*29. Jahrgang ' Nr. 142
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt)
Sonnabend, den 20. Juni 1936
Dis grösiis« Msnschsn» bis ich
gskami Habs Mb bis tzrmmsl mb
Lrbs vor itzrsm Blick ftsi tzaiistt.
wars« bsmüiig unb wuMsn. was
sis siufsyVSiss Zu schützsu huLLstt.
Goethe.
Gedanken Zum Sonntag
Der 21. Juni eines jeden Jahres steht in der
Gegenwart im Zeichen der FeierderSom-
Mersonnen wende. Zehntausende non
Sonnenwendfeuern, um welche besonders die
deutsche Jugend sich scharen wird, lassen ihren
hellen Schein durch die nachtdunkle Mitter
nachtsstunde dieses Tages leuchten. Sie werden
Un Feuer, dem Symbol des Lichts, der Wärme
Und der Kraft den Tag feierlich beenden, wel
cher in jedem Jahre die große Wende vom
Licht wieder zum Dunkel einleitet. Schon un
sere Vorväter in altersgrauer Zeit hat er um
den Feuerstoß versammelt. Eine Zeit, welche
öie Generationen Verbundenheit be
sonders hoch wertet, will durch eine solche Feier
öie Gemeinschaft mit den Ahnen besonders her
vorgehoben sehen.
Zweimal im Jahre auf der Höhe des Lichts
Und in der Tiefe des Dunkels werden wir
durch diese Feiern an den ständigen Wandel
der Zeiten erinnert, der für den Teil des Welt
raums, den wir Erde nennen, bestimmend ist,
der Weg vom Licht zum Dunkel, vom Tage zur
Nacht, vom Frühling zum Herbst, vom Som
mer zum Winter und umgekehrt nach dem
Worte des Schöpfers.
Sie, die Ahnen, welche einst in altersgrauer
Vorzeit sich der Sonne zuwandten, ohne
welche diese Erde mit all ihrem Leben eine Un
möglichkeit wäre, sahen in ihr und im Lichte
einen verehruugswürdigen, leben
spendenden kosmischen Mittel
punkt. Wir, die wir in der Gegenwart in
dem Blickfelde unserer Riesenfernrohre tiefere
Erkenntnisse gewonnen haben, wissen, daß
Unser Sonnensystem, in der auch unsere Erde
ìhren Tages- und Jahreslauf in bestimmten
Zeitabgrenzungen vollendet, als eine Gesamt
heit wiederum um andere uns unbekannte
ferne Sonnenwelten kreist, in einem Kosmos,
in der der Astronom nach Lichtjahren rech
net, um überhaupt mit Zahlen diese Weiten
einigermaßen meistern und unserem begrenz
ten Denken nahe bringen zu können. Aus der
Tiefe neuerer Erkenntnisse haben bedeutende
Astronomen sog. Sonnen- und Mond
zyklen von Jahrtausenden berechnet,
die aber in einer bestimmten Zeitabmessung
für die Erd- und Menschheitsgeschichte von Be
deutung sind.
Aus der Perspektive dieser Erkenntnisse
wurden nun für viele Sonne, Licht und Natur
gesetze zum Inhalt der Kraft, welche
aus sich heraus alles bewegt und ordnet und
so würdig sein soll, der Mittelpunkt eines
neuen mystischen Glaubens zu werden. Und
hier scheiden sich die Geister. Der Mensch, wel
cher an eine OffenbarungGottes glaubt
und ihre fortschreitenden Ziele einer neuen
Menschheits - und Schöpfungsvoll
endung entgegen annimmt und annehmen
darf, sucht hinter diesen Schöpfergaben immer
wieder in Liebe und Vertrauen den Schöpfer
selbst, der allein anbetungswürdig für ihn ist.
Er lehnt es ab, das Geschaffene zur Schöpfer
kraft, eine zwar lebenspendende, aber vergäng
liche und sich ständig verändernde Feuerkugel,
Reisebüros seit 1461 . . .
Sonne genannt, zum Inhalt eines Glaubens
zu machen. Er sieht vielmehr durch alle diese
Welten auf den letzten unvergänglichen und
würdigen Mittelpunkt, denAllmächtigen
Schöpfer Himmels und der Erde.
