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'ļ2g. Jahrgang.'/ Nr. 83.'/ 'Zweites Blatt.
_ S6Keswig.6oļ!îà'sche
Landeszeitung
Sirnösburgec Tageblatt
Dienstag, den 7. April 1936.
Schule und HI.
Der Hauptamtsleiter des NS.-Lehrerbundes,
Gauleiter Fritz W ä ch t l e r, erläßt folgenden
Aufruf an die deutsche Erzicherschaft:
„Mitglieder des NSLB.! In der Zeit vom
1. bis 20. April wirbt die Hitlerjugend um den
Eintritt aller Jungen und Mädel in die Orga
nisationen des deutschen Jungvolks und der
Jungmädel. Das Ziel ist, daß jeder Junge
und jedes Mädel erfaßt wird. Ich weiß, daß
alle Lehrer und Lehrerinnen befähigt und ge
willt sind, sich voll einzusetzen, damit dieses
Ziel in einigen Wochen erreicht ist. Es muß
der Stolz jedes Erziehers sein, daß seine
Klasse geschlossen der Hitlerjugend an
gehört. Familie, Schule und Jugendorgani
sation sollen die drei großen Erziehungsfak
toren sein, unter denen die deutsche Jugend
zu einem starken Geschlecht heranwachsen wird.
In diesem Sinne erwarte ich von jedem Er
zieher und jeder Erzieherin vollen Einsatz für
den Eintritt der Jugend in die HI."
War's der Eulenspiegel?
Wie ein plötzlicher Windstoß, so blies mich
lautes Gerede an, beginnend mit „Entschuldi
gen Sie, mein Herr!" Ein kleiner Mann lüf
tete, höflich lächelnd wie ein Jahrmarktbajazz,
das zerbeulte Hütchen und strudelte eine
Schlange von Sätzen hervor. Ich verstand nur,
daß man ihn zum Bahnhof geschickt, wo er doch
zur Herberge wolle.
Das Halbdunkel am Bahnhofsplatz, der
eifernde Mensch und die hohe, zwischen Wol
kenbäuschen dahinfahrende Mondsichel ergaben
wohl einen sonderbaren Scherenschnitt eines
Aprilabends.
Ich erkannte: ein armseliger Vagabund,
einer von den Zerrissenen, die aus irgend
einem Gründe noch nicht Anker geworfen, oder
einer, der nun mal nicht anlegen will am Kai.
Den die weißschimmernde und sich grün be
kränzende Birke ruft, der Frühlingsatem wie
der über die Landstraße jagt.
Es war, als ich näher hinsah, ein verhutzel
tes Gesicht, das in seiner Mischung aus Ent
behrung und Selbstbelustigung Mitleid er
regen konnte. Mochte der Fremde auch viel
leicht einen über den Durst getrunken haben
— ich weiß es nicht und griff in die Tasche.
Ich gab freiwillig, der Mann hat mich nicht
um eine Gabe angesprochen. Darum mag ent
schuldigen, wer etwa strengeren Sinnes. Frei
lich gab ich dem Vagabunden zu bedenken, er
werbe in unserer Stadt sofort eingesperrt,
wenn er bettele und ihn jemand der Polizei
weide. Eine fragende Grimasse, ein Ohooo!,
ein Tanzen von einem Bein aufs andere. Und
Meinerseits beschwichtigend Pst—pst!
Halb im Weggehen, fragte ich den Merkwür
digen, woher er denn stamme. Aus Braun-
schweig, war die Antwort. Wie ich da den
Braunschweiger Bäckerklint, wo der Eulen
spiegel auf dem Brunnen kauert, erwähnte,
strahlte der Vagabund. Und als ich das Ge
wandhaus, den alten Zoll und den Hutfiltern
nannte, wo ein guter Freund wohnt, da lüpfte
der verwehte Gesell aus freudiger Hochachtung
über meine Kenntnisse von der Okerstadt sein
Hütlein und sprudelte wieder Sätze.
Ich wandte mich. Der, den ich dienernd hin
ter mir ließ, ist Bäcker von Beruf.
Am Ende habe ich den Eulenspiegel selbst
getroffen, der ja in dem Brotbückershaus am
Bäckerklint in Braunschweig den Teig zu
Meerkatzen und Eulen, statt zu vernünftigen
Dingen geknetet.
Es wäre immerhin möglich,' denn das Früh-
iahr rumort seltsam im Blut. #
Rendsburg, den 7. April 1936.
