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Äus der Geschichte des Austernfangs.
Anläßlich der Wiederaufnahme des Austern
fanges sei ein Blick auf seine Geschichte im
vorigen Jahrhundert geworfen.
Um 1840 gab es von Ripen bis Helgoland
noch über 50 Austernbänke, von denen mehrere
über vier Kilometer lang waren. Angeblich
hatte König Knud der Große (1035) die
Austernbänke anlegen lassen,' er soll — im
Unterschied zu heute, wo die Setzaustern aus
Holland kommen — mehrere Schiffsladungen
von England herübergebracht und sie an der
Westküste Schleswigs an verschiedenen Stellen
ausgeworfen haben. Doch gehört das einer an
dern Quelle nach ins Gebiet der Sage, die
wahrscheinlich an die Tatsache anknüpfte, daß
die Austernbänke zu einem königlichen Regal
geworden waren.
Als die beste Austernbank galt diejenige an
der Südostecke Amrums. Hier fischten 12 Boote
und jedes Boot hatte eine Besatzung von drei
Mann. Ungefähr 40 Austernfischer wohnten
auf Amrum, eine Reihe auf Sylt, dagegen da
mals keine auf Föhr und den übrigen nord
friesischen Inseln. Von den Austernfischern
hieß es, daß sie im Unterschied zu den Seefah
rern kaum mehr als ihr trockenes Brot ver
dienten. Dies mochte zum Teil aus die be
schränkte Arbeitsdauer zurückzuführen sein.
Der Austernfang begann Mitte August,' die
ersten Austern wurden am 19. August in Ham
burg auf den Markt gebracht, auf keinen Fall
früher.
Tie Austernschiffe schleppten hinter sich auf
dem Meeresgrund sogenannte Schleppnetze
oder Schaber, ein Netz, von Riemen aus See
hundsfell geflochten oder in späterer Zeit aus
kleinen eisernen Riemen hergestellt,' die Oeff-
nung hatte einen breiten eisernen Rahmen,
mit einem etwa drei Fuß langen, dreieckigen
Eisen, „Strikisen" genannt, weil es die Au
stern losstrich. Am Streicheisen befand sich ein
Tau, mit dem das Netz an Bord gezogen wur
de. Tie Fischer mußten über genaue Kenntnis
der Austernbänke verfügen, um sie richtig an
zusteuern.
Die Austern wurden tonnenweise verkauft,'
eine Tonne oder 1000 Austern wurden um
1840 mit 2 Rthlr. bezahlt. In welchen Mengen
man die Austern gefischt haben muß, gehr
daraus hervor, daß eine Gesellschaft Flensbur
ger Kaufleute die Austernbünke 1819 auf 20
Jahre für jährlich 16 000 Rthlr. pachtete,' Ham
burger Kaufleute hatten eine Reihe Austern
bänke in Unterpacht. Der königlichen Hofhal
tung waren außerdem 80 Tonnen zu liefern
und dem Grafen Schack zu Schackenburg 10
3M jähriges Bestehe» des KirchMellmgs zu Hsttte«
Von Friedr. Naß, Kiel.
Am 14. Juni d. I. kann der Kirchspielskrug
zu Hütten auf ein 300jähriges Bestehen zu
rückblicken. Der alte Krug gehörte früher zum
Amte Gottorp und unterstand dem Vorwerk
Hütten. Schon sehr früh wurde auf den großen
Gütern Bier zum Verkaufe gebraut. In der
Gottorper Amtsrechnung aus dem Jahre 1573
steht als Einnahme: „Düth Johr sind thor
Hütten gebrawet 244 Tonnen Bihrs, für jede
Tonne 23 ß. empfangen vermöge des Vagedes
Registers 404 Mark 10 ß." Ein öffentlicher
Krug wird jedenfalls damals noch nicht bestan
den haben. In dem Buche von Dr. Andresen
und Dr. Stephan: Studien und Quellen zur
Geschichte der Verwaltung und Wirtschaft auf
Gottorp von 1544 bis 1659, Band 2, Seite 82,
wird berichtet:
allein bereits 1697 bei Großvaters Zeiten eine
ertheilte Concession, sondern sogar bis auf
mich selbst eine allergnädigste Confirmation
über diese Krugstelle und dabey gehörigen Län
dereyen ad dies vitae (zu Lebzeiten), gegen
Erlegung von 16 Rbth. species allermildest
excerdiret worden, wofür ich annoch Jhro
König!. May. hiedurch den allerdemütigsten
Dank abstatte, So hat das Glück nun dennoch
nicht gewollt, indem ich bei meinem jugend
lichen Antritt über 1000 Rbth. an väterlichen
Schulden habe abtragen müssen, wodurch ich
stets in den bekümmerten Umständen versetzt
geblieben.
