Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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Äus der Geschichte des Austernfangs. 
Anläßlich der Wiederaufnahme des Austern 
fanges sei ein Blick auf seine Geschichte im 
vorigen Jahrhundert geworfen. 
Um 1840 gab es von Ripen bis Helgoland 
noch über 50 Austernbänke, von denen mehrere 
über vier Kilometer lang waren. Angeblich 
hatte König Knud der Große (1035) die 
Austernbänke anlegen lassen,' er soll — im 
Unterschied zu heute, wo die Setzaustern aus 
Holland kommen — mehrere Schiffsladungen 
von England herübergebracht und sie an der 
Westküste Schleswigs an verschiedenen Stellen 
ausgeworfen haben. Doch gehört das einer an 
dern Quelle nach ins Gebiet der Sage, die 
wahrscheinlich an die Tatsache anknüpfte, daß 
die Austernbänke zu einem königlichen Regal 
geworden waren. 
Als die beste Austernbank galt diejenige an 
der Südostecke Amrums. Hier fischten 12 Boote 
und jedes Boot hatte eine Besatzung von drei 
Mann. Ungefähr 40 Austernfischer wohnten 
auf Amrum, eine Reihe auf Sylt, dagegen da 
mals keine auf Föhr und den übrigen nord 
friesischen Inseln. Von den Austernfischern 
hieß es, daß sie im Unterschied zu den Seefah 
rern kaum mehr als ihr trockenes Brot ver 
dienten. Dies mochte zum Teil aus die be 
schränkte Arbeitsdauer zurückzuführen sein. 
Der Austernfang begann Mitte August,' die 
ersten Austern wurden am 19. August in Ham 
burg auf den Markt gebracht, auf keinen Fall 
früher. 
Tie Austernschiffe schleppten hinter sich auf 
dem Meeresgrund sogenannte Schleppnetze 
oder Schaber, ein Netz, von Riemen aus See 
hundsfell geflochten oder in späterer Zeit aus 
kleinen eisernen Riemen hergestellt,' die Oeff- 
nung hatte einen breiten eisernen Rahmen, 
mit einem etwa drei Fuß langen, dreieckigen 
Eisen, „Strikisen" genannt, weil es die Au 
stern losstrich. Am Streicheisen befand sich ein 
Tau, mit dem das Netz an Bord gezogen wur 
de. Tie Fischer mußten über genaue Kenntnis 
der Austernbänke verfügen, um sie richtig an 
zusteuern. 
Die Austern wurden tonnenweise verkauft,' 
eine Tonne oder 1000 Austern wurden um 
1840 mit 2 Rthlr. bezahlt. In welchen Mengen 
man die Austern gefischt haben muß, gehr 
daraus hervor, daß eine Gesellschaft Flensbur 
ger Kaufleute die Austernbünke 1819 auf 20 
Jahre für jährlich 16 000 Rthlr. pachtete,' Ham 
burger Kaufleute hatten eine Reihe Austern 
bänke in Unterpacht. Der königlichen Hofhal 
tung waren außerdem 80 Tonnen zu liefern 
und dem Grafen Schack zu Schackenburg 10 
3M jähriges Bestehe» des KirchMellmgs zu Hsttte« 
Von Friedr. Naß, Kiel. 
Am 14. Juni d. I. kann der Kirchspielskrug 
zu Hütten auf ein 300jähriges Bestehen zu 
rückblicken. Der alte Krug gehörte früher zum 
Amte Gottorp und unterstand dem Vorwerk 
Hütten. Schon sehr früh wurde auf den großen 
Gütern Bier zum Verkaufe gebraut. In der 
Gottorper Amtsrechnung aus dem Jahre 1573 
steht als Einnahme: „Düth Johr sind thor 
Hütten gebrawet 244 Tonnen Bihrs, für jede 
Tonne 23 ß. empfangen vermöge des Vagedes 
Registers 404 Mark 10 ß." Ein öffentlicher 
Krug wird jedenfalls damals noch nicht bestan 
den haben. In dem Buche von Dr. Andresen 
und Dr. Stephan: Studien und Quellen zur 
Geschichte der Verwaltung und Wirtschaft auf 
Gottorp von 1544 bis 1659, Band 2, Seite 82, 
wird berichtet: 
allein bereits 1697 bei Großvaters Zeiten eine 
ertheilte Concession, sondern sogar bis auf 
mich selbst eine allergnädigste Confirmation 
über diese Krugstelle und dabey gehörigen Län 
dereyen ad dies vitae (zu Lebzeiten), gegen 
Erlegung von 16 Rbth. species allermildest 
excerdiret worden, wofür ich annoch Jhro 
König!. May. hiedurch den allerdemütigsten 
Dank abstatte, So hat das Glück nun dennoch 
nicht gewollt, indem ich bei meinem jugend 
lichen Antritt über 1000 Rbth. an väterlichen 
Schulden habe abtragen müssen, wodurch ich 
stets in den bekümmerten Umständen versetzt 
geblieben. 
