Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Hamburg: SonuaSenb. 11. Ņrn 
6.00: Weckruf, Morgenspruch, Gvmnastik. — 
6.25: Wetter. 6.30: Breslau: Frdhüch 
klingts zur Morgenstunde. 7.00: Wetter« 
Nachr. 7.10: Landw. Veranstaltungen. -- 
7.20: Breslau: Forts, der Morgenmustk. 
8.00: Wetter: Allerlei Ratschläge. 8.15: 
Sendepause. 10.15: Bunte Osterschüssel 
(Schallpl.). 10.60: Hannover: Musik zur 
Werkpause. 
12.00: Meldg. der Binnenschiffahrt, Brnnen- 
lands- und Seewetterbericht. 12.10: Aus 
Karlsruhe: Buntes Wochenende. 13.00: 
Wetter. 13.05: Umschau am Mittag. 13.1c>: 
Stuttgart: Buntes Wochenende (Forts.), —■ 
14 00: Nachr. 14.20: Musikal. Kurzwerl. 
15 00: Wer bastelt mit? Etwas Schönes 
fürs Osterfest. 15.20: Ruf der Jugend. 
15.30: Börse. 15.50: Schiffahrtsfunk. 
16.00: Köln: Der frohe Samstagnachmrttag. 
18.00: Bremen: Frische Brise. 19.00: Lau 
schen un Rimels. Eine Fritz Reuter-Stunde 
bei der Hitlerjugend. 19.25: Unsere Wehr 
macht: Pommersche Kanoniere beim Scharf 
schießen. 19.45: Wetter. 19.50: Augen auf! 
Woran wir achtlos vorübergehen. 
20.00: Meldg. 20.10: Berlin: Ein fröhlrch' 
Musizieren. 22.00: Nachr. 22.30: Dresden; 
Musik in der Osternacht. Hell schmettern 
die Trompeten Osterzeit — Fröhlichkeit. 
Dcutschlandscnder: Donnerstag, s. April 
6.00: Guten Morgen, lieber Hörer! Glocken 
spiel, Morgenruf, Wetter. 6.10: Fröhliche 
Morgenmusik. Dazw.: 7.00: Nachr. 8.10: 
Sendepause. 9.00: Sperrzeit. 9.40: Kinder- 
ghmnastik. 10.00: Sendepause. 11.05: 
Schmackhafte Reise durch Deutschland. — 
11.15: Scewetterbericht. 11.30: Ringstechen 
auf Föhr u. andere bäuerliche Frühlings-- 
bräuche. Anschl.: Wetter. 
12.00: Breslau: Musik zum Mittag. Dazw.: 
12.55: Zeitzeichen. 13.00: Glückwünsche. 
13.45: Nachrichten. 14.00: Allerlei von 
zwei bis drei! 15.00: Wetter, Börse, Pro- 
grammhinweise. 16.15; Theodora Wend- 
landt erzählt von ihrer Besteigung des Ki 
limandscharo. 15.30: W. Brandt: Die chi 
nesische Frau und ihre Familie. 15.45: 
Adolf Holst liest aus eigenen Werken. 
16.00: Musik am Nachmittag. Oskar Joost 
spielt. In der Pause 16.50: Vom Glocken- 
schlag zum Orgelton. In der Werkstatt ei 
nes Uhrmachers. 18.00: Schallpl. 18.30: 
Der kämpferische ZeiLenstift. Ein Gespräch 
18.45: Sportfunk. 19.00: Und jetzt ist 
Feierabend! (Schallpl.) 19.30: Waffenträ 
ger der Nation: Bei einem Ergänzungs 
bataillon. 
20.00: Kernspruch: anschl.: Wetter, Kurz- 
nachr. 20.10: Cello und Klavier. Werke 
von Beethoven, Schumann u. Schubert. — 
21.10: Das schnellere Schiff. Funkballade 
von Eberhard Meckel. Nach der Erzählung 
von Martin Luserke. (Aufn.) 22.00: Wet 
ter, Nachr., Sport. 22.20: Kurt G. Sell: 
Worüber man in Amerika spricht. 22.30: 
Eine kleine Nachtmusik. (Aufn.) 22.45: See 
wetterbericht. 23.00: Breslau: Unterhal 
tungsmusik. 