Tonnen. Ferner war im Kontrakt ausdrücklich
festgelegt, daß die Pächter „die köuigliche Resi
denzstadt Kopenhagen sowohl mit guten als
mit genügsamen Austern" versehen sollten.
Hauptabnehmer war im übrigen — St. Pe
teröburg.
Die Pächter beschränkten den Fang, nicht so
sehr um die Austernbänke zu schonen, deren
Zustand nach dem Pachtvertrag alle zehn Jahre
untersucht wurde, sondern um den Preis mög
lichst hoch zu halten. Tie Ansternsischer ver
dienten 20 Schilling (1.60 MJl) die Tonne,
die Schiffer etwas mehr. Zur Verfrachtung der
Austern eigneten sich wegen ihres Fischbehäl
ters oder Büns besonders mehrere Blanke-
neser Fahrzeuge, die 25 Tonnen zu fassen ver
mochten und für jede Fahrt, ausgenommen
während der gefährlichen Jahreszeit, 100 Mark
Kurant erhielten.
Von neuem lebt nun dieser alte Austern-
fang auf. Seine Bedeutung ist in mehrfacher
Richtung gewiß nicht zu unterschätzen. Machen
wir uns doch nicht allein von der Einfuhr un
abhängig, finden nicht nur weitere Volksge
nossen Arbeit und Brot, vielleicht winkt sogar
nach altem Vorbild in späterer Zeit eine Aus
fuhrmöglichkeit, . . . wenn auch gewiß nicht
wieder vorwiegend nach St. Petersburg".
Dr. E. Erichsen.
„Den reisigen Knecht Otto Rehn haben, als
er 1627 in fürstlichen Geschäften unterwegs
war, königliche Soldaten spoliert und nackend
außgezogen, ihm Hut, Degen und Kleid fort
genommen (Rentekammerrechnung 16-27).
Wird mit dem Kruge zu Hütten als Alters
sitz belehnt." Die Belehnung fand am 14. Juni
1636 statt. In der Gottorper Amtsrechnung
von 1694 findet sich die Kopie eines Briefes,
die auf diese Belehnung Bezug nimmt, da 1648
die Krugstelle seinem Sohne Otto übergeben
wird: „Wir Friederich, son Gottes Gnaden,
Erbe zu Norwegen, Hertzog zu Schleßwig Holl
stein usw, Uhrknnden und Bekennen hiemit
Gegen Jedermänniglich: Nachdem wir wey-
landt Otto Rehnen uff unserm Krug zur Hüt
ten ertheilte Begnadigung vor dießem und
zwahr den 14. Juny 1636 dahin extendiret, daß
ein seiner Kinder, welches ehr Vor seinem
Absterben nahm Kündig machen würde, er-
wehnten Krug mit den Zubehörungen und
aller Gerechtigkeit uf deßen Lebenszeit Jnne
haben, Besitzen und genißen solle, Undt dan
uns nach nunmehr erfolgten Absterben, Sein
Otton Rehnen und deßen Frawen, Ihres
Jüngsten Sohnes Vormünder Otto Hey und
Johann Davorst Unterthänigst zu verstehen
geben, weßmaßen Sie Otto Rehnen und seine
Fraw vor deßen Ende itzgedachten Ihren jüng
sten Sohn zu einem Besitzer gemelten Kruges
Benennet und dazu Beoröet gesehen, Mit Ge
horsamster Bitte, Wir dehren vorangezogener,
llnßer Gnädigsten Erwähnung zufolge, Ihn
Otton Rehnen jüngsten Sohn zum Besitzer
mehrgedachten Unßern Kruges zu bestätigen
gnädigst geruhen wollen, daß Wir demnach
solche in Unterthäuigsten Sachen gnädigst
stadtgeben, Thun auch daßelbe Confirmiren
undt Bestätigen vorgedachten Otton Rehnen
jüngsten Sohn zum Besitzer oft berührten
Unßern Krug kraft dießes gnädigst, derr-
gestalt, daß er solchen Krug gleich sein
Vater denselben Bewohnet und genoßen, mit
allen Zubehörungen, mit gerechtigkeiten, auch
inne haben, Besitzen, aufs Beste seiner gele-
genheit genißen solle und möge, Weßcn wir
Unßern itzigen und künftigen Beambten hie
mit Gnädigst Befehlen, daß Sie sich hienach
Achten, gemelten Otton Rehnen jüngsten
Sohn Bey dietzer Unßerer Confirmation Biß
an Unß schützen und handthaben, Nicht aber
denselben dawieder im geringsten Beschweren,
noch Beschweren laßen. Uhrkundlich Unßres
untersetzten Handtzeichens und vorgedrückten
Fürst!. Cammer Secrets.
