Der Jahresbericht der SchlesV.-Holst. Landschaft
O ^0U> Jahresbericht der Schleswig-Holsteinischen
ändschaft, Kiel, ist u. a. folgendes zu entnehmen:
^>e ans der Zielsetzung von Neichsregicrung und
wlchZnahrstand planmäßig getroffene» Matznah-
"en zeigen im dritten Jahre nach der Machtergrei
fung jhxx deutliche Auswirkung auf die Lage der
Landwirtschaft. Voran steht die Erfüllung der ihr
^ der Erzeugungsschlacht auferlegten Pflichten.
^ Grundlage für erhöhte Leistungsfähigkeit bildet
über neben der Preisgestaltung der Erzeugnisse
nrch die Marktordnung der Wiederaufbau der
Zahlreichen Betriebe, die in der Krisenzeit mehr oder
weniger zurückgekommen sind. Höhere Gesichts-
dnnkte ziehen den Festpreisen ganz bestimmte
tanzen nach oben. Daraus folgt, daß die Einnah
men nur dort ausreichen, wo die Rechnung der
usgabenseite nicht durch unumgängliche Aufwend
ungen für Wiederaufbau oder Ergänzung des
^atriebes voriveg übermäßig beansprucht wird,
^ìese, von Außenstehenden oft und gern übersehene
^atsache, muß nüchtern festgestellt werden. Leider ist
ff Zahl der besonders nach dem kritischen Jahr
â „ausgezehrten" Betriebe gerade in Schleswig-
Halstein groß.
^on dieser Grundlage aus hat man auch die
^aditlage der Landwirtschaft zu betrachten: Der
Uesunde Bedarf der Landlvirtschaft nach langfristi-
Uan, Kredit mußte im Berichtsjahr aus den be-
unnten Gründen bis auf Ausnahmen unbefriedigt
'leiben. Dauerinvestierungen können nur durch
Ungfristigen Tilgungskredit gesund finanziert wer-,
eu - Nur ein ganz geringes, sofort vergriffenes
Kontingent aus einer zentrallandschaftlichcn Neu-
fwissivv konnte durch die Schleswig-Holsteinische
Landschaft neu vergeben werden. Es war bcstim-
M^ugggemäß auf Nichterbhöfe beschränkt. Grund
ş şer Beschränkung ivar die leider, immer noch
Fittige Frage der Gestaltung des langfristigen
^bhvskreditcs. Die SchleSwig-Holstcinische Land-
lHast gibr dem dringenden Wunsch Ausdruck, daß
Üblich hierfür eine Lösung geschaffen wird, die
ew Grundbedürfnis der neuen Agrarpolitik, der
Förderung der Erbhöfe gerecht wird.
Die Leistungen der Betriebe aus ihren bestchen-
Schuldverpflichtungen zeigen ein recht erfreu
tes Bild bei den nicht im Schuldenregelungs-
^rfahren befindlichen Betrieben. Anders liegt es
^i den Entschuldungsbetrieben. Auf sie entfallen
Allein die Rückstände an laufenden Verpflichtungen.
Die im Berichtsjahr eingeleitete Hilfsaktion der
putschen Rentenbank-Kreditanstalt dient dazu, in
oesonbers dringlichen Fällen durch Zuführung stark
^rbilligter Kredite den Wiederaufbau von Ent
schuldungsbetrieben zu ermöglichen. Das inzwischen
last vergebene, auf die Nordmark entfallende Kon-
tingent dieser Kredite betrügt 1.2 Mill. JMl. Wei
ter ist zu bedenken, daß die Viehaufzuchtbetriebe —
in unserem Bezirk eine erhebliche Gruppe — in
folge der nur einmal jährlich im Mai stattfinden
den Umschlages Einnahmen nach den Festpreisen im
Jahre 1933 noch nicht gehabt haben. Auch bei Be
rücksichtigung dieser bisher erschwerenden Momente
bleibt aber der ungenügende Zahlungseingang der
Entschuldungsbetriebe eine ernste Belastung, die
dringend der Abhilfe bedarf. Die pünktliche Erfül
lung der laufenden Verpflichtungen in dem Rah
men. der durch Schuldenregelung und Zins
erleichterungsgesetz gegeben ist. wird für die Zu
kunft auch von den Entschuldungsbetrieben verlangt
werden müssen und können.
