Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Dev Tag in IVovt im- VŞ 
Der Ehrentag der dentschen Familie in Köln 
Rudolf Hetz: Das Denken um das Volk 
Ueber 50 000 Frauen und Männer aus allen 
Teilen des Reiches waren zum Bundestag des 
Reichsbundes der Kinderreichen nach Köln ge 
eilt, um in einer großen Kundgebung für die 
deutsche Familie, die Trägerin der Nation und 
des Staates, ihren Willen zum Kind kunözu- 
tun. Der Ehrentag der deutschen Familie in 
Köln unterstreicht die hohe Bedeutung und die 
großen Ziele, die der Reichsbund der Kinder 
reichen verfolgt. Diese Bedeutung wird noch 
erhöht durch die Tatsache, daß führende Per 
sönlichkeiten des deutschen Volkes in der vor 
dersten Linie des Bundes stehen und der 
Stellvertreter des Führers, Reichsminister 
Rudolf Heß, an dem Bundestag teilnahm. 
Ueber der Stadt flatterten die Fahnen. Son 
derzug um Sonderzug lief auf den Bahnhöfen 
ein. Am Rheinufer legten die ersten Sonöer- 
öampfer mit Teilnehmern aus Süddeutsch 
land und den oberen Rheingauen an, die zum 
großen Teil in ihren Trachten erschienen. 
Die offiziellen Veranstaltungen wurden ein 
geleitet mit einem Presseempfang im Gürze 
nich. Nach der Begrüßung durch die Stadt 
verwaltung nahm der Bundesleiter des RdK. 
Stüwe Gelegenheit, einige Worte an die Pres 
se zu richten. Der Reichsbund, der einen 
schweren Kampf um die Erhaltung des deut 
schen Volkes führe, rufe in erster Linie die 
Presse auf, die Bestrebungen des Bundes zu 
Nutz und Frommen des deutschen Volkes nach 
besten Krüfen zu unterstützen. 
Zu einer eindrucksvollen Kundgebung für 
die deutsche Familie gestaltete sich die Amts- 
trägertagung des RdK. in der großen Fest 
halle der Kölner Messe. Kurz nach 18 Uhr 
traf der Stellvertreter des Führers, Rudolf 
Heß, ein. Reichsbundesleiter Stüwe dankte 
unter begeistertem Beifall dem Stellvertreter 
des Führers für seine Teilnahme an der Ta 
gung, der damit eine besondere Bedeutung 
gegeben werde. Der Reichsbund der Kinder 
reichen, so führte er unter anderem aus, viel 
fach mißverstanden und verkannt, sei kein Un- 
terstützungs- oder Wohlfahrtsverband, son 
dern ein bevölkerungspolitischer Kampfbund, 
eine Auslese erbgesunder deutscher Vollfami 
lien. Angesichts der erschreckenden Schädigun 
gen unseres Volksbestanöes durch den Gebur 
tenschwund ringe der RdK. um Erkenntnis 
und Besinung für die Erhaltung des Deutsch 
tums. Die Geburtenzahl von 1933 sei gegen 
über der Vorkriegszeit auf weniger als die 
Hälfte gesunken. Der geringe, aber unzurei 
chende Geburtenanstieg 1931/35 sei zwar ein 
erfreuliches Zeichen der Zuversicht und Be 
sinnung, er habe aber die Tatsache nichl 
grundlegend ändern können, daß die Eltern 
generation seit 20 Jahren durch die Kinderge 
neration fortlaufend nur zu 60 v. H. ersetzt 
werde. Die Folgen seien Sinken des wirt 
schaftlichen Umsatzes und damit weitere Er 
schwerung der Arbeitsbeschaffung. Kulturell 
führe die Einschränkung der Kinderzahl er 
fahrungsgemäß zu einem Aussterben der Füh 
rerschicht. Durch Zwei- und Einkindersystem 
seien der Familiensinn und Familienbegriff 
schwer erschüttert worden. Nicht zuletzt sei es 
Naturgesetz, daß schwindende Völker durch 
wachsende verdrängt und auf dem eigenen Bo 
den unterwandert würden. In Erkenntnis 
dieser Gefahren für unser Volk fühlen die 
Kinderreichen die Verpflichtung, sich als War 
ner und Mahner für die deutsche Zukunft, die 
Zukunft unserer Kinder, einzusetzen. Unter 
dem stürmischen Beifall der Versammelten 
betonte der Redner, die Kinderreichen wüßten, 
daß der nationalsozialistische Staat schützend 
hinter ihnen stehe. 
