Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Literarisches Echo 
Stirbt das Plattdeutsche? 
Von Erich B o ck e m ü h l. 
Ist es wirklich so wesentlich mit dem Rück- 
gang der Mundart, wie man allgemein sagt? 
Ja, es ist so wesentlich und viel wesentlicher 
Noch, als viele Leute in den Städten wissen 
und als vielen Leuten aus dem Lande zum Be 
wußtsein kommt. Selbst aus dem platten Lande, 
wo nur Bauern wohnen, geht der Prozentsatz 
der Plattdeutsch sprechenden Kinder von Jahr 
zu Jahr zurück, und es gibt Landschulen, in 
denen vielleicht nur noch etwa 26 Prozent der 
Kinder die Mundart sprechen. Man bedenke 
aber eins, nämlich, daß zwischen Plattdeutsch 
sprechen und die Mundart beherrschen noch ein 
sehr bedeutender Unterschied besteht. Es gibt 
in jeder Mundart Ausdrücke, die ihr so durch 
aus ureigentümlich sind, daß man sie ins 
Hochdeutsche höchstens durch Umschreibungen 
übertragen kann. Entsprechende hochdeutsche 
Worte sür diese plattdeutschen gibt es nicht. 
Wenn wir einmal nachsehen wollten, wieviel 
Erwachsene selbst in einer bäuerlichen Gegend 
diese ganz besonderen mundartlichen Aus 
drücke noch gebrauchen, dann würden wir uns 
über die Matzen wundern über die geringe 
Zahl. 
Als Luther die Bibel übersetzte, schuf er erst 
unter Zugrundelegung der sächsischen Kanz 
leisprache die hochdeutsche Sprache, die deutsche 
Schriftsprache. Luther ist auf den Markt gegan 
gen, um den Leuten anfs Maul zu sehen. 
Luther hat seine Bibelsprache keineswegs etwa 
nach einer blassen Schreibstubenausdrucksweise 
gestaltet! Immerhin lagen die Tatsachen aber 
nun so, datz derjenige, der nunmehr in Be 
ziehung der Bibel etwa Schriftsprache sprach, 
nicht zugleich Mundart sprechen konnte. 
CV 
17. Jahrhundert nahm die Büchcrpro- 
duktion in Deutschland sehr zu. Im 19. Jahr 
hundert kam die Eisenbahn. Eisenbahn, Tech 
nik bis zum Radio des letzten Jahrzehnts sind 
die Ursachen des Schwindens der Mundart in 
unseren ländlichen Gemeinden. Und vom Lande 
soll die erneuernde Volkskraft in die Städte 
strömen! Wie die Sitten und Gebräuche 
schwanden, wenigstens ihre Aktualität, so 
schwanden die Trachten und die Lieder, die 
einer Landschaft eigen waren, so schwanden 
aber auch mehr und mehr die Nachtigallen 
und die Wiedehüpfe und die Königsfarne und 
der Sonnentau und der Frauenschuh — so 
schwanden Schlichtheit und Einfachheit der Sit 
ten dieses und jenes ... 
Ter Wissenschaftler, der Pfarrer, der Lehrer, 
der Arzt, der Ingenieur und der Kaufmann 
und der Offizier — u. wer denn nun noch in 
dieser Verbindung in Betracht kommen kann 
—, sie alle müssen hochdeutsch sprechen. In 
einer Zeit, als der Hamburger Handel noch 
eine begrenzte Hamburger Angelegenheit war, 
sprachen die Senatoren oder wie sie damals 
hießen, plattdeutsch in ihren Sitzungen, und 
ihre Geschäftsbücher wurden plattdeutsch ge 
schrieben. Das würde aus naheliegenden 
Gründen heute unmöglich sein. Wenn die 
Druckschriften und Vorschriften, die der Orts 
bauernführer zugeschickt bekommt, samt und 
sonders hochdeutsch abgefaßt sein müssen, dann 
ergibt sich schon, daß der Ortsbauernführer 
zumeist hochdeutsch spricht. Zumeist- denn wenn 
es sich einmal darum handelt, eine Sache un 
zweideutig klar auszusprechen, vor allem im 
persönlichen Verkehr, in welchem das ange 
stammte Plattdeutsch das, was hinzustellen ist, 
viel besser formt als das doch und doch immer 
wieder versagende und die Möglichkeiten be 
grenzende Hochdeutsch. Der Ortsbauernführer 
kann zur Not in seinen Versammlungen ohne 
Hochdeutsch auskommen, der Kreisbauernfüh 
rer schon weniger, und der Lanöesbauern- 
führer würde mit seiner Mundart sozusagen 
unverstanden bleiben. 
