Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Toni Aaggler / 
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Mauz, 
München. 
28) Nachdruck verboten. 
„Ja, Herr Graf. Und bei der schwarzen 
Mirl hab ich zugekehrt. Vom Bartl hab ich 
leider nix g'sehn. Aber er kommt mir net 
aus." 
Zwei Tage später, im ersten Morgengrauen, 
treffen Toni und Bartl in der Heinülschlucht 
aufeinander. 
Ein kurzer, knapper Anruf — zwei Schüsse 
krachen unmittelbar hintereinander. 
Bartls Hand war schneller, Tonis Hand 
sicherer. 
Der Wildschütz stößt einen Fluch aus und 
greift an den linken Arm. Im nächsten Mo 
ment aber schnellt er auf und will flüchten. 
Toni ist ihm aber auf den Fersen und schlägt 
ihm die Faust ins Genick, daß Bartl stolpert. 
Mit haßverzerrtem Gesicht liegt er am Bo 
den und hält seinen linken Arm. 
Toni steht vor ihm, hat das Gewehr immer 
noch schußbereit in den Händen. 
„Siehst, Bartl. Auf die Stund hab ich 
g'wart, ich kann dir net sagen, wie." 
„Jager, verfluchter!" knirscht Bartl mit zu 
sammengebissenen Zähnen. 
„Vorwärts jetzt, steh auf! Wir ham net so 
viel Zeit zu verlieren. Und deine Kollegen 
werden schon warten auf dich in der Stadt 
drin." 
Als Bartl immer noch keine Anstalten 
macht, sich zu erheben, faßt ihn Toni mit har 
tem Griff am rechten Arm und reißt ihn hoch." 
tem Griff am rechten Arm und reißt ihn hoch. 
„Drei Schritt gehst vor mir her. Und bei der 
geringsten Bewegung brenn ich dir eine in 
die Füß." 
Knurrend wendet sich Bartl um und ver 
folgt den schmalen Steig. Toni geht drei Me 
ter hinter ihm mit schußfertigem Gewehr. 
Bartls linker Arm blutet, und als sie an 
eine Quelle kommen, sagt Toni: 
„Wart, Bartl. Ich will dir deinen Arm ver 
binden. Laß einmal schaun, wie weit es 
fehlt." 
Es ist eine tiefe Fleischwunde im Oberarm. 
„Gib mir dein Taschentuch", sagt Toni. 
„Hab keins", knirscht Bartl. 
„Dann gib ich dir meins." 
Toni steigt die par Meter zur Quelle hin 
unter, läßt aber den Wildschütz keine Se 
kunde aus den Augen. 
Als er ihm das nasse Tuch um den Arm 
bindet, will er erst das Gewehr auf den Bo 
den legen, besinnt sich aber noch rechtzeitig 
und wirft es hinter den Rücken. 
„Weißt", sagt er dabei halb lachend und 
halb im Ernst, „du bist ein ganz g'fährlicher 
Bursche. Am besten wärs wohl, ich tät dir 
die Händ zammbinöen." 
Noch hat er das letzte Wort nicht ausge 
sprochen, schlägt ihm Bartl mit geballter Faust 
und mit voller Wucht ins Gesicht. 
Toni knickt zusammen wie ein Mehlsack. 
Als er sich nach Minuten taumelnd erhebt, 
Hochlairdsromarr von Hans Ernst 
hört er tief unten aus dem Steig das Geklap 
per der Nagelsohlen des flüchtigen Wild 
schützen. 
Der Jäger blickt sich um. Wie ist es möglich, 
daß Bartl in dieser kurzen Zeit einen solchen 
Vorsprung haben kann? Ist er wirklich über 
diese steile Wand auf den Steig hinunterge 
sprungen? 
Toni zögert eine Sekunde. Seine Muskeln 
straffen sich, dann wagt auch er den Sprung. 
Auf dem Steig glücklich angekommen, beginnt 
er zu rennen. 
Der Fliehende ist schon hundert Meter vor 
aus und ist nur manchmal für einen Husch 
sichtbar, weil der Steig sich in kurzen Wen 
dungen immer wieder um die Felskante her 
umdrückt. 
