Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

129. Jahrgang. 
SchleswLg-HolstLlNlsche 
129. Jahrgang. 
■ yzmuun 
Renösburger TagebluL 
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He. 131 
1938 
SIm 28. Mai berichtete öer Londoner „Daily 
Telegraph" über Mussolinis an England ge 
richteten Vorschlag zur Güte. Der Duce hatte 
Mrch den römischen Korrespondenten der 
Leitung England die Friedenshand entgegen 
gestreckt. Italien gehöre zu den befriedigten 
Staaten, sobald die Sanktionen aufgehoben 
würden. Es habe jahrelang mit der Besiede- 
ung Abessiniens genug zu tun. Die kleinen 
Staaten im Mittelmeer brauchten sich vor 
Italien nicht zu fürchten, Rom wolle nur 
"eren Unabhängigkeit. 
In Abessinien werde Italien keine farbigen 
Gruppen auf die Beine stellen, es habe ja in 
Heimat Soldaten genug. Dagegen seien 
Verhandlungen über die Abgrenzung von 
Handelseinflüssen in Abessinien zwischen 
Frankreich, England und Italien erwünscht, 
-tm Tanasee würden die englischen Wünsche 
Und Vorrechte streng geachtet. 
Die Truppen in Libyen würden sofort zu 
rückgezogen, wenn endlich die englische Flotte 
aus dem Mittelmeer verschwinde. Statt gegen 
seitiger Beargwöhuung müsse eine englisch- 
stalienische Annäherung kommen. Italien sei 
la dazu bereit. 
Der Völkerbund könne weiterhin leben, 
wenn er umgestaltet werde. Freilich überlege 
ach Italien im Falle einer Fortdauer der 
Sanktionen den endgültigen Abschied von 
Genf. 
Gegenüber Oesterreich werde Italien die 
-Politik der römischen Protokolle weiterführen. 
Die englische Presse 
Uahm von diesen etwas plötzlichen Friedens 
versicherungen mit freundlicher Ruhe Kennt- 
Uis. Manche Blätter benützten sie, um zu 
gunsten eines Mittelmeerpaktes die Auf- 
Uebung der Sanktionen zu verlangen. Ihnen 
antworteten die völkerbundsfreundlichen Zei 
tungen der Arbeiterpartei mit der Forderung, 
"as Ansehen des Völkerbundes nicht zu schädi 
gen. 
Im Kampfe über solche Einzelfragen kom 
men allmählich Gegensätze an die Oberfläche, 
we bisher in der Tiefe verborgen waren. Soll 
England ein Bündnis mit Deutschland 
suchen? Soll es nach der bisherigen Politik 
oer Sicherheitsverträge mit Frankreich zu- 
lammenarbeiten? 
Diese Entscheidung muß allmählich reifen. 
7?ill England eine italienische Oberherrschaft 
aber das Mittelmeer ausschließen, so braucht 
hierzu die Freundschaft Deutschlands, 
^gen eine solche Politik sind aber, wie der 
-'Sunday Referee" schreibt, Eden und Duff- 
Looper eingestellt. Sie wollen beides: die 
Lahmlegung Italiens und die Isolierung 
Deutschlands. 
Dagegen wünscht Lord Londonderry, den der 
Botschafter Ribbentrop über Pfingsten in 
^elfast besuchte, einen Beistandspakt zwischen 
Großbritannien und Deutschland anzubahnen. 
.Kaum hatte die marxistische Presse von 
Mein solchen Plane Wind bekommen, so zog 
! le sogleich die Alarmglocke. Was wird aus 
Welt noch werden, wenn die alleinige 
Fettung, nämlich der Dreibund Paris — Mos- 
an — London, nicht zustande kommt? Die 
deutschfreundlichen Kräfte in London müssen 
,w Namen der Menschheit überwunden wer- 
en - Im Namen des Friedens von Europa 
Mlß Stalin in London den wichtigsten Ein 
guß erhalten. 
- Km in England gute Stimmung zu machen, 
wt Stalin geboten, die Kirchenglocken in Ruß 
end wieder auf einige Türme zu bringen 
Md sie läuten zu lassen. Den einsichtigen 
?-wgländern werden freilich solche Gesten nicht 
,.^heimlichen, wohin die Fahrt mit Moskau 
whren könnte. Die Gottlosenbewegung wird 
MH wie vor amtlich unterstützt, uird wer 
Men Sowjetbotschafter auf sein Schiff etn= 
* ct , wird bald mit einer Meuterei zu rech 
nn haben. 
