Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Dev Tag in Wovt unö Vilö 
Katastrophaler TribSneņeiusturz in Bukarest 
während einer Psadfinderparade vor König Carol 
Viele Wer 
Während einer Psadfinderparade vor Ru 
mäniens König Carol in Bukarest ist eine 20 
Meter hohe Tribüne, auf der sich 3000 Zu 
schauer befanden, eingestürzt. Unter der Men 
schenmenge, die die Straßen füllte, entstand 
eine furchtbare Panik. Die Zahl der Toten und 
Verletzten ist noch unbekannt. Die meisten 
Verunglückten sind Frauen und Kinder. 
König Carol, dessen Standplatz sich gegenüber 
der eingestürzten Tribüne befand, begab sich 
sofort zu der Unglücksstelle, um sich an den 
Rettungsarbeiten zu beteiligen. Rote-Kreuz- 
Autos und Militärärzte erschienen kurz nach 
dem Einsturz. Aus allen Spitälern Bukarests 
wurden Tragbahren und Ambulanzen an die 
Unglücksstelle entsandt. Die Kasernen der Stadt 
wurden für Lazarettdienste hergerichtet. Die 
Parade der Pfadfinder wurde anläßlich der 
alljährlich stattfindenden Feier der Rückkehr 
Königs Carols nach Rumänien durchgeführt. 
Nach dem Einsturz der Tribüne wurde die 
Parade abgebrochen. 
Der Einsturz der Tribüne unter den Augen 
des Königs, der Königin-Witwe Maria, des 
Prinzregenten Paul von Jugoslawien und des 
tschechoslowakischen Staatspräsidenten Dr. Be 
nesch hat die Hauptstadt Rumäniens in unge 
heure Erregung versetzt und auch jenseits der 
Grenzen, namentlich in den Nachbarländern, 
tiefen Eindruck gemacht. 
Die rumänischen Zeitungen melden keine 
Einzelheiten. Die amtliche Darstellung wird 
von den privaten Schätzungen der Toten und 
Verletzten weit übertroffen. Selbstverständlich 
laufen dazu Gerüchte um, die, wie es immer 
geschieht, das tragische Ereignis offensichtlich 
noch übertreiben. 
Während die amtlichen Stellen noch immer 
an ihrer ersten Angabe von drei Toten und 
einer „hohen Anzahl" von Verletzten festhal 
ten, sprechen unkontrollierbare Gerüchte von 
300 Toten und 1200 Verletzten. Diese Zahlen 
dürften aber weit übertrieben sein. Zuver 
lässige Beobachter des Unglücks schützen die 
Zahl der Toten aus etwa 23, glauben aber, daß 
sie sich durch den Tod von Schwerverletzten er 
höhen wird. Die Ursache der Katastrophe ist 
offenbar nicht, wie zuerst verlautete, in einem 
Anschlag zu suchen, sondern in nachlässiger 
Bauweise der riesigen Tribünen, die 30 000 
Menschen Raum boten. Schon etwa eine Stun 
de vor dem Unglück hatte sich ein anderer Tri 
büneneinsturz ereignet, bei dem glücklicherweise 
niemand zu Schaden kam. 
Als dann gegen 11 Uhr vormittags die Spitze 
des Pfadfinöerzuges an der Königstribüne 
vorüberzog, ertönte plötzlich im Gebälk der 
gegenüberliegenden Zuschauertribüne 
ein unheimliches Knistern. 
Im nächsten Augenblick stürzte die Hälfte des 
Gerüstes zusammen, dreitausend Menschen mit 
in die Tiefe reißend. Aus der riesigen Staub 
wolke, die über der Unglücksstätte emporstieg, 
gellten verzweifelte Hilfeschreie. Im ersten 
Augenblick war alles vom Entsetzen gelähmt. 
Dann aber eilten von allen Seiten Helfer her 
bei. Auch die jungen Pfadfinder beteiligten sich 
tatkräftig am Rettungswerk, dessen Leitung 
wenige Minuten nach der Katastrophe von 
König Carol übernommen wurde. 
Die Diplomaten, die mit dem König, der 
Königinwitwe Maria, Prinz Nikolaus, Prinz 
regent Paul von Jugoslawien, dem tschecho 
slowakischen Staatspräsidenten Dr. Benesch auf 
der Königstribüne Platz genommen hatten, 
boten ihre Automobile für den Abtransport 
der Opfer an, doch wurde dieses Angebot ab 
gelehnt, da die von sämtlichen Krankenhäusern 
Bukarests angeforderten Rettungswagen aus^ 
reichend waren. 