Es ist nämlich das, daß es für den rapiden 
Rückgang der Mundart in den Zeiten vor 
allem nach dem Kriege keine vernünftigen und 
nur negative Gründe gibt. Die Heiligenver- 
chrung des Stehkragens ist die Ursache, die 
ganz unglückliche und verderbliche Verehrung 
einer zweifelhaften städtischen Kultur, die Ver 
ehrung aber immer nur des Außenseitigen, 
des drüberhin-Sensationellen einer solchen 
Kultur, die Verehrung einer ganz außenseiti 
gen Bildung, die man schon lange mit dem 
Umlaut als Bükdung lächerlich gemacht hat. 
Nein, da, wo es sich für den Bauer als not 
wendig erachtet, hochdeutsch sprechen zu müs 
sen, da soll er es tun, weil es sein muß. Da 
aber, wo es nicht notwendig ist, da wirkt jeder 
Fehler nun eben lächerlich. Und wenn manche 
Leute auf jeden Fehler, den sie sprechen, auf 
merksam gemacht würden, sie würden sicherlich 
bald in die heimatlichen Gehege ihres Platt 
deutsch zurückkehren, wo sie so zu Hause sind, 
daß sie sich nicht der Gefahr auszusetzen brau 
chen, auf Irrtümer und etwaige Verirrungen 
aufmerksam gemacht zu werden. 
Kann es wohl Sachlichkeit sein, kann es 
Bolkstumsverpflichtnng sein, kann es Einfach 
heit des Wesens, Treue, Liebe zur Heimat, 
Liebe zur Verwandtschaft, Verbundenheit mit 
den Ahnen, kann es denn überhaupt etwas 
Positives sein, dies Hochdeutsch in einer 
Seele, die nicht in der größeren Kompliziert 
heit dieser Sprache lebt'?! Ja — wessen Den 
ken über den Rahmen des heimatlichen Lebens, 
dessen irgendwie berufliche Verantwortung 
und dessen wahrhaftes Bildungsbedürfnis 
hinausgeht, der wird schon ins Hochdeutsche 
hineinkommen, gleich, ob er eine Katstelle von 
25 oder einen Hof von 325 Morgen hat. Wen 
aber der Beruf in dieser Weise zwingt, der 
wird von der höheren Warte seiner Bildung 
und in tieferer und weiterer Erkenntnis aus 
seine angestammte Mundart um so weniger 
verleugnen, als er ihre Bedeutung für Hei 
mat und Volkstum weiß. 
KttliurelltzS Mosaik 
Lizzie Mauörick hat aus der Handlung 
vonKleists „Zerbrochenen Krug" ein Tanzspiel 
gestaltet, dessen Uraufführung in der Berliner 
Staatsoper stattfindet. 
* 
Im Rahmen der Juni-Festspiele in Zürich 
fand gestern die Festpremiere des Leharschen 
Singspiels „Giuditta" statt, bei der der bereits 
in Zürich eingetroffene Lehar selbst die Vor 
stellung leitet. 
# 
Für die diesjährigen Salzburger Festspiele 
ist die Zahl der Festkonzerte der Wiener 
Philharmoniker vermehrt worden.' Bruno 
Walter leitet drei Konzerte, Pierre Monteur- 
Paris, Arturo Toscanini, Felix von Wein 
gartner und Artur Rodschinski übernehmen 
je ein Konzert. 
