Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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ïsááÊ. 
iüic fmmm Siücmet 
129. Jahrgang / Nr. 141 
Beilage der Schleswig.Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt) 
Freitag, den 19. Juni 1936 
Sprechchor mrd Mannschaftsspiel 
Durch das Verbot des Reichsjugendführers 
über die Aufführung von Sprechchören ist die 
Oeffentlichkeit angeregt worden, sich mit dem 
Wert von Sprechchören auseinanderzusetzen. 
Oberstfelömeister Scheller nimmt im „Arbeits 
Mann" folgendermaßen Stellung: 
Da der „Sprechchor" bei unseren Festen und 
Feiern eine große Rolle spielt, ist einiges dazu 
5u sagen: 
Der in der Kampfzeit entstandene Sprechchor 
ist zur Modeerscheinung geworden, er ist zu 
einer bloßen Schaunummer mißbraucht wor 
den und in der Form erstarrt. 
Wie sieht meist so ein Sprechchor aus? Das 
Rezept ist sehr einfach: Man nehme eine Mi 
schung von „Ewiger Treue, Blut und Boden, 
dröhnendem Marschtritt, Adel der Arbeit", 
reime Spaten auf Taten und Soldaten und 
lasse das von einem Chor recht wuchtig mit 
verbissenem Ernst aufsagen. 
Man kann auch irgendein Gedicht mit hin 
einbauen, das man aus der Zeitung ausge 
schnitten hat. 
Es ist schon wahr, die Dichtung unserer Zeit 
ist in erster Linie „Wir-Dichtung" sim künf 
tigen Liederbuch fangen unendlich viele Lieder 
Mit „Wir" an). Aber dieses Wirgefühl spricht 
doch nur einer für die anderen aus, wenn er 
es niederschreibt. Also soll es auch nur einer 
sprechend verkünden. 
Weil wir aber doch die ganze Mannschaft 
mitgestalten lassen wollen, da nicht einer als 
Sprecher dastehen soll und die anderen nur 
mitlaufen, muß bei einem Mannschaftsspiel 
einer der Sprecher sein irnd die Mannschaft 
durch Zurufe oder Lieder das Gesprochene be 
stätigen und verstärken. Das ist kein Sprechchor 
mehr, bei dem Gedichte exerziermüßig aufge 
sagt werden. Das ist das Bild der Gemeinschaft, 
die gleich denkt und gleich fühlt, wenngleich 
nur wenige da sind, die diese Gefühle in Worte 
oder gar in Dichtung zum Ausdruck bringen 
können. 
Also auch bei uns hat er nichts zu suchen, der 
falsche Sprcchchor, bei dem der Zuhörer sich 
krampfhaft bemühen muß, die Worte zu ver 
stehen, und wenn er sie versteht, sind es die ab 
gelaufenen, zum Schlagwort gewordenen „Be 
kenntnisse" und „Schwüre" (man kann und soll 
nicht jede Woche zweimal schwören, sonst ver 
liert der Eid seine Schwere und Tiefe), die 
heute wie ein Regen auf jeden hernieüerrieseln, 
ohne in ihn einzudringen, ihm lediglich ein 
unbehagliches Gefühl verursachen. 
Hin zum chorischen Spiel der Mannschaft, die 
hinter dem Sprecher als Verstärkung steht, die 
durch ein passendes Lied oder durch einen kur 
zen Zuruf sich hinter die Dichtung stellt. So 
haben wir z. B. in unseren Rundfunkmorgen 
feiern die Lieder durch einen Einzelsprecher 
vorsprechen lassen, bevor sie gesungen wurden. 
So haben wir zwei Arbeitsmänner sich in einer 
Zwiesprache über die Fragen unterhalten las 
sen, um die es uns geht. Hinter dem Führer 
wort, das in jeder Feier zu Anfang steht, 
spricht oder singt die Mannschaft im Chor, um 
zu bekunden, daß sie zu dem Worte steht, genau 
so, wie sie bei einer Rede des Führers ihren 
Beifall kundtun würde. Und zum Schluß spricht 
sie ihr Bekenntnis in dem „Das glauben wir!", 
„Das fordern wir!" oder „Das wissen wir!" 
Wenn wir in Nürnberg vor dem Führer auf 
marschiert sind, dann wollen wir alle ihm sa 
gen, daß wir zu ihm stehen, wollen es ihm 
singen und zurufen, daß wir seine Mannschaft 
sind. Das ist nicht mehr Sprechchor, das ist 
Feier und Bekenntnis. 