Der Jäger weiß es genau: gelingt es Bartl, 
den schützenden Wald zu erreichen, dann kann 
er unter Umständen sogar durchkommen und 
über die Grenze flüchten. Zugleich merkt er 
auch, daß die Entfernung zwischen ihm und 
dem Naubschützen immer geringer wird. Knat 
ternd und pfeifend sausen unter seinem Schritt 
losgelöste Steine in die Tiefe. Jetzt zieht sich 
der Steig eine Strecke gerade hin. 
„Halt!" brüllt der Jäger und hebt die 
Büchse. Im selben Moment erscheint vorne 
an der nächsten Biegung der Jagdgehilfe 
Michael Hornberger. 
In ratloser Verzweiflung taumelt der 
Bartl an die Felswand, sucht einen Ausweg 
uud fiudet keinen mehr. Mit einem starren 
Lächeln sieht er die beiden Jäger auf sich zu 
kommen und läßt sich dann geduldig abführen. 
An eine Flucht ist jetzt nicht mehr zu denken, 
denn vor und hinter ihm geht ein Jäger, zur 
Rechten ist die tiefe Schlucht und zur Linken 
erhebt sich die kahle Felswand. 
Als der Weg dann breiter wird und in ein 
Geröllfeld mündet, bleibt Hornberger zurück. 
Toni, durch den unerwarteten Ueberfall am 
Bergguell oben gewitzigt, bindet dem Bartl 
die rechte Hand an die breite Ledergurt, die 
er zu seiner „Kurzen" um den Leib trügt. So 
läßt er ihn wieder vor sich hergehen. 
Dort, wo der Weg zur Bacheralm abzweigt, 
will Bartl eine andere Richtung nehmen. 
„Nein, nein", sagt Toni. „Wir geh'n zur 
Mirl. Die kann dir deinen Arm richtig aus- 
waschen und verbinden." 
Als Mirl die Stufen der Hütte emporsteigt, 
sieht es einen Augenblick aus, als wanken ihre 
Knie. Auf der Schwelle dreht sie sich aber 
um, strafft sich hoch auf und sagt mit gebieten 
der Stimme: 
„Bind ihm die Hand los! Er ist doch kein 
Stück Vieh." 
„Da wird nix daraus, Mirl! Ich laß mich 
net nochmal niederschlagen. Und jetzt vor 
wärts! Wir haben net so viel Zeit zu ver 
lieren." 
Toni setzt sich auf den Brunnenrand und 
blickt zu den beiden hin. Als Mirl zu ihm 
herkommt, um Wasser zu holen, trifft ihn ein 
Blick aus ihren tiefschwarzen Augen voll Haß 
und Zorn. 
„Das mußt büßen, Jager", zischt sie ihm zu. 
„Mirl, ich kann dich gar net verstehn? Ich 
hab nur meine Pflicht tan und mich meiner 
Haut gewehrt. Könnt leicht sein, daß ich dro 
ben liegen tät, mit einer Kugel in der Brust, 
wenn seine Hand sicherer gewesen wäre. Kannst 
dir vorstellen, was dös für meine Mutter für 
ein Schlag wär. Vor acht Tagen erst der Vater 
und heut schon ich." 
„So, und ich? Nach mir fragt niemand. Der 
~ -i « »- . ìķ- - 
Da8 erste deutsche Walfangboot. 
Nachdem in Deutschland wieder eine regelmäßige Beteiligung am 
Walfang geplant ist, ist auch sofort mit dem Bau einer eigenen Wal 
fangflotte begonnen worden, von der jetzt das erste Fangboot 
„Treff I" auf der Werft von Stülken in Hamburg vom Stapel ge 
laufen ist. Es hat eine Länge von 41 Meter und eine Breite von 
7,8 Meter und erhält durch eine 1200-PS.-Maschine eine Geschwin 
digkeit von 14 Knoten. (Weltbild, K.) 
Mit zwei Zentnern durch den Weltkrieg 
Erinnerungen eines Optimisten. 
Von Karl Borromäus Gröber. 
Copyright 1985 by Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart. 
(36. Fortsetzung.) 