* 
Die Duisburger Oper wird im kommenden 
Winter vier Ur- und drei Erstaufführungen 
bringen, von denen zwei Operetten sind. Die 
Opcrn-Uraufführungen sind: Therstap- 
pens „Lord Savilles Verbrechen" 
(der Text hierzu wurde nach Oskar Wildes 
Novelle vom Komponisten selbst geschaffen), 
Erich Sehlbachs „Galilüi", Spon- 
t i n i s „ V e st a l i n " in neuer textlicher und 
musikalischer Bearbeitung von Schäfer,' 
Reutters „Doktor Johannes 
F a u st" und Otto mar Gesters „Ma 
dam e L i s e l o t t". 
* 
Die englische Firma „Pascal Produc 
tions" will Bernard Shaws „Pygmalion" 
in neuer Bearbeitung verfilmen. 
* 
Greta Garbo wird zusammen mit Char 
les Boyer in einem neuen Metrofilm mit 
dem Titel „Beloved" herauskommen. 
* 
Nach einer Meldung der Agenzia Stesani 
aus Budapest hat Prof. L. P a t a l in einem 
Antiquariat Partituren von 16 angeblich ech 
ten Kompositionen von Beethoven entdeckt, 
die mit eigenhändigen Anmerkungen des Mei 
sters versehen waren. 
* 
Die auslandkundliche Bildungsarbeit, deren 
Pflege sich die Heidelberger Universität mit 
Ferienkursen in englischer und französischer 
Sprache angelegen sein läßt, soll als interna 
tionale „Sommer-Universität" zu einer stän 
digen Einrichtung werden. 
Auf dem Wachbergc bei Dewitz in der 
Nähe von Taucha wurden bei Ausschach 
tungsarbeiten für ein Siedlungshaus ein zer 
trümmertes Gefäß mit Leichenbrand und 
zwei 23(H) Jahre alte massivbronzene grün- 
patinicrte Armreifen gefunden. Bisher wur 
den in Sachsen solche Armreifen, die nur aus 
dem keltischen Siedlungsgebiet Süddeutsch 
lands bekannt sind, nicht gefunden. Da aber 
die Kelten ihre Toten nicht verbrannten, son 
dern begruben, muß man annehmen, daß diese 
besonders wertvollen und aufschlußreichen 
Armringe von den germanischen Sweben 
stammen, die ihre Toten verbrannten. 
❖ 
Oberhalb des Maastales wurde in Stein 
jetzt erneut ein außerordentlich interessanter 
Fund gemacht. Es handelt sich um eine Be 
gräbnisstätte aus der Merowinger Zeit (460 
bis 760). 50 Gräber wurden freigelegt, die 
Gegenstände merowingischer und römischer 
Herkunft enthielten. 
* 
Zur Zeit finden umfassende Arbeiten statt 
zur Wiederherstellung des Ulmer Münsters. 
Wertvolle Teile sollen wieder dem Geiste der 
Zeit ihrer Entstehung nähergebracht werden. 
Es wurden bereits die Uebermalungen der 
wertvollen Fresken der Ulmer Malerschule 
aus dem 16. Jahrhundert vor dem Eingang 
zum Chor und im SüdwestflUgcl entfernt. 
Am 13. und 14. Juni feiert das holsteinische 
Städtchen Reinfeld sein 750jähriges Bestehen. 
Dabei wird unter Mitwirkung des Kammer 
orchesters und der Kammeroper in Lübeck „Die 
Magd der Herrin" von Pergolesi aufgeführt 
werden. Reinfelö ist bekannt als Gebnrtsstadt 
von Matthias Claudius, dem „Wandsbecker 
Boten". 
Josephs Legende. 
Auf Veranlassung der thüringischen evan 
gelischen Landeskirche sind wertvolle Kunst 
schätze aus der Kirche des Dorfes Bibra bei 
Meiningen untersucht und von dem bekannten 
Forscher Gustav Bier als Altäre aus der 
Werkstatt Tilmann Riemenschneiders festge 
stellt worden. 
