Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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Rendsburg, den 11. Juni 1938. 
Das Skit* mtz FahrLurMer in KerrdsSNrg 
Ņîtnd 350Reiter bzw. Reiterinnen» Ueber130 Pferde» Bedeutende Veranstaltung 
Zu dem am 20./21. d. M. in der Eider- 
mserne stattfindenden Reit- und Fahrturnier 
and die Nennungen ebenso zahlreich wie im 
Vorjahr eingegangen, und man kann sich von 
oen^ beiden Turniertagen viel Sehenswertes 
versprechen. Beim Hauptereignis, dem Jagd 
springen Kasse M um den Ehrenpreis, gege 
ben «mt her Stadt Rendsburg, werden sich 26 
Pferde bewerben. Es wird dies der schwerste 
Kurs des ganzen Turniers sein, schwerer noch 
vis im Vorjahr, da der neugeschaffene 4-m- 
Graben und der Trakehner-Sprung sowie ei 
nige andere neue Sprünge hinzukommen. In 
oem anderen Jagdspringen, Klasse M um den 
Preis des Landkreises Rendsburg, ein Aus- 
Sleichspringen, stellen sich 32 Pferde dem 
«tarier. Die beiden leichten Springen sowie 
»äs A-Springen haben über 60 Nennungen 
erreicht. In diesem Springen sehen wir au- 
per den Turnierreitern noch viele Reiter der 
«A. sowie Unteroffiziere und Mannschaften 
vsr Wehrmacht und der Polizei. Auch alle 
Aer nicht genannten Konkurrenzen weisen 
Zahlreiche Beteiligung auf und versprechen ei- 
ven interessanten Wettkampf. 
Man erkennt die Bedeutung des Rends- 
vurger Turnier für die ganze Provinz 
«chleswig-Holstein, wenn man hört, daß selbst 
Ms Len entferntesten Teilen der Provinz 
Reiter und Reiterinnen zu unserem Tur 
nier erscheinen. So werden die Vertreter des 
Reitsports aus den Städten Hamburg, Altona, 
Kiel, Lübeck, Flensburg, Eckernförde, Neu 
münster sowie aus den Garnisonen Itzehoe 
und Wandsbek, ja selst aus Verden hier 
anwesend sein. Die Gesamtzahl der Nennun 
gen überschreitet die Zahl 350. Ueber 130 Pfer 
de versammeln sich in Rendsburg, um an die 
sen Tagen untereinander zu kämpfen. In 
einem späteren Artikel wird die Turnierlei 
tung den genauen Ablauf der Ereignisse be 
kanntgeben, auch über die Aussichten der ein 
zelnen Reiter in den Konkurrenzen berichten. 
Schon heute läßt sich übersehen, daß wie im 
Vorjahre die Rendsburger mit ihrer Unter 
stützung das Turnier weitestgehend gefördert 
haben. Es sei ihnen schon jetzt im Namen der 
Turnierleitung herzlichst gedankt. Die Stadt 
Rendsburg hat mit Weitblick erkannt, daß die 
Abhaltung eines Reit- und Fahrturniers in 
seinen Mauern nicht nur dem Pferdesport in 
Schleswig-Holstein nützlich ist, sondern auch 
den Bewohnern von Stadt und Land eine be 
merkenswerte Abwechslung bietet. So hofft 
man denn, daß jeder die Gelegenheit ergreift 
und sich einen erinnerungswerten Tag auf 
dem schönen Turnierplatz in der Eiderkaserne 
gönnt. 
Auch die Innere Mission ruft 
Am Sonnabend und Sonntag, dem 13. und 
iş. Juni, tritt mit verwandten Organisationen 
"ie Innere Mission bittend vor die Volksge 
nossen, um eine Gabe in Empfang zu nehmen 
mr ihre zahlreichen Schützlinge, die fernab von 
Mück, Gesundheit, Kraft und Frohsinn ihre 
Tage dahinbringen müssen. Durch die Summ 
er und Sammlerinnen der Inneren Mission 
sprechen die Alten und Kranken, die Körper 
behinderten und Geistesschwachen, Kinder, de- 
ven Eltern sie verwahrlosen ließen, die Ein 
kitten und Verlassenen zu den deutschen Meir 
ichen. Sie alle füllen die Heime und Anstalten 
^r Inneren Mission, deren Väter, Stöcker, 
Michern und Bodelschwingh, das Wort von 
?er christlichen Nächstenliebe in die Tat umge 
setzt und ein Werk errichtet haben, das über 
Zahlreiche deutsche Familien Segen gebracht 
dat. Heime wie Rickling, Kropp, Alten 
eichen, Diakonissenanstalten wie Flensburg 
vnd Altona, Kinderheime wie in Sunösacker 
Md Kiel, Altersheime rvie das Ansgar- und 
Pizelinstift in Neumünster, Frauenheime wie 
'll Kiel und Jnnien, dazu die Seemanns- 
Msston, die Sorge für die obdachlosen Wan 
drer, die zahlreichen Pslegestütten für Kranke 
Md Hilfsbedürftige in den Gemeindeschwe- 
siernstationen, — sie alle leisten unter dem 
Zeichen der Inneren Mission ihre Arbeit. Die 
ses Zeichen, das Kreuz mit der Krone darüber, 
vas Zeichen christlicher Liebe zu dem in Not 
Md Elend befindlichen Bruder, soll am 13. 