Tonnen. Ferner war im Kontrakt ausdrücklich 
festgelegt, daß die Pächter „die köuigliche Resi 
denzstadt Kopenhagen sowohl mit guten als 
mit genügsamen Austern" versehen sollten. 
Hauptabnehmer war im übrigen — St. Pe 
teröburg. 
Die Pächter beschränkten den Fang, nicht so 
sehr um die Austernbänke zu schonen, deren 
Zustand nach dem Pachtvertrag alle zehn Jahre 
untersucht wurde, sondern um den Preis mög 
lichst hoch zu halten. Tie Ansternsischer ver 
dienten 20 Schilling (1.60 MJl) die Tonne, 
die Schiffer etwas mehr. Zur Verfrachtung der 
Austern eigneten sich wegen ihres Fischbehäl 
ters oder Büns besonders mehrere Blanke- 
neser Fahrzeuge, die 25 Tonnen zu fassen ver 
mochten und für jede Fahrt, ausgenommen 
während der gefährlichen Jahreszeit, 100 Mark 
Kurant erhielten. 
Von neuem lebt nun dieser alte Austern- 
fang auf. Seine Bedeutung ist in mehrfacher 
Richtung gewiß nicht zu unterschätzen. Machen 
wir uns doch nicht allein von der Einfuhr un 
abhängig, finden nicht nur weitere Volksge 
nossen Arbeit und Brot, vielleicht winkt sogar 
nach altem Vorbild in späterer Zeit eine Aus 
fuhrmöglichkeit, . . . wenn auch gewiß nicht 
wieder vorwiegend nach St. Petersburg". 
Dr. E. Erichsen. 
„Den reisigen Knecht Otto Rehn haben, als 
er 1627 in fürstlichen Geschäften unterwegs 
war, königliche Soldaten spoliert und nackend 
außgezogen, ihm Hut, Degen und Kleid fort 
genommen (Rentekammerrechnung 16-27). 
Wird mit dem Kruge zu Hütten als Alters 
sitz belehnt." Die Belehnung fand am 14. Juni 
1636 statt. In der Gottorper Amtsrechnung 
von 1694 findet sich die Kopie eines Briefes, 
die auf diese Belehnung Bezug nimmt, da 1648 
die Krugstelle seinem Sohne Otto übergeben 
wird: „Wir Friederich, son Gottes Gnaden, 
Erbe zu Norwegen, Hertzog zu Schleßwig Holl 
stein usw, Uhrknnden und Bekennen hiemit 
Gegen Jedermänniglich: Nachdem wir wey- 
landt Otto Rehnen uff unserm Krug zur Hüt 
ten ertheilte Begnadigung vor dießem und 
zwahr den 14. Juny 1636 dahin extendiret, daß 
ein seiner Kinder, welches ehr Vor seinem 
Absterben nahm Kündig machen würde, er- 
wehnten Krug mit den Zubehörungen und 
aller Gerechtigkeit uf deßen Lebenszeit Jnne 
haben, Besitzen und genißen solle, Undt dan 
uns nach nunmehr erfolgten Absterben, Sein 
Otton Rehnen und deßen Frawen, Ihres 
Jüngsten Sohnes Vormünder Otto Hey und 
Johann Davorst Unterthänigst zu verstehen 
geben, weßmaßen Sie Otto Rehnen und seine 
Fraw vor deßen Ende itzgedachten Ihren jüng 
sten Sohn zu einem Besitzer gemelten Kruges 
Benennet und dazu Beoröet gesehen, Mit Ge 
horsamster Bitte, Wir dehren vorangezogener, 
llnßer Gnädigsten Erwähnung zufolge, Ihn 
Otton Rehnen jüngsten Sohn zum Besitzer 
mehrgedachten Unßern Kruges zu bestätigen 
gnädigst geruhen wollen, daß Wir demnach 
solche in Unterthäuigsten Sachen gnädigst 
stadtgeben, Thun auch daßelbe Confirmiren 
undt Bestätigen vorgedachten Otton Rehnen 
jüngsten Sohn zum Besitzer oft berührten 
Unßern Krug kraft dießes gnädigst, derr- 
gestalt, daß er solchen Krug gleich sein 
Vater denselben Bewohnet und genoßen, mit 
allen Zubehörungen, mit gerechtigkeiten, auch 
inne haben, Besitzen, aufs Beste seiner gele- 
genheit genißen solle und möge, Weßcn wir 
Unßern itzigen und künftigen Beambten hie 
mit Gnädigst Befehlen, daß Sie sich hienach 
Achten, gemelten Otton Rehnen jüngsten 
Sohn Bey dietzer Unßerer Confirmation Biß 
an Unß schützen und handthaben, Nicht aber 
denselben dawieder im geringsten Beschweren, 
noch Beschweren laßen. Uhrkundlich Unßres 
untersetzten Handtzeichens und vorgedrückten 
Fürst!. Cammer Secrets. 
