Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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129. Jahrgang. 
129. Jahrgang. 
ÄchlLSwļg-HolstànlîhL 
RŞêŞdurger DmebloiL 
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Gedanken zur Zeitgeschichte 
thema, auf das in diesem Rahmen nicht näher 
eingegangen werden soll, ist die Stellung der 
Neutralen in einem künftigen Krieg, wie sie 
sich insbesondere aus der neuen nordamerika- 
nischen Neutralitätsgesetzgebung ergibt. 
Besonderes Interesse finden die Nachrichten, 
die von einer Teilnahme Kanadas an der 
Konferenz sprechen. Es wäre möglich, daß 
Kanada sich in Buenos Aires durch einen Be 
obachter vertreten ließe, aber es ist nicht wahr 
scheinlich, daß es aus seiner bisher geübten 
Zurückhaltung heraustreten wird, bevor die 
Mitglieder der Panamcrican-Union unter sich 
nicht zu greifbaren Ergebnissen gekommen 
sind. Neue Nahrung erhalten diese Vermutun 
gen durch den bevorstehenden Besuch des 
Präsidenten Roosevelt in Kanada. Es ist das 
erste Mal, daß ein amerikanischer Präsident 
dem britischen Generalgouverneur und dem 
kanadischen Ministerpräsidenten einen Besuch 
abstattet. Er ist Ausdruck des freundschaftlichen 
Verhältnisses, das zwischen zwei Staaten mit 
der längsten und unbefestigten Landgrenze der 
Erde besteht, und dient zugleich der Beratung 
wirtschaftlicher Fragen, vor allem dem Ausbau 
des Lorenzstroms. 
In Genf verfolgt man die Bemühungen 
Roosevelts mit Argwohn. Man fürchtet, daß 
dem Austritt Paraguays weitere Austritte 
folgen könnten, und schon eine weniger aktive 
Beteiligung an den Genfer Arbeiten hätte zur 
Folge, daß es immer deutlicher würde, wie 
sehr der Völkerbund zur Verteidigung fran 
zösischer und englischer Machtansprüche und 
dem Bolschewismus als Plattform dient. Die 
weltweite Bedeutung der Genfer Institution 
würde durch Errichtung eines Panamerika 
endgültig dahin sein, andererseits würde schon 
lediglich eine Vervollkommnung des panameri 
kanischen Nichtangriffspaktes das weltpoliti 
sche Gewicht der Vereinigten Staaten gewaltig 
verstärken. I. B. 
Vorbemerkung der Schriftleitung: Die „Landeszei 
tung" veröffentlichte vor einigen Tagen einen 
Auszug aus der aufsehenerregenden Rede des 
amerikanischen Senators Borah, in der dieser 
den Austritt aller amerikanischen Staaten aus 
dem Genfer Völkerbünde, die Gründung eines 
amerikanischen Völkerbundes und die Erhebung 
Amerikas zum führenden Erdteil der Welt 
forderte. Wenn die Frage „Panamerika" auch 
nicht den Zündstoff mitìelmeerischer oder ost 
asiatischer Konflikte birgt, so soll die folgende 
Darstellung der geschichtlichen Entwicklung und 
des Für und Wider der „Panamerican-Union" 
doch die Bedeutung des Problems für das po 
litische Gleichgewicht der Erde herausstellen. 
In der Haltung Amerikas zur übrigen 
Welt, vor allem der der Vereinigten Staaten, 
die man in vergangenen Jahrhunderten als 
den einzigen aktiven Willensträger des Erd 
teils betrachten muß, ringen von jeher zwei 
Tendenzen um ihre Durchsetzung: die konti 
nental-insulare Genügsamkeit als Grundhal 
tung des Großteils der amerikanischen Poli 
tiker und die weltpolitisch-imperialistische Be 
gehrlichkeit, die immer wieder als Versucher 
an die Selbstbescheidung herantritt. George 
Washington hatte in seinem politischen Testa 
ment die Regel gegenüber fremden Nationen 
aufgestellt „unter Ausdehnung unserer Han 
delsbeziehungen mit ihnen so wenig politische 
Beziehungen wie nur möglich zu haben". 
Präsident Monroe präzisierte diese Isolierung 
1823 in seiner berühmten Doktrin „Amerika 
für die Amerikaner" dahin, daß eine europäi 
sche Intervention in Amerika als Kriegsfall 
angesehen werde. Mit dem Erwerb Kubas und 
der Philippinen, der Einverleibung Hawais, 
dem Bau des Panamakanals, dem Eintritt in 
den Weltkrieg und der Uebernahme Samoas 
gaben die Vereinigten Staaten die Linie der 
politischen Autarkie auf, aber doch nur vor 
übergehend, und je bedrohlicher die Entwick 
lungen in anderen Erdteilen sich zuspitzen, 
desto stärker werden immer wieder die Kräfte, 
die die durch die isolierte Lage gegebenen Vor 
züge der inneren Einheit und der äußeren 
Unverwundbarkeit in einem panamerikani 
schen Vertragswerk zu verankern wünschen. 
