129. Jahrgang
129. Jahrgang.
Renösdurger TagebloL
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Kuomintang in Nanking. Noch einmal wurde
der Gegensatz vorübergehend überbrückt im
Hinblick auf die bevorstehende Auseinander
setzung mit den Generalen des Nordens, nach
einem militärischen Rückschlag gelang es je
doch den Intrigen des linken Flügels, Tschi-
ang zu Fall zu bringen.
Aber nur kurze Zeit zog sich Tschiangkai-
schek zurück, er war nicht der Mann, der nach
einer Niederlage den Kampf aufgibt. Sv holte
er bald zum Gegenschlage aus. Er wußte, daß
ohne vorherige Vernichtung des roten linken
Flügels in Wuhan an eine erfolgreiche Be
kämpfung der Generale Tschangtsolin und
Suntschuanfang nicht zu denken war. Sein
Bündnis mit General Feng, der, obwohl er
eben erst aus Moskau zurückgekehrt war, und
man ihn dort in positivem Sinne zu beein
flussen gehofft hatte, keine Sympathien für
die rote Gruppe in Wuhan hatte, gab ihm die
Möglichkeit, sie zu verjagen. Borodin und
seine Agenten, aber auch die am meisten von
ihnen beeinflußten Chinesen, so der Außen
minister Eugen Tschen und die Witwe Sun-
yatsens, mußten ins Ausland gehen.
Ein neuer Vorstoß wurde mit Feng und
dem Gouverneur der Provinz Schansi, Zjenh-
sischan, nach Norden unternommen und dieses
Mal mit durchschlagendem Erfolg. Tschangt
solin wurde vertrieben und zog sich nach sei
ner Basis, der Mandschurei, zurück. Eine
Bombe blies ihn bei seiner Ankunft in Muk
den in die Luft. Nachdem nun die Hauptstadt
Peking erobert und die Mandschurei unter
Tschaugtsolins Sohn, Tschanghsueliang, sich
der Kuomintangfront anschloß, war das große
Werk vollbracht, China war der einen Gewalt
der Kuomintang und Tschiangkaischeks unter
worfen. An Stelle der alten kaiserlichen Resi
denz Peking wurde nun Nanking zur Haupt
stadt der chinesischen Republik erkoren.
Vorbemerkung der Schriftleitung. Die Vor-
6llnge in Ostasien beanspruchen die erhöhte
Aufmerksamkeit Europas. In dem folgenden
b'Ņ/-Artikel wird eine Uebersicht gegeben,
le ein Verständnis für die Vorgänge erleich-
erNş wird. Der Vormarsch von Südchina stellt
üch immer mehr als ein Versuch heraus, von
«üdchina her dem japanischen Imperialismus
8» begegnen, unter Ablehnung der vorsichtigen
ssnd aus weite Sicht eingestellten Politik der
Kantonregierung unter Tschiankaischek. Die
Auseinandersetzungen zwischen Südchina und
Kantonregierung unter Tschiangkaischek. Die
hinter Südchina das angelsächsische Jnter-
Asententum oder aber russische Einflüsse stehen,
wßt sich z. Zt. noch nicht übersehen. G»
Das Chaos der chinesischen Wirren war
8koß. Hier und da riß irgendeiner der mili
tärischen Machthaber größere Gebiete an sich
Und richtete dort eine wenigstens für einige
viahre feste Herrschaft ein wie Tschangtsolin,
"er Herr der Mandschurei und vorübergehend
Mch Nordchinas, aber im Kampf gegen die
Nebenbuhler wurde das Land doch immer
ivieder verwüstet. Der Bauer — 80 vH. der
chinesischen Bevölkerung leben von der Land
wirtschaft — hatte alles zu tragen, Räuber
banden ehemaliger Soldaten machten ganze
Provinzen unsicher, die Felder konnten nicht
^stellt werden und allenthalben loderten die
Flammen brennender Dörfer und Städte auf.
Die hervorragendsten Gestalten jener enö-
ļosen Bürgerkriege waren die Generale Feng-
Uuhsiang, Tschangtsolin und Suntschuanfang.
