Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

letzte Dinge ringender Hamlet, Schillers Mar 
quis Posa und sein Don Carlos, Ibsens grü 
belnder Peer Gynt, Strindbergs, Kleists, 
Hebbels, Grabbes, Moritz Jahns, Hamsuns, 
Bluncks, Streuvels, Bestes, Grieses, Wie- 
cherts, Mahls, Hinrichs Zeichnungen — mit 
tönen sind nur einige Namen genannt — sind 
Gestalten, die den niederdeutschen Menschen 
zutiefst erregen können. 
Ms ewige Versuchung stellt der nordische 
Schiüsalsglaube den Menschen unserer Land 
schaft zwischen Teufel und Gott, zwischen die 
Zucht, die Ordnung und das Chaos. So tritt 
uns der nordische Mensch in den alten Mythen 
der Edda entgegen. So gestalten ihn Bach und 
Beethoven in den gewaltigen Tonsymphonien, 
îo zeichnet ihn uiļs Dürer in seinem Gemälde 
„Ritter, Tod und Teufel". Der Niederdeutsche 
ist nie frei von einer geheimen, prüfenden 
Skepsis. Einer seiner Haupteigenschaften 
dürfte sein, daß er seine Fragestellungen 
kühler auswirft und nüchterner, sachlicher zu 
beantworten sucht, als es vielleicht anderwärts 
der Fall ist. 
Die Feststellung der eigenen Art und Hal 
tung können keine Wertung anderer Land 
schaften in sich schließen. Dem Niederdeutschen 
litzgt eine überhebliche Wertung des Südens 
schon darum nicht, weil in ihm die Sehnsucht 
in freiere, sonnigere, hellere Bereiche — siehe 
auch die ganzen Südzüge nordischer Menschen 
— viel zu mächtig ist. 
Deutschland liegt als eine Ordnungsinsel im 
Chaos der Welt. Der Deutsche unserer Zeit 
hat sich der sich hieraus ergebenden Gefahren 
lage bewußt zu werden. Eine niederdeutsche 
Bewegung hat schlechthin deutsche Aufgaben zu 
erfüllen. Wir empfinden es als unseren 
deutschen Auftrag, in der Sprache und Ge 
bärde unserer Landschaft, die im niederdeut 
schen Raum ruhenden Kräfte anzusprechen, sie 
zu binden, einen Ordnungs- und Führungs 
kern wachsen zu lassen und die freigelegten 
Energien als unseren niederdeutschen Beitrag 
zum Reich in den Gesamtstrom einströmen zu 
lassen. Niederdeutschland liegt auf der Brücke 
zwischen Nord und Süd. Man kann an 
nehmen, daß sich diese Arbeit auch zwangs 
läufig in einer zunehmenden kulturellen Ver 
ständigung der nordischen Völker unterein 
ander auszuwirken vermag. 
Ein besonderer Auftrag ist Niederdeutsch 
land auch noch durch seine Lage als deutsches 
Tor zur Welt überantwortet. 
Die Vereinigung „Niederdeutsches Ham 
burg" umfaßt neben kulturtragenden Stellen 
der Partei und des Staates bereits fast sämt 
liche vor der Partei liegenden Vereine und 
Verbünde. Aufgabe der Vereinigung Nieder 
deutsches Hamburg muß sein, als steter Mah 
ner und Mittler einer niederdeutschen Ent 
wicklung das kulturelle Gesicht unserer Stadt 
und unseres Raumes verstärkt herauszuarbei 
ten. Das Leben der zahlreichen Vereine und 
Verbände gilt es in diesem Sinne zu aktivie 
ren. Die hier maßgeblichen Männer sollen den 
Mitgliedern ihre Heimat lebendig werden 
lassen, ihren Blick über ihren engeren Heimat 
bereich hinaus in das weite Kampfseld der 
Welt heben, sie an den Werken unserer großen 
Meister den Höhenflug lehren, an Hand der 
Geschichte auf ihre Verpflichtung gegenüber 
‘V'n niederdeutschen Aufgaben hinweisen, si» 
hineinstellen in die gesamtdeutsche Aufgabe, 
mit anderen Worten also vorbereiten auf das, 
was wir die totale geistige Mobilmachung un 
seres Volkes heißen. 
