Hamburg: SonuaSenb. 11. Ņrn
6.00: Weckruf, Morgenspruch, Gvmnastik. —
6.25: Wetter. 6.30: Breslau: Frdhüch
klingts zur Morgenstunde. 7.00: Wetter«
Nachr. 7.10: Landw. Veranstaltungen. --
7.20: Breslau: Forts, der Morgenmustk.
8.00: Wetter: Allerlei Ratschläge. 8.15:
Sendepause. 10.15: Bunte Osterschüssel
(Schallpl.). 10.60: Hannover: Musik zur
Werkpause.
12.00: Meldg. der Binnenschiffahrt, Brnnen-
lands- und Seewetterbericht. 12.10: Aus
Karlsruhe: Buntes Wochenende. 13.00:
Wetter. 13.05: Umschau am Mittag. 13.1c>:
Stuttgart: Buntes Wochenende (Forts.), —■
14 00: Nachr. 14.20: Musikal. Kurzwerl.
15 00: Wer bastelt mit? Etwas Schönes
fürs Osterfest. 15.20: Ruf der Jugend.
15.30: Börse. 15.50: Schiffahrtsfunk.
16.00: Köln: Der frohe Samstagnachmrttag.
18.00: Bremen: Frische Brise. 19.00: Lau
schen un Rimels. Eine Fritz Reuter-Stunde
bei der Hitlerjugend. 19.25: Unsere Wehr
macht: Pommersche Kanoniere beim Scharf
schießen. 19.45: Wetter. 19.50: Augen auf!
Woran wir achtlos vorübergehen.
20.00: Meldg. 20.10: Berlin: Ein fröhlrch'
Musizieren. 22.00: Nachr. 22.30: Dresden;
Musik in der Osternacht. Hell schmettern
die Trompeten Osterzeit — Fröhlichkeit.
Dcutschlandscnder: Donnerstag, s. April
6.00: Guten Morgen, lieber Hörer! Glocken
spiel, Morgenruf, Wetter. 6.10: Fröhliche
Morgenmusik. Dazw.: 7.00: Nachr. 8.10:
Sendepause. 9.00: Sperrzeit. 9.40: Kinder-
ghmnastik. 10.00: Sendepause. 11.05:
Schmackhafte Reise durch Deutschland. —
11.15: Scewetterbericht. 11.30: Ringstechen
auf Föhr u. andere bäuerliche Frühlings--
bräuche. Anschl.: Wetter.
12.00: Breslau: Musik zum Mittag. Dazw.:
12.55: Zeitzeichen. 13.00: Glückwünsche.
13.45: Nachrichten. 14.00: Allerlei von
zwei bis drei! 15.00: Wetter, Börse, Pro-
grammhinweise. 16.15; Theodora Wend-
landt erzählt von ihrer Besteigung des Ki
limandscharo. 15.30: W. Brandt: Die chi
nesische Frau und ihre Familie. 15.45:
Adolf Holst liest aus eigenen Werken.
16.00: Musik am Nachmittag. Oskar Joost
spielt. In der Pause 16.50: Vom Glocken-
schlag zum Orgelton. In der Werkstatt ei
nes Uhrmachers. 18.00: Schallpl. 18.30:
Der kämpferische ZeiLenstift. Ein Gespräch
18.45: Sportfunk. 19.00: Und jetzt ist
Feierabend! (Schallpl.) 19.30: Waffenträ
ger der Nation: Bei einem Ergänzungs
bataillon.
20.00: Kernspruch: anschl.: Wetter, Kurz-
nachr. 20.10: Cello und Klavier. Werke
von Beethoven, Schumann u. Schubert. —
21.10: Das schnellere Schiff. Funkballade
von Eberhard Meckel. Nach der Erzählung
von Martin Luserke. (Aufn.) 22.00: Wet
ter, Nachr., Sport. 22.20: Kurt G. Sell:
Worüber man in Amerika spricht. 22.30:
Eine kleine Nachtmusik. (Aufn.) 22.45: See
wetterbericht. 23.00: Breslau: Unterhal
tungsmusik.
