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Katastrophaler TribSneņeiusturz in Bukarest
während einer Psadfinderparade vor König Carol
Viele Wer
Während einer Psadfinderparade vor Ru
mäniens König Carol in Bukarest ist eine 20
Meter hohe Tribüne, auf der sich 3000 Zu
schauer befanden, eingestürzt. Unter der Men
schenmenge, die die Straßen füllte, entstand
eine furchtbare Panik. Die Zahl der Toten und
Verletzten ist noch unbekannt. Die meisten
Verunglückten sind Frauen und Kinder.
König Carol, dessen Standplatz sich gegenüber
der eingestürzten Tribüne befand, begab sich
sofort zu der Unglücksstelle, um sich an den
Rettungsarbeiten zu beteiligen. Rote-Kreuz-
Autos und Militärärzte erschienen kurz nach
dem Einsturz. Aus allen Spitälern Bukarests
wurden Tragbahren und Ambulanzen an die
Unglücksstelle entsandt. Die Kasernen der Stadt
wurden für Lazarettdienste hergerichtet. Die
Parade der Pfadfinder wurde anläßlich der
alljährlich stattfindenden Feier der Rückkehr
Königs Carols nach Rumänien durchgeführt.
Nach dem Einsturz der Tribüne wurde die
Parade abgebrochen.
Der Einsturz der Tribüne unter den Augen
des Königs, der Königin-Witwe Maria, des
Prinzregenten Paul von Jugoslawien und des
tschechoslowakischen Staatspräsidenten Dr. Be
nesch hat die Hauptstadt Rumäniens in unge
heure Erregung versetzt und auch jenseits der
Grenzen, namentlich in den Nachbarländern,
tiefen Eindruck gemacht.
Die rumänischen Zeitungen melden keine
Einzelheiten. Die amtliche Darstellung wird
von den privaten Schätzungen der Toten und
Verletzten weit übertroffen. Selbstverständlich
laufen dazu Gerüchte um, die, wie es immer
geschieht, das tragische Ereignis offensichtlich
noch übertreiben.
Während die amtlichen Stellen noch immer
an ihrer ersten Angabe von drei Toten und
einer „hohen Anzahl" von Verletzten festhal
ten, sprechen unkontrollierbare Gerüchte von
300 Toten und 1200 Verletzten. Diese Zahlen
dürften aber weit übertrieben sein. Zuver
lässige Beobachter des Unglücks schützen die
Zahl der Toten aus etwa 23, glauben aber, daß
sie sich durch den Tod von Schwerverletzten er
höhen wird. Die Ursache der Katastrophe ist
offenbar nicht, wie zuerst verlautete, in einem
Anschlag zu suchen, sondern in nachlässiger
Bauweise der riesigen Tribünen, die 30 000
Menschen Raum boten. Schon etwa eine Stun
de vor dem Unglück hatte sich ein anderer Tri
büneneinsturz ereignet, bei dem glücklicherweise
niemand zu Schaden kam.
Als dann gegen 11 Uhr vormittags die Spitze
des Pfadfinöerzuges an der Königstribüne
vorüberzog, ertönte plötzlich im Gebälk der
gegenüberliegenden Zuschauertribüne
ein unheimliches Knistern.
Im nächsten Augenblick stürzte die Hälfte des
Gerüstes zusammen, dreitausend Menschen mit
in die Tiefe reißend. Aus der riesigen Staub
wolke, die über der Unglücksstätte emporstieg,
gellten verzweifelte Hilfeschreie. Im ersten
Augenblick war alles vom Entsetzen gelähmt.
Dann aber eilten von allen Seiten Helfer her
bei. Auch die jungen Pfadfinder beteiligten sich
tatkräftig am Rettungswerk, dessen Leitung
wenige Minuten nach der Katastrophe von
König Carol übernommen wurde.
Die Diplomaten, die mit dem König, der
Königinwitwe Maria, Prinz Nikolaus, Prinz
regent Paul von Jugoslawien, dem tschecho
slowakischen Staatspräsidenten Dr. Benesch auf
der Königstribüne Platz genommen hatten,
boten ihre Automobile für den Abtransport
der Opfer an, doch wurde dieses Angebot ab
gelehnt, da die von sämtlichen Krankenhäusern
Bukarests angeforderten Rettungswagen aus^
reichend waren.
