Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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Der SonirtaasfreunK 
^29. Jahrgang > Nr. 130 
^eilaqe der Schleswiq.Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt) 
Sonnabend, den 6. Juni 1936 
GlW öss bvnksubM Menschen ist, 
kas Lrforschlrche erforscht zu haben 
nnö bas Unerforschliche ruhig zu 
verehren. 
Gootüo. 
Cv.. 
\yu 
Gedanke» zum Sonntag 
_ einem Kopenhagener Briefe wurden 
Kürzlich auch in diesem Blatte die Grönland 
lunde, im Eis erstarrte und vor Verwesung 
bewahrte Tiere auf der Zwischenstufe zwischen 
Kiemen- und Lungenatmer erwähnt. Der die 
Untersuchung leitende Forscher hatte in dieser 
-Verbindung sich zu der E n t w i ck e l u n g s - 
lheorie von niederer zu höherer Art be 
kannt. Er sprach dabei über die Umwand- 
lung von Fischen in „Fußgänger mit 
Lungen" oder „fliegende Vögel" in 
einer U r p e r i o d e, in der Schwimm 
blasen zu L u n g e n und Flossen zu 
Flügeln oder zu Beinen wurden. 
Zwei Glaubensbekenntnisse stehen 
bazu einander gegenüber: Entwickelung 
aus einer unpersönlichen Urzelle 
oder Schöpfung Himmels und Erde und was 
barauf lebt durch einen persönlichen 
Gott. 
Das erstere nimmt für Wachsen und Reifen 
von niederer zu höherer Stufe Jahrmillionen 
an, das andere bekennt sich zu einem göttlichen 
Schöpfungswerk in sechs aufeinanderfolgenden, 
lest begrenzten Zeitperioden. Die göttlichen 
Urkunden bezeichnen jede derselben als e i n e n 
Tag. Daß damit nicht der 24-Stunden-Tag 
unserer Zeitmessung gemeint sein kann, svn- 
bern nur die Tatsache einer durch Gottes Wil 
len nach Anfang und Ende begrenzten Zeit 
periode behauptet wird, geht schon daraus her 
vor, daß erst der vierte „Tag" die gegenwärtige 
Ordnung in den Beziehungen von Sonne und 
Erde und damit den 24-Stunden-Tag in 
Menschlicher Begrenzung brachte. Der gött 
liche Schöpfungstag ist demnach eine 
Zeitperiode, deren Abmessung in menschlichen 
menschlichen Werden Schöpfungsperio 
de u sich aneinanderreihen, in der ein persön 
licher Gott als Schöpfer gewirkt und alles i n 
seiner Art geschaffen hat, um es dann in 
organischem Wachstum sich entwickeln und 
reifen zu lassen. Im ersteren Falle sind 
Zwischenglieder notwendigste Voraussetzung 
als Beweisgrundlage für die angenommene 
Theorie. Im letzteren Falle dürfen Arten in 
Flora und Fauna, im Uebcrgang von einer 
zur anderen Periode zwischen den eindeutig 
entwickelten Arten stehend, als geschaffen 
angenommen werden. Die Entwickelungs 
theorie muß aber für seine Beweisführung 
nicht nur die Zwischenglieder auf 
zeigen, sondern auch die Behauptung 
begründen, daß durch Anpassung an 
neue geologische Verhältnisse ein Kiemen 
atmer sich allmählich zu einem Lungen 
atmer hat entwickeln können, wie der be 
treffende Gelehrte sagt, Fische sich allmählich 
in Fußgänger mit Lungen oder in fliegende 
Vögel „umwandeln" könnten. 
Die ständige Erfahrung beweist al 
lerdings, daß Kiemenatmer in ganz 
kurzer Zeit ebenso unweigerlich 
zugrunde gehen, wenn sie ihrem Lebens 
element entzogen werden wie umgekehrt das 
auf Lungenatmung angewiesene 
Geschöpf, wenn es dem Luftraume entzogen 
wird. 
Die jetzt im Eise von Grönland gemachten 
Funde von einer Zwischenstufe zwischen Fisch 
und Landtier beweisen somit nur, daß in dem 
geologischen Reifen der Erde zwischen Kiemen- 
und Lungenatmer Zwischenglieder bestanden 
haben. Die Funde beweisen aber nicht, daß sich 
Kiemenatmer, die infolge Wasserverarmung 
sich veränderten Verhältnissen gegenüber 
sahen, zu Fußgängern mit Lungen oder flie 
genden Vögeln wandelten. 