Dcutschlandsendcr: Freitag. 19. Avril
6.00: Guten Morgen, lieber Hörer! Glocken
spiel, Morgenruf und Wetterbericht. 6.10:
Morgenmusik. Dazw.: 7.00: Nachr. 8.10:
Sendepause. 10.15: Steh' für deine heilige
Sache! Eine Morgenfeier. 11.00: Verklärte
r: Landschaft. Gedichte von Kurt E. Meurer,
11.15: Seewetterbericht. 11.30: SchaUpl.
12.00: Köln: Musik zum Mittag. Dazw.:
12.55: Zeitzeichen. 13.00: Glückwünsche.
14.00: Allerlei von zwei bis drei! 15.00:
In den Herbststürmen der Nordsee. Mar
tin Luserke erzählt. (Aufn.). 15.25: Die
drei berühmten Klavierkomvonisten: Cho
pin, Liszt, Debussy. Schallplatten.
16.00: Musik am Nachmittag. Das Unter
haltungsorchester des Deutschlandsenders
spielt. In der Pause 16.50: Viola. Ge
schichte um ein Paddelboot von Mario Heil
de Brentani. 18.00: Tod und Leben. Dich
tung von Gerhard Schumann. Musik von
Höffer. (Aufn.). 18.40: Berühmte Sänger
in beliebten Opern (Schallpl.). 19.45: Sam
meln! Kamerad des Weltkriegs, Kamerad
im Kampf der Bewegung — Wir rufen dich!
20.00: Kernspruch; Kurznachr. 20.15: Or
chesterkonzert. Ltg.: H. Stange. 22.00:
Wetter, Nachr., Sport: anschl.: Deutsch
landecho. 22.30: Händel: Sonate C-Dur
für Gambe und Cembalo. 22.45: Seewet
terbericht. 23.00: Kammermusik.
Deutschlandscndcr: Sonnabend, 11. April
6.00: Guten Morgen, lieber Hörer! Glocken
spiel, Morgenruf, Wetter. 6.10: Fröhliche
Morgenmusik. Dazw.; 7.00: Nachr. 8.10:
Sendepause. 9.00: Sperrzeit. 9.40: Kleine
Turnstunde für die Hausfrau. 10.00:
Sendepause. 10.45: Fröhlicher Kinder
garten. 11.15: Seewetterbericht. 11.30:
Zwischen krank und gesund im Jugend
alter. Aus der Arbeit des Instituts für
Konstitutionsforschung. 11.40: Hessische
Bauernhochzeiten. Anschl.: Wetter.
12.00: Saarbrücken: Musik z. Mittag. Dazw.;
12.55: Zeitzeichen. 13.00: Glückwünsche.
13.45: Nachrichten. 14.00: Allerlei von
zwei bis drei! 15.00: Wetter, Börse, Pro-
grammhinweise. 15.10: Allerlei Spielmn--
sik. Nach Pommerschen Volkstänzen. 15.30:
H. Ruban: Wirtschastswochenschau. 15.45;
Von deutscher Arbeit.
16.00: Köln: Der frohe Samstagnachmittag.
18.00: Lied und Tanz aus deutschen Gauen
von Ernst Roters, ov. 49. 18.45: Sport
wochenschau. 19.00: Schallpl. 19.45: Was
sagt Ihr dazu? Gespräche aus unserer Zeit.
20.00: Kernspruch: anschl.: Wetter, Kurz
nachr. 20.10: Morgen ist Ostern!.... —
Fröhlicher Abend. 22.00: Wetter, Nachr.«
Sport: anschl.: Deutschlandecho. 22.30:
Franz Schubert; Rondo brillant. 22.45:
Seewetterbericht. 23.00: Oskar Joost spielt
zum Tanz!
Der neue Zevyelin und das Schicksal der anderen vo»
LZ. 1 bis LZ. 129. 32 Selten, reich illustriert, drosch-
8V Pfennig. Franckh'sche Berlagshandlung, Stuttgart-
Unser neuer Zeppelin! Größe, Gewicht, Reisegeschwi»'
digkeit, Gas als Betriebsstoff und Tragmittcl, HeliuiN'
gas oder Wasserstofsgas?! Alles das sind Begriffe, übet
die man sich tm klaren sein Mich, will man die Leistungen
unseres neuesten Luftschiffes LZ. 129 wirklich würdige»-
Mit der Schrift lernen. Sie Leistungsfähigkeit, Innen'
einrichtuiig, Schlafkabinen, Wandelgänge, Mannschafts'
räume und Ranchcrkabincn, Sichernngseinrichtungen u»d
Steucrnngsorgane kennen; Sie machen gleichsam eine»
Rundgang durch den neuen Zeppelin. Viele Bildet
machen alles anschaulich und deutlich. Daneben ersähet
man aus der Schrift viel Erstaunliches — was man nit
gewußt oder längst vergessen hatte, aus der Geschichte
des Zeppelin und über das Schicksal aller Zcppelinluft'
schisse von LZ- 1 bis LZ. 129. Die ganze Entwicklung
der Luftschiffahrt spiegelt sich tu der kleinen, billige»
Schrift.