So mögen denn auch morgen wieder in der
Hochachtung vor einer ehrwürdigen Tradition
aus der Vergangenheit unserer Rasse die Feuer
gen Himmel lodern. Mögen sie uns aber auch
daran erinnern, daß der Menschheitsweg von
Generation zu Generation ein solcher aus dem
Dunkel zum Lichte, von einem verlorenen zu
einem neuen Paradiese ist, in dem die ge
samte Schöpfung wieder in die vollkom
mene Harmonie mit ihrem Schöpfer zurückge
führt sein wird, von deren Verlust der ewige
Wandel von Werden und Vergehen im ge
samten Kosmos nur ein immerwäh
rendes mahnendes Zeugnis ist.
©♦
Gesellschaftsreisen von Anno daznmal
Von Fritz Hansen.
Mit dem Reisen ist es eine eigne Sache. Der
eine tut es, weil er muß, der andere weil er
will. Der eine will und muß damit Geld ver
dienen, der andere erwartet Anregung, Erho
lung, Genuß vom Reisen. Dieser Erholungs
reisende im eigentlichen Sinne kann nun das
Reisen auf sehr verschiedene Art betreiben.
Der alte Herodot setzte sich hin und schrieb als
geistigen Ertrag seiner Reisen den ersten Bae-
decker der Welt. Goethe gibt Seelenstimmun
gen, und einer seiner Zeitgenossen benutzte
eine Fahrt im Postwagen zu einer geistreichen
Satire auf die deutsche Postchaise. Besonders
ausgenutzt aber hat ein Berliner Pastor des
achtzehnten Jahrhunderts eine Fahrt von
Berlin nach Rekahne, einem kleinen Nest in
der Mark unweit Potsdam, indem er diese ge
fährliche Reise im Postwagen, die zwei Tage
dauerte, in einem fünf Druckbogen umfassen
den Werke beschrieb . . .
Aber nicht nur solche Reiseführer aus frühe
rer Zeit kennen wir, auch die Reisebüros
und die Gesellschaftsreisen, die heute zu einer
Art Wissenschaft des Reifens ausgebildet wur
den, sind keinesfalls eine Errungenschaft un
serer Tage. Schon in früherer Zeit ist man
darauf gekommen, Gesellschaftsreisen zu
veranstalten, bei denen nicht nur für die Reise,
sondern auch für Führung und Beköstigung
der Reisenden einheitliche Abmachungen ge
troffen wurden.
Das Reisebüro als besonderes geschäftliches
Unternehmen hat seinen Ursprung in Vene
dig, der Seestadt, die im Mitteltalter den in
ternationalen Handelsverkehr beherrschte. Die
Pilgerfahrten nach dem Heiligen Lande, die
über Venedig gingen, gaben dort Anlaß, diese
Fahrten zu organisieren, und die Literatur
des Mittelalters enthält interessante Schilde
rungen der Pilgerfahrten, so insbesondere das
Werk „Pilgerfahrten des Landgrafen Wilhelm
des Tapferen von Thüringen zum heiligen
Lande im Jahre 1461". In diesem Buche findet
man die Anfänge der Reisebüros verzeichnet..
Regelmäßige Gesellschaftsreisen von Vene
dig nach dem Heiligen Lande wurden zweimal
im Jahre veranstaltet, und schon damals gab
es die Unterscheidung in zwei Klassen. Die,
so höhere Preise zahlen konnten, wurden mit
Galeeren befördert, deren Ruderer sie vom
Winde unabhängig machten. Die ärmeren Rei
senden dagegen wurden auf ein langsam fah
rendes Segelschiff verfrachtet. Die Schiffe aber
gehörten den Reiseunternehmern, die schon
damals durch besouders billige Angebote von
Gesellschaftsreisen sich gegenseitig Konkurrenz
machten. Die heute üblichen Ankündigungen
in Zeitungen und an Anschlagsäulen wurden
ersetzt durch Agenten, die auf dem Markusplatz
Reisende zu gewinnen suchten. Allerdings
wurde darüber geklagt, daß die dabei gemach
ten Versprechungen oft nicht gehalten würden.
