Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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Reue Rede 
im Unterhaus 
Die englische Regierung benutzte die Unter 
haussitzung am Montag, um ihre in der vori 
gen Woche erlittene Abstimmungsniederlage 
bei dem Antrag der arbeiterparteilichen Oppo 
sition auf gleich hohe Bezahlung für Männer 
und Frauen im Staatsdienst wieder wettzu 
machen, wobei sie unter anderem die Ver 
trauensfrage stellte. 
Ministerpräsident Baldwin bezeiclWrte die 
Niederlage als reinen Zufall, ans dem die Re 
gierung keine Folgerungen zu ziehen brauche. 
Der Führer der arbeiterparteilichen Opposi 
tion, Attlee, sprach zur Außenpolitik. Die Au 
ßenpolitik sei seit den Enthüllungen über den 
Hoare-Laval-Plan höchst unklar geworden. 
)ie Tatsache, daß die Regierung lediglich mit 
Frankreich und nicht mit dem gesamten Völ 
kerbund verhandele, habe die Lage ernstlich 
verschlimmert. Ter Locarno-Vertrag sei eine 
viel zu enge Grundlage. Die Arbeiterpartei 
wünschte, daß England den gesamten Völker 
bund zur Aufrechterhaltung von Recht und 
Ordnung aufbiete, wobei man sich nicht nur 
auf Westeuropa beschränken dürfe. 
Dann nahm der Konservative Winston 
Churchill das Wort. Es gebe maßgebende Per 
sönlichkeiten, die bezweifelten, ob die Abessi 
nier ihren Widerstand noch bis zur Regenzeit 
verlängern könnten. 
Es werde sich Herausstellen, daß die fünfzig 
Nationen des Völkerbundes den Abessiniern 
auch nicht den geringsten Nutzen gebracht hät 
ten. Auf der anderen Seite habe sich England 
die Feindschaft Italiens im Mittelmeer- zuge 
zogen. In Zukunft werde England erheblich 
größere Ausgaben für seine militärischen 
Stützpunkte im Mittelmeer haben als bisher. 
Nach Churchill sprach Sir Austen Chamber- 
lain. Im Falle Locarno sei England verpflich 
tet, seine ganzen Hilfskräfte dem Völkerbund 
zur Verfügung zu stellen. Wegen des Charak 
ters der deutschen Vorschläge sei er befragt, 
insbesondere wegen der Bezugnahme auf die 
Gleichheit des Rechtszustandes. Man müsse 
genau wissen, was Deutschland hiermit meine. 
Dann erhob sich 
Außenminister Eden 
der sich zunächst mit der Behauptung des Op 
positionsführers Attlee auseinandersetzte, daß 
England im abessinischen Streitfall sich nicht 
an den Völkerbund gehalten habe. Erst die 
Geschichte werde lehren, ob das, was der Völ 
kerbund beschlossen habe, gut oder schlecht ge 
wesen sei. Wie auch immer das Urteil ausfal 
len werde, die Verantwortung Englands 
müsse mit dem Völkerbund geteilt werden. 
Die Lehre, die man bisher aus den Ereignis- 
ten ziehen könne, laute erstens, daß ein zah 
lenmäßig begrenzter Völkerbund unvermeid 
lich auch in seiner Wirksamkeit begrenzt sei. 
Zweitens könnten dessen finanzielle und 
wirtschaftliche Sühnemaßnahmen nicht sofort 
wirksam werden, wenn die Mitgliedschaft beim 
Völkerbund nicht vollständig sei. Entweder 
müsse es jetzt zu echter Versöhnung kommen, 
die innerhalb gegebener Zeit in die Einstel 
lung der Feindseligkeiten münde, oder der 
Achtzehnerausschuß müsse sich noch einmal mit 
seiner Aufgabe befassen. 
Der Außenminister kam dann auf die durch 
den deutschen Friedensplan geschaffene Lage 
zu sprechen. Er erklärte, daß die Prüfung der 
deutschen Note noch im Gange sei. Vor ein 
paar Tagen seien jedoch die Regierungen 
Frankreichs und Belgiens an die britische Re 
gierung mit der Bitte herangetreten, eine Ta 
gung der Locarno-Mächte ohne Deutschland 
Anfang dieser Woche entweder in Paris oder 
in Brüssel abzuhalten. Er bekenne, daß die 
englische Regierung einige Zweifel über die 
Nützlichkeit einer solchen Zusammenkunft in 
in diesem Augenblick empfunden habe. 
Er habe es für richtig gehalten, darauf hin 
zuweisen, daß die englische Regierung nicht 
zu einer Zusammenkunft gehen und der An 
sicht zustimmen könne, daß die Versöhnungs 
aktion sConcilatio») zu Ende sei. Doch sei er 
der Ansicht gewesen, daß ein Gedankenaus 
tausch vielleicht wertvoll sein würde, ob auf 
diplomatischem Wege oder unmittelbar durch 
eine gemeinsame Zusammenkunft. 