Mt zwei Zentnern durch den Weltkrieg
Wir veröffentlichen in den folgenden
Wochen unter dem Titel „Mit zwei Zent
nern durch den Weltkrieg" die Kriegs-
erinnernngen eines Optimisten. Der Ver
fasser Karl Borromäus Gröber hat als
bayrischer Gcbirgsartillerist den Weltkrieg
an fast allen Fronten mitgemacht und be
handelt das große Erleben des Krieges in
seinen Erinnerungen einmal von der fröh
lichen Seite. Mancher Frontsoldat wird
auf Borromäus Gröber etwas neidisch
blicken, aber auch im Kriege waren des
Lebens Güter ungleich verteilt und nicht
jeder hatte zudem die Gabe, auch aus dem
bescheidenen Blümchen, das am Wege
blühte, Honig zu saugen und seine Freude
an kleinen Dingen, Menschen und Situa
tionen zu bewahren und in so vollkomme
ner Form zu gestalten.
Was den Verfasser bei der Niederschrift
seiner Erinnerungen leitete, sagt er selbst
im Vorwort. Nichts liegt ihm ferner, als
etwa durch seine fröhlichen Erzählungen
über die Härte des Krieges hinwegtäuschen
zu wollen. Das heitere Gesicht unseres
Borromäus würde sich bei solcher Miß
deutung seiner Erinnerungen gewiß in
ernste Falten legen. Aber: wer Fröhliches
aus dem Kriege zu erzählen hat, soll es
ruhig tun. Des bitteren Ernstes bleibt da
neben noch genug.
*
Vorwort.
Der echte Frontsoldat, der vor dem Feinde
stand, nahm den Dienst im Graben oder in der
Batteriestellung mit all seinen Schrecken und
Gefahren als etwas schicksalsmüßig Notwendi
ges hin und ordnete seine Person dem großen
Geschehen des Krieges unter. Er tat einfach
und selbstverständlich seine Pflicht, nahm sich
selbst nicht allzu wichtig, freute sich über jede
glückhafte Begebenheit, die er erlebte, und war
dankbar für jede Freude und jeden Scherz.
Wenn ein solcher Soldat sich heute an jene,
jetzt schon fernen Tage erinnert, oder wenn er
mit alten Kameraden darüber plaudert, so sind
es meist nicht die düstern und tragischen Stun
den, an die er denkt oder von denen erzählt
wird, es tauchen fast nur die freundlichen
Bilder des Krieges auf. Ueber das Helden
hafte, das geleistet wurde, sprechen die alten
Frontsoldaten wenig. Sie erinnern sich an ge
meinsame heitere Erlebnisse, an schrullige Ka
meraden und Vorgesetzte, an eigenartige Men
schen, die in fernen Landen ihren Weg kreuzten.
Mich führte ein glückliches Schicksal im Krieg
von Ost nach West, von Süd nach Nord an viele
Fronten. So wurden meine Erlebnisse die
eines unbeschwerten Landsknechtes des Welt
krieges und sind darum wohl auch des Erzäh
lens wert.
4- -
Nckrutenzeit.
Wo sollte ich mich melden? Mein sicherer
Instinkt sagte mir, daß man mit zwei Zentnern
fünf Pfund bei der leichten Kavallerie nicht
gerne gesehen ist. Zugleich überlegte ich mir,
daß ich auch bei der Infanterie in Hinsicht auf
obengenanntes Körpergewicht wenig Freude
erwecken würde. Also gedachte ich es nochmals
bei der Artillerie zu versuchen. Schon zehn
Jahre vorher hatte ich mich in München beim
1. Feldartillerieregiment gemeldet in der löb
lichen Absicht, hier mein Einjähriges abzudie
nen. Man hatte mich damals mit Abscheu und
offenem Spott wegen meiner Fülle abgewiesen.
