Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Das «»ändernde Brot 
Heimat und Kultnrwege unserer Getreidearten. 
Von Eva maria Blume. 
Wo in unserer Zeit Halm an Halm mit kör 
nerschweren Aehren der Ernte entgegenreift, 
da wuchs auch schon vor Jahrtausenden Brot 
frucht. Denn keine Kulturpflanze hat der 
Mensch so früh angebaut, wie das Getreide, 
die heilige Feldsrucht, die ihn schon ernährte, 
ehe er noch aus den Körnern Mehl zu mahlen 
und aus dem Mehl Brot zu backen verstand. 
Die Urzeitmenschen verzehrten das Korn 
geröstet... 
Seit zehntausend Jahren, rechnet man, 
pflanzt der Mensch den Weizen an. Aclter ist 
wohl keine Kulturfrucht der Erde. Die Hei 
mat des Weizens ist Westasien, wo die Stamm 
pflanze, ein dünner Halm mit kleinen, dürfti 
gen Körnern, einst wild wuchs. 
Ihre eigentliche Kultur soll zuerst in Iran 
und Kleinasien betrieben worden sein, wo 
arische Völkerschaften im milden Klima der 
sommerwarmen iranischen Ebene sie zu einer 
körnerreichen Nutzpflanze entwickelten. Jener 
Weizen liebte hohe Sommertemperaturen, 
zeigte aber auch eine gewisse Anpassungs 
fähigkeit an kälteres Klima. Ich Hochland von 
Tibet gedeiht er noch in einer Höhe von 4000 
Meter und bildet neben Gerste und Rübe die 
einzige Frucht, mit der die Eingeborenen ihre 
Aecker bestellen können. 
In Mitteleuropa wuchs einstmals ein sehr 
kleinkörniger Weizen, der heute längst ausge 
storben ist und den man Psahlbauweizen 
nennt, weil ihn wohl schon die Pfahlbauern 
angepflanzt haben. 
Man weiß allerdings nicht, auf welche 
Weise diese Getreideart nach Europa gelangt 
ist. Ein anderer, der ägyptische, großkörnige 
Weizen, ist zweifellos durch die Handelsver 
bindungen erst im neunzehnten vorchristlichen 
Jahrhundert in das mittlere Europa gekom 
men. 
Die Stammesgeschichte der Gerste reicht 
längst nicht so weit zurück. Für den Europäer 
ist die Gerste gleichwohl die älteste Feldfrucht, 
und die kleinen Gerstenkörner, die man in den 
Resten vorzeitlicher menschlicher Wohnstätten 
gefunden hat, haben wohl an die vier Jahr 
tausende überdauert. Auch die Gerste hat ihre 
Heimat in Asien und ist im Laufe langer 
Jahrhunderte ans einer im Kaukasus wild 
wachsenden unscheinbaren Pflanze gezüchtet 
worden. Für das rauhe Klima des nördlichen 
Europas hat sie sich viel besser geeignet als der 
Weizen, weil sie auch da noch gedeiht, wo der 
Sommer kurz und kühl ist. Während die 
Gerste bei den germanischen Volksstämmen 
zum Brotkorn wurde, haben die Südländer sie 
nicht sonderlich geschätzt,- ja, im alten Rom 
wurden die frisch gemähten Gerstenhalme 
mitsamt den Körnern lediglich als Viehfutter 
verwertet. 
Toni Zaggler / 
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Manz, 
München. 
34) Nachdruck verboten. 
„Nirgends. Wir müssen uns selber helfen." 
Ueber das Gesicht des Branöl zuckt es wie 
:in Sonnenschein. 
„Wir müssen uns selber helfen", klingt es 
in ihm hundertfältig nach. Wir! Er ist also 
nicht mehr allein. Jemand will ihm helfen. 
Sein Kind. Seine Hand faßt nach der ihren. 
„Ich dank dir, Moni, für das Wort. Hätt bei 
Mutter auch so g'sagt, dann wär ich vielleicht 
gar net zu dir kommen. Es darf dich net wun 
dern, wenn ich mit der Mutter ganz zerfallen 
bin. Sie hat mir heut gestanden, daß sie nur 
den Hof und net mich geheiratet hat —" 
„Armer Vater", sagt Monika leise und strei 
chelt seine Hand. 
