tie Höhe der Wälle am Loher Wog auf hohes
Alter. Eine Einwendung ließe sich dagegen
machen: Tie Loher Heide war um die Zeit
etwa 1865—75 ein Truppenübungsplatz, der
noch heute an den vielen Wällen im Walde er
kennbar ist. Die erwähnten Spuren stammen
aber nicht etwa von den zum Uebungsplatz
herausgefahrenen Kanonen, denn diese befuh
ren bis nach Lohe allein den Loher Weg, der
zu diesem Zweck von der Gemeinde mit Grand
versehen werden mußte.
Wir werden es also hier mit einer älteren
Linienführung des Heerweges zu tun haben!
Wie führte der Weg nun aber von Fockbek
weiter? Ich möchte annehmen, daß der Weg
sich nach Rendsburg wandte. Wie ein Blick auf
die Karte zeigt, ist dabei dieser Weg über die
Loher Heide garnicht einmal viel weiter ge
wesen als der über Ahrenstedt!
Doch damit kommen wir zur Frage, wo der
Heerweg die Eider überschritt. Sie ist heute
schwer zu beantworten, da die Kanalbauten
sehr viele Veränderungen bedingt haben. Drei
Stellen kämen wohl in Frage: Rendsburg, die
Gegend vom Klint und öte Gegend bei Nübbel
und Schülp.
Nach dem Heimatbnch wird Rendsburg 1109
zuerst in der Geschichte erwähnt. Eine Burg
soll auf einer Eiderinsel gelegen haben. Nun
wird man die Burg als Grenzfeste an einem
besonders gefährdeten Punkt, nämlich dem
Uebergang der Heerstraße, angelegt haben.
Andererseits wird eine Insel, besonders wenn
die Ufer wie bei Rendsburg nicht zu steil und
trocken sind, immer ein günstiger Flußüber
gang sein und damit zur Entstehung einer
Siedlung Anlaß geben, wie es viele Beispiele
auch sonst in der Welt zeigen.
Beim Klint sind die Uebergaugsmöglichkei-
ten ebenfalls nicht schlecht. So wird ja auch im
Heimatbuch erwähnt, daß hier ein lebhafter
Viehschmuggel über die Eider stattfand in den
Zeiten, wo in Rendsburg ein Durchgangszoll
erhoben wurde. Ob der alte Heerweg selbst
über Klint führte, scheint mir ungewiß. Von
Fockbek aus gehen zwar einige breite Wege
zum Klint, doch dürften die wohl allein als
Zufahrt zu den Feldern gedient haben. Auf
einen alten Uebergang dagegen könnte deu
ten, daß das Flußbett früher an dieser Stelle
seicht und mit Steinen bedeckt war. Ferner
stößt bei der Grimmeschen Villa ein trichter
förmig verbesserter Weg von Süden her an
die Eider, der zur Furt geführt haben könnte.
Schließlich mag auch die Sage, daß die Unter
irdischen bei Klint über die Eider gingen, auch
auf alte Uebergänge hindeuten, ebenso wie der
beim Baggern gemachte Fund einer Hirschge
weihaxt. Bor dem Kanalbau führte vom Klint
ein Weg am Ostende Westerrönfelds entlang
nach Brahmkamp und Jevenstedt, der heute
durch seine Breite und z. T. durch seine Ver
lassenheit auffällt.
Vorgeschichtsfunde begleiten aber in stärkerem
Maße den nun noch zu beschreibenden Weg
über das Westende Fockbeks.
Bei Garlbek liegt nördlich vom Bahnhof ein
ganz seltsam geformter Dünenwall. Beinahe
schnurgerade verläuft diese hohe Düne, um
ihre Fortsetzung zu finden in einem ähnlich
geformten, aber senkrecht dazu streichenden
Wall, an dessen Rand steinzeitliche Geräte ge
funden werden, während in der Nähe ein Ur
nenfriedhof und ein Hünengrab aufgedeckt
worden sind. Von hier nach der Westseite Fock
beks hinzeigend, wurden früher bis metertief
ausgefahrene Wegespuren gefunden in der
Nähe des Bahnhofs Garlbek. An der Westseite
Fockbeks finden wir die drei Hünengräber, in
denen verschiedentlich Urnen mit Brandresten
gefunden wurden.