Trotzdem beschloß ich, mich zum 2. Male bei
demselben Regiment vorzustellen in der Hoff
nung, den Herren jetzt genehmer zu sein. Tau
sende von jungen Kriegsfreiwilligen, die über
einen schöneren Körperbau, als ich besaß, ver
fügten, hatten die Listen längst gefüllt. Der
Herr Wachtmeister Huber, der sonst in meinem
Amt immer dienstfertig vor mir die Mütze ge
zogen hatte, erklärte bedauernd, daß nur der,
welcher eine persönliche Empfehlung vom Kö
nig oder mindestens von einem General bräch
te, noch genommen würde. Den König kannte
ich persönlich nicht, auch bei den Generalen
sah es traurig aus,' in hohen militärischen
Kreisen hatte ich nie verkehrt. Als letzte Hoff
nung fiel mir der Hofmarschall Seiner Maje
stät ein, den ich zufällig kannte. Zu ihm ging
ich, und nach zehn Minuten hatte ich ein Kärt
chen an den Regimentskommandeur in der
Hand, auf dem kurz und bündig stand, er möch
te meine Bitte anhören und erhören. Tags
darauf war ich wieder in der wohlbekannten
Kaserne und wurde vom Herrn Kommandeur
empfangen. Er setzte selbst meinen Namen
zuoberst ans die Liste der Kriegsfreiwilligen,
unterstrich ihn zweimal mit Rotstift und mach
te dazu noch an den Rand drei Ausrufungs
zeichen mit Blaustift. So war mein Sehnen
doch erfüllt, und ich rückte unverzüglich in das
Leben und Treiben der Kaserne ein. Es war
der 8. August 1914. Ich war also Rekrut und
infolgedessen für die nächste Zeit bar jeder
Vernunft, für die man übrigens auch als Re
krut keine Verwendung gehabt hätte. Die ersten
acht Tage durfte man selbstverständlich die Ka
serne nicht verlassen, und die komfortable
Junggesellenwohnung gehörte vorerst restlos
der Vergangentzert an. Das erste, was der
Soldat braucht, ist, daß er lernt, wie man den
Vorgesetzten richtig, gewandt und nicht zu
freundlich grüßt, wie man sein Bett macht, wie
die gemeinsamen Aborte geputzt werden. Wer
glaubt, daß all dies leicht sei, täuscht sich ge
waltig. Es genügen aber nur wenige Tage, und
der geistig bedeutsamste Mann ist bis in sein
tiefstes Innere davon überzeugt, daß zivile
geistige Güter für einen Rekruten in diesem
Erst durch die Vereidigung wird der junge
neuen Berufe nur sehr schwer verwertbar sind.
Rekrut zum richtigen Soldaten. Da der oberste
Kriegsherr diese Vereidigung selbst abnahm,
war es selbstverständlich nicht angängig, in dem
mir bis dahin zur Verfügung gestellten
Kostüm: einem alten Drillichkittel, einer Zi
vilhose und jener kleidsamen Kopfbedeckung,
welche bei den Preußen den poetischen Namen
„Krätzchen" führt, zu erscheinen. Die Rekruten
wurden geschützweise auf die Kammer geführt,
um dort die für diese Zwecke vorgeschriebene
blaue Friedensmontur mit weißem Lederzeug
und Helm zu fassen. Ein gütiger Kammer
unteroffizier verteilte seine Gaben. Da es bei
einem Garderegiment nicht üblich gewesen war,
Leute meines Umfanges und meiner beschei
denen Größe einzustellen, siel die Kleiderwahl
schwer. Dicke Leute hatte es hier wohl auch
schon gegeben, sie hatten dann aber auch eine
Höhe von 1,80 Meter erreicht. Ich empfing nun
eine Uniform, die für einen solchen Riesen zu
geschnitten war, und was die Uniform zu groß
war, das war der Helm zu klein. Ich prote
stierte nicht, denn erstens protestiert ein Re
krut nicht, und zweitens, wenn er protestiert, so
nützt cs nichts. Drunten in der Stube hüllte ich
mich in die schimmernde Wehr. Die Hosen
hatten jene damals sogar in -allerhöchsten
Kreisen beliebten Harmonikafalten. Der Hosen
boden wäre unliebsam aufgefallen, wenn ihn
nicht der Waffenrock restlos bedeckt hätte. Die
ser hing noch eine gute Handbreit über die
Kniekehlen hinab. Der niedere, bequeme Kra
gen bot Platz für den schönsten Tiroler Kropf.