* In den Ruhestand trat am 1. April nach
Erreichung der Altersgrenze der Kassenbote
Carl Drews, der 28 Jahre bei der Ortskran
kenkasse tätig war.
* Ehrung eines Pioniers der Kurzschrift.
Die Deutsche Stenografenschaft, Ortsgruppe
Rendsburg, hatte am Sonnabend ihre Mitglie
der zu einer Veranstaltung eingeladen, zu der
auch der Gaugebietsführer Hans Kock, Neu
münster, erschienen war. Er überreichte dem
Ehrenmitglied der Rendsburger Ortsgruppe,
Claudius Kraft, die goldene Nadel und das
Diplom der Deutschen Stenografenschaft. Kraft
ist 1901 dem Rendsburger Stenografenverein
beigetreten, nachdem er vorher in Emden in
Ostfriesland die dortige Ortsgruppe gegründet
hatte. Lange Jahre ist er in Rendsburg Lei
ter des Vereins Stolze-Schrey gewesen. Er hat
sich durch seine rege Unterrichtstätigkeit große
Verdienste erworben,' wurde doch die Arbeit
aus Idealismus und aus Liebe zur Sache ge
leistet. Der Gaugebietsführer hob dies in sei
ner Ansprache hervor und bezeichnete Clau
dius Kraft als alten Pionier der Kurzschrift.
Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß Kraft noch
lange zu den Stenografen und ihrer Sache ge
hören möge. Kraft dankte bewegt für die
Ehrung, die ihm gänzlich überraschend gekom
men sei. Schweren Herzens hätte er sich von
deutschen Seeschiffahrt bis zum 1. Oktober d. I.
zurückzustellen, da die Einsender bis dahin mit
einer positiven Zusagen auf keinen Fall rech
nen können."
* Schiffsbewegungen der Reederei Zerssen
u. Co., Rendsburg-Kiel. D. „Arnis" am 6. 4.
in Stralsund angekommen.
* Die NSG. „Kraft durch Freude", Kreis
Mittelholstein, fragt den Leser: Hast du dir
schon eine Reise mit „Kraft durch Freude" aus
gesucht. Wenn nicht, überlege es dir schnell
stens! Es ist sonst möglich, daß die Fahrt, an
der du gerne teilnehmen möchtest, schon besetzt
ist. Also zögere nicht lange und fülle die An
meldeformulare aus, die du bei deinem Orts
wart oder bei der Deutschen Arbeitsfront in
Rendsburg, Adolf-Hitler-Haus, bekommst.
* Wiedergefundenes Fahrrad. Das in der
Nacht zum Sonnabend vor einer Wirtschaft an
der Materialhofstraße abhanden gekommene
Herrenfahrrad wurde in der Neuen Kieler
Landstraße-in der Nähe der Düngerfabrik ge
funden und dem Bestohlenen wieder ausgelie
fert.
* Ein Photowettbewerb. Der Generalinspek
tor für das deutsche Straßenwesen eröffnet
einen Wettbewerb der Berufs- und Amateur-
photographen und der Presse-Bildberichterstat-
ter über das Thema „Die schöne Straße im
Bau und unter Verkehr". Als Bildinhalt kom
men alle interessanten und schönen Aufnahmen
deutscher Straßen, in erster Linie der Ncichs-
autobahnen, der Reichs- und Landstraßen, in
Betracht. Das Bildformat und die -Negativ
größe ist beliebig, das eingesandte Bild soll
jedoch nicht kleiner als 9:12 sein. Es dürfen
Rendsburg,
wie es früher aussah.
Das ist ein Blick in die frühere
Bahnhofstraße! Bemerkens
wert ist vor allem der Blick
auf die alte Sechslingsbrücke,
die über den alten Eiderarm
führte. Ta, wo heute die Rot-
dvrnallee liegt, plätscherte da
mals das Eidcrivasser. Das
Gebäude im Vordergrund, in
dein sich heute das Zigarren
geschäft von Unteryorst befin
det, ist fast das gleiche, und
auch an dem äußeren Bild von
Kolls Gasthof hat sich nicht
viel geändert. &
Lichtbild: Archiv.
das Kennwort, laufende Nummer, Zeitpunkt
der Aufnahme, Ort der Aufnahme. Die Ge
samtheit der eingereichten Bilder ist in einer
beigelegten Liste, die das Kennwort, die lau
fende Nummer und den Titel jedes Bildes ent
halten muß, nachzuweisen. Der Generalinspek
tor für das deutsche Straßenwesen erwirbt an
den preisgekrönten Bildern alle Rechte.