Die Kundgebung erreichte ihren Höhepunkt, 
als der Stellvertreter des Führers, 
Reichsminister Rudolf Heß, 
die Rednertribüne betrat, um kurze und herz 
liche Wort an die deutschen Väter und Mütter 
zu richten. Er überbrachte den deutschen Kin 
derreichen zu ihrem Ehrentag die Grüße des 
Führers und wies darauf hin, wie sehr der 
Führer, Partei und Staat das würdigen, was 
die kinderreichen Familien für die Nation lei 
sten. „Sie sind Vorbild der Nation, sie setzen 
sich ein für die Zukunft der Nation, sie kämp 
fen in aller Stille, in aller Zurückgezogenheit 
einen Kampf für Deutschland, sie haben über 
das wirtschaftliche Denken das Denken um das 
Volk gesetzt, wie es der Nationalsozialismus 
verlangt. Der Stellvertreter des Führers be 
kannte sich im weiteren Verlauf seiner kame 
radschaftlichen Worte zu der Verpflichtung des 
Staates im Sinne eines weitgehenden Ein 
tretens für die kinderreiche Familie. Gerade 
weil sie nicht materialistisch denke, müsse dafür 
gesorgt werden, daß sie nicht wirtschaftlich lei 
de. Rudolf Heß verwies dabei insbesondere 
auf die gerechte Forderung nach dem Famili 
enlastenausgleich. Zum Schluß seiner An 
sprache brachte der Stellvertreter des Führers 
den Dank zum Ausdruck, den Führer und Na 
tion den deutschen Vätern und Müttern sagen, 
die die Erhaltung unseres Volkes sichern. „Ich 
glaube, daß die Zeit kommen wird, in der ihr 
Vorbild von allen in Deutschland so gewür 
digt werden wird, wie es gewürdigt werden 
muß." 
Begeistert dankten die Amtsträger des RdK. 
für die zielweisenöen Worte. Wie tief und 
herzlich dieser Dank war, erwies sich, als spon 
tan eine Schwarzwülöerin in ihrer maleri 
schen Tracht einen Blumenstrauß ihrer Heimat 
dem Stellvertreter des Führers überreichte. 
Als letzter Redner sprach der Leiter des Rasse 
politischen Amtes der NSDAP., Reichsamts 
leiter Dr. Walter Groß. Er führte aus, daß 
es den entgültigen Sieg des Nationalsozialis 
mus auf Jahrhunderte hinaus nicht geben 
könne ohne kinderreiche Familien, die das, 
was heute geschaffen wird, in ihren Kindern 
morgen verteidigen und erweitern werden. 
Leistungen, die eine tapfere Generation ge 
stern und heute vollbringt, müssen morgen 
und übermorgen abermals vollbracht und ge 
sichert werden. Der Reichsbund der Kinder 
reichen ist der Künder und Erzieher zu dieser 
neuen Haltung, die gleichermaßen der politi 
schen Notwendigkeit wie den ewigen Lebens 
gesetzen der Menschheit gerecht wird. Wer be 
fürchte, hinter dem Appell an den Kinderreich 
tum könne die Absicht eines Angriffes stehen, 
dem müsse man sagen, daß das nicht wahr sei 
und nicht wahr sein könne. Denn je mehr le 
bendige Kinder ein Volk oder eine Familie 
ihr eigen nenne, desto heißer wünsche sie, in 
Frieden und Ordnung Wachsen und Schaffen 
ihrer Kinder erleben und bewahren zu kön 
nen. (Lebhafter Beifall.) Die Wurzeln un 
serer Kraft liegen da, wo das Leben sich erneu 
ert, wo der Bauer die Scholle bricht und die 
Mutter ihr Kind stillt. 
Als Abschluß der Reichstagung 
fand am Sonntag auf der Festwiese des Köl 
ner Messegelänöes eine Großkundgebung statt. 
Man sah die bunten Trachten aller deutschen 
Gaue von Schlesien bis zum Saargebiet, von 
den Alpen bis zur Nordsee. Leider setzte eine 
Stunde vor dem Beginn der Kundgebung 
leichter Regen ein, der sich später verstärkte, so 
daß die Kundgebung abgekürzt wurde. Kurz 
nach 10 Uhr marschierten die Fahnenabord 
nungen zu beiden Seiten des Podiums auf. 
Dann zeigte eine Ehrenabteilung des Arbeits 
dienstes das chorische Spiel „Mutter und 
Kind". 
Geisteskranker Mrder. 
