129. Jahrgang.
Schleswig-Holsteinische
129. Jahrgang
Renösburger Tageblatt
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Kwangfi-Armee nach Hunan bestätigt. Die
Vorhut soll, nach einer Meldung aus Tschang-
scha, über Jungtschan bereits 150 Kilometer
tief in die Provinz Hunan eingedrungen un
die Stadt Höngtschou angeblich schon erreicht
haben.
Marschall Tschiangkaischek hat zur Vermei
dung blutiger Zusammenstöße die Zurück
ziehung der Regierungstruppen aus Süöost-
Hunan befohlen, um solange als möglich einen
Weg zu friedlicher Regelung freizulassen. In
einem umfangreichen Telegramm hat Tschiang
kaischek außerdem den Südwestführer Tschent-
schitang dringend aufgefordert, alle militäri
schen Vorbereitungen sofort einzustellen.
Hat Japan die Hand im Spiele?
Der japanische Generalkonsul in Kanton,
Kawai, hatte heute eine eineinhalbstündige
Unterredung mit dem Süüwestführer Tschen
Tschitang. Dabei versicherte er, daß die japani
sche Regierung strengste Neutralität einhalten
werde und vor einer Aufreizung des Volkes
gegen Japan warne. Unglückliche Zwischen
falle könnten ernste Rückwirkungen haben.
In chinesischen Kreisen Hongkongs hegt man
Zweifel an der von Japan behaupteten anti
japanischen Stimmung in den Südwestprovin
zen. Es wird darauf hingewiesen, daß in der
Provinz Kwangsi noch heute zahlreiche Japa
ner als Berater tätig seien und daß dort noch
immer umfangreiche Wassenaeschäste mit Ja
pan durchgeführt würden.
Von Dr. Edmund Strutz.
wirtschaftlicher oder persönlicher Art ihr Le
ben beschatteten und umwerteten. Wichtig ist
es auch, zu wissen, durch welche Umstände ihr
Leben vielleicht einen besonderen glückhaften
Aufschwung nahm.
Frage: Habe ich nun alles getan, was ich
tun konnte, wenn ich eine kleine Lebens-
chronik meiner Vorfahren, soweit dies für mich
möglich ist, fertigstellte?
Antwort: Noch längst uicht alles. Du wirst
noch mancherlei bedenken müssen. Vorhin er
wähnte ich schon, wie wichtig es unter Um
ständen für einen Arzt sein kann, zu wissen,
wer seine Vorfahren waren! Er will aber nicht
ihr Leben, ihre berufsständischen Zusammen
hänge usw. kennenlernen: er will wissen, ob
sie gesund lebten, oder ob sie in früher Kinder
zeit gar ein dauerndes Leiden hatten oder
körperlich mißgestaltet waren. Vor allem will
er über die Todesursache der einzelnen unter
richtet sein.
Frage: Wie kann ich darüber Näheres er
fahren?
Antwort: Immer wieder auf die gleiche
Weise. Von den allernächsten Verwandten, den
Eltern und den Großeltern, wissen wir selbst
noch, wie sie lebten und an was sie starben. In
den früheren Generationen geben oft die Kir
chenbücher Auskunft, wenigstens über die To-
Einer unserer führender Männer auf dem
Gebiete der Sippenforschung hat soeben ein
außerordentlich klares und eindringliches
Buch unter dem Titel „Sippenforschung tut
not!" im Verlag für Standesamtswesen G. m.
b. H. Berlin erscheinen lassen. So schildert er
u. a. in einem Gespräch, warum die Kenntnis
vom Werden und Vergehen der Sippe für uns
von besonderer Bedeutung ist.
Das Werden und Vergehen von Familien
und Sippen ist ganz bestimmten Gesetzen un
terworfen. Selten bleibt eine Familie als
Ganzes länger als zwei Jahrhunderte auf der
sogenannten Höhe des Lebens. Es ist ein im
mer wellenförmiges Auf und Nieder,' der be
rufsständische Werdegang im Laufe der Ge
nerationen vollzieht sich ganz allmählich. Sel
ten geschieht der große Sprung aus dem Nichts
zum großen Unternehmer, Kaufherren oder
hohen Beamten. Das Studium einzelner Sip
penkreise in vergangenen Jahrhunderten
lehrt, daß das einzelne Geschlecht meist über
den Lehrer- zum Pfarrerberuf, von diesem in
den Kaufmanns- oder Offiziersstand und von
dort erst auf den Höhepunkt der Entwicklung
des einzlnen Sippenzusammenhanges gekom
men ist. Wenn z. B. der Ururaroßvater ein
kleiner Bauer oder Häusling war und es ihm
gelang, einen Sohn Lehrer werden zu lassen,
so finden wir in der Großvatergeneration un
ter den Kindern dieses Lehrers mit ziemlicher
Bestimmtheit einen Pfarrer, der dann entwe
der selbst durch Einheirat in Kaufmanns- oder
Beamtenfamilien seine Kinder in diesen Fa
milienkreis hineinwachsen läßt oder aber durch
seine beruflich gehobene Stellung seinen Söh
nen und Töchtern den Eingang in diese Be
rufskreise möglich macht. Es wird hierbei im
mer auf die Tüchtigkeit des einzelnen ankom
men. Die vergangenen Generationen hatten
eine große Kinderzahl. Von Liesen Kindern
rangen sich jedoch immer nur die Tüchtigsten
Sum erfolgreichen Leben durch. Viele starben
jung, den viel primitiveren hygienischen Zu
ständen der früheren Zeit entsprechend. Die
jenigen, welche aufwuchsen, hatten sich zu be
haupten. Der Untüchtige glitt ab und sank in
eine soziale Minderstellung, nur dem Tüchti
gen gelang es, seine Familie auf aufsteigender
Bahn bis zu einem gewissen Höhepunkt zu
führen.