Annetzo scheint mir die Sonne des vermeint
lichen Glücks in etwas aufzuklären, wenn ich
nur die besondere allerhöchste Gnade erlangen
würde, meinen in Besitz habende Krugstelle
und Ländereyen mit allerhöchster Consens ver
kaufen und einem Dritten überlassen zu dür
fen, denn, wie gesagt, so bin ich theils in Be
drucke, undt anderen Theils bin ich nicht recht
wohl zum Krüger aufgelegt, daher denn mein
Glück durch Arbeit und Ackerbau besser zu
suchen hoffe. Wenn nun Jhro König!. May.
nach der angeborenen königlichen Großmut
nicht den Untergang, sondern das wahre Wohl
und besseres Fortkommen deren Unterthanen
zu suchen Sik bestens angelegen sein lassen,
als wage ich es, jedoch zitternd undt in Kind
licher Ehrfurcht mich auch zu Jhro Königl.
May. allerhöchsten Gnaden Thron fusfälligst
zu nähern, mit der allerdemütigsten Bitte,
Allerhöchstdieselbe wolle in Königlichen Gna
den geruhen, undt mir zur Ueberlaßung mei
ner in Besitz habenden privilegirten Krugstelle
nebst den dazu gehörigen Ländereyen, dero
allerhöchste Consens allergnädigst zu erteilen.
Hütten, den 21. Dezember 1778.
Otto Rehn."
Geben auf Nutzerem Schloß Gottorp,
den 20. July Anno 1648.
S. Friederich."
Am 21. 12. 1778 macht der damalige Krüger
Otto Rehn an den König und Herzog folgende
Eingabe:
„Wenngleich meine Bvrältern sowohl als ich
selbst die allerhöchste Gnade genossen, nicht
Dazu berichtet in einem Pro memoria der
Hardesvogt Fleßburg in Fleckeby: „Es ist
diese Stelle zur Zeit, da des Jmpetranten Va
ter Friedrich Rehn auf eben eine solche Con
fession ad dies vitae selbiger inne gehabt, mit
ansehnlichen, teils aus Holzbrüchen (zur
Brauerei und Brennerei gehörte viel Holz,
wenn es im Amte Hütten auch reichlich vor
handen war, durfte es trotzdem nicht gestohlen
werden) entstandenen Schulden dergestalt be
haftet gewesen, daß diese Stelle auf 16 Jahre
an einen Dritten verhüuert, und die Heuer
währende Zeite zur Tilgung einiger Schulden
verwandt. Anno 1762 hat Jmpetraut nach Con
sens auf Lebenszeit, wodurch die voherige Ab
gabe, nemlich 16 Roth species zu 21 Rbth. spe
cies erhöht worden, die Stelle angetreten, da
raus aber seine übrigen Geschwister nicht nur
mit 350 Rbth. sp. ausgelöst, sondern auch väter
liche Schulden übernommen, über dieß nicht
die beste Wirtschaft ist, so könnte er in Umstän
den geraten, wo der Verkauf der Stelle ihn
nicht heraushelfen könne, der Concurs zwei
felsohne unvermeidlich sey." (Es wird der
Vorschlag gemacht, daß bei in Aussicht stehen
den Niederlegung des Vorwerks Hütten eine
Königliche Freistelle mit Kanon gebildet wür
de. Da der Krug aber zu dicht bei dem Hofe
liegt, so könnten nach Anweisung der König
lichen Landkommissivn die Gebäude an einem
andern Ort errichtet werden). In demselben
Jahre wird von der Rentekammer die Nieder
legung des Vorwerks in Aussicht genommen.