* Zur Zahlung verurteilt. In einem in der
„Deutschen Justiz" veröffentlichten Urteil vom
14. Dezember 1935 hat das Reichsarbeitsgericht
zu der häufiger praktisch werdenden Frage
Stellung genommen, ob Angestellte, die sich
aus erbpflegerischen Gründen unfruchtbar
machen lassen, für die versäumte Arbeitszeit
Lohn verlangen können. Die Klägerin war seit
Februar 1929 bei der Beklagten Verkäuferin.
Auf ihren Antrag wurde durch das Erbgesund
heitsgericht ihre Unfruchtbarmachung wegen
erblicher Fallsucht angeordnet. Die Klägerin
mußte nun zur Vorbereitung der Entscheidung
und zur Durchführung der Operation vom 2.
bis 18. Oktober 1934 und später vom 2. Januar
bis 7. Februar 1935 dem Geschäft fernbleiben.
Die Beklagte, die Gehaltszahlung für die letz
tere Zeitspanne verweigerte, wurde durch das
Laudesarbeitsgericht zur Zahlung verurteilt.
Das Reichsarbeitsgericht hat auf die Revision
der Beklagten dieses Urteil bestätigt. Der Anf
ügung des Vorderrichters, daß der Klagan-
pruch aus 8 63 HBG. wie auch aus 8 616
BGB. begründet sei, könne nur zugestimmt
werden. In den genannten Rechtsnormen habe
der heute besonders zu beachtende Rechtsge
danke Ausdruck gefunden, daß die Betriebsge
lneinschaft während einer zumutbaren
Zeitspanne für die Betriebsangehörigen einzu
gehen habe, wenn sie vorübergehend ohne Ver-
chulden zur Arbeitsunterbrechung gezwungen
eien. Im gegebenen Falle sei neben der Ope
ration selbst in der die Operation bedingenden
Erbkrankheit das Unglück zu sehen, das die
Dienstleistung der Klägerin verhindert habe.
Die Besonderheit der Operation liege hier
darin, daß sie nicht nur durch die Krankheit
bedingt, sondern auch vom Gesetz gemäß dem
Interesse des Volksganzen vorgeschrieben sei.
Bei der Abwägung der Erheblichkeit der ver
säumten Arbeitszeit habe der Vorderrichter
mit Recht die Umstände und die Interessen bei
der Vertragsparteien in Betracht gezogen. Es
sei so zutreffend zugunsten der Klägerin be
rücksichtigt worden, daß sie schon 6 Jahre in der
Stellung gewesen sei, und daß sie weniger um
ihrer selbst willen als aus vvlksgesundhcit-
lichcn Belangen die Operation und die Dienst-
unterbrechung auf sich genommen habe.
* Landesbischos Paulsen aus Kiel wird am
Ostersonntag vormittags im Hauptgottesdienst
der Neuwerker Christkirche die Festpredigt
halten.
* Neuer Musikleiter des Trompeterkorps der
Artillerie. Das Trompcterkorps des Artillerie-
Regiments 20 in Rendsburg gab am Sonntag-
vormittag vor der Stadthalle ein Promenaden
konzert unter der Leitung seines neuen Musik-
keiters, Musikmeister-Anwärter Scheer, der seit
dem 1. April nach Rendsburg versetzt ist. Er
hat kürzlich an der staatlichen akademischen
Hochschule für Musik in Berlin seine Musik-
tneisterprüfung bestanden und war vorher
Korpsführer beim Artillerie-Regiment 3 in
Frankfurt a. O., seiner Heimatstadt.
* Eine Ueberraschung besonderer Art hatte
der launische April von gestern auf heute für
uns bereit. Es fiel Schnee. In der Frühe sah
man noch die Reste in Gärten und ans
Dächern. Nicht umsonst heißt es seit alters im
Bolkömunü: Der April tut, was er will.
seiner Schriftart Stolze-Schrey getrennt. Doch
sei ihm die Einheit auf allen Gebieten des kul
turellen Lebens über alles gegangen. Er wolle
sich auch weiterhin für die Sache der Kurz
schrift einsetzen, da nun endlich der häßliche
Systemkampf vorbei sei, und er wünsche, daß
die Rendsburger Ortsgruppe, die er mit auf
gebaut, blühe, wachse und gedeihe.
* Die BDM.-Mädel treten zum Besuch ei
nes Tonfilms heute abend um 7% Uhr auf
dem Hof des Untergaues an i nicht um 8 Uhr,
wie es gestern versehentlich hieß).