Die Vorschläge des Reichskanzlers beträfen 
teils eine Gruppe von Westmüchten, teils ei 
nige Staaten im Süden oder im Osten Euro 
pas sein, wenn man erklärte, daß Locarno 
daß diese Vorschläge miteinander verbunden 
würden »nd zwar durch den Völkerbund, da 
mit keinerlei Verwirrung entstehe. 
Attlees Erklärung, daß der Locarnovertrag 
nicht umfassend genug sei, bedeute eine allzu 
große Vereinfachung der Pflichten Englands. 
So leicht sei das alles nicht. Bestimmt würde 
es kein großer Beitrag zum Vertrauen Euro- 
was sein, wenn man erklärte, daß Locarno 
„zu eng" sei. Man müsse vielmehr sicherstellen, 
daß der Völkerbund besaßt werde und daß er 
die neuen Anstrengungen zur Sicherung in 
Europa unter seiner Kontrolle halte. Das sei 
genau genommen die Politik der britischen 
Regierung in dieser Frage. 
Hier wolle er aber eine Warnung ausspre 
chen. Wenn jemand die Vorstellung habe, daß 
man jetzt die Vorschläge des deutschen Kanz 
lers und ebenso die unmittelbaren Aufgaben, 
die sich für England aus der „Verletzung" des 
Locarnovertrages (!) ergäben, beiseitelegen 
solle, und daß stattdessen ein weitreichender 
Plan einer allgemeinen Regelung ftir Europa 
verhandelt werden solle, so wolle er vor einer 
derartigen Vorstellung warnen. 
Er glaube nicht, daß dies das beste Verfah 
ren wäre, das man einschlagen könnte, und 
wolle dem Haus auch sagen, warum. Er sei 
sehr darüber im Zweifel, ob es in diesem Au 
genblick möglich oder wünschenswert sei, all 
gemeine Verpflichtungen zu gegenseitigem 
Beistand, die sich über ganz Europa erstreck 
ten, auszuhandeln, und die Bestimmungen der 
Völkerbundssatzung zu umgehen. 
Er möchte dem Hause freimütig erklären, 
daß die Regierung den Wunsch habe, daß 
bis Ende des Sommers alle Völker Europas 
Mitarbeiter des Völkerbundes seien (Beifall.) 
Sie wünsche weiter, daß ein neues Sicherheits 
gebäude in Westeuropa die Stelle Locarnos 
einnehmen möchte. Sie wünsche, daß die Si 
cherheit an anderen Stellen durch Ueberein- 
kommen gestärkt werde, die unmittelbar vom 
Völkerbund Übermacht würden. Wenn dieses 
Ergebnis bis Ende des Sommers erzielt wer 
den würde, so würde für die Sicherheit Euro 
pas so viel gewonnen sein, daß es dann mög 
lich erscheine, auf die weiteren Pläne einzuge 
hen, die sich auf Rüstungen, wirtschaftliche 
Fragen und die Stärkung der Sicherheit durch 
die iu der Völkerbundssatzung selbst gebotenen 
Mittel bezögen. 
Es möge so aussehen, als ob dieses Pro 
gramm bescheiden sei,- aber man habe so viele 
Konferenzen mit großen Programmen fehl 
schlagen sehen, daß er der Ansicht sei, es sei 
klüger, diesen unmittelbaren Beitrag zur Si- 
herheit Europas zu leisten, der tatsächlich ge 
leistet werden könne. 
Wenn der Völkerbund von allen europäi 
schen Ländern angenommen und wieder be 
stätigt werde, so müsse dies eine beruhigende 
Wirkung haben. Er hoffe, daß das Haus er 
kenne, was das bedeute. Es bedeute, daß diese 
Staaten anerkennen, daß sie in jeder Frage, 
sei es in einer territorialen oder einer ande 
ren, nur in Uebereinstimmung mit den 
Grundsätzen und durch die Maschinerie des 
Völkerbundes handeln könnte. 
Zum Schluß wünsche er festzustellen, daß in 
der gegenwärtigen Zeit der Schwierigkeiten 
es nichtsdestoweniger wahr fei, daß der Völ 
kerbund an Stärke gewonnen und tiefe Wur 
zeln geschlagen habe. (Beifall.) Aus diesem 
Grunde sei es entscheidend, daß alles, was 
Großbritannien tue, auf der Völkerbundssat 
zung beruhe. Er hoffe seinerseits, daß man 
dieses Instrument nicht leichtfertig abändere, 
bis zunächst sichergestellt sei, daß jedermann in 
Europa gewillt sei, seine Völkerbundsver 
pflichtungen zu erfüllen. 
Londoner Blattet zur Unkerhans- 
absļimmung. 