Zu dem Doppelmord, der in der Veringstraße 
in Wilhelmsburg verübt wurde, meldet die 
Polizei ergänzend, daß die Hausbewohner früh 
gegen 5 Uhr 30 Schreie und Hilferufe aus der 
Wohnung der Familie Schulz gehört haben, 
aber nach deren baldigem Verstummen den 
Vorgängen keine weitere Bedeutung zugemes 
sen haben und deshalb auch keine Anzeige er 
statteten. Der Ehemann und Vater der beiden 
Ermordeten befindet sich seit 14 Tagen auf einer 
Segelfahrt und hat bei dieser Gelegenheit sei 
nen Schwager, den Täter.Georg Otto, in K i e l 
besucht. Durch diesen Besuch hatte Otto erfah- 
*mß sich seine Schwester und Nichte allein 
aase aufhielten. Die beiden Frauen zu 
wcen, will Otto, der an Verfolgungseinbildun 
gen leidet, schon lange vorgehabt haben. 
Am ersten Pfingstfeiertag ist er nach Wil- 
l). - msburg gefahren. Besuchsweise hat es sich 
zunächst in der Wohnung seiner Schwester, an 
geblich in bestem Einvernehmen, aufgehalten. 
Als seine Rückfahrkarte nach Kiel ablief, sei er 
zur Tat geschritten. Seine Schwester, die wegen 
der bevorstehenden Abreise früh aufgestanden 
war, hat er in der Küche überfallen und mit 
einem Hammer niedergeschlagen, die 22jährige 
Tochter hat er ebenfalls mit dem Hammer nie 
dergeschlagen und dann den auf dem Boden 
liegenden Frauen noch tiefe Halsschnitte beige 
bracht. Der Täter ist dem Amtsgericht zuge 
führt worden. Es hat sich der Eindruck ver 
stärkt, daß es sich bei dem Otto, der seiner Tat 
gegenüber völlige Teilnahmslosigkeit zeigt, um 
einen Geisteskranken handelt. 
Im Faltboot über den Kanal. 
DD. London, 6. Juni. Zwei junge Deutsche 
namens Schumann trafen am Donnerstag 
nach abenteuerlicher Fahrt in einem knapp 
fünf Meter langen Faltboot im Hafen von 
Dover ein. Die beiden hatten Bottrop in 
Westfalen vor etwa sieben Wochen verlassen 
und waren den Rhein hinunter gepaddelt. Am 
Mittwochmorgen trafen sie in Ramagate ein, 
von wo sie sich sofort auf die Weiterfahrt nach 
Dover machten. Sie gerieten in einen so 
starken Wellengang, daß sie am Feuerschiff 
„East Goodwin" Schutz suchen mußten. 
Der Abschied der Luftwaffe von ihrem Generalstabschef. 
Die Trauerfeier für Generalleutnant Wever im Ehrenhof des Reichsluftfahrt 
ministeriums. Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generaloberst Göring, spricht 
am Sarge des so jäh aus dem Leben Geschiedenen. (Weltbild, K.) 
Der Führer erweist dem Toten die letzte Ehre. 
Nach der Trauerfeier wird der Sarg mit der sterblichen Hülle des Generalstabs 
chefs in den Wagen gehoben, um nach Klein-Machnow übergeführt zu werden. Im 
Hofe des Reichsluftfahrtministeriums der Führer mit Generalfeldmarschäll v. Blom 
berg, Generaloberst Göring und die Angehörigen des Toten. (Heinr. Hossmann, K-)! 
Wesers letzter Erdenweg * 
Am Sonnabend fand in Klein-Machnow 
Berlin die Beisetzung des GeneralstabschĢ 
der deutschen Luftwaffe, Generalleutnant 
Wever, statt, der bekanntlich zusammen un 
dem Obergefreiten Kraus am 3. Juni öw 
Fliegertod gestorben ist. Vorauf ging eiw 
Trauerfeier im Luftfahrtministerium, an web 
cher auch der Führer teilnahm. Nach Worten 
des Feldbischofs der Wehrmacht, v. Dohrmaiw- 
würdigte der Oberbefehlshaber der Luftstreib 
krüfte, Generaloberst Göring, noch einşş 
den hohen Anteil des Toten an der Wieder 
schaffung einer deutschen Luftmacht. Als drt 
Lafette der Flakbatterie mit dem Sarg vor dein 
Trauerhause in Klein-Machnow angekommen 
war, verharrte man in einigen Minuten 
Schweigen. Eine Gruppe vom Geschwader 
„Hindenburg" entbot den letzten Gruß der 
Maschinen. Am offenen Grabe sprach Göring 
letzte Worte. „Sei bei uns", sagte er, „wenn 
die Not am größten! Stärke uns mit deiner 
starken Seele, wie du uns bisher geholfen und 
gestärkt hast. Wir aber versprechen dir, dein 
Andenken als heiliges Vermächtnis in unser 
Herz einzuschließen!" 