Von hier aus könnte der Weg nur weiter
nach dem Posthof verlaufen sein, wo wiederum
ähnliche Wälle auftauchen wie in Garlbek und
Alte Chroniken erzählen!
ebenfalls Steinwerkzeuge gefunden werden.
Weiter nach Westen zu konnte der Weg von
Fockbek aus wohl führen, denn dort wird das
Gelände sehr feucht trotz seiner hohen Lage,
und dazu war hier noch vor kurzer Zeit alles
mit Wald bedeckt. Die ehemalige Försterstelle
steht noch in Fockbek! Wo nun dieser Weg die
Eider überschritt, ist schwer zu sagen. Möglich
keiten bestanden bei Nübbel selbst, bei Schülp
oder auch nordöstlich vom Posthof. Vielleicht
sind die Wege von Westerrönfeld und Schülp
Der alte Erbhof Sievers irr Hawdorf
vor 28® Ishren
In dem Expeditionsprotokoll der Hohner
Harde, welches mit dem Jahre 1730 beginnt,
finde ich folgende Akten, die auf den Erbhof
Sievers in Hamdorf Bezug nehmen.
1743. Erbkauf zwischen Johann Sievers aus
Hahmendorff und Johann Sieck aus
Nübel resp. Futoris et Curatoris no
mine Wohlbe und Lencke Sievers, we
gen einer % Hufe in Elsdorf.
Aus dem Inhalt geht hervor, daß das Feste
Gut in Elsdorf am 20. Dezember 1742 an die
Kinder von Wohlbcke und Lehncke Sievers ge
kommen ist. Johann Sievers und Johann
Sieck, die „Oehmer" der Töchter, verkaufen
die Hufe an Carsten Frahm für 400 Mark
Courant. Die Töchter wollen nicht heiraten und
die Hufe selbst übernehmen.
1749. Hans Sievers zu Hamdorf übernimmt
die Hufe seines verstorbenen Vaters.
Hierüber ist zwischen ihm, seiner Groß
mutter, seiner Mutter und seinem ein
zigen Bruder, Siemou Sievers, eine
Haus- und Verlchns-Certe zu Papier
gebracht.
Hans Sievers übernimmt die Vollhufe mit
Haus, Hof, Land und Sand, 4 alten Beestern,
4 Kälbern, 13 Pferden, Pflug und Wagen,
ohne jegliche Schuldenlast. Wogegen derselbe:
1. darüber die behörige Feste suchet und löset,
seinem volljährigen Bruder Siemou Sie
vers.
2. Ein Stück Jungbeest zur Hochzeit zu 8 Mark
und 2 Tonnen Roggen auskehrt und dem
selben aus den vorhandenen Pferden vier
solcher gestalt ziehen läßt, daß er, Hans Sie
vers, zunächst zwei behält, sodann Siemon
Sievers 2 einmacht, auch Hans wieder da
nach zwei, und sodann Siemon gleichfalls
zwei ziehet.
3. Als Vcrlehn erhalten Mutter und Groß
mutter das Verlehnshaus als Wohnung,
2 Tonnen Roggen, 2 Tonnen Buchweizen,
30 Bund Stroh, 12 Fuder Heu als von Es-
hoep Wiese 4 Fuder, 4 Fuder von des Wit
tenberger Teil, 2 Fuder von der Norgen
Schwaader Wiesch und 2 Fuder aus der
Neuen Wiese. Ferner 12 Fuder Torf, 2
Kühe aufs Vor- und Nachgras und den
Kohlhof hinter dem Stall. Zur Aufziehung
einiger Kälber erhalten sie an Wieschland
das kleine Teil auf Eshoep und das kleine
Seit Wieschen Teil, doch müssen sie diese
auf eigene Kosten bearbeiten und einfahren
lassen.
