129. Jahrgang / Nr. 189 / Zweites Blatt.
Sļhleņstg-KoMeļņļsihe
Landeszettung
Rentobutgtc SaßcbUUt
Mittwoch, den 17. Juni 1938
Rendsburg, den 17. Juni 1936.
Die HsASgeMemschast in der Volksgemeinschaft
Einheitsmietvertrag — Wer kündigt am meisten? —Heimrecht — Fragen der Künd
barkeit für Wohn- und Geschäftsräume — Mietzinsbildung — Die Aufgabe noch inten
siveren Wohnungsbaues
In der kürzlich stattgefundenen Jahres-
Hauptversammlung des Vereins der
Haus- und Grundeigentümer Rendsburgs
sprach Vereinsleiter Jsennecker über
das Mictrecht. Dieses Thema ist ver
knüpft mit der lebendigen Ausgestaltung
des Begriffs der Hausgemeinschaft inner
halb der Volksgemeinschaft und von all
gemeinem Interesse. Die Anregung ans
private Kapital, sich stärker als bisher am
Wohnungsbau zu beteiligen, erweitert die
wohnungswirtschaftlichen Gedankengänge
nach der volkswirtschaftlichen Seite hin.
Dem Vortrag sei das Folgende entnom
men:
Das Mictverhältnis ist nach dem Familien
verhältnis dasjenige Vertragsverhältnis, das
bie beteiligten Volksgenossen schon rein äußer
lich in eine Gemeinschaft, die Hausgemein
schaft, zusammenführt. Die in Betracht kom
menden Volksgenossen teilen sich die Be
nutzung eines Hauses, teils zur alleinigen
Benutzung, teils zur gemeinschaftlichen, wie
beim Treppenhaus, bei Waschküche oder Trok-
kenboden. Bei dieser Betrachtung ist es ganz
belanglos, ob der Vermieter selbst im Hause
mitwohnt oder nicht. Alle Bewohner haben
aufeinander Rücksicht zu nehmen und sich beim
Berkehr im Hause so zu verhalten, daß alles
reibungslos abläuft. An und für sich eine
Selbstverständlichkeit, wenn man nur darüber
spricht, aber keine Selbstverständlichkeit mehr,
wenn es zur Ausübung kommt. Dann wird
immer von dem andern etwas verlangt, damit
la das liebe Ich nicht zu sehr in Mitleiden
schaft gezogen wird oder aber damit der ver
meintliche Respekt nicht verloren geht. Der
Gemeinschaftsgedanke soll bei dem Mietver
trag im Vordergrund stehen. Das Gebot ge
genseitiger Rücksichtnahme muß bis zu der
Verpflichtung vertrauensvoller Hausgemein
schaft gesteigert werden. Die Verwirklichung
des Gemeinschaftsgedankens kann nur durch
Erziehung erreicht werden, da die Gemein
schaft etwas Lebendiges ist. Schule, HI., Ar
beitsdienst und Dienst bei der Wehrmacht müs
sen die besten Lehrmeister für den Gemein-
schaftsgedanken werden. Soweit Volksgenossen
heute schon diese Lehrstufen durchschritten ha
ben, ist auch tatsächlich ein Fortschritt festzu
stellen. Diese Volksgenossen sind bei etwaigen
Differenzen nicht mehr so bissig und einseitig.
Aber wir haben es heute noch mit einem gro
ßen Teil zu tun, der nicht durch die neuen
Schulen der Gemeinschaft gelaufen ist. Man
kann nun gar nicht behaupten, daß dieser gro
ße Teil der Volksgenossen für das Gemein
schaftsleben ungeeignet sei. Dem widerspricht
schon die Tatsache, daß, wie bei einer kürzlichen
Erhebung der Haus- und Grundeigentümer
organisation in Schleswig-Ho l st e i n
festgestellt wurde, von etwa 25 000 Mietver
hältnissen allein 6 364 länger als 20 Jahre,
4829 länger als 10 bis 20 Jahre und schließlich
8165 zwei bis 10 Jahre bestehen, lind wenn
schließlich mancher mal nachrechnet, wie lange
sein Mietverhältnis besteht, dann wird er zu
der Ueberzeugung kommen, daß das Hausge
meinschaftsleben in einer verhältnismäßig
großen Zahl doch schon vorhanden ist. Aber der
Noch abseits stehende Teil ist immerhin noch
groß genug, um sich damit zu beschäftigen. Sehr
oft sind es Personen, die man gewöhnlich als
Sonderlinge bezeichnet. Diese Sorte Menschen
wird wahrscheinlich nie aussterben, aber sie
sind nicht die die Gemeinschaft am meisten und
empfindlichst Störenden. Sie nörgeln wohl
Manchmal etwas reichlich, aber sie haben
Meist, abgesehen von Ausnahmen, nicht den
Mut, mit Gewalt sich durchzusetzen. Daneben
stud viel unangenehmer die Rechthaber, die
jenigen, welche glauben, daß sich alle Teilhaber
der Hausgemeinschaft unbedingt nach ihren
Anordnungen richten müssen,' es sind solche,
die in alle Verrichtungen des Mieters eingrei
fen. Sie kritisieren das feuchte Aufwischen der
Treppen, bemängeln die Benutzung von Jmi
bei der Treppenreinigung usw. Sie wollen,
daß alle Mitbewohner alle Verrichtungen ge
nau so ausführen, wie sie es machen. Oester
handelt es sich um Hauseigentümer, die in be
zug auf diese Eigenschaft jung sind, vorher den
Mieterschutz ausgiebig genossen haben, dieses
Verhalten nun als Hauswirt fortsetzen wollen
und dabei vergessen, daß sie inzwischen die
Rolle gewechselt haben. Sie sind es, die dann
anfangen zu schimpfen: Welche Rechte hat denn
der Hauswirt noch? Das sind schöne Zustände!