Segelflieger und Möwe». 
KunsWge über Kopenhagen. 
DNB. Kopenhagen, 7. Juni. Der deutsche 
Verkehrsflieger Peter Riedel, der sich zur Zw 
mit einer deutschen Segelflugexpedition unter 
Führung von Professor Rheinöorf in de" 
skandinavischen Ländern aufhält, führte vw 
seinem Leistungssegelflugzeug „Sperber" einen 
bemerkenswerten Flug über den Sund au«- 
Vormittags um 11.26 Uhr ließ sich Riedel über 
dem Flugplatz von Malmö hochschleppen um 
klinkte nach kurzer Zeit in 400 Meter Hķ 
aus. In etwa Inständigem Kurven hatte Rie^ 
del über Malmö eine Höhe von etwa 1500 Me 
ter erreicht. Er nahm dann Kurs über den 
Sund in Richtung Kopenhagen, überflog den 
Sund verhältnismäßig schnell und führte über 
der dänischen Hauptstadt Kunstflüge durch- 
Etwa zwei Stunden, bevor Riedel zur Law 
dung ansetzte, hatte man in Kopenhagen da§ 
seltsame Schauspiel, ein Segelflugzeug mit de» 
vielen Möwen um die Wette fliegen zu sehen, 
was fliegerisch besonders interessant war, dn 
die Möwen dem Segelflieger die Aufwinözw 
nen zeigten. Um 16.30 Uhr landete Riedel au! 
dem Flugplatz Kopenhagen. 
* * * 
Ballon „Nordmark" auf Wettfahrt. 
im Erzgebirge gelandet. 
Der Ballon „Norömark" hat an einer Weist 
fahrt der Luftsport-Landesgruppe 9, Hannover 
teilgenommen. Sonnabend abend um -7 UM 
waren vom Waterlooplatz in Hannover sieben 
Freiballone gestartet. Als erster wurde «>e 
Ballon „Nordmark" gefüllt, der von dem Haws 
burger Ballonfahrer Dr. Perlewitz gefķ. 
wurde. Es war zur Bedingung gestellt, dal' 
weder Küsten noch Meeresarme überfahre« 
werden durften. Außerdem durften die Reichs 
grenzen nicht verlassen werden. Sieger 
derjenige Ballon werden, der vom Startpw- 
bis zum Landeort, in gerader Luftlinie gewest 
sen, die größte Entfernung zurückgelegt ha'' 
Ballon „Nordmark" ist nach zehnstündig^ 
Fahrt im Erzgebirge, 10 Klm. von der Grenö 
entfernt, glatt gelandet. 
* * * 
Ausstellung „A§ deutsche Gemeinde^- 
Im Ehrenraum der Berliner Ausstellung^ 
hallen am Kaiserdamm eröffnete am Sonnte 
der Reichs- und Preußische Minister des 
nern Dr. Frick die große Ausstellung „D 
deutsche Gemeinde", eine Leistungsschau » 
über 50 000 deutschen Gemeinden, die « 
Deutsche Gemeindetag zusammen mit be 
Ausstellungs- und Messeamt der Stadt Bew 
aus Anlaß des 6. Internationalen Gemein« 
kongresses errichtet hat. Die über 1500 Ehre . 
gäste der Eröffnungsfeier, darunter die 
6. Internationalen Gemeindekongreß aus 
taaten anwesenden Teilnehmer, wurden v 
dem Direktor des Messeamtes, Wischek, 
Hausherrn empfangen. Unter den Oberbürge^ 
meistern vieler deutscher Städte sah man 
an" 
den Regierenden Bürgermeister Krogw-,, 
(Hamburg) u. Oberbürgermeister Dr. DreŞ 
ler (Lübeck). 
* * * 
Wirbelstürme in Oklahoma und Kansas« 
DNB. Newyork, 7. Juni. Nach Meldung^ 
aus der Stadt Oklahoma wurden die Staw 
Oklahoma und Kansas am Sonnabend * 
schweren Wirbelstürmen und WolkenbrnÄ , 
heimgesucht. Neun Personen wurden 
und zahlreiche verletzt. Der Sachschaden ist 
groß, da viele Häuser umgeweht wurden. „ 
Burbank in Nord-Oklahoma wurde jedes K 
beschädigt.
	        
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