Hatte man einen Pilger überredet, so wurde
mit ihm ein vollständiger Vertrag geschlossen,
in dem über die Ausrüstung des Schiffes, über
den dem Reisenden zur Verfügung stehenden
Raum und vor allem auch über die Mann
schaft, die Ausrüstung mit Waffen und den
Schutz gegen Seeräuber Bestimmungen getrof
fen wurden. Ferner fehlten auch nicht Verein
barungen über die Verpflegung, das soge
nannte „Freßgeld", die Zahl der Mahlzeiten,
die Angabe der Häfen, die angelaufen wurden,
und vor allen Dingen den zu entrichtenden
Fahrpreis. Dieser war den Zeitverhältnissen
und den Angeboten der Konkurrenz angepaßt
und betrug zwischen 25 und 30 Dukaten für
die Person.
Schon damals trug man den Verhältnissen
Rechnung und verlangte nicht sofortige Bezah
lung des ganzen Fahrpreises. Es wurde ver
einbart, ein Drittel vor Antritt der Reise, ein
zweites Drittel in Palästina und das letzte
Drittel nach der Rückkehr zu zahlen. Der Rei
severtrag wurde vom Notar der Republik be
stätigt und in Verwahrung genommen, zu
gleich stellte der Beamte eine Passagierliste
auf.
Auf die zugesagte Verpflegung scheint man
sich aber nicht unbedingt verlassen zu haben,
denn es wird berichtet, daß die Reisenden sich
meist noch besonders mit Lebensrnitteln und
anderem Reisebedarf ausrüsteten. Dazu bot
sich ihnen auch in Venedig reichlich Gelegen
heit, wo besondere Verkäufer Lebensrnittel,
Decken und Laken für die Pilger feilhielten.
Auch die Gasthöfe, irr denen die Pilger auf die
Abfahrt der Schiffe warten konnten, waren
von den damaligen Reisebüros in Venedig
eingerichtet. Darunter auch einige deutsche
Herbergen wie die „Zum Spiegel", dessen Na
me an die venezianischen Glasmacher erinner
te, die „Zum schwarzen Adler", eine „Zu den
Fleuten" und andere mehr.
In dem mit den Unternehmern abgeschlosse
nen Reisevertrag, oder wie wir heilte sagen
würden, in den allgemeinen Teilnahmebedin
gungen, war vorgesehen, daß die Unternehmer
die Verpflichtung eingingen, die Pilger per
sönlich von Jaffa nach Jerusalem zu geleiten,
die Verhandlungen mit den mohammedani
schen Behörden zu pflegen und alle Zoll- und
sonstigen Gebühren zu übernehmen.
Schließlich war den Reisenden auch Gelegen
heit geboten, Landausflüge zu machen, wozu
Reit- und Packesel zur Verfügung gestellt wer
den mußten. Die Galeeren waren also richtige
Touristenschiffe in unserem Sinne. Sie fuhren
unter der Pilgerflagge, die ein rotes Kreuz
auf weißem Grunde zeigte,' am Heck war die
venezianische Flagge gehißt, der rote Löwe im
weißen Felde. Auch die päpstliche Flagge und
schließlich die Flagge des Unternehmers wur
den geführt.
Die Reise dauerte sechs bis acht Wochen, und
nach der Rückkehr hatten die ersten Reisebüros
ebenso die Beschwerden unzufriedener Pilger
zu erledigen, wie das heutzutage auch zuwei
len der Fall sein soll.
Die letzte Reise
Von Prinz Wilhelm von Schweden.
Veröffentlicht anläßlich der 3. Reichs
tagung der Nordischen Gesellschaft (19. bis
21. Juni).
Im Keller „Schwertfisch" ging es lebhaft zu.
Da saßen die alten Seebären, die das Kap we
nigstens ein Dutzendmal umsegelt hatten, und
Manche, die durch die Magelhaesstratze hin und
her gekreuzt waren. Lange, struppige Bärte
flogen während des lebhaften Wortwechsels
hin und her.
„Glaubt mir oder nicht", brummte der
Schiffer von „Ann-Mari" aus Sundsvill, „sie
hüpfte wie ein Buchfink über die Sturzwellen.
Es war nur acht Fuß auf Riff, und wir lagen
Zwölf Fuß. Die See ging hoch wie ein zwei
stöckiges Hans, und wir folgten mit bis aufs
Dach hinauf." „Lügen! das kannst du ande
ren weismachen. Aber ihr könnt mich tot
schlagen, wenn wir nicht in der Nähe von Ha
lifax gerade auf einen Walfisch rannten, so
daß er barst. Es war ein gottloses Wetter,
aber das Biest war so fett, daß die See von
all dem Tran, der nach und nach heraussickerte,
glatt wurde wie dicke Milch, lind das reichte
dis hinunter nach Kirkwall. Mehr Bier!"