Die Regierung hat sofort strenge Zensur
über alle mit dem Unglück zusammenhängen
den Meldungen verhängt. Die Nachmittags
blätter von Montag enthalten nur die amt
liche Mitteilung. Privaten Meldungen zufolge
wurden bis abends etwa 400 Verletzte in die
Spitäler eingeliefert. In der Bevölkerung
herrscht große Erregung. Augenzeugen wollen
gesehen haben, daß unmittelbar nach dem Un
glück
König Carol
in heftigen Worten dem Oberbürgermeister
Bukarests Vorwürfe machte, daß es zu einem
solchen Unglück kommen konnte.
In einer späteren Nachricht heißt es: Von
den 883 Verletzten, die in Krankenhäusern und
Kliniken aufgenommen wurden, konnten nach
den letzten Meldungen 200 in ihre Wohnungen
entlassen werden. Alle weiter vorgesehenen
Festlichkeiten, darunter der große Fackelzug der
Jugend, wurden abgesagt. Am Nachmittag hielt
König Carol einen Ministerrat ab, in dem die
Katastrophe besprochen wurde. Der König ist
danach, früher als beabsichtigt, mit dem Prä
sidenten Benesch nach Thurn-Severin abgereist.
Prinzregent Paul hat Bukarest verlassen, um
nach Belgrad zurückzukehren.
*
Meldungen der rumänischen Presse.
Verhaftungen in Bukarest.
700 Verletzte. / Nur wenige Tote?
DNB. Bukarest, 9. Juni. (Eig. Funkm.)
In Bukarest beschäftigt man sich sehr ein
gehend mit der Frage der Schuld am Ein
sturzunglück. Die bisherigen Ermittlungen
ergaben, daß der Einsturz zweifellos auf man
gelhaftes Material und ungenügende Sorg
falt bei der Errichtung der Tribünen zurück
zuführen ist. Die zuständigen Architekten und
Unternehmer sowie die für die Vergebung der
Bauarbeiten verantwortlichen Gemeinde
beamten sind verhaftet worden. Die Zahl der
Verletzten bei dem kleineren Tribünen
zusammenbruch war nur gering.
Die Zeitungen bringen heute zahlreiche Ein
zelheiten und auch Bilder von der Kata
strophe. „Universul" weist darauf hin, daß
Veröffentlichungen über das Unglück nur in
einem von den Behörden gegebenen Rahmen
erfolgen dürfen. Einheitlich melden die Blät
ter, daß bisher 3 Tote z» beklagen sind. Die
Angaben über die Zahl der Verletzten gehen
auseinander. „Universul" meldet 600 Ver
letzte, „Curentul" hingegen 700.
*
Flugzeugabsturz in Südslavien
Lebende Fackel«
DNB. Belgrad, 8. Juni. Wie aus Dubrov
nik (Ragusa, an der Küste Dalmatiens) ge
meldet wird, kam es dort am Montag infolge
Absturzes eines Militärflugzeuges zu einem
furchtbaren Unglück. Aus bisher noch unauf-
Unter großem Andrang des Publikums fand
am Montag vor dem hannoverschen Schwur
gericht der Prozeß gegen die beiden Raub
mörder Wedler und Glöckner statt, die vor
einem Monat, am 8. Mai, in der Nähe Han
novers den Kraftwagenführer Unterberg er
mordeten, um sich in den Besitz des Autos und
des Geldes zu setzen.
Die Vernehmung von Wedler, der im Ge
gensatz zu Glöckner einen ruhigen und kalten
Eindruck machte, ergab, daß er am 11. Juli
1911 als jüngstes von zwölf Kindern geboren
ist. Seine Mutter starb sehr früh. Im Hause
hat er es anscheinend nicht gut gehabt. Im
Jahre 1931 beging er die ersten Diebstähle, die
ihm schließlich eine längere Zuchthausstrafe
einbrachten. Nach Verbüßung dieser Strafe
heuerte er auf einem Binnenschiff an und kam
bis Oldenburg. Im hannoverschen Obdach
losenasyl lernte er Glöckner kennen. Die bei
den verabredeten den Raubüberfall auf einen
Kraftwagenchauffeur, um mit dem Wagen nach
dem Rheinland zu fahren. Ueber die Tat gab
Wedler an, daß sie am Abend ans einer Tele
phonzelle ein Taxi angerufen haben. Als der
Chauffeur in einer stillen Straße hielt, soll
Glöckner zwei Schüsse auf Unterberg ab
gegeben haben. Darauf übernahm Wedler die
Waffe und gab, da er hörte, daß Unterberg
noch röchelte, einen dritten Schutz ab. Nach der
Tat beraubte Glöckner den ermordeten Unter
berg. Dann versteckten die Mörder die Leiche
in einem Graben.
