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Dev Tag in Wort und VĢ
Parade vor dem Führer in Wilhelmshaven
DNB. Wilhelmshaven, 11. Juni. Anläß
lich der Anwesenheit des Führers fand heute
eine Parade sämtlicher Marinetruppenteile
der Garnisonen statt. Auf der Fahrt vom
Bahnhof bis zum Kasernenplatz am Mühlen
weg sah sich der Führer von einer Begeiste
rung ohnegleichen umjubelt. Tausende und
Abertausende drängten sich in den reich ge
schmückten Straßen hinter dem Spalier der
nationalsozialistischen Formationen, um den
Führer zu sehen. Bon überwältigendem Ein
druck war die Fahrt durch die Adalbertstraße
am Stationsgebäude vorbei und durch die
Goekerstraße durch das ewig wechselnde Bild
der spalierbildenden Formationen.
Die große Parade war ein auch in der
Kriegsmarinestadt selten erlebtes militärisches
Schauspiel. Die Marinetruppenteile der Jade
städte in weißem Paradezeug, unter ihnen
Abordnungen der Linienschiffe „Schlesien"
und „Schleswig-Holstein", waren in einem
großen Viereck angetreten. Schon von weitem
hörte man auf dem Platz den anbrandenden
Jubel der Menge, der die Ankunft des Füh
rers ankündigte. Kommandos hallten über
den weiten Platz. Die Musik begann den
Präsentiermarsch. Dann nahte der Führer, be
gleitet vom Reichskriegsminister, General-
felömarschall von Blomberg, und dem Ober
befehlshaber der Kriegsmarine, General
admiral Raeder, zur rechten Seite den Kom
mandierenden Admiral der Nordsee, Vize
admiral Schnitze.
Der Führer begrüßte zunächst die am rechten
Flügel der Offiziere stehenden Hoheitsträger
der Partei und ihrer Gliederungen im Gau
Weser-Ems, die mit dem Gauleiter Carl
Roever aus den Städten Bremen, Oldenburg,
Aurich usw. erschienen waren. Dann schritt er
die lange Front der Truppenformationen ab.
Nach dem Abschreiten der Front formierten sich
die Truppen zum Vorbeimarsch. Nach der
Parade begab sich der Führer zu einer kurzen
Besichtigung der Marinewerft. Am Nachmit
tag stattete er dem kleinen Fischerdorf
Horumersiel an der Nordseeküste einen Besuch
ab, wo er im Strandhotel öfter während der
Kampfzeit geweilt hat.
.u
.Emden" und „Karlsruhe
DNB. Wilhelmshaven, 11. Juni. Seit
Montagabend hatten die beiden Auslands-
krenzer „Karlsruhe" und „Emden" auf der
Reede gelegen und konnten nun nach Besichti
gung durch die Inspektion in ihre Heimat
häfen einlaufen. Der Kreuzer „Karlsruhe"
fuhr durch den Nordostseekanal in seinen
Heimathafen Kiel. Wie immer, wenn Aus
landskreuzer zurückkehren, war die Bevölke
rung zu Tausenden am Hasen. Kreuzer
„Emden" wird Sonnabend nach Flensburg-
Mürwik ansfahren, um die Kadetten an die
dortige Marineschule abzugeben, und dann
nach Wilhelmshaven zurückzukehren, wo er
nach seiner langen Reise überholt wird, wäh
rend die Besatzung in Urlaub geht.
Todesschutz beim Königsschietzen.
Tragischer Tod eines Kindes »ach 2 Jahren
geklärt.
Während im Sommer des Jahres 1934 Kin
der der Schule in Benolpe (Rheinland) klas
senweise im Walde Beeren suchten, beging der
Schützenverein Bilstein sein Königsschießen.
Die Entfernung vom Schießstand bis zu der
Stelle, wo die Kinder Waldbeeren suchten, be
trug etwa zweieinhalb Kilometer. Eines der
Mantelgeschosse, die dem Vogel auf der Stange
galten, verfehlte sein Ziel und flog bis zu den
Kindern. Hierbei fand die achtjährige Maria
Loecker den Tod. Bis zur restlosen Aufklärung
der wahren Todesursache war es ein weiter
Weg.