„Arm, ja, arm bin ich worden heut, da drin 
im Herzen. Aber das ist jetzt net so wichtig. Es 
geht um den Hof, Monika." 
„Opfer werden wir bringen müssen, Vater, 
)a hilft alles nix." 
„Ich hab schon dran denkt, den Mylord zu 
verkaufen und vielleicht auch noch die Hub." 
„Und die zwei Fuchsen, Vater, die könntest 
ruch verkaufen." 
„Die Dreijährigen?" 
„Ja, Vater. Die meiste Arbeit is scho 
geschehn. Wir brauchen im Sommer keine sechs 
Roß. Und für die zwei, da nimmst was ein." 
Der Branöl schaut hinüber zu der Acker 
breite, wo das Fuchsengespann die letzte Feld 
arbeit verrichtet. Sind schon ein paar Pracht- 
pferde. Hell glänzen ihre weißen Mähnen in 
der Sonne. Ihr Schritt ist rasch und stolz, 
stehen keine solchen mehr da in der ganzen 
Gemeinde. Michl, der Knecht, muß den Zügel 
immer streng halten. 
„Reu'n tun s' mich schon, die zwei", sagt der 
Brandl gedankenschwer. „Aber du hast recht, 
Monika. Ich werde sie halt dann hergeben 
müssen." 
Ueber den Wald kommt mit heiserem Schrei 
ein Habicht hergeflogen. Jetzt steht er mit re 
gungslosen Schwingen über dem Acker. Eine 
lange Weile, dann schießt er plötzlich mit schar 
fem Stoß herunter. 
Darüber erschrecken die beiden Fuchsen und 
Unsere wichtigste Brotfrucht, der Roggen, 
kann sich keiner alten Kultur rühmen. Keinem 
der alten Völker, weder den Babyloniern noch 
den Aegyptern, nicht einmal den Griechen war 
der Roggen bekannt. Seine in Südrußland 
wildwachsende Stammpflanze wurde zuerst 
nur voy. slawischen Völkern kultiviert und ge 
langte erst durch sie nach dem germanischen 
Grenzland, wo sie sich bald einbürgerte. 
Der Hafer endlich, ebenfalls ein Südrusse, 
kam erst um die Bronzezeit nach Deutschland 
und wurde von unseren germanischen Vor 
fahren als wichtige Nährpflanze hochgeschätzt. 
Schon in der Edda wird erzählt, daß Thor 
vor seiner Seefahrt ein Gericht Haferbrei mit 
Hering verzehrte. Noch im frühen Mittelalter 
galt der Hafer als Brotkorn und wurde zur 
Bereitung eines Breies gebraucht, den übri 
gens die Heilige Hildegard in ihren 
Schriften lobend erwähnt. Die moderne Er 
nährungswissenschaft hat die Hochwertigkeit 
der im Hafer enthaltenen Nährstoffe besonders 
betont und ihn zu einem Kinüernährmittel 
ersten Ranges gestempelt, da sein Gehalt an 
Phosphor und mineralischen Substanzen den 
Aufbau des Knochengerüstes besonders unter 
stützt. 
Wir sehen das menschliche Trachten nach 
Verbesserung seiner Nahrungsmittel gerade 
beim Getreidebau von Uranfang an sich rege 
betätigen. Ohne jedes Wissen um die Geheim 
nisse der Züchtung und Vererbung sah sich der 
Ackerbauer von der Natur selbst unterstützt. 
Erst die Entdeckung der Mendelschen Ge 
setze 1900 schuf die Voraussetzungen für eine 
planmäßige Kombinationszüchtung, eine Aus 
lese nach Kreuzung. Durch derartige Arbeiten 
der Forschung sind im Laufe zweier Jahr 
zehnte die durchschnittlichen Getreideerträge 
um 30 v. H. gesteigert worden! Die Großtaten 
der deutschen Züchtungsforschung haben Wege 
eröffnet, auf denen sich weitere große, für un 
sere Nahrungsfreiheit wichtige Erfolge errei 
chen lassen werden. 
Bunte Welt 
Sichtbare Gedanken am Galvanometer. 
