Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

tie Höhe der Wälle am Loher Wog auf hohes 
Alter. Eine Einwendung ließe sich dagegen 
machen: Tie Loher Heide war um die Zeit 
etwa 1865—75 ein Truppenübungsplatz, der 
noch heute an den vielen Wällen im Walde er 
kennbar ist. Die erwähnten Spuren stammen 
aber nicht etwa von den zum Uebungsplatz 
herausgefahrenen Kanonen, denn diese befuh 
ren bis nach Lohe allein den Loher Weg, der 
zu diesem Zweck von der Gemeinde mit Grand 
versehen werden mußte. 
Wir werden es also hier mit einer älteren 
Linienführung des Heerweges zu tun haben! 
Wie führte der Weg nun aber von Fockbek 
weiter? Ich möchte annehmen, daß der Weg 
sich nach Rendsburg wandte. Wie ein Blick auf 
die Karte zeigt, ist dabei dieser Weg über die 
Loher Heide garnicht einmal viel weiter ge 
wesen als der über Ahrenstedt! 
Doch damit kommen wir zur Frage, wo der 
Heerweg die Eider überschritt. Sie ist heute 
schwer zu beantworten, da die Kanalbauten 
sehr viele Veränderungen bedingt haben. Drei 
Stellen kämen wohl in Frage: Rendsburg, die 
Gegend vom Klint und öte Gegend bei Nübbel 
und Schülp. 
Nach dem Heimatbnch wird Rendsburg 1109 
zuerst in der Geschichte erwähnt. Eine Burg 
soll auf einer Eiderinsel gelegen haben. Nun 
wird man die Burg als Grenzfeste an einem 
besonders gefährdeten Punkt, nämlich dem 
Uebergang der Heerstraße, angelegt haben. 
Andererseits wird eine Insel, besonders wenn 
die Ufer wie bei Rendsburg nicht zu steil und 
trocken sind, immer ein günstiger Flußüber 
gang sein und damit zur Entstehung einer 
Siedlung Anlaß geben, wie es viele Beispiele 
auch sonst in der Welt zeigen. 
Beim Klint sind die Uebergaugsmöglichkei- 
ten ebenfalls nicht schlecht. So wird ja auch im 
Heimatbuch erwähnt, daß hier ein lebhafter 
Viehschmuggel über die Eider stattfand in den 
Zeiten, wo in Rendsburg ein Durchgangszoll 
erhoben wurde. Ob der alte Heerweg selbst 
über Klint führte, scheint mir ungewiß. Von 
Fockbek aus gehen zwar einige breite Wege 
zum Klint, doch dürften die wohl allein als 
Zufahrt zu den Feldern gedient haben. Auf 
einen alten Uebergang dagegen könnte deu 
ten, daß das Flußbett früher an dieser Stelle 
seicht und mit Steinen bedeckt war. Ferner 
stößt bei der Grimmeschen Villa ein trichter 
förmig verbesserter Weg von Süden her an 
die Eider, der zur Furt geführt haben könnte. 
Schließlich mag auch die Sage, daß die Unter 
irdischen bei Klint über die Eider gingen, auch 
auf alte Uebergänge hindeuten, ebenso wie der 
beim Baggern gemachte Fund einer Hirschge 
weihaxt. Bor dem Kanalbau führte vom Klint 
ein Weg am Ostende Westerrönfelds entlang 
nach Brahmkamp und Jevenstedt, der heute 
durch seine Breite und z. T. durch seine Ver 
lassenheit auffällt. 
Vorgeschichtsfunde begleiten aber in stärkerem 
Maße den nun noch zu beschreibenden Weg 
über das Westende Fockbeks. 
Bei Garlbek liegt nördlich vom Bahnhof ein 
ganz seltsam geformter Dünenwall. Beinahe 
schnurgerade verläuft diese hohe Düne, um 
ihre Fortsetzung zu finden in einem ähnlich 
geformten, aber senkrecht dazu streichenden 
Wall, an dessen Rand steinzeitliche Geräte ge 
funden werden, während in der Nähe ein Ur 
nenfriedhof und ein Hünengrab aufgedeckt 
worden sind. Von hier nach der Westseite Fock 
beks hinzeigend, wurden früher bis metertief 
ausgefahrene Wegespuren gefunden in der 
Nähe des Bahnhofs Garlbek. An der Westseite 
Fockbeks finden wir die drei Hünengräber, in 
denen verschiedentlich Urnen mit Brandresten 
gefunden wurden. 
