Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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129. Jahrgang. 
Srhleswig-Hoksieinische 
129. Jahrgang. 
Renösdurger TagebloèL 
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Nr. 141 
FrâW. dm 11 Mm 
1838 
Die neuen Zielsetzungen der offiziellen englischen Politik 
Die Entscheidung in England 
England gibt die Sanktionen auf, weil es einen Krieg im Mittelmeer Abessiniens Wegen nicht will — Englands Rüstung im Mittelmeer wird verstärkt — 
Reform des Völkerbundes — Deutschlands Mitarbeit ist für den Frieden Europas unentbehrlich, sie wird von England gewünscht — Interessante 
Schlaglichter zur Lage in Europa in den Oppositionsreden 
D* England ist nunmehr aus seiner Reserve 
herausgetreten und hat die neuen Ziele sei 
ner Außenpolitik bekanntgegeben. Die Neu 
orientierung der englischen Politik bedeutet 
eine Abkehr von der bisherigen Völkerbnnds- 
politik und besiegelt die Niederlage der demo 
kratischen Mächte gegenüber der straffen nnd 
disziplinierten Führung Italiens durch Mus 
solini als Haupt des faschistischen Regimes. 
Die Erregung der Opposition und die Haltung 
des linksdemokratischen Frankreichs läßt sich 
deshalb verstehen. Sie fühlen die Bedeutung 
dieser Niederlage und fürchten die Folgerun 
gen für die Zukunft. Die Reform des Bölker- 
bnndes wird nach den jetzigen Ausführungen 
des Sprechers der englischen Regierung im 
Unterhaus nur in einem gedeckten Abbau des 
bisherigen kollektiven Sicherheitssystems, das 
bei der ersten sehr ernsten Probe in Europa 
so völlig versagt hat, bestehen. Die Andeutung 
über Englands Rüstungspolitik, dem Gewehr- 
bei-Futz im Mittelmeer, sprechen eine sehr 
deutliche Sprache bzgl. dieser Abkehr von Gens 
in alter Prägung. In der neuen Zielsetzung 
ist der Sprecher der englischen Regierung 
außerordentlich vorsichtig geblieben, er hat aber 
daran keinen Zweifel gelassen, daß ohne 
Deutschland ein wirklicher europäischer Friede 
und eine Sicherung gegen die zunehmende 
Bolschcwisiernng der Welt nicht möglich ist. 
Damit begegnet England Italien, das auch von 
sich aus eine aktive Einschaltung Deutschlands 
in die neue Ordnung der europäischen Befrie 
dung wünscht. Es wird nun nur noch darauf 
ankommen, ob die beiden Mächte gegenüber 
dem französisch-russischen Schwergewicht bei 
den nun kommenden Verhandlungen, die zu 
gleich den endgültigen Punkt hinter das Ver 
sailler Diktat setzen, durchhalten werden. 
Deutschland hat den Vorteil, daß es in seiner 
gegenwärtigen Stellung die Entwicklung in 
großer Ruhe abwarten kann. 
Ueber die bedeutsame entscheidende Sitzung 
im englischen Unterhause berichten wir nach 
stehend ausführlich: 
DNB. London, 18. Juni. Das Unterhaus be 
gann am Donnerstag die Aussprache über die 
Aufhebung der Sanktionen. Das Haus war 
üur mäßig gefüllt. 
Die Galerien für die Diplomaten und das 
Publikum waren allerdings bis auf den letz 
ten Platz besetzt. — Wenige Minuten vor 
16 Uhr erhob sich Außenminister Eden unter 
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ironischen Zurufen der Opposition: „Steh 
fest!" und begann die angekündigte Erklärung 
über die Sühnemaßnahmen. 
Sofort nachdem die Zeit der kleinen Anfra 
gen beendet ist, erhebt sich 
Anthony Eden 
als erster Redner, ohne die geringste Erregung 
zu verraten. Auf meinen Rat, so beginnt Eden, 
den ich als Staatssekretär für das Auswärtige 
zu geben für meine Pflicht hielt, ist die Re 
gierung nach reiflicher Ueberlegnng zu dem 
Schluß gekommen, daß es weiter keinen Nutze» 
hat, die Maßnahmen, die ergriffen worden sind, 
Um auf Italien einen Druck auszuüben, fort 
zusetzen 
Diese Worte des Außenministers wurden 
von den Bänken der Konservativen mit lautem 
Zuruf begrüßt, während die Sozialisten ein 
fortgesetztes „shame" vernehmen ließen. 