Die Beerdigung unserer gefallenen Kame 
raden und der finnischen Freunde wurde zu 
einer erhebenden Feier. Ein großes Massen 
grab nahm die Särge auf. Es wurden deut 
sche und finnische Lieder gesungen, und die 
Schuljugend füllte die große Grube mit den 
ersten weißen und blauen Anemonen, welche 
sie in großen Körben aus den Wäldern geholt 
hatte, fast bis zum Rande. Unsere Leute schos 
sen zum letzten Gruß die Ehrensalven über 
das Grab. Ungezählte Reden wurden gehal 
ten, und dann schloß sich die Erde über den so 
fern der Heimat gefallenen Helden. 
Mit munterem Spiel ging's zurück in die 
Quartiere, und bei dieser Gelegenheit sahen 
wir das finnische Militär zum ersten Male 
in geschlossenen, wenn auch kleinen Ver 
bänden. Besonders interessant waren die fin 
nischen Dragoner, die mit ihrem schmucken 
Dreispitz auf dem Haupte und mit ihren hel 
len, kurzen Pelzjacken aussahen wie elegante 
Kavaliere aus der Rokokozeit. Ein Jäger 
regiment sang während der Beerdigung ab 
wechselungsweise deutsche und finnische Lie 
der. Wir wunderten uns, daß die Leute so gut 
Deutsch konnten, während die Unseren kaum 
zwanzig Worte Finnisch gelernt hatten. Des 
Rätsels Lösung war bald gefunden: diese Jä 
ger, die sich aus Finnen und Schweden rekru 
tierten, hatten mit den Deutschen bereits gegen 
Rußland gekämpft und waren zur Befreiung 
ihres Vaterlandes mit uns von Danzig nach 
Finnland übergesetzt worden. 
Mit dem Feinde trafen wir nicht mehr zu 
sammen. Andere deutsche und finnische Trup 
pen hatten ihn auf der Flucht umzingelt und 
den größten Teil zu Gefangenen gemacht. Der 
finnische Feldzug war für uns zu Ende, und 
wir sollten zur wahrhaft verdienten Ruhe wei 
ter im Süden in Quartiere kommen. Ein Teil 
der Reise wurde mit der Bahn gemacht, den 
letzten größeren Teil aber mußten wir wieder 
zu Fuß gehen. Beschwerlich war dies nicht, 
denn in jedem Dorf, in dem wir Quartiere 
bezogen, wurden wir ausgezeichnet aufge 
nommen und meist abends festlich bewirtet. 
Es war wie eine Propagaudafahrt durch eine 
Gegend, die noch keinen Deutschen gesehen 
hatte, und die Leute wollten nicht nur ihren 
Anteil an der allgemeinen Freude haben, son 
dern sie wollten uns auch ihre Dankbarkeit 
beweisen. 
Ein Gutshvf, nicht weit von der Bahnstation 
Lathi, sollte für längere Zeit unser Stand 
quartier sein. Schon sechs Stunden waren wir 
marschiert, wir mußten bald am Ziele sein. 
Man wartete auf die Rückkunft der Quartier 
macher, die uns unsere Behausungen für die 
nächsten vierzehn Tage zeigen sollten. Rechts 
und links der Straße bis zu den obligaten 
Seen zog sich ein eigentümlich lichter, fast 
parkartiger Wald hin. Es gab alle möglichen 
Ahornarten und viele Bäume, die ich in Finn 
land noch nicht gesehen hatte. Tags zuvor 
hatte ich meinen Wanderstecken verloren, der 
seit den Karpaten mein treuer Begleiter 
gewesen. Der Verlust war schmerzlich, und 
ich suchte nach einem geeigneten Ersatz. Da 
sah ich am Hang einen schlank gewachsenen 
Wacholderbaum stehen von einer Form, die 
mir in Finnland bisher noch nie aufgefallen 
war. Die Taschensäge herausholen, den Baum 
absägen, die Hände dabei blutig schinden, war 
eins. Geschält und geschnitzt, wurde der Stek- 
ken ein Prachtexemplar, das den Neid sämt 
licher Kameraden erweckte. Unterdessen kamen 
die Quartiermacher, und nach einer halben 
Stunde saßen wir schon am festlich gedeckten 
Tische im schloßartigen Gutshof bei Herrn 
Staatsrat Cedcrstroem, einem alten vorneh 
men Herrn. Seine große Bibliothek mit vie 
len deutschen Büchern stellte er mir bereit 
willig zur Verfügung. Mir fiel auf, daß die 
meisten von Botanik, und zwar ganz beson 
ders von Dendrologie, handelten. Bei einer 
guten Zigarre und einem immer wieder neu 
gefüllten Glase Wein wurde es einer jener 
seltenen Abende, der den Soldaten die Schrek- 
ken des Krieges vergessen ließ. Der Hausherr, 
erfreut über mein Interesse an seinen schönen 
botanischen Werken, lud mich für den nächsten 
Tag zu einem Spaziergang in seinem Besitz 
tum ein. Dabei erzählte er mir von seinen 
jahrelangen, schwierigen Versuchen, in Finn 
land nicht heimische Bäume zu akklimatisieren. 