Frage: Warum aber blieb eine Familie, die
Ms diesem Höhepunkt des Daseins, d. h. bei
kiner gewissen Wohlhabenheit oder bevorzug
ten Lebensstellung angelangt war, nicht ans
dieser Höhe?
Antwort: Dafür gibt es viele Gründe,
Gründe, die auch unbedingt wert sind, festge
halten zu werden. Zunächst einmal: Wo Wohl
stand, Reichtum, bevorzugte Stellung ist, da
ü>ird sich gerade in der nächsten Generation
?^ur der Tüchtige durchsetzen können, der nicht
durch diesen Zustand verweichlicht ist und beim
ersten besten Schicksalsschlag, der die wohl
erworbenen Fundamente erzittern läßt, ver
güt. Nimm ein Beispiel aus dem Leben: Sieh
eüe vielen Familien der Vorkriegszeit, die
^soch während des Krieges auf sozial beträcht
licher Höhe standen und dann in der Infla
tion ihr Vermögen einbüßten. Waren diese
!n all ihren Gliedern untüchtig, d. h. innerlich
Unfähig, den Kampf von unten her neu zu be-
Pnnen, so war es ein für allemal aus mit
'hrer Fortentwicklung. Diejenigen aber, die
-on neuem von kleiner Basis aus sich aufzu-
Gffen und neu einzugliedern vermochten, be
enden sich bald wieder auf der Kurve des An-
îuegs.
Frage: Also auch hierüber soll ich für mich
Und meine Familie Notizen machen?
Antwort: Gewiß! Es ist nicht nur wichtig,
wissen, wie unsere Vorfahren ausgesehen
O^ben, was sie konnten und was sie nicht
Lünten,' genau so wichtig ist es, zu wissen,
j te sie lebten, welche geschichtlichen Ereignisse
n ihr Leben hineinspielten und es vielleicht
grundlegend änderten, welche Famrlienkrisen
desart. Auch wenn in den Krankheitseintra
gungen der Kirchenbücher nur das medizinische
Wissen der damaligen Zeit zum Ausdruck
kommt und die einzelne Krankheit durch ihre
Benennung nicht immer klar zu erkennen ist,
sind sie geeignet, einen ungefähren Anhalts
punkt zu geben. Bestenfalls müssen wir auch
hier wieder, solange noch alte Familienmit
glieder leben, uns erzählen und immer wie
der erzählen lassen. Es ist zum Besten unserer
selbst und unserer Kinder, wenn die Kunde von
dem, was im Leben derer war, aus deren
Blut wir stammen, nicht verloren geht.
Der ferne Osten in Bewegung.
Sie Mohilmachllng in ßwrmglung
und
Tschiangkaischeck mahnt zur Besonnenheit.
DNB. Schanghai, 9. Juni. lOstasiendienst des
DNB.j In den südchinesischen Provinzen
Kwangtung und Kwangsi ist die allgemeine
Mobilmachung aller Land-, See- und Luft
streitkräfte befohlen worden. Die bisherigen
Truppenstärken von 150 000 bzw. 100 000 sollen
auf insgesamt 500 000 gebracht werden. Amtlich
wird der Einfall von vier Divisionen der
Eine Warnung in ernster Stunde
Englands Militärpolitische Gegenzüge
Wirklich- OÄPfVilVvim Als der englische Außen- verstärktem Maße nach Westeuropa verlegt Präzis,
™ T " ' minister in der Rede, die haben. In jedem Fall hat die dortige Entwick- nistisch
er am letzten Sonntag hielt, sich nach Gefahren
umsah, die den europäischen Frieden bedrohen
können, hat er sich, wie wir gestern an dieser
Stelle darlegten, in einem engen und nicht
überall vom Licht der Objektivität erhellten
Gesichtskreis bewegt. Wir könnten, wenn er
wirklich Aufklärung geben oder haben will
über Vorgänge, die bedrohlichen Charakter ha
ben, z. B. Hinweisen auf die militärpolitische
Aktivität, die seit geraumer Zeit in und zwi
schen den Hauptstädten von Sowjetrußland,
Rumänien und der Tschechoslowakei herrscht.