Von hier aus könnte der Weg nur weiter 
nach dem Posthof verlaufen sein, wo wiederum 
ähnliche Wälle auftauchen wie in Garlbek und 
Alte Chroniken erzählen! 
ebenfalls Steinwerkzeuge gefunden werden. 
Weiter nach Westen zu konnte der Weg von 
Fockbek aus wohl führen, denn dort wird das 
Gelände sehr feucht trotz seiner hohen Lage, 
und dazu war hier noch vor kurzer Zeit alles 
mit Wald bedeckt. Die ehemalige Försterstelle 
steht noch in Fockbek! Wo nun dieser Weg die 
Eider überschritt, ist schwer zu sagen. Möglich 
keiten bestanden bei Nübbel selbst, bei Schülp 
oder auch nordöstlich vom Posthof. Vielleicht 
sind die Wege von Westerrönfeld und Schülp 
Der alte Erbhof Sievers irr Hawdorf 
vor 28® Ishren 
In dem Expeditionsprotokoll der Hohner 
Harde, welches mit dem Jahre 1730 beginnt, 
finde ich folgende Akten, die auf den Erbhof 
Sievers in Hamdorf Bezug nehmen. 
1743. Erbkauf zwischen Johann Sievers aus 
Hahmendorff und Johann Sieck aus 
Nübel resp. Futoris et Curatoris no 
mine Wohlbe und Lencke Sievers, we 
gen einer % Hufe in Elsdorf. 
Aus dem Inhalt geht hervor, daß das Feste 
Gut in Elsdorf am 20. Dezember 1742 an die 
Kinder von Wohlbcke und Lehncke Sievers ge 
kommen ist. Johann Sievers und Johann 
Sieck, die „Oehmer" der Töchter, verkaufen 
die Hufe an Carsten Frahm für 400 Mark 
Courant. Die Töchter wollen nicht heiraten und 
die Hufe selbst übernehmen. 
1749. Hans Sievers zu Hamdorf übernimmt 
die Hufe seines verstorbenen Vaters. 
Hierüber ist zwischen ihm, seiner Groß 
mutter, seiner Mutter und seinem ein 
zigen Bruder, Siemou Sievers, eine 
Haus- und Verlchns-Certe zu Papier 
gebracht. 
Hans Sievers übernimmt die Vollhufe mit 
Haus, Hof, Land und Sand, 4 alten Beestern, 
4 Kälbern, 13 Pferden, Pflug und Wagen, 
ohne jegliche Schuldenlast. Wogegen derselbe: 
1. darüber die behörige Feste suchet und löset, 
seinem volljährigen Bruder Siemou Sie 
vers. 
2. Ein Stück Jungbeest zur Hochzeit zu 8 Mark 
und 2 Tonnen Roggen auskehrt und dem 
selben aus den vorhandenen Pferden vier 
solcher gestalt ziehen läßt, daß er, Hans Sie 
vers, zunächst zwei behält, sodann Siemon 
Sievers 2 einmacht, auch Hans wieder da 
nach zwei, und sodann Siemon gleichfalls 
zwei ziehet. 
3. Als Vcrlehn erhalten Mutter und Groß 
mutter das Verlehnshaus als Wohnung, 
2 Tonnen Roggen, 2 Tonnen Buchweizen, 
30 Bund Stroh, 12 Fuder Heu als von Es- 
hoep Wiese 4 Fuder, 4 Fuder von des Wit 
tenberger Teil, 2 Fuder von der Norgen 
Schwaader Wiesch und 2 Fuder aus der 
Neuen Wiese. Ferner 12 Fuder Torf, 2 
Kühe aufs Vor- und Nachgras und den 
Kohlhof hinter dem Stall. Zur Aufziehung 
einiger Kälber erhalten sie an Wieschland 
das kleine Teil auf Eshoep und das kleine 
Seit Wieschen Teil, doch müssen sie diese 
auf eigene Kosten bearbeiten und einfahren 
lassen. 