Hier hilft nur mühselige Kleinarbeit.
Die grundsätzlich anerkannte Vertragsfrei
heit im Mietrecht dürfte überall da einge
schränkt werden müssen, wo ihre Ausnutzung
dazu führen könnte, durch Vereinbarung be
stimmter Klauseln dem Gedanken einer ver
trauensvollen Vertrags- und Hausgemein
schaft Abbruch zu tun. Das Mietverhältnis
stellt sich heute nicht mehr als Ausfluß eines
freien, willkürlich ausnutzbaren Eigentums
rechtes am Grundstück dar, sondern beruht auf
dem Gedanken der Volksgemeinschaft zwecks
Schaffung einer Hausgemeinschaft zwischen
Vermieter und Mieter. Beide Vertragsteile
müssen sich darauf einstellen und sich unter Zu
rücksetzung aller eigennützigen Interessen dem
höheren Ziele der n a t i o n a l s o z i a l i st i -
s ch e n Gemeinschaft unterordnen. In Er
kenntnis dieser Sachlage haben die Spitzen
verbünde des Hausbesitzes und der Mieter un
ter Mitwirkung des Reichsjustizministeriums
den Deutschen Einheitsmietvertrag geschaffen,
der zunächst einen Ausgleich der beiderseitigen
Belange auf einer mittleren Linie schafft. Die
bestehenden Bestimmungen des BGB. sind
derart darin verarbeitet, daß bei guter Erfül
lung der vertraglichen Bestimmungen eine gu
te Hausgemeinschaft sich entwickeln kann.
(Fortsetzung folgt.)
An die Radfahrer.
Die Pressestelle des Reichs- und preußischen
Verkehrsministeriums in Berlin teilt mit:
„88 Tote, 3303 Verletzte wurden in der vori
gen Woche Opfer des Straßenverkehrs im
Deutschen Reich. Radfahrer, macht ihr euch
klar, in welcher Lebensgefahr ihr schwebt, vor
allem, wenn ihr in verkehrsreichen Straßen
nebeneinander fahrt? Wollt ihr zurück zur
Radfahrkarte, zum Nennungsschild und zur
Verkehrsprüfung? Wollt ihr für all dies
jährlich Gebühren zahlen? Muß erst das Ver
bot, nebeneinander zu fahren, erlassen wer
den, oder wollt ihr nicht endlich in Hauptver
kehrsstraßen und anderen Verkehrsstraßen
freiwillig hintereinander fahren?"
* * *
# Mensch und Natur. In diesen Wochen
stürmischer Entfaltung muß man achtgeben,
auf daß einem keine Herrlichkeit in den Gär
ten und Anlagen entgeht. Eine Gabe reiht sich
an die andere, es ist keine Lücke vorhanden.
Schon zeigt sich in der lila oder alabasternen
Pracht des Flieders das Braun verwelkter
Blüten, und die Duftwolke dieser riesigen
Blumensträuße an Weg und Rain läßt nach.