So wollen wir weiterbauen an unserem 
Mannschaftsspiel, wollen nicht in billigen 
Schlagworten daherrauschen, wollen unsere 
heiligen Begriffe nicht todreden, wollen keine 
Gefühle exerzieren, sondern gestalten mit der 
ganzen schweren Verantwortung, daß wir mit 
helfen müssen am Aufbau einer deutschen Kul 
tur. 
Erinnermgen 
an de» Reichsberuss«ettka«ps 
Mariechen Reimers, Reichssiegcrin Gruppe 
„Nährstand", berichtet: 
Der diesjährige Reichsentscheid im Reichs 
berufswettkampf fand im fernen Osten in Kö 
nigsberg statt. Zur großen Freude durfte auch 
ich daran teilnehmen. Wir fuhren am Mitt 
woch, dem 21. 4., früh morgens um 6.15 Uhr 
mit 8 Jungens und 5 Mädeln aus Kiel. Unsere 
Fahrt ging über Lübeck und Berlin nach Swi- 
Nemünde. Um 18 Uhr trafen wir in Swine- 
nemünde ein, wo wir ganz feierlich mit Musik 
und von vielen fröhlichen Gesichtern empfan 
gen wurden. Wir betraten den Dampfer „Dan 
zig", um damit nach Pillau zu fahren. Doch die 
Fahrt war etwas enttäuschend. Der Dampfer 
war so voll, daß wir nicht mal einen Platz hat 
ten, um uns auszuruhen. Auf dem Fußboden 
haben wir geschlafen. Aber trotz alledem war es 
boch ganz interessant, einer war noch vergnüg 
ter als der andere. Am Donnerstagmittag ge 
gen 11 Uhr trafen wir in Pillau ein. Die dor 
tige Jugend hatte ein ganzes Programm, das 
aus Ansprachen, Musik, Sprechchören und Lie 
bern bestand, aufgestellt. Mit einem Sonder- 
Sug fuhren wir dann nach unserm Wcttkampf- 
ort Königsberg. Die ganze Stadt war mit 
Fahnen geschmückt. Wir marschierten sofort in 
die Jugendherberge, die nicht weit vom Haupt 
bahnhof entfernt war. Gauweise bekamen wir 
Unsere Zimmer. Es war interessant mit all 
ben verschiedenen Mundarten. Wir Holsteiner 
wollten natürlich auch unsere Sprache ins 
Zechte Licht stellen und redeten plattdeutsch. 
Unsere Kameradinnen standen begeistert um 
Uns herum. Eine Schwäbin sagte: „Ihr seid ja 
Franzosen." Am Abend fand die Eröffnungs 
leier im Schloßhof statt. Obergebietsführer Ax- 
wann hieß uns alle herzlich willkommen. Am 
nächsten Morgen führte man uns durch die 
Etadt, um uns alle Sehenswürdigkeiten zu 
«eigen. Wir besichtigten das Schloß, die Bern 
steinmanufakturen und die Schichau-Werke. 
Am Sonnabend fuhren wir mit frischem Mut 
In Autobussen an unsere Arbeitsstätten, Grup 
pe „Nührstand" fuhr nach Metgethen in eine 
Frauen-Gewerbeschulc. Ich mußte zwei Schür 
zen bügeln, Kartoffeln legen und Hühnerfutter 
zurecht machen, was ja nicht sehr schlimm war. 
Aachmittags waren etwas schwierigere haus- 
suirtschaftlich-theoretische Aufgaben zu lösen. 
Aach Beendigung der Arbeit sind wir dann in 
Begleitung der Mädel in unsere Autos ge 
stiegen und heimgefahren. Der Sonntag war 
wr sportliche Wettkämpfe ausersehen. 100- 
Aieter-Lauf, Weitsprnng und Schlagballweit- 
ìu>rrf waren unsere Ausgaben. Nachmittags 
'var Freizeit, was natürlich ganz angenehm 
^ar, denn jast alle mußten Strümpfe stopfen. 
Am nächsten Tag ging es an die weltanschau 
lichen und hauswirtschaftlichen Arbeiten. Es 
war ein anstrengender, aber doch ein schöner 
Tag. 
Unser Reichsjugendführer kam unverhofft 
an unsere Arbeitsstätte. Da ging die Arbeit 
noch mal so leicht. Wir mußten Schultüten 
kleben, Linsensuppe kochen und Töpfe scheuern. 
Am Abend waren wir mit allen Arbeiten des 
Reichsendkampfes fertig. Der nächste Tag war 
für eine Fahrt an die Samlandküste bestimmt. 