Die englischen Morgenblätter sind im all 
gemeinen nicht sehr einverstanden mit der 
Form, in der die Regierung ihre kürzlichen 
Stimmenniederlagen am Montag durch eine 
erzwungene Vertrauensabstimmung auszu 
gleichen suchte. 
Selbst die „Times" schreiben, daß die Regie 
rung in letzter Zeit eine sehr unglückliche 
Hand in ihrer Zusammenarbeit mit dem Un 
terhaus gehabt habe. Andererseits aber gehe 
aus der gestrigen Abstimmung ganz klar her 
vor, daß kein Teil des Hauses das Vertrauen 
zu dem Minister verloren habe, der in den 
sorgenhaften Tagen die Hauptverantwortung 
für die auswärtige Politik trage. Das Blatt 
verurteilt schürfstens, daß die Opposition in 
diesem so schwer wiegenden Augenblick gegen 
die Regierung gestimmt habe, wodurch die Ge 
fährlichkeit einer Parlamentsauflösung ver 
antwortungslos heraufbeschworen sei und die 
Möglichkeit, neue Verwicklungen in die schon 
bestehenden Schwierigkeit zu bringen, denen 
nicht nur England, sondern ganz Europa ge 
genüberstehe. 
Auch der Daily Telegraph meint, daß selten 
ein Angriff zu einer so ungelegenen Zeit und 
so rücksichtslos gegenüber den Auswirkungen 
im Parlament erfolgt sei. Die ganze Regelung 
der Nachkriegszeit und noch vieles sonst sei 
augenblicklich in dem Schmelztiegel, und wenn 
die Stimme Englands in den Besprechungen 
darüber Gewicht haben solle, so müsse die 
öffentliche Meinung dahinter stehen. 
Das Arbeiterblatt „Daily Herald" unter 
stützt natürlich die Ausführungen Attlees und 
schreibt in einem Leitartikel, daß England die 
ganze Stärke des Völkerbundes zusammen 
bringen müsse, um Gesetz uud Ordnung zu 
wahren. Locarno sei eine viel zu schmale 
Grundlage, um die kollektive Sicherheit in An 
wendung zu bringen. 
Einzug ö§§ §li§g§rgeschrvaders 
„Horsl Vessel" m Dortmund. 
DNB. Dortmund, 6. April. Ueberaus herz 
lich empfing die junge Garnisonstadt Dort 
mund am Montag die Fliegergruppe Dort 
mund des Horst-Wessel-Geschwaders, die durch 
Verordnung des Führers Dortmund als 
Standort erhalten hat. Vlumengeschmückt und 
mit klingendem Spiel marschierte sie vorn 
Westen durch die Innenstadt zum Hansaplatz, 
wo eine unübersehbare Menschenmenge ihrer 
harrte. Ein Wald von Fahnen umgab den 
großen Platz, auf dem Abordnungen der schon 
in Dortmund liegenden Truppenteile, die 
Ehrenformationen der Bewegung, des Kyff- 
häuserbundes und anderer Verbände aufmar 
schiert waren. Nachdem der Luftkreiskomman 
deur des Luftkreiscs iv, General der Flieger 
Halm, unter den Klängen des Präsentier- 
marsches die Front abgeschritten hatte, hieß 
der bisherige Standortälteste der Wehrmacht, 
Major Andre, die Flieger vom Geschwader 
Horst Wessel herzlich willkommen. 
ni und Frische 
erhöhen die öehaglich- 
tceit Prachtvollen Hoch- 
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keine Sprechstunde ab 8. Apr» 1936 
SciolRarao.-Mapiien 
H. G. Otto 
Papier-,Galanterie- u. Lederwar. 
Schiffbrücke 8 
Schulartikel 
Salz-Vollheringe 
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Westphal, Hohe Straße 22. (* 
Iruleier 
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Fernruf 232. 
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Für die Stadt Dortmund gab Bürgermeister 
Dr. Fluhme der Ueberzeugung Ausdruck, daß 
die Truppe in der Hand des Führers ein 
Werkzeug des Friedens sein werde. Den Dank 
der Truppe für den herzlichen Empfang über 
mittelte der Gruppenkommandeur der Flie 
gergruppe Dortmund, Major Kammhuber. Er 
versicherte, daß das Geschwader vertrauens 
voll und kameradschaftlich mit der Partei und 
ihren Gliederungen zusammenarbeiten wolle. 
Der Vorbeimarsch des Geschwaders und der 
Ehrenformationen am Stadttheater beendete 
die Feier. 
Anschließend rückte das Geschwader in den 
Fliegerhorst ab, der mit Ehrenbogen ge 
schmückt war. Vor dem Hauptgebäude er 
mahnte General der Flieger Halm die jungen 
Soldaten, stets dem Führer dankbar zu sein 
für die Wiederherstellung des Rechtes und der 
Geltung Deutschlands. Auf den Befehl: „Heiß 
Flagge!" ging die Reichskriegsflagge über den 
Fliegerhorst.
	        
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