Wir kamen am Lagerplatz des vorigen Tages 
vorbei. Mit Stolz wollte mir der Herr Staats 
rat das seltenste Exemplar seiner Versuche 
zeigen, einen fünfzehnjährigen Süulenjuni- 
perus. Da wurde es mir plötzlich schwül, und 
eine düstere Ahnung stieg auf. Den Säulen 
juniperus trug ich leider schon als Wander 
stab in meiner Hand. Der Schmerz des alten 
Herrn war groß, als er nur noch den abge 
hauenen Stumpf fand, bitter beklagte er den 
Verlust. Es wurde mir nicht leicht, meine 
Missetat zu gestehen, aber der Dendrology 
hatte sich bald wieder gefaßt und meinte: 
wenn der Wacholdcrstecken einen Befreier 
Finnlands auf seinen Märschen stützen dürfe, 
sei er auch so zu einem edlem Zwecke gewachsen. 
Den richtigen Kontakt fand der Herr Staats 
rat dann später doch nicht mehr zu mir, und 
mich hat der Stecken auch nicht mehr recht ge 
freut. 
Die Ruhe ist uns ausgezeichnet bekommen, 
und wir haben uns rasch erholt. Als der Herr 
Staatsrat seinen siebzigsten Geburtstag fei 
erte, veranstaltete die Batterie einen histori 
schen Festzug, bei dem unsere Ochsen und 
Esel aufs wirkungsvollste verwendet wurden. 
Eine eigene Gruppe bildete Aegir, Herr der 
Fluten, dem eine entzückende Meermaid, eine 
junge Buchhalterin des Gutes, beigesellt war. 
Sie sprach zwar ausgezeichnet Deutsch, aber 
zu einem kleinen sprachlichen Mißverständnis 
kam es trotzdem! Auf unsere lustigen Zurufe: 
„Schaut die schöne Meerjungfrau", rief sie 
Bartl hat mir versprochen, daß er anständig 
wird. Er hat's Holzarbeiten schon ang'fangt- 
„Dem Bartl seine Holzarbeit kennen wir 
schon. Und jetzt mach, daß d' fertig wirst." 
Nach einer Viertelstunde sind die beiden 
wieder wegfertig. 
Mirls Gesicht ist wie versteinert. Sie ninnnt 
Abschied vom Bartl auf seltsame, wunderliast 
Art. Erst hat es den Anschein, als wollt w 
ihn um den Hals nehmen und ihn küssen- 
Aber ihre Hände bleiben nur auf seinen Ach 
seln liegen, sie küßt ihn nicht, blickt ihm nur 
in die Augen und sagt mit einer dunklen, 
leisen Stimme: 
„Ich wart auf dich, Bartl. So lang Wer 
dens dich net behalten. Dann fangen wir un 
ser Leben von vorn an, aber ein ordentliches- 
Ohne den Jäger noch eines Blickes zu wür 
digen, geht sie in die Hütte. 
* 
Der Prozeß gegen Winninger und Genossen 
findet in der letzten Novemberwoche statt. Es 
werden zum Teil ganz empfindliche Strafen 
verhängt. Winninger bekommt acht Monate 
Gefängnis und zwölftausend Mark Geldstrafe- 
Nödl fünf Monate, die durch die Unter 
suchungshaft bereits verbüßt sind, und Entzug 
des Führerscheins auf die Dauer von zwei 
Jahren. Der Steinmüller Bartl erhält ein 
Jahr und drei Monate Gefängnis. 