Dcutschlandsendcr: Freitag. 19. Avril 
6.00: Guten Morgen, lieber Hörer! Glocken 
spiel, Morgenruf und Wetterbericht. 6.10: 
Morgenmusik. Dazw.: 7.00: Nachr. 8.10: 
Sendepause. 10.15: Steh' für deine heilige 
Sache! Eine Morgenfeier. 11.00: Verklärte 
r: Landschaft. Gedichte von Kurt E. Meurer, 
11.15: Seewetterbericht. 11.30: SchaUpl. 
12.00: Köln: Musik zum Mittag. Dazw.: 
12.55: Zeitzeichen. 13.00: Glückwünsche. 
14.00: Allerlei von zwei bis drei! 15.00: 
In den Herbststürmen der Nordsee. Mar 
tin Luserke erzählt. (Aufn.). 15.25: Die 
drei berühmten Klavierkomvonisten: Cho 
pin, Liszt, Debussy. Schallplatten. 
16.00: Musik am Nachmittag. Das Unter 
haltungsorchester des Deutschlandsenders 
spielt. In der Pause 16.50: Viola. Ge 
schichte um ein Paddelboot von Mario Heil 
de Brentani. 18.00: Tod und Leben. Dich 
tung von Gerhard Schumann. Musik von 
Höffer. (Aufn.). 18.40: Berühmte Sänger 
in beliebten Opern (Schallpl.). 19.45: Sam 
meln! Kamerad des Weltkriegs, Kamerad 
im Kampf der Bewegung — Wir rufen dich! 
20.00: Kernspruch; Kurznachr. 20.15: Or 
chesterkonzert. Ltg.: H. Stange. 22.00: 
Wetter, Nachr., Sport: anschl.: Deutsch 
landecho. 22.30: Händel: Sonate C-Dur 
für Gambe und Cembalo. 22.45: Seewet 
terbericht. 23.00: Kammermusik. 
Deutschlandscndcr: Sonnabend, 11. April 
6.00: Guten Morgen, lieber Hörer! Glocken 
spiel, Morgenruf, Wetter. 6.10: Fröhliche 
Morgenmusik. Dazw.; 7.00: Nachr. 8.10: 
Sendepause. 9.00: Sperrzeit. 9.40: Kleine 
Turnstunde für die Hausfrau. 10.00: 
Sendepause. 10.45: Fröhlicher Kinder 
garten. 11.15: Seewetterbericht. 11.30: 
Zwischen krank und gesund im Jugend 
alter. Aus der Arbeit des Instituts für 
Konstitutionsforschung. 11.40: Hessische 
Bauernhochzeiten. Anschl.: Wetter. 
12.00: Saarbrücken: Musik z. Mittag. Dazw.; 
12.55: Zeitzeichen. 13.00: Glückwünsche. 
13.45: Nachrichten. 14.00: Allerlei von 
zwei bis drei! 15.00: Wetter, Börse, Pro- 
grammhinweise. 15.10: Allerlei Spielmn-- 
sik. Nach Pommerschen Volkstänzen. 15.30: 
H. Ruban: Wirtschastswochenschau. 15.45; 
Von deutscher Arbeit. 
16.00: Köln: Der frohe Samstagnachmittag. 
18.00: Lied und Tanz aus deutschen Gauen 
von Ernst Roters, ov. 49. 18.45: Sport 
wochenschau. 19.00: Schallpl. 19.45: Was 
sagt Ihr dazu? Gespräche aus unserer Zeit. 
20.00: Kernspruch: anschl.: Wetter, Kurz 
nachr. 20.10: Morgen ist Ostern!.... — 
Fröhlicher Abend. 22.00: Wetter, Nachr.« 
Sport: anschl.: Deutschlandecho. 22.30: 
Franz Schubert; Rondo brillant. 22.45: 
Seewetterbericht. 23.00: Oskar Joost spielt 
zum Tanz! 
Der neue Zevyelin und das Schicksal der anderen vo» 
LZ. 1 bis LZ. 129. 32 Selten, reich illustriert, drosch- 
8V Pfennig. Franckh'sche Berlagshandlung, Stuttgart- 
Unser neuer Zeppelin! Größe, Gewicht, Reisegeschwi»' 
digkeit, Gas als Betriebsstoff und Tragmittcl, HeliuiN' 
gas oder Wasserstofsgas?! Alles das sind Begriffe, übet 
die man sich tm klaren sein Mich, will man die Leistungen 
unseres neuesten Luftschiffes LZ. 129 wirklich würdige»- 
Mit der Schrift lernen. Sie Leistungsfähigkeit, Innen' 
einrichtuiig, Schlafkabinen, Wandelgänge, Mannschafts' 
räume und Ranchcrkabincn, Sichernngseinrichtungen u»d 
Steucrnngsorgane kennen; Sie machen gleichsam eine» 
Rundgang durch den neuen Zeppelin. Viele Bildet 
machen alles anschaulich und deutlich. Daneben ersähet 
man aus der Schrift viel Erstaunliches — was man nit 
gewußt oder längst vergessen hatte, aus der Geschichte 
des Zeppelin und über das Schicksal aller Zcppelinluft' 
schisse von LZ- 1 bis LZ. 129. Die ganze Entwicklung 
der Luftschiffahrt spiegelt sich tu der kleinen, billige» 
Schrift. 
