ttaļļ^ ZNoorgebietes !>er Versammlung
Heimatabend.
Ş Ņņ volles Haus fand auch der vom „Heimat-
^ No Angeln" im gleichen Lokal veranstaltete
Heimatabend, der in seinem ersten Teil zwar
was lang geriet- sonst aber in seiner Drei-
euung Angeln — Schleswig-Holstein —
^Ut,chland stilecht, sinnig und gehaltvoll
s, str - Nach herzlichen Begrüßungsworten
nrch den Bundesleiter Bauer Johanns An-
, ">en-Kiesby und Liedervorträgen des Ge-
ngvereins „Eintracht" wurde eine gcmütli-
î Altangler Spinnstube mit behäbigem Hu-
ìinl jugendlicher Fröhlichkeit dargestellt,
. "E Pauk Selk-Sörup sprach über „Alte Feste
. »» Feiern in Angeln", wobei er zwischen Le
nzesten, Jahresfesten und Arbeitsfesten
"verschied und aus jeder Gruppe einige her-
^hob und schilderte so von den Arbeitsfesten
Fockbier, das alte angler Erntefest. Eine
k^tragsfolge „Schleswig-Holstein meerum-
Ņmngen" wurde mit frischer Natürlichkeit
verliebst vom BdM. Mohrkirch geboten, und
"unengebräunte Männer vom Neichsarbeits-
'enst 5/75 Süderbrarup gestalteten durch
^"rt und Lied ein warmes, wuchtiges Be-
enntnis zum großen deutschen Vaterlanöe.
^ waren nach Form und Inhalt gleich ge-
iültvolle und ausgeglichene Gaben, und die
^lichte, feste, hingebungsvolle, den Geist der
eilen Zeit atmende Art der beiden Jugend-
Ņuppen machte einen tiefen Eindruck. Nach
Mem Dankeswort an die Mitwirkenden und
die gastfreie Süderbrarupcr Bevölkerung,
der Vorsitzende der „Heimat" sprach,
^snnte man sich um Mitternacht mit einem
"Äiegheil" auf den Führer,
aeldgottesdienst am Thorsberger Moor.
Sonntag früh sammelte sich eine zahlreiche
Gemeinde zu einem Feldgottesdienst an der
'"en Kultstätte des Thorsberger Moores.
Prediger, Pastor Jürgensen-Boren, ver-
> and es vortrefflich, Zusammenhänge aufzu-
Ģ"rsen zwischen der grauen Vorzeit und der
sstkgenwart. Er verlas Schriftabschnitte aus
"r Apostelgeschichte mit der Rede des Paulus
u der Thingstätte in Athen und aus dem
Z"ch der Könige, da erzählt wird, wie Gott
zürnenden und zagenden Elias nicht im
^turm, Erdbeben und Feuer, sondern im
Obsten Säuseln des Windes sich offenbart. Der
,stdner verglich damit die Gottesverehrung,
sie im Thorsberger Heiligtum geübt
ĢUrde, und schlug von da eine Brücke zur
Gegenwart, wo wir uns an dieser Stelle vor
lebendigen Gott beugen in der Gewißheit,
er größer ist als Natur und Natur-
vewalten. Wer Gott sucht, nicht in sich selbst,
"ex im Geist und in der Wahrheit, dem wird
. r sich als der Heilige und Allmächtige osten
den, und den wird er frei und stark machen,
^esc warmherzigen Ausführungen an heili-
Stätte im Rahmen eines wunderbaren
^ndschaftsbildes gestalteten die schöne Mor-
^nstunde zu einem feinen Erlebnis.
^Anschließend gab Dr. Jankuhn an der
^teinsäule des nahen Hünengrabes einige
Deutungen, und von da wurden Wanderun
gen nach dem Wallberg und nach der idyllischen
Rurupmühle unternommen, wobei Dr.
Emeis-Flensburg, Möller-Schwensby und
Röschmann-Flensburg als sachverständige
Führer manches zur Erläuterung zu sagen
wußten.