Annetzo scheint mir die Sonne des vermeint 
lichen Glücks in etwas aufzuklären, wenn ich 
nur die besondere allerhöchste Gnade erlangen 
würde, meinen in Besitz habende Krugstelle 
und Ländereyen mit allerhöchster Consens ver 
kaufen und einem Dritten überlassen zu dür 
fen, denn, wie gesagt, so bin ich theils in Be 
drucke, undt anderen Theils bin ich nicht recht 
wohl zum Krüger aufgelegt, daher denn mein 
Glück durch Arbeit und Ackerbau besser zu 
suchen hoffe. Wenn nun Jhro König!. May. 
nach der angeborenen königlichen Großmut 
nicht den Untergang, sondern das wahre Wohl 
und besseres Fortkommen deren Unterthanen 
zu suchen Sik bestens angelegen sein lassen, 
als wage ich es, jedoch zitternd undt in Kind 
licher Ehrfurcht mich auch zu Jhro Königl. 
May. allerhöchsten Gnaden Thron fusfälligst 
zu nähern, mit der allerdemütigsten Bitte, 
Allerhöchstdieselbe wolle in Königlichen Gna 
den geruhen, undt mir zur Ueberlaßung mei 
ner in Besitz habenden privilegirten Krugstelle 
nebst den dazu gehörigen Ländereyen, dero 
allerhöchste Consens allergnädigst zu erteilen. 
Hütten, den 21. Dezember 1778. 
Otto Rehn." 
Geben auf Nutzerem Schloß Gottorp, 
den 20. July Anno 1648. 
S. Friederich." 
Am 21. 12. 1778 macht der damalige Krüger 
Otto Rehn an den König und Herzog folgende 
Eingabe: 
„Wenngleich meine Bvrältern sowohl als ich 
selbst die allerhöchste Gnade genossen, nicht 
Dazu berichtet in einem Pro memoria der 
Hardesvogt Fleßburg in Fleckeby: „Es ist 
diese Stelle zur Zeit, da des Jmpetranten Va 
ter Friedrich Rehn auf eben eine solche Con 
fession ad dies vitae selbiger inne gehabt, mit 
ansehnlichen, teils aus Holzbrüchen (zur 
Brauerei und Brennerei gehörte viel Holz, 
wenn es im Amte Hütten auch reichlich vor 
handen war, durfte es trotzdem nicht gestohlen 
werden) entstandenen Schulden dergestalt be 
haftet gewesen, daß diese Stelle auf 16 Jahre 
an einen Dritten verhüuert, und die Heuer 
währende Zeite zur Tilgung einiger Schulden 
verwandt. Anno 1762 hat Jmpetraut nach Con 
sens auf Lebenszeit, wodurch die voherige Ab 
gabe, nemlich 16 Roth species zu 21 Rbth. spe 
cies erhöht worden, die Stelle angetreten, da 
raus aber seine übrigen Geschwister nicht nur 
mit 350 Rbth. sp. ausgelöst, sondern auch väter 
liche Schulden übernommen, über dieß nicht 
die beste Wirtschaft ist, so könnte er in Umstän 
den geraten, wo der Verkauf der Stelle ihn 
nicht heraushelfen könne, der Concurs zwei 
felsohne unvermeidlich sey." (Es wird der 
Vorschlag gemacht, daß bei in Aussicht stehen 
den Niederlegung des Vorwerks Hütten eine 
Königliche Freistelle mit Kanon gebildet wür 
de. Da der Krug aber zu dicht bei dem Hofe 
liegt, so könnten nach Anweisung der König 
lichen Landkommissivn die Gebäude an einem 
andern Ort errichtet werden). In demselben 
Jahre wird von der Rentekammer die Nieder 
legung des Vorwerks in Aussicht genommen. 
