Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Ergebnis des Winterhilsswerks: 
^/2 Mill. Mark in Schleswig-Hslsteiv 
Eine Million Mark mehr gespendet wie im Vorjahre 
Ņm Donnerstag, Sem 4. I 
j... . ~—a, ~w.. .. Juni, fand in Neu- 
nster in Anwesenheit von Vertretern aller zur 
x//ìtsgemeinschaft des Winterhilfswerkes gehö- 
noen Organisationen und Verbänden eine Ab- 
"ußtagung zum Winterhilfswerk 1935-86 statt. 
San Ģaubeauftragte für das WHW. im Gau 
èjyleAwig-Holstein, Pg. Neumann, gab auf 
iw ^ Tagung einen umfassenden Rückblick auf die 
je-, - e « Winter im Gau Schleswig-Holstein ge- 
. "tete Arbeit. Pg. Neumann führte dabei u. a. 
Kll 
^ndes aus: 
"Wenn auch offiziell das Winterhilfswerk des 
Ätschen Volkes bereits am 31. März 1936 be- 
et worden ist, so sind doch bis zur Fertigstellung 
ş ^dgültigen Abschlußberichtes noch Wochen er- 
x erlich, denn ein derartig umfangreicher Appa- 
. ' ņ>ie er vom Winterhilsswerk verkörpert wird, 
Klangt eine peinlichst genaue Arbeit in allen Din- 
Ich bin aber in der Lage, Ihnen heute schon 
, e » vorläufigen Bericht über die im letzten Win- 
x geleistete Arbeit zu geben. 
Der Führer hatte in der Vorwoche die Gaube- 
^ sagten des Winterhilfswerkes zu sich geladen. 
der uns bei dieser Gelegenheit für die 
§ ästete Arbeit ausgesprochen wurde, ist ein 
it öttf , der gleichzeitig allen denen gilt, die nur 
genöwie das große soziale Hilfswerk unterstützt 
. fn. Der Dank gilt damit allen Helfern und 
J şerinnen des WHW., gleichgültig, an welcher 
sie gestanden haben und wie sie sich für das 
5 _ einsetzten. Dieser Dank gilt zugleich allen 
t Bürgen, die durch ihre Opfer erst ermöglich- 
ein so großes und umfassendes Winterhilfs- 
j/ŗk durchzuführen. Denn nur durch diese Opfer 
A es ja letzten Endes möglich gewesen, allen den 
olksgenossen tatkräftig zu helfen, denen das 
^'cksal seine Gunst noch versagte. Es ist ein er- 
^ndes Gefühl, um die Mitarbeit zu wissen, die 
şilfs 
, ernzelne unbekannte Volksgenosse im Winter- 
^werk geleistet hat. Wir alle können stolz darauf 
>n, tote sich ein einiges deutsches Volk im letzten 
^'"ier wiederum für seine notleidenden Brüder 
!i»z ^ihwestern eingesetzt hat. Im ganzen Reich 
ilizg Ņ letzten Winter vom Winterhilfswerk 
Leistungen im Gesamtbeträge von 
376 Millionen MM 
^ausgabt worden. Damit ist das Ergebnis des 
^"rjahres noch um rund 3 Millionen MM übcr- 
. °tfe« worden. Diese erhöhten Leistungen, sowohl 
sK ^eich als auch in unserem Gau verdienen auch 
,J>» deshalb Erwähnung, weil ja die Gehaltsab- 
ŗZe für has Winterhilsswerk in diesem Winter 
ļ e u 10 vH- gegenüber 20 vH. im Vorjahre bedeu- 
^ niedriger gewesen sind. 
^ir habe« in nnsercm engeren Gaugebiet das 
^'Nterhilfswerk ja allerdings auch aus einer 
Endlage aufbauen könne«, die in kleinerem 
Umfange sich bereits vor der Machtübernahme des 
Nationalsozialismus bewährt hatte. Mit Genng- 
tnnng können wir heute wieder daraus hinweisen, 
daß sich der Gauleiter und Oberpräsident, Pg. 