Die Regierung hat sofort strenge Zensur 
über alle mit dem Unglück zusammenhängen 
den Meldungen verhängt. Die Nachmittags 
blätter von Montag enthalten nur die amt 
liche Mitteilung. Privaten Meldungen zufolge 
wurden bis abends etwa 400 Verletzte in die 
Spitäler eingeliefert. In der Bevölkerung 
herrscht große Erregung. Augenzeugen wollen 
gesehen haben, daß unmittelbar nach dem Un 
glück 
König Carol 
in heftigen Worten dem Oberbürgermeister 
Bukarests Vorwürfe machte, daß es zu einem 
solchen Unglück kommen konnte. 
In einer späteren Nachricht heißt es: Von 
den 883 Verletzten, die in Krankenhäusern und 
Kliniken aufgenommen wurden, konnten nach 
den letzten Meldungen 200 in ihre Wohnungen 
entlassen werden. Alle weiter vorgesehenen 
Festlichkeiten, darunter der große Fackelzug der 
Jugend, wurden abgesagt. Am Nachmittag hielt 
König Carol einen Ministerrat ab, in dem die 
Katastrophe besprochen wurde. Der König ist 
danach, früher als beabsichtigt, mit dem Prä 
sidenten Benesch nach Thurn-Severin abgereist. 
Prinzregent Paul hat Bukarest verlassen, um 
nach Belgrad zurückzukehren. 
* 
Meldungen der rumänischen Presse. 
Verhaftungen in Bukarest. 
700 Verletzte. / Nur wenige Tote? 
DNB. Bukarest, 9. Juni. (Eig. Funkm.) 
In Bukarest beschäftigt man sich sehr ein 
gehend mit der Frage der Schuld am Ein 
sturzunglück. Die bisherigen Ermittlungen 
ergaben, daß der Einsturz zweifellos auf man 
gelhaftes Material und ungenügende Sorg 
falt bei der Errichtung der Tribünen zurück 
zuführen ist. Die zuständigen Architekten und 
Unternehmer sowie die für die Vergebung der 
Bauarbeiten verantwortlichen Gemeinde 
beamten sind verhaftet worden. Die Zahl der 
Verletzten bei dem kleineren Tribünen 
zusammenbruch war nur gering. 
Die Zeitungen bringen heute zahlreiche Ein 
zelheiten und auch Bilder von der Kata 
strophe. „Universul" weist darauf hin, daß 
Veröffentlichungen über das Unglück nur in 
einem von den Behörden gegebenen Rahmen 
erfolgen dürfen. Einheitlich melden die Blät 
ter, daß bisher 3 Tote z» beklagen sind. Die 
Angaben über die Zahl der Verletzten gehen 
auseinander. „Universul" meldet 600 Ver 
letzte, „Curentul" hingegen 700. 
* 
Flugzeugabsturz in Südslavien 
Lebende Fackel« 
DNB. Belgrad, 8. Juni. Wie aus Dubrov 
nik (Ragusa, an der Küste Dalmatiens) ge 
meldet wird, kam es dort am Montag infolge 
Absturzes eines Militärflugzeuges zu einem 
furchtbaren Unglück. Aus bisher noch unauf- 
Unter großem Andrang des Publikums fand 
am Montag vor dem hannoverschen Schwur 
gericht der Prozeß gegen die beiden Raub 
mörder Wedler und Glöckner statt, die vor 
einem Monat, am 8. Mai, in der Nähe Han 
novers den Kraftwagenführer Unterberg er 
mordeten, um sich in den Besitz des Autos und 
des Geldes zu setzen. 
Die Vernehmung von Wedler, der im Ge 
gensatz zu Glöckner einen ruhigen und kalten 
Eindruck machte, ergab, daß er am 11. Juli 
1911 als jüngstes von zwölf Kindern geboren 
ist. Seine Mutter starb sehr früh. Im Hause 
hat er es anscheinend nicht gut gehabt. Im 
Jahre 1931 beging er die ersten Diebstähle, die 
ihm schließlich eine längere Zuchthausstrafe 
einbrachten. Nach Verbüßung dieser Strafe 
heuerte er auf einem Binnenschiff an und kam 
bis Oldenburg. Im hannoverschen Obdach 
losenasyl lernte er Glöckner kennen. Die bei 
den verabredeten den Raubüberfall auf einen 
Kraftwagenchauffeur, um mit dem Wagen nach 
dem Rheinland zu fahren. Ueber die Tat gab 
Wedler an, daß sie am Abend ans einer Tele 
phonzelle ein Taxi angerufen haben. Als der 
Chauffeur in einer stillen Straße hielt, soll 
Glöckner zwei Schüsse auf Unterberg ab 
gegeben haben. Darauf übernahm Wedler die 
Waffe und gab, da er hörte, daß Unterberg 
noch röchelte, einen dritten Schutz ab. Nach der 
Tat beraubte Glöckner den ermordeten Unter 
berg. Dann versteckten die Mörder die Leiche 
in einem Graben. 