1754. Detlef Sievers, % Hufner in Hamdorf,
will, nachdem ihm seine erste Frau ge
storben ist, wieder heiraten. Er hat aus
erster Ehe drei Kinder, 2 Söhne, Johann
und Thoms, und eine Tochter Wolbert.
Dies sind über die Familie Sievers in Ham
dorf die Akten, die ich finden konnte.
Zur Geschichte der Schmiede in Hamdorf.
Es ist noch keine zweihundert Jahre her, da
mußten die Hamdorfer noch immer zur
Schmiede nach Hohn. Dies war natürlich sehr
beschwerlich, und es ist verständlich, wenn die
Eingesessenen des Dorfes versuchten, eine
Schmiede nach Hamdorf zu bekommen. Es
gelang ihnen erst im Jahre 1762. Die Chronik
darüber lautet im Auszug:
„Als die Dorfschaftseingesessenen zu Hamen
dorf vor kurzem durch abgeschickte Deputierte
mir, dem alleinig in der Hohnerharde aller
gnädigst privilegierten Grobschmied Hans
Müller, wissend haben machen lassen, wie sie
wohlgesonnen ihrer besseren Bequemlichkeit,
der weit von Hohn Entlegenheit, und der zu
Herbst- und Wintertagen eintretenden bösen
Wetter und Wege halber, einen von mir ab
hängenden Gesellen, zum Beschlag ihrer Pferde
und sonstiger zu bedürfender Schmiedearbeit,
bei sich im Dorfe wohnen zu lassen, ihm zur
Errichtung eines Wohnhauses und einer
Schmiede einen gewissen Platz anzuweisen
und einzuräumen, und ich ihrem soranen An
sinnen auch nicht wohl entgegen sein kann,
zumahl bewandten Umständen nach, meinen
mir allergnädigst erteilten Privilegio nichts
ebgehet, mithin der Bewohner einer dortigen
Schmiede zu jeder Zeit von mir allda gehalten
und von meiner Willkühr, doch daß es jedes
mal ein tüchtiger und zuverlässiger Mensch ist,
dependieren soll und will, anbei die Dorfschaft
einen solchen nicht nach Gefallen abschaffen
kann, und von dieser nrit mir eingegangenen
Verbindung über kurz oder lang sich loszu
machen suchen möchte, samt was dem weiter
anhängig, so habe solchem allen nach resolvie-
ret, den Dorfeingesessenen zu Hamdorf, mei
nem bei mir das Grobschmied-Handwerk er
lernten Bruder, Claus Müller, zu überlassen,
womit sie völlig friedlich und einig . . ."
Unterschrieben ist die Urkunde von:
Hans Müller, Schmied. Jochim Tiedemann,
Bauernvogt. Tönnies Sieck und Hans Sie
vers, Vollhufner. Hans Tönning und Johann
Eggers, Yi Hufner. Hinrich Hönckendorff urU>
Hans Stolley, % Hufner.
Rudolf Carstensen, Großbuchwald.
zur heutigen Jtzehoer Chaussee bzw.
Brahmkamp noch aus dem alten Wegeverlauf
herzuleiten?
Folgen wir jetzt wieder dem zu Anfang be
schriebenen Weg weiter nach Süden! Bo»
Rendsburg ab folgt er zunächst der heutige"
Chaussee. Bei de>n Wegzollhäuschen biegt heute
der schmale Weg nach Brahmkamp ab. Das
ist wieder die alte Landstraße. Nur ist sie nach
dem Bau der neuen Chaussee sehr stark ver
schmälert worden. Das dabei freigewordene
Land wurde den angrenzenden Bauern zuge
teilt. Von Brahmkamp ab hält sich der Weg
immer auf der trockenen Höhe, bis er kurz vor
Jevenstedt wieder in die heutige Straße mün
det, die er bei Dammstedt wieder verläßt, unr
in südwestlicher Richtung nach Hennstedt 3 U
führen, wo ein weiterer Weg abzweigt, die
alte Heerstraße nach Dithmarschen über Kne
belshorst, Hamweüdel (s. Heimatbuchj.