Freilich wird der Kampf zwischen den hart- 
Mckigen Gegnern Deutschlands, wie Austen 
Mmberlain und Winston Churchill, die Eden 
Politische Wochenschau 
als ihr Sprachrohr benützen, und den kühle 
ren Realpolitikern, die ohne Rücksicht aus 
Haß und Liebe für die Macht des englischen 
Weltreiches sorgen, nicht so bald entschieden 
werden. Und wäre er schon entschieden, so 
würde nach außen der Schein der Unentschie 
denheit weiter gewahrt. Für den Frieden in 
Europa wäre freilich ein deutsch-englisches 
Bündnis mehr wert als hundert Völkerbunds- 
sitzungeu. 
Die marxistische Presse behauptet, Ribben 
trop habe in England vorgeschlagen, Deutsch 
land wolle die Sicherheit Englands in West 
europa und im Mittelmeer gewährleisten, 
wenn sich London verpflichte, Deutschland in 
Osteuropa freie Hand zu lassen. Diese Mel 
dung dürfte ein klug ausgedachter Handstreich 
sein, der die deutsch-englischen Verhandlungen 
stören soll. 
_ Für England kommt alles darauf au, in 
Europa abgeklärte Verhältnisse zu schaffen, 
bevor die Unruhen im fernen Osten ins Große 
wachsen. In Palästina wütet ein regelrechter 
Kleinkrieg. In den wildzerrissenen, schluchten 
reichen Gebieten zwischen Jericho und dem 
Jordan haben sich, wie vor 3000 Jahren, auf 
ständische Stämme eingenistet und lähmen den 
Verkehr nach Jerusalem. Der Hafen von 
Jaffa liegt immer noch still. Zu den 7000 
Mann starken Truppen, die des Aufruhrs 
nicht Herr werden, haben die Engländer neue 
Verstärkung aus Aegypten herbeibefohlen. 
In dieser Verwirrung macht die kommuni 
stische Propaganda unter Juden wie unter 
Arabern Fortschritte. Die überaus zahlreichen 
fanatischen jüdischen Kommunisten von Tel- 
Aviv machen der englischen Herrschaft in 
Palästina neue Sorgen. Moskau wühlt auch 
in Jerusalem. 
Im fernen Osten schicken sich die Japaner 
an, aus der Provinz Schansi in Nordchina 
einen großen Pufferstaat zu machen, der die 
äußere Mongolei und China trennen soll. Die 
englischen Zeitungen sind über die neuesten 
Eroberungspläne Tokios beunruhigt. Soll 
denn wegen den Streitigkeiten in Europa 
die europäische Weltherrschaft im Osten und in 
Afrika gefährdet werden? Soll England zu 
sehen, wie seine Märkte an Japan verloren 
werden? Soll die Treue zu dem sterbenden 
alten Völkerbund stärker sein als die Verant 
wortlichkeit gegenüber dem britischen Welt 
reich? 
Adolf-Hitler-Rheinbrücke geweiht 
Bedeutsame außenpolitischen 
Erklärungen am Rhein 
Die feierliche Verkehrsübergabe der Aüols- 
Hitler-Rheinbrücke am Sonntag, die den Kre- 
feld-Ueröinger Wirtschaftsraum und sein Hin 
terland mit dem Ruhrgebiet verbindet, durch 
den Stellvertreter des Führers, Reichsminister 
Rudolf Heß, war für den gesamten Niederrhein 
ein bedeutsamer Tag. Grün- und Fahnen 
schmuck hüllte die Stadt in ein Festkleid. Gegen 
Mittag traf Rudolf Heß im Kraftwagen auf 
dem Kundgebungsplatz ein, wo er von den nach 
Tausenden zählenden Volksgenossen begeistert 
begrüßt wurde. Nachdem Nud. Heß die Ehren 
formationen abgeschritten hatte, nahm Gaulei 
ter Florian das Wort zu seiner Begrüßungs 
ansprache. Dann sprach der Stellvertreter des 
Führers, 
Neichsminister Rudolf Hetz: 
Wir danken dem Führer, so sagte er u. a., 
daß er unsere Arbeit und die Werke unseres 
friedlichen Schaffens geschützt hat, daß er sie 
geschützt hat, indem er diesem sozialistischen 
Staat zugleich die nationalsozialistische Prä 
gung gab, indem er ihn in den Stand setzte, sich 
zu verteidigen und die Mittel zu dieser Ver 
teidigung erstellen ließ in wiederum gewaltiger 
gemeinsamer Anstrengung. 