Eden wünsche zunächst eine Erklärung über 
die Politik der Regierung hinsichtlich der Sank 
tionen abzugeben und diese Erklärung in die 
richtige Perspektive zu rücken. Seit dem Be 
ginn des italienisch-abessinischen Konflikts habe 
die britische Regierung vollen Anteil an dem 
kollektiven Vorgehen des Völkerbundes ge 
nommen. Sicherlich könne behauptet werden, 
daß diese kollektive Aktion gründlicher und 
vollständiger Hütte sein können. Aber niemand 
werde behaupten können, daß die britische Re 
gierung daran nicht ihren vollen Anteil ge 
habt habe. Es bestehe keine Absicht, von Liesen 
Prinzipien jetzt abzuweichen. Im Gegenteil 
werde die Regierung diese Praxis meiterver- 
folgen und das Ziel, kollektiv vorzugehen, 
bleibe nach wie vor bestehen. Infolgedessen 
werde die britische Regierung weiter fortfah 
ren, ihren Anteil an jeder Entscheidung zu 
nehmen, die der Völkerbund bei seiner Voll 
versammlung Ende des Monats treffen sollte. 
Die britische Regierung sei verantwortlich 
für den Völkerbund, dem sie viele Male im 
gegenwärtigen Streit die Führung gegeben 
habe. Der Versuch, die Sanktionen in Kraft 
zu setzen, sei allein durch das Vorgehe» Eng 
lands znstandegekommen. Nun, wo der Völ 
kerbund gelähmt dastehe, sei es nach Ansicht 
der britischen Regierung ihre Pflicht, die Füh 
rung wieder zu übernehmen. 
Es müsse zugegeben werden, daß der Zweck, 
für den die Sanktionen ergriffen worden seien, 
sich nicht habe verwirklichen lassen. Zweifellos 
seien ernsthafte Fehlkalkulationen zu verzeich 
nen. Eine davon sei die gewesen, daß nach 
militärischer Auffassung der meisten Länder 
der Konflikt sehr viel länger dauern würde, 
als er in Wirklichkeit gedauert habe, und daß 
infolgedessen die Aktion nicht wirksam werden 
und die Beilegung des Konflikts erzielen 
konnte. Der militärische Feldzug Italiens sei 
erfolgreich gewesen. Soweit die englische Re 
gierung wisse, gebe es in keinem Teil des ehe 
maligen Kaiserreichs von Abessinien noch ir 
gendeine abessinische Regierung. Wenn der 
Völkerbund glaube, den Abessiniern einen 
Frieden erzwingen zu können, der so aussehe, 
wie der Völkerbund das wünsche, so müsse der 
Völkerbund Aktionen ergreifen, die unver 
meidlich zu einem Kriege im Mittelmeer süh- 
ren würden. Die britische Regierung sei nicht 
bereit, in militärische Handlungen einzutreten. 
Eden glaube auch nicht, daß andere Nationen 
dazu bereit seien. Die englische Regierung habe 
keinen Grund, sich zu entschuldigen und habe 
nichts zurückzunehmen. Die Völkerbundsver 
sammlung werde die ganze Situation neu 
überprüfen müssen, wobei die Sanktionen nur 
einen Teilkomplex bildeten. Eden erklärte, 
daß es nach Ansicht der britischen Negierung 
nicht nützlich sei, mit den Maßnahmen gegen 
Italien fortzufahren. Der Grund dafür sei 
darin zu sehen, daß niemand erwarten könne, 
daß durch die Fortsetzung der bestehenden 
Die Amtseinführung vor» Rerchsführer SS. Himmler 
als Chef der deutschen Polizei 
Sin« und Ziele der Neuordnung in der Polizei 
Es sprechen dazu Reichsminister Frirk, Meichssührer SS. Himmler und Polizeigeneral Daluege 
Berlin, 18. Juni. 