Es war schon das dritte Seidel in einer
halben Stunde, das der Steuermann von „Ha-
verlanö" bestellte, aber alle nassen Waren
gingen durch ihn wie das Kühlwasser durch
den Kondensator. „Willst du, daß ich deine
fürchterlichen Lügen glauben soll, dann mußt
du auch meine glauben. Und die sind außerdem
wahr."
Der Schiffer von „Ann-Mari" hatte sich auf
gerichtet und warf herausfordernde Blicke
gucr über den Tisch. Schon nach den ersten
Gläsern pflegte er streitbar zu werden und
suchte Anlaß zu Zänkereien. „Sit down, Idi
ot", sagte ein englischer Trawlerkapitän m
feiner ruhigen, langsamen Art. Er hat „Ma
hagonigrog" in seinem Glas und eine schwarze
Pfeife im Mundwinkel. „Ihr Skandinavier
wacht immer viel Lärm um nichts. Wenn ihr
nur lernen könntet, reine Ware zu trinken
anstatt des Spülwassers da."
„Was? Meinst du, daß du uns belehren
kannst, du Teufels Wiskytrinker? Komm
hierher, sonst sollst du fühlen, wozu altes, gu
tes Kernholz taugt?"
„Das weiß ich schon. Wenn man es richtig
behandelt, wird es ausgezeichnete Papier
masse."
Dem andern schwollen die Adern an der
Stirn, und die Nase glich einer Schiffslaterne
im Regennebel, als er antwortete:
„Dafür sollst du büßen, du Rindvieh! Auch
wenn du alle Dorsche aus der Nordsee herauf
holtest, du würdest keinen finden, der dümmer
aussieht als du. Paß auf da!"
Ein leeres Seidel saust an dem Kopf des
Briten vorüber und zersplittert an der Wand.
Der Mann nickt nur und saugt weiter an sei
ner schwarzen Pfeife.
„Steh frühmorgens auf und üb dich darin,
Prosit!" fügte er gutmütig hinzu und erhebt
das Glas.
„Geh an die frische Lust, Larsson, so wirft
du klar im Kopf," sagt der Steuermann von
„Haverlanö". „Mach keinen Krach! Wir wer
den jedes Wort deiner Geschichten glauben,
wenn wir nur dabei bleiben dürfen, daß sie
alle Lügen sind."
„Ja, geh hinaus und lüfte dich, Larsson",
riefen mehrere Stimmen.
„Sonst werfen wir dich hinaus, Larsson!"
„Kommen Sie, Kapitän, ich werde Ihnen
helfen."
Es ist der erste Steuermann auf „Ann-
Marie", der spricht. Er hat dagesessen, bleich
und geistesabwesend, ohne an dem allgemei
nen Wortwechsel teilzunehmen. Jetzt aber
geht er resolut auf seinen Vorgesetzten zu und
greift ihn fest am Arm. Beide verschwinden
nach dein Innern des Kellers zu.
„Tüchtiger Junge, der da," nickt der Steuer
mann von „Haverland" seinem Kollegen nach,
„aber einsilbig und merkwürdig. Wir segelten
zwei Jahre lang zusammen, und in der ganzen
Zeit hat er, glaube ich, kaum zehn Worte ge
sagt . . ." Das Gespräch gleitet allmählich in
ruhigere Bahnen. Es ist schon spät, und viele
brechen auf, um ihre Jollen aufzusuchen, die
um diese Zeit vor der breiten Treppe des Zoll
gebäudes warten sollen. Als der Schiffer Lars
son zum Stammtisch zurückkommt, findet er
deshalb diesen fast leer. Seine Laune hat ab
geflaut, die Streitlust hat sich gelegt.
„Bei Leib und Seele, er hat doch recht, das
Rindvieh, mit seinen reinen Waren. Aber ei
nen Bettwärmer wollen wir doch haben, ehe
wir an Bord gehen, nicht wahr?"
Der Steuermann nickt nur.
„Hierher mit zwei Grogs, du Kleine mit
dem Taschentuch auf dem Kopf. Ich spendiere."
