129. Jahrgang.
Srhleswîg-tzolķìeiaijrhe
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Gedanken zur Zeitgeschichte
Der Nähe Osten im Blickfeld Europas
Nach dem Abklingen des abessinischen Kon-
uikts wendet sich der Blick der Welt, vor allem
Notgedrungen der Englands und Frankreichs,
oen Vorgängen im Nahen Osten zu, die kaum
niehr als ein gelegentlich aufflackernder Stam-
Nfesstreit religiöser Prägung abgetan werden
mnnen, sondern immer deutlicher sich zu einer
Nus der Glutesse Arabiens hervorbrechenden
Offensive des Islam gestalten. Der hartnäckige
-Widerstand, den die Araber in Palästina und
Syrien ihren europäischen Vormündern lei
ten, ist ebenso bezeichnend für die Einschätzung
«er gegenseitigen Kräfte, wie die heurig dis
kutierten Pläne der Engländer, den Seeweg
bber Kapstadt als eine Ersatzstraße nach In
dien auszubauen. Der tiefere Anlaß der
Zusammenstöße im Orient liegt, wie bei so
Zielen anderen Unruheherden auf der Erde,
"ü den fluchwürdigen Verträgen, die den
Weltkrieg abschlössen, an den lockenden Ver
sprechungen, mit denen die Alliierten den be
schichten Wünschen ihrer Gegner entgegen
zukommen versprachen, um sie nach Aufgabe
Ir Feindseligkeiten um so tiefer zu enttäu
schen.
Die machtpolitische Stärke der Türkei vor
Kriege war mit dem Wort vom kranken
am Bosporus treffend gekennzeichnet,
nur Weltkrieg zerbrach denn auch das Osma-
Uenreich, dessen Begründer der türkische Emir
Ismail (1259—1326) gewesen war, und damit
vatte zugleich das türkische Kalifat auch dem
Kamen nach als Zentrum der islamischen Welt
Aufgehört zu bestehen. Es waren vor allen
Dingen die Zusicherungen Englands über ein
Unabhängiges Arabien, die Tausende von Ara
bern veranlaßten, die türkische Fahne zu ver
russen und auf seiten Englands weiterzu
kämpfen. Die verschiedenen, nach dem Kriege
kkeu entstandenen zunächst meist von England
Abhängigen Staaten, haben lange unterein
ander um die Teile der türkischen Erbschaft
bestritten. Heute ist ein gewisser Abschluß er
dicht, zunächst innerhalb der nördlichen Statt
en, zu denen die Türkei, Iran (Persien),
Afghanistan und Irak gehören, durch Abschluß
Eines Viererpaktes und im südlichen Raum
burch die überragende Machtstellung Jbn
^auds.
Der Entwicklungsgang dieses Mannes, für
be>sen Reich sich in Deutschland der Name
^audisch-Arabien einzubürgern beginnt, zeigt
Einen furchtlosen Krieger und gewandten Di-
biornaten. Während der türkische Sultan sei
nen hoffnungslosen Verteidigungskampf im
Weltkriege kämpfte, breitete Jbn Saud seine
^acht im Innern Arabiens aus) nach dem
Kriege stieß er an die Küste vor, um im Laufe
er Jahre die Küstenstaaten des Roten Mee
res Hedschas, Asir und Jemen zu unterwerfen.
ist damit zum tatsächlichen Herrn Arabi
cs geworden. Nur Koweit am persischen Golf
"hd die Südostküste stehen noch unter dem —
vielleicht schon schwindenden — Einflüsse Eng-
bnds von Aden aus.
ļļ Sur Stabilität dieses arabischen Staates
bEht der Unfriede der drei nordwestlich an-
Kenzcnden, unter englischer und französischer
Aufsicht stehenden Mandatländer Transjorda-
ien, Palästina und Syrien in bezeichnendem,
Serrig rühmlichem Gegensatz,
è Transjordanien wird von Emir Abdullah,
Ein Bruder des verstorbenen Königs Feisal
Irak und Onkel des jetzt in Bagdad herr-
è?ENden Königs Gazi, regiert. Die Selbstän-
j’Ôîett des Landes erschöpft sich in den Vor-
^Echten, seine Zivilverwaltung selbst finanzie-
^Eg und in den benachbarten arabischen Staa
ts Konsulate unterhalten zu dürfen. Im übri-
jîņ ist für seine Belange der Hohe Kommissar
h . Palästina zuständig. Der Wert Transjorda-
?Ells besteht für England in dem Hafen Akaba
N Nordostzipfel des Roten Meeres, der im
Mitkriege wegen seiner strategisch bedeutsa-
Lage auch durch die Deutschen befestigt
à^rden war. Da die Konzession für den Suez-
^bnal nur auf 99 Jahre erteilt ist, und er im
1957 dem ägyptischen Staate zufällt,
die Pläne kein Ende, von Akaba aus
einen zweiten Kanal zum Mittelmeer zu bau
en. Sollten sich aber die technischen Schwierig
keiten des Kanalbaus als unüberwindbar
Herausstellen, und es nur bei der Autostraße
bleiben, die augenblicklich vom Toten Meer
nach Akaba gebaut wird, so würde auch sie
schon die Nutzung des Suez-Kanals für Trup
pentransporte weitgehend ersetzen können.