Zu unserem Leidwesen müssen wir den Ein 
druck erhalten, daß alle Versuche des Führers, 
mit unserem großen Nachbarn im Westen zu 
einer klaren Verständigung zu gelangen, vor 
allem, daß sein letztes großes Angebot zur 
Sicherung des Friedens bisher durch diesen 
Nachbarn nicht so gewürdigt wurde, wie wir 
es im Interesse der Beruhigung Europas hät 
ten erwarten können. 
Um so glücklicher sind wir, daß der Führer 
Sorge getragen hat für unsere Sicherheit und 
insbesondere Sorge getragen hat auch für die 
Sicherheit dieses Gebietes hier, das solange je 
der Willkür schutzlos offen stand. Wir haben 
die beste Ueberzeugung, daß die Verteidigung, 
die das neue Deutschland sucht, gut ist. Und 
wir haben die Hoffnung, daß allein die Tatsache 
des Vorhandenseins Schutz genug ist. 
Diese Brücke soll mit ihrer Aufgabe, dem 
Volke zu dienen, verbinden den in Eisen und 
Beton gebannten Dank an den Führer, daß er 
dieses Volk zu seinen großen Gemeinschafts- 
leistnngen befähigt hat. Der neuen Brücke gebe 
ich die Wünsche des deutschen Volkes mit: „Sei 
auch du eine Klammer, die die unzerreißbare 
Verbundenheit der beiden Ufer des Rheins 
zum Ausdruck bringt. Sei eine Brücke des 
Friedens über Deutschlands geschichtsreichsten 
Strom. Trage den Namen, dem wir es ver 
danken, daß an diesem Strom wieder eine 
Wacht steht. Trage den Namen, der uns zum 
Inbegriff des Behauptungswillens des deut 
schen Volkes geworden ist. Trage den Namen, 
der für uns Frieden nach innen und außen 
bedeutet. Trage den Namen, öer uns die wie 
dergewonnene Freiheit bedeutet, der uns die 
wiedergewonnene Ehre bedeutet. Trage den 
Namen, der in der Zeitspanne eines Atem 
zuges der Geschichte zu einem der bedeutungs 
vollsten und klingendsten Namen tausend 
jähriger Geschichte geworden ist. Ich taufe dich 
Adolf-Hitler-Brücke. 
Wir grüßen den Taufpaten der Brücke, den 
Führer des Reiches: Adolf Hitler, Sieg Heil! 
Rudolf Heß durchschnitt dann das Sperrbanö 
öer Brücke. 
Der zweite Tag der Gattkulturtagung der NS.-Kulturgemeinde in Kiel 
Entwicklung der kulturellen Arbeit in Schleswig-Holstein 
Kiel, 7. Juni. Auf der Arbeitstagung am 
Sonntag behandelte Gaukulturwart Knolle 
eingehend das Veranstaltungsprogramm für 
das kommende Winterhalbjahr. Zunächst gab 
er einen Ueberblick über die Entwicklung der 
NS.-Kulturgemeinde im Gau Schleswig-Hol 
stein. Heute umfaßt sie 96 Ortsverbände und 
51000 Mitglieder. Wir sind weit davon ent 
fernt, so führte der Gaukulturwart weiter 
aus, Zahlen als alleinigen Maßstab für die 
Arbeit auf kulturellem Gebiet aufzuführen. 
Aber wir dürfen es wagen, die Entwicklung 
dieser Arbeit auf kulturellem Gebiet in 
Schleswig-Holstein an diesen Zahlen zu mes 
sen, denn daraus geht hervor, daß die innere 
Entwicklung unserer Arbeit mit der äußeren 
Schritt gehalten hat. Demgemäß erhöhte sich im 
Geschäftsjahr 1935/36 die Zahl der Veranstal 
tungen auf 1748 mit rund 583 000 Besuchern. 