Mt zwei Zentnern durch den Weltkrieg 
Wir veröffentlichen in den folgenden 
Wochen unter dem Titel „Mit zwei Zent 
nern durch den Weltkrieg" die Kriegs- 
erinnernngen eines Optimisten. Der Ver 
fasser Karl Borromäus Gröber hat als 
bayrischer Gcbirgsartillerist den Weltkrieg 
an fast allen Fronten mitgemacht und be 
handelt das große Erleben des Krieges in 
seinen Erinnerungen einmal von der fröh 
lichen Seite. Mancher Frontsoldat wird 
auf Borromäus Gröber etwas neidisch 
blicken, aber auch im Kriege waren des 
Lebens Güter ungleich verteilt und nicht 
jeder hatte zudem die Gabe, auch aus dem 
bescheidenen Blümchen, das am Wege 
blühte, Honig zu saugen und seine Freude 
an kleinen Dingen, Menschen und Situa 
tionen zu bewahren und in so vollkomme 
ner Form zu gestalten. 
Was den Verfasser bei der Niederschrift 
seiner Erinnerungen leitete, sagt er selbst 
im Vorwort. Nichts liegt ihm ferner, als 
etwa durch seine fröhlichen Erzählungen 
über die Härte des Krieges hinwegtäuschen 
zu wollen. Das heitere Gesicht unseres 
Borromäus würde sich bei solcher Miß 
deutung seiner Erinnerungen gewiß in 
ernste Falten legen. Aber: wer Fröhliches 
aus dem Kriege zu erzählen hat, soll es 
ruhig tun. Des bitteren Ernstes bleibt da 
neben noch genug. 
* 
Vorwort. 
Der echte Frontsoldat, der vor dem Feinde 
stand, nahm den Dienst im Graben oder in der 
Batteriestellung mit all seinen Schrecken und 
Gefahren als etwas schicksalsmüßig Notwendi 
ges hin und ordnete seine Person dem großen 
Geschehen des Krieges unter. Er tat einfach 
und selbstverständlich seine Pflicht, nahm sich 
selbst nicht allzu wichtig, freute sich über jede 
glückhafte Begebenheit, die er erlebte, und war 
dankbar für jede Freude und jeden Scherz. 
Wenn ein solcher Soldat sich heute an jene, 
jetzt schon fernen Tage erinnert, oder wenn er 
mit alten Kameraden darüber plaudert, so sind 
es meist nicht die düstern und tragischen Stun 
den, an die er denkt oder von denen erzählt 
wird, es tauchen fast nur die freundlichen 
Bilder des Krieges auf. Ueber das Helden 
hafte, das geleistet wurde, sprechen die alten 
Frontsoldaten wenig. Sie erinnern sich an ge 
meinsame heitere Erlebnisse, an schrullige Ka 
meraden und Vorgesetzte, an eigenartige Men 
schen, die in fernen Landen ihren Weg kreuzten. 
Mich führte ein glückliches Schicksal im Krieg 
von Ost nach West, von Süd nach Nord an viele 
Fronten. So wurden meine Erlebnisse die 
eines unbeschwerten Landsknechtes des Welt 
krieges und sind darum wohl auch des Erzäh 
lens wert. 
4- - 
Nckrutenzeit. 
Wo sollte ich mich melden? Mein sicherer 
Instinkt sagte mir, daß man mit zwei Zentnern 
fünf Pfund bei der leichten Kavallerie nicht 
gerne gesehen ist. Zugleich überlegte ich mir, 
daß ich auch bei der Infanterie in Hinsicht auf 
obengenanntes Körpergewicht wenig Freude 
erwecken würde. Also gedachte ich es nochmals 
bei der Artillerie zu versuchen. Schon zehn 
Jahre vorher hatte ich mich in München beim 
1. Feldartillerieregiment gemeldet in der löb 
lichen Absicht, hier mein Einjähriges abzudie 
nen. Man hatte mich damals mit Abscheu und 
offenem Spott wegen meiner Fülle abgewiesen. 