Bei aller Anerkennung einer notwendigen 
volkskundlichen und volkstümlichen Forschung 
und Brauchtumspflege wird eine starke nieder 
deutsche Bewegung nicht rückwärts, sondern 
stets nur vorwärts schauen dürfen. 
Das Niederdeutsche ist unsere Kraft schlecht 
hin, pflanzen wir unsere Fahnen auf Höhen, 
die weithin sichtbar sind. 
Ein zwangloses Beisammensein führender 
Männer aus dem niederdeutschen Kultur 
leben im Reichshof bot Gelegenheit zu einer 
eingehenden Aussprache über die brennenden 
Fragen der Gegenwart und der nahen Zu 
kunft. 
LuMerre über SslsàîMd 
und den oslfnesischen Inseln. 
DNB. Berlin, 12. Juni. Das Reichsluft 
fahrtministerium teilt mit: 
Der Luftraum über dem Gebiet von Norder 
ney (mit Ausnahme der Insel Norderney) — 
Wangerooge — Rote Sand — Wesermünde — 
Elsfleth — Oldenburg — Leer — Aurich — 
wird in der Zeit vom 16. Juni 1936, 18 Uhr, 
bis 18. Juni 1936, 2,90 Uhr, für alle Luftfahr 
zeuge gesperrt. 
Den Flugzeugen des planmäßigen Luftver 
kehrs ist das Durchfliegen des Luftsperrgebie 
tes in einer Höhe unter 600 Meter gestattet. 
Zuwiderhandlungen werden nach dem Luft 
verkehrsgesetz bestraft, sofern nicht nach ande 
ren Strafgesetzen,eine höhere Strafe verwirkt 
ist. Ausnahmen von dieser Verordnung kann 
das Luftamt Hannover zulassen. 
* # * 
Die englische Himalaja-Expedition plant, 
wie aus Kalkutta gemeldet wird, trotz des an 
Stärke ständig zunehmenden Monsums noch 
einen letzten Versuch zur Besteigung des 
Mount Everest. Die Expedition hat ohne Mor 
ris und Humphries in der Nähe des Ronbuk- 
Gletschers angesichts des Gipfels Lager bezo 
gen. Für die Besteigung soll ein neuer, bisher 
noch nicht versuchter Weg eingeschlagen wer 
den. 
Streiflichter aus der 
Eine Wendung àter der Ueberschrift „Hofs- 
Englands an nung auf ein neues Locarno" 
Deutschland. veröffentlichen „Times" den 
Bericht ihres Berliner Kor 
respondenten über das Vorwort, das Botschaf 
ter von Ribbentrop für die Sammlung diplo 
matischer Dokumente von den Vorverhand 
lungen zum Locarno-Vertrag bis zu dem 
kürzlich von der britischen Regierung an die 
deutsche Regierung übersandten Fragebogen 
geschrieben hat. In dem Bericht der briti 
schen Zeitung wird unter anderem von Rib- 
bentrops Meinung vermerkt, daß nach den 
vielen Verletzungen an Sinn und Wortlaut 
des Locarno-Vertrages durch die nichtdeutschen 
Partner die Rheinlandsbesetzung genau so 
selbstverständlich sei, wie die Nacht dem Tage 
folge. Es heißt in dem Artikel weiter, daß 
sich Deutschland über die Wiedererlangung der 
Souveränität in bezug auf den Rhein in kei 
ne Unterhaltungen einlassen werde. Die Tat 
sache der wiedererlangten Souveränität habe 
die Vorbedingungen für einen Geist und eine 
Atmosphäre der Versöhnung zu schaffen, 
welche allein möglich sei unter gleichberechtig 
ten Staaten. Es sei Deutschlands ernsthafte 
ster Wunsch, mit den Nachbarländern einen 
ehrenhaften und dauerhaften Frieden zu 
schließen und ein neues Locarno im Westen 
auszubauen. 