Bon hier an begleitet den Weg im Osten ein
schmaler Feldstreifen, den früher wohl der
Weg noch mit ausgefüllt hat. In Spannan
war eine alte Fuhrwerkswirtschaft, in der cs
Vorspann gab für die folgende Flugsandstrecke.
Dieses Wegstück bis Legan (östlich der Chaussee)
ist überaus malerisch. Schade ist nur, daß man
den Weg heute streckenweise als Sandgrube
und Abfallplatz benutzt! In einer Mulde ver
läuft der recht breite Weg. An der Ostseite be
gleitet ihn ein ganz merkwürdiges Gebilde,
eine mächtige Binnendüne. Wie konnte diele
zu solcher Höhe und der eigenartigen Fori"
heranwachsen? Sieht man den Höhenzug von
der Seite an, so bemerkt man, daß stellenweise
der Sand über einen ehemaligen Wall gewis
sermaßen wie eine Wasserwelle herübergeschla
gen ist. Ein in Richtung Stasstedt abzweigen
der Weg ist in seinem Anfangsstück ganz ver
stopft durch den Sand wie durch eine Schnee
wehe.
Erst nachdem man einige Meter emporge-
klettcrt ist, gewahrt man tief unter sich den
Weg!
Der Besitzer des Hofes Nienlegan, einer
früheren Wirtschaft, dessen Vorfahr selbst
Fracht von Hamburg nach Flensburg auf dew
alten Weg gefahren hat, weiß noch von Be
richten, wie die Bauern einen dauernden
Kampf fiihren mußten gegen den vom Well
heranfliegenden Sand. Aus den Wall wurde
ein Fangzaun aus Heidegeflecht gesetzt, der
bald wieder im Sande vergraben war, so daß
man im nächsten Jahr einen neuen Zaun
bauen mußte. Auf diese Weise wuchs der Wall
zur heutigen Höhe heran. Erst später wurde
von der dänischen Regierung die Bepflanzung
mit Strandhafer in die Wege geleitet, wodurch
dann schließlich der Sand festgehalten wurde.
Bei Legan hört heute der Weg auf. Er führt
aber noch erkennbar weiter über die Hofstelle
und kurz darauf auf einen früher mit Stei
nen gepflasterten Damm an die Luhnau, did
wohl auf einer Holzbrücke überschritten wurde.
Die Südseite des Dammes, bis ungefähr an die
Chaussee reichend, ist noch erkennbar. Die
Nordseite ist jetzt abgetragen.
Unsere Wanderung soll hier ihr Ende fin
den, nachdem wir eben eines der reizvollsten
Stücke des alten Weges kennenlernten, das es
wohl verdient, bei Wanderungen öfter aufge
sucht zu werden! Will). E m e i s.
§ŞNî / Hochlandsroman
von Hans Ernst
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Mauz,
München.
26) Nachdruck verboten.
Blitzschnell^ duckt sich Toni hinter einen Lat
schenbuschen, nimmt das Fernglas zur Hand
und beobachtet sie.
Mirl hebt die Arme und läßt sie dann lang
sam wieder sinken, es ist eine rätselvolle, fast
unverständliche Gebärde. Es liegt eine gewisse
Hilflosigkeit in der Bewegung. Jetzt wendet
sie sich um und nimmt das Seihtuch und einen
Milchkübel von der Bank. Dann ruft sie den
Kühen — eine dunkle, klangvolle Stimme.
Toni läßt das Glas sinken und schüttelt
den Kopf. Er kann es nicht verstehen, daß ein
solches Dirndl die Geliebte eines Vagabun
den, wie es der Bartl ist, sein kann. Langsam
geht er zur Hütte hinunter.