Trotzdem beschloß ich, mich zum 2. Male bei 
demselben Regiment vorzustellen in der Hoff 
nung, den Herren jetzt genehmer zu sein. Tau 
sende von jungen Kriegsfreiwilligen, die über 
einen schöneren Körperbau, als ich besaß, ver 
fügten, hatten die Listen längst gefüllt. Der 
Herr Wachtmeister Huber, der sonst in meinem 
Amt immer dienstfertig vor mir die Mütze ge 
zogen hatte, erklärte bedauernd, daß nur der, 
welcher eine persönliche Empfehlung vom Kö 
nig oder mindestens von einem General bräch 
te, noch genommen würde. Den König kannte 
ich persönlich nicht, auch bei den Generalen 
sah es traurig aus,' in hohen militärischen 
Kreisen hatte ich nie verkehrt. Als letzte Hoff 
nung fiel mir der Hofmarschall Seiner Maje 
stät ein, den ich zufällig kannte. Zu ihm ging 
ich, und nach zehn Minuten hatte ich ein Kärt 
chen an den Regimentskommandeur in der 
Hand, auf dem kurz und bündig stand, er möch 
te meine Bitte anhören und erhören. Tags 
darauf war ich wieder in der wohlbekannten 
Kaserne und wurde vom Herrn Kommandeur 
empfangen. Er setzte selbst meinen Namen 
zuoberst ans die Liste der Kriegsfreiwilligen, 
unterstrich ihn zweimal mit Rotstift und mach 
te dazu noch an den Rand drei Ausrufungs 
zeichen mit Blaustift. So war mein Sehnen 
doch erfüllt, und ich rückte unverzüglich in das 
Leben und Treiben der Kaserne ein. Es war 
der 8. August 1914. Ich war also Rekrut und 
infolgedessen für die nächste Zeit bar jeder 
Vernunft, für die man übrigens auch als Re 
krut keine Verwendung gehabt hätte. Die ersten 
acht Tage durfte man selbstverständlich die Ka 
serne nicht verlassen, und die komfortable 
Junggesellenwohnung gehörte vorerst restlos 
der Vergangentzert an. Das erste, was der 
Soldat braucht, ist, daß er lernt, wie man den 
Vorgesetzten richtig, gewandt und nicht zu 
freundlich grüßt, wie man sein Bett macht, wie 
die gemeinsamen Aborte geputzt werden. Wer 
glaubt, daß all dies leicht sei, täuscht sich ge 
waltig. Es genügen aber nur wenige Tage, und 
der geistig bedeutsamste Mann ist bis in sein 
tiefstes Innere davon überzeugt, daß zivile 
geistige Güter für einen Rekruten in diesem 
Erst durch die Vereidigung wird der junge 
neuen Berufe nur sehr schwer verwertbar sind. 
Rekrut zum richtigen Soldaten. Da der oberste 
Kriegsherr diese Vereidigung selbst abnahm, 
war es selbstverständlich nicht angängig, in dem 
mir bis dahin zur Verfügung gestellten 
Kostüm: einem alten Drillichkittel, einer Zi 
vilhose und jener kleidsamen Kopfbedeckung, 
welche bei den Preußen den poetischen Namen 
„Krätzchen" führt, zu erscheinen. Die Rekruten 
wurden geschützweise auf die Kammer geführt, 
um dort die für diese Zwecke vorgeschriebene 
blaue Friedensmontur mit weißem Lederzeug 
und Helm zu fassen. Ein gütiger Kammer 
unteroffizier verteilte seine Gaben. Da es bei 
einem Garderegiment nicht üblich gewesen war, 
Leute meines Umfanges und meiner beschei 
denen Größe einzustellen, siel die Kleiderwahl 
schwer. Dicke Leute hatte es hier wohl auch 
schon gegeben, sie hatten dann aber auch eine 
Höhe von 1,80 Meter erreicht. Ich empfing nun 
eine Uniform, die für einen solchen Riesen zu 
geschnitten war, und was die Uniform zu groß 
war, das war der Helm zu klein. Ich prote 
stierte nicht, denn erstens protestiert ein Re 
krut nicht, und zweitens, wenn er protestiert, so 
nützt cs nichts. Drunten in der Stube hüllte ich 
mich in die schimmernde Wehr. Die Hosen 
hatten jene damals sogar in -allerhöchsten 
Kreisen beliebten Harmonikafalten. Der Hosen 
boden wäre unliebsam aufgefallen, wenn ihn 
nicht der Waffenrock restlos bedeckt hätte. Die 
ser hing noch eine gute Handbreit über die 
Kniekehlen hinab. Der niedere, bequeme Kra 
gen bot Platz für den schönsten Tiroler Kropf. 