Studium des Lustfahrtmesens und Schisf-
baues ohne Reifeprüfung. Der Reichs- und
preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung
und Volksbildung, Rust, hat ausnahmsweise
genehmigt, daß Schüler, die Ostern 1936 nach
Oberprima versetzt sind, unter bestimmten
Voraussetzungen zum Studium als ordentliche
Studierende an den Technischen Hochschulen in
den Fachrichtungen Luftfahrtwesen, Schiffbau,
Schiffsmaschinenbau oder Schiffselektrotechnik
sofort, d. h. ohne Besuch der Oberprima und
also ohne Reifeprüfung, zugelassen werden.
Voraussetzung ist, daß das Zeugnis über die
Versetzung nach Oberprima in den Lehrgebic-
tcn Mathematik und Physik, ferner in Deutsch
oder Geschichte die Note „gut", in dem anderen
der beiden letztgenannten Fächer sowie in
Chemie und Geographie mindestens die Note
„genügend" enthält. Dabei bleiben Einschrän
kungen dieser Prädikate außer Betracht.
* Starkes Angebot an Schiffsjungen. Die
Deutsche Arbeitsfront, Auslandsorganisation,
Sachwaltung Seeschiffahrt, teilt mit: „Der
Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft und
die Wiederbelebung des deutschen Handels
haben auch der deutschen Seeschiffahrt von
neuem gesunden wirtschaftlichen Aufstieg ge
geben, die gesamte deutsche Schiffstonnage wie
der in Fahrt gebracht und die deutschen See
leute von neuem in Arbeit und Brot gesetzt.
Diese erfreuliche Tatsache hat auch bezüglich
der Nachwuchsfrage in der deutschen Seemann
schaft einen so starken Eingang von Gesuchen
um Zulassung als Schiffsjunge ergeben, daß
zur Zeit ein U e b e r a n g e b o t an solchen
Einstellungsgesuchen vorhanden ist, was den
Bedarf an Schiffsjungen bis zum 1. Oktober
d. I. restlos sichergestellt hat. Um eine weitere
Anhäufung solcher Gesuche, die wir z. Z. wegen
Ueberfüllung doch nicht bejahend berücksichti
gen können, zu vermeiden, bitten wir im ur
eigensten Interesse der Einsender selbst, Ge
suche um Zulassung als Schiffsjungen in der
nur eigene Aufnahmen des Einsenders einge
reicht werden, und es genügt eine gute, nicht
aufgezogene Kopie. Die eingesandten Bilder
dürfen nicht den Namen des Herstellers oder
Einsenders tragen. Zur Teilnahme am Wett
bewerb ist jeder Reichsbürger berechtigt. Für
den Wettbewerb werden Barpreise im Gesamt
beträge von 1600 MJl ausgesetzt. Sie werden
nach Entscheidung des Preisgerichts zugeteilt
als 6 erste Preise zu je 100 MJl, 10 zweite
Preise zu je 50 MJl, 20 dritte Preise zu je
25 MJl. Bilder, deren Aufnahme weiter als
bis zum 1. Juli 1935 zurückliegt, sind von der
Zuteilung eines ersten Preises ausgeschlossen
Das Preisgericht setzt sich zusammen aus: Ge
neralinspektor für das deutsche Straßenwesen
Dr. Todt,' Referent Kurzbein, Reichsministeri
um für Volksaufklärung und Propaganda,'
Reichsbahndirektor Rudolphi, Gesellschaft der
Reichsautobahnen. Die Einsendungen werden
in einem Unterausschuß vorgeprüft. Das
Preisgericht entscheidet bis zum 1. August 1936
endgültig unter Ausschluß jedes Rechtsweges.
Die Einsendungen zu dem Wettbewerb sind
bis spätestens 10. Juli 1936 unter einem Kenn
wort an den Generalinspektor für das deutsche
Straßenwesen, Berlin W 8, Pariser Platz 3, zu
richten. Der Name des Einsenders darf in der
Zuschrift nirgends zu ersehen sein. Er ist mit
genauer Anschrist in einem besonderen, ver
schlossenen Umschlag, der außen das Kennwort
tragen muß, beizufügen. Sämtliche einge
sandten Bilder müssen auf der Rückseite tragen
Werben Sie durch Anzeigen in der Landeszeitung
Wetteraussichten für Mittwoch, den 8. April, i«
Nordwestdentschland: Zeitweise frischböige Winde
aus Nord bis West, wechselnd wolkig, noch einzelne
Schauer, verhältnismäßig kühl.