Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Literarisches Echo 
Soldatenweib 
Mein Vater führt' ein Fähnlein, dreihundert schier. 
zu Feld. 
Mein Bruder war sein Fähnrich, zur Seite 
ihm gestellt. 
Mein Gatte trug die Flinte, die Trommel schlug 
mein Sohn. 
Sind alle fortgezogen — und keiner kam davon .. . 
Wenn ich nicht wüßte, Gott ist so gut wie groß. 
Wollt' ich mich bergen im Felsenschoß. 
So muß ich glauben: Gott ist so groß wie gut, 
Und Sterne wachsen aus allem Blut. 
Ich war des Vaters Tochter, des Bruders 
Schwesterlein, 
Des Gatten liebste Fraue, dem Kind die Mutter sein. 
Viermal der Lippen Paare von meinem Namen 
schwer, 
Sind alle stumm geworden, und keiner ruft mich 
mehr . . . 
Wenn ich nicht wüßte, daß Gott sie alle rief, 
Wollt' ich wohl weinen die See nochmal so tief. 
So muß ich hoffen: Gott weiß wohl, was er tut. 
Und Wege wachsen aus allem Blut. 
Nun schließ' ich alle Schreine und alle Truhen zu. 
Des Vaters braunen Mantel, des Bruders 
Wanderschuh. 
Des Gatten Birch und Spaten, des Kindes letzten 
Tand 
Die tragen Bettelleute vom Tore durch das Land . . 
Wenn ich nicht wüßte, Gott ist so wach wie mild. 
Ich wollte irren durch das Gefilö. 
So muß ich lieben den, der so mild wie wach, 
Er wird wohl einen, was Welt zerbrach. 
Ruth Schaumann. 
Der Zichļer der Arbeit ruht aus. 
Zum Tode Heinrich Lerschs. 
von Dr. Hans Thielmann. 
Der deutsche Arbeiter steht heute trauernd 
an der Bahre seines Kameraden- hinter dem 
Arbeiter stehen die grauen Reihen der Solda 
ten — und darüber hinaus trauert das ganze 
Volk um einen großen Sohn. 
Vaterland! und : Sieg! und : Tod! 
Blut! und : Wunden! und : Soldaten! 
Freunde! Brüder! Kameraden! 
Heimat! Liebe! Gott! und : Not! 
In diesen Zeilen aus „Deutschland" liegt 
das Wesen des Dichters Heinrich Lersch. Als 
Sohn eines rheinischen Kesselschmiedes hat er 
sich durch eine harte Jugend und durch die 
chaotischen Wirren des Weltkrieges zum glü 
henden Bekenntnis zu einem neuen Deutsch 
land hindurchgerungen. Seher der Zeit für die 
Zeit! Im elterlichen Haus herrschte Armut- 
das Erbteil des Vaters, das er übernahm, war 
die Liebe zum Handwerk. Sein Leben war 
Stahl und Stein, Blut und Flammen. Nieder 
schlag dieses Empfindens ist sein „Selbst 
bildnis": 
Ein Kind noch, mich die Arbeit nahm 
und preßte mich in ihre Arme. 
Der Mutter Zucht, der Jugend Scham 
verlor ich bald im Menschenschwarme. 
Eine unstillbare Sehnsucht nach der Freiheit, 
ein Ekel vor Gewerkschaften und Parteien 
trieb ihn aus der Heimat wie aus einem Ge 
fängnis. Lersch wurde Tippelbruder, „ W a l d - 
und Landläufer" — durch die Schweiz, 
Oesterreich und Italien. Hart war dieser Weg, 
Terror, Gendarmen und Läuse — stetige Be 
gleiter. Aus Florenz, wo er wochenlang Gärt 
ner war, schrieb er, daß „das Singen der Zi 
kaden ihn zirm Klingen des Gezähes, wenn 
der Fäustel den Stahl klopft", wurde. Die Hei 
mat hatte ihn vertrieben, die Heimat lockte 
wieder: Heimweh nach rauchenden Fabrik 
schloten, nach Hamborn, Gelsenkirchen, Mühl 
heim, nach dem Land zwischen Ruhr und Rhein. 