L 0 h s e, schon vor der Machtübernahme für die 
Durchführung eines Winterhilsswerks eingesetzt 
hat, so daß schon damals zahlreichen Bedürftigen 
geholfen werden konnte. 
Heute steht nun das ganze Volk hinter dem gro 
ßen Werk. Alle Volksgenossen in Stadt und Land 
setzen sich für die Idee des Winterhilfswerks ein, 
so daß allen denen, die Not leiden, wahrhaft ge 
holfen werden kann. 
Das Spendenaufkommen des Gaues 
Schleswig-Holstein belies sich im Winter 1938-36 
aus rund 9'A Millionen MM. 
Diese Summe setzt sich ungefähr zu gleichen Tei 
len aus dem Bargeldspendenaufkommen und dem 
Agrarspenden-Aufkommen, welches dank der Ar 
beit des Reichsnährstandes eine bemerkenswerte 
Höhe erreichte, zusammen. Im Gesamtergebnis 
liegt diese Summe, wie schon einmal betont, um 
eine Million MM über dem Ergebnis des Vor 
jahres. Es ist selbstverständlich, daß durch dieses 
erhöhte Ergebnis auch dem einzelnen mehr ge 
geben und besser geholfen werden konnte. 
Die Zahl der vom Winterhilsswerk betreuten 
Volksgenossen ist im Gau'Schleswig-Holstein stark 
zurückgegangen. 
Im WHW. 1933-34 wurden 152 606 Hilss- 
bedürstige unterstützt. Im Vorjahre waren 
es noch 351 660, während im letzten Winter 
durchschnittlich 316 066 bedürftige Volksge 
nossen betreut wurden. 
Diese Zahlen lassen ohne weiteres den Wirtschafts 
anstieg erkennen. Wir müssen uns allerdings dar 
über klar sein, daß es immer Erwerbslose geben 
wird, und infolgedessen auch immer diese Bedürf 
tigen vom Winterhilsswerk, als einer ständig wie 
derkehrenden Einrichtung betreut werden müssen. 
Viele Hände waren im letzten Winter am Werk, 
um die zahlreichen Arbeiten für das WHW. zu 
erledigen. Mit Freude können wir feststellen, daß 
sich zahlreiche Volksgenossen und Volksgenossinnen 
in selbstloser Weise bereitgefunöen haben, ihre 
Freizeit der Erledigung dieser schweren aber auch 
schönen Aufgabe zu widmen. So waren in Schles 
wig-Holstein im letzten Winter nicht weniger als 
28129 ehrenamtliche Helfer und Helferinnen 
tätig. Hinzu kommen noch die vielen unbekannten 
Helfer aus den Gliederungen und Formationen 
der Partei, der Wehrmacht, der Polizei, des Ar 
beitsdienstes und anderer Organisationen, die vor 
nehmlich für die Erledigung besonderer Aufgaben 
eingesetzt wurden. Man kann wohl sagen, daß die 
gesamte Bevölkerung im Dienste des WHW. stand. 
Dabei ist es bestimmt keine leichte Aufgabe, tag 
ein und tagaus, treppauf und treppab für das 
WHW. zu werben und zu arbeiten. Es ist ja auch 
nicht allein mit der materiellen Fürsorge getan. 
Gilt es doch, die Bedürftigen aus ihrer Gleichgül 
tigkeit aufzurütteln, in ihnen die Hoffnung zu 
wecken und den Glauben an die deutsche Zukunft 
und ihnen die Kraft zu geben, selbst zur Besse 
rung ihres Zustandes durch Mitarbeit am Aufbau 
Deutschlands beizutragen. Zeichen besonderer 
Opferbereitschaft der Bevölkerung Schleswig-Hol 
steins sind die Ergebnisse der allmonatlich durch 
geführten Eintopf- und Straßensammlungen. Die 
sechs Eintopssammlungen des letzten Winters 
ergaben insgesamt 982 547,28 MM, 
Das höchste Ergebnis wurde dabei im Monat März 
mit 180 602,20 MM erzielt. Demgegenüber brachten 
die Straßensammlnngen i« Schleswig-Holstein 
einen Betrag von 913 248,68 MM, 
Durch diese guten Ergebnisse war es dann auch 
möglich, das Winterhilsswerk in großzügiger 
Weise durchzuführen, und umfassend zu helfen. 