Da aber beginnt der Holunder seine süß duf
tenden Dolden zu reichen, strahlt der Gold
regen im satten Gelb seiner Trauben, leuchtet
scharlachrot aus den Gürten der Mohn. Mit
der blauen sinnigen Kornblume in der Vase
vereint, welch Farbenwohlklang! Welche Har
monie auch, wenn sich, wie z. B. hinter der
Spar- und Leihkasse, Goldregen und rote Ka
stanie treffen! Das Gold der Blütentraube
des Strauches tropft in das Gezweig auf die
zartroten Leuchter des Baumes, ein feines
Pastellbild. Der Goldregen enthält übrigens
ein Gift (Cytisiu). Es sei darum davor ge
warnt, die Blüten in den Mund zu nehmen.
* Die Ortsgruppe Rendsburg des NS.-
Rechtsmahrerbuudes hielt am Montag im Par
teilokal „Stadt Kiel" eine Mitgliederversamm
lung ab. Nach Begrüßung der Mitglieder durch
den Kreisobm. Rechtsanwalt Dr. Winterberg-
Schenefeld erstattete Rechtsanwalt Mortzfeldt-
Rendsburg Bericht über den Deutschen Ju
ristentag im Mai 1936 in Leipzig. Dann hielt
Referendar Heinze-Renösburg einen Vortrag
über „Wesen und Wirken der Freimaurerei".
Er verlas mündliche Zeugenaussagen verschie
dener Großmeister und gab geschichtliche Ein
zelheiten bekannt als Beweismittel dafür, daß
die Freimaurerlogen ein internationaler Ge
heimbund mit unbekannten Oberen sind. Hin
ter diesem Geheimbund steht das internatio
nale Judentum. Eine Aussprache schloß sich an,
in der auf die Gefahr für Rasse und Volk hin
gewiesen wurde.
* Zwei alte Sonnenuhren. Am Germania-
Hotel befinden sich au der Ecke Paradeplatz—
Prinzessinstraße zwei alte Sonnenuhren, die
dort bei Errichtung des Hauses im Jahre 1793
angebracht worden sind. Die eine Uhr ist an der
Hausfront nach dem Paradcplatz, die andere an
der Front nach der Prinzessinstraße. Bei den
jetzt an dem Gebäude durchgeführten Erneue
rungsarbeiten wurde auch die Sonnenuhr an
der Prinzessinstraße wieder instand gesetzt, und
zwar von einem Klempner. Ein Uhrmacher
kommt für diese Art Uhren nicht in Frage. Die
Uhr hatte seit Jahren ihren Zeiger verloren.
Jetzt kann man dort wieder die Stundenzeit
erkennen, wenn die Sonne scheint.
* Vogelschießen der Rendsburger Volks
schulen. Kurz vor Beginn der großen Sommer
ferien begehen die Rendsburger Volksschulen
ihr diesjähriges Vogelschießen. Am Montag,
dem 6. Juli, feiern die Moltke- und Lorusen-
schule sowie die Hilfsschule, am Dienstag, dem
7. Juli, feiert die Altstüdter Doppelschule. Am
Mittwoch geht es dann in die Ferien.
* Aufnahme in die Hochschule für Lehrer
bildung. Die Kieler Hochschule für Lehrerbil
dung macht darauf aufmerksam, daß Gesuche
um Zulassung zum Studium für das Lehramt
an Volksschulen bis zum 1. Juli 1936 bei der
Hochschule eingegangen sein müssen. Das
gleiche gilt für die Zulassung zum Studium
für das Lehramt an höheren Schulen. Anfra
gen sind zu richten an die Geschäftsstelle der
Hochschule. Die allgemeinen Zulassungsbedin
gungen werden von der Geschäftsstelle der
Kieler Hochschule für Lehrerbildung, Kiel,
Fröbelstraße 13—17, aus Anfordern unent
geltlich abgegeben.
* Honigernte. Infolge gesteigerter Nachfrage
nach gutem deutschem Honig konnten die Imker
der Kreisfachgruppe Rendsburg den im Herbst
gewonnenen Honig im September und Oktober
1935 restlos absetzen. Dieser Tage nun wurde
die erste diesjährige Ernte geborgen, und zwar
der goldgelbe Napshonig, der bei der Kande-
lung schneeweiß wird. Der Ertrag war auf
Grund des kalten Frühlings nur mittelmäßig.
Von einem Rapsimker wurde uns folgender
Vers gebracht:
Ju'u Völkerbund, dei Politik
Mit all ehr Kinkerlitzen,
Dei smet ik in ein'n Ogenblick,
Jk wull den'n Kram woll mützen.
Ik mök dat up ne niege Ort,
Smert jeden Honnig um den'n Bort,
Gebrukte blot in jede Lag
Den'n dütschen Honnig Dag für Dag.