* 
Zwei Urteile zur Die Turiner „Stampa" be- 
Chamberlain-Rede zeichnet die Erklärungen 
aus Italien. des britischen Schatzkanz 
lers Chamberlain als das 
logischste und bündigste Dokument, das man 
von englischer Seite seit dem Beginn der „abes- 
sinischen Angelegenheit" besitze. Es müsse vor 
allem unterstrichen werden, so betont das Blatt, 
daß ein sehr maßgebendes Mitglied des briti 
schen Kabinetts rückhaltlos den Fehlschlug des 
Sanktionsexpcrimentes zugegeben habe. Ita 
lien verfolge die Entwicklung, die eine entschei 
dende Wendung mit sich bringen könnte, mit 
größter Aufmerksamkeit. Die Abschaffung der 
Sühnemaßnahmen sei ein Akt, der der Ent 
wicklung einer neuen europäischen Lage voran 
gehen müsse. Frankreich trage die Verantwor 
tung für eine Politik, die nicht nur mit dem 
Geiste und dem Buchstaben genau festgelegter 
Abmachungen in Widerspruch stehe, sondern 
unsinnig und gefährlich werden würde. 
Vom halbamtlichen „Giornale d'Jtalia" wird 
die Rede des Schatzkanzlers Neville einer ein 
gehenden und im wesentlichen zustimmenden 
Prüfung unterzogen. Das Blatt verweist dabei 
besonders auf die natürlichen Berührungs 
punkte, die zwischen England und Italien in- 
bezug auf die „neuralgischen Punkte" am 
Rhein, in Mitteleuropa und im Mittelmecr be 
ständen, und betont, daß Italien während sei 
nes harten Abwchrkampfes gegen den Sank 
tionskrieg immer alle Türen für eine euro 
päische Zusammenarbeit großen Stiles offen 
gelassen habe und zu einer solchen Zusammen 
arbeit auch bereit sei. 
Worte und Taten 
in Oesterreich. 
In seiner bedeutsamen 
Rede beim Appell der 
Vaterländischen Front in 
Wien ist der österreichische Bundeskanzler u. a. 
auch auf das Verhältnis Oesterreichs zum 
Dciltschen Reich zu sprechen gekommen und hat 
dabei ein erfreuliches Bekenntnis Oesterreichs 
zum deutschen Kulturkreis ausgesprochen. 
„Wir haben keinen Anlatz," so sagte er, „eine 
Mauer aufzurichten." Die Genugtuung über 
dieses Bekenntnis zum deutschen Kulturkreis 
scheint aber leider verfrüht zu sein, denn be 
reits einen Tag nach der Rede des Bundes 
kanzlers hat sein eigenes Amt, nämlich das 
Bundeskanzler-Amt, u. a. ein Buch verboten, 
das seit 14 Jahren unangefochten in Oesterreich 
gelesen und verbreitet werden konnte und ge 
rade eines von denen ist, in dem die Einheit 
des deutschen Kulturkreises zum Ausdruck 
kommt. Es sind „Die13Büchcrderdeut- 
s ch e n Seele" von Wilhelm Schäfer. Das 
Werk ist zum ersten Mal erschienen im Jahre 
1922 und hat seither Auflage um Auflage er 
lebt. Es ist in seinem Inhalt durchaus unver 
ändert geblieben und selbst das Wort Natio 
nalsozialismus kommt auf seinen 408 Seiten 
nicht ein einziges Mal vor. Staatspolitische 
oder sicherheitspolitische Gründe können dem 
nach für ein solches Verbot nicht maßgebend 
gewesen sein. So bleibt nur übrig anzunehmen, 
daß wir jetzt auch in diesem Falle mit jenen 
Mauerleutcn zu tun haben, die unablässig be 
müht sind, zwischen dem deutschen Volk im 
Reich und in Oesterreich jene trennende Mauer 
aufzurichten, die der österreichische Bundes 
kanzler einen Tag vor diesem Verbot abge 
lehnt hat, weil er für die Oesterreicher ein Be 
kenntnis zum deutschen Kulturkreis ausge 
sprochen hat. 