Die amerikanische Gesellschaft für experi 
mentelle Biologie hat in den letzten Wochen 
durch sehr verwickelte Experimente — angeb 
lich — den Beweis dafür erbringen können, 
daß das Denken ein rein elektrischer Vorgang 
sei, und daß unter Umstünden der Prozeß des 
Denkens am Galvanometer abgelesen werden 
kann. 
Allerdings benötigt man für derartige Mes 
sungen einen ganz besonders empfindlichen 
Galvanometer, der imstande ist, zwei oder 
drei Millionstel eines Amperes zu registrie 
ren. Wichtig sind diese Messungen bei der 
Erprobung von Betäubungsmitteln, da sich 
nur hier der Beweis ergibt, welche Betäu 
bungsmittel das Gehirn tatsächlich ausschal 
ten. Man hat gefunden, daß Aether — am 
Galvanometer gemessen — viel besser ist als 
Chloroform. 
Deutschlands Jugend im Wettstreit 
Geschlossen tritt in diesem Jahre die gesamte deutsche Jugend zum 
4. Jugendfest an, das zugleich den Auftakt für die Olympischen 
Spiele bildet. Am 13. und 14. Juni sind die ersten Wettkämpfe aus 
getragen worden. Hier sehen wir eine fröhliche Gesellschaft von 
Pc mpfen, die aus der „Vogelschau" den Wettkampf ihrer Kamera 
den verfolgen. jSchirner, K.) 
Hausse in Schlangen. 
In der Herzegowina wimmelt es von 
Schlangen. Tausende von giftigen Reptilien 
bevölkern die steinigen Hänge der Berge, seht 
zum Verdruß der dortigen Bauern, die durch 
Schlangenbiß manches wertvolle Stück Vieh 
verlieren.Nun hat man die Entdeckung ge- 
macht, daß das Gift dieser Schlangen sich aus 
gezeichnet zur Herstellung verschiedener Seren 
eignet. Die Vertreter ausländischer SeruM- 
fabriken bereisen augenblicklich das Land und 
bieten für jede lebendig gefangene Schlang' 
ein bis zwei Mark, eine Summe, in dortig« 
Währung umgerechnet, die für die ansprnchs- 
lose Bevölkerung einen enormen ReichtuiN 
darstellt. So hat sich in letzter Zeit ein groß 
angelegter Schlangenfang entwickelt. Bis jetzt 
sind in der Herzegowina von dncn ausländi 
schen Vertretern schon rund 10 000 Mark fül 
gefangene Giftschlangen gezahlt worden. 
3000 historische Stehkragen. 
Die Stadt Troy im Staate Newyork besitzt 
eine eigenartige Sammlung. In ihrem Mu 
seum sind 3000 verschiedene Halskragen aus 
gestellt, unter denen sich welche von allen 
Präsidenten der Vereinigten Staaten und vie 
ler anderer bekannter amerikanischer Persön 
lichkeiten befinden. An jedem Kragen hängt 
ein Zettel, auf dem die genaue Herkunft de? 
Kleidungsstückes und sein Träger vermerk» 
sind. Diese Zettel tragen vielfach auch die ei 
genhändige Namensunterschrift des ehemali 
gen Kragenbesitzers. 
Wtttzten Sie schon, ♦. ♦ 
daß die sogenannte „Schinkenmuschel", die im 
Mittelmeer lebt, zu den wenigen Wassertieren 
gehört, die spinnen? Vor vielen Jahren wurde 
die Seide dieser Schinkenmuschel, Pinna ge 
nannt, zur Herstellung von Geweben und 
Strümpfen benutzt. Papst Benedikt xv. hatte 
Strümpfe, die aus diesem Faden gewebt waren 
* 
daß es in der Londoner Polizei einen weib 
lichen Polizeiinspektor gibt, und daß der be 
liebteste Stierkämpfer in Spanien heute Leo 
nora Juanita ist? 
* 
daß das Kopfhaar 2 bis 6 Jahre alt werden 
kann, während die Wimpern nicht viel länger 
als 4 bis 5 Monate halten? 
* 
daß Amerika im Jahr 10 Millionen Tonnen 
Papier verbraucht? Das ist mehr als die Hälfte 
des gesamten Papierverbrauches auf der Erde. 