Mit dem geraubten Wagen kamen die bei 
den nicht weit, da ihnen der Betriebsstoff aus 
geklärten Gründen stürzte von zwei Militär 
flugzeugen, die über der Stadt kreisten, eines 
plötzlich ab und fiel in der Stadtmitte nieder. 
Beim Aufprall auf ein Haus explodierte der 
Tank des Flugzeuges, und das brennende 
Benzin ergoß sich auf die engen Gassen, die in 
folge des lebhaften Mittagsverkehrs von zahl 
reichen Menschen belebt waren. 
Viele Straßenpassanten wurden von den 
Flammen erfaßt und stoben wie lebende Fak- 
keln auseinander. Drei Personen verbrannten 
auf der Stelle, während 13 mit furchtbaren 
Brandwunden ins Krankenhaus geschafft wur 
den. Bei 4 von ihnen wird am Aufkommen 
gezweifelt. 
Das Haus, auf das das Flugzeug gefallen 
war, ist vollkommen verbrannt, während drei 
andere Häuser durch das Feuer schwer beschä 
digt wurden. Es scheint nur dem sofortigen 
Eingreifen der Feuerwehr und völliger Wind 
stille zu verdanken zu sein, daß der Brand 
nicht einen für die ganze Stadt Dubrovnik ka 
tastrophalen Umfang angenommen hat. 
Die Leichen des Fliegers und des Beobach 
ters des Flugzeuges wurden völlig verkohlt 
aus dem zu einer formlosen Masse zusammen 
geschmolzenen Flugzeug herausgezogen. 
Die „Schafskiilke" richkeke 220 Schafe 
zugrunde. 
DNB. Augsburg, 8. Juni. Infolge an 
haltenden Regens und ungewöhnlicher Kälte 
der letzten Woche sind auf dem Lechfeld von 
einer etwa 1000 Tiere zählenden Schafherde 
220 Schafe, die frisch geschoren waren, umge 
kommen. 
* 
Im allgemeinen wartet man mit der Schaf 
schur, bis die Junitage mit einem gewissen 
Kälterückfall (der sog. Schafskälte), vorüber 
sind. Auch der kühle Nordwestwind der letzten 
Tage ließ uns, namentlich abends und nachts, 
die „Schafskälte" empfinden. Der bayerische 
Herdenbesttzer hat offenbar die Schur zu früh 
vorgenommen. 
ging. Wedler und Glöckner zogen nun bet 
telnd durch die Umgebung Hannovers, bis sie 
schließlich verhaftet wurden. Die Vernehmung 
Glöckners gestaltete sich ziemlich schwierig, da 
er stark stottert. Von dem medizinischen Sach 
verständigen wurden die Angeklagten als voll 
verantwortlich für die Tat bezeichnet. Beide 
wurden wegen gemeinschaftlichen Mordes zum 
Tode und zum Verlust der bürgerlichen 
Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt. 
Van mm Menken gekökek. 
DD. Graudenz, 8. Juni. In der Krankenab 
teilung der Graudenzer Strafanstalt hatte der 
leitende Arzt Dr. Januszewski vor einigen 
Wochen einen geisteskranken Insassen, der sich 
eine Verletzung zugezogen hatte, zu behan 
deln. Während der Behandlung entriß der Pa 
tient dem Arzt ein Operationsmesser und be 
gann damit auf den Arzt einzustechen. Der 
Wahnsinnige brachte seinem Opfer so schwere 
Verletzungen bei, daß der Arzt mehrere Wo 
chen das Bett hüten mußte und trotz aller Be 
mühungen mehrerer Aerzte nicht gerettet wer 
den konnte. Dr. Januszewski ist jetzt seinen 
schweren Wunden erlegen und damit ein Opfer 
seines Berufes geworden. 
* 
Im Jangtse ertrunken. 
DRV. Schanghai, 8. Juni. Beim Zusammen 
stoß eines japanischen Kanonenbootes mit 
einer chinesischen Dschunke auf dem Jangtse in 
der Nähe von Wuhu sind zehn Chinesen er 
trunken. 
Kabinett Blum stellt sich vor. 
Das Kabinett Blum hat sich jetzt der fraw 
zösischen Kammer vorgestellt und erhielt eine 
Mehrheit von 384 gegen 210 Stimmen. Aul 
unserem Bilde sehen wir Lson Blum bei 
ner Rede, und hinter ihm auf dem Stuhl den 
neuen Kammerpräsidenten Herriot. 