Nach einem schmackhaften Mittagessen im
Bahnhofshotel wurde nachmittags eine Fahrt
durch Angeln unternommen, auf der man
gleicherweise an der Schönheit der Landschaft
wie an der Sauberkeit und Gepflegtheit der
Häuser und Gärten seine Freude haben
konnte. Am Montag ist eine Schleifahrt von
Linöaunis nach Schleswig unter Leitung von
Christian Kock, früher in Bohnert.
Der nächstjährige Tagungsort steht noch
nicht fest. Vielleicht genügt dieser Hinweis,
daß ein Ort in Holstein sich entschließt, die
„Heimat" als Gast in seine Mauern zu laden.
Jacob Kiekut.
Aus HoedfcUtland
Mit der Kleinbahn zusammengestoßen,
kr. Niebüll, 8. Juni. Am Freitagnachmittag
ereignete sich bei Dagebüll-Kirche beim Bahn
übergang ein Autozusammenstoß mit der
Kleinbahn. Ein Niebüller Geschäftsmann und
sein Abgestellter wollten kurz nach 18 Uhr den
Bahnübergang bei Dagebüll-Kirche passieren
und standen mit den Vorderrädern des Autos
bereits auf den Schienen, als der von Niebüll
kommende Schnellzug kam. Der Geschäfts
mann versuchte angesichts der Gefahr vergeb
lich den Wagen zu stoppen, auch der Zug
bremste, doch konnte ein Zusammenstoß nicht
mehr vermieden werden. Das Auto wurde er
faßt und herumgeschlendert, so daß der hintere
Teil gegen den Zug gedrückt und vollständig
zertrümmert wurde. Die beiden Insassen
blieben wie durch ein Wunder unverletzt, bis
auf einige Abschürfungen des Angestellten.
Der Zug hat vorschriftsmäßig sein Kommen
durch Glockenzeichen angezeigt.
sz. Brebstedt, 5. Juni. Freitod auf den
Schienen. Ein hiesiger Einwohner hatte sich
am heutigen Freitag vor dem Sondergericht in
Heide in Holstein wegen einer Strafsache zu
verantworten. Er bestieg den 14-Uyr-Mittags-
zng in Bredstedt und fuhr bis kurz vor Heide,
rvo er den Zug verließ und sich überfahren
ließ. Der Verstorbene steht im 38. Lebensjahr,
er hinterläßt Frau und unversorgte Kinder.
sz. Bredstedt, 7. Juni. Festgenommen. Von
der Polizei wurde am Freitag ein hiesiger
junger Bursche festgenommen. Während der
Pfingsttage hatte er ein 17jühriges Mädchen
im Gehölz überfallen und zu vergewaltigen
versucht. Auf die Hilferufe des jungen Mäd
chens hin ließ der Unhold von seinem
Opfer ab. Trotz seiner Jugendlichkeit ist der
Täter bereits einmal wegen desselben Delik
tes und ein anderes Mal wegen Fahrraddieb
stahl vorbestraft. Man führte ihn dem
Husumer Amtsgerichtsgefängnis zu.
7«« Jahre Stadt Plö«
Die Feierlichkeiten anlätzlich seiner 7v0°3ahrfeier
Plön, 6. Juni. Vom 6. bis 8. Juni feierte
Plön mit seinen über 4000 Einwohnern, das
malerische Städtchen der wald- und seenreichen
Holsteinischen Schweiz, die Stadt der National
politischen Erziehungsanstalt und der Hydro-
biologischen Anstalt, die ihren Namen weit
über die Mauern des Städtchens in alle Welt
trug, die 700jährige Wiederkehr des Tages
der Verleihung des Lübschen Stadtrechts durch
Graf Adolf iv, von Schauenburg.
Ei» Rückblick.