Mit dem geraubten Wagen kamen die bei
den nicht weit, da ihnen der Betriebsstoff aus
geklärten Gründen stürzte von zwei Militär
flugzeugen, die über der Stadt kreisten, eines
plötzlich ab und fiel in der Stadtmitte nieder.
Beim Aufprall auf ein Haus explodierte der
Tank des Flugzeuges, und das brennende
Benzin ergoß sich auf die engen Gassen, die in
folge des lebhaften Mittagsverkehrs von zahl
reichen Menschen belebt waren.
Viele Straßenpassanten wurden von den
Flammen erfaßt und stoben wie lebende Fak-
keln auseinander. Drei Personen verbrannten
auf der Stelle, während 13 mit furchtbaren
Brandwunden ins Krankenhaus geschafft wur
den. Bei 4 von ihnen wird am Aufkommen
gezweifelt.
Das Haus, auf das das Flugzeug gefallen
war, ist vollkommen verbrannt, während drei
andere Häuser durch das Feuer schwer beschä
digt wurden. Es scheint nur dem sofortigen
Eingreifen der Feuerwehr und völliger Wind
stille zu verdanken zu sein, daß der Brand
nicht einen für die ganze Stadt Dubrovnik ka
tastrophalen Umfang angenommen hat.
Die Leichen des Fliegers und des Beobach
ters des Flugzeuges wurden völlig verkohlt
aus dem zu einer formlosen Masse zusammen
geschmolzenen Flugzeug herausgezogen.
Die „Schafskiilke" richkeke 220 Schafe
zugrunde.
DNB. Augsburg, 8. Juni. Infolge an
haltenden Regens und ungewöhnlicher Kälte
der letzten Woche sind auf dem Lechfeld von
einer etwa 1000 Tiere zählenden Schafherde
220 Schafe, die frisch geschoren waren, umge
kommen.
*
Im allgemeinen wartet man mit der Schaf
schur, bis die Junitage mit einem gewissen
Kälterückfall (der sog. Schafskälte), vorüber
sind. Auch der kühle Nordwestwind der letzten
Tage ließ uns, namentlich abends und nachts,
die „Schafskälte" empfinden. Der bayerische
Herdenbesttzer hat offenbar die Schur zu früh
vorgenommen.
ging. Wedler und Glöckner zogen nun bet
telnd durch die Umgebung Hannovers, bis sie
schließlich verhaftet wurden. Die Vernehmung
Glöckners gestaltete sich ziemlich schwierig, da
er stark stottert. Von dem medizinischen Sach
verständigen wurden die Angeklagten als voll
verantwortlich für die Tat bezeichnet. Beide
wurden wegen gemeinschaftlichen Mordes zum
Tode und zum Verlust der bürgerlichen
Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt.
Van mm Menken gekökek.
DD. Graudenz, 8. Juni. In der Krankenab
teilung der Graudenzer Strafanstalt hatte der
leitende Arzt Dr. Januszewski vor einigen
Wochen einen geisteskranken Insassen, der sich
eine Verletzung zugezogen hatte, zu behan
deln. Während der Behandlung entriß der Pa
tient dem Arzt ein Operationsmesser und be
gann damit auf den Arzt einzustechen. Der
Wahnsinnige brachte seinem Opfer so schwere
Verletzungen bei, daß der Arzt mehrere Wo
chen das Bett hüten mußte und trotz aller Be
mühungen mehrerer Aerzte nicht gerettet wer
den konnte. Dr. Januszewski ist jetzt seinen
schweren Wunden erlegen und damit ein Opfer
seines Berufes geworden.
*
Im Jangtse ertrunken.
DRV. Schanghai, 8. Juni. Beim Zusammen
stoß eines japanischen Kanonenbootes mit
einer chinesischen Dschunke auf dem Jangtse in
der Nähe von Wuhu sind zehn Chinesen er
trunken.
Kabinett Blum stellt sich vor.
Das Kabinett Blum hat sich jetzt der fraw
zösischen Kammer vorgestellt und erhielt eine
Mehrheit von 384 gegen 210 Stimmen. Aul
unserem Bilde sehen wir Lson Blum bei
ner Rede, und hinter ihm auf dem Stuhl den
neuen Kammerpräsidenten Herriot.