Bei seinem Eintritt steht Mirl gerade vor
einem halbblinden Spiegelscheiben und richtet
ihr Haar. Sie erschrickt ein wenig, wie ein
Tier, das viel gejagt worden ist. Es läuft eine
Bewegung über ihre dunklen Augenbrauen,
nur für Sekunden, dann lacht sie.
„Schau, schau. Ein ganz seltener B'such."
„Wuudert's dich?"
Sie blickt ihn mit ihren Feueraugen an,
wendet sich dann ab und sagt: „Ja, von dir
wundert's mich."
„Jst's erlaubt, daß ich ein bißl rast?" fragt
der Jäger und legt das Gewehr auf die Bank.
„Hab nix dagegen. Wenn du warten willst,
bis der Kaffee fertig is? Außerdem kannst
auch a Milch haben."
„Nein, ich wart schon lieber."
Toni streckt behaglich die Beine. Mirl setzt
sich ihm gegendüber und nimmt eine alte
Kaffeemühle in den Schoß.
Der Jäger schaut sich in der Hütte um. Alles
ist blitzblank und funkelt. Kein Stäubchen sieht
man.
„Sauber hast dein Kaser beieinander, das
muß ich sagen", meint er anerkennend.
Sie gibt keine Antwort und schüttet den
gemahlenen Kaffee in das brodelnde Wasser.
Als sie sich dann, jedes eine große, geblümte
Tasse vor sich, gegenübersitzen, sagt Toni:
„Warum wundert's dich, daß ich komm?"
„Weil die Jager für gewöhnlich an meiner
Hütte vorbeigehn."
„Ich net. Ich werd mich in Zukunft sogar
recht oft in der Näh umeinanderpirschen."
Ein kaum merkliches Zucken geht um die
Mundwinkel der Sennerin. Dann sagt sie un
vermittelt:
„Dir is dein Vater im Holz verunglückt,
gelt?"
„Hat dir's der Bartl erzählt?"
„Nein!"
Kurz und feindselig kommt das heraus.
Toni führt sich mit gespreizten Fingern durch
die Haare.
„Ja, ja", sagt er dann. „War noch gar net
alt, der Vater."
Mirl faltet die Hände über dem Tisch und
blickt ihr Gegenüber forschend an.
„Du bist wenigstens schon selbständig. Aber
ich bin noch gar net in d' Schul' gangen, wie
mir Vater und Mutter weggestorben sind."
„So was is bitter", murmelt Toni in weicher
Aufwallung.
„Meine Leut haben in Brunneck ein kleines
Anwesen g'habt. Der Vater hat im Holz g'ar-
beit und d' Mutter is auch oft bei ihm im
Schlag g'wesen und hat das Dürrholz zamm-
klaubt. So auch an dem Unglückstag. Eine
Lamin' is Niedergängen und hat alle zwei ver
schütt. Mich hat man dann über die Grenz
bracht zu Verwandten, und seit ich aus der
Schul bin, bin ich beim Riedhammcr in Til
ling."
„Bon Brunneck bist? Dann bist du ja eigent
lich eine Tirolerin?"
Mirl nickt und fragt: „Magst noch ein Kaf
fee?"
„Nein, dank schön." Toni blickt sie forschend
an.
„Was schaust mich denn so an?"
„Weil ich etwas net begreifen kann."
„Was zum Beispiel?"
„Daß ein Müdl wie du einen solchen Hader
lump will, wie der Bartl is."
Mirl senkt den Kopf. Toni spricht eindring
lich weiter:
„Schau, Mirl. Ich hab dich heute früh beob
achtet, wie du vor die Hütte gegangen bist und
da hab ich mir g'sagt: Sünd und schad is um
das Dirndl. Du kriegst doch einen andern auch,
einen ehrlichen und rechtschaffenen Burschen.