Die Geschichte der Stadt ist so wechselreich,
daß man wohl mit Recht von ihr sagen kann,
daß sie ein Stück deutscher Reichsgeschichte dar
stellt. Die sächsischen Ureinwohner des Landes
vermischten sich im sechsten Jahrhundert mit
den in Holstein eindringenden Wenden. Aus
dieser Zeit spricht die Chronik oft in sagen
hafter Ausschmückung von blutigen Kämpfen
der Wenden untereinander, ebenso wie gegen
die benachbarten Deutschen. 1137 begann ein
erbitterter Entscheidungskampf. Die Deutschen
zogen mit ihrem großen Heer durch Wagrien,
eroberten Schleswig, die Burg Plön und er
schlugen alle sich zur Wehr setzenden Wenden.
Damit war das Wendentum endgültig besiegt.
Im Zuge dieser Aufrichtung der deutschen
Herrschaft verlieh dann 1236 Graf Adolf iv.
von Schauenburg den Plönern das Stadtrecht.
Aber auch in der späteren deutschen Geschichte
blieb Plön nicht von dem Wechsel verschont.
Namentlich hat auch hier oben im Norden der
Dreißigjährige Krieg seine Spuren hinter
lassen. Im 19. Jahrhundert wurde Plön durch
seine 1860 gegründete Kadettenschule, die bis
1918 aufrechterhalten wurde, bekannt. Im
Dritten Reich beherbergt Plön nunmehr die
Nationalpolitische Erziehungsanstalt. Seit der
Machtübernahme hat Plön, das als Kur- und
Badeort vorwiegend auf den Fremdenverkehr
angewiesen ist, eine erfreuliche Aufwärtsent
wicklung genommen, die wesentlich dazu bei
trug, daß die Arbeitslosigkeit in der Stadt ein
rasches Ende fand. Zählte man 1933 noch 133
Wohlfahrtserwerbslose, so ist diese Zahl heute
bis auf zwei gesunken.
Die Stadt im Festschmuck.
So nimmt es nicht wunder, wenn am Tage
des 700jährigen Bestehens die Stadt im fest
lichen Gewände prangt. Von nah und fern
bringen die Züge eine Unzahl Besucher, die
sich in irgendeiner Weise mit dem Städtchen
verbunden fühlen. Frohe und vergnügte Men
schen füllen die engen, aber so reich mit den
Fahnen des neuen Deutschlands und frischem
Grün und Girlanden geschmückten Straßen.
Einweihung der Vürgermeistcr-
Kinder-Gedächtnistafel.
Zahlreiche Volksgenossen und nicht zuletzt
die Familie des früheren Plöner Bürgermei- ,
stcrs Kinder umstehen das schlichte Rathaus,
an dessen Vorderseite eine Gedächtnistafel für
den verstorbenen Bürgermeister Kinder der
Einweihung harrt. Bürgermeister Dostal er
greift das Wort zu seiner Erinnerungsan
sprache, in der er die Verdienste des Bürger
meisters Kinder um die Stadt schildert, der
nicht weniger als 30 Jahre seines Amtes wal
tete. Bürgermeister Kinders größtes Verdienst
sei, so betonte Bürgermeister Dostal, die Be
gründung der Hyörobiologischen Anstalt. An
schließend übergab Bürgermeister Dostal die
Gedächtnistafel dem Schutz der Einwohner.
Nach der Einweihung wurde im Sitzungs
saal des Rathauses
eine Zinnfiguren-Ausstellnng
durch den Bürgermeister Dostal eröffnet. Diese
Ausstellung gibt in kleinen Zinnfiguren einen
Ucberblick über die gesamte deutsche und antike
Geschichte.
Der Festakt im Holsteinischen Haus.