* Kraft durch Freude - Sonderfahrten. Am
Sonnabend und Sonntag, dem 20. u. 21. Juni,
fährt ein Sonderzug nach Schwerin. Der Preis
beträgt 7,50 MJL einseht. Uebernachtung und
Verpflegung (Abendessen, Frühstück und Mit
tagessen), für die Bahnfahrt allein 3,50 MJL.
Die Anfahrtskarte nach Kiel hin und zurück
kostet 70 Pfg. Abfahrt ab Kiel am 20. 6. ca. 14
Uhr, Rückkehr nach Kiel am 21. Juni ca. 23.45
Uhr. — Der Preis für die Wochenendfahrt mit
Kraft durch Freude nach Hamburg zum Deut
schen Derby am Sonntag, dem 28. Juni, beträgt
1,80 MJL, für die Anfahrtskarte nach Neumün
ster hin und zurück 80 Pfg. Eintritt zum Derby
für KdF.-Sonderzugteilnehmer 50 Pfg. (statt
1,50 MM). Anmeldungen für beide Fahrten
sind umgehend an die Dienststelle der Deutschen
Arbeitsfront Rendsburg, Adolf-Hitler-Haus.
Telefon 2570, zu richten. Für beide Fahrten
sind die Anfahrtskarten verbilligt, und
nicht, wie in der gestrigen Ausgabe bekanntge
geben, zum sonstigen Preis zu lösen.
* Handball. Heute abend 7)4 Uhr findet auf
dem RBV.-Platz ein Handballspiel der Liga
des RBV. gegen „Glück Auf"-Büdelsdorf statt.
Die Kampfkraft der Büdelsdorfer ist zur Ge
nüge bekannt. Konnte diese Elf doch in Neu
münster beim Unterkreissportfest den Pokal
gewinnen. Ein schnelles und spannendes Spiel
steht daher zu erwarten.
* Um das Nadsport-Jugendabzeichen in
Bronze bewarben sich gestern 52 Schülerinnen
des Lyzeums und der Staatlichen Aufbau
schule, die sämtlich die Bedingung, 15 Klm. in
56 Minuten mit Wendepunkt, erfüllten. Das
hervorragende Durchschnittstempo von 40,5
Minuten wurde erzielt, die beste Zeit, die bis
her in dem Gesamtergebnis erreicht ist. Es
durchfuhren die Strecke Anni Marie Feddersen
in 36%, Jngeborg Schnell und Ursula Ochs in
je 37 Minuten. 24 Bewerberinnen durchmaßen
die Strecke innerhalb 40 Minuten. Die bisher
bestgefahrene Zeit von Schülerinnen beträgt
36 Minuten. Das nächste Ausfahren findet am
23. Juni statt.
De Witte Brüg
Denk ick an Rendsburg mal torüg,
Denk ick ock an de mitte Brüg.
So oft bin öwer se ick gähn,
So oft hew up de Brüg ick stahn.
So oft keek in mien Jugend ick
Von düsse Brüg in Flöt und Schlick.
Wat hew ick dor för'n Spaß an funn,
Wenn se mal unner Water stunn.
Wenn ick von ehr mal Wittköpp seh,
De öwerspöln de Schlangenallee.
Wenn ick von ehr kunn wackeln sehn
Den groten Wewerischosteen. *
Und keem de Wind mal anners her,
Gew dat bi ehr keen Water mehr.
Dann seeg ick Steweln up den Grund
Und dode Katten, ock mal'n Hund.
Kunn stundenlang von ehr tvsehn,
Wenn min Kanutjes angeln dehn.
Wenn eener mat ut Water hat
Und wie de'Graupenmöhlstrom *# mahl.
Denk ick an Rendsburg mal torüg,
Denk ick ock an de mitte Brüg,
Mit Arsenal, Gymnasium
Und alles, wat leeg um se rum.
Friedrich H e y ck, Wuppertal-Elberfeld.
* Webereischorustein.
* Strom der Graupenmühle.
kernes über Norddeutschland. In seinem Bereiche
kam es im Verlanf des Tages zur Erwärmung
der ursprünglich kühlen, vom Meere herangeführ
ten Luftmassen. Die atlantische Störung westlich
Irlands wird durch den Druckanstieg vom Fest
land ferngehalten, so daß zunächst die ruhige Wet
terlage fortbestehen wird.
Wctteranssichtcn für Donnerstag, den 18. Juni:
Schwache Winde aus östlichen Richtungen, heiter
bis wolkig, trocken und warm.
Mes Şutê spricht für sich säst.
Darum genügt es auch, wenn wir vom JfosflfsQlisfi lediglich
fagen, daß er ausgezeichnet schmeckt, sehr preiswert ist und der
Gesundheit dient.
mu Jxomfraná m fistln