Md 14. Juni getragen werden. 
^erienkinder der NSV. für Schlesw.-Holstein. 
Mit einem Sonderzug, der bis nach Neu- 
fvhnster ging, trafen am Mittwoch rund 600 
Kinder aus dem Gau Essen zur Aufnahme in 
Schleswig-Holstein ein. Hiervon wurden 135 
der aus den Kreisen Oberhausen und 
17 Kinder kamen mit dem fahrplanmäßigen 
Zug um 17.69 Uhr in Rendsburg an und 
wurden auf dem Bahnhof von der Kreislei 
tung der NSV. in Empfang genommen. Sie 
wurden dann weitergeleitet zu ihren Pflege- 
Duisburg auf den Kreis Rendsburg verteilt, 
stellen, und zwar nach Schenefeld, Legan, 
Schacht-Audorf, Hamöorf, Breiholz, Alt-Du- 
venstedt und Christiansholm. Die Kinder wer 
den hier eine mehrwöchige Erholung genießen. 
Holzschuh- und Pantoffelmacher 
In Rendsburg, im Haus des Handwerks, 
tagte die Innung der Holzschuh- und Pan 
toffelmacher unter Leitung des Obermeisters 
Boß-Gettorf. Zum ersten Male wurde vor of 
fener Jnnungslade ein Meisterbrief über 
reicht,' ferner wurde ein Lehrling zum Ge 
sellen gesprochen und ein Lehrling neu ein 
geschrieben. Vom Obermeister Voß wurde die 
Vertrauensfrage gestellt. Die Abstimmungs- 
Handlung wurde vom stell«. Geschäftsführer 
der Kreishandwerkerschaft Rendsburg gelei 
tet und ergab, daß sämtliche Abstimmungsbe 
rechtigten mit Ja stimmten. Der Obermeister 
sprach den Handwerkskollegen seinen Dank für 
die treue Mitarbeit aus. Die Arbeit des 
Obermeisters wird dadurch erschwert, daß die 
Kollegen des Handwerks räumlich sehr weit 
auseinanderwohnen, da die Innung sich über 
den ganzen Bezirk der Handwerkskammer 
Flensburg erstreckt. Die Innung ist in 4 Be 
zirke eingeteilt: Rendsburg, Husum, Flens 
burg und Schleswig, für die je ein Obmann 
bestimmt wurde und zwar für den Bezirk 
Rendsburg Wehling-Nortorf, für Husum 
Tedsen-Rödemis, für Flensburg Hans Thord- 
sen und für Schleswig Lorenzen-Schmidt. An 
diese Obmänner müssen sich die Kollegen des 
betreffenden Bezirkes wenden. 
Knivsbergfahrt des BDA. 
Am 28. Juni findet wiederum, wie in jedem 
Jahr, das Knivsbergfest, das Fest der Deut 
schen in Nordschleswig, statt. Die Rendsburger 
Ortsgruppe des VDA. wird eine Omnibus 
fahrt dorthin veranstalten, zu der jedermann 
herzlich eingeladen ist. Da das Knivsbergfest 
in diesem Jahre ein besonders reichhaltiges 
Programm aufweist, ist eine möglichst starke 
Teilnahme auch von südlich der Grenze er 
wünscht. 