Schon morgens, wie wir geweckt wurden, lachte 
die Sonne ins Fenster hinein. Wir fuhren mit 
einem Sonderzug nach Warnicken, um von 
dort eine Wanderung nach Reuschen zu unter 
nehmen. Es ist wirklich nicht zu beschreiben, 
wie wunderschön dieser Marsch war. Wir gin 
gen ganz am Strand entlang. Alle sahen auf 
die Erde, um kleine Bernsteinchen zu suchen, 
denn jeder wollte ein kleines Andenken mit 
nehmen. Nun kam der letzte Tag. Es ging zum 
Reichsehrenmal. Morgens um 6.30 Uhr fuhr 
unser Zug ab nach Hohenstein. Es ist nicht 
vielen gegönnt, dieses gewaltige Reichsehren 
mal, ivo unser verstorbener Generalfcldmar- 
schall ruht, besichtigen zu dürfen. Es sprach der 
Reichsjugendführer. Am Abend marschierten 
wir mit erwartungsvollen Herzen in die Schla- 
geter - Halle zur Siegerverkündigung. Der 
Reichsjugendführer verlas die Reichssieger. 
Mit gespitzten Ohren hörten wir auf die Na 
men. Ans einmal hörte ich „Mariechen Rei 
mers", konnte es kaum glauben, daß ich es sein 
sollte. Zuletzt kamen diejenigen, die znm Füh 
rer durften. Alle Reichssieger gingen auf die 
Tribüne, wo wir unser Ehrenabzeichen vom 
Reichsjugendführer freudig entgegennahmen. 
Noch am selben Abend fuhren wir mit Baldur 
von Schirach nach Berlin. 
Da der Zug schon % Stunde nach Beendi 
gung der Feier abfuhr, konnten nur natürlich 
nicht erst unsere Sachen packen. Wir nahmen 
alles unterm Arm und rannten voller Auf 
regung zum Bahnhof. Am nächsten Morgen 9 
Uhr kamen wir in Berlin an. Eben vor An 
kunft erfuhren wir, daß der Neichsjugendfüh- 
rer mit uns frühstücken wollte. Das war aber 
ein Ereignis. Der Reichsjugendführer wollte 
mit uns frühstücken? Das war ein Leben. Nach 
dem Frühstück mußten wir Abschied nehmen. 
Alle fuhren in ihre Gaue zurück. Mit knurren 
dem Magen kamen wir in Kiel an. 9 Jungens 
und 6 Mädel waren abgefahren, davon kamen 
3 Jungens und 2 Mädel als Reichssieger zu 
rück und ein Junge war unter den noch glück 
licheren, die zum Führer gerufen waren. Am 
l. Mai war Siegerehrung in Kiel. Noch am 
selben Tag konnten wir in unsere Heimatorte 
zurückfahren. Das erste, was ich zu Hause er- 
- Begegnung mit einem Emigranten 
Rotterdam. 
Mit in den Hosentaschen vergrabenen Hän 
den schieben wir durch die Goordamer Gracht. 
Ganz langsam übrigens und so, wie es sich für 
einen waschechten Holländer geziemt. Von der 
Gracht her roch es schwer und ekelhaft. Der 
Fischkutter mit dem dreckstarrenden Tauwerk 
und den schwarzen Planken torkelte leicht auf 
dem dunklen Wasser. 
^Wir schlendern am Bordsteig entlang. Die 
Sonne malt kleine Kringel mit buntem Band 
vor uns hin. 
Tolles Wetter. Kein Geld mehr, während 
der Kohldampf wie ein Bandwurm in den Ge 
därmen nagt. 
„Na, Deutsche?" 
Langsam blicke ich zur Seite. Soso? Also der 
erste Emigrant? Der soll mal kommen, gut 
— außerdem hat uns Heio genug von dieser 
Clique erzählt. So denke ich und sage: „S'il 
vous plait?" 
Jochen schaut mich an, wie mir scheint, in 
nerlich laut lächelnd und dann spuckt er, wißt 
ihr, so durch die Zähne, ohne die Lippen zu be 
wegen. Doch da redet der andere schon weiter: 
„Kinner, dat ich nich lache — klar wie — wie 
— na egal . . . Seid ihr organisiert?" 
Aha, sagt Jochens Blick, siehst du — was 
sagte ich? Emigrant. Natürlich, Emigrant. 