Da auf der Auktion im Jahre 1779 keine ge
nügenden Gebote auf die Parzelle gemacht
werden, erfolgt durch die Rentenkammer kein
Zuschlag, der Hof wird auf drei Jahre weiter-
verpachtte an den früheren Pächter I. Prien.
Die Rentenkammer verhandelt aber weiter
mit Otto Rehn, er erwirbt den Hüttenkrug
und tritt am 1. Mai 1780 an. Es folgt der,
„Kaufbrief", in dem es heißt: 8 1: Es soll der
mit gedachtem Krüger Otto Rehn getroffene
Land-Umsatz, so wie derselbe im Hüttener Nw-
derlegungsplan vorgeschlagen worden, in Er
füllung gehen, und wodurch der jetzige Besitz
des Krügers m einen erb- und eigentümlichen
Besitz verwandelt werden. Demzufolge gibt der
Käufer ab 1. die Koppel und den Holtzgrund,
Lammershorst genannt, und 2. eine Koppetz
Ohlendiek genannt, so wie er besagte Land-
stelle bisher benutzet. Dahingegen erhält er
wieder: a) an Wiesenland die Küsterwiese und
b) die vorderste Ecke aus der Hofkoppel Lan
genkamp, sowie beide Landteile in der ange
hefteten Beylage sub lit. D. und E. nach der
Quantite und Bonite aufgeführt sind. Wie
diese zugelegten Stücke nun, inclusive derje
nigen, mit welcher kein Umsatz getroffen
(Nr. 1. A, B, C.) sondern stets bei der Krug
stelle gewesen, und auf der jetzigen Ueber-
lassung mit einverleibt werden, nach der an
gehängten Specisicen Beschreibung des Ma
jors und Oberlandmessers Bruyn, 19 Tonnen
4 Scheffel nach der Quantität und 15 Tonnen
1 Scheffel nach der Bonite ausmachen, so wird
8 2 diese Landzahl benebst der Freyheit Krü
gerey zu treiben, zu brauen und zu brennen,
dergestalt dem Otto Rehn zum Eigenthum
übergeben, daß er anstatt der vorhin erlegten
21 Rbth. sp. oder mit 25 Rth. 39 ß Courant
und ferner wegen der Brandwein-Brennerey
und Consumation in seinem Hanse 4 Rbth.
oder in Courant 4 Rth. 16 tz, mithin zusam
men 30 Rth. 7 ß nunmehr von dem 1. May
1780 an, als an welchem Termins der getrof
fene Landansatz gleich wie die eigenthümliche
Ueberlassnng in Kraft tritt, inclusive des Ber-
bittelgeldes von 1 Rth. 3 ß, mithin 32 Rth.
43 tz Courant jährlich und zwar in zwo gli
chen Terminen auf Maytag und Martini an
die hiesige Hüttener Amtsstube davon entrich
ten muß. als für welchen erhöhten Canon
ihm die vorbedachte Krug- Brau- und Brcn-.
nerey-Gerechtigkeit benebst den in der äuge-
hefteten Specification aufgeführten Lanöstücke
erb- und eigenthümlich mit der Freyheit zu
verkaufen und darüber zu schalten und zu
walten, zugestanden wird.
Der Kaufvertrag ist am 17. 2. 1781 von der
Königlichen'Rentenkammer zu Kopenhagen ge
nehmigt und vom König-Herzog bestätigt
worden. t
Somit war die erste Freistelle im Vorwerk
Hütten geschaffen worden. Die gänzliche Nie
derlegung des königl. Vorwerks erfolgte aus
öffentlicher Auktion am 6. 7. 1782 mit Antritt
zum 1. Mai 1783. Obwohl dadurch viele Frei
stellen geschaffen wurden, so lastete vor allem
der darauf liegende anon schwer auf den neuen
Besitzern. Dazu kam bald nach den Freiheits
kriegen die traurige Zeit der Inflation Däne
marks. Große Bauernstelle konnte man für
die hohen Lasten und eine Pfeife Tabak kaufen.