Der Reichs- und Preußische Minister des 
Innern, Dr. Frick, führte heute vormittag in 
einem feierlichen Staatsakt den durch den 
Erlaß des Führers und Reichskanzlers vom 
17. Juni mit der einheitlichen Zusammenfas 
sung der polizeilichen Ausgaben im Reich be 
auftragten Reichsführer SS. Himmler in sein 
Amt ein. 
Auf dem Hof des Preußischen Innenmini 
steriums Unter den Linden hatten die Offi 
ziere, Beamten und Angestellten der Polizei 
abteilung vor dem Hoheitszeichen des Reiches 
Aufstellung genommen. 
Rcichsminister Dr. Frick 
ergriff das Wort zu folgender Ansprache: 
)er Führer und Reichskanzler habe gestern 
mittag einen Erlaß vollzogen, mit dem er eine 
geschichtliche Tat vollbracht habe, deren Bedeu 
tung gar nicht überschätzt werden könne. „Es 
ist das erstemal während der tausendjährigen 
Geschichte Deutschlands, daß für das ganze 
Reich eine einheitliche Polizeileitung einge 
setzt wird, ein Führer der gesamten deutschen 
Polizei, der die Einheitlichkeit der Exekutive 
in Deutschland verbürgt. Das ist wieder ein 
gutes Stück Reichsreform, an der wir seit drei 
Jahren mit Erfolg arbeiten. Es ist eine staats 
politische Notwendigkeit gewesen", so sagte der 
Reichsminister, „zu dieser Regelung zu kom 
men, weil es für ein einheitliches Reich ans 
die Dauer unerträglich ist, keine einheitliche 
Exekutive zu besitzen." 
„Ich setze Sie hiermit (zu Himmler gewen 
det) in Ihren neuen Wirkungskreis als Chef 
der gesamten deutschen Polizei ein. Es ist eine 
ungeheuer große und schwere Aufgabe, die Sie 
damit übernommen haben. Nicht nur die Po 
litische Polizei wie bisher, sondern daneben 
die gesamte uniformierte Polizei sowie die 
Kriminal- und Verrvaltungspolizci steht nun 
mehr unter Ihrem Befehl. Damit ist endlich 
der Zustand hergestellt, der staatsrechtlich und 
staatspolitisch auf die Dauer allein möglich ist. 
Ich bringe Ihnen, lieber Parteigenosse Himm 
ler, mein volles Vertrauen entgegen und bin 
überzeugt, daß Sie die gesamte deutsche Poli 
zei so formen und führen, daß sie in guten wie 
in schlimmen Tagen allen Eventualitäten ge 
wachsen ist." 
Reichsführer SS. Himmler 
richtete hierauf an die Versammlung eine An 
sprache, in der er unter anderem sagte: „Im 
Laufe der vergangenen drei Jahre wurde von 
verschiedenen Seiten her aufbauend ein Ge 
bäude errichtet, dem lediglich der Schlußstein 
gefehlt hat. Wir sind ein Land im Herzen 
Europas, umgeben von offenen Grenzen, um 
geben von einer Welt, die sich mehr und mehr 
bolschewisiert. Wir haben damit zu rechnen, 
daß der Kampf gegen den alles zerstörenden 
Bolschewismus ein Kamps von Menschenaltern 
sein wird. Darauf ein ganzes Volk einzu 
stellen und, wie die Wehrmacht zum Schutz 
nach außen ist, die Polizei zusammengeschweißt 
mit dem Orden der Schutzstaffeln zum Schutz 
des Reiches nach innen aufzubauen, darin 
sehe ich meine Aufgabe. 
Ich brauche dazu Ihrer aller Hilfe, vor 
allem die Hilfe meiner alten Freunde und 
Mitarbeiter Daluege und Heydrich, die — als 
Nationalsozialisten — in treuester Kamerad 
schaft mir immer zur Seite standen. 
Ans die Treue, den Geist und die Pflicht 
erfüllung dieses soldatischen Korps kommt es 
an, ganz gleich, wo der einzelne steht, ob er 
Bote ist oder Ministerialrat. 
In diesem Sinne übernehme ich die Auf 
gabe als erster Chef der deutschen Polizei." 
