936. 
man etwas sehen wollte, wählte man, um nach 
Heringsdorf zu gelangen, von Hamburg den 
Umweg über Kiel. Wilhelm freilich sagte 
Knall und Fall: „Ich kannte keinen anderen 
Weg." Da es in Heringsdorf noch keine Arbeit 
gegeben haben soll, begann man seine Straße 
nach Dithmarschen zu richten, nach Marne zum 
Frühkohlpflanzen. Wieder war es Wilhelms 
Geographie, die versagte,' man meinte die fet 
ten Marschen am ehesten über Rendsburg zu 
erreichen. In Rade vor Rendsburg aber 
hatte man am Sonntag, dem 10. Mai, Mißge 
schick. Die drei wurden festgenommen, als 
Wilhelm und Herbert in einem Hause um ein 
Stück Brot gefragt hatten. Der dritte, der 
rasch mit der durch Strafbefehl verhängten 
Woche davongekommen ist, hatte draußen ge 
standen. Er soll übrigens die vordem nötigen 
und von seiner berufstätigen Braut gespende 
ten Zehrgroschen hergegeben haben. 
Wilhelm und Herbert wanderten ins Unter 
suchungsgefängnis nach Rendsburg und stan 
den nun, blond der eine und dunkel der andre, 
in der Armsünderbank unter der Anklage des 
Bettelns und Landstreichens. Sie sind 24 und 
26 Jahre alt, der erste stammt aus Datteln 
bei Dortmund, der zweite ist gebürtiger Ber 
liner. Wilhelms Mutter lebt nicht mehr, und 
die Eltern Herberts, der zuletzt in Hamburg 
wohnte, sind lange tot. Beide Angeklagte sind 
vorbestraft, namentlich wegen Bettelei und 
Landstreichens. Als der Richter sich anschickte, 
die rund zehn Vorstrafen des Berliners 
(worunter sich infolge Verurteilung in Altona 
1935 6 Monate Gefängnis und 4 Wochen Haft 
wegen Meuterei und Bettelns befinden) be 
kanntzugeben, antwortete dieser flink, die seien 
ihm bekannt. Das wird stimmen, doch sind 
Vorstrafen in öffentlicher Gerichtsverhandlung 
kein Privatgeheimnis mehr. Der Berliner gab 
an, er könne Geige und Klavier spielen und 
habe seinen Lebensunterhalt durch Musizieren 
in Gastwirtschaften usw. zu verdienen gesucht. 
Doch sei ihm das als Bettelei ausgelegt wor 
den. 
Der Amtsanwalt beantragte wegen Bettelns 
und Lanüstreichens je 4 Wochen Haft sowie 
Unterbringung in einem Arbeitshaus. Beide 
Angeklagte scheuen das Arbeitshaus und be 
riefen sich auf den Willen zur Arbeit. Sie ka 
men am Arbeitshaus vorbei. Jedoch müssen sie 
noch 6 Wochen Haft, die Höchststrafe für Bet 
teln, absitzen. Die Höhe der Strafe ist durch die 
nicht wenigen Vorstrafen bedingt. Den zweien 
Landstreichen, also ziel- und zweckloses Um 
herziehen, nachzuweisen, war nicht möglich. 
Die Untersuchungshaft wird nicht angerechnet. 
Mit einigem Weh und Ach nahmen beide die 
Strafe an. Ihr Ziel bleibt Heringsdorf. Hof 
fentlich werden die armen Schlucker dort auch 
Arbeit erlangen. Sie scheinen, zumindest vor 
läufig, das Betteln knüppeldick zu haben. 
Sonst wäre ihnen nach kurzer Zeit das Ar 
beitshaus sicher. # 
* Fährschiff „Fehmarn" auf Nobiskrug. 
Nachdem die Reparatur des Fährschiffes 
„Fehmarnsund" beendet ist, wurde von der 
Kreis-Oldenburger-Eisenbahn das im Jahre 
1927 auf der Werft Nobiskrug gebaute Fähr 
schiff „Fehmarn" an die Bauwerft zur Aus 
führung von Reparaturarbeiten gelegt. 
* Die Militärische Kameradschaft ehem. 85er 
von Rendsburg uud Umgegend im Deutschen 
Reichskriegerbund (Kyffhäuserbund) hielt am 
Mittwoch im Vereinslokal Germania-Hotel 
ihre Monatsversammlung ab. Dem Kamera 
den Behrens wurde vom Kameradschaftsführer 
Gosch die silberne Ehrennadel des Kyffhäuser- 
bundes für gute Schießleistungen überreicht. 