❖ 
Die Rcichskammcr der bildenden Künste 
gibt folgendes bekannt: Die Deutsche Gesell 
schaft für Goldschmiedekunst, Berlin, in Ge 
meinschaft mit der Bremer Kunstschau in der 
Vöttcherstraße zu Bremen veranstaltet einen 
Künstler-Wettbewerb „Bildnisse deutscher 
Generalintendant Prof. Otto K r a u ß ^ 
soeben die Oper „Rembrandt von Rijn" von 
Paul von Klenau zur alleinigen Urauffüh 
rung an den Württembergischen StaatZkhca- 
tcrn, Stuttgart, angenommen, wo im 
1933 auch des Dichterkomponisten Oper „şşu 
chael Kohlhaas" ihre vielbeachtete Urauffşş 
rung erlebte. 
ŞchrMàM 
Jmmelmann, der Adler von Lille, eines Fliegers 
Werdegang und Erfüllung. Herausgķ 
ben von seinem Bruder. Verlag: K. F. Koehi^*- 
Leipzig. Geb. 2,85 NM. . 
Ein schöneres Denkmal konnte unserem Fliegerhch 
den von Lille nicht gesetzt werden als dieses Buch 
nes Bruders. Deutschland ist wieder ein starkes 
der Luftwaffe geworden — und dem jungen Nachwlķ 
kann nichts Wertvolleres gegeben werden als Erin»^ 
rnngswerke des klangvollen Fliegerdreigestirns: 3 111 * 
melmann, Boelcke, Richthofen. Dieses Buch des Kochick- 
Verlags ist besonders lobend zu erwähne», da das fl c ' 
gebene Material zum größten Teil aus der Feder 
Jmmelmanns stammt. Es sind die Briefe, die er 
seine Mutter schreibt, Briefe, die in packender Weist 
feine Lnftkämpfe schildern. 
Briefe, die an das Elternhaus geschrieben werden« 
haben seelenvolleren Klang, da sie nicht für d>s 
Oeffentlichkeit bestimmt sind. Darum, und weil 
leutnant Jmmelmann trotz all der Ehrungen, die Ģ' 
an der Front zuteil wurden, immer ein einfachek- 
pflichtbewutzter Mensch geblieben ist, kann das Buch 
Vorbild und bestes Mahnmal sein. Die Briefe werde» 
durch einen eingehenden Bericht über die Jugendzeit 
und des Fliegers Werdegang umrahmt. Ueberslckş 
karten und Fotographien vervollständigen das preise 
iverte Werk zu einem kleinen Edelstein, der in keines 
Bücherei fehlen sollte. Der Einband zeichnet sich durch 
besonderen Geschmack aus. 
Neue Dramen des Niederdeutschen Bühnenvertriebs. 
Der R i ch a r d - H e r m e s - Verlag bringt innerhalb 
seiner Reihe „Niederdeutsche Bücherei" zwei neue Ķ»' 
mödicn heraus. „Taakeltüiich", eine Komödie vo» 
Herbert Bell m er. Diese Komödie des durch de» 
„Smarten Hahn" bekannten niederdeutsche» 
Verfassers erlebte eine erfolgreiche Uraufführung as» 
Oldenburger Landcstheater. Eine Charakterkomödie, i» 
deren Mittelpunkt ein starrköpfiger Landwirt während 
23 Jahre mit seiner früheren Geliebten hadert. Durch 
einen Schelmenstreich deren Tochter wird der verioik- 
rende Faden gelöst. 
„Bradhirings", Fischlänner Knmedi in 3 Akten t«» 
Erich H I, m m e l - H e l l. Fröhliche Liebesabenteuer 
zweier Töchter eines Kapitäns aus dem Mecklenburgs 
scheu Fischland. Spritzige, urwüchsige Dialogführung, 
besonders in de» Zwiegesprächen der burschikosen M>" 
ken. Neben der technisch einwandfreien Handlungsfüh' 
rung des Dichters zeichnet sich das Spiel durch das 
feine und tiefe Empfinden für Landschaft, Sagengut 
und Menschen der Heimat aus. Dr. Th. 
HeiLers Ecks 
Ein Wunder. 