Von einschneidender Bedeutung war im Be
richtsjahr das Gesetz über die Durchführung einer
Zinscrmäßigung bei Kreditanstalten vom 24. Ja
nuar 1935. Bon den der Neuregelung unterworfe
nen Pfandbriefen des Institutes haben nur in
Höhe des äußerst geringen Betrages von 615900
Reichsmark die Inhaber die Konvertierung abge
lehnt. Das weitere Gesetz vom 91. 7 35 über die
Zinsen für den landwirtschaftlichen Realkredit
brachte die Dauerregelung für den Zinssatz der
Pfandbriefhypotheken. Dabei mußte in Kauf ge
nommen werden, daß die NichtentschuldungSbetrieve
eine den Jahreszinssatz außer Tilgung und Ber-
waltungskosteubeitrag auf 4,5 vH erhöhte Belastung
erfahren haben. Die Enrschuldungsbctriebe haben
4 vH — wie bisher — für münüelsichere, 4.5 vH für
nicht mündelsichere Hypotheken zu zahlen.
Durchsührnng und Auswirkung des Şchulden-
regelnngsgesetzes sind für die Nordmark von über
ragender Bedeutung. Alle darniederliegenden und
überlasteten Betriebe haben von der Echulöenrege-
lung Gebrauch machen müssen. Es sind bei der
Landschaft: von 10 234 belichenen Betrieben 5700
trd. 57 vH), von 132 Mill. JtA Darlehnsüestanü
67 Mill. -JUL trd. 51 vH); beim Landschaftlichen
Kreditverband von 8270 belichenen Betrieben 1580
lrd. 48 vHf, von 39,25 Milt, ,î« DarlehnsHestand
15,75 Mill. JìJl lrd. 40 vH). Solange für die Mehr-
zahl dieser Betriebe nicht durch Abschluß der Ver
fahren eine endgültige Klarstellung und Begren
zung ihrer Schuldenverpflichtungen erfolgt ist,
leidet zwangsläufig die Gesamtheit der am Ver
fahren Beteiligten: Schuldner wie Gläubiger, Be
trieb ivie Lieferanten.
Die Tätigkeit der Entschuldnngsstclle zeigt fol
gendes Bild: insgesamt anhängige EntschulüungS-
verfahren lbiS znm 31. 12. 35): 0198, bis Ende 1935
zurückgezogene oder an die Entschnldnugsämter ab
gegebene Verfahren tKlein-Betriebei: 503, zur Be
arbeitung verbliebene Verfahren 5695. bis zum 31,
Mit zwei Zentnern Lnrch den Weltkrieg
Erinnerungen eines Optimisten.
Von Karl Borromäus Gröber.
Copyright rS3ö by Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart.
(34. Fortsetzung.)
Die Roten waren sich anscheinend darüber
îîicht ganz klar, wer eigentlich Herr non Ri-
Mmäki war. Von Zeit zu Zeit erschien nüm-
"ch ein feindlicher Flieger über der Stadt und
^arf Nachrichten ab, durch die er seine Partei-
^uossen aufforderte, möglichst rasch die Stadt
à verlassen und nach Süden auszureißen, da
weißen Schweine wahrscheinlich in kürze-
Zeit einen weiteren Rückzug unmöglich
Nachen würden. Wie sollten wir diesen Herrn
ņ der Luft, der, wie es schien, der letzte rote
Flieger von Finnland war, in unsere Hand
Kommen? Herunterschießen konnten wir ihn
und so versuchte man es mit einer List,
/-ssf einem großen Platz vor der Stadt, wo ge
wöhnlich die Flieger landeten, wurde aus
otem Tuch ein großes Zeichen ausgelegt. Ein
^şşizier der Roten Armee, den wir gefangen,
mtte uns verraten, daß daraufhin rvohl sein
Kamerad herunterkommen und landen würde.