Die SonņeĢsteruis Mr Frühaufsteher 
Der Verlauf der Erscheinung — Fingerzeige für die Beobachtung 
Was die Sonnenfinsternis am Freitag, dem 
19. Juni, anbetrifft, so wird das Interesse des 
Naturfreundes auf eine nicht ganz leichte Pro 
be gestellt. Gilt es doch, die ersten Stunden des 
Tages zu benutzen, die für gewöhnlich dem 
Schlaf gewidmet sind. Da wir jetzt die längsten 
Tage haben, so geht die Sonne in Schles- 
w i g - H 0 l st e i n schon vor 4 Uhr auf. Um 4 
Uhr 25 Minuten beginnt die Finsternis und 
endet um 6 Uhr 5 Minuten,' der stärkste Grad 
der Verfinsterung wird in der Mitte dieser 
Zeitspanne, also um 5 Uhr 15 Minuten, er 
reicht. 
Freilich haben wir keine totale Finsternis zu 
verzeichnen, sondern nur eine teilweise. Totale 
Sonnenfinsternisse, die natürlich ein besonders 
eindrucksvolles Schauspiel gewähren, sind für 
den einzelnen Ort auf der Erde recht selten. 
Dies kommt daher, weil der Schattenkegel, der 
den bewegten Mond begleitet, auf der Erdober 
fläche nur einen verhältnismäßig kleinen 
Schattenfleck erzeugt. Bei der Finsternis vom 
19. Juni bewegt sich dieser dunkle Fleck des 
Kernschattens auf einem etwa 160 Kilometer 
breiten Streifen,' dieser beginnt im östlichen 
Mittelmeer, zieht durch Kleinasien, danach 
durch das südliche Sibirien, berührt die japani 
sche Insel Jesso und endet im Stillen Ozean. 
Die Orte der Erde, die auf diesem Streifen 
liegen, sehen für kurze Zeit eine gänzlich ver 
finsterte Sonne. Besonders günstig sind die 
Verhältnisse auf der Strecke zwischen Omsk 
und dem Baikalsee,' dort fällt die Finsternis 
in die Mittagszeit, und die Dauer der Totali 
tät erreicht ihren höchsten Wert mit 2 l A Mi 
nuten. 
Um den erwähnten Streifen herum liegt ein 
großes Gebiet, durch welches der Halbschatten 
des Mondes zieht,' zu ihm gehört auch Mittel 
europa. In den Grenzen dieses Gebiets er 
scheint die Sonne nur teilweise verfinstert, und 
zwar sinkt der Grad der Verfinsterung in Eu 
ropa von Süden nach Norden. Deutschland 
führt dabei noch ziemlich günstig, denn auch in 
seinem nördlichen Teile sind es bei der größten 
Phase fast zwei Drittel der Sonnenscheibe, die 
von dem Anstifter der Finsternis, dem dunkeln 
Neumond, verdeckt werden. 
Der Verlauf der Erscheinung vollzieht sich 
folgendermaßen. Beim Beginn sieht man, wie 
am rechten Sonnenrande ein kleiner schwarzer 
Strich auftritt, sich langsam vergrößert und die 
Form einer Linse annimmt. Beim Wachsen 
derselben nach innen erscheint die Sonne mehr 
und mehr als Sichel, deren Spitzen nach unten 
geneigt sind. Die Zeit der größten Phase läßt 
erkennen, daß etwa nur ein Drittel der hellen 
Sonnenscheibe übriggeblieben ist,' vorhin war 
dieser Zeitpunkt auf 5 Uhr 15 Minuten ange 
geben. Danach zieht der schwarze Mond weiter 
nach links, wobei sein Ausschnitt allmählich 
kleiner wird, bis er bald nach 6 Uhr am Rande 
unten links verschwindet. Die Finsternis ist 
beendet, und die Sonne hat wieder die ihr zu 
kommende Form einer vollen Kreisschcibe an 
genommen. Es ist sehr zu wünschen, daß sich in 
den Morgenstunden des 19. Juni die Witte- 
rungsverhältnisse günstig gestalten mögen. Ha 
ben wir doch weder in diesem Jahre noch auch 
im nächsten eine Sonnenfinsternis zu erwar 
ten. Eine totale Verfinsterung der Sonne aber 
wird in Deutschland erst nach 18 Jahren ein 
treten, nämlich am 30. Juni 1964, und zwar 
wird sie nur in Ostpreußen eine völlige Tota 
lität zeigen. 
Um den Verlauf des Naturschauspiels zu 
verfolgen, muß man ein Blendglas benutzen. 