Im letzten Winter wurden im Gau 482 059 Ztr. 
Steinkohlen, 769 589 Ztr. Briketts und viele Wag 
gons Holz ausgegeben. Insgesamt hat das WHW. 
in den letzten 3 Wintern im Gau Schleswig-Hol 
stein 8 645 949 Ztr. Brennstoff verteilt. 
Man kann diese gewaltigen Leistungen am besten 
daran ermessen, wenn man sich vorstellt, baß zur 
Beförderung dieser Mengen 12160 Eisenbahnwag- 
gons notwendig gewesen wären. Aus diesen Wag 
gons hätte man 243 Züge zusammenstellen können. 
Als eine Maßnahme, die der Gau Schleswig- 
Holstein jetzt schon zum 3. Mal durchgeführt hat, 
verdient 
die Licbcsgabenaktion für die deutschen 
Notstandsgebiete 
besondere Erwähnung. In diesem Winter konn 
ten wiederum 108 000 Kg. Lebensmittel den Not 
standsgebieten durch die Spende Schlswig-Holsteins 
zugeführt werden. Die Dankschreiben, die wir für 
diese Maßnahme erhalten haben, beweisen, daß man 
überall den verbindenden Gedanken dieser Aktion 
erkannt hat und dankbar ist, daß der National 
sozialismus sich auf diese Weise für alle deut 
schen Volksgenossen einsetzt. 
Ein in wirtschaftlicher Hinsicht sehr wesent 
liches Arbeitsgebiet des WHW. ist die Seefisch- 
versorgung. So haben wir im letzten Winter allein 
in Altona dem Fischmarkt 8 969178 Pfd. Seefische 
entnehmen können. Diese Summe entspricht einem 
Viertel der Gesamtanlandungen am Altonaer 
Fischmarkt. Im Vorjahre betrug die Entnahme des 
Winterhilfswerks zwar 29,6 vH., doch ist der Rück 
gang nur scheinbar, da die Gesamtlanöungen ge 
genüber dem Vorjahre um das Zweieinhalbfache 
gestiegen sind. Jedenfalls hat diese Maßnahme des 
Winterhilsswerks der Seefischerei neuen Impuls 
gegeben, so daß es möglich war, die gesamte Alto 
naer Fischdampferflotte nahezu während des gan 
zen Winters in Fahrt zu halten. Es verdient Er 
wähnung, daß für die Bereitstellung der vom 
WHW. dem Altonaer Fischmarkt entnommenen 
Seefische allein 60 Fangreisen notwendig gewesen 
sind. 
Eine weitere wirtschaftlich interessierende Maß 
nahme des Winterhilsswerks ist die Beschaffung 
der alljährlichen Ansteckabzeichen für die Straßen 
sammlungen. Bei der Vergebung dieser Aufträge 
sind vornehmlich Notstandsgebiete und Gebiete 
mit starker Heimarbeiterbeschäftigung berücksichtigt 
worden. So sind in den letzten 3 Jahren 203 Mil 
lionen WHW.-Abzeichen in 8,5 Millionen Arbeits 
stunden hergestellt worden. 
Wir haben allein im letzten Winter 3 648 256 
Abzeichen im Gau Schleswig-Holstein verkauft. 
Von besonderer Bedeutung ist dann im letzten 
Winter noch die kulturelle Betreuung für die not 
leidenden Volksgenossen gewesen. Aus der großen 
Zahl der hier durchgeführten Maßnahmen sei er 
wähnt, daß insgesamt 140 Sondervorstellungen in 
den Lichtspieltheatern durchgeführt wurden, die 
von 78 500 Betreuten des WHW. besucht waren. 
Insgesamt wurden 
mehr als 366 666 Karten für kulturelle 
Veranstaltungen 
ausgegeben. Das ist in großen Zügen alles, was 
heute schon über das Winterhilsswerk 1935-36 zu 
sagen wäre. Ein genauer zahlenmäßiger Abschluß 
bericht wird wie üblich in absehbarer Zeit heraus 
gegeben werden. 