Da auf der Auktion im Jahre 1779 keine ge 
nügenden Gebote auf die Parzelle gemacht 
werden, erfolgt durch die Rentenkammer kein 
Zuschlag, der Hof wird auf drei Jahre weiter- 
verpachtte an den früheren Pächter I. Prien. 
Die Rentenkammer verhandelt aber weiter 
mit Otto Rehn, er erwirbt den Hüttenkrug 
und tritt am 1. Mai 1780 an. Es folgt der, 
„Kaufbrief", in dem es heißt: 8 1: Es soll der 
mit gedachtem Krüger Otto Rehn getroffene 
Land-Umsatz, so wie derselbe im Hüttener Nw- 
derlegungsplan vorgeschlagen worden, in Er 
füllung gehen, und wodurch der jetzige Besitz 
des Krügers m einen erb- und eigentümlichen 
Besitz verwandelt werden. Demzufolge gibt der 
Käufer ab 1. die Koppel und den Holtzgrund, 
Lammershorst genannt, und 2. eine Koppetz 
Ohlendiek genannt, so wie er besagte Land- 
stelle bisher benutzet. Dahingegen erhält er 
wieder: a) an Wiesenland die Küsterwiese und 
b) die vorderste Ecke aus der Hofkoppel Lan 
genkamp, sowie beide Landteile in der ange 
hefteten Beylage sub lit. D. und E. nach der 
Quantite und Bonite aufgeführt sind. Wie 
diese zugelegten Stücke nun, inclusive derje 
nigen, mit welcher kein Umsatz getroffen 
(Nr. 1. A, B, C.) sondern stets bei der Krug 
stelle gewesen, und auf der jetzigen Ueber- 
lassung mit einverleibt werden, nach der an 
gehängten Specisicen Beschreibung des Ma 
jors und Oberlandmessers Bruyn, 19 Tonnen 
4 Scheffel nach der Quantität und 15 Tonnen 
1 Scheffel nach der Bonite ausmachen, so wird 
8 2 diese Landzahl benebst der Freyheit Krü 
gerey zu treiben, zu brauen und zu brennen, 
dergestalt dem Otto Rehn zum Eigenthum 
übergeben, daß er anstatt der vorhin erlegten 
21 Rbth. sp. oder mit 25 Rth. 39 ß Courant 
und ferner wegen der Brandwein-Brennerey 
und Consumation in seinem Hanse 4 Rbth. 
oder in Courant 4 Rth. 16 tz, mithin zusam 
men 30 Rth. 7 ß nunmehr von dem 1. May 
1780 an, als an welchem Termins der getrof 
fene Landansatz gleich wie die eigenthümliche 
Ueberlassnng in Kraft tritt, inclusive des Ber- 
bittelgeldes von 1 Rth. 3 ß, mithin 32 Rth. 
43 tz Courant jährlich und zwar in zwo gli 
chen Terminen auf Maytag und Martini an 
die hiesige Hüttener Amtsstube davon entrich 
ten muß. als für welchen erhöhten Canon 
ihm die vorbedachte Krug- Brau- und Brcn-. 
nerey-Gerechtigkeit benebst den in der äuge- 
hefteten Specification aufgeführten Lanöstücke 
erb- und eigenthümlich mit der Freyheit zu 
verkaufen und darüber zu schalten und zu 
walten, zugestanden wird. 
Der Kaufvertrag ist am 17. 2. 1781 von der 
Königlichen'Rentenkammer zu Kopenhagen ge 
nehmigt und vom König-Herzog bestätigt 
worden. t 
Somit war die erste Freistelle im Vorwerk 
Hütten geschaffen worden. Die gänzliche Nie 
derlegung des königl. Vorwerks erfolgte aus 
öffentlicher Auktion am 6. 7. 1782 mit Antritt 
zum 1. Mai 1783. Obwohl dadurch viele Frei 
stellen geschaffen wurden, so lastete vor allem 
der darauf liegende anon schwer auf den neuen 
Besitzern. Dazu kam bald nach den Freiheits 
kriegen die traurige Zeit der Inflation Däne 
marks. Große Bauernstelle konnte man für 
die hohen Lasten und eine Pfeife Tabak kaufen. 