Dschangtsolin, ehemals Militärgouverneur
Provinz Fengtien in der Mandschurei,
batte die beiden anderen mandschurischen
Provinzen ebenfalls in Besitz genommen und
Zehnte vorübergehend seine Macht auch südlich
Uber die Große Mauer aus, wo er dann seine
Nesidenz in der alten Hauptstadt Peking
stufschlug. Suntschuanfang hatte sich zum
Herrn der reichen Provinzen am Unterlauf
"es Aangtsekiang mit dem großen Handels
zentrum Schanghai gemacht, während Feng-
Uuhsiang seine Hauptbasis in den nordweft-
"chen Provinzen hatte.
Neben diesen innerpolitischen Faktoren der
Uachrevolutionären Wirren bestand noch ein
uierter, der schließlich die Keimzelle wurde,
stus der heraus die Ueberwindung des Chaos
Geboren werden konnte.
^ie Kuomintang.
Sunyatsen hatte im Jahre 1912 diese Par-
fsi gegründet. Kuo bedeutet Laud oder Na-
Min heißt Volk und Tang ist der chine-
ilsche Ausdruck für Partei, also Kuomintang
àich nationale Volkspartei. Ihr Programm
Östren die Forderungen, die zur Revolution
Uuhrt hatten: Reform des Staates mit dem
Mel einer parlamentarischen Demokratie,
Volksvertretung auf Grund allgemeinen und
Zeichen Wahlrechts, Gleichberechtigung der
Frau, Schaffung einer starken Zentralgewalt,
och gleichzeitig weitgehende Selbstverwaltung
rr Provinzen und Gemeinden, Jndustriali-
brrung, soziale Schutzgesetzgebung,' nach au-
»en: Abschaffung der „ungleichen Verträge",
or europäischen Exterritorialität, also sozusa-
lsey Herstellung der volle» chinesischen Souver-
^ität. Die Partei und ihr Führer Sunyatsen
sieben jedoch in den ersten Jahren des
~ysto§ ohne größeren Einfluß. Gegen die Mi-
Färmachthaber des Nordens fehlte es an
wirksamen Waffen, und so beschränkte sie sich
? ihrer Hauptaktivität auf das alte Kernland
,or revolutionären Bewegung: Kanton mit
ett Provinzen Kwangtung und Kwangsi nsi
? Ule fischen Süden. Erst um das Jahr 1933
tritt die Kuomintang richtig an das
ernden weißen Interventionen einigermaßen
überwunden, als er auch schon seine Energie
nach außen wandte, und Sowjetagenten über
all d a in der Welt auftauchten, wo Mißstim-
mung gegen bestehende Zustände herrschten
oder in irgendeiner Form eine Ausstandsbe-
wegung gegen eine Herrschaft, gleich welcher
Art, im Gange war. An allen revolutionären
Brennpunkten der Erde erschienen die roten
Emissäre. Ihr besonderer Boden waren die
Aufstands- und Unabhängigkeitsbewegungen
kolonialer oder halbkolonialer Völker gegen
die weiße, und hier besonders die englische
Herrschaft. England war es auch, das sie in
China zu treffen hofften.
Die Kuomintang, Sunyatsens Partei, mit
dem Ziel der Abschaffung der ungleichen Ver
träge, sollte zum Instrument Moskaus gegen
die verhaßte englische Vorherrschaft in Asien
werden. Borodin und Blücher (damals un
ter dem Namen Galen) waren die russischen
Berater der Kuomintang, die, unterstützt von
Kommunisten aus aller Herren Länder, sie
ins Fahrwasser Moskaus und zu einer kom-
munistischen Bewegung zu machen suchten.
Der Einfluß, den besonders Borodin auf die
Partei hatte, war ungeheuer. Wenn Sunyat-
stn ihr Gründer und geistiger Vater war, so
wurde nach der Neugründung Borodin ihr
Generalstabschef, der die Aktionspläne ent
warf und die festgefügte Organisation schuf,
die fast ganz mit der russischen kommunisti
schen Partei übereinstimmte.