1754. Detlef Sievers, % Hufner in Hamdorf, 
will, nachdem ihm seine erste Frau ge 
storben ist, wieder heiraten. Er hat aus 
erster Ehe drei Kinder, 2 Söhne, Johann 
und Thoms, und eine Tochter Wolbert. 
Dies sind über die Familie Sievers in Ham 
dorf die Akten, die ich finden konnte. 
Zur Geschichte der Schmiede in Hamdorf. 
Es ist noch keine zweihundert Jahre her, da 
mußten die Hamdorfer noch immer zur 
Schmiede nach Hohn. Dies war natürlich sehr 
beschwerlich, und es ist verständlich, wenn die 
Eingesessenen des Dorfes versuchten, eine 
Schmiede nach Hamdorf zu bekommen. Es 
gelang ihnen erst im Jahre 1762. Die Chronik 
darüber lautet im Auszug: 
„Als die Dorfschaftseingesessenen zu Hamen 
dorf vor kurzem durch abgeschickte Deputierte 
mir, dem alleinig in der Hohnerharde aller 
gnädigst privilegierten Grobschmied Hans 
Müller, wissend haben machen lassen, wie sie 
wohlgesonnen ihrer besseren Bequemlichkeit, 
der weit von Hohn Entlegenheit, und der zu 
Herbst- und Wintertagen eintretenden bösen 
Wetter und Wege halber, einen von mir ab 
hängenden Gesellen, zum Beschlag ihrer Pferde 
und sonstiger zu bedürfender Schmiedearbeit, 
bei sich im Dorfe wohnen zu lassen, ihm zur 
Errichtung eines Wohnhauses und einer 
Schmiede einen gewissen Platz anzuweisen 
und einzuräumen, und ich ihrem soranen An 
sinnen auch nicht wohl entgegen sein kann, 
zumahl bewandten Umständen nach, meinen 
mir allergnädigst erteilten Privilegio nichts 
ebgehet, mithin der Bewohner einer dortigen 
Schmiede zu jeder Zeit von mir allda gehalten 
und von meiner Willkühr, doch daß es jedes 
mal ein tüchtiger und zuverlässiger Mensch ist, 
dependieren soll und will, anbei die Dorfschaft 
einen solchen nicht nach Gefallen abschaffen 
kann, und von dieser nrit mir eingegangenen 
Verbindung über kurz oder lang sich loszu 
machen suchen möchte, samt was dem weiter 
anhängig, so habe solchem allen nach resolvie- 
ret, den Dorfeingesessenen zu Hamdorf, mei 
nem bei mir das Grobschmied-Handwerk er 
lernten Bruder, Claus Müller, zu überlassen, 
womit sie völlig friedlich und einig . . ." 
Unterschrieben ist die Urkunde von: 
Hans Müller, Schmied. Jochim Tiedemann, 
Bauernvogt. Tönnies Sieck und Hans Sie 
vers, Vollhufner. Hans Tönning und Johann 
Eggers, Yi Hufner. Hinrich Hönckendorff urU> 
Hans Stolley, % Hufner. 
Rudolf Carstensen, Großbuchwald. 
zur heutigen Jtzehoer Chaussee bzw. 
Brahmkamp noch aus dem alten Wegeverlauf 
herzuleiten? 
Folgen wir jetzt wieder dem zu Anfang be 
schriebenen Weg weiter nach Süden! Bo» 
Rendsburg ab folgt er zunächst der heutige" 
Chaussee. Bei de>n Wegzollhäuschen biegt heute 
der schmale Weg nach Brahmkamp ab. Das 
ist wieder die alte Landstraße. Nur ist sie nach 
dem Bau der neuen Chaussee sehr stark ver 
schmälert worden. Das dabei freigewordene 
Land wurde den angrenzenden Bauern zuge 
teilt. Von Brahmkamp ab hält sich der Weg 
immer auf der trockenen Höhe, bis er kurz vor 
Jevenstedt wieder in die heutige Straße mün 
det, die er bei Dammstedt wieder verläßt, unr 
in südwestlicher Richtung nach Hennstedt 3 U 
führen, wo ein weiterer Weg abzweigt, die 
alte Heerstraße nach Dithmarschen über Kne 
belshorst, Hamweüdel (s. Heimatbuchj. 