Ich darf nun noch dem Wunsche Ausdruck geben, 
daß die im Winterhilsswerk bewährte Zusammen 
arbeit auch sür die im Sommer zu leistenden 
Arbeiten Platz greift. Die Ausgaben der einzelnen 
Verbände und Organisationen sind bestimmt unter 
schiedlich nnd doch haben wir alle das eine gemein 
same Ziel: 
Im Sinne unserer nationalsozialistischen 
Weltanschauung für Deutschlands Zukunft 
zu arbeiten. 
Ich bitte Sie, auch weiterhin mitzuarbeiten und 
Mitzuhelfen, damit wir weiterhin sagen können: 
Schleswig-Holstein wieder voran! 
Stadt und Land — Hand in Hand! 
Up ewig ungedeckt!" 
Iie Zpfer des timt EismbchnungMs 
Die endgültige Zahl der Opfer bei dem ge-- 
strigen Eisenbahnunglück bei Linz beträgt zwei 
Tote, 33 Verletzte, davon 6 Schwerverletzte. 
Der eine Tote ist der Postbeamte, der sich in 
dem vollkommen zerstörten Postwagen befand^ 
der zweite Tote ist ein Wiener Leöergroßhänd- 
ler. Es steht nunmehr einwandfrei fest, daß 
der Lokomotivführer des Zuges allein die 
Schuld an dem Unglück trügt. Der Lokomotiv 
führer wurde verhaftet. 
DNB. Bischofsheim (Rhön), 6. Juni. (Eig. 
Funkm.) Bei einem Gewitter schlug der Blitz 
in eine Arbeitergruppe, die auf dem Steinberg 
mit dem Behauen von Pflastersteinen beschäst 
tigt war. Dabei wurde der ledige 29jährige 
Lorenz Linden aus Weltersburg (Krs. Wester 
burg) auf der Stelle getötet. Drei weitere Ar-- 
beiter erlitten schwere Verletzungen. 
Toni Zaggler / 
^rheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Manz, 
^ München. 
' Nachdruck verboten. 
kommt aber nicht mehr zum Einschlafen, 
stielt sich das Heu vom Gewand und geht 
die Stube hinunter. Sein erster Blick fällt 
" die zwei Tassen am Tisch. 
L,'äaah", macht er gedehnt. „Du hast schon 
>uch g'hä heut?" 
^Dļirl schüttet einen Hafen voll Rahm in das 
h,;^erfaß und antwortet, ohne ihn anzu- 
Een: „Ja, der Zaggler Tont war da." 
^artl macht ein verblüfftes Gesicht. 
i^Da schau her. Der wird allweil frecher. Hast 
Hochlarrdsroma» vor» Hans Ernst 
net nausg'schmissen?" 
s^'äarum sollt ich einen Menschen naus- 
H. rissen, der in meine Hütte kommt, um ein 
^ņgl zu rasten?" 
-Ņuweh, denkt sich Bartl, sie hat 
wirklich 
eit schiachen Humor heut. 
hat sich auf die Bank gesetzt und trommelt 
1 den Fingern auf die Tischplatte. 
»Sy 
so, dann war heut der Herr Jäger 
und hat mit meim Dirndl Kaffee 
Und dein Bub, der kann warten, 
^llken 
tj^n ihm auch der Magen kracht. Aber na- 
1% der Herr Jäger, wenn er kommt, da 
^d aufgewartet." 
Mirls Mund legt sich ein Zug von Trotz 
0 Zorn. 
das alles, was du mir zu sagen hast?" 
sj/^artl steht auf, nimmt eine Tasse und schenkt 
J a>n Herd den Kaffee ein. 
L'äir scheint, du bist heut mit dem linken 
° zuerst aus dem Bett." 
^ schlürft an der Tasse. Mirl dreht am 
i^ter aß. Plötzlich hält sie in der Arbeit 
ne u -d sagt: 
?et Winninger is verhaftet." 
»tz??ktl fährt herum. Sein Gesicht zeigt un- 
bohlenes Entsetzen. 
"Höllteufisackara! Wer sagt dös?" 