Wie auf so vielen Gebieten verlangen auch 
in diesem Falle beide A n a h m e n, die der 
Entwicklung aus einer Urzelle oder die Schöp 
fung aus Gott, Glauben, wobei die An 
nahme einer Schöpfung durch einen persön 
lichen und allmächtigen Gott der Vernunft 
näher steht wie die andere. Glauben aber 
müssen wir in allen Fällen. Es bleibt nur zu 
entscheiden, ob mau die göttliche Offen 
barung für vertrauensvoller ansehen will, 
oder aber Feststellungen der Wissen 
schaft, die noch in keinem Falle beweisen 
konnte, daß die göttliche Offenbarung zur Sache 
unzuverlässig ist. ©* 
Fêhŗè ÄRrch Dķutschàrîh / Vo« H.§.Döbler 
„Reiten, reiten, reiten durch den Tag, durch 
die Nacht, durch den Tag". Ich bin auf Fahrt 
gegangen. Und, um schweigen zu können, 
allein. Die große Sehnsucht hat mich gepackt 
und hinausgetrieben. In mir brennt der 
Rhythmus des Marsches. Ich habe nichts als 
meinen Fellaffen, meine Mundharmonika und 
den Cornet von Rilke. 
-Lagen, Jahren, Jahrzehnten, Jahrtausenden 
usw. uns nicht geoffenbart worden ist. 
Das erstere nimmt Entwicklung aus einer 
unpersönlichen Urzelle au, die zunächst durch 
Spaltung, später durch Zeugung von 
niederster zu höherer und höchster Art im 
Menschen wuchs und sich so mannigfaltigst ent 
faltet hat. Das letztere bekennt sich dazu, daß 
im geologischen, pflanzlichen, tierischen und 
Vor mir liegt eine endlose Straße. Ich weiß 
nicht mehr, wieviele Kilometer ich noch laufen 
will, weiß nicht, wieviele hinter mir liegen. 
Die Vergangenheit ist ausgelöscht. Ich war 
Gymnasiast in der großen Stadt. Machte meine 
Schularbeiten — träumte Unsagbares. Viel 
leicht vom ewigen Gesang des Windes, viel 
leicht von unbegrenzten Horizonten — — 
Und nun stürmt es in mir. Nun geh ich mit 
langen Schritten eine Straße entlang, die end 
los vor mir liegt. Und der Wind singt ein 
Lied 
Es ist der erste Abend hier draußen. Die 
Zonne ist untergegangen. Ueber den weiten 
Feldern liegt die Dämmerung. Ich 
denken an Zeiten, als ich noch ein kleiner 
Junge war. Ich war auf das Fensterbrett 
geklettert, um „dem lieben Gott" Gutenacht 
zu sagen. Meine Mutter hielt mich. Da kam 
dieses selige Gefühl und ich breitete 
die Arme aus, und schrie so laut ich konnte... 
Es ist mittlerweile ganz dunkel geworden. 
Himmel und Erde sind verschmolzen und in 
der Stille hört man nur das Rauschen der 
Bäume und den Klang meiner Schritte. Ich 
sollte mir eigentlich ein Quartier suchen, aber 
die Nacht ist warm und lockend. Ich werde mich 
treiben lassen, irgendwohin 
Ich marschiere über die große Elbbrücke. 
Unter mir ziehen die Zillen hin, aus ihren 
Schornsteinen quillt bläulicher Rauch, Kinder 
spielen auf dem Deck. Eine lange Reihe zieht 
so unter mir vorüber. Ich werde baden. Vor 
sichtig klettere ich hinunter, lege die Sachen ab. 
Schwimme in weiten Stößen hinaus. 
Ueber die Brücke donnern Ferntransporter. 
Dann wieder Autos. Es geht gegen Abend. 
Mensch im Sumpf 
Erzählung von Ernst Dörr. 
Mit dumpfem Getöse rollt der Trecker, des 
sen Motorgeknatter das einzige Geräusch auf 
der weiten Feldmark darstellt, über das Feld. 
Der fünfscharige Pflug, den er hinter sich her 
zieht, bricht die graubraune Erde und reiht in 
steter Bewegung Furche an Furche. 