Bon hier an begleitet den Weg im Osten ein 
schmaler Feldstreifen, den früher wohl der 
Weg noch mit ausgefüllt hat. In Spannan 
war eine alte Fuhrwerkswirtschaft, in der cs 
Vorspann gab für die folgende Flugsandstrecke. 
Dieses Wegstück bis Legan (östlich der Chaussee) 
ist überaus malerisch. Schade ist nur, daß man 
den Weg heute streckenweise als Sandgrube 
und Abfallplatz benutzt! In einer Mulde ver 
läuft der recht breite Weg. An der Ostseite be 
gleitet ihn ein ganz merkwürdiges Gebilde, 
eine mächtige Binnendüne. Wie konnte diele 
zu solcher Höhe und der eigenartigen Fori" 
heranwachsen? Sieht man den Höhenzug von 
der Seite an, so bemerkt man, daß stellenweise 
der Sand über einen ehemaligen Wall gewis 
sermaßen wie eine Wasserwelle herübergeschla 
gen ist. Ein in Richtung Stasstedt abzweigen 
der Weg ist in seinem Anfangsstück ganz ver 
stopft durch den Sand wie durch eine Schnee 
wehe. 
Erst nachdem man einige Meter emporge- 
klettcrt ist, gewahrt man tief unter sich den 
Weg! 
Der Besitzer des Hofes Nienlegan, einer 
früheren Wirtschaft, dessen Vorfahr selbst 
Fracht von Hamburg nach Flensburg auf dew 
alten Weg gefahren hat, weiß noch von Be 
richten, wie die Bauern einen dauernden 
Kampf fiihren mußten gegen den vom Well 
heranfliegenden Sand. Aus den Wall wurde 
ein Fangzaun aus Heidegeflecht gesetzt, der 
bald wieder im Sande vergraben war, so daß 
man im nächsten Jahr einen neuen Zaun 
bauen mußte. Auf diese Weise wuchs der Wall 
zur heutigen Höhe heran. Erst später wurde 
von der dänischen Regierung die Bepflanzung 
mit Strandhafer in die Wege geleitet, wodurch 
dann schließlich der Sand festgehalten wurde. 
Bei Legan hört heute der Weg auf. Er führt 
aber noch erkennbar weiter über die Hofstelle 
und kurz darauf auf einen früher mit Stei 
nen gepflasterten Damm an die Luhnau, did 
wohl auf einer Holzbrücke überschritten wurde. 
Die Südseite des Dammes, bis ungefähr an die 
Chaussee reichend, ist noch erkennbar. Die 
Nordseite ist jetzt abgetragen. 
Unsere Wanderung soll hier ihr Ende fin 
den, nachdem wir eben eines der reizvollsten 
Stücke des alten Weges kennenlernten, das es 
wohl verdient, bei Wanderungen öfter aufge 
sucht zu werden! Will). E m e i s. 
§ŞNî / Hochlandsroman 
von Hans Ernst 
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Mauz, 
München. 
26) Nachdruck verboten. 
Blitzschnell^ duckt sich Toni hinter einen Lat 
schenbuschen, nimmt das Fernglas zur Hand 
und beobachtet sie. 
Mirl hebt die Arme und läßt sie dann lang 
sam wieder sinken, es ist eine rätselvolle, fast 
unverständliche Gebärde. Es liegt eine gewisse 
Hilflosigkeit in der Bewegung. Jetzt wendet 
sie sich um und nimmt das Seihtuch und einen 
Milchkübel von der Bank. Dann ruft sie den 
Kühen — eine dunkle, klangvolle Stimme. 
Toni läßt das Glas sinken und schüttelt 
den Kopf. Er kann es nicht verstehen, daß ein 
solches Dirndl die Geliebte eines Vagabun 
den, wie es der Bartl ist, sein kann. Langsam 
geht er zur Hütte hinunter. 