Jetten wurden abgeschlosssen, ob die List Er-
habe oder nicht. Sie hatte aber gegen je-
j Cs Erwarten Erfolg. In eleganten Kurven
am hxx letzte rote Flieger herunter und war
?hr erstaunt, als er von uns recht unsanft
n Empfang genommen wurde. Die Luft war
rein, was in den folgenden Wochen von
F e * Erde nicht gerade behauptet werden
t0 nnte.
,.ön Riihimäki erhielten wir auch die ersten
?nischen Zeitungen, denn die finnische Re-
à^ung gab täglich eigens für die deutschen
tdatcn eine Zeitung heraus. Sie war pracht-
Redigiert und brachte Aufsätze, die itt sehr
„^chickter Form auch den einfachsten Soldaten
X et all das belehrten, was er von dem frem-
, h Lande, von dessen Geographie und Ge-
^ Ģe, sozialem Leben und dergleichen wissen
Außerdem fand er in diesem Blatt
^ Zückende Novellen und Geschichten aus dem
olksleben des neuen Kriegsschauplatzes. Er
^îuhx, tüic man aus Ahornsaft eine köstliche
, ^welctöe bereitet, und er lernte die Pflan-
slftz' U - lu ' ) îiere des Landes kennen. Kurze Auf-
tzä Milderten ihm das Nomadenleben der
mit ihren Nenntierherden. Es wurde
Psì auseinandergesetzt, wie man in Finnland
t ( 7 gewinnt und wie das gewonnene Ma-
lj^al in abenteuerlicher Reise auf gebrech-
ÄoftTT 1 Ķähnen durch kühne Schiffer über die
Juofe» Wasserfälle geführt wird. Er erfuhr
?!il. stUc ^ von den Helden des Kalevala, des
in '^"ņgenlicdes der Finnen, kurz, er wurde
ûaè geistige Leben seiner neuen Freunde
eingeführt. Auf der letzten Seite der Zeitung
standen dann sozusagen tausend Worte Schwe
disch und Finnisch. Diese Seite hat aber ein
deutscher Soldat im allgemeinen nicht ein
gehend gewürdigt, denn der Krieg brachte
so viel körperliche Anstrengung, daß ans gei
stige gerne verzichtet wurde.
Immer weiter ging's gen Norden. Schwere
Tage kamen, denn immer wieder stieß man
auf dem Marsche durch die unendlichen Wälder
auf größere rote Abteilungen, die aber nie
einem energischen Angriff mit aufgepflanztem
Bajonett und Hurrarufen standhielten. Sie
verschwanden meist rasch wieder im Dunkel
des unwegsamen Waldes. Der Tag wurde da
mals — es war schon Mai — immer länger.
Die berühmten weißen Nächte begannen. Da
durch kam auf diesem Vormarsch die Truppe
nie mehr recht zur Ruhe. Zu allemhin merkten
wir immer deutlicher, daß wir gegenüber den
Massen der finnischen Aufständischen nur ein
verschwindend kleines Häufchen waren.
Aeußerste Zähigkeit und Anspannung aller
Kräfte konnten allein zum Erfolg führen, ans
Ruhe mußte man darum verzichten. Es hieß
in. kürzester Zeit Tavastehus zu erreichen,
denn dies war die Schlüsselstellung des Rück
zuges unserer Feinde. In frühester Morgen
stunde wurde aufgebrochen, und es war lustig,
12. 1935 aufgestellte Pläne: 749 (13,15 vH), bis zum
30. 4. 1936: 1439 (25,27 vH), bis zum 31. 12. 1935 be
stätigte Pläne: 299 (6,25 vH), bis zum 30. 4. 1036:
758 (13,31 vH).