Toni hat mir's g'sagt. Und der Büch- 
^ îst fort ü&er die Grenz. Jetzt will er dir 
şyOe« Kragen." 
kt istîtl hat sich schon wieder in der Gewalt,' 
Mhnt: 
„Der Bub? Als wenn ich den schon fürchten 
tät!" 
„Unterschätz ihn net. Kannst dich nimmer er 
innern an den Maitanz? Weißt noch, wie er 
am Schießstand war und hat ein' Zwölfer um 
den andern g'schosscn?" 
„Am Schießstand freilich. Da hat's keine 
G'fahr. Aber wenn's amal ernst wird, dann 
fallt ihm 's Herz in die Hos'n." 
Mirl schüttelt den Kopf. 
„Der Toni fürcht nix." 
„Du red'st aber warm für ihn." 
Bartl lehnt am Ofen, hat in der einen Hand 
die Kaffeetasse und zwirbelt mit der anderen 
an seinem Bärtchen. Mirl geht zu ihm hin, 
legt ihren Arm um seinen Nacken und spricht 
warm auf ihn ein: 
„Bartl, laß dös Leben. Es bringt kein Glück. 
Wie soll denn aus uns zwei einmal ein Paar 
werden, wenn du gar keinen Will'n zeigst zu 
einem ordentlichen Leben?" 
Dem Bartl wird unbehaglich zumute. 
„Der Winninger hat mir versprochen, daß 
er mir einen Posten in der Stadt verschafft. 
Warten muß man halt können. Ich kann's 
auch uet übers Knie abbrechen und der Herr 
Winninger auch net." 
Mirl seufzt. 
„Jetzt schon gleich gar nimmer, wo er hinter 
Schloß und Riegel sitzt." 
„Der wird bald wieder da sein. Man kann 
ihm schwerlich was beweisen." 
„Wenn ich nur dran glauben könnt. Schau, 
Bartl, wieviel Jahr geh ich jetzt schon mit dir, 
und von ein' Jahr hast du mich auf das an 
dere vertröstet. Nacht für Nacht hab ich Angst 
und Sorgen ausg'stanöen, wenn ich g'wußt 
hab, daß du auf ein Wildbret auszogen bist. 
Und wie du dann den Büchlcr auf deine Seite 
bracht hast, da hast mir eingeredet, jetzt hat es 
keine Gefahr mehr. Und bis in einem Jahr 
hast du soviel verdient, daß wir heiraten kön 
nen. Ich hab nie was g'sehn von dem Geld. 
Ich aber hab g'spart und hab jeden Pfennig 
dreimal umdreht, weil ich ihn aufheben wollt 
für unser Glück. Ich hab g'arbeit, daß mir 's 
Blut unter den Fingernägeln raus is, wäh 
rend du im Heuboden die durchwachte Nacht 
ausg'schlafen hast." 
„Ja, is ja recht", nickt er anerkennend. „Du 
bist halt ein Weiberl. Allen Respekt!" 
Er rundet den Arm um ihre Hüfte und fin 
det einen Ton von biederer Herzlichkeit. „So 
was braucht schon suachen, wie du bist." 
Sie macht sich ein wenig unwillig los und 
spricht weiter: 
„Und wie dann der Toni als Jäger einge 
stellt worden ist, da hast g'lacht und hast g'sagt: 
der wird mir schon gar net g'fährlich, weil sein 
Vater auch wildert. Mir hat graust damals 
vor dem Gedanken, daß sich Vater und Sohn 
amal gegenübersteh'n könnten, jeder mit dem 
Gewehr in der Hand auf Leben und Tod. 
Unser Herrgott hat's aber net zulassen und 
hat den Zaggler auf andere Weise zu sich 
g'holt. Jetzt ist der Zaggler nimmer. Jetzt 
stehst allein gegen einen Menschen, der zehn 
Jahr jünger is wie du und der nix anders 
kennt und nach nix anderm trachtet, als dich 
zu stellen. Bartl, ich bitt dich —" mit aufge 
hobenen Händen steht sie vor ihm — „laß ab 
von dem Lebenswandel. Schau, is es net wie 
ein Fingerzeig Gottes, daß die Arbeit im 
Spieglerschlag frei worden is. Du kannst für 
den Zaggler weiterarbeiten, redlich und recht 
schaffen, wie du es früher auch tan hast. Ich 
bitt dich, Bartl..." 