Der junge Bauer führt den Trecker nicht 
immer, der Hof hat für diese Tätigkeit einen 
ausgebildeten Treckerführer. Doch als Eleve, 
der im Herbst nach beendeter Lehrzeit seine 
Prüfung vor den Vertretern der Landes 
bauernschaft bestehen will, legt der junge 
Mann Wert darauf, auch im Motorpflügen 
Erfahrung gesammelt zu haben. Und der Chef 
bat es ihm gern erlaubt. Den dritten Tag 
pflügt er nun, in anderthalb Tagen wird der 
schlag herum sein... 
Die Prüfung fällt ihm ein. Wenn er minde 
stens mit gut besteht, darf er sich über Winter 
auf dem elterlichen Hof etwas erholen und 
Uch von der Mutter und den Schwestern ver 
söhnen lassen, das hat der Vater ihm zuge 
billigt, doch nur, wenn er mit gut besteht. 
Wilhelm Hansen muß sich zusammennehmen, 
denn der Pflug zieht jetzt seine Furchen am 
-stände des Bruches. Das kleine Moor darin 
'st tückisch und gefährlich. 
Als er bei der nächsten Rundfahrt das Moor 
"u seiner äußersten Kante berührt, setzt er 
Mr der Kante den Pflug aus und läßt den 
Faktor leer um die gefährliche Stelle herum 
fahren, um jenseits des Moorrandes wieder 
îņit dem Pflügen zu beginnen. Doch was ist 
das? 
Noch im Fallen sieht er, wie der Trecker 
sich so weit neigt, daß er jeden Augenblick um 
stürzen muß. Die schwere Maschine wird ihn 
zerschmettern, wenn er so wie jetzt liegen 
bleibt. In Bruchteilen von Sekunden spielt 
sich alles ab, es gelingt ihm, seinen Körper 
zurückzuwerfen, der klebende Morast hindert 
ihn aber, auch das rechte Bein weit genug zu 
rückzuziehen, er sieht die immer noch arbei 
tende schwere Maschine dicht vor sich... ein 
dumpfer Fall... Schmutz spritzt auf, und im 
nächsten Augenblick spürt Hansen einen schnei 
denden Schmerz am Knöchelgelenk des rechten 
Beines. Das Bein liegt eingeklemmt unter 
dem Hinterrad des Traktors, dessen Motor 
aufkreischend noch ein paar rasend schnelle 
Kolbenstöße vollführt und danach stillsteht. 
Während er sich zu befreien sucht, fühlt der 
Jungbauer, wie das in den Sumpf gleitende 
Hinterrad sein Bein und damit auch seinen 
Körper tiefer in den Morast hineindrückt. Un 
ter einem Gefühl jäher Angst zerrt er, den 
Schmerz verbeißend, mit aller Gewalt an dem 
eingeklemmten Bein, aber nutzlos, die Ma 
schine lastet zu schwer darauf. Ermattet sinkt 
er für einen Augenblick wieder zurück, um sei 
nen Körper gleich von neuem aufzupeitschen, 
denn er spürt, daß er mit jeder Minute tiefer 
gezogen wird. Bis an die Hüften ist er nun 
schon eingedrückt, er sieht, wie ihn der schwärz 
liche Brei unter den aufgestützten Armen her 
vorquillt. 
. In dem Augenblick, da die Scharen erneur 
'ü das Erdreich greifen und der Motor nach 
bein ersten Ruck des Anziehens schärfer ar 
beiten muß, gibt die weiche Erde unter dem 
Eüken Hinterrad plötzlich nach, und in lang- 
miner, aber steter Bewegung neigt sich der 
ichwere Traktor dem Moor zu. Der junge 
Bauer erkennt die Gefahr, er will noch schnell 
bpch dem festen Lande zu abspringen, doch die 
Maschine hat schon einen sehr starken Nei 
gungswinkel, beim Ansatz zum Sprung gleitet 
et nach hinten ab und stürzt rücklings in den 
Zeichen Morast. 
Barmherziger Himmel! Nur nicht so zu 
grunde gehen! Und wieder ist der Versuch, 
das Bein hervorzuzerren, vergeblich. Der 
Schmerz im Knöchel quält ihn bis zur Uner 
träglichkeit, aber das Weitersinken vermag er 
nicht aufzuhalten. 