Jene neckischen Haken, welche den blanken 
weißen Ledergurt an meiner Rückfront stützen 
sollten, führten eine Spanne weit unter dem 
gewünschten Platz ein rein dekoratives Dasein. 
Die Aermel verbargen meine Hände völlig. 
Um die schönen, weißen, schwedischen Aufschlüge 
doch noch zur Geltung zu bringen, wurden sie 
mehrfach aufgestülpt und bildeten nun um die 
Gelenke malerische Ränder, die wohl bei keiner 
Uniform vergangener Zeiten gebräuchlich ge 
wesen waren und die mir auch nicht gestatteten, 
die Hände an die Hosennaht anzulegen. Ich 
kam mir wirklich nicht sehr schön vor, als ich 
im Hof zu den übrigen Kameraden stieß, die 
mich mit verschmitztem Grinsen begrüßten. Der 
Wachtmeister hatte mich übersehen, denn sonst 
hätte er mich sicher heimgeschickt. Der Marsch 
von unserer Kaserne zur Vereidigung gestalte 
te sich zu einem wahren Spießrutenlaufen für 
mich. Da ich als Flügelmann im letzten Gliede 
marschierte, hatte die Bevölkerung reichlich 
Gelegenheit, mich zu bewundern. Unter den 
Klängen der Regimentsmusik bogen wir in 
den gewaltigen Hof der Türkenkaserne ein, wo 
schon Tausende gleich kostümierter Rekruten 
versammelt waren. Ich aber war doch der 
schönste! Der schönste und zugleich linker Flü 
gelmann des ganzen Regimentes. Nachdem 
wir mehrere Stunden gewartet hatten, erschien 
Seine Majestät mit dem Marschallstab in der 
Hand und schritt die Front ab. Wir hatten ge 
lernt, auf das Kommando „Augen rechts!" den 
Kopf gewandt nach rechts zu drehen und dem 
daherschreitenden hohen Herrn scharf und 
männlich ins Gesicht zu schauen. Dasselbe tat 
auch der König. Als er an mir vorüberkam, 
glitt sein Blick wie zufällig an mir herab. Er 
hemmte den Schritt und lachte laut. Dies war 
das Zeichen für die ihn begleitende Generali 
tät, in das Lachen Seiner Majestät einzustim 
men. Bald aber faßte sich der König. Sein Ad 
jutant, mein Freund, der Hofmarschall, flüster 
te ihm einige Worte zu und machte ihn an 
scheinend mit meinem Zivilstand bekannt. 
Majestät blieben darauf noch einige Zeit stehen 
und nickten mir wie entschuldigend freundlich 
zu. Was tut in diesem Falle der Rekrut? Ich 
weiß nicht, wie ich dazu kam, aber ich nickte 
ebenso freundlich zurück. Es muß doch nicht das 
Rechte gewesen sein, denn Seine Majestät und 
die ganze Generalität lachten von neuem. Nur 
mein Regimentskommandeur hat nicht gelacht, 
und noch weniger hatten der Herr Kammer 
unteroffizier und seine Schneider zu lachen, 
denn noch in derselben Nacht mußten sie mir 
eine nagelneue blaue Uniform bauen, die sie 
siebenmal zu ändern hatten, bis ihr Sitz Gna 
de vor den Augen des gestrengen Herrn Kom 
mandeurs fand. 
Die militärische Ausbildung des Kanoniers 
vollzieht sich ganz anders, als der Rekrut 
glaubt. Der junge Krieger fährt keineswegs 
auf der Protze zum Uebungsplatz, sondern er 
zieht sein Geschütz im Schweiße seines Ange 
sichts und in gestrecktem Galopp selbst dorthin. 