General der Polizei Daluege 
ergriff hierauf das Wort zu einer für die Zu 
kunft der deutschen Polizei bedeutsamen An 
sprache, in der er u. a. sagte: 
„Als ich im Jahre 1933 den Auftrag erhielt, 
die Leitung der Polizeiabteilung im Preußi 
schen Innenministerium und dann im Reichs 
innenministerium zu übernehmen, sah ich eine 
meiner vornehmsten Aufgaben darin, die Po 
lizei, nachdem sic von den Schlacken der ver 
gangenen roten Zeit gereinigt war, umzu 
stellen, innerlich im nationalsozialistischen 
Geiste umzubrechen. Wir können stolz darauf 
sein, daß in diesem Augenblick ein Traum in 
Erfüllung geht, den ich als SS.-Führer sei 
nerzeit vor der Revolution geträumt habe, 
nämlich zu verbinden die Polizei der Bewe 
gung mit der Polizei des Staates durch die 
Person des Reichsführers SS. Himmler. Es 
ist nun endlich möglich, zwei Teile, die zusam 
mengehören, zunächst einmal organisatorisch 
zusammenzufügen, um sie dann auch ideell 
zu einem Korps nationalsozialistischer Ueber 
zeugung zusammenzuschweißen. 
Diese Aufgabe zu erfüllen dürfen mir stolz 
sein. Ich darf erwarten, daß, wie Sie mir bis 
zu diesem Zeitabschnitt gefolgt sind, Sie nun 
weiter Ihre ganze Kraft dafür einsetzen wer 
den, eine Polizei zu schaffen, die in der Welt 
einzigartig dasteht. Wenn die Schutzstafscl den 
Stolz hat, Garde der Bewegung zu sein, so 
soll die Polizei im Deutschen Reich den Stolz 
haben, Garde des Staates zu werden." 
General Daluege schloß seine Ansprache mit 
einem dreifachen Sieg-Heil auf das deutsche 
Volk und unseren Führer Adolf Hitler. 
LSeepräsidertt Lohse und Außenminister Neurath 
zur Reichstagnvg der Nordischen Gesellschaft 
NN. Lübeck, 18. Juni. Der Leiter der Nor 
dischen Gesellschaft, Gauleiter und Oberprä- 
dent Lohse-Kiel hat zur Dritten Reichstagung 
der Nordischen Gesellschaft folgendes Geleit 
wort gesandt: 
Seit nunmehr 13 Jahren bemüht sich die 
Nordische Gesellschaft um eine Vertiefung des 
gegenseitigen Verständnisses zwischen den nor 
dischen Ländern und Deutschland. Der dies 
jährigen Dritten Reichstagung, die sich durch 
eine zahlreiche Beteiligung des nordischen 
Auslandes auszeichnet, wünsche ich vollen Er 
folg und hoffe besonders, auch in meiner Ei 
genschaft als Gauleiter und Oberpräsident der 
Grenzprovinz Schleswig-Holstein, daß der ge 
meinsamen Arbeit der Vertreter und beteilig 
ten Organisationen der nordischen Länder und 
der Nordischen Gesellschaft auch in Zukunft der 
bisherige Erfolg nicht versagt bleibt. Unser 
uneigennütziges Streben im Geiste des nordi 
schen Gedankens muß sich am Ende zum Segen 
der beteiligten Länder und Völker auswirken. 
* 
Deutschland ist mit den Ländern des Nor 
dens durch uralte Bande gemeinsamer Ge 
schichte und Kultur verbunden und ihnen in 
aufrichtiger Freundschaft zilgetan. Immer 
wieder haben im Laufe der Jahrhunderte 
gleiche Ideale unsere Völker beseelt und zu 
einander geführt. Auch heute in seinem Ringen 
um einen wahrhaften europäischen Frieden 
weiß sich das deutsche Volk in diesem Streben 
einig mit seinen nördlichen Nachbarn. Die 
Nordische Gesellschaft hat von jeher verstanden, 
die Beziehungen zwischen Deutschland und den 
Völkern des europäischen Nordens zu pfle 
gen und zu vertiefen. Daß auch die diesjäh 
rige Reichstagung sich in diesem Sinne aus 
wirken möge, ist mein aufrichtiger Wunsch. 
Frhr. von Neurath.
	        
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