„Zu Hilfe!!" Er schreit, was die keuchende 
Lunge hergeben will. Es sind Leute auf einem 
Nachbarschlag beim Klecmähen, vielleicht hö 
ren sie ihn. Er ist ja noch so hoffnungsvoll 
jung, es kann doch nicht möglich sein, daß er 
so einfach... Und wieder röchelt sein Schrei in 
höchster Slot. 
Da — zwei Frauen am Rande des Moores. 
Er besitzt noch Geistesgegenwart genug, daß er 
ihnen einen Auftrag geben kann. Die eine soll 
auf den Hof eilen und Gespanne herbeiholen, 
auch die Zugketten nicht vergessen, die andere 
Durch die klare Luft klingt eine Ziehharmo 
nika. Einige große Krähen segeln mit ruhigem 
Flügelschlag zur Stadt. 
Wittenberg steht scharf gegen den hellen 
Abcnöhimmel 
Ich erhebe mich triefend aus dem Wasser, 
trockne mich ab und ziehe mir frische Sachen 
an. Dann hocke ich mich aus eine der steinernen 
Molen, die weit in den Strom hinausragen. 
Wie schön und weit ist dieses Wasser. Nur 
große Linien und ruhende Bewegung. 
Die Wellen spielen und schlagen leise klat 
schend an die Steine. Die Ziehharmonika 
spielt immer noch. Der Wind trägt ihren 
Klang über dunkle Deiche weit ins Land, das 
ruhig da liegt. 
Ich muß weiter. 
Von der Brücke aus sieht die Stelle, wo ich 
eben saß, klein und unwirklich aus. Ein Auto 
nimmt mich mit. Grelle Scheinwerfer fressen 
sich in die Nacht. Zerstören den Gleichklang 
der Straße. Blätter taumeln ins Licht wie 
große, braune Schmetterlinge. Bäume gleiten 
leise singend vorüber. 
Der Fahrer dreht sich zu mir um: „Wo wol 
len Sie heut noch hin?" 
Was soll ich ihm sagen? „Ich weiß es 
nicht!" 
„Wo schlafen Sie denn?" 
Ich muß lachen: „Das weiß ich auch noch 
nicht. Wahrscheinlich im Wald." 
Schweigen. Wir fahren weiter. Man wird 
müde, denn das gleiche Singen des Motors 
schläfert ein. Der Wagen hält. Ich 
steige aus, bedanke mich. Dann marschiere ich 
ins Dunkel. Ich werde mir bald eine Schlaf 
stelle suchen. 
Die Nacht nimmt mich auf. 
Heitere ESe 
Kindermund. 
Der Herr des Hauses bringt einen Geschäfts 
freund zum Mittagessen mit. Ausnahmsweise 
darf der kleine Sohn an der Tafel teilnehmen. 
Als der Braten auf den Tisch kommt, ruft er 
erstaunt: „Das ist ja Roastbeef!" 
„Natürlich ist das Roastbeef", antwortet der 
Vater. 
„Ich dachte, es gibt Schaffleisch, denn du hast 
doch gesagt, du bringst einen alten Schafskopf 
zum Essen mit." 
aber bei ihm bleiben und ihn zu stützen ver 
suchen. 
Sie ist ohne Angst, diese einfache Frau, und 
sie ist vor allem umsichtig und klug. Im ersten 
Augenblick weiß sie sich zwar nicht zu helfen, 
dann aber entdecken ihre suchenden Augen 
ein Stück Brett an der Seite des Moores, das 
man zu irgendwelchen Zwecken gebraucht hat. 
Dieses Brett holt sie nun, wirft es hinter dem 
Eingesunkenen auf den schwankenden Moor 
brei und stellt ein Bein darauf. So kann sie 
mit ihren schwachen Kräften, ohne selbst ein 
zusinken, den armen Jungen, dessen Gesicht 
schon blau anläuft, so gut es geht, stützen. 
Der Junge stöhnt leise. Unter verklebtem 
Haar hervor rinnt ihm der Angstschweiß über 
das Gesicht. 
Da tauchen ein paar Arbeiter an der Un 
glücksstelle auf. Die vorbeieilende Frau hat 
ihnen wohl zugerufen, was geschah. Der eine 
oder andere unternimmt auch den Versuch, 
den Eingesunkenen an den Schultern empor 
zuzerren, aber es ist nutzlos. Man sinkt selbst 
ein, und außerdem hat es keinen Zweck, ehe 
der Traktor nicht gehoben ist. 