Die gleiche Auszeichnung erlangte Claus Boß,' 
er hat die Ehrennadel bereits beim Himmel- 
fahrtsausflug in Nvrtorf erhalten. Mitgeteilt 
wurde, daß die Kameradschaft wegen ihrer gu 
ten Beteiligung beim Winterhilfsschießen eine 
Dankplakette vom Landesverband erhalten 
habe. Beschlossen wurde, zwei Kameraden, die 
voraussichtlich am Reichskriegertag am 4. und 
5. Juli in Kassel teilnehmen, eine Reisebeihilfe 
zu gewähren. Am Wettkampfschießen des 
Kreisverbandes am 28. Juni d. I. im Schüt 
zenheim wird sich die Kameradschaft stark be 
teiligen. Das nach der Versammlung übliche 
Wettschießen sah als Sieger die Kameraden 
Haß mit 32, Langhein mit 31 und Wierzbinskt 
mit 30 Ringen. 
VevölkerungspolM und Reîchshuud der Kinderreichen 
In wenigen Jahren ist die Bevölkerungs- 
Politik aus einer gelehrten Angelegenheit 
zu einer der bedeutendsten Probleme des 
Staates und zu einem der am meisten beweg 
ten Gedanken unseres Volkes geworden. Zu 
den Fragen Ausmerzung minderwertigen 
Erbgutes und Geburtenrückgang nimmt jeder 
heute Stellung. Neben denen, die wirklich 
Der Zusammenstoß von „Condor" und „Walter L. M. Ruß" 
Zum dritten Mal vor dem Seeamt 
* Das Seeamt Flensburg verhandelte un 
ter dem Vorsitz des Amtsgerichtsdirektors 
Thomsen zum dritten Male über den Zu 
sammenstoß des Hamburger Dampfers 
„Walter L. M. Ruß", Kapitän F. Noack, mit 
dem Hamburger Motorsegler „Condor", Eig 
ner und Führer Kapitän Heinrich Sandkamp. 
Bekanntlich sank der „Condor" infolge des 
Zusammenstoßes am 2. Mürz 1936 früh im 
Nordostseekanal bei Fähre Nobiskrug. Der 
2200 BRT. große „Ruß"-Dampser befand sich 
mit Stückgut auf der Reise von Helsingfors 
nach Hamburg. Kurz nach dem Passieren der 
Fähre Nobiskrug sichtete die Führung die 
rote Seitenlampe und die Tvpplampe des 
entgegenkommenden „Condor", der die Süd 
seite des Fahrwassers hielt. Nach Aussagen 
der „Ruß"-Leitung drehte kurz darauf der 
„Condor" nach Backbord, die Lampe ver 
schwand, während die grüne zum Vorschein 
kam. Der „Ruß"-Dampfer gab alsdann das 
Achtungssignal und stellte die Maschine auf 
langsame Fahrt. „Condor" kreuzte schnell den 
Bug des Dampfers und wäre auch klar ge 
kommen, wenn er nicht umgedreht hätte und 
nochmals vor den Bug des „Walter L. M. 
Ruß" gelaufen wäre. Dadurch wurde der Zu 
sammenstoß unvermeidlich. Führung und Be 
satzung des „Condor" stellten den Vorgang 
wesentlich anders dar,' man behauptete, daß 
der Zusammenstoß an der Südseite des Ka 
nals stattgefunden und der „Ruß"-Dampfer 
sich an der falschen Fahrwasserseite befunden 
habe. Dieser Aussage schlossen sich verschie 
dene unparteiische Zeugen an, die von Land 
aus den Zusammenstoß beobachtet haben. 
Der Reichskommissar, Konteradmiral a. D. 
Riedel, erklärte, die Schuld an dem Zu 
sammenstoß treffe den Dampfer „Walter L. 
M. Ruß", weil er in der Kurve dem Südufer 
zu nahe gekommen sei. Der Zusammenstoß 
sei einwandfrei an der Südseite des Fahr 
wassers erfolgt. Der Seeamtsspruch 
lautet: Am 2. 3. 36 um 6 Uhr ungefähr ist 
der Dampfer „Walter L. M. Ruß" mit dem 
Motorsegler „Condor" im Nordostseekanal bei 
Km. 65 zusammengestoßen. „Condor" ist ge 
sunken, die Besatzung durch Ueberspringen 
auf den „Ruß"-Dampfer bzw. durch Schwim 
men an Land gerettet. Der Zusammenstoß ist 
auf der südlichen Kanalhälfte erfolgt. 
„Walter L. M. Ruß" ist auf die falsche Seite 
gekommen, weil „Condor" vorübergehend 
Grün zeigte, was durch ein Gieren (Abweichen 
von der geraden Richtung, Schriftl.) hervor 
gerufen sein kann und den „Ruß"-Dampfer 
veranlaßte, ein Achtungssignal zu geben, auf 
langsame Fahrt zu gehen und, statt der Kurve 
zu folgen, geradeaus zu steuern. Als dann 
„Condor" seinen Kurs berichtigte und wieder 
richtig lag, waren die Schiffe so dicht zu 
sammengekommen, daß ein Zusammenstoß 
nicht mehr zu vermeiden war. Zu be an 
st a nd e n ist auf seiten des „Condor", daß 
der Kapitän oder sein gesetzlich anerkannter 
Bertreter nicht gemäß 8 9 der Betriebsord 
nung für den Kanal an Deck war, sondern die 
Schiffsführung einem Leichtmatrosen über 
lassen hatten und erst im letzten Augenblick 
an Deck kamen. 
Bescheid wissen, steht die Masse der anderen, 
die sich selbst eine eigene Bevölkerungspolitik 
zurechtmachen, und zwar so, daß ihre Bequem 
lichkeit möglichst wenig gestört wird. Noch im 
mer ist man in weiten Kreisen der Meinung, 
daß Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit durch 
Beschränkung der Kinderzayl zu lösen sei, daß 
die statistischen Zukunftsrechnungen mit ihren 
düsteren Prophezeiungen eine unfruchtbare 
Spekulation der Wissenschaft seien und Kin 
derreichtum eine Angelegenheit der Idealisten 
oder gar derer, die mit dem Leben nicht fertig 
wurden. „Wir verstehen das nicht, wie kön 
nen Sie nur durchkommen, wir bewundern 
Sie!" Das sind die etwas zweifelhaften Lob 
sprüche, die der Kinderreiche noch immer hören 
kann. 
Kein Sachverständiger, ja kein unterrichte 
ter Laie zweifelt heute im geringsten an den 
sehr großen Gefahren, die dem deutschen Volke 
in Zukunft drohen. Helfen kann nur ein vor 
allem in der nachwachsenden Generation sich 
offenbarender Gesinnungswechsel. Die kinder 
reiche Familie muß Nachfolger finden. Dazu 
bedarf sie des Ansehens, der Selbstzucht und 
des Selbstgefühls. Dazu bedarf sie der wirt 
schaftlichen Sicherung und Bevor 
zugung ihrer Kinder im Berufswettkampf. 
Diese Wende in ihrer Stellung kann nur die 
kinderreiche Familie selbst schaffen, und hier 
liegt die große rassepolitische Aufgabe, mit der 
der Reichsbunü der Kinderreichen, die Ver 
einigung der deutschblütigen, erbgesunden 
und geordneten Familien mit mehr als 3 
Kindern, von Staat und Partei betraut ist. 
Wiederaufbau der Familienkultur, Stärkung 
des Familien- und Sippengefühls, die Er 
ziehung zu Stolz und Freude an den Kindern 
— das sind seine Aufgaben im Innern. Kampf 
um Stellung und Ansehen der kinderreichen 
Familie, Kampf um Arbeit und Wohnung, 
Kampf um gerechte Durchführung der bevöl 
kerungspolitischen Gesetze, Aufklärung über 
das deutsche Bevölkerungsproblem, das sind 
die Aufgaben, die der RDK. nach außen zu lö 
sen hat. So schafft und verbreitet er echtes na 
tionalsozialistisches Gedankengut und ist daher 
In der betriebsamen 
StadtNeup 
am 
Mein 
...befindet (ichjene SeeA großen 
Aranekâbetken, aus derßieJhrcn 
Jfitmfrattá erhalten. Die technische 
Vollkommenheit der (Fabrikanlagen, 
Sie Möglichkeit, die Veredlung und 
Verarbeitung See veesthiedenenSiostb 
bis zue höchsten Vollendung durch? 
zuführen Kommen in den ausgezeich 
neten kigenfehasten àe&JStrttsmmti, 
bssonSers in item fkmhgrbsm Şs 
schmackjum şiusàraà.Deshalb auch 
Sie überall vertretene Meinung: 
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