Die kleine Maria hatte gerade eine Tasse
Walderdbeeren in das Sammelgefätz entleert
und sich wieder an ihren Platz begeben, als die
anderen Kinder plötzlich ein kurzes, knack
artiges Geräusch vernahmen und gleich darauf
sahen, wie die Klassenkameradin zu Boden
stürzte. Eine vom Arzt beobachtete leichte
Hautabschürfung am Hinterkopf, die durch den
Sturz des Kindes entstanden sein konnte, so
wie eine Geschwulst über dein linken Auge
waren die einzigen Merkmale, die festgestellt
wurden. Es war und blieb ein Rätsel, wie
das Kind zu der Geschwulst gekommen war.
An eine Schußverletzung dachte niemand. Der
Vater des Kindes aber ruhte nicht, der rätsel
haften Todesursache auf den Grund zu gehen.
Seine Mutmaßung, daß eine verirrte Kugel
aus dem Gewehr eines Schützenbruders seiner
kleinen Tochter die tödliche Verletzung beige
bracht haben könne, verstärkte sich immer mehr,
zumal die Feststellung getroffen werden konn
te, daß die Zeit des Unfalles genau mit der
des Vogelschießens zusammenfiel, und daß
Schuß- und Windrichtung stimmten. Das ein
geholte Gutachten einer Versuchsanstalt Mr
Handfeuerwaffen kam zu dem Ergebnis, daß
vom schietztechnischen Standpunkt aus unbe
dingt die Möglichkeit vorliegen könne, daß das
Kind durch eine verirrte Kugel ums Leben ge
kommen war.
Nach Ausgrabung und Sektion der Leiche
fand sich im Gehirn des Kindes ein Hart-
mantelgeschotz vom Durchmesser der auf dem
Bilsteiner Schützenfest gebrauchten Geschosse.
Tatsächlich war also die kleine Maria L. durch
die Kugel eines Vogelschützen tödlich verletzt
worden. Mit dieser Feststellung endete der
unentwegte Kampf des Vaters des Kindes um
eine Erklärung der wahren Todesursache.
Schon mehrfach hatte sich das Landgericht Sie
gen mit der Angelegenheit zu befassen. Es
handelt sich in dem Verfahren um Schaden
ersatzansprüche des Vaters für die nach sei
ner Auffassung durch Fahrlässigkeit des Bil
steiner Schützenvereins herbeigeführte tödliche
Verletzung seines Kindes. Es kam jetzt zu
einem Vergleich, wonach der Schützenverein
an den Kläger 2000 Mark zahlt. Damit hat der
traurige Fall sein Ende gefunden.
Aeber 188 Todesopfer in Bukarest.
Die Zahl der Todesopfer des Bukarester
Einstnrzunglücks hat sich auf über 100 erhöht;
es erlagen 40 Personen ihren schweren Ver
letzungen. Die Untersuchungsbehörde stellte
fest, daß schwere Verfehlungen seitens der
Bauunternehmer und der Kontrollorgane
den Behörden vorliegen. Die Tribüne soll
nicht überprüft worden sein, zum Teil wohl
aus dem Grunde, weil sie erst am Morgen,
an dem sich das Unglück ereignete, fertiggestellt
worden ist. Es ist anzunehmen, daß die außer
gewöhnliche Schwere des Unglücks darauf zu
rückzuführen ist, daß die Eintrittskarten für
den abendlichen Fackelzug die gleiche Farbe
hatten wie die für das Betreten der Tribüne
am Vormittag. Viele Zuschauer, die nur
Karten für den Abend besaßen, konnten auf
diese Weise am Vormittag die Tribüne betre
ten und trugen zu der Ueberfüllung bei.
Die Katastrophe wird für die Bukarester
Stadtverwaltung schlimme finanzielle Folgen
haben, da die meisten Angehörigen der Opfer
Schadenersatzansprüche geltend machen, und
zwar nach den bisher angemeldeten Ansprü
chen in einer Gesamthöhe von mehreren
hundert Millionen Lei.