* 
daß man in Rumänien eine besondere Erlaub 
nis haben muß, wenn man einen Barl tragen 
will? Hat man versäumt, diese einzuholen, so 
läuft man Gefahr, zwangsweise rasiert zu 
werden und obendrein noch eine Geldstrafe 
zahlen zu müssen. 
Hochļandsroma« von Hans Grnst 
steigen in die Höhe. Die Egge wird emporge 
rissen, die Zugscheite schlagen den Pferden in 
die Beine und schon geht es in gestrecktem 
Galopp dahin. 
Der Brandl springt entsetzt auf. 
„Wenn nur das gut »ausgeht...!" 
Der Knecht hängt wie verzweifelt am Zügel 
und spreizt sich mit den Beinen in den Boden. 
Aber immer wieder reißen ihn die wildgewor 
denen Pferde mit sich, bis er sich überschlagt 
und auf dem Acker liegen bleibt. 
Der Brandl hetzt den Hang herunter. Er will 
den Pferden den Weg abschneiden und sie auf 
halten. Aber die schengeworöenen Tiere wen 
den sich bei seinem Anblick auf die andere 
Seite. Die Egge baumelt wie ein Spielzeug 
hinter ihnen her. Die anderen Knechte kommen 
von der entgegengesetzten Seite gerannt und 
vorne am Feldweg steht der Dungwagen. 
„Jetzt können sie nimmer aus", meint der 
Brandl. Im selben Augenblick setzten die 
Pferde über die Wagendeichsel. Da wirft es 
den Handgaul. Er reißt den andern mit zu 
Boden. Die Egge überschlägt sich in dem wuch 
tigen Anprall und fällt mit aller Schwere und 
mit spitzen Zacken auf die Leiber der Pferde, 
die sich am Boden wälzen. 
Als der Brandl und die Knechte hinzukom 
men, finden sie ein blutendes wirres Durch 
einander. Schnaubend und schäumend liegen 
die Tiere, von den eisernen Zinken wie an den 
Boden genagelt. 
Nur mehr den Handgaul können sie heim 
führen,- der andere verendet schon daußen auf 
dem Acker. 
Noch hofft der Brandl, wenigstens den einen 
Gaul davonzubringen, aber auch der gehört 
dem Schinder . . . 
Der Brandl glaubt diesen Schlag schier nicht 
verwinden zu können. Da rechnet, sinnt und 
denkt der Mensch und meint, es müsse alles 
nach seinen Plänen gehen. Und dann genügt 
ein kleinwinziger Zufall, den man nicht in 
Rechnung gestellt hat, und wirft alles Rechnen 
und Planen über den Haufen. 
Was hat er jetzt noch zu verkaufen? Die 
Hub und den Stier Mylord. Fünfzehntausend 
ist die Hub wert und sechstausend hat ihm der 
Zuchtverband für den Stier schon geboten. 
Vielleicht kann man den Rest irgendwo zu lei 
hen bekommen? Der Annreiner hat über sech 
zigtausend Mark auf der Bezirkssparkasse lie 
gen. Vielleicht hilft der aus? 
Der Brandl macht sich schon am nächsten 
Morgen auf den Weg zum Annreiner, dessen 
Hof eine gute Wegstunde entfernt auf einer 
Anhöhe liegt. Er kennt den Annreiner als Ha 
gestolz und Geizhals, der noch nicht einmal 
das elektrische Licht hat, weil man mit Talg 
kerzen viel billiger wegkommt. Handwerks- 
bnrschen und Bettler gehen in weitem Bogen 
um den Hof herum, weil man dort wohl einen 
guten Hofhund, aber ein hartes Herz hat. 
Den Brandl aber schreckt dies nicht. Ihn 
treibt die Sorge um seinen Hof und seine 
Monika und der Morgen ist so frühlingsschön 
und so voll Vogelgesang, daß ihm fast froh und 
leicht zu Mute wird. 
Eine alte, grantige Haushälterin empfängt 
den Brandl im Flur und deutet nach der Stu 
bentür, als er nach dem Annreiner fragt. 