Ich grabe meine Hände um etliches tiefer 
in die Taschen meiner kurzen gelben Hose und 
zucke gleichmütig, ohne Antwort zu geben, die 
Achseln. Während ich verstohlen zu ihm rüber- 
blinzcle, taxiere ich, daß er eigentlich keinen 
üblen Eindruck machte. Nein, beileibe nicht, 
sieht tadellos aus, dieser Bursch. Dunkelblaue 
Knickerbockers, schwere Bundschuhe, gelbes 
Fahrtenhemd. Außerdem ganz netter Kopf. 
Alt schien er 20—22. Immerhin: Emigrant 
bleibt für mich Emigrant. 
„Hm — göttlich —!" lacht er uns an, „ih, 
wollt einen alten Trapper abkochen? Erlaubt 
mal, daß ich kichere. — Habt ihr zu pennen? 
Kohldampf? Klar seid ihr in der HI. Meine 
Bude steht euch zur Verfügung. Also gehn wir, 
s'il vous plait!" 
^ „Na gut", meine ich dann gestehend, „deutsch 
sin mer, jawoll. Aber HI.? Nee! Zn pennen 
ham mer ooch nischt! Kohldampf? Frage! Jo 
chen, haß du Kohldampf?. Nee?. Nee. Wenn 
de aber noch viel erzählst, fressen mer dich mit 
samt deinen Klapperknochen — vor Kohl 
dampf." 
Eigentlich hätte das ja genügen müssen, um 
uns diesen Emigranten endgültig vorn Leib 
zu schaffen, doch wenn du glaubst, es Hütte ge 
nügt, bist du auf dem Holzwege. Er lachte uns 
an, und ich muß zugeben, selten ein offeneres 
Lachen gehört zu haben. 
„Na, seht ihr, geht in Ordnung. Gehen wir." 
Und so schoben wir dann mit ihm, erst lang 
sam, dann schnell, und ie mehr er erzählte, um 
so schneller rannten wir. 
Dann kam das dicke Ende. Irgend — weiß 
der Deubel wo, hatte er uns abgeladen. Drei 
Treppen lrunter in den Keller), vier Türen, 
und wir standen vor seinem Sesam. 
„Na", meinte er ein wenig entschuldigend, 
„grad nett ist's hier nicht, wißt ihr, ich arbeite 
sonst den ganzen Tag hier, drunter und drüber 
alles, na ja, einer kann da auf der Couch 
pennen, wer, ist egal, und der andere muß 
schon auf dem Boden koksen, na mal sehen." 
Und kramt in seinen Taschen herum. Gclll 
klirrt. „Noch zwei Gulden, Moment, ich bin 
gleich wieder da." 
Toll, dieser Emigrant, wirklich, toll, da rast 
der nun mit einer Begeisterung weg, um für 
uns mit seinen beiden letzten Gulden Gebäck 
zu kaufen. 
Dann fr — — essen wir, was das Zeug fund 
vor allen Dingen: unser Koppel) hält, wobei 
er uns mancherlei aus seinem Leben erzählt. 
Dreckig ginge es ihm, ja, sehr dreckig, aus 
Düsseldorf sei er, hündisch? Nee, käme nicht in 
Frage. Maler sei er, wie wir sähen, Kunst 
maler! Schade, denke ich, weiter nichts als 
„schade um diesen Emigranten". Ich rede dann 
sehr gut zu ihm und erzähle, was ich treibe. 
Wie es so sei, in der HI. wäre ich jalso doch, 
sagt mir sein Blick) und noch auf der Penne. 
Ruhig, mit seltsam gespannten Zügen läßt 
er mich erzählen und am Schluß meint er, fast 
entschuldigend, wie nebenbei: 
„Na Kinner, dat wußt ich doch gleich und . . 
wenn dat so is' . . .", schlug den Jackenauf 
schlag um und — Teufel, Teufel, das HJ.- 
Traditionsabzeichen! Wir zerquetschen uns die 
Hände vor Freude und wir haben dann viel 
gesungen. F. I. Tripp. 
Wir KerLs 
Laßt jene doch am Wege stehn, 
die müde sind und feig. 
Mit uns soll» nur die Stolzen gehn. 
Bor uns soll nur ein Zeichen wehn: 
Ihm dienen alle gleich! 
Gebt allem nun den letzten Stoß, 
das schwach im Sturme wankt. 
Wir wollen Kerls aus einem Guß. 
Die Pflicht ist nur ein eisern Muß 
und wird nicht viel gedankt! 
Claus Dörner. 
zählte, war: „Wir haben mit dem Reichs- 
jugenöführer gefrühstückt!" 
Ich werde diese Fahrt stets in Erinnerung 
behalten. Es waren wirklich schöne Tage, an 
denen ivir viel gesehen und erlebt haben. Ost 
preußen hat sich viel Mühe um uns gegeben. 