Jene neckischen Haken, welche den blanken
weißen Ledergurt an meiner Rückfront stützen
sollten, führten eine Spanne weit unter dem
gewünschten Platz ein rein dekoratives Dasein.
Die Aermel verbargen meine Hände völlig.
Um die schönen, weißen, schwedischen Aufschlüge
doch noch zur Geltung zu bringen, wurden sie
mehrfach aufgestülpt und bildeten nun um die
Gelenke malerische Ränder, die wohl bei keiner
Uniform vergangener Zeiten gebräuchlich ge
wesen waren und die mir auch nicht gestatteten,
die Hände an die Hosennaht anzulegen. Ich
kam mir wirklich nicht sehr schön vor, als ich
im Hof zu den übrigen Kameraden stieß, die
mich mit verschmitztem Grinsen begrüßten. Der
Wachtmeister hatte mich übersehen, denn sonst
hätte er mich sicher heimgeschickt. Der Marsch
von unserer Kaserne zur Vereidigung gestalte
te sich zu einem wahren Spießrutenlaufen für
mich. Da ich als Flügelmann im letzten Gliede
marschierte, hatte die Bevölkerung reichlich
Gelegenheit, mich zu bewundern. Unter den
Klängen der Regimentsmusik bogen wir in
den gewaltigen Hof der Türkenkaserne ein, wo
schon Tausende gleich kostümierter Rekruten
versammelt waren. Ich aber war doch der
schönste! Der schönste und zugleich linker Flü
gelmann des ganzen Regimentes. Nachdem
wir mehrere Stunden gewartet hatten, erschien
Seine Majestät mit dem Marschallstab in der
Hand und schritt die Front ab. Wir hatten ge
lernt, auf das Kommando „Augen rechts!" den
Kopf gewandt nach rechts zu drehen und dem
daherschreitenden hohen Herrn scharf und
männlich ins Gesicht zu schauen. Dasselbe tat
auch der König. Als er an mir vorüberkam,
glitt sein Blick wie zufällig an mir herab. Er
hemmte den Schritt und lachte laut. Dies war
das Zeichen für die ihn begleitende Generali
tät, in das Lachen Seiner Majestät einzustim
men. Bald aber faßte sich der König. Sein Ad
jutant, mein Freund, der Hofmarschall, flüster
te ihm einige Worte zu und machte ihn an
scheinend mit meinem Zivilstand bekannt.
Majestät blieben darauf noch einige Zeit stehen
und nickten mir wie entschuldigend freundlich
zu. Was tut in diesem Falle der Rekrut? Ich
weiß nicht, wie ich dazu kam, aber ich nickte
ebenso freundlich zurück. Es muß doch nicht das
Rechte gewesen sein, denn Seine Majestät und
die ganze Generalität lachten von neuem. Nur
mein Regimentskommandeur hat nicht gelacht,
und noch weniger hatten der Herr Kammer
unteroffizier und seine Schneider zu lachen,
denn noch in derselben Nacht mußten sie mir
eine nagelneue blaue Uniform bauen, die sie
siebenmal zu ändern hatten, bis ihr Sitz Gna
de vor den Augen des gestrengen Herrn Kom
mandeurs fand.
Die militärische Ausbildung des Kanoniers
vollzieht sich ganz anders, als der Rekrut
glaubt. Der junge Krieger fährt keineswegs
auf der Protze zum Uebungsplatz, sondern er
zieht sein Geschütz im Schweiße seines Ange
sichts und in gestrecktem Galopp selbst dorthin.