Eine nach der anderen von den kleinen
Hornlampen unter den Gewölben wird aus
gelöscht. Früher haben sie als Ankerlaternen
mit einem Talgstummel hinter dem grün
spanbedeckten Kupfer gedient, jetzt aber hat
man elektrische Birnen eingesetzt und das
Kupfer blank geputzt. Bald brennt nur noch
die Lampe an Larssons Tisch. Sie wirft ein
gelbrotes Licht ans die fleckigen Decken, kaput
ten Stühle und abgenutzten Bodenbretter. Die
Luft ist noch dumpf, aber der Rauch ist ver
zogen, so daß man jetzt alle Glücksschiffe an
ihren Haken sehen kann. Ein jedes birgt seine
eigene Geschichte hinter dem buntgemalten
Bord, sein eigenes Schicksal, das durch das ver
staubte Takelwerk raunt. Wer aber hat Zeit
an diese alten staubigen Dinger zu denken?
Und doch konnte der Steuermann von „Ann-
Mari" seine Augen nicht davon kriegen, ge
rade an diesem Abend. Einmal vor langen
Jahren hatte er selbst ein solches Schiff ge
schnitzt und es in dem kleinen Zimmer der
Kristine aufgehängt. Wohl hatte er sich im gu
ten und schlechten Wetter durchgeschlagen,
hatte gute Heuern gehabt und ein glänzendes
Steuermannsexamen abgelegt. Aber sie?
„Ich sehe, Ihr guckt Euch die Schiffe an,
Smedberg," sagt der Schiffer zum Steuer
mann. „Ja, ja, es ist kein dummer Gedanke,
das da. Wenn ich fünfzigmal über die Nord
see gesegelt bin, werde ich auch eins schnitzen
und zu Hause aushäygen. Nicht weil ich mir
etwas anderes auf meine alten Tage wün
sche als Ruhe und eine Stummelpfeife am
Abend, aber um dem Lotsen da oben meine
Dankbarkeit zu zeigen," er deutet mit seinem
braunen Daumen zur Decke, „der das Schiff
unbeschädigt in den Hafen geführt hat. Und
der Name „Ann-Mari" soll natürlich am Heck
stehen. Ja, lange dauert es nicht mehr. Das
hier ist das 46. Mal, vielleicht schon nächstes
Jahr. Ha, ha, ja, ja, das wird gerade Zeit
zum Pensionieren. Und dann wird es Eure
Sache, an meiner Stelle zu stehen, wenn Ihr
tüchtig zufaßt, Smedberg, was meint Ihr da
zu?"
„O ja", murmelte dieser, denn er dachte an
etwas ganz anderes.
„Ich muß sagen, Smedberg, Er gefüllt mir
eigentlich verdammt gut. Er hat mir manchmal
aus der Klemme geholfen, wenn das Blut zu
heiß war und der Schnaps zu Kopf stieg. Er
versteht auch seine Sache. Sowohl Meridian
höhe wie Stundenwinkel. Deswegen möchte ich
gern etwas für ihn tun, wenn ich einmal auf
höre. Aber ich begreife ihn nicht recht. Er geht
immer so still herum, als ob Er über die
Ephemereden der Planeten grübelte. Er ist
nie richtig froh und trinkt nie ein Glas zuviel.
Auch habe ich Ihn nie mit einem Mädchen zu-
sammcngesehen. Was fehlt Ihm eigentlich?"
Der Steuermann saß ganz still. „Ich sage
Ihm, es lohnt sich nicht zu philosophieren.
Nehmt die Welt, wie sie ist, und erzählt, was
Ihr auf dem Herzen habt. Es steckt wohl ein
Frauenzimmer dahinter, kann ich mir den
ken?" Aber Smedberg saß noch immer und
starrte vor sich hin. Sein Haar war von der
weißen Stirn weggekämmt, wo die Sonne ei
nen Rand des Mützenschirmes bezeichnet hatte.
Die Backen waren eingesunken, der Blick ab
wesend.
„Hört mal! Wenn ich Toddy spendiere, könnt
Ihr wohl wenigstens meine Frage beantwor
ten. Was habt Ihr übrigens in dem Paket
da?" Smedberg griff nach einer kleinen
Schachtel, auf die der Kapitän schon die Hand
gelegt hatte.
(Fortsetzung folgt.)