Ob denn noch kein Pferd zu sehen sei, keucht 
der junge Mensch. 
Nein, man sähe noch nichts. So schnell ginge 
das auch nicht,' die Gespanne arbeiteten gerade 
auf der anderen Seite des Hofes. 
Der junge Mann sieht die Hoffnung immer 
mehr schwinden. Sein Blick fällt auf eine am 
Ackerrand liegende Sense, die einer der Arbei 
ter wohl in Gedanken mitgeschleppt hat. Ein 
Einfall kommt ihm. Kann man nicht alles 
retten, so doch wenigstens das Leben. 
„Nehmt die Sense dort und schneidet mir 
einfach das Bein ab!" schreit er. Es ist ja ganz 
gleich, abgestorben scheint es doch schon zu 
sein. 
Aber die Leute schaudern vor diesem Ansin 
nen zurück. Lieber wollen sie noch einmal 
nach den Pferden laufen. 
Nur einer bleibt zurück und löst die junge 
Schnitterin ab, deren Arme vom mühseligen 
Halten erlahmt sind. Aber auch die Kraft des 
Mannes vermag das Versinken des Verun 
glückten, auf den die Last des Treckers immer 
stärker drückt, nicht auszuhalten. Das eine 
Bein, das dieser bisher mit aller Mühe em 
porgehalten hatte, ist nun auch längst einge 
sunken. Die Hoffnung auf Hilfe hat er auf 
gegeben. Teilnahmslos erwartet er das Ende. 
Als ihm der Morast bis an das Kinn gestiegen 
ist, befreit ihn Bewußtlosigkeit vorübergehend 
von seiner Qual. 
Der Mann, der den Verunglückten bisher 
hielt, kann es nicht mehr ansehen, er überläßt 
der Frau wieder den Platz. Freilich kann die 
auch nur noch den Kopf des Verunglückten 
stützen und im übrigen darauf achten, daß die 
Arme so weit wie möglich an der Oberfläche 
bleiben. Als der Kopf allmählich zu versin 
ken droht, verliert sie, während der Mann rat 
los umherläuft, nicht nur nicht die Nerven, 
sondern es kommen ihr sogar rettende Gedan 
ken. Sie fordert den Mann auf, aus der auf 
dem Acker liegenden blechernen Kaffeekanne 
des jungen Mannes den Boden zu schlagen 
und ihr dann die Kanne zu reichen. Der Arbei 
ter tut es mit zitternden Händen. Da schiebt 
die junge Frau dem Verunglückten das Mund 
stück der Kanne zwischen die Lippen. 
Der kommt im selben Augenblick wieder zu 
sich. Sein Gesicht verzerrt sich vor Grauen, 
als er die schleimige Schwärze so dicht an sei 
nem Gesicht spürt. Er will noch einmal schrei 
en, aber es wird nur ein wimmerndes Lallen 
daraus. Und als er den Mund krampfhaft 
wieder schließt, drückt ihm die Frau den Unter 
kiefer mit sanfter Gewalt wieder herab und 
schiebt ihm das Mundstück in die Oeffnung. Er 
solle die Kanne um Himmels willen im Mund 
behalten/sagt sie beschwörend, damit... damit 
er im schlimmsten Falle bei Atem bleibt. Er 
sei ja gleich erlöst, sie höre schon Getrappel 
von näherkommenden Pferden. 
Wenige Augenblicke später dröhnt die Erde 
unter Pferdehufen. AIs die erste Kette an der 
tiefliegenden Maschine befestigt ist, sieht man 
von dem Verunglückten kaum noch etwas. 
Nur die Hände ragen noch aus dem Morast, 
und die Blechkanne, die die Frau hält. Rö 
chelnd dringt der Atem durch das rettende 
Blech, er lebt also noch. — 
Scharf erteilt der Bauer seine Befehle. Die 
Pferde müssen langsam anziehen, nicht ruck 
weise. Allmählich hebt sich der morastbehängte 
Traktor aus seiner Lage heraus. 
Einen Augenblick später liegt auch der 
Verunglückte auf trockener Erde. Ehe er von 
neuem in Ohnmacht fällt, umfaßt er Erde und 
Himmel noch einmal mit einem Blick.
	        
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