Die Straße dient ferner dem Transport der
Kaliderivate und Dünger, die die englische
Potash Co., die größte Konkurrentin des Statz-
furter Kalisyndikats, am Toten Meer abbaut,
um von Akaba aus ganz Asien zu beliefern.
Der „Pester Lloyd" schrieb vor einiger Zeit
über die Bedeutung dieses Hafens: „Es ist
primär durchaus nicht wichtig, ob Akaba dau
ernd und offiziell zu Transjordanien kommt,
oder aber, ob cs. wie gewisse englische Kreise
vorschlagen, als englische Kolonie erklärt wird.
Wichtig ist nur, daß cs die Ergänzung des
Kriegshafens Haifa sein wird. Es wird ein
englischer Hafen sein, zumindest so lange, als
England Interessen in Indien und in Arabien
hat, solange englische Kriegsschiffe mit Oel ge
feuert werden — und solange nicht Japan eine
asiatische Monroe-Doktrin an die Tore Bag
dads nagelt. Jbn Saud aber wird Kompensa
tionen in anderen Gegenden bekommen, denn
Jbn Saud ist heute eine Macht von großer
Wichtigkeit, er ist die Bi acht Arabiens, Herr
scher über ein Gebiet, das vielleicht sechsmal so
groß ist wie Deutschland."
In Palästina spielt das vorsichtige England
augenblicklich ein unverständlich gefährliches
Spiel. Die Briten planten eine stärkere Be
teiligung der Araber an der Verwaltung des
Landes durch Einführung eines halbparlamen
tarischen Systems. Aber die Juden sind in Pa
lästina sehr antiparlamentarisch eingestellt,
verständlicherweisc, denn es stehen nur 800 000
der ihren 600 000 Araber gegenüber. Sofort
setzte in der britischen Oeffentlichkeit ein Sturm
gegen die beabsichtigte „Gefährdung der jüdi
schen Nation" ein. Unter diesem Druck blieb
es, trotzdem man sich die Sympathien der ge
samten arabischen Welt verscherzen kann, bei
der Zusammensetzung des gesetzgebenden Ra
tes durch 11 mohammedanische und drei christ
liche Araber, 7 Juden und 7 Engländer, eine
Teilung, die allen demokratischen Prinzipien
Hohn spricht. Der einzig vermutbare Grund
des englischen Eintretens für die Juden ist
der, daß man die jüdische Minderheit so stark
machen will, um mit Erfolg den Grundsatz
„Divide et impera" vertreten zu können.
Die Lage in Syrien ist der in Palästina ähn
lich, wenn auch im Grade die Gegensätze zwi
schen Franzosen und Arabern noch weit zuge
spitzter sind. Zwei Tatsachen: 1920 verjagte
Frankreich den syrischen König, 1925 wurde
Damaskus von den Franzosen in Trümmer
geschossen. Mit dem kürzlichen Entschluß, auf
das syrische Mandat zu verzichten (vergl. Nr.
140 der „Landeszeitung") zieht Frankreich den
Schlußstrich unter viele Hoffnungen und Ent
täuschungen und gibt damit den Weg zur Be
friedung frei, der in derselben Weise wie im
Irak begangen werden soll. Der Irak regelt
seine Angelegenheiten selbständig, doch muß
er eine englische Militärmacht dulden, die zwar
wenig sichtbar, aber hinreichend stark ist. ,
Der zusammengeraffte Abriß mag zeigen,
Dritte Nsichstagung der Nordischen Gesellschaft
Haus und Hs? iM mrdisch-gerumnischen Kàrkreîs
_ DNB. Lübeck, 19. Juni. In der 700-Jahr-
Halle am Holstentvr wurde Freitag nachmittag
anläßlich der Dritten Reichstagung der Nor-
dischen Gesellschaft die Ausstellung „Haus und
Hof im nordisch-germanischen Kulturkreis —
vier Jahrtausende nordischer Baukunst" des
Reichsbundes für Deutsche Vorgeschichte und
der Nordischen Gesellschaft durch den Leiter
des Reichsbundes, Prof. Rcinerth, Berlin, in
Anwesenheit von Vertretern des Staates, der
Partei, der Wehrmacht und der Wissenschaft
sowie zahlreicher Tagungsteilnehmer aus dem
In- und Auslande eröffnet.