(Scherl-Bilderdienst, K.)
Grsß§§ ostzrenßzschLI FlgchZlüger
ausgehrannk.
Am Sonntagvormittag brach in den Fabrik
räumen der Ostpreußischen Flachsverwer
tungsgenossenschaft in Gumbinnen ein
schweres Schadenfeuer aus, das über ^
Hälfte des Betriebes in Asche legte. Der Brand
kam unter dem Dachfirst in der Mitte des Ge
bäudes mit explosivartigem Knall zum Durchs
brnch und verbreitete sich mit solch rasender
Geschwindigkeit, daß in wenigen Minuten do^
ganze Gebäude in Flammen stand. Die Frei
willige Feuerwehr sowie zahlreiche Hilfskräfte
der Garnison Gumbinnen, SA., SS. und Hft'
erschienen am Brandherd und halfen. Trotz
aller Bemühungen könnte das Flachslager
nicht gerettet werden. In einer Stunde war w
restlos niedergebrannt. Es gelang aber, die
Ausdehnung des Feuers auf die eigentliches
Maschinenräume zu unterbinden.
Mitverbrannt ist das gesamte Flachslager
mit etwa 700 000 Kilogramm Flachsstroh und
30 000 Kilogramm Fertigware. Auch mehrere
Maschinen wurden ein Raub der FlammeN-
Die Brandursache ist bisher nicht bekannt. De^
Brand war auch in den Morgenstunden de^
Montags noch nicht endgültig gelöscht.
*
Herdebrand m Mlmd.
Unvorsichtigkeit schuld daran. — Viel Wild
umgekommen.
Bei Herning im Heidegebiet Mitteljütlaud^
ist am Sonntagnachmittag ein Heide- uw
Waldbrand ausgebrochen, der ungewöhnlw)
großen Schaden angerichtet hat. Ein Kuust-
maler, der ein Haus bei Oerre bewohnt, wo
mit seinem Knecht damit beschäftigt, ein Stw
Grasland abzubrennen. Der heftige Nord
westwind trieb unerwartet die Flammen ou>
ein angrenzendes Heidegebiet. Da der nächw
Hof über einen Kilometer entfernt lag, mal
ten sich die beiden Männer zunächst allein o
die Löscharbeiten. Das erwies sich bald fl 1 !?
hoffnungslos,' sie mußten die ganze Gegen
alarmieren. 20 Pferde mit Pflügen wurde
eingesetzt, um einen Brandgürtel zu schaffst'
Aber auch dies war bei der großen GeschwR'
digkeit des Feuers unmöglich. Am Abc«
waren die Flamme» über sieben Kilomete
Heide hinweggegangen und hatten mehrw
Ansorstungcn aus der Strecke verbrannt, ft.
den Flammen ist sehr viel Wild umgekouttw'w
zahlreiche Vögel flatterten bis zum letzt-
Augenblick um die Nester mit ihren Junge s
Für den Kunstmaler kann der Brand ftd
folgenschwer werden, da es verboten ist, ow
Erlaubnis Feuer anzulegen.
Luftschiff „Graf Zeppelin"
nach Südamerika gestartet.
DNB. Frankfurt a. M., 8. Juni. Das Luft
schiff „Graf Zeppelin" ist am Montag u
20.13 Uhr vom Flughafen Rhein-Main ^
nach Südamerika gestartet. An Bord befind
sich 20 Fahrgäste.
* î
Das Luftschiff stand nach Mitteilung jj'L
Deutschen Seewarte heute morgen um 7.06 i .
am westlichen Kanal, halbwegs zwischen
Normannischen Inseln und Ouessant.
Infanterieregiment 67 vor seinem neuen Chef.
Das Spandauer Infanterieregiment 67, zu dessen Chef der Führer den General
obersten v. Seeckt ernannt hat — eine Ehrung, wie sie erstmalig im neuen Deutsch
land zuteil wurde —, ist nunmehr in Anwesenheit des Oberbefehlshabers des Hee
res von seinem neuen Chef übernommen worden. Auf dem Podium Generaloberst
Freiherr v. Fritsch und Generaloberst v. Seeckt. (Scherl-Bilderdienst, KI
Sühne für den Kraftfahrermord bei Hannover
Die zwei Mörder zum Tode verurteilt