(Scherl-Bilderdienst, K.) 
Grsß§§ ostzrenßzschLI FlgchZlüger 
ausgehrannk. 
Am Sonntagvormittag brach in den Fabrik 
räumen der Ostpreußischen Flachsverwer 
tungsgenossenschaft in Gumbinnen ein 
schweres Schadenfeuer aus, das über ^ 
Hälfte des Betriebes in Asche legte. Der Brand 
kam unter dem Dachfirst in der Mitte des Ge 
bäudes mit explosivartigem Knall zum Durchs 
brnch und verbreitete sich mit solch rasender 
Geschwindigkeit, daß in wenigen Minuten do^ 
ganze Gebäude in Flammen stand. Die Frei 
willige Feuerwehr sowie zahlreiche Hilfskräfte 
der Garnison Gumbinnen, SA., SS. und Hft' 
erschienen am Brandherd und halfen. Trotz 
aller Bemühungen könnte das Flachslager 
nicht gerettet werden. In einer Stunde war w 
restlos niedergebrannt. Es gelang aber, die 
Ausdehnung des Feuers auf die eigentliches 
Maschinenräume zu unterbinden. 
Mitverbrannt ist das gesamte Flachslager 
mit etwa 700 000 Kilogramm Flachsstroh und 
30 000 Kilogramm Fertigware. Auch mehrere 
Maschinen wurden ein Raub der FlammeN- 
Die Brandursache ist bisher nicht bekannt. De^ 
Brand war auch in den Morgenstunden de^ 
Montags noch nicht endgültig gelöscht. 
* 
Herdebrand m Mlmd. 
Unvorsichtigkeit schuld daran. — Viel Wild 
umgekommen. 
Bei Herning im Heidegebiet Mitteljütlaud^ 
ist am Sonntagnachmittag ein Heide- uw 
Waldbrand ausgebrochen, der ungewöhnlw) 
großen Schaden angerichtet hat. Ein Kuust- 
maler, der ein Haus bei Oerre bewohnt, wo 
mit seinem Knecht damit beschäftigt, ein Stw 
Grasland abzubrennen. Der heftige Nord 
westwind trieb unerwartet die Flammen ou> 
ein angrenzendes Heidegebiet. Da der nächw 
Hof über einen Kilometer entfernt lag, mal 
ten sich die beiden Männer zunächst allein o 
die Löscharbeiten. Das erwies sich bald fl 1 !? 
hoffnungslos,' sie mußten die ganze Gegen 
alarmieren. 20 Pferde mit Pflügen wurde 
eingesetzt, um einen Brandgürtel zu schaffst' 
Aber auch dies war bei der großen GeschwR' 
digkeit des Feuers unmöglich. Am Abc« 
waren die Flamme» über sieben Kilomete 
Heide hinweggegangen und hatten mehrw 
Ansorstungcn aus der Strecke verbrannt, ft. 
den Flammen ist sehr viel Wild umgekouttw'w 
zahlreiche Vögel flatterten bis zum letzt- 
Augenblick um die Nester mit ihren Junge s 
Für den Kunstmaler kann der Brand ftd 
folgenschwer werden, da es verboten ist, ow 
Erlaubnis Feuer anzulegen. 
Luftschiff „Graf Zeppelin" 
nach Südamerika gestartet. 
DNB. Frankfurt a. M., 8. Juni. Das Luft 
schiff „Graf Zeppelin" ist am Montag u 
20.13 Uhr vom Flughafen Rhein-Main ^ 
nach Südamerika gestartet. An Bord befind 
sich 20 Fahrgäste. 
* î 
Das Luftschiff stand nach Mitteilung jj'L 
Deutschen Seewarte heute morgen um 7.06 i . 
am westlichen Kanal, halbwegs zwischen 
Normannischen Inseln und Ouessant. 
Infanterieregiment 67 vor seinem neuen Chef. 
Das Spandauer Infanterieregiment 67, zu dessen Chef der Führer den General 
obersten v. Seeckt ernannt hat — eine Ehrung, wie sie erstmalig im neuen Deutsch 
land zuteil wurde —, ist nunmehr in Anwesenheit des Oberbefehlshabers des Hee 
res von seinem neuen Chef übernommen worden. Auf dem Podium Generaloberst 
Freiherr v. Fritsch und Generaloberst v. Seeckt. (Scherl-Bilderdienst, KI 
Sühne für den Kraftfahrermord bei Hannover 
Die zwei Mörder zum Tode verurteilt
	        
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