Toni, der als Hauptzeuge um die dritte 
Nachmittagsstunde das Landgerichtsgebäudc 
mit dem Hornberger verläßt, meint: 
„Soviel hätt er net kriegt, der Bartl, wen» 
ihn die andern net so hineintunkt Hütten. Sau 
bere Kameraden sind das. Die ganze Schuld 
wolltens auf den Bartl abwälzen. Pfui 
Teufel!" 
„Aber ein ganz kalter Brocken ist er, der 
Bartl", antwortet Michl Hornberger. „Hast 
sein höhnisches Lachen beobachtet, als ihm das 
Urteil verlesen worden ist? Wirst sehen, Toni, 
der kommt raus und fangt das Wildern wie 
der von vorn an." 
Toni zuckt die Schulter. In diesem Augen 
blick denkt er an Mirl. Wenn es ihr nicht ge 
lingt, den Bartl auf bessere Wege zu bringen, 
dann allerdings. Sonderbar. Alles an diesem 
Mädl ist Wille und Kraft. In ihrer Liebe 
zum Bartl aber ist sie hilflos wie ein Kind. 
Es muß eine große Liebe sein, die sie klein 
und demütig macht... 
Schnell sinkt die Nacht über die Stadt. Die 
beiden wandern langsam an den hellerleuch 
teten Schaufenstern vorüber, die schon weih 
nachtlich geschmückt sind. 
Vor einem Silberladen bleibt Toni stehen 
und sagt dann: 
„Wart ein bißl, Michl. Ich komm gleich 
wieder." 
Der Ladenbesitzer scheint den Bedarf seiner 
Kunden schon zu erraten: 
„Der Herr kriegt wahrscheinlich Trachten 
artikel? Silberne Knöpfe, Westenkctterl oder 
eingekränzelte Taler? Da hab ich einen Ma 
rientaler. Da schauns. Ganz was Schönes 
ist das." 
(Fortsetzung folgt.) 
I — 
ebenso lustig zurück: „Nicht Meer-Jungfrau, 
Frau von Aegir!" Sie begriff dann nicht, 
warum wir alle schallend herauslachten, und 
erst am Abend beim Festmahl, als sie mich 
wegen unseres Gelächters zur Rede stellte, 
erklärte ich ihr durch die Blume den Doppel 
sinn ihrer Worte. Ein leichtes Erröten zeigte 
bald, daß sie mich verstanden hatte. 
Der finnische Frühling war fast über Nacht 
mit aller Macht hereingebrochen. Der große 
See, der vor meinem Quartier lag, wurde 
jeden Tag kleiner und verschwand schließlich 
ganz. Es war nämlich gar kein richtiger See, 
sondern geschmolzenes Schneewasser gewesew 
das sich wieder rasch verlief. 
Die schönen Tage waren gezählt. Ich war 
sehr überrascht, als plötzlich ein Telcgraww 
vom bayerischen Kriegsministerium eintrat, 
das mich als Sachverständigen für Gelb- um 
Rotguß in die Heimat rief. Ich mußte zuert 
in einem deutschen Konversationslexikon aw 
der Universitätsbibliothek in Helsingfors nach 
sehen, was Gelb- und Rotguß eigentlich f et * 
Ich telegraphierte zurück, daß das Kommauch 
eine Verwechselung sein müsse, da ich weder 
von Gelb- noch von Rotguß auch nur da 
geringste verstünde! Schon nach wenigen Da 
gen traf ein zweites Telegramm ein, das uu 
mitteilte, ich sei als Sachverständiger für alt 
Glocken berufen und habe bei deren Beschlag 
nähme in der Heimat zu wirken. Traurw 
packte ich meine Koffer, fuhr nach Helstngfar 
und nahm Abschied von allen Freunden. 
Im Finnischen Meerbusen tobte ein gewa * 
tiger Sturm. Ein Torpedobootskommanda"^ 
den ich kennengelernt hatte, schilderte mir 
Ueberfahrt nach Reval trotzdem in den ' 
lockendsten Farben, so daß ich endlich 
Einladung annahm und mit ihm die Uelu - 
fahrt wagte. 
Fast als Leiche kam infolgedessen der ' 
her so fröhliche Krieger wieder in der liew 
Heimat an. Von seines Leibes Fülle av 
hatte er in diesem langen Weltkrieg 
Pfund verloren. 
(Ende.)
	        
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