Auch das Besteigen der Protze und des Muni 
tionswagens will gelernt sein. Um die vorge 
schriebene affenartige Geschwindigkeit zu er 
reichen, wird stundenlang geübt. Selbst die 
Höflichkeit des guten Wachtmeisters Huber, der 
in atavistischem Rückfall in seine Zivilstellung 
„Herr Doktor, aufgesessen!", „Herr Doktor, ab 
gesessen!" kommandierte, versüßte mir die 
ersten Versuche damit durchaus nicht. Wenn 
er aber glaubte, mein Körpergewicht auf diese 
Weise zu vermindern, so hat er sich schwer ge 
täuscht: ich blieb im köstlichen Besitz meiner 
Fülle. Auch das Exerzieren am Geschütz war 
kein Honiglecken. Es gehört nicht zu den Er- 
götzlichkeiten dieses Lebens, den Lafetten 
schwanz des Feldgeschützes aus dem Dreck zu 
ziehen und hurtig im Kreise zu schwingen. 
lFortsetzung folgt.) 
Was gik’s im Jiirndfunk ? 
Hamburg: Donnerstag. 9. April 
6.00: Weckruf, Morgensprnch, Gvmnastik. — 
6.25: Wetter. 6.30: Stettin: Morgenmusik. 
7.00: Wetter, Nachr. 7.10: Ackerbau. 7.20: 
Stettin: Forts, der Morgenmusik. 8.00: 
. Wetter: Allerlei Ratschläge. 8.15: Sende 
pause. 10.15: Deutsche Volkslieder (auf 
Schallplatten). 10.50: Musik z. Werkpause. 
12.00: Meldg. der Binnenschiffahrt, Binnen 
lands- und Seewetterbericht. 12.10: Aus 
München: Musik am Mittag. 13.00: Wet 
ter. 13.05: Umschau am Mittag. 13.15: 
München: Forts, der Musik am Mittag. — 
14.00: Nachr. 14.20: Musikal. Kurzweil. 
15.00: Börse. 15.20: Schiffahrtsfunk. — 
-15.30: Verdi. Streichquartett E-Moll (ans 
Schallvlatten). 
16.00: Bremen: Musik zur Kaffeestunde. — 
17.00: Bunte Stunde: Alle Vöglein sind 
schon da! 17.45: Mit den Eskimos auf 
Eisbärjagd. 18.00: Königsberg: Konzert 
Ltg.: Dr. Mayer. 18.45: Hafendienst. — 
18.55: Wetter. 19.00: Hexenballade. Von 
Walter Gättke. Musik von Otto Tenne. 
20.00: Meldg. 20.10: Edvard Grieg. Kla 
vierkonzert A-Moll« Werk 16. 20.40: 2 
deutsche Meistersänger: Rudolf Bockelmann, 
.Hans Reinmar (Schallpl.). 21.15: Flens 
burg: Passionskonzert. Orgel- u. Chor- 
musik alter Meister. 22.00: Nachrichten. 
22.20: Berlin: K. G. Sell: Worüber man 
in Amerika spricht. 22.80: Berlin: Stille 
Weisen zur Unterhaltung. 
Hamburg: Freitag, 19. April 
6.30: Danzig: Morgenmustk am Karfreitag. 
8.00: Wetter, Nachr., Hafendienst. 8.^0: 
Gymnastik. 8.45: Sendepause. 10.30: Jede 
Nacht bat ihren Morgen. Einkehr am Fei 
ertag. 11.00: Sendepause. 11.20: Orgel- 
musik. 11.45: Das Klaus Groth-Museum 
in Heide. 
12.00: Frankfurt: Musik am Mittag. In der 
Pause 13.00: Zeit, Wetter. 14.00: Kinder, 
hört zu! Ein Nordseemärchen. — Vom Kö 
nig Winter. 15.00: Kammermusik. Das 
SHmalmack-Quartett. 15.45: Karl Nötiger: 
Der Osterspaziergang. 
16.00: Vom Deutschlandscnder: Musik am 
Nachmittag. Das Unterhaltungsorchester d. 
Dentschlandsenders spielt. 18.00: Gesprä 
che und Gedanken zum Karfreitag. 18.30: 
Passionsmusik in der Johanniskirche zu 
Magdeburg. 19.15: Marine im Baum. 
(38-cm-Langrohrgeschütz vor Verdun.) Hör 
spiel. 19.55: Wetter. 
20.00: Feierliches Konzert. Dir.: Erich Serd- 
ler. 22.00: Nachr. 
Die „Seeschlacht" in der Wüste. 
In der Mitte des wüstengleichen Bettes des ausgetrockneten Mu- 
roc-Sees ist der Grundriß eines Kriegsschiffes in den Sand gezeich 
net.. Ein kleines Haus bezeichnet das „Pulver-Magazin", ein Kreis 
den Schornstein des Schiffes. Dieses „Schiff" dient als Zielscheibe 
für die amerikanischen Marineflieger. 
(Weltbild, K.)
	        
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