Der Neubau der Werft Blohm & Botz
Das nette Segelschulschiff der Reichsmariue
„Gorch Focks" Schwesterschifs
(Atlantic, K.)
Das neue Segelschulschiff „Horst Wessel"
der Kriegsmarine, das, wie sein etwas kleine
res Schwesterschiff „Gorch Fock" der Ausbil
dung des seemännischen Nachwuchses der
Kriegsmarine dient, ist hauptsächlich für Fahr
ten in den heimischen Gewässern bestimmt. Die
Hauptabmessungen sind: größte Länge des
Schiffsrumpfes 81 Mir., größte Länge mit
Bugspriet 90 Mtr., größte Breite 12 Mtr. Der
Tiefgang betrügt 5 Mtr., die Wasserverdrän
gung 1780 To. Das Schiff ist eine Dreimast
bark mit einer größten Segelfläche von etwa
2000 Quadratmeter. Die Höhe der Masten über
der Wasserlinie beträgt etwa 43 Mtr. Ein 750-
PS.-MAN-Hilfsmotor befähigt das Schiff, nur
mit Motorkraft fahrend eine Geschwindigkeit
von zehn Knoten zu erreichen.
Etwa 200 Anwärter für die verschiedenen
Laufbahnen der Marine können mitschiffs in
zwei großen Räumen auf dem Zwischendeck
untergebracht werden. Sie schlafen in Hänge
matten, haben aber auch wcgklappbare Tische
und Bänke in ihren Räumen. Außerdem ist
eine ständige Besatzung von neun Offizieren,
13 Feldwebeln, 26 Unteroffizieren und etwa
30 Mann an Bord. Die Offiziere und Feld
webel wohnen im Hinterschiff, die Unteroffi
ziere und Mannschaften vorn. Im Unterschiff
sind die erforderlichen Vorratsräume sowie
der Maschinenraum untergebracht.
Das neue Schulschiff ist durch wasserdichte
Schotten unterteilt, daß es schwimmfhüig bleibt,
wenn eine beliebige Abteilung voll Wasser
läuft: an den Enden können zwei Abteilungen
ohne Gefahr für das Schiff vollaufen. Auch
sonst sind beim Bau des Schiffes, der unter der
Aufsicht des Germanischen Lloyd erfolgt, neben
den Vorschriften der Kriegsmarine die für
Fahrgastschiffe gültigen Vorschriften eingehal
ten. Für die Heizung der Wohnräume ist eine
Warmwasserheizungsanlage vorgesehen. Auf
gute Lüftung ist besonders Wert gelegt: das
ganze Schiff wird durch ein Netz von Luftkanä
len künstlich gelüftet. Alle Deckshilfsmaschinen
wie Ankerwinde, Verholspille, Steuermaschi
ne werden dem Zweck des Schiffes entsprechend
von Hand betätigt. Eine Bewaffnung ist nicht
vorgesehen. Elektrischer Strom, der durch drei
Dieseldynamos und nachts durch eine Akku
mulatorenbatterie erzeugt wird, dient zur
Speisung des Lichtnetzes und zur Heizung der
Küchenapparate wie Kochherd, Kochtöpfe, Back
ofen. An Booten sind vorgesehen eine Motor
jolle, drei Kutter und eine dem Segelsport die
nende Sharpiejolle. Das Schiff erhält Funken
telegraphie, Echolotanlage, einen kleinen Si
gnalscheinwerfer und zwei Sirenen mit Druck
luftbetätigung.
Der Neubau ist das 33. von der Werft Blohm
u. Voß gebaute Segelschiff. Das Schiff wurde
am 1. November 1935 bestellt. Am 13. Februar
d. I. wurde der Kiel gelegt: die Ablieferung
wird im September erfolgen.
Alles in allem wird die „Horst Wessel" also
die neuesten Fortschritte und Erfahrungen im
Segelschiffbau in sich vereinigen und damit die
Gewähr bieten, daß sie sich dessen, der ihr sei
nen Namen gab, auch in schiffbaumäßiger Hin
sicht würdig erweisen wird.
Der Klang von Skagerrak
Von Oberstleutnant a. D. V e n a r y.