Einst hatte Ampère Gäste und erging sich 
mit ihnen im Garten, eifrig über wissenschaft 
liche Fragen diskutierend. Als einer der Ge 
lehrten sich nicht zu seiner Ansicht bekennen 
wollte, verließ Ampère, der Widerspruch nuk 
schlecht vertrug, die Gruppe und schritt allein 
zwischen den Beeten daher. Plötzlich mischte er 
sich wieder unter die Gäste, sprach von dem 
Problem der Wärmeverteilung und der Son 
nenbestrahlung und führte sie an eine große 
Glaskugel, die als Vogelschreck zwischen den 
Beeten stand. „Sehen Sie", sagte er, „die Kugel 
steht mitten in der Sonne uild ist trotzdem 
oben kalt und unten ganz heiß". Niemand 
wollte solche Naturwidrigkeit glauben, und 
eine aufgeregte Unterhaltung setzte ein übet 
die wissenschaftliche Begründung dieses 
Wunders". 
Erst beim Essen verriet Ampère seinen Gä 
sten die wahre Lösung: er hatte die Kugel vor 
her umgedreht. 
Der Familienschmuck. 
„Meine Familie besitzt einen alten Schmuck 
aus kostbaren Steinen, der sich von Genera-- 
tion zu Generation vererbt hat." 
„Meine Familie hat auch einen Stein- 
schmuck aufzuweisen. Er ist zwar nicht gerade 
kostbar, dafür aber recht kostspielig. Bei uns 
vererben sich nämlich von Generation zu Ge 
neration die Gallensteine." 
in einer weiten Schleife ausholend die Gegner 
und stößt dann auf einen der Engländer 
hinab. Dauerfeuer aus beiden Rohren veran 
laßt den Vikkers stark drückend der Front zu 
zustreben. Aus der nordöstlichen Gruppe lösen 
sich jetzt zwei Flugzeuge: ein Vikkers, der, um 
seinen Kameraden zu entlasten, auf den neu 
angreifenden Fokker Hinabstotzen will und kurz 
darauf ein Fokker (Lt. Mulzer). Tie Fokker- 
flieger Vfw. Prehn und Uffz. Heinemann aber 
glauben ihren im Kampf verbissenen Staffel- 
führer durch den von oben herabstvßenden 
Vikkers in Gefahr, lösen sich von ihren Geg 
nern. Prehn gelingt es, diesen neuen Gegner 
zu binden, so daß sein Staffelführer seinen 
Gegner unbelästigt bearbeiten kann. Heine 
mann aber schwebt in diesem Augenblick un 
belästigt über dem Ganzen und beobachtet nun 
Folgendes: Während Prehn sich mit dem neuen 
Vikkers herumschießt, geht sein Staffelführer 
auf kürzeste Entfernung an seinen Engländer 
heran, der nach wenigen Sekunden steil nach 
unten abkippt. Er sieht, wie Jmmelmann den 
steilen Gleitflug des Engländers von seiner 
Höhe aus beobachtend begleitet. Jetzt schießt 
ein Fokker an Jmmelmann vorbei in die Tiefe 
hinter dem Vikkers her. Es war Lt. Mulzer, 
der wegen Benzinmangel an Landung denken 
mußte und so den Vikkers mit zur Erde be 
gleitete, um ein etwaiges Entkommen über 
die Front zu verhindern,' der Engländer setzte 
seinen Vikkers unbeschädigt auf eine Wiese 
dicht bei Lens. Mein Bruder hatte sein letztes 
Opfer gut getroffen, wie zahlreiche Treffer 
im Apparat bewiesen. Der Führer war an 
der Schulter getroffen und starker Blutverlust 
hatte ihn zu schneller Landung veranlaßt. 
Heinemann aber sieht weiter, wie sein Staf 
felführer, da er sein Opfer in der Obhut eines 
anderen Fokker sieht, sich den zurückgebliebe 
nen Engländern zuwendet, die Entfernung 
von etwa 1000 Meter bis zum nächsten Eng 
länder zum Steigen benützend. Da bäumt sich 
plötzlich Jmmelmanns Fokker auf, geht über 
den linken Flügel nach unten, richtet sich 
wieder auf und fliegt mit eigentümlich wip 
pender Bewegung des Schwanzteiles gerade 
aus. 
Jetzt aber mußte sich Heinemann den Fein 
den wieder zuwenden, denn drei Vikkers 
stürzten sich ans Prehn. der immer noch mit 
einem Engländer im Kampfe lag. So hat er 
das Ende seines Staffelführers nicht mit an 
sehen müssen. 