Im Berichtsjahr wurden 261 Pfandentlassungen
und Unschüdlichkeitszengnisse über 1446,85.61 Hektar
erteilt. In 34 Füllen wurden Darlehnö-Verteilun-
gen auf insgesamt 111 Teilgrundstücke bewilligt.
Der Gesamtbetrag der Zinsrückstände betrug am
80. 6. 1935: 9,61, am 30. 9, 1935: 8,95, am 31, 12. 35:
0.35 und am 81. 3. 1936: 8.88 Mill.
Aus dem Jahre 1934 wurden 550 schwebende
Zwangsversteigerungen übernommen. Im Jahre
1935 wurden 18 neu eingeleitet. Von diesen ins
gesamt 668 Verfahren sind auf Grund der Bestim
mungen des ReichserbhosgesetzeS oder infolge Zah
lung im Berichtsjahr aufgehoben; 152 Verfahren.
Anhängig blieben am 31. 12. 35 „vch 410 Verfahren,
von denen 849 auf Grund der vorgenannten Be
stimmungen einstweilen eingestellt sind. Zur Dnrch-
führnng sind im Berichtsjahr 10 Verfahren gelangt.
Die Abrechnung der Schleswig - Holsteinischen
Landschaft schließt mit einem Verlust von 155 480
&M, die deS Landschaftlichen Kreditverbandes mit
einem solchen von 68 599 JIM,
Şsr Absatz von FrÄhkartoffeln
im WirLschastsjahr 1Ä36
Die Hauptvereinigung der deutschen Kartofsel-
wirtschaft erläßt folgende Anordnung:
Die Absatzregelung erstreckt sich auf Frühkartof
feln, die vor dem 15. August d. I. in den Verkehr
gebracht werden. Die Absatzregelung wird in den
einzelnen Anbangebieten dem zuständigen Kar-
tofsolwirtschaftSverband übertragen. Der Beginn
der Absatzregelung wird in den einzlnen Anbau-
gebietn nach den örtlichen Bedürfnissen nach An
hören der Hauptvereinigung durch den Wirtschasis-
verband festgesetzt. Dieser kann für den Bereich
eines den jeivciligen Bedürfnissen entsprechend
großen Gebietes Bezirksbeauftragte einsetzen. Er
ist ferner berechtigt, im Einvernehmen mit der
Hauptvereinigung einzelne Anbaugebiets zu ge
schlossenen Anbangebieten zu erklären. Er kann auch
im Bedarfsfall bestimmte Gebiete zu geschlossenen
Verbrauchsgebieten erklären und in diesen im
Nahmen der Satzung die zur geordneten Beliefe
rung notwendigen Maßnahmen treffen Für den
Absatz von deutschen Frühkartvsseln gelten unbe
schadet dieser Bestimmungen noch Regelungen für
geschlossene Anbangebiete und nicht geschlossene An
bangebiete, die ausführlich dargelegt werden. Deut
sche Frühkartoffeln sind stets bei der Uebernahme
der War vom Erzeuger auf drö vorgeschriebene Be-
schafsenheit in bezug auf Größe, Güte sowie Brutto
gewicht zu prüfen.
Die Preisfestsetzung für inländische Frühkartof
feln geschieht nach folgenden drei Gruppen: a)
weiße, rote und blaue Sorten, b) runde gelbe Sor
ten und c) lange gelbe Sorten. Die Hauptvercini-
gung allein ist berechtigt, mit Genehmigung des
Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft
besondere Maßnahmen für die Absatzregelung von
ausländischen Frühkartoffeln in Deutschland zu
treffen. Die Anordnung tritt am 5. Juni in Kraft.