Die Familie Rehn scheint die Krugstelle nicht
lange habe halten können, denn 1796 gehörte
sie schon zum Restgut Hütten. Nach dem Mann-
zahlsregister des Amtes Hütten von 1803 war
Cascher Ernst Stapel Pächter des Kruges. Im
Jahre 1810 wird von diesem Restgut eine Par
zellierung durchgeführt, von den ursprüng
lich 3., 4. und 5. Parzellen werden 26 kleine
Besitzungen gemacht. Es wird auch» die Par
zelle 26, die Krugparzelle mitverkauft. IM
Jahre 1863 wird als Besitzer ein Gastwirt
Ströh genannt, nach dem Stamp und Jochims.
1891 erwibt Johann Hagge den Krug, dessen
Schwiegersohn Koll der jetzige Besitzer ist.
(Niederlegung des Vorwerks Hütten,
Aktenzeichen 25 i S. 863 und folgende
aus dem Staatsarchiv in Kiel).
Asb er 50 OOÖ fuhren nach Köln
Bericht einer kinderreichen Mutter aus Rendsburg
Ueber 50 000 deutsche Väter und Mütter aus
allen Gauen, aus den fernsten und einsamsten
Winkeln, aus großen und kleinen Städten, von
Bergen und von Inseln, aus Hütte und Haus,
viele in farbenfrohen Trachten, näherten sich
am Morgen des 6. Juni Köln. Daheim ließen
sie ihre vier, fünf, auch sechs, sieben und noch
mehr kleine und große Kinder und dazu für
drei Tage Sorge und Bedrängnis, um in der
Hauptstadt des Rheinlands Freude und neue
Kraft zu gewinnen, um ihr deutsches Vater
land zu durchfahren und seiner ungeahnten
Schönheit froh zu werden. Alle, die den deut
schen, vielumstrittenen Rhein und das
blühende deutsche Land im Westen noch nicht
kannten, trugen eine schöne Hoffnung aus Be
glückung im Herzen dorthin — und auf Rücken
und in Händen das unterschiedlichste Gepäck.
In kurzen Abstünden erreichten die Züge
Köln, und ununterbrochen ergoß sich der
Menschcnstrom aus der Bahnhofshalle in die
Stadt, um sich nach allen Seiten zu zerteilen
durch die buntbewimpelten Straßen, über fest
liche Plätze und in enge Gassen. Aus allen
Fenstern und Geschäften grüßte die Bevölke
rung, und wo ein Landesverband seiner „eige
nen" Musik nachmarschierte, wie z. B. wir
Schleswig-Holsteiner, da wanderte eine Kette
Einheimischer nebenher. In Schulen und Kan
tinen, öffentlich oder privat, wurden wir Gäste
untergebracht und bewirtet. Geschildert kann
nicht werden, was jeder einzelne im Quartier
erlebte, was er mehr oder weniger lobte, je
nach Temperament.