Die Stube ist leer und befindet sich in dem 
selben unfreundlichen Zustand wie der ganze 
Hof. Auf dem Tisch stehen einige geleerte Scha 
len. Aus ihnen haben wohl die Knechte vorhin 
die Morgensuppe gegessen. Bilder hängen 
überhaupt nicht an den Wänden. Dafür auf 
der Ofenstange eine Menge alter Kleidungs 
stücke und im Winkel über dem Tisch ein ge 
schnitzter Christus, ohne jeden Schmuck. 
Der Brandl räuspert sich ein paarmal. Dar 
auf kommt der Annreiner aus der anstoßenden 
Kammer und mustert nicht wenig neugierig 
den frühen Gast. Er ist in Filzpantoffeln, nur 
mit Hemd und Hose bekleidet, Hosenträger hat 
er nur einen halben, die andere Hälfte ersetzt 
ein Strick, den er soeben an der Hose befestigt. 
„Guten Morgen, Annreiner", tut der Branöl 
freundlich. 
Der andere macht ein paar Schritte gegen 
ihn hin. 
„Ah, der Brandl is. Was führt denn dich 
heut schon so früh zu mir?" 
„Was Wichtiges, Annreiner. Ganz was 
Wichtiges. Erlaubst schon, daß ich mich nieder 
setz." 
Der Brandl setzt sich, der andere bleibt 
stehen. 
Nun wird es dem Brandl doch ein bißchen 
schwer, fein Anliegen vorzubringen. Aber als 
es dann doch heraus ist, erschrickt er vor den 
teilnahmslosen, kalten Augen des anderen. 
Eine peinliche Stille entsteht. Der Brandl 
will die Sache kurz machen und frägt gerade 
heraus: 
„Willst mir jetzt helfen oder net?" 
Der andere hat nun endlich den Strick an 
seiner Hose befestigt und hebt den Kopf: 
„Nein, ich mag net" 
Wie ein Peitschenhieb trifft es den Brandl) 
aber es kommt noch dicker, als der Annreiner 
jetzt anhebt: 
„Bist nie ein Bauer gewesen und hast dein 
Elend selber verschuldet. Hast deine Arbeit 
vergessen und bist lieber mit deiner Frau, die 
nix versteht von der Bauernschaft, spazieren 
gefahren. Du leidest bei deinem Dirndl die 
Liebschaft mit dem Jäger, bei der nix raus 
schaut. Warum nimmt sie keinen Bauern? 
Weil keiner mehr hinein mag in deine ver 
schuldete Hütt'n . . ." 
Verschuldete Hütten, das leidet der Brandl 
nicht,- das trifft seinen Bauernstolz. Erregt 
steht er auf: 
„Hilfe hab ich mir holen wollen, bei dir, 
aber keine Vorwürf. Ich weiß selber, daß ich 
net ganz richtig gewirtschaftet hab. Aber fürs 
Unglück, da kann man net. Ich hab schon lang 
im Stall kein rechtes Glück mehr und gestern 
sind meine zwei Fuchsen dranfgangen." 
Nochmal setzt er sich der Demütigung aus 
und sagt drängend: 
„Du kannst mir doch helfen, Annreiner. DU 
hast doch Geld auf der Bank. Bloß öreißigtau- 
scnd Mark, wenn du mirs gibst, is mir gehol 
fen. Was tust denn mit deinem Geld? Mitneh 
men kannst es doch net." 
Der Alte kichert. 
Jo, jo, mitnehmen, mitnehmen tu ichs- 
Grad mit Fleiß! Meine Verwandten warten 
so schon drauf, bis ich absegle. Die werden 
schauen! Keinen Pfennig kriegens von nsir- 
Ich laß mir ein' Sarg mit lauter Silberstüst' 
b'schlagen. Wird ein hartes Liegen sein drin- 
Aber die Würmer kommen net so leicht ran ab 
mich." 
Er lacht leise und seine wimpernlosen Äu 
gen kneifen sich zu einem ganz kleinen Şşş* 
zusammen. 
Der Brandl greift nach seinem Hut. 
„Den Weg hätt' ich mir sparen können. Den 
hat der Geizteufel." 
(Fortsetzung folgt.) 
£ V \
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.