Am Sonnabendabend fand im Holsteinischen
Haus ein Festakt statt. Nach dem Einmarsch
der Fahnen leitete das collegium musicum der
Nationalpolitischen Erziehungsanstalt unter
Leitung von Zugführer Schlüter den feier
lichen Akt ein mit einem Musikvortrag von
Gluck. Dann folgte die Festansprache des Bür
germeisters Dostal. In seiner Rede gab er
einen kurzen Ucberblick über die Stadtgeschichte
Plöns und hob dabei hervor:
„In dem Reiche Adolf Hitlers wird Gott sei
Dank wieder Wert gelegt auf Geschichte und
Ueberlieferung, und so wollen wir heute auch
immer wieder zurückblicken auf das Werden
und Leben unserer Heimatstadt."
Der Vortragende stellte dann den Aufstieg
Plöns im Dritten Reich m den Vordergrund.
Der Bürgermeister verlas dann noch die
Glückwunsch-Telegramme, die u. a. vom Füh
rer und vom Fürsten Bismarck, dem deutschen
Geschäftsträger in London und einstigem Schü
ler des Gymnasiums in Plön, eingegangen
waren. Weiter verlas er ein in plattdeutscher
Sprache gehaltenes Telegramm der Stadt
Husum.
Landrat Werther-Plön überreichte die Frci-
herr-vom-Stein-Portrüt-Plakette des Deut
schen Gemeinöetages an die Stadt Plön, weiter
einen vom Kreis- und von der Kreissparkasse
gestifteten Betrag von 2500 JLJt zur Errich
tung der neuen Turnhalle.
Im Anschluß an Landrat Werther sprach
noch als Vertreter des Oberpräsiöiums und
auch im Namen des Oberlandesgerichtspräsi
denten Dr. Martin, der persönlich erschienen
war, Dr. Buchholz, ferner der Dichter Blunk,
der die Grüße und Glückwünsche der Reichs-
kulturkammer und des Reichskultursenats
überbrachte.
Oberstfeldmeister Waltsgott überbrachte als
kommissarischer Leiter der Nationalpolitischen
Erziehungsanstalt Plön die Glückwünsche der
Anstalt und überreichte ein Buch aus dem
Jahre 1850.
Mit zwei Zentnern durch den Weltkrieg
Erinnerungen eines Optimisten.
Von Karl Borromäus Gröber.
(35. Fortsetzung.)
Zentner.
an hatte ans gesagt, daß dies ein ganz
^ jayrloses Unternehmen sei, daß sich dort
boh** ^nehr bedeutende Kräfte befänden und
ß der Tag von Tavastehus wohl unsere
kriegerische Tätigkeit im finnischen
?'"ozug sein werde. Es sollte aber anders
türmen.
-^ie Quartiere in Syrjäntaka waren einfach
n ?ie Stimmung trotz des großen Sieges
iinL ?t. Auch unser Batterieführer war
tz^erst niedergeschlagen und erklärte uns,
sie? e ! tt Bister Tag bevorstehe. Leider hatte er
^ nicht geirrt! Schon bald darauf brachten
Huf Ortskundige Finnländer die Nachricht, daß
Ķ î einer kleineren Nebenstraße bei dem Hofe
"tkila der Vortrab eines roten Heeresteiles
^îEhen worden sei. In aller Eile wurde auf-
^"rochen, und auf schmalen, verwahrlosten
öwegen zog man dem Feinde entgegen. An
t.î Spitze der Batterie ritt als Führerin die
losere Tochter eines finnischen Försters, die
^ c 9 und Steg ihrer Heimat genau kannte.
ußerüem hatten sich ein paar Dutzend Jäger
à ^ei Maschinengewehren angeschlossen,
t^.^alde zu beiden Seiten war es schon un-
geworden, und wir hatten sogar ein
h.ņges Mädchen aus dem südlichen Finnland,
silk ^ ihrem Bräutigam, einem roten Unter-
n )ïc ï, angeschlossen und mit ihm in den Krieg
Uita eit war, gefangen. Das Mädchen tat
sei, ^ìd, und es teilte darum das Schicksal
Bräutigams, der erschossen wurde, nicht,
dj" Kokkila auf einer kleinen Anhöhe ging
Hs-. Batterie, gedeckt durch mächtige Stein-
hp in Stellung. In einem Gehöft, ein paar
ifl) . * Meter hinter der Feuerstellung, lag
I^wit den Munitionstragtieren. Eine Zeit-
blieb alles ruhig, einzelne Reiter und
i"hrer des roten Vortrabs wurden wieder
je- "ckgescheilcht. Es griffen aber immer mehr
"Gliche Abteilungen in das Gefecht ein. Die
Copyright 1985 by Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart.