Als wir heranwuchsen, da gehörte unser
Herz der deutschen Flotte. Wir sahen sie auf
blühen, erstarken. Sie schien uns der Aus
druck der Macht, der Kraft des jungen Rei
ches, ihr schien der Sieg gewiß, selbst über
Englands alterstolze Geschwader.
Dann kam der Krieg. Gespannt horchten
wir gen Norden. Doch keine Siegeskunde flog
zu uns vom Nord-, vom Ostmeer. Untätig
lag die Hochseeflotte in den Häfen, nur Kreu
zer und U-Boote hielten den Waffenruhm
aufrecht auf kühner Fahrt. Verwundert frag
ten wir: „Was plant man, warum setzt man
sie nicht ein?" Wir armseligen Landratten
ahnten ja nichts von den politischen, strategi
schen, taktischen und technischen Bedenken in
den Kanzleien und Stäben, für uns hieß es
nur: „Drauf und durch!" Ob Feld, ob See,
überall galt es zu fechten und zu sterben für
Deutschland.
Monate vergingen, Jahre! Wir stritten im
Westen, im Osten. Wir dachten kaum noch an
die dritte Front, dort oben im Norden. Nur
allmählich begann die Blockade zu schnüren,
nur hier und da zuckte es wie ein Wetter
strahl aus dem Gewölk, hallten Namen wie
Weddingen, Dohna an unser Ohr.
Wieder ward es Frühling. In Galizien la
gen wir. Eine seltsame Unruhe zitterte seit ein
paar Tagen durch unsere sonst so ruhige
Front. Die Brussilow-Offensive warf ihre
Schatten voraus. Mich duldete es nicht in der
Batterie. Zum Regiment ritt ich, Neues zu
hören, Erfahrungen auszutauschen. Rings
um Blühen und Grünen, Wachsen und Wer
den, tiefer Frieden, kein Schuß von hüben und
drüben, von Flieder, Kastanien verdeckt das
Panjehaus. Auf der Schwelle der Oberstleut
nant, die Mütze im Nacken, ein Blatt in der
Hand. Schon von weitem winkt er: „Wissen
Sie schon? Die Flotte schlug vor Jütland die
Briten!" „Wirklich?" Ich sprang vom Pferde
und griff nach dem Blatt. Da stand es
Schwarz auf Weiß, der ersehnte, der große Er
folg der Kameraden auf See! Und zum
Schluß der Zusatz des Allerhöchsten Kriegs
herrn: „Ist sofort allen Truppen bekannt zu
geben." Ich eilte heimwärts, die Batterie trat
an, ich verlas die Botschaft, die Gesichter
strahlten, ein Hurra zerriß die Stille. Dann
gingen wir auseinander. Der Dienst ruhte.
Aber in den Unterständen hockten sie beiein
ander die alten Landwchrleute aus Niöder-
sachsen, die jungen Kriegsfreiwilligen aus
Hamburg. Sie kannten die See, die Flotte-
Sie tauschten Rede und Ansicht über Ausmaß
und Wert des Sieges, sie schmunzelten in Ge
danken an die Wut, an die Enttäuschung i rt
England und kargten nicht mit Lob, mit An-
erkennnng für Schiffe und Besatzung. Frei
lich, gar mancher ward auch still, gedachte in
Sorge des Bruders, des Freundes, der dabei.
Manch Becher Wasser wurde in unsern Wein
gegossen. Die erhofften politischen Folgen lie
ßen auf sich warten, die Blockade blieb be
stehen. Allmählich begann man zu ahnen, wie
hart der Kampf war, wie schwer die Verluste-
Da schüttelte mancher das Haupt. Der Land-
soldat, dem Geländegewinn Erfolg bedeutet,
kann schwer verstehen, daß zur See Sieger
und Besiegte den Kampfplatz räumen, daß der
moralische Gewinn meist den tatsächlichen
übertrifft. Ich aber saß auf der Bank vor
der Beobachtung auf der Höhe und sah träu
mend in das Strypatal, in dem das Artille
riefeuer der anhebenden Schlacht brodelte. Auf
meinem Schoß lag das Buch Gorch Focks, des
Mannes, der seine Liebe zum Meere, seine
Treue zu Deutschland mit dem Tode besiegelte,
der sein Seemannsgrab fand in jener Schlacht
vom 31. Mai. Meine Hand strich drüber hin,
mein Herz schlug voll Zuversicht: „Seefahrt
ist not!"