Prof. Reinerth betonte in seiner Eröff
nungsansprache, daß der Holzban den gedie-
gendsten Ausdruck nordischen Kulturschaffens
und zugleich das Kennzeichen des nordischen
Vorstoßes nach dem Süden darstelle. Holz sei
der naturgegebene Werkstoff des Nordens.
Aus mächtigen Wäldern, so betonte der Red
ner, die der Landschaft ihr Gepräge geben,
schlug der Germane wie sein indogermanischer
Vorfahr die Eichenstümme zum Bau, an den
Säumen der Wälder errichtete er Haus und
Hof, der Wald formte die Eigenart seines We
sens. Die Menschen der Völkerwanderungs-
Zeit ginge» aus holzgesügten Gehöften hervor.
Fremdes Land und fremde Kultur eröffneten
sich dem germanischen Schwert, aber auch auf
fremdem Boden wurde aus dem Krieger der
Zimmermann und nach Väterart erstanden
im neuen Land — in Südrußland, in Sieben
bürgen, in Italien — die holzgefügten Ge
höfte.
Die alte Volkskunde sah im Holzbau nur
das „gesunkene Kulturgut" eines lediglich aus
lateinischen und griechischen Quellen schöpfen
den Humanismus. Eine nur an die schriftli
chen Quellen gebundene Forschung kann
schwerlich an die Wurzeln des Holzbaues
kommen — sie liegen tiefer. Da griff ein jun
ges Forschergeschlecht zum Spaten und setzte
ihn dort sin, wo die Reste ältesten Bauwesens
im Boden zu spüren waren. Es erkannte klar,
daß das Haus der Lebenden, seine Planung,
sein Gefüge, seine ganze Innengestaltung die
Grundlage ist zur Erkenntnis des nordischen
Menschen. Günstige Bodenverhältnisse in
schwäbischen Mooren, an den Ufern des Bo
densees, an der Küste des Frischen Haffs ha
ben so mannigfaltige Spuren hinterlassen,
aus denen eine exakte Grabungsmethode zu
Schlüssen führte, die ein genaues Bild einer
ganz erstaunlich hohen Wohnkultur ergaben.
Wir wissen, daß es zur Zeit der alten Römer
in Deutschland große Gehöfte gab, die mit
ihren dreischiffigen Hallen dem niedersächsi
schen Bauernhaus in nichts nachstanden und
daß die indogermanischen Väter ihre zwei-
räumigen .rechteckigen .Giebelhäuser als Zei
chen sicherer Landnahme in Süödeutschland
und weit darüber hinaus errichteten. In
überzeugender Schau, ohne die Brille der Völ
kerkunde und den Humanismus, wird unser
Blick in die früheste Zeit zurückgelenkt und
ruht im Norden, in der Urheimat des Holz-
banes. Nordleute errichteten auf griechischem
Boden das Haus mit der säulengestützten höl
zernen Vorhalle, die älteste Form des griechi
schen Tempels.
Prof. Reinerth erklärte sodann die Ausstel
lung für eröffnet und gab den Gästen bei
ihrem Rundgang eine lebendige Anschauung
zu seinen Worten.