Die Pläne, die zwischen den Generalstäben der
drei Länder bestehen, um die Rolle der Tsche
choslowakei als Flugzeugmutterschiff Sowjet
rußlands im Ernstfälle sicherzustellen, sind
wirklich kein Geheimnis mehr, und die sowjet
russischen Fliegeroffiziere, die an der Planung
und dem Ausbau der Flugplätze in der Slo
wakei teilnehmen, brauchen sich nicht mehr der
Mühe zu unterziehen, auf tschechoslowakischem
Boden Zivilkleidung anzulegen — die Rolle,
die sie spielen, ist gar kein Geheimnis mehr.
Auch in London wird es bekannt sein, daß alle
Einzelheiten eines sowjetrussischen Durchmar
sches durch Rumänien nach der Tschechoslowa
kei ausgearbeitet und in die Aufmarschpläne
der beteiligten Generalstäbe aufgenommen
worden sind. Man hat die Bahuverhältnisse in
der Slowakei geprüft und glaubt annehmen
zu müssen, daß die slowakischen Bahnen nicht
imstande sein würden, dem sowjetrussischen Be
darf zu genügen, und hat großzügig einen
Durchmarsch durch Ungarn ins Auge gefaßt.
Derartige Pläne zeigen, wie greifbar gewisse
Gefahrenherde sind und wie weit bereits Ver
abredungen gediehen sind, die den Frieden und
die Sicherheit Mittel- und Westeuropas in
schwerster Weise bedrohen können. Man wird
in London nicht glauben, daß England unbe
rührt von einer Feuersbrunst bliebe, die mit
den hier geschilderten Mitteln von Moskau
aus vorbereitet wird.
Ei» Däne über dänische Magister à
das rote Heer dung, der außenpolitische
oas row Heer. Schriftleiter von „Politiken",
der im Radio die außenpolitischen Monats
übersichten zu geben pflegt, veröffentlicht in
seiner Zeitung einen längeren Aufsatz über
das rote Heer. Der dänische Verfasser weist ein
leitend auf die starke Volksvermehrung in
Rußland hin. Rußland sei der größte Staat,
der eine geographische Einheit bilde und habe
zur Zeit 175 Millionen Einwohner. Im letzten
Jahre habe Rußlands Geburtenüberschuß vier
Millionen betragen. Die riesige Bevölkcrungs-
zahl bilde das ständige Rekrutierungsdepot für
Eine erfreuliche Statistik
SchlesWig-HolfteiN arbeitet wieder ssA
der Hochkonjunktur des Sommers 1929. All
monatlich müssen Tausende von Kräften für
diese Gebiete aus anderen Bezirken herange
zogen werden, um den Bedarf, besonders in
der Landwirtschaft, im Metallgewerbe und in
den Bauberufen decken zu können. Das lehrt
auch ein Vergleich der Entwicklung der Ar
beitslosenzahl mit der der Beschäftigungszahl
nach der Krankenkassenmilgliederstatistik in
den letzten 3 Jahren. In Schleswig-Holstein
und Mecklenburg steht einer Abnahme der
Arbeitslosen um 105 000 bzw. 43 000 eine Zu
nahme der Beschäftigten um 125 000 bzw.
78 000 gegenüber, während im Bezirk Ham
burg einer Abnahme von 128 000 Arbeitslosen
eine Erhöhung der Beschäftigtenzahl um nur
67 100 gegenübersteht.
Norümark um 72% abgenommen. An der
Spitze stehen hier Mecklenburg mit 93 und
Schleswig-Holstein mit 89, an letzter Stelle
der Nordmark der Hamburger Bezirk mit
einem Rückgang von 58%. Von den Städten
stehen am günstigsten da: Kiel mit einer Ab
nahme von 92 und Rostock mit einer von 91%,
In Kiel kommen nur noch 11 Arbeitslose auf
1000 Einwohner gegen 45 im Durchschnitt der
deutschen Großstädte und 61 in Hamburg.
Sowohl in Mecklenburg wie auch in Schles
wig-Holstein ist die Arbeitslosigkeit heute so
gut wie überwunden. Der gegenwärtige Stand
gewicht ihrer Tätigkeit schon seit Monaten in ist nur noch etwa halb so hoch wie in der Zeit
Die Radikalisierung Nach diesen Vorgängen
Westeuropas. m Osteuropa Ft begrey-
r ltd), wenn Komintern
und Moskauer Außenministerium das Schwer-