Donarrdampfsr: zerbirst am Brückenpfeiler
DNB. Wien, 11. Juni. Der Passagier-
dampfer „Wien" ist heute nachmittag gegen
lVa Uhr auf der Donau mit voller Wucht von
Strömung und Maschine gegen einen Pfeiler
der im Umbau befindlichen Reichsbrücke ge
rannt. Unter furchtbarem Krachen zerbarst
das Schiff in Trümmer und war nach wenigen
Minuten unter der Wasseroberfläche ver
schwunden. Ein Teil der Besatzung sprang
rechtzeitig über Bord und konnte gerettet
werden. Passagiere waren noch nicht an Bord,
da der Dampfer sich auf der Fahrt zum Kohle-
fassen befand. Die Bergungsarbeiten sind im
Gange.
Der Heizer des Dampfers konnte sich
durch einen Sprung auf den Brückenpfeiler
retten. Er schildert den Hergang des Un
glücks wie folgt: Der Dampfer wurde durch
die starke Strömung und die Wucht des großen
Wellenganges infolge des Hochwassers mit
dem Schaufelrad an den Brückenpfeiler ge
drückt. Der Kapitän versuchte, das Schiff doch
noch an den Pfeiler vorbeizulenken. Dabei
stieß das Schiff mit der Breitseite an den Pfei
ler und brach mit einem fürchterlichen Krach
entzwei. Vermißt werden von der 32köpfigen
Besatzung bisher noch acht Personen. Wäh
rend sich die Heizer vermutlich retten konnten,
wird das Küchenpersonal, darunter fünf
Frauen, zur Zeit noch vermißt. Die Köchin
konnte sich durch Schwimmen retten.
Auch der Kapitän, der ebenfalls durch
einen Sprung auf den Brückenpfeiler sein
Leben in Sicherheit brachte, erklärt das Un
glück mit der ungewöhnlichen Stärke der Strö
mung. Von der Schiffswerft Kornenburg
wurde ein Bergungsschiff mit Tauch- und
Hebegeräten herbeigerufen. Die Wiener Feu
erwehr sucht mit großen Leinen das Wasser
neben den Pfeilern nach den acht Vermißten
ab.
Das Schiff als Sarg.
DNB. Wien, 12. Juni. (Eig. Funkm.) Nach
den nunmehr vorliegenden amtlichen Fest
stellungen hat das Schiffsunglück auf der
Donau sieben Opfer gefordert. Diese sieben
Personen werden vermißt, und es gilt als
sicher, daß sie — unter dem Deck des Schiffes
eingeschlossen — sich nicht retten konnten und
ertrunken sind. Nach den Leichen wird gesucht.
Der Schiffsverkehr auf der Donau ist zur Zeit
Der Tribüncn-Einstürz in Bukarest.
Die eingestürzte Tribüne, die, wie erkennbar ist, von dem rechts stehen
gebliebenen Tribünenteil förmlich abgebrochen ist. (Scherl-Bilderdienst, K.)
Pfadfinder tragen Verletzte von der Unglücksstätte. (Weltbild., K.)
eingestellt, da das Wrack der gesunkene
„Wien" die Fahrrinne teilweise sperrt. ~ l
Reichsbrücke selbst ist nicht gefährdet.
Sechs Tske.
200 Meter vor der Reichsbrücke habe, ei*
klärte der Kapitän, vermutlich infolge eirtt^
Kettenrisses das Steuerruder des Schiffes
sagt. Der Bug sei von der Strömung herum
gerissen worden, das Schiff habe sich quer 0 C ‘
stellt und sei breitseitig gegen die Pfeiler ^
Reichsbrücke angetrieben. Unter ungeheurem
Getöse barst die „Wien" mittschiffs auseinan
der. Das Schiff sackte in drei Minuten vE-
Insgesamt waren 29 Personen, durchweg An
gestellte der Donaudampfschiffahrtsgesellschasi'
an Bord. Zum Glück war es dem Kapitän noM
möglich gewesen, die Dampfsirene als şş-
signal betätigen zu lassen, so daß der gröM-
Teil der Besatzung auf Deck eilen konnte. DM
Leute klammerten sich an das Holzgerüst k>m
im Bau befindlichen Brückenpfeiler und konn
ten sich so retten.
Sechs Personen gelang nach den letzten
amtlichen Meldungen die Rettung nicht.