ck 
Der Bolschewismus J-r Moskau läuft zur 
als Kriegshetzer. eut 3ülm, der 
man höre und staune 
— den Titel trägt „Das Vaterland ruft". — 
Bekanntlich lehnt die Doktrin des Kommu 
nismus den Begriff „Vaterland" grundsätzlich 
ab, ebenso wie Volk und Nation, an die auch 
nur zu denken dem internationalen Proleta 
rier strengstens verboten ist. Man fragt sich 
daher verwundert nach Gründen und Hinter 
gründen jenes merkwürdigen Filmtitels und 
gerät dabei an einen Artikel des „Journal de 
Moscau", eines von der Komintern speziell 
für die Auslandspropaganda hergestellten 
Blattes. In diesem Artikel wird der „sowjet- 
patriotische" Film eingehend besprochen. Es 
stellt sich heraus, daß es sich um einen Kriegs 
film handelt, um die Darstellung eines Zu 
kunftskrieges zwischen der Sowjetunion und 
einer fremden Macht, die zwar nicht direkt 
beim Namen genannt, aber bildlich doch so 
deutlich gekennzeichnet wird, daß selbst der 
einfältigste Klassenkämpfer ohne weiteres in 
den — selbstverständlich als Angreifer darge 
stellten — fremden Truppen solche des neuen 
Deutschlands erkennt. Der Besprechungsarti 
kel des „Journal de Moscau" läßt daran kei 
nen Zweifel. Wir zitieren aus ihm wörtlich 
folgende Sätze: „Und dann beginnt der 
Herzklopfen erregende Teil des Filmes, der 
ein wahrheitsgetreues Bild des Luftkrieges, 
bietet. Einer nach dem anderen der Apparate 
der Sowjet-Bombengeschwader stürzt ab. Am 
Horizont ist der Gegner zu sehen, man kann 
ihn von weitem erkennen an dem unheilvollen 
schwarzen Hakenkreuz, das er an den Flügeln 
trägt." Das Blatt vergißt nicht hinzuzufügen, 
daß das Moskauer Kinopublikum den Sinn 
der Verwendung des deutschen Hoheitszeichens 
in jenem Film wohl begriffen und verständ 
nisinnig beklatscht habe. 
Die neue SsWMtVerfKssmrg 
Amtlich wird der Entwurf der neuen Sow 
jetverfassung bekanntgegeben, der nach einem 
Vortrag Stalins von dem Zentralvollzugs 
ausschuß angenommen wurde. Der Verfas 
sungsentwurf ist, wie es in der amtlichen 
Miteilung heißt, den Werktätigen zur Begut 
achtung vorgelegt worden und soll nunmehr 
vom Rätekongreß beraten werden, der zu die 
sem Zweck auf den 26. November d. Is. ein 
berufen wurde. 
Der Verfassungsentwurf besteht aus 12 Ka 
piteln und 146 Paragraphen. Der erste Teil 
behandelt den Staatshaushalt und die Grund 
lagen des staatlichen Lebens. Im Kapitel 
„Die höchsten Organe der Staatsgewalt" wird 
vorgesehen, daß an Stelle der bisherigen Kör 
perschaften, die die höchste gesetzgebende und 
vollziehende Gewalt ausübten, und zwar des 
Rätekongresses und des Zentralvollzugsaus- 
schusses, der Oberste Rat der Sowjetunion 
tritt, der nach der neuen Verfassung die ein 
zige gesetzgebende Gewalt des Landes bilde, 
während sein Präsidium zugleich die höchste 
ausführende Gewalt besitzen soll. Der Oberste 
Rat wird auf die Dauer von vier Jahren ge 
wühlt und zwar, wie es der Entwurf be 
stimmt, auf der „Grundlage des allgemeinen» 
direkten und geheimen Wahlrechts". Jeder 
Bürger der Sowjetunion vom 18. Jahre ab 
soll das aktive und passive Wahlrecht besitzen. 