Auch das Besteigen der Protze und des Muni
tionswagens will gelernt sein. Um die vorge
schriebene affenartige Geschwindigkeit zu er
reichen, wird stundenlang geübt. Selbst die
Höflichkeit des guten Wachtmeisters Huber, der
in atavistischem Rückfall in seine Zivilstellung
„Herr Doktor, aufgesessen!", „Herr Doktor, ab
gesessen!" kommandierte, versüßte mir die
ersten Versuche damit durchaus nicht. Wenn
er aber glaubte, mein Körpergewicht auf diese
Weise zu vermindern, so hat er sich schwer ge
täuscht: ich blieb im köstlichen Besitz meiner
Fülle. Auch das Exerzieren am Geschütz war
kein Honiglecken. Es gehört nicht zu den Er-
götzlichkeiten dieses Lebens, den Lafetten
schwanz des Feldgeschützes aus dem Dreck zu
ziehen und hurtig im Kreise zu schwingen.
lFortsetzung folgt.)
Was gik’s im Jiirndfunk ?
Hamburg: Donnerstag. 9. April
6.00: Weckruf, Morgensprnch, Gvmnastik. —
6.25: Wetter. 6.30: Stettin: Morgenmusik.
7.00: Wetter, Nachr. 7.10: Ackerbau. 7.20:
Stettin: Forts, der Morgenmusik. 8.00:
. Wetter: Allerlei Ratschläge. 8.15: Sende
pause. 10.15: Deutsche Volkslieder (auf
Schallplatten). 10.50: Musik z. Werkpause.
12.00: Meldg. der Binnenschiffahrt, Binnen
lands- und Seewetterbericht. 12.10: Aus
München: Musik am Mittag. 13.00: Wet
ter. 13.05: Umschau am Mittag. 13.15:
München: Forts, der Musik am Mittag. —
14.00: Nachr. 14.20: Musikal. Kurzweil.
15.00: Börse. 15.20: Schiffahrtsfunk. —
-15.30: Verdi. Streichquartett E-Moll (ans
Schallvlatten).
16.00: Bremen: Musik zur Kaffeestunde. —
17.00: Bunte Stunde: Alle Vöglein sind
schon da! 17.45: Mit den Eskimos auf
Eisbärjagd. 18.00: Königsberg: Konzert
Ltg.: Dr. Mayer. 18.45: Hafendienst. —
18.55: Wetter. 19.00: Hexenballade. Von
Walter Gättke. Musik von Otto Tenne.
20.00: Meldg. 20.10: Edvard Grieg. Kla
vierkonzert A-Moll« Werk 16. 20.40: 2
deutsche Meistersänger: Rudolf Bockelmann,
.Hans Reinmar (Schallpl.). 21.15: Flens
burg: Passionskonzert. Orgel- u. Chor-
musik alter Meister. 22.00: Nachrichten.
22.20: Berlin: K. G. Sell: Worüber man
in Amerika spricht. 22.80: Berlin: Stille
Weisen zur Unterhaltung.
Hamburg: Freitag, 19. April
6.30: Danzig: Morgenmustk am Karfreitag.
8.00: Wetter, Nachr., Hafendienst. 8.^0:
Gymnastik. 8.45: Sendepause. 10.30: Jede
Nacht bat ihren Morgen. Einkehr am Fei
ertag. 11.00: Sendepause. 11.20: Orgel-
musik. 11.45: Das Klaus Groth-Museum
in Heide.
12.00: Frankfurt: Musik am Mittag. In der
Pause 13.00: Zeit, Wetter. 14.00: Kinder,
hört zu! Ein Nordseemärchen. — Vom Kö
nig Winter. 15.00: Kammermusik. Das
SHmalmack-Quartett. 15.45: Karl Nötiger:
Der Osterspaziergang.
16.00: Vom Deutschlandscnder: Musik am
Nachmittag. Das Unterhaltungsorchester d.
Dentschlandsenders spielt. 18.00: Gesprä
che und Gedanken zum Karfreitag. 18.30:
Passionsmusik in der Johanniskirche zu
Magdeburg. 19.15: Marine im Baum.
(38-cm-Langrohrgeschütz vor Verdun.) Hör
spiel. 19.55: Wetter.
20.00: Feierliches Konzert. Dir.: Erich Serd-
ler. 22.00: Nachr.
Die „Seeschlacht" in der Wüste.
In der Mitte des wüstengleichen Bettes des ausgetrockneten Mu-
roc-Sees ist der Grundriß eines Kriegsschiffes in den Sand gezeich
net.. Ein kleines Haus bezeichnet das „Pulver-Magazin", ein Kreis
den Schornstein des Schiffes. Dieses „Schiff" dient als Zielscheibe
für die amerikanischen Marineflieger.
(Weltbild, K.)