Allerlei arrs aller Welt
Der Negus als Filmdarsteller?
Dem Negus soll bei seiner Ankunft in
Jerusalem von einem Vertreter einer großen
amerikanischen Filmfirma angeboten worden
sein, die Hauptrolle in einem speziell für ihn
geschriebenen Film zu übernehmen. Man soll
dem Negus das Angebot nicht nur durch ein
außergewöhnlich hohes Honorar, sondern auch
dadurch schmackhaft gemacht haben, daß man
ihm im Nahmen der Spielhandlung weitge
hendste Propaganda für seine Interessen zu
gestanden hat. Weiter wird behauptet, daß auch
ein amerikanisches Zirknsunternehmen dem
Negus für eine Monatsgage von 150 000 Dol
lar zu gewinnen versuchte. Der Negus soll
jedoch über dieses Angebot derart empört ge
wesen sein, daß er den Vertreter dieser Firma
persönlich hinauswarf.
*
2vv Millionen Jahre alte Funde.
Dem Museum in Kapstadt sind aus Rhode
sien 30 Kisten mit Fossilien zur Begutachtung
und Aufbewahrung übersandt worden. Eine
Expedition hatte in einer fast unzugänglichen
Gegend in Nordrhoöesien ein riesiges Fckd
entdeckt, das unzählige Ueberreste an vorge
schichtlichen Reptilien barg. Sachverständige
schätzen das Alter der Funde auf 200 Millio
nen Jahre. Die Reste waren in stark eisenhal
tiges Gestein gebettet, und es wird noch Mo
nate angestrengter Arbeit bedürfen, bis alle
Funde geborgen sein werden.
*
„Queen Mary" ausgeplündert.
„Queen Mary", das englische Riesenschiff,
wurde in Newyork von 40 000 Besuchern be
sichtigt. Trotz einer Spezialwache wurden Ga
beln, Löffel, Uhren, Kalender, Aschbecher, Va
sen und andere Gegenstände als Andenken
gestohlen.
Sie müsse« zur LlyWisde Wisse«....
daß Deutschlands erster Berussboxmeister
der Hamburger Otto Fint war, der 1912 den
Mittelgewichtstitel errang,
*
daß 1912 und 1913 im Hamburger Curio-
Haus die ersten deutschen Amateurboxmeister
schaften ausgetragen wurden,
*
daß der prominenteste Boxer, Jack Dempsey,
im Jahre 1918 zehn beste Schwergewichte!!
Amerikas k. o. schlug.
*
daß es Max Schmeling gelang, nach über
fünfzig Jahren den Weltmcistertitel iw
Schwergewicht nach Europa zu holen.
Toni Zaggler /
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Manz,
München.
Nachdruck verboten.—
Bruggstein lacht ein sonderbares
Graf
Lachen.
„Sreht gut aus. Hat sich aber eine verrückte
Idee in den Kopf gesetzt. Will nicht heiraten."
„Nicht heiraten?" wiederholt Toni verständ
nislos, und seine Gedanken machen einen
großen Sprung rückwärts, bis zu jenem
Abend, wo sie mit zitternden Fingern seine
Wange gestreichelt hat.
„Nein, sie will nicht heiraten", wiederholt
der Graf und wendet das Gesicht seinem Jäger
zu, als wolle er von diesem einen Rat hören.
Es ist seltsam genug, daß ein Mann wie Graf
Bruggstein einem jungen Jäger solche Dinge
erzählt. Und er fragt ihn auch wirklich:
„Was sagst du dazu, Toni?"
„Ja, was kann man da sagen, Herr Graf?
Sie wird schon ihre Gründe haben."
„Du hast doch die Juta schon gekannt, als sie
noch ein Kind war. Getollt und gesprungen ist
sie den ganzen Tag wie ein Bub. Und jetzt ist
sie ganz still geworden. Aus Schloß Wandeck
will sie ein Blindenheim machen. Erst hab ich
gemeint, ich kann es ihr ausreden. Aber sie
bleibt fest bei ihrer Absicht. Arme, elternlose
Kinder will sie um sich sammeln —"
Graf Bruggstein schüttelt den weißen Kopf
und schweigt.