Gesagt aber sott sein, daß schon beim Eintref
fen in Köln keiner mehr allein oder nur mit
seinen heimischen Kameraden reiste, sondern
daß schon in der Eisenbahn eine freundliche
Kameradschaft und Hilfsbereitschaft unter allen
Mitreisenden gewaltet hatte. Gegenseitiger
Austausch von Gedanken, ein Aufrollen von
Schicksalen und Berufsbildern hatte häufig
eine Brücke inniger Teilnahme und Zunei
gung geschlagen, so daß in Köln eine Tisch
gemeinschaft schon einer Familie gleichkam,
die, wenn auch oft mit großer Mühe, bestrebt
war, nicht irgendwo im Gedränge auseinan
derzugeraten. Wie in den „Ferien vom Ich"
kam Mensch zu Mensch, Freude zu Freude,
Sorge zu Sorge, Trost zu Trost, ohne daß im
mer bekannt war, wes Nam' und Art der Ge
nosse war. Väter und Mütter vieler Kinder
trugen gleiche Lasten, hegen gleiche Hoffnun
gen, kämpfen um gleiche Ideale. Mögen die
Lebensbedingungen noch so verschieden sein, in
der Auseinandersetzung um das Kind wissen
alle voneinander die gleiche Lust, dieselbe Last
der Verantwortung, haben Verständnis, ohne
daß es erzeugt zu werden braucht durch viele
Worte. Nur eine kurze, warme Frage, ein lei
ses Rühren an vermutliche Nöte, ein aufmerk-
'sames Zuhören, ein herzliches Lachen genügte,
die Augen heller, die Freude am Reisen größer
zu machen. Und dieses Lachen vor allem war
es, daß die Oberhand bekam auf der Fahrt, im
troh und auch im Regen, das wie eine Wun
dermixtur den Schlaf aus den müden Augen
trieb, "das wahrhaftig selbst die dritte, mehr
oder weniger durchwachte Nacht siegreich be-
zivang, so daß die Stimmung und die Begei
sterung in stetem Aufstieg begriffen war trotz
aller am Sonntag verregneten Hüte, die wie
melancholische Gebilde heimgebracht werden
mußten, trotz kleiner Mißgeschicke und heim
licher Schmerzen.
Und wer löste sie aus, die Wundermixtur?
Es war die schöne deutsche Heimat, ivar der
liebe deutsche Kamerad! Ein jeder pries die
Beglückung auf seine Weise und in seiner
Mundart, und gerade die letztere war es, die
eine so trauliche Stimmung und eine so
freundliche Aufmerksamkeit herzustellen ver
mochte. „Ich hör sie halt so gern schwätze!"
oder: „Sie freue sich halt, daß ihr da seid."
„Oa, bleibe du nua sitze, i steh derweil a üissl."
„Magst noch a Schtickele Wurscht?" Und wenn
wir Schleswig-Holsteiner plattdeutsch sprachen,
dann war das Staunen darüber so groß wie
die Freude an unserem vielgesungenen und
geblasenen Schleswig - Holstein - Lied. Es
klang und sang auf der Hinfahrt, bei der
Ankunft in Köln, beim An- und Abmarsch zu
und von der nassen Festwiese, die so ivunder-
herrlich am Rhein liegt und so übexans schön
geschmückt war. Bei der Abfahrt von Köln mit
dem großen Rheindampfer scholl es als Gruß
und Dank zurück, am Deutschen Eck gab es
dem Deutschland-Lied den Vortritt, aber beide
Lieder brausten mit spontaner Gewalt hin
über zum Ufer. Und noch manches andere
schöne Lied hallte wider von den burggekrön
ten Bergen und den weinbepflanzten Hängen,
und vielhundcrtfältig gab es Zeugnis von
dankbarem Erleben, das vielhundertfültige Er
wartung übertraf. „Wie bist du doch so schön,
o du weite, weite Welt!" Ein jeder seh' sie ans
seine Art, als wir heimfuhren durch deutscht
Gaue, über Rhein und Main, Fulda un
Werra, über Leine und Elbe. Ab Hannover
stieg eine Gruppe nach der anderen aus, u»o
heimische Lieder und freundliche Grüße ver
abschiedeten sie. Keine Fremden waren sie uns
mehr. Mögen sie auch aus unserem Gesichts
seid entschwinden, mögen noch nicht alle von
des sein, als was unseres Führers Stellver
treter uns begrüßte und bewertete, Staats
bürger erster Klasse. Weggenossen waren »no
bleiben wir, tragen alle eine holde Last un^
eine riesengroße Verantwortung mit der E *'
ziehung unserer Kinder, weil diel
die Grundlage für den Bestand des Volkes b
deuten. Wir wissen, nur wenn wir selber Vo '
bild sind und Träger großer Opfer, werde
wir Künder der notwendigen biologisch^
Pflicht, Vorbild und Erzieher zu einer nenc
vaterländischen Haltung sein. *
Und zu dieser Verpflichtung hat uns ds
Treffen in Köln, hat uns die Stadt durch ly
gastliche 'Aufnahme, hat nns die Ehrung
Anerkennung unseres Führers und seiner ® '
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