Bei seinem Eintritt steht Mirl gerade vor 
einem halbblinden Spiegelscheiben und richtet 
ihr Haar. Sie erschrickt ein wenig, wie ein 
Tier, das viel gejagt worden ist. Es läuft eine 
Bewegung über ihre dunklen Augenbrauen, 
nur für Sekunden, dann lacht sie. 
„Schau, schau. Ein ganz seltener B'such." 
„Wuudert's dich?" 
Sie blickt ihn mit ihren Feueraugen an, 
wendet sich dann ab und sagt: „Ja, von dir 
wundert's mich." 
„Jst's erlaubt, daß ich ein bißl rast?" fragt 
der Jäger und legt das Gewehr auf die Bank. 
„Hab nix dagegen. Wenn du warten willst, 
bis der Kaffee fertig is? Außerdem kannst 
auch a Milch haben." 
„Nein, ich wart schon lieber." 
Toni streckt behaglich die Beine. Mirl setzt 
sich ihm gegendüber und nimmt eine alte 
Kaffeemühle in den Schoß. 
Der Jäger schaut sich in der Hütte um. Alles 
ist blitzblank und funkelt. Kein Stäubchen sieht 
man. 
„Sauber hast dein Kaser beieinander, das 
muß ich sagen", meint er anerkennend. 
Sie gibt keine Antwort und schüttet den 
gemahlenen Kaffee in das brodelnde Wasser. 
Als sie sich dann, jedes eine große, geblümte 
Tasse vor sich, gegenübersitzen, sagt Toni: 
„Warum wundert's dich, daß ich komm?" 
„Weil die Jager für gewöhnlich an meiner 
Hütte vorbeigehn." 
„Ich net. Ich werd mich in Zukunft sogar 
recht oft in der Näh umeinanderpirschen." 
Ein kaum merkliches Zucken geht um die 
Mundwinkel der Sennerin. Dann sagt sie un 
vermittelt: 
„Dir is dein Vater im Holz verunglückt, 
gelt?" 
„Hat dir's der Bartl erzählt?" 
„Nein!" 
Kurz und feindselig kommt das heraus. 
Toni führt sich mit gespreizten Fingern durch 
die Haare. 
„Ja, ja", sagt er dann. „War noch gar net 
alt, der Vater." 
Mirl faltet die Hände über dem Tisch und 
blickt ihr Gegenüber forschend an. 
„Du bist wenigstens schon selbständig. Aber 
ich bin noch gar net in d' Schul' gangen, wie 
mir Vater und Mutter weggestorben sind." 
„So was is bitter", murmelt Toni in weicher 
Aufwallung. 
„Meine Leut haben in Brunneck ein kleines 
Anwesen g'habt. Der Vater hat im Holz g'ar- 
beit und d' Mutter is auch oft bei ihm im 
Schlag g'wesen und hat das Dürrholz zamm- 
klaubt. So auch an dem Unglückstag. Eine 
Lamin' is Niedergängen und hat alle zwei ver 
schütt. Mich hat man dann über die Grenz 
bracht zu Verwandten, und seit ich aus der 
Schul bin, bin ich beim Riedhammcr in Til 
ling." 
„Bon Brunneck bist? Dann bist du ja eigent 
lich eine Tirolerin?" 
Mirl nickt und fragt: „Magst noch ein Kaf 
fee?" 
„Nein, dank schön." Toni blickt sie forschend 
an. 
„Was schaust mich denn so an?" 
„Weil ich etwas net begreifen kann." 
„Was zum Beispiel?" 
„Daß ein Müdl wie du einen solchen Hader 
lump will, wie der Bartl is." 
Mirl senkt den Kopf. Toni spricht eindring 
lich weiter: 
„Schau, Mirl. Ich hab dich heute früh beob 
achtet, wie du vor die Hütte gegangen bist und 
da hab ich mir g'sagt: Sünd und schad is um 
das Dirndl. Du kriegst doch einen andern auch, 
einen ehrlichen und rechtschaffenen Burschen. 