Die Familie Rehn scheint die Krugstelle nicht 
lange habe halten können, denn 1796 gehörte 
sie schon zum Restgut Hütten. Nach dem Mann- 
zahlsregister des Amtes Hütten von 1803 war 
Cascher Ernst Stapel Pächter des Kruges. Im 
Jahre 1810 wird von diesem Restgut eine Par 
zellierung durchgeführt, von den ursprüng 
lich 3., 4. und 5. Parzellen werden 26 kleine 
Besitzungen gemacht. Es wird auch» die Par 
zelle 26, die Krugparzelle mitverkauft. IM 
Jahre 1863 wird als Besitzer ein Gastwirt 
Ströh genannt, nach dem Stamp und Jochims. 
1891 erwibt Johann Hagge den Krug, dessen 
Schwiegersohn Koll der jetzige Besitzer ist. 
(Niederlegung des Vorwerks Hütten, 
Aktenzeichen 25 i S. 863 und folgende 
aus dem Staatsarchiv in Kiel). 
Asb er 50 OOÖ fuhren nach Köln 
Bericht einer kinderreichen Mutter aus Rendsburg 
Ueber 50 000 deutsche Väter und Mütter aus 
allen Gauen, aus den fernsten und einsamsten 
Winkeln, aus großen und kleinen Städten, von 
Bergen und von Inseln, aus Hütte und Haus, 
viele in farbenfrohen Trachten, näherten sich 
am Morgen des 6. Juni Köln. Daheim ließen 
sie ihre vier, fünf, auch sechs, sieben und noch 
mehr kleine und große Kinder und dazu für 
drei Tage Sorge und Bedrängnis, um in der 
Hauptstadt des Rheinlands Freude und neue 
Kraft zu gewinnen, um ihr deutsches Vater 
land zu durchfahren und seiner ungeahnten 
Schönheit froh zu werden. Alle, die den deut 
schen, vielumstrittenen Rhein und das 
blühende deutsche Land im Westen noch nicht 
kannten, trugen eine schöne Hoffnung aus Be 
glückung im Herzen dorthin — und auf Rücken 
und in Händen das unterschiedlichste Gepäck. 
In kurzen Abstünden erreichten die Züge 
Köln, und ununterbrochen ergoß sich der 
Menschcnstrom aus der Bahnhofshalle in die 
Stadt, um sich nach allen Seiten zu zerteilen 
durch die buntbewimpelten Straßen, über fest 
liche Plätze und in enge Gassen. Aus allen 
Fenstern und Geschäften grüßte die Bevölke 
rung, und wo ein Landesverband seiner „eige 
nen" Musik nachmarschierte, wie z. B. wir 
Schleswig-Holsteiner, da wanderte eine Kette 
Einheimischer nebenher. In Schulen und Kan 
tinen, öffentlich oder privat, wurden wir Gäste 
untergebracht und bewirtet. Geschildert kann 
nicht werden, was jeder einzelne im Quartier 
erlebte, was er mehr oder weniger lobte, je 
nach Temperament. 