Mariechen Reimers, Böken. 
Unsere erste Schnlnngssahrt 
„Wir fahren bei jedem Wetter", hatte unser 
Gefolgschaftsführer unter den Dienstbefehl ge 
setzt, da Petrus wirklich unberechenbar in die 
sen Apriltagcn gewesen war. Doch als er am 
Sonnabend die 25 Hitlerjungen mit ihren 
Fahrrädern zur Schulungsfahrt angetreten 
sah, da schien seine Laune ausgezeichnet zu 
sein, und an dem warmen Frühlingsabend 
wand sich die lange Reihe froher Hitlerjnngen 
auf ihren Fahrrädern durch die Straßen 
Rendsburgs. Nach einer „Nekordfahrt" erreich 
ten wir unser Nachtquartier, die Schule in 
Ascheffel. Nach einem tüchtigen Abendbrot leg 
ten wir uns auf unsere Matratzen und rasch 
waren alle eingeschlafen. Nur allzu früh er 
tönte ein schriller Pfiff und dann die schauri 
gen Worte: „Naustreten zum Frühsport". Fast 
war es dunkel draußen. Ja, das war anders, 
als der übliche Sonntagmorgen. Doch uns 
konnte nichts erschüttern! Zu Anfang ein Lauf 
und dann Freiübungen auf der Waldlichtung 
und wieder zurück zur Schule. Rasch aber 
gründlich wurde das Waschen und Anziehen 
vorgenommen und dann ließen wir uns den 
Morgenkaffee munden. Die Flaggenparade 
leitete unseren Dienst ein. Unter Zurücklas 
sung einer Wache marschierten wir ab. Die 
Schulung begann: Marschieren, Exerzieren, 
Tarnen in jedem Gelände und wieder Mar 
schieren, Anschleichen und Meldungen über 
bringen, bis es dem Gefolgschaftsführer genug 
schien. 30 Minuten Ruhepause. Aber für uns 
gilt keine Ruhepause. Hatten wir nicht vorhin 
beim Anschleichen den großen Felsstein auf 
dem Gipfel des Hügels gesehen? Nischi hatte 
einen Gedanken. Nischi hat überhaupt öfters 
Gedanken. Aber dieses Mal war Nischis Ge 
danke gut. „Mensch, Sache mit Ei!" Und schon 
rannten wir davon und ruhten nicht eher, als 
bis der große Stein, der manchmal wie von 
unsichtbaren Kräften in sein Erdbett zurückge 
zogen schien, mit Stangen emporgerichtet war. 
Ein „Denkmal". Ein Mal znm Gedenken an 
unsere erste Schulungsfahrt dieses Jahres. 
„Gef. 1/1/163" ritzten wir auf die große, flache 
Seite ein. 
In forschem Marschtritt ging es nun wie 
der unserm Lager zu. Forsch, weil der Magen 
knurrte. Unser Koch hatte alle seine raffinier 
ten Künste spielen lassen. Auf einem ausein 
andergenommenen Kanonenofen — man muß 
sich eben zu helfen wissen — stand der riesige 
Kochtopf, in welchem Fiele mit einem Holz 
löffel herumrakte, damit es bloß kein „Bran 
denburger" gab. Bald saßen wir alle an einem 
langen Tisch ans dem Schulhof und nach einem 
gemeinsamen Lied und einem Tischspruch hau 
ten wir rein. Der Reis war wirklich gut. Als 
der Gefräßigste unter uns, er hatte 2 Tage 
lang gefastet, den letzten Winkel seines Ma 
gens gefüllt hatte, war auch unser Kochtopf 
gänzlich ausgekratzt. Stach dem Essen war Bett 
ruhe, dann wiederum Schulung: Vorlesen aus 
dem Buch unseres Führers, Einüben von Lie 
dern und Vortrüge. Feierlich wurde dann un 
sere Fahne wieder eingeholt und schweren Her 
zens schwangen wir uns auf unsere Stahl 
rösser mit Kurs auf Rendsburg. Nun schien 
Petrus Laune umzuschlagen, denn er zog seine 
Stirn in tiefe Falten. Und als wir nach schnel 
ler Fahrt unser Städtchen erreichten, brach 
ein Unwetter los. Doch mit einem frohen Lied 
auf den Lippen fuhren wir wiederum durch 
die Straßen, denn auch der Regen machte uns 
nichts aus. Nein, wir fahren bei jedem Wet 
terl Jö.
	        
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