Der Bartl nützt dich ja bloß aus." Toni faßt 
über den Tisch nach ihrer Hand. „Sei g'scheit, 
Madl, und laß ihn stehn. Der is dich net wert." 
„Du bist net der Erste, der mir dös sagt. 
Und doch hab ich auch für dich keine andere 
Antwort, d' Liab geht ihre eigenen Weg. I 
komm net los vom Bartl. Und wenn einer —" 
die Mirl hebt jetzt den Kopf und blitzt den 
Jäger drohend an — „wenn ihn einer antrifft 
beim Wildern und sie brächten ihn mir einmal 
daher, mit einer Kugel in der Brust, den Ja 
ger... i müßt net, zu was ich imstand wär!" 
Toni strafft sich ebeilfalls. Sie sind beide 
gleich groß und können einander bequem mit 
ihren dunklen Blicken messen. Tonis Stimme 
hat einen harten, schonungslosen Klang, als er 
sagt: 
„Dann kannst dich jetzt gleich vergreifen an 
mir, denn ich werde net rasten und ruhn, bis 
ich den Bartl hab. Oder willst du von mir 
verlangen, daß ich meinem Herrn untreu 
werd? Ich bin kein Büchler, der mit Lumpen 
gesindel Geschäfte macht." 
„Nimm dich in acht, Jager!" 
„Glaubst, ich soll mich vorm Bartl fürchten?" 
„Nein, das weiß ich. Du bist stärker als er, 
kannst auch besser schießen." Sie wird plötz 
lich etwas weicher. „Früher war er ein ganz 
anständiger Bursch, der Bartl. Aber seit der 
Wi " 
Sie verstummt plötzlich erschrocken vor ihren 
eigenen Worten. 
„Sags lurr. Seit er den Winninger kennen- 
gelernt hat, is er auf den falschen Weg kom 
men." 
Ihre Augen weiten sich in grenzenloser Ber- 
wunderung. 
„Aber der Winninger is jetzt hinter Schloß 
und Riegel. Hast du ihn —?" 
Toni nickt. 
„Kannst es dem Bartl sagen, wenn ers grm 
noch net wissen sollt. Der Büchler is auch foA 
über die Grenz und — mein Vater — er leb» 
nimmer. Jetzt gehts dem Bartl dran." 
Toni nimmt sein Gewehr von der Bank' 
„Ich dank dir schön, Dirndl, für dei' Aufwar 
tung. Und jetzt pfüat di Gott!" 
Er tritt hinaus in die Sonne. 
Mirl folgt ihm. Es ist ihr anzumerken, daß 
sie noch etwas sagen will. Aber sie bringt kei" 
Wort heraus. Ganz still steht sie auf der 
Schwelle und blickt dem Jäger nach, der m> 
raschen Schritten das Latschenfeld hinansteigt- 
Sie drückt dabei die Augenlider zusammen 
und preßt die Lippen aufeinander in Zorn um 
Schmerz. Dann murmelt sie leise: „Nein, 
darf net sterben. Is doch so ein junges Blut. 
Sie wendet sich um und geht in die HütC' 
Ihr Schritt hat dabei etwas von einer große" 
Müdigkeit, obwohl ihr Tagwerk erst begoU- 
nen. Einen Augenblick steht sie inmitten de 
Stube, dann reckt sie sich und steigt die schmal 
Treppe zum Heuboden hinauf. 
Im Heu liegt der Steinmüller Bartl u>^ 
schnarcht. Irgendwann in der Nacht muß ^ 
gekommen und durch die Stalluke eingcstiege 
sein. 
Eine Weile betrachtet sie stumm den Sķ 
senden, dann schüttelt sie ihn: 
„Steh auf, du Faulpelz!" 
„Laß mir mei' Ruah!, knurrt der Bartl. . 
„Aufstehn sollst!" wiederholt die Mirl uo 
etwas barscher und geht wieder hinunter. 
Bartl reibt sich gähnend die Augen. ^ 
„Auweh, heut hat s' wiedr amal ihren 
ten Tag. Da werd's das G'scheiteste sein, M"- 
bleibt liegen." 
Forljetzuug folgt.)
	        
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