Diese demokratische Maske, mit der sich die 
Bolschewistische Partei bekleidet, um im Sinne 
einer Verstärkung der Volksfrontidee im Ans 
lande propagandistisch zu werben, wird aber 
wieder in dem Artikel gelüftet, in dem es 
heißt, daß das Recht der Aufstellung von 
Kandidaten außer der Kommunistischen Partei 
nur noch die Gewerkschaften, die Jugendver 
bände, Genossenschaften und kulturellen, d. h. 
ebenfalls kommunistischen Organisationen be 
sitzen. Das Gleiche ist hinsichtlich der angeb 
lichen „Duldung jeder Religion" zu sagen. 
Dieser Satz erscheint besonders heuchlerisch, zu 
mal in dem gleichen Artikel auch die Freiheit 
der antireligiösen Propaganda ausdrücklich 
festgestellt wird. 
Tie roļe Wh in Frankreich. 
Der Verband der französischen Industriellen 
beziffert die Neubclastung der Industrie durch 
die Arbeitergesetze auf mindestens eine halbe 
Milliarde Fr. pro Jahr. Infolge der Aus 
stände und der Fabrikbesetzungen der letzten 
Woche seien für mehr als 200 Millionen Fr. 
Auslandsaufträge zurückgezogen worden. 
In Paris hat am Donnerstag das „Komi 
tee für den Zusammenschluß der Volksmassen" 
getagt. In der Tagung gelangte der kommu 
nistische Antrag einstimmig zur Annahme, am 
14. Juli, dem Erinnerungstag des Bastillen 
sturms, in ganz Frankreich Riesendcmonstra- 
tionen zu veranstalten, um den Sieg der Ge 
werkschaften und der Arbeiterklasse zu feiern. 
Eine 24stündige Arbeitsruhe wird in ganz 
Frankreich ausgerufen werden. 
Rote Sowjetsahnen sieht man seit Mittwoch 
auf den elsässischen Gewerkschastshäusern. Sie 
wurden am Mittag entfernt, prangten aber 
schon am anderen Morgen wieder. Die Vor 
fälle in Kolmar, wo im Hause eines Emi 
granten große Mengen Munition gefunden 
wurden, werden in der elsässischen Presse leb 
haft besprochen. 
Aus der Provinz wird u. a. gemeldet, daß 
Rouen am Sonnabenömittag wegen des 
Streiks der Elektrizitätsarbeiter ohne Strom 
sein wird. In Lyon hatten streikende Arbeiter 
ein Vezirksrathaus besetzt. Daraufhin wurde 
sofort eine starke Abteilung republikanischer 
Garde entsandt, die die Streikenden zwang, 
das Rathaus wieder zu räumen. 
* 
Ķ-SîuàK-Noche von öex frsnZiMchen 
Kammer geuchmW. 
DNB. Paris, 12. Juni. Die Kammer hat mit 
385 gegen 175 Stimmen den Gesetzentwurf 
über die Einführung der 40-Stunden-Woche in 
seiner Gesamtheit angenommen und sich darauf 
vertagt. Der Entwurf ist am Freitagnachmit 
tag sofort an den Senat gegangen. 
Die Regierungssorm m Ssulsch- 
Südweslafrika ein FchWag. 
Ein Ausschuß der S ü d a s r i k a n i s ch e n 
Union, die Mandatsmacht von Deutschsüö- 
westafrika ist, ist auf einer gesetzgebenden Ver 
sammlung in Windhuk einmütig zu dem 
Ergebnis gekommen, daß die gegenwärtige Re 
gierungsform sich als ein Fehlschlag erwiesen 
hatte. Der Vorsitzende von Zyl äußerte seine 
Bedenken für die Ungewißheit des Landes, zu 
mal die Bestrebungen des deutschen Teils der 
Bevölkerung darauf hinausgingen, daß Süd 
westafrika in naher Zukunft an Deutschland 
zurückgegeben werden soll. Eine Einverleibung 
als fünfte Provinz unter diesen Umständen 
wäre nicht angebracht. 
Tschiang Kaischeks Vernunft siegte: 
halt in Südchina. 
Die Armeen der chinesischen Südwest-Pro- 
vinzen haben nach übereinstimmenden Mel 
dungen den Vormarsch nach Norden einge 
stellt. Der Ausbruch des Bürgerkrieges mit 
seinen unabsehbaren Folgen ist damit ver 
mieden. 