An der Spitze dieser Veranstaltungen steht das 
Theater mit 1094 Aufführungen und 385 000 
Besuchern. Mit den Städtischen Bühnen Kiel 
steht die NS.-Kulturgemeinde in guter Zu 
sammenarbeit. Mit besonderem Nachdruck wies 
er auf die schwierige Lage des Grenzland 
theaters Flensburg hin. Wir haben uns die 
ser unter den schwersten Bedingungen einige 
Kilometer von der Grenze entfernt arbeiten 
den Bühne ganz besonders anzunehmen. Ne 
ben den Berufsüühnen wurden im Gau die 
Deutsche Musikbühne und die Niederdeutschen 
Bühnen der NS.-Kulturgemeinde eingesetzt. 
Letztere brachten im Winter 1935/36 insgesamt 
354 Aufführungen gegenüber 165 im Vor 
jahre heraus. 
Für das nächste Winterhalbjahr ist im Vor- 
tragswesen folgendes geplant: 
Die Vorträge werden in vier Gruppen ein 
geteilt, und zwar: 
1. Staat und Bewegung, 
2. Forschungsreisen, 
3. Weltanschauung, Kultur und Kunst, 
4. Vortragskunst. 
Mit großem Erfolg wurde die Niederdeut 
sche Puppenbühne von Werner Perrey in einer 
Reihe von Ortsverbänden eingesetzt. Dieser 
Einsatz soll im kommenden Winter noch we 
sentlich gesteigert werden. 
Seit der letzten Gaukulturtagung wurde 
insbesondere die Arbeit der Fachgruppe I 
Bedeutsame Erklärungen von Eden 
Die Berhandlnngen mit Deutschland 
Der britische Außenminister führte gestern auf 
einer Tagung in Lonöon das folgende aus: 
Das Ziel der britischen Politik bestehe in der 
Erhaltung des Friedens, der sich nicht auf ein 
oder zwei Länder oder auf einen oder zwei 
Kontinente beschränken dürfe. Während aber 
die britische Sorge um die Erhaltung des Frie 
dens universal sei, gebe es selbstverständliche 
Gebiete, in denen die britischen Lebensinteres 
sen direkt durch eine Störung des Friedens be 
droht würden. Eines dieser Gebiete liege in 
Westeuropa (Rheinland). Die Regierung sei an 
die deutsche Regierung herangetreten, um eine 
Neuregelung in Europa auf der Grundlage 
eines Verschwindens der entmilitarisierten 
Zone im Rheinland zu suchen. Die britische 
Regierung habe es aber von vornherein klar 
gestellt, daß, soweit sie betroffen sei, ihre Ver 
pflichtungen gegenüber Belgien und Frank 
reich unter dem Locarnovertrag gültig geblie 
ben seien. 
Die britische Regierung habe Verhandlungen 
mit der deutschen Regierung über die Vor 
schläge aufgenommen, die diese am 7. März 
gemacht und am 31. März erweitert habe und 
die einer Stabilisierung der europäischen Lage 
unter den neuen Bedingungen dienen sollten. 
Soweit Groß-Britannien betroffen sei, wünsche 
er zu unterstreichen, daß es bereit sei, Ver 
handlungen über einen Nichtangriffs- nnd 
Beistandspakt in Westeuropa aufzunehmen. 
Ein solches Abkommen würde umso mehr in 
England willkommen geheißen werden, wenn 
in ihm ein Luftpakt eingefügt werde, wie er 
letztes Jahr vorgeschlagen sei, und wenn er von 
einem Uebereinkommen über die Begrenzung 
der Streitkrüfte begleitet sei. Es gebe jedoch 
noch Unklarheiten bezüglich der Nichtangriffs 
pakte, die Deutschland für West- und Mittel 
europa vorgeschlagen habe. Die britische Re 
gierung habe die deutsche Regierung einge 
laden, gewisse Aufklärungen über diese Punkte 
zu geben. Angesichts gewisser Feststellungen der 
deutschen Negierung habe sie es für wesentlich 
gehalten, sich dessen zu versichern, ob die deut 
sche Regierung von jetzt an Deutschland als in 
der Lage befindlich ansehe, in der es bindende 
Verträge schließen nnd in der es erklären 
könne, daß cs den gegebenen politischen und 
territorialen Status Europas zu respektiere« 
beabsichtige, soweit dieser nicht in der Folge 
durch freie Verhandlungen und Uebereinkom 
men abgeändert werden sollte. Die englische 
Regierung hoffe, daß die deutsche Antwort der 
art sein werde, daß kein Hindernis für die Er 
öffnung der Verhandlungen übrig bleibe, die 
Groß-Britannien so sehr wünsche und deren 
Erfolg so wesentlich für den Frieden Europas 
sei.
	        
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