Die vermißten und als tot zu betrachtenden
Personen sind der Schiffsheizer, der Restaura
teur des Schiffes und seine Frau, zwei ÄUi-
rüumefrauen und die Büfettfrau. Bier Tost
dürften sich im Wrack befinden, während z"""
Leichen nach Aussagen von Zeugen wegge-
schwemmt zu sein scheinen. Der Wert des un
tergegangenen Dampfers beträgt zwei Millio
nen Schilling. Der Schaden, den die Dona"-
öampfschifsahrtsgesellschaft erleidet, ist nşş
durch Versicherung gedeckt.
*
EinşiŞWlW in Hannomr.
Zwei Tote, zwei Verletzte.
DNB. Melle, 11. Juni. Bei Abbruchsarbei-
ten an einer baufälligen Scheune stürzte
Donnerstag eine der Außenwände ein und
begrub vier Arbeiter unter sich. Auf ihre Hilst
rufe eilten Nachbarn herbei und befreiten f" e
Verschütteten aus den Trümmern. Leidet
konnte der Maurer Leker nur als Leiche ge
borgen werden. Auch die anderen drei hatten
schwere Verletzungen erlitten, denen der Mau
rer Meyer bald nach der Einlieferung irw
Krankenhaus erlag.
* *
*
Beļrunkenheiļ schuld an AuksnngW.
Drei Tote, eine Schwerverletzte.
DNB. Köln, 12. Juni. In den frühen Mcü-
genstunden des Donnerstags ereignete sich st'"
dem Niederländer Ufer ein Berkehrsunglück,
dem drei Menschenleben zum Opfer fielen. Eist
mit vier Personen besetzter Kraftwagen stiek
mit einem Vorderrad gegen den Rand dc--'
Bürgersteiges und überschlug sich. Die Insasse"
des Wagens, zwei Männer und zwei Mädche",
wurden schwer verletzt und mußten ins Kran
kenhaus gebracht werden. Dort sind der Füh
rer des Wagens, sein Begleiter und eines der
Mädchen bald darauf gestorben. Das zweite
Mädchen liegt mit einem Schttdelbruch und in
neren Verletzungen sehr schwer danieder. 2S 1 *
die Ermittlungen der Polizei ergaben, waren
die beiden männlichen Insassen des Wagen-'
betrunken.
*
„Graf Zeppelin" in Pernambuco.
DNB. Hamburg, 11. Juni. Das LuftscB
„Graf Zeppelin" erreichte, wie die Deutsch"
Seewarte mitteilt, gegen 19 Uhr MEZ. seine'
Zwischenlandeplatz Pernambuco.
Brieftauben im Hagelschauer.
Ein Preisflug für Tauben, der dieser
über die Strecke Wetzlar — Plattling ö'W
(rund 370 Kilometer Luftlinie), stand unte
sehr ungünstigen Witterungsverhältnisse"'
Der Flug wurde für die niederbayerische"
Brieftaubenzüchter zu einer Katastrophe. D'"
Tauben waren früh gegen 8 Uhr bei etwa-'
trübem Wetter in Wetzlar aufgelassen morde'
und gerieten unterwegs in verheerende Halst^
schauer, durch die sie teils von der Fkķ
richtung abgetrieben, teils vernichtet wurde"'
Soweit bis jetzt festgestellt werden konnte, st""
rund 78 vH. aller Tauben auf der Strecke 0 C *
blieben.
* * *
Besuch der Grüsiu Ciano in Bresden.
DNB. Dresden, 12. Juni. Anläßlich tPļ
Anwesenheit in Deutschland stattete Ciano "
Donnerstag der Landeshauptstadt Dresden e
nett privaten Besuch ab. In Begleitung
Gräfin Ciano, die gegen Mittag in Dreş
eintraf, befand sich u. a. Botschaftsrat ©W
Magistrati. Nach Besichtigung einiger Ku">„
sammlungen und der Gemäldegalerie erfolg
in den Nachmittagsstnnöen eine Fahrt in
Umgebung von Dresden. Es wurden u. a- o
alte schöne Park des Schlaffes Groß-Sedlitz,?^
Bastei und Schloß Pillnitz besucht. Gral ^
Ciano gab ihrer Freude über die schöne
Dresden und ihre Umgebung Ausdruck. ~
Rücksabrt nach Berlin erfolgte gegen 21 1Ģ'