Ein Mann ist es gewesen, der in dieser Zeit,
nachdem nun auch noch Dr. Sunyatsen starb,
nicht nur die ungeheure Gefahr des bolschewi
stischen Einflusses zu bannen verstand, son
dern auch letzten Endes die Ueberwindung des
Chaos gebracht hat:
Tschiangkaischek.
Während Sun die geistige Grundlage, Bo
rodin die Parteiorganisation schufen, bildete
Tschiangkaischek in Kanton die Offiziere der
Armee der Kuomintang ans, deren Oberbefehl
er dann später selbst übernahm. Ohne Armee,
und zwar ohne eine gute Armee, deren Offi-
zierkorps aus dem Boden der Partei stand und
auf seine Person eingeschworen war, so dachte
er, würde er niemals die innerpolitischen
Gegner überwinden. Im Jahre 1926 glaubte
er so weit zu sein, daß er den Kampf aufneh
men konnte. Die Armee des jungen Generals
— Tschiang wurde im Jahre 1886 geboren
— erfocht nach ihrem Aufbruch aus dem Sü
den einen Sieg nach dem andern und drang
bald bis nach Mittelchina vor. Hier, im
Städtedreieck Hankau, Hanyang, Wuchang,
wurde unter dem Wuhan (für die drei Städte)
ein Regierungssitz eingerichtet und eine pro
visorische Regierung der Kuomintang gegrün
det. Weiter ging der Siegeszug der Armee das
Bangtsetal abwärts nach Nanking und der
Yangtsemünde, darauf wandte sich Tschiang
nach Norden, wo die Armeen Suntschuanfangs
und Tschangtsolins dem Heer der Kuomintang
noch entgegenstanden. Da kam der bereits la
tente Gegensatz zwischen dem linken von den
russischen Beratern beeinflußten Flügel der
Regierung in Wuhan und dem General zum
Ausbruch. Tschiangkaischek erkannte die völlig
unter den Einfluß Borodins geratene Regie--
rung in Wuhan nicht mehr an und gründete
eine Gegenregierung des rechten Flügels der
England zwischen Scylla und EharyÄdis
Eine bezeichnende Unterhausarrssprachs
©* Seit Ausbruch des Krieges mit Abbes-
sinien bewegt sich Englands Außenpolitik in
einem sehr gefährlichen Zickzackkurs, der schon
zu mancher in der Geschichte der englischen
Außenpolitik seltenen auch nach außen hin
deutlich sichtbaren Beunruhigung geführt hat.
Offenbar stehen sich in England die Ansichten
über die weitere Außenpolitik sehr schroff ge
genüber. Das Vorgehen Italiens und der
Erfolg Mussolinis haben aber dazu geführt,
daß England nunmehr Farbe bekennen muß,
ob es unentwegt an der frankophilen Hcge-
moniepalitik festhalten oder aber eine neue
Zielsetzung, namentlich bezüglich der kontinen
talen Politik in Europa, suchen will, um freie
Hand in seiner schwierigen Lage im nahen und
fernen Osten zu erhalten. Die gestern auch
an dieser Stelle veröffentlichte aufsehenerre
gende Rede des englischen Schatzkanzlers
Chamberlain ließ deutlich eine Abkehr von der
bisherigen Linie der englischen Außenpolitik
erkennen. Sie hat z. T. sensationell in der
Welt gewirkt und Erörterungen veranlaßt,
die klar die Schärfe der Gegensätze erkennen,
aber es auch nicht zweifelhaft erscheinen lassen,
daß die gegenwärtige englische Staatsführung
eine Schwenkung einleiten will. Bei der Be
deutung der Angelegenheit geben wir nach
stehend die Erörterung zur Sache etwas aus
führlicher wieder:
DNB. London, 11. Juni. Die gestrige Rede
des Schatzkanzlers Neville Chamberlain (ver
öffentlicht auf der 1, Seite der gestrigen Nr.)
hat außerordentliches Aufsehen erregt. Das
geht u. a. aus einem lebhaften Frage- und
Antwortspiel im Unterhaus hervor, wo heute
der Führer der Opposition, Mayor Attlee, vom
Premierminister Ausschluß darüber verlangte,
ob die gestern vom Schatzkanzler abgegebenen
Erklärungen über den Völkerbund und die
Sanktionen die Politik der Regierung dar
stellten.