Der Bartl nützt dich ja bloß aus." Toni faßt
über den Tisch nach ihrer Hand. „Sei g'scheit,
Madl, und laß ihn stehn. Der is dich net wert."
„Du bist net der Erste, der mir dös sagt.
Und doch hab ich auch für dich keine andere
Antwort, d' Liab geht ihre eigenen Weg. I
komm net los vom Bartl. Und wenn einer —"
die Mirl hebt jetzt den Kopf und blitzt den
Jäger drohend an — „wenn ihn einer antrifft
beim Wildern und sie brächten ihn mir einmal
daher, mit einer Kugel in der Brust, den Ja
ger... i müßt net, zu was ich imstand wär!"
Toni strafft sich ebeilfalls. Sie sind beide
gleich groß und können einander bequem mit
ihren dunklen Blicken messen. Tonis Stimme
hat einen harten, schonungslosen Klang, als er
sagt:
„Dann kannst dich jetzt gleich vergreifen an
mir, denn ich werde net rasten und ruhn, bis
ich den Bartl hab. Oder willst du von mir
verlangen, daß ich meinem Herrn untreu
werd? Ich bin kein Büchler, der mit Lumpen
gesindel Geschäfte macht."
„Nimm dich in acht, Jager!"
„Glaubst, ich soll mich vorm Bartl fürchten?"
„Nein, das weiß ich. Du bist stärker als er,
kannst auch besser schießen." Sie wird plötz
lich etwas weicher. „Früher war er ein ganz
anständiger Bursch, der Bartl. Aber seit der
Wi "
Sie verstummt plötzlich erschrocken vor ihren
eigenen Worten.
„Sags lurr. Seit er den Winninger kennen-
gelernt hat, is er auf den falschen Weg kom
men."
Ihre Augen weiten sich in grenzenloser Ber-
wunderung.
„Aber der Winninger is jetzt hinter Schloß
und Riegel. Hast du ihn —?"
Toni nickt.
„Kannst es dem Bartl sagen, wenn ers grm
noch net wissen sollt. Der Büchler is auch foA
über die Grenz und — mein Vater — er leb»
nimmer. Jetzt gehts dem Bartl dran."
Toni nimmt sein Gewehr von der Bank'
„Ich dank dir schön, Dirndl, für dei' Aufwar
tung. Und jetzt pfüat di Gott!"
Er tritt hinaus in die Sonne.
Mirl folgt ihm. Es ist ihr anzumerken, daß
sie noch etwas sagen will. Aber sie bringt kei"
Wort heraus. Ganz still steht sie auf der
Schwelle und blickt dem Jäger nach, der m>
raschen Schritten das Latschenfeld hinansteigt-
Sie drückt dabei die Augenlider zusammen
und preßt die Lippen aufeinander in Zorn um
Schmerz. Dann murmelt sie leise: „Nein,
darf net sterben. Is doch so ein junges Blut.
Sie wendet sich um und geht in die HütC'
Ihr Schritt hat dabei etwas von einer große"
Müdigkeit, obwohl ihr Tagwerk erst begoU-
nen. Einen Augenblick steht sie inmitten de
Stube, dann reckt sie sich und steigt die schmal
Treppe zum Heuboden hinauf.
Im Heu liegt der Steinmüller Bartl u>^
schnarcht. Irgendwann in der Nacht muß ^
gekommen und durch die Stalluke eingcstiege
sein.
Eine Weile betrachtet sie stumm den Sķ
senden, dann schüttelt sie ihn:
„Steh auf, du Faulpelz!"
„Laß mir mei' Ruah!, knurrt der Bartl. .
„Aufstehn sollst!" wiederholt die Mirl uo
etwas barscher und geht wieder hinunter.
Bartl reibt sich gähnend die Augen. ^
„Auweh, heut hat s' wiedr amal ihren
ten Tag. Da werd's das G'scheiteste sein, M"-
bleibt liegen."
Forljetzuug folgt.)