Bartl starrt sinnend auf den Boden. Dann 
sagt er: 
„Da braucht man auch ein' Werkzeug dazu. 
Ich hab gar nix mehr, weil ich alles verkauft 
hab damals in dem Glauben, ich brauchs 
nimmer." 
„Ich gib dir Geld, Bartl." 
Sie huscht in ihre Kammer und kommt 
dann mit einigen Silbermünzen. „Da, hast 
fünfzehn Mark. Da kannst kaufen, was du 
brauchst." 
Mirl ist wie umgewandelt. Freude glänzt 
in ihren Augen. 
Bartl läßt das Geld gleichgültig in seine 
Hosentasche gleiten und sagt: 
„Du bist halt eine. Dir kann man nix ab 
schlagen." 
„Ja, is scho recht. Geh nur zu jetzt und kauf 
dir ein gutes Werkzeug." 
Sie schiebt ihn förmlich zur Tür hinaus 
und schickt ihm, als er in einer Talsenkung 
verschwindet, einen klingenden Jodler nach. 
Bartl erwidert ihn notgedrungen und 
stampft talwärts. Er ist sich im ersten Augen 
blick gar nicht schlüssig, was er tun soll. Einen 
Moment denkt er sogar daran, sich ein Werk 
zeug zu kaufen. Und diesen Gedanken behäli 
er auch bet, bis er ins Dorf kommt. Da begeg 
net ihm ein fremder Jäger, der nach Schloß 
Wandeck geht. 
Bartl pfeift durch die Zähne. 
„Aha, das is der Nachfolger vom Büchler. 
Ob er wohl auch mit sich reden läßt?" 
Bartl wirft alle guten Vorsätze über den 
Haufen und steuert dem Wirtshaus zu. 
Als der schäumende Krug vor ihm steht, 
schmunzelt er vergnügt, bläst den Schaum vom 
Krug und lacht. 
„So, mci liebe Seel, jetzt duck dich zamm. 
Jetzt kommt ein Wolkenbruch." 
Erst spät in der Nacht verläßt er das Wirts 
haus und hat sein Werkzeug vertrunken. 
Auf frischer Tat. 
Als Toni gegen Abend an die Luisenhütte 
kommt, sind Graf Bruggstein und der neue 
Jäger schon anwesend. 
Michael Hornberger ist sein Name. Ein 
Mann von sympathischem Aeußeren, scharfen, 
grauen Augen und leicht gebogener Nase. Ein 
echter Jägertyp. Er stammt aus der Tegern- 
seer Gegend und hat bereits zehn Dienstjahre 
beim Herzog in Kreuth hinter sich. 
Graf Bruggstein stellt die beiden einander 
vor und setzt dann, zu dem Neuen gewendet, 
hinzu: 
„Der Toni ist mein jüngster Jäger. Ich bitt 
Sie, Hornberger, gute Freundschaft mit ihm zu 
halten." 
„An mir soil's net liegen", antwortet Horn 
berger und schüttelt kräftig Tonis Rechte. 
„Eine gute Kameradschaft erleichtert den 
Dienst." 
„So ist es recht", lobt Bruggstein. „Und du, 
Toni, nimm was an vom Hornberger. Er ist 
um zehn Jahre älter und hat als Jäger be 
reits Tüchtiges geleistet." 
Hornberger lacht und klopft Toni auf die 
Achsel. 
„Dir, mein' ich, braucht man nimmer viel 
lernen. Der Herr Graf hat mir schon erzählt, 
wie du den Wilddieben aufgespielt hast." 
Toni läßt seine dunklen Augen auf dem 
Kollegen haften. Dann nickt er und meint 
gutmütig: 
„Du g'fällst mir. Wenn du und der Weindl 
und ich zusammenhalten, dann wird kein 
Wildschütz mehr was zu lachen haben." 
„Wie steht es, Toni?" fragt Bruggstein. 
„Bist du heut früh wirklich ins Revier?" 
(Fortsetzung folgt.)
	        
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