Der Oberkommandierende der 1. Kwantung- 
armee, General Uuhan-Mau, gibt offiziell be 
kannt, daß seine Truppen bei Tschentschau 
Stellungen bezogen haben, um neue Befehle 
abzuwarten. Von anderen Truppenabteilun 
gen der gestern noch fest zum Kriege gegen Ja 
pan entschlossenen Kantonregierung liegen 
ähnliche amtliche Meldungen zwar nicht vor, 
jedoch scheint der feste Entschluß des Marschalls 
Tschiang Kaischek, den wegen der unzureichen 
den Kräfte völlig sinnlosen Krieg gegen die 
Japaner nötigenfalls mit allen Streitkräften 
der Nationalregierung zu verhindern, die 
Kwantungführer endlich zur Vernunft ge 
bracht zu haben. 
$lm%t Post 
Rerchsmrnister Dr. Goebbels hat der Olym- 
pia-Ftlm-GmbH. unter Leitung von Lcni 
Riefenstahl die gesamten Verfilmungsrechte 
der Olympischen Spiele des Sommers über 
tragen. 
Reichsbankpräsident Dr. Schacht wurde vorn 
Prinzregenten Paul in Audienz empfangen. 
Neuerungen im höheren Luftflottenkommando. 
Der Führer hat infolge des Todes von 
Generalleutnant Wever eine Neuordnung der 
Stellenbesetzung im Reichsluftfahrtministeri 
um befohlen. Generalleutnant Kesselring, bis 
her Chef des Luftwaffenverwaltungsamtes, 
wurde zum Chef des Luftkommandos ernannt. 
An seiner Stelle wurde Oberst Volkmann, bis 
her Höherer Fliegerkommandeur im Luft- 
kreis 111, mit der Wahrnehmung der Geschäfte 
des Chefs des Luftwaffenverwaltungsamtes 
beauftragt. Generalmajor Wimmer, bisher 
Chef des Technischen Amtes im RLM., wurde 
zmn Höheren Fliegerkommandeur im Luft 
kreis lll und an seiner Stelle Oberst Udet 
zum Chef des Technischen Amtes ernannt. 
Neville Chamberlain als Lebensretter. 
DD. London, 12. Juni. Der englische Schatz 
kanzler Neville Chamberlain rettete im St. 
James-Park einem etwa vier Jahre alten 
Knaben das Leben. Der Knabe war in den 
großen Teich gefallen, der diesen Park ziert. 
Der St. James-Park ist dadurch berühmt, daß 
in ihm morgens und mittags Regierungsmit 
glieder und Diplomaten Londons Erhvlungs- 
spaziergünge machen. Chamberlain sprang in 
voller Kleidung dem von der Gefahr des Er 
trinkens bedrohten Kinde nach und brachte es 
an Land. 
Mit dem Kraftwagen in die Rhone. 
In der Nähe von Grenoble stürzte ein mit 
vier Personen besetzter Kraftwagen über das 
Brückengeländer in die Rhone und sank sofort. 
An dieser Stelle ist der Strom über acht Meter 
tief. Die Toten konnten noch nicht geborgen 
werden. 
Verantwortlicher Hauptschriftleitei unb Herausgeber: Fer 
dinand M o l l e c. 
(Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Herbert Puhlman». 
Verantwortlich für Politik: Fcrd. Möller: für den ört 
lichen und allgemeinen Teil: Ädolf Gregort; für den roitt- 
fchaftlichen Teil: Dr. Ll. Bicltelbl: für den provi»' 
ziellen Teil: Karl Müller, alle in Rendsburg. 
Bild verantwortliche: Ressortleiter. 
Verantwortlicher Änzeigenleiter: Karl Jacobsen, Rendsburg. 
Verlag und Druck: Heinrich Möller Söhne, Rendsburg. 
D-A. Echleswig.Holfteinifche Landeszeitung (Rendsburgs 
Tageblatt — Hohcnweftebter Zeitung / Die Landp°? 
Hansrau-Hademarfchen — Süderbraruper Tageblatts 
D.-A. .V 36 über 13500 Pl. Nr. 7.
	        
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