Diese Sehnsucht, all die bitteren Erlebnisse sei 
ner Fahrt durch Südeuropa, die an den nicht 
besonders starken Kräften seines Körpers zerr 
ten, die Liebe zu seinem Handwerk — das er 
öffnete ihm nun die in ihm lang verborgene 
poetische Arbeit. In der Wiener Arbeiterzei 
tung erschienen seine ersten Gedichte, 1914 sein 
erstes Buch: „Abglanz des Lebens". 
Menschliche Härte und verhaltene Gefühlstiese, 
verbunden mit der natürlichen Fröhlichkeit sei 
ner rheinischen Heimat finden ihre poetische 
Verklärung in seinem Werk. Die Kraft seines 
Geistes beglückt ihn, lehrte ihn die Heimat — 
seine Schmiede — lieben. 
Da bricht der Krieg aus. Der Sänger deut 
scher Arbeit wird Träger einer heiligen 
Flamme, die mit Windeseile die Reihen deut 
scher Feldgrauen und darüber hinaus ein gan 
zes Volk durchglüht. Sein erstes Lied „ S o l - 
datcnab schied" wurde eines der bekann 
testen Mahnworte, die die Dichtung des 
Kriegschaos gezeitigt hat. Der Kehrreim dieses 
Liedes: 
„Deutschland mutz leben, 
und wenn wir sterben müssen!" 
machte ihn in ganz Deutschland bekannt. Kei 
ner wie er hat den Weltenbrand 1914/18 so 
geheiligt. Ihm wurde die Erkenntnis zuteil 
„Krieg ist die letzte Gottesbundschaft, innigste 
Menschenbruderschaft". Man mutz den Men 
schen des Stahls und Steins verstehen, wenn 
er das große Morden heiligt. Er kann das 
große Leid, das „Welt-Karfreitagsgefühl" nicht 
verschleiern. Aus dem Sehnen nach Erkennt 
nis alles Seins erwuchs in ihm der Schrei 
nach Frieden. Der Feind wird in die Dichtung 
des Brudertums eingeschlossen, der Gedanke an 
die Seelen der toten Helden vorherrschend. Der 
Dichter Lersch schämt sich des Menschendaseins: 
„Laß mich ein Sonnenstaub sein! Ein Wol 
kenhauch, ein Wassertropfen! — nur rein, nur 
rein! O Gott, wie schäme ich mich, vor dir 
Mensch zu sein " 
Als die Kriegsfackel erlosch, kehrte er in 
seine Heimat zurück, wurde ein Einsamer 
in den Nachkriegswirren, ein Einsamer, den 
eine unstillbare Sehnsucht nach einer neuen 
Gemeinschaft marterte. Es war selbstver 
ständlich, daß das Gefühl der Gemeinschaft ihn 
nach der Machtergreifung des Führers in den 
Dienst der neuen Kulturarbeit stellte. Viel 
Schönes durfte der 1935 mit dem rheinischen 
Literaturpreis ausgezeichnete Dichter in der 
tätigen Teilnahme bei den KdF.-Fahrten er 
wirken. Sein kränklicher Leib ruht nun, die 
Kraft seines Geistes aber wird bleiben. 
Der Wald siegt 
Von Heinrich Lersch. 
Im Einverständnis mit „Junge Generation", 
Verlag, Berlin, dem Werke Heinrich Lerschs „Im 
Pulsschlag der Maschinen", geb. RM. 1,80, ent 
nommen. 
In meiner rheinischen Heimat stand ein 
Bursche vor dem Richter: Arbeitsloser auf 
Tippelci. Die Umstünde verlangten, daß er zu 
sechs Wochen Gefängnis verurteilt werden 
mußte. Der Angeklagte wendete nichts gegen 
die Höhe der Strafe ein: nur wollte er sie nicht 
jetzt, sondern im Winter abbüßen. Mit heili 
gem Ernst begann der Junge von seiner Wan 
derfahrt zu erzählen. Schon bei den ersten 
Worten hob der Vorsitzende abwehrend die 
Hände — dann hörte er einen Ton heraus, 
der nicht nur ihn, sondern auch