Augenzeugen von der Erde aus aber be 
richten: Nach den auch von der Erde aus deut 
lich wahrgenommenen Schwankungen trennte 
sich plötzlich der hintere Teil des Rumpfes 
mit den Steuerflächen vom Vorderteil. Der 
Vorderteil mit dem Führer aber rast wie ein 
Stein mit unheimlich pfeifendem Geräusch in 
die Tiefe, wobei die Tragflächen wie die Blät 
ter eines Kartenhauses nach oben zusammen 
schlagen und sich vom übrigen lösen. Mit 
dumpfem Aufschlag beendet der Rumpf mit 
Motor und Führer seinen Absturz aus 2000 
Meter Höhe. 
Man öffnet dem Toten den Lederrock, man 
findet den „Pour le mêrite" ... in der Wäsche 
das Monogramm: M. I... . „Jmmelmann"! 
Schach in RendsÄMg 
Geleitet von C. Hinz, Rendsburg. 
Schachnachrichten: Rendsburger Schachklub von 1885. 
Spiellokal: Haus des Arbeitervereins von 1848, Kanzlei- 
straße. 
Spieltage: Dienstagabends 28.15 Uhr, Sonntagmorgens 
lab 8 Uhr freier Schachverkehr), Schachsreunde sind an 
beiden Spieltagen willkommen. 
An den beiden letzten Klubabenden wurde wohl eifrig 
gespielt, doch kamen nur zwei Turnicrpartien zustande. 
Jocrges und Rath lieferten sich am ersten Spieiabend 
eine Hängepartie. Bei der Fortsetzung am zweiten 
Abend konnte Joerges einen Pluspunkt für sich heraus 
arbeiten. In der Partie Hinz—Zettler erreichte Hinz 
Baiicrngewinn, übersah jedoch durch zu schnelles Spiel 
eine Mattbrohung des Gegners und gab auf. In der er 
sten Gruppe sind bisher die Punktergebnisse noch ziem 
lich gleich, so datz sür jeden Teilnehmer die Aussicht, 
Sieger zu werden, besteht. 
Lösung: Problem Nr. 8 (22) von Gebr. Tiedemann. 
1. Lb8—f2, &5-Ö4+; 2. Sg5Xs7, e4-e3, 3. S&7—f5#. 
1. . . ., c4—e3; 2. Ld7—f5 + , ,®53—&4; 8. SgöXsZG. 
1. ... ., Cf7—e6, 2. Ld7Xe8, 65—&4; 3. <Sai—cS#. 
Problem Nr. 9 von C. Hinz. 1. Tg6—H6 (jetzt ist 
Schwarz gezwungen, den T zu ziehen, da sonst das 
Matt auf h 3 nicht zu decken ist), . . ., Tfl—f2, 2. Sf8— 
c4 + , Kg3Xf2: 3. Dc2XTf2G. 
Richtige Lösungen zu beiden Aufgaben sandten ein: 
C. Rath, Büdelsdorsdors: W. Baggc, W. Langerhder, 
Rendsburg, H. Matzen, Lehrer i. R., Brecklum. 
Für unsere Partielöser! Beim letzten Freundschafts 
wettkampf Rendsburg—Eckeriiförde ergab sich in der 
Partie Krause—Rath nach dem 34. Zuge von Weiß 
<Db2—b4> die nachstehende Stellung. Schwarz konnte 
jetzt mit einigen eleganten Zügen — trotz Einstehopfer 
— das Matt erzwingen. Wie mutzte sich das Spiel ab 
wickeln? 
Partieaufgabe Nr. 4. 
Schwarz: Rath. 
WZ! 
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p* pF.gF'** à 
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I u 
■'.«sin'/, WArny/, yyyy/y yttfay/, 
Weiß: Krause. 
Zuschriften und Lösungen sind einzusenden an & ctt 
Rendsburger Schachklub, Haus des Arbeiterveretn^- 
Kanzleistratze Lösungsfrist 14 Tage. Lösungsbckaünt- 
gäbe in 3 Wochen.
	        
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