Auch Toni kann sich mit Jutas Idee nicht
zurechtfinden. Was mag nur in dieses lebens
frohe Mädchen geschossen sein. Wenn man mit
ihr reden könnte, denkt er.
Unwillkürlich wendet er den Kopf und blickt
in die Tiefe.
Da unten liegen Frühlingswiesen, weiter
rechts ein dunkler Fichtenwald, aus dem wie
ein weißes Wunder die Zinnen von Schloß
Wandeck in den Abendhimmel ragen. Dort in
diesem Park liegt ein Stück ihrer Kinderzeit.
Ein Lachen klingt da herauf aus tiefer Versun-
.enheit. Zehn, fünfzehn Jahre sollen nun da
schon dazwischen liegen? Toni meint, es sei
erst gewesen. Und drei Jahre sollen es nun
schon sein, daß Juta fort ist?
Hochlandsroma» tum Hans Ernst
Grüße hat sie ihm sagen lassen.
Sie denkt noch an ihn, den einfachen Vau-
ernburschen. Plötzlich spürt er das Verlan
gen, mit ihr wieder einmal einen Nachmittag
zu verleben. Was gäb es da nicht alles zu er
zählen! Von seinem Beruf allein schon und
erst von seinem Glück mit Monika. Er wendet
sich wieder um und will fragen, ob Juta schon
unten sei im Schloß. Aber Graf Brnggstein
hat sich inzwischen vor die Hütte begeben. Re
gungslos steht er vor der Tür und blickt zu
dem Frauenbildnis auf. Dann ein tiefer
Atemzug, so laut, daß ihn Toni bis zu sich her
hört, dann geht Graf Bruggstein in die
Hütte.
Bekümmert folgt ihm Toni und richtet sein
Lager zurecht.
Als sie am andern Vormittag von der Mor
genpirsch heimkehren, füllt melodisches Herd-
geläute die kleine Talsenkung um den Kiefern
see. Die Sennerin vom Brandl bringt soeben
ihre Herde vom Tal herauf. Allen voran der
Preisstier Mylord.
Bei der Jagdhütte verhält er einen Augen
blick und reibt sich seinen wuchtigen Schädel
an den Balken.
Scherzhaft nimmt Graf Brnggstein einen.
Stein und wirft nach ihm.
„Renn mir nur die Hütte nicht um", sagt er
dabei lachend.
Der Stein ist nicht groß, aber er trifft den
Stier scheinbar an einer empfindlichen Stelle.
Mit einem dumpfen Laut macht er einen er
schreckten Sprung zur Seite, steht dann mit
gesenktem Kopf und schaut den Grafen an.
Dann wendet er sich und trottet mit bimmeln
der Schelle davon.
Schicksalsschläge.
Der Mai ist in diesem Jahre ein gewitter
reicher Monat. Blitz- und Hagelschäden halten
die Bauern in Aufregung.
Beim Brandl hat auch ein Blitz eingeschla
gen, aber nicht aus kupferroten Wolken, son
dern in Form eines Schreibens, worin Wil
helm Kerber dem Brandl die Hypothek kün
digt.
Kurzfristig bis zum ersten Juni hat er sie
gekündigt. Schlechter Geschäftsgang würde ihn
dazu zwingen, schreibt er.
Der Brandl kennt aber den Grund besser
und es trifft ihn wie ein Wetterstrahl. Seine
Frau schreit es ihm ins Gesicht, daß er und
Monika ganz allein die Schuld trügen, wenn
es zur Versteigerung käme.
Der Brandl antwortet darauf:
„Anstatt mir Vorwürf zu machen, tatst du
besser, mit mir beraten, wo ich das Geld her
bring, um dem Kerber die Hypotheken heim
zuzahlen."
„Brauchst bloß dem Dirndl ihren Eigensinn
brechen. Noch is sie net mündig und mutz sich
fügen. Wenn sie den jungen Kerber heiratet,
is alles gut. Ich kann dich gar net verstehn,
Kaspar, was du ans einmal hast."
„Was ich hab? Eingesehen hab ich, daß ich
es dir zu leicht gemacht habe. Ich hätt dir die
Zügel strenger halten sollen und net zuschau
en, wie du das Geld zum Fenster hinaus
wirfst."
„Hätt ich knausern und sparen sollen? Dazu
hätt ich dich net heiraten brauchen."