Niemand darf ungestraft sein Auge genau auf 
die Sonne richten, wenn der Himmel ganz klar 
ist. Es hat sich öfters gezeigt, daß leichtsinnige 
Beobachter einer Sonnenfinsternis sich eine 
Augenkrankheit zugezogen haben. Jugendlicher 
Leichtsinn war dabei zuweilen mit Prahlsucht 
gepaart. Als Blendglas kann man eine 
Glasscherbe verwenden, die mit Ruß überzogen 
ist,' eine Stearinkerze vermag den nötigen Ruß 
zu liefern. Es empfiehlt sich, den Ueberzug et 
was abzustufen, um ihn verschiedenen Graden 
der Helligkeit des Himmels anzupassen. Noch 
besser ist es, eine überbelichtete photographische 
Platte als Blendglas zu verwenden. Vielleicht 
hält man auch mehrere derselben mit verschie 
denen Graden der Schwärzung in Bereitschaft, 
um diejenige zu benutzen, welche das Sonnen 
bild recht deutlich und nicht zu grell zeigt. Ein 
Ausprobieren am Tage vorher kann sich dabei 
lohnen. Mit einem guten Blendglase kann ein 
scharfes Auge zuweilen auch große Sonnen 
flecken ohne ein Fernglas erspähen. Am Mor 
gen des 19. Juni könnte es ja auch sein, daß 
der Morgennebel oder eine durchsichtige Wolke 
zeitweilig das Blendglas ersetzt. 
Zum Schluß sei noch auf einen kleinen op 
tischen Versuch hingewiesen, den man bei 
Gelegenheit einer Sonnenfinsternis anstellen 
kann. Ein Blatt Kartonpapier versieht man in 
der Mitte mit einer kleinen Oeffnung und hält 
es so, daß die Sonnenstrahlen annähernd senk 
recht darauf fallen. Ein zweites Blatt von 
weißer Farbe wird in einiger Entfernung vom 
ersten und parallel zu ihm mit der andere« 
Hand gehalten. Nach dem Prinzip der Dunkel 
kammer entsteht dann auf dem weißen Schirm 
ein kleines helles Sonnenbild, welches man 
ohne Anstrengung des Auges beobachten kann. 
In Uebereinstimmung damit zeigen auch die 
bekannten runden Sonnenbilöchen, die durch 
die Lücken eines belaubten Baumes oder 
Strauches entstehen, eine Veränderung der 
Form, wenn eine Finsternis den Anblick der 
Sonne verändert. Prof. Adrian, Flensburg. 
* Das Radsport-Abzeichen. Das unter Lei 
tung des RBC. von 1894 am 9. d. M. auf der 
Schleswiger Landstraße zum Austrag ge 
brachte Radrennen zwecks Erwerbs des deut 
schen Radsport-Jugenöabzeichens hatte einen 
geradezu überraschenden Erfolg, indem sämt 
liche Schülerinnen der Staatlichen Aufbau 
schule bzw. des Lpzeums die Bedingungen er 
füllten. Die sportlichen Leistungen waren alle 
durchweg als hervorragend oder gut zu be 
zeichnen, weil sämtliche Bewerberinnen die 
Strecke mit 18 bis 9 Minuten Vorsprung 
durchfuhren. Es erhielten das Silberne Ab 
zeichen (20 Km. in 55 Min.): Hildegard 
Schmidt, 53 a Min,' das Silberne Abzeichen 
(20 Km. in 45 Min.): Heinz Becker, 41 Min., 
Hermann Kunst, 42 Min., Wilhelm Biermann, 
48 a Min. Der Letztere kam beim Abfahren, 
ohne Schaden zu nehmen, zu Fall und verlor 
dadurch 6—8 Minuten, sod aß er die vorge 
schriebene Zeit von 46 Minuten nicht aufholen 
konnte. Das Bronzene Abzeichen (15 Km. in 
65 Min.) erhielten: Marianne Kiecksee, Jeven- 
stedt, 37 Min., Anni Marie Ritters, 37 A Min., 
Henny Paulsen, 39 Min., Hermine Möller, 
40 Min., Gisela Storm, 41 Min., Gerda 
Schulz, 41 Min. Die übrigen Bewerberinnen 
durchfuhren die Strecke in 40A bis 46 Minu 
ten. Das nächste Ausfahren des Sportabzei 
chens findet am 12. Juni statt. 
* Schiffsbewegungen der Reederei Zerssen u. 
Co., Rendsburg-Kiel. D. „Glückauf" am 9. 6. 
in Leningrad angekommen. 
* Goldene Hochzeit feiern am 13. ös. Mts. 
Gerichtssekretär t R. Rudolf Becker u. Frau. 
*29. Jahrgang. / Nr. 184. / Zweites Blatt. 
_ Schļeswkg6olîîàļsche 
Eandeszeitung 
Rendsburg«: Tageblatt 
Donnerstag, den 11. Juni 1986.
	        
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