rote Artillerie fing an, uns mit Granaten
mittleren Kalibers zu beschießen, und ihr Ziel
war hauptsächlich das Gehöft, in dem sich die
Munitionstragtiere befanden. Die Geschosse
platzten mitten auf dem Hof, und es war wie
ein Wunder, daß kein Mensch und kein Tier
verletzt wurde. Bei uns wurde die Munition
immer spärlicher, und Nachschub war nicht zu
erwarten. Die Uebermacht wurde dafür vorne
immer stärker, und wir konnten fast auf die
Minute genau ausrechnen, wann wir die letzte
Granate und die Jäger die letzte Patrone
verschossen haben würden. Weiterer Wider
stand war zwecklos, und wir mußten alles
daran wenden, die Batterie ohne allzugroße
Verluste aus dem Feuer zu bringen. Der
letzte Kasten mit Munition ging in die Feuer
stellung. Die Toten und Verwundeten wur
den bei dem Rückzug auf Bahren gelegt. Von
vorne kam der Befehl, möglich bald das Gehöft
zu verlassen und in größter Eile nach Syr
jäntaka zurückzukehren, wo frische deutsche
und finnische Truppen zu erwarten waren.
Das war aber leichter befohlen als befolgt.
Die kleine Straße, die wir gekommen waren,
lag bis zum Waldrand unter starkem feind
lichem Feuer. Wir hatten gemerkt, daß zwi
schen den feindlichen Salven immer einige
Minuten Zwischenraum lagen, und diese we
nigen Minuten benützten wir, um im eilig
sten Tempo die gefährdeten Stellen zu passie
ren. Es gelang ohne Verluste, und als ich als
letzter mit unserem tapferen Wachtmeister und
dem gefangenen finnischen Mädchen in großen
Sätzen endlich den Wald erreicht hatte, mar ich
wirklich heilfroh. Der gräßliche Aufenthalt
in dem Hofe mit den verängstigt herumrasen-
öen Pferden und Eseln und mit den aufge
regten Tierführern hätte mich fast zum ersten
Male in diesem Kriege die Nerven verlieren
lassen. Ich riß mich aber sofort wieder zusam
men, der Rückmarsch wurde dann sehr eilig,
er verlief aber Gott sei Dank in vollster Ord
nung. In Syrjäntaka trafen wir allerdings
nicht den ersehnten Munitionsnachschub, aber
es war dort ein Häuflein frischer Jäger ein
getroffen, die fürs erste die nachdrängenden
Roten aufhalten konnten. Das Dörflein lag
in einer weiten Waldlichtung an einem See,
an dessen Ufern die große Hauptstraße ent
lang führte. Die etwas erhöht liegende Straße
bot Deckung gegen den im Walde schon vor
dringenden Feind. Der Verkehr vollzog sich
infolgedessen nicht auf der Straße, sondern
im Graben. Schon pfiffen verdächtig viel
einzelne Kugeln vom Walde her über unsere
Köpfe weg,' von einer verirrten Kugel aber
wurde unser Batterieführer getroffen. Er
trug noch den Abschiedsbrief, den er am Mor
gen an seine Lieben in der Heimat geschrieben
hatte, in der Tasche, und seine Ahnungen hat
ten ihn wirklich nicht getäuscht.
Unsere schwere Bagage mit all ihren Wagen
lag zwanzig Kilometer weiter südlich an der
selben Straße, welche die Roten gezogen ka
men, friedlich und ahnungslos im Quartier.