Die erste panamerikanische Konferenz tagte 
1889 in Washington,' sie führte aber zu keinem 
nennenswerten Ergebnis. Auch die folgenden 
Konferenzen standen stark im Zeichen der Ge 
gensätze zwischen dem lateinisch-katholischen 
Süden und der anglo-protestantischen Nord 
hälfte des Kontinents. Lateinamerika verdäch 
tigte die Aankees, daß sie nur ihre Macht 
gelüste und eine leichtere wirtschaftliche Durch 
dringung im Sinne hatten. Und das nicht zu 
Unrecht, denn zu Zeiten des den Imperialis 
mus geistig vorbereitenden Theodor Roose 
velt griff eine neue Auslegung der Monroe- 
Doktrin Platz: aus dem Grundsatz der Nicht 
intervention der europäischen Mächte in ganz 
Amerika wurde der Grundsatz der Interven 
tion der Vereinigten Staaten in allen Repu 
bliken des Südens, die in ihren unaufhör 
lichen Bürgerkriegen sich selbst keine Ordnung 
schaffen können, abgeleitet. In Mittelamerika 
kommt es zu militärischen Eingriffen (Pana 
ma, Nikaraguas,' auch in Südamerika haben 
es die Vereinigten Staaten versucht, sich den 
Hafen von Arica zu sichern, über dessen Besitz 
zwischen Bolivien, Chile und Peru ein Streit 
ausgebrochen war. Der nordamerikanische 
Präsident wurde als Schiedsrichter angerufen, 
seinen Plänen kamen aber Chile und Peru 
1928 durch eine Verständigung zuvor. Damit 
gaben die Vereinigten Staaten die Versuche 
einer machtpolitischen Einwirkung auf und be 
schränkten sich in Zukunft auf die wirtschaft 
liche Durchdringung Jberoamerikas. 
Südamerika verdankt seine wirtschaftliche 
Erschließung in hohem Grade englischem Ka 
pital. Erst als im Kriege die Engländer au 
ßerstande waren, zu liefern, und als nach dem 
Kriege den Amerikanern die reichen Kriegs 
gewinne zur Verfügung standen, gelang es 
den Amerikanern, in hartem Kampfe wenig 
stens an der pazifischen Küste vorzudringen. 
Än der Kupferinöustrie Chiles legte der be- 
Streiflichter aus der 
Weltpolitik 
(Siehe 2. Seite dieser Nummer.) 
Italien und die Chamberlain-Rede ' 
England und Deutschland: 
Eine bemerkenswerte Times-Stimme ■ 
Die neue Sowjetverfassung - Worte 
und Taten in Oesterreich 
Ein bemerkenswerter Vortrag in der Bereinigung Niederdeutsches Hamburg 
weiten, unendlich weiten Fluren Nieder 
deutschlands, müssen Menschen mit einer an 
deren Erlebnisfähigkeit wachsen, als in der 
heiteren, sonnigen, gegenständlichen Atmosphä 
re südlicherer Zonen. Das flache Land, der 
in unendlicher Ferne im blaugrauen Nebel 
dunst verschwimmende Horizont, zwingen den 
Menschen Niederdeutschlands gerade zum 
ewigen Sinnen und Grübeln, zur Unterhal 
tung mit sich selbst. 
Goethes suchender Faust, Shakespeares um 
Zur Reichstagung der MS.-Kulturgemeinde 
Bilanz der Knlturgemeinde 
Die nächste Woche wird kulturell im Zeichen neue Gestaltungswege hinzuweisen und hinzu- 
der Reichstagung der NS.-Kulturgemeinde lenken. 
stehen. Die Nationalsozialistische Kulturge- Es ist nicht schwer, die Ergebnisse uns fremd 
meinde ist heute ein fester Begriff geworden, gewordener Zeitströmungen zu erkennen und 
Sticht nur durch ihren gewaltigen organisatori- ihrer Wirkung ein Ende zu setzen, schwer aber 
scheu Umfang, nicht nur durch die umfassenden ist es, nun neuen Kräften Wege des neuen 
Vorkehrungen, die sie getroffen hat, um Kunst Schaffens zu eröffnen, 
und Bühne neue Grundlagen wirtschaftlicher ■ .' ... 
Nàr zu geben. Eine viel längere Entwrcklungsprobe gibt 
Man kann heute schon sagen, daß die NS.- zu überwinden, eine Aufgabe auf 
Kulturgemeinde die große Gefahr, rein im * an0t ; Şrcht zu losen. Und doch: Eie muß er- 
Technischen stecken zu bleiben, überwunden ķannt und angepackt werden. Mit Wünschen 
hat. Gerade der Plan der Münchener Tagung, U11 ^ Hoffimngen ist da gar nichts erreicht: es 
wie er vor uns liegt, gibt uns schon in seiner AE eine Heimstätte zu gestalten fur deutscher, 
Anlage ein Bild von der Tatsache, daß es hier Künstlertum, deutsches Kulturschaffen, 
wirklich unternommen wird, Kulturpolitik zu Die Reichstagung der NS.-Kulturgemeinde 
treiben, das heißt: die schöpferische Kraft auf ist eine Bilanz der Arbeit für dieses Ziel.
	        
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