Der Brandl steht mit aschfahlem Gesicht.
Aber dann fliegt eine Blutwelle über sein
Gesicht. Mit zwei wuchtigen Schritten tritt er
vor seine Frau hin.
„Jetzt geht bloß noch ab, daß du mir sagst,
du hast überhaupt net mich, sondern den Hos
g'heirat. Sag mir die Wahrheit!"
Unwillkürlich duckt sich die Bäuerin vor die
sen zornfunkelndcn Augen. Sie wendet ihren
Blick zur Seite.
„Antwort will ich!" schreit der Brandl wie
von Sinnen und umklammert mit eisernem
Griff ihr Handgelenk.
Da reißt sie sich mit einem Ruck los und
schlendert ihm ins Gesicht:
„Ja, wenn du es wissen willst! Net dich hab
ich g'heirat, sondern den Hof. Bäuerin hab ich
werden wollen — die reichste Bäuerin im Tal.
Leben hab ich einmal woll'n, wie es mir paßt."
Der Brandt wird kalkweiß, dann wendet er
sich langsam ab und geht mit müden Schritten
hinaus. Draußen im Söller preßt er die Fäu
ste an die hämmernden Schläfen. Von allem,
was er bisher im Leben erfahren mußte, trifft
ihn dies am schwersten. Er hat seine Frau bis
heute noch genau so geliebt wie vor zwanzig
Jahren, als er um sic geworben. Und er hat
an ihre Liebe geglaubt, blindlings, unerschüt
terlich und ahnungslos Nun ist alles vorbei,
es gibt kein Zurück mehr zu ihr.
Er bohrt seinen Blick in die dunkelste Ecke,
des Hausflurs. Da ist ihm, als stünden seine
Ahnen dort, stumm, mit ernsten, vorwurfsvol
len Augen. Jetzt bewegen sie sich. Langsam,
aber mit schwerem Schritt kommen sie auf ihn
zu, Er sieht sie ganz deutlich: den Großvater,
mit dem weißen Haar, dem schmalen Mund
und darüber die scharfe Adlernase — der Va
ter breit und wuchtig und noch gar nicht alt.
Der Brandl wischt sich mit der Hand über
die Augen, da ist die Vision weg.
Er geht hinaus in den Garten. Dort blühen
die Bäume, wie junge, prangende Bräute
stehen sie im grünen Anger. Wie ein Traum-
wandelnder geht der Bauer unter ihnen hin-
Sonst ist er immer vor jedem Baum stehen
geblieben, hat ihn bewundert in seiner weißen
Blütenlast. Heute hat er für nichts Augen,
alles erscheint ihm sinn- und bedeutungslos.
Auf der Hub — das ist ein großer Buchen
wald gegen Willing zu — sind die Mägde be
schäftigt mit Laubrechen. Auch Monika ist da
bei. Dorthin geht der Brandl. Lachen utt®
Singen dringt schon von weitem an sein Ohr-
Aber sie arbeiten, das sieht der Brandl von
der Höhe ans, auf der er steht. Sie arbeiten
sogar sehr fleißig, haben den ganzen Hang
schon hinnntergerecht und türmen nun unten
auf dem Fahrweg das Laub zu großen Haufen-
Als der Bauer zu ihnen kommt, verstummt
das Lachen und Singen.
„Singt nur zu", sagt der Brandl. „Es kommt
die Zeit noch früh g'nug, wo euch das Singen
nimmer g'freut."
Monika blickt ihren Vater an und erschrickt
vor seinem vergrämten Gesicht. „Was ist denn
los?" will sie fragen. Aber da sagt der Brandt
schon:
„Komm mit mir, Monika."
Sie gehen eine Weile still nebeneinander bis
zu einer Bank, wo sie sich niedersetzen. Da sķ
der Brandl mit dumpfer Stimme in das
Schweigen hinein:
„Der Kerber hat mir die Hypothek
kündigt."
Monika zuckt wohl ein wenig zusammen,
aber sie sagt ganz ruhig:
„Damit hab ich gerechnet."
„Wenn ich net zahl'n kann, wird der
versteigert."
„Es muß eine Hilf geben", sagt Monika fest-
„Wo sollt ich denn ein Geld Herkriegen?
(Fortsetzung
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