Gesagt aber sott sein, daß schon beim Eintref 
fen in Köln keiner mehr allein oder nur mit 
seinen heimischen Kameraden reiste, sondern 
daß schon in der Eisenbahn eine freundliche 
Kameradschaft und Hilfsbereitschaft unter allen 
Mitreisenden gewaltet hatte. Gegenseitiger 
Austausch von Gedanken, ein Aufrollen von 
Schicksalen und Berufsbildern hatte häufig 
eine Brücke inniger Teilnahme und Zunei 
gung geschlagen, so daß in Köln eine Tisch 
gemeinschaft schon einer Familie gleichkam, 
die, wenn auch oft mit großer Mühe, bestrebt 
war, nicht irgendwo im Gedränge auseinan 
derzugeraten. Wie in den „Ferien vom Ich" 
kam Mensch zu Mensch, Freude zu Freude, 
Sorge zu Sorge, Trost zu Trost, ohne daß im 
mer bekannt war, wes Nam' und Art der Ge 
nosse war. Väter und Mütter vieler Kinder 
trugen gleiche Lasten, hegen gleiche Hoffnun 
gen, kämpfen um gleiche Ideale. Mögen die 
Lebensbedingungen noch so verschieden sein, in 
der Auseinandersetzung um das Kind wissen 
alle voneinander die gleiche Lust, dieselbe Last 
der Verantwortung, haben Verständnis, ohne 
daß es erzeugt zu werden braucht durch viele 
Worte. Nur eine kurze, warme Frage, ein lei 
ses Rühren an vermutliche Nöte, ein aufmerk- 
'sames Zuhören, ein herzliches Lachen genügte, 
die Augen heller, die Freude am Reisen größer 
zu machen. Und dieses Lachen vor allem war 
es, daß die Oberhand bekam auf der Fahrt, im 
troh und auch im Regen, das wie eine Wun 
dermixtur den Schlaf aus den müden Augen 
trieb, "das wahrhaftig selbst die dritte, mehr 
oder weniger durchwachte Nacht siegreich be- 
zivang, so daß die Stimmung und die Begei 
sterung in stetem Aufstieg begriffen war trotz 
aller am Sonntag verregneten Hüte, die wie 
melancholische Gebilde heimgebracht werden 
mußten, trotz kleiner Mißgeschicke und heim 
licher Schmerzen. 
Und wer löste sie aus, die Wundermixtur? 
Es war die schöne deutsche Heimat, ivar der 
liebe deutsche Kamerad! Ein jeder pries die 
Beglückung auf seine Weise und in seiner 
Mundart, und gerade die letztere war es, die 
eine so trauliche Stimmung und eine so 
freundliche Aufmerksamkeit herzustellen ver 
mochte. „Ich hör sie halt so gern schwätze!" 
oder: „Sie freue sich halt, daß ihr da seid." 
„Oa, bleibe du nua sitze, i steh derweil a üissl." 
„Magst noch a Schtickele Wurscht?" Und wenn 
wir Schleswig-Holsteiner plattdeutsch sprachen, 
dann war das Staunen darüber so groß wie 
die Freude an unserem vielgesungenen und 
geblasenen Schleswig - Holstein - Lied. Es 
klang und sang auf der Hinfahrt, bei der 
Ankunft in Köln, beim An- und Abmarsch zu 
und von der nassen Festwiese, die so ivunder- 
herrlich am Rhein liegt und so übexans schön 
geschmückt war. Bei der Abfahrt von Köln mit 
dem großen Rheindampfer scholl es als Gruß 
und Dank zurück, am Deutschen Eck gab es 
dem Deutschland-Lied den Vortritt, aber beide 
Lieder brausten mit spontaner Gewalt hin 
über zum Ufer. Und noch manches andere 
schöne Lied hallte wider von den burggekrön 
ten Bergen und den weinbepflanzten Hängen, 
und vielhundcrtfältig gab es Zeugnis von 
dankbarem Erleben, das vielhundertfültige Er 
wartung übertraf. „Wie bist du doch so schön, 
o du weite, weite Welt!" Ein jeder seh' sie ans 
seine Art, als wir heimfuhren durch deutscht 
Gaue, über Rhein und Main, Fulda un 
Werra, über Leine und Elbe. Ab Hannover 
stieg eine Gruppe nach der anderen aus, u»o 
heimische Lieder und freundliche Grüße ver 
abschiedeten sie. Keine Fremden waren sie uns 
mehr. Mögen sie auch aus unserem Gesichts 
seid entschwinden, mögen noch nicht alle von 
des sein, als was unseres Führers Stellver 
treter uns begrüßte und bewertete, Staats 
bürger erster Klasse. Weggenossen waren »no 
bleiben wir, tragen alle eine holde Last un^ 
eine riesengroße Verantwortung mit der E *' 
ziehung unserer Kinder, weil diel 
die Grundlage für den Bestand des Volkes b 
deuten. Wir wissen, nur wenn wir selber Vo ' 
bild sind und Träger großer Opfer, werde 
wir Künder der notwendigen biologisch^ 
Pflicht, Vorbild und Erzieher zu einer nenc 
vaterländischen Haltung sein. * 
Und zu dieser Verpflichtung hat uns ds 
Treffen in Köln, hat uns die Stadt durch ly 
gastliche 'Aufnahme, hat nns die Ehrung 
Anerkennung unseres Führers und seiner ® ' 
auftragten gestärkt, hat uns neue Kraft u 
neuen Mut mit heimgegeben zu unser 
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