Wenn sie nicht in die Hände des Feindes
fallen sollte, mußte sie unverzüglich von der
Straße weg und seitlich gegen die wohlge
deckte Bahnlinie gezogen werden. Mir wurde
der ehrenvolle Auftrag zuteil, die Leute in
Marsch zu setzen und aus der Gefahrzone zu
bringen. Ich bestieg mein „Sofa" und trabte
mit meinem Burschen im Schutze der Straßen
böschung gen Süden. An der Stelle aber, wo
der Wald an den See stößt, lag ein einfaches
Bauernhaus, an dem wir vorbeireiten muß
ten. Plötzlich sahen wir, wie sich ein Dach
fenster öffnete und wie mehrere verwegene
Gesellen ein Maschinengewehr gegen uns in
Stellung bringen wollten. Da tat höchste Eile
not! Mein „Sofa", das eine phlegmatische Na
tur besaß, begriff leider die Situation nicht
sofort und schaute sich bloß etwas erstaunt
um, als ich es mit dem Sporn antrieb. Erst
als ich, einer blitzschnellen Eingebung fol
gend, es mit meinem Schwcdendolche etwas
unsanft in die Rippen stupste, sauste es wie
ein Pfeil dahin und rettete so mein Leben.
Es waren für uns nicht nur die Geschosse des
Maschinengewehres, die uns vergebens nach
gesandt wurden, gefährlich, auch weiter vor
gedrungene Vorposten der Roten bedrängten
uns hart. Dieser Ritt wurde der eiligste mei
nes Lebens. Halbtot kamen wir bei unserer
Bagage an. Kaum war eine Viertelstunde ver
gangen, als ich schon mit den schweren Wagen
auf der gleichen Straße wieder feinüwärts
zo. Um die Nebenstraße zu erreichen, muß
ten wir zuerst einige Kilometer zurückmar
schieren. Es war höchste Zeit gewesen, denn
als der erste Wagen in Sicherheit war, kamen
auch schon die ersten Radfahrer und Reiter
der Roten daher. In einem gut gewählten
Versteck, von dem aus man den Abzug der
Feinde beobachten konnte, blieb ich mit eini
gen Unteroffizieren so lange zurück, bis der
letzte Bolschewik verschwunden war. Nach
einiger Zeit tauchten auch unsere eigenen
Leute, für die wir schon das Aergste befürchtet
hatten, wieder auf. Leider waren viele ver
wundet worden, auch tote Kameraden hatten
wir zu beklagen.
Ermüdet und abgekämpft rückten wir in die
Quartiere ein. Die Schrecken und Anstren
gungen des Tages waren Kanonieren und
Tierführern so in die Glieder gefahren, daß
niemand mehr an Essen und Trinken dachte,
sondern da, wo er gerade sein Tier anband,
sein müdes Haupt zur Ruhe bettete. Bald lag
alles in tiefstem Schlafe, nur die Posten
patrouillierten draußen in der hellen nordi
schen Nacht. Von der Hauptstraße her drang
aus weiter Ferne noch der Schall einzelner
Schüsse und das Rasseln der flüchtenden Wa
gen. Alles atmete tiefste Ruhe,' da plötzlich
zerriß der scharfe Knall eines Geschützabschus
ses die tiefe Stille, und an der Wand eines
Bauernhauses barst mit metallenem Krachen
eine Granate. Die Schlafenden fuhren empor
und griffen instinktiv zu den Waffen, aber kein
Feind war zu sehen. Bald löste sich das Rätsel.
Ein schlaftrunkener Tierführer hatte seinen
Esel am Abzugriemen eines Geschützes ange
bunden, und ausgerechnet dieses Geschütz hat
ten die Kanoniere zu entladen und zu sichern
vergessen. Als sich das Tier nachts bewegte,
zog es den Schuß ab, und es war der letzte
scharfe Schuß, den unsere Batterie im Welt
krieg abgab.
(Schluß folat.1