»
Auf Schritt und Tritt kann man in diesen
Tagen im Straßenbilde der Stadt Lübeck so-
wohl wie bei den vielfachen Veranstaltungen,
den Ausstellungen und Festspielen, die Tat
sache bestätigt finden, daß die Anteilnahme be
sonders des Auslandes, der Wille zur gegen
seitige» vertrauensvollen Zusammenarbeit er
heblich gewachsen ist. Besonders stark ist in
diesem Jahr, entsprechend der Zielrichtung, die
der diesjährigen Tagung gegeben ist, die Be
teiligung bäuerlicher Kreise aus den nordi
schen Ländern. So sind aus Dänemark der
Präsident des Landschaftsrates, H. Hauch-Ko
penhagen, der Generalsekretär des Landwirt
schaftsrates, Hogbro Holm, der Sekretär des
Zentralverbandes der Genossenschaften in Dä
nemark, Dr. Axelsen-Drejer und viele führende
Männer des dänischen Bauerntums zur
Reichstagung erschienen. Sehr zahlreich ist auch
der Besuch aus norwegischen, schwedischen und
finnischen Bauernkreisen. Der schwedische Po
litiker Dr. Rütger Essen, die Schriftstellerin
Baronin Akerhielm, die in der schwedischen
Frauenbewegung eine führende Rolle spielt,
Kommerzienrat Smatz vom königlich-schwedi
schen Kommerz-Kollegium, Major von Wald
heim, der durch die Betreuung deutscher Ju-
genügruppen in Schweden bekannt ist, trafen
ebenfalls in Lübeck ein. Außerordentlich stark
ist in diesem Jahr auch die Beteiligung der
skandinavischen Presse, die zum großen Teil
Mitglieder ihrer Schrftleitungen zu Sonder-
berichterstattungen entsandt hat.
Die deutsche Wehrmacht nimmt gleichfalls
regen Anteil an der Reichstagung. Mehrere
Einheiten der deutschen Kriegsmarine werden
am Sonnabend in Travemünde eintreffen. Als
Vertreter des Oberbefehlshabers der Kriegs
marine nimmt der Kommandierende Admiral
der Marinestation der Ostsee, Admiral Al
brecht, in Begleitung des Flottenchefs, Admi
ral Förster, an der Reichstagung teil. Am
Sonntag wird den Ehrengästen der Nordischen
Gesellschaft das Erlebnis einer Fahrt auf der
4, .Torpedoboots-Flottille geboten werden.
Auf dem alten Marktplatz mit seinen wun
dervollen, von Macht und Glanz der Hanse
kündenden Bauten, regen sich inzwischen viele
Hände.
An dem Bühnenaufbau für die Festauffüh
rung von Shakespeares „Macbeth", der in kür
zester Zeit entstanden ist, wird die letzte Hand
gelegt. Schon hat die erste Hauptprobe unter-
freiem Himmel — allerdings unter Ausschluß
der Oeffentlichkeit — stattgefunden. Die hi
storisch echte Umgebung des alten Marktplatzes
wird dazu beitragen, dem Drama des großen
nordischen Dichters einen lebensvollen Rah
men zu geben. Der Zustrom der Gäste aus dem
In- und Ausland hielt auch den ganzen Frei
tag über an. Ein Svnderdampfer aus Däne
mark brachte eine geschlossene Gruppe von
mehreren hundert Dänen. Sehr stark ist auch
der Reichsarbeitsdienst vertreten, dessen große
Reichssonnenwendfeier die Reihe der Beran-
staltuttgen der Reichstagung beschließen wird.
So verspricht denn dieser dritte große Ap
pell an die nordischen Bluts- und Charakter
werte zu der bisher bedeutsamsten Veranstal
tung zu werden, die der freundschaftlichen und
friedlichen geistigen Zusammenarbeit zwischen
Deutschland und dem Norden gewidmet ist.
Die Eröffnungsfeier.
DNB. Lübeck, 19. Juni. Die Dritte Neichs-
tagung der Nordischen Gesellschaft wurde am
Freitagvormittag in der mit den Farben des
Dritten Reichs und sämtlicher nordischer Län
der^ festlich geschmückten Lübecker Stadthalle
eröffnet. Der Feier voraus ging eine. Sitzung
des Obersten und Großen Rates, in der über
die Tätigkeit der Nordischen Gesellschaft im
abgelaufenen Jahre Bericht erstattet wurde.
Zu der Eröffnungsfeier hatten sich Vertreter
des Reiches und der Länder, der Reichslci-
tung der Partei, die Mitglieder des Lübecki-
schcn Senats sowie zahlreiche führende Per
sönlichkeiten aus Staat, Partei, Wehrmacht,
aus» Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft ein
gefunden. Der Stabschef der SA., Viktor Lutze,
der heute früh in Lübeck eingetroffen ist, nahm
ebenfalls an der Feier teil. In seiner Beglei
tung befanden sich SA.-Gruppenführer Meyer-
Quaöe und der persönliche Adjutant des
Stabschefs, Brigadeführer Reimann. Auch die
Reichsführerschule der Hitlerjugend in Pots-
Schmelirrg hat gesiegt
Max S ch m e l i ng hat in dem großen
Boxkampf den Mulatten Joe Louis in der
12. Runde knockout geschlagen. S. auf der
Seite „Tex Tag in Wort und Bild".