Frankreich ist erstannt — Das Für und Wider der englischen Presse
Baldwin antwortete, Chamberlain habe ihm locker und wünschte zu wissen, ob es nil
mitgeteilt, daß seine Bemerkungen lediglich äußerst unbequem für den Außenminister f
persönliche, provisorische Ueberlegungen bezüg- wenn ein verantwortlicher Minister so la
lich der Erfahrungen seien, die er in dem gedacht habe. Baldwin erklärte jedoch, er j
italienisch-abessinischen Konflikt gemacht habe, nicht dieser Ansicht. Chamberlain habe v
(Beifall und Gelächter.) Attlee ließ jedoch nicht einem äußerst exklusiven und politisch erfahr
Die Schweiz sagt: Es gibt uur zwei Fronten:
Dis BslschsWifierNKg f« Westeuropa
(Eig. Bericht unserer Berliner Schriftleitung.)
In der schweizerischen Presse setzen sich die in den russischen Agrargebietcn. We
Erörterungen über Mvttas große Rede fort, blind durch die Geschichte der Gegenwc
die in den Worten gipfelte: „Moskau schwingt der stehe hier auf der anderen Seite de:
die Brandfackel im Westen Europas." kade, der lehne die Sowjets als zerst
Die Züricher Nachr. schreiben: „Blut und Element der Welt grundsätzlich ab.
Schrecken bezeichnen den Weg des Kömmunis- Sehr interessant ist auch ein Artikel
mns in Spanien. Gewalt und Terror bahnen Neuen Basler Zeitung. Dort liest ma
in Frankreich dem Kommunismus den Weg. „Marxismus und Emigrantentum sii
In England revoltieren die kommunistisch be- Verbündete, die den Untergang der alt
arbeiteten Bergleute und Arbeiter, ebenso in systematisch vorbereiten. Beide mißt
Belgien. Ein starker Fels hat sich dem Kom- das Gastrecht der Schweiz, um die V
munismus in Europa entgegengestellt, das das Chaos zu treiben. Sie verkünden
neue Deutschland. In dieser antikommunisti- daß sie, wenn sie einmal die Macht hätt:
scheu Politik soll sich die Schweiz den großen Gnade geben wollen. Die Häufung vor
Nachbar als Vorbild nehmen, wenn sie Ruhe sivstoffen in der freien Schweiz sollte
und Sicherheit innerhalb ihrer eigenen Gren- unmöglich gemacht werden. Schluß :
je» will," macht werden mit der systematischen D
Der Zür. Tagesanz. meint, die politische rung der Nachbarvölker, die von ein
Weltlage verlange bald zwei Fronten, die sich zum anderen wächst. Die Verdrehung I
wie Feuer und Wasser gegenüberstehen wür- suchen und die Aufbauschung der neben
den: Duldung des Kommnnismus oder seine sten Vorgänge in unserem'Nachbarin
entschlossene Bekämpsnng. Die Interessen der von einer Rachcjournalistik betrieben
Schweiz lägen in der Richtung der Bekämpfung menschlichen Belangen nicht das geri,
und der Fernhaltung des zerstörenden Bolsche- tun hat. Das liegt alles in der Linie d
wismus. schcwisierung, die die Schweiz mit
In der Neuen Berner Ztg. wird auf das Entschiedenheit ablehnen mutz. Die „Pr
Schreckensregiment in Sowjetrußland hinge- heit" in der Schweiz ist eine schöne Sc
wiesen, auf die jährlich etwa 106 000 Todes- Mißbrauch für die Moskauer und für d
urteile, die die Sowjetgerichte heute noch fäll- grauten ist aber ein Verbrechen, nicht
ten, ans den Hunger und die grenzenlose Not schwer wie Mord und Diebstahl."
Cļ. UIU UlC SlUUUUUUUiy j-iujAiy un vwx
^ìcht der Weltgeschichte, und zwar in demsek
e . lî Augenblick, in dem der russische Bolsche
^îsmus in China auf dem Plan erscheint.
der Volschewisierung?
,Ķäurn hatte der Bolschewismus in Rußland
te Gefahr des Bürgerkrieges und der dau-