89 Jahre Sehestebter Pferöegilde.
xy. Sehestedt, 5. Juni. Im Dorsgasthaus W. Sa
ger hielt die Sehestedter Pfcrüegilde ihre 80. Jah-
res-Generalversammlu»g ab. Nichts kann die Not-
wendigkeit einer solchen landwirtschaftlichen Selbst-
hilscorganisation eindrucksvoller unterstreichen, als
die Tatsache, daß sie heute, nach beinahe einem
Jahrhundert, noch jugendfrisch wie am ersten Tag
ihrer Aufgabe dient, die in ihr zusammengeschlos
senen Mitglieder vor schweren wirtschaftlichen
Schäden zu schützen. Gegründet wurde die Gilde
während der schleSivig-holsteinischen BefreiungSzcit
im Juni 185g. Sie zählte damals schon 102 Mit
glieder aus den Ortschaften Borgstedt, Lchmbek,
Schirnau. Wentorf, Sehestedt, Haby und Holtsee
mit 316 versicherten Pferden. Den damaligen Vor
stand bildete» der Großvater des jetzigen Bauern
Chr. Suhr-Wentorf als Präsident und der Vater
des erst kürzlich aus Sehestedt verzogenen Alten-
teilcrs Johannes Brammer. Seit jener alten Zeit
hat die Gilde Jahrzehnt um Jahrzehnt und Jahr
für Jahr znm Wohl ihrer Mitglieder gearbeitet.
Sie hat ebensolange schon auch alljährlich einmal
und immer zur selben Zeit ihre Mitglieder zu
einem Gildetag versammelt, der heute zu einer fest
in Blut und Boden verwurzelten Tradition gewor-
den ist und auö dem Banernjahr nicht mehr her-
ausgedacht werden kann. Die Gilde umfaßt heute
284 Mitglieder aus dem weiten Bezirk von Krons
hagen (Kiel) bis nach Bübelsdors und von Aschessel
bis nach Bredenbck und gliedert sich in 21 Distrikte.
Die Zahl der versicherten Pferde ist 808 und deren
Gesamtversicherungswert beträgt 582 850 JIM. Im
letzten Geschäftsjahre wurden Ersatzansprüche für
60 Pferde gestellt. Es mußte dafür eine Umlage er
hoben werden vvn 3,9 v. H. für 190 MJl Versiche
rungssumme. Den augenblicklichen Vorstand bil
den als Wortführer Bauer Chr. Snhr aus Ham
mer und als Schriftführer Kaufmann E. Johann-
sen aus Sehestedt.
Nach Erledigung der eigentlichen Generalver-
sammlung sah das JubilünmSfest ». a. noch Preis
schietzen für die Mitglieder und ebensolches Glücks-
raddrehen für die Frauen vor. Den Königspreis
gewann int Schießen K. Krabbenhüft ans Holtsee
mit 33 Ringen und Fra» Ramm ans Klcin-Witten-
see mit 93 von 108 möglichen Punkten.
zu sehen, wie auf den tauigen Waldwiesen,
au denen wir vorbeizogen, balzende Birk
hühner und Anerhähne in Scharen ihre Tanz
spiele ausführten und sich dabei durch' die
vorübermarschierende Truppe nicht störeil
ließen. Immer näher — unter ständigen
Kämpfen — rückten wir an unser Ziel heran.
Der Feind machte verzweifelte Anstrengungen,
itns aufzuhalten, und verfiel dabei mis gerade
zu groteske Mittel. In einem Bahnhof in der
Nähe von Turenki hatte sich ein deutscher Stab
einquartiert. Unsere Gegner in dem schon
nahen Tavastehus hatten dies in Erfahrung
gebracht. Sie wußten, daß auf dem Bahnhof
die Weichen in größter, in nächster Zeit kaum
wieder zu behebender Unordnung waren, und
darauf gründeten sie ihren Plan. Sie wollten
eine Lokomotive mit einigen Wagen Spreng
stoff führerlos absenden. Sie hofften, daß beim
Entgleisen das Ganze explodieren und den
Bahnhof nebst näherer Umgebung völlig zer
stören würde. Gott sei Dank brauchten sie zu
ihren Vorbereitungen etwas lange, so daß die
ganze kleine deutsche Armee vorher genau
darüber unterrichtet war, was sie vorhatten.
Auch hier war, wie überall im finnischen
Feldzug, das Telefon noch im Betrieb und für
beide Teile benützbar. Der böse Plan tvurde
zuln herrlichsten Schauspiel. In einer weiten
Ebene, in der nirgends ein Haus zu sehen
war, an einer Kurve, hatten unsere Pioniere
mehrere starke Sprengladungen eingebaut, die
sie aus angemessener Entfernung zur Explo
sion bringen konnten. Außerdem hatten sie an
dieser Stelle noch die Schienen entfernt, so daß
Rom umjubelt den siegreichen Marschall.
Ein Bildtelegramm von der Ankunft des Marschalls Badoglio in
Rom. Seine Fahrt durch die Straßen der Stadt glich einem wahren
Triumphzug. (Weltbilds K.)
für den Bahnhof, der einen halben Kilo
meter weiter südlich lag, keinerlei Gefahr be
stand. Wir lagen in guter Deckung auf den
umliegenden Höhen und sahen Mit Spannung
dem Ende der Tragödie entgegen. Endlich kam
der erwartete Zug angebraust, und es war ein
großartiges Schauspiel, die erfolgreiche Wir
kung unserer Vorbereitungen zu beobachten.
Kerzengerade stieg die Lokomotive mit ihren
paar Wagen in die Luft, und erst in beträcht
licher Höhe explodierten die Sprengstoffe, die
den Bahnhof zerstören sollten, wie eine Ra
kete. Es tvar ein kurzes, für uns recht ein
drucksvolles Feuerwerk, da ja niemand dabei
verunglückt war.
Der erste Tag von Tavastehus aber — noch
am selben Abend kamen wir in die nächste
Nähe dieses Ortes — wurde fürchterlich. Die
Stadt liegt überaus malerisch zwischen zwei
Seeit, überragt von einem alten Schloß. Ein
Bahndamm und eine Straße überqueren den
schmalen Arm des einen Sees. Um den Schiffen
die Durchfahrt zu erleichtern, war an einer
Stelle eine bewegliche Brücke angebracht.
Gerade dieser Brücke gegenüber gingen wir
in einem herrlichen Park hinter dem gemau
erten Rest einer alten Windmühle in Stel
lung. Im Park waren die Warmhäuser un
versehrt erhalten geblieben, und in ihnen
blühte eine Fülle üppigster Nelken und ande
rer Blumen. Alle Nelken waren feuerrot,
woraus wir entnehmen konnten, daß das Herz
des Gärtners mehr für die Gegenpartei als
für uns schlug. Die Häuser mit den Treib-
hausgurken galten uns aber ungleich mehr
als die Nelken.
Die Bolschewiken hatten mit unserem über
raschenden Eintreffen nicht gerechnet und den
Kopf völlig verloren. Kaum brach der Tag an,
so meldeten unsere Posten, daß der Feind mit
Sack und Pack, mit Kind und Kegel auf dem
langen Bahndamm gegen das Festland hin
anszureißen versuchte. In aller Eile wurden
die Brücken unter direktes Feuer genommen,
und nach ein paar wohlgezielten Volltreffern
tvar für die Aermsten da drüben jede Möglich
keit zur Flucht vorüber. Sie konnten auch nicht
mehr zurück, denn von hinten, her drängten
immer weitere Massen nach, Wir haben das
Schießen sofort eingestellt, denn es wäre nur
ein zweckloses Morden von Frauen und Kin
dern gewesen. DaS weitere Aufräumen über
ließen wir den Finnen, die das weit besser
verstanden. In die Stadt hinein kamen wir
an diesem Tage nicht mehr, denn wir wurden
in Eile nach. Nordosten in Marsch gesetzt, um
bei Syrjäntaka die große Hauptstraße zu sper
ren. Auf dieser Straße sollten die letzten ver
sprengten Teile der Roten Armee ans ihrer
Flucht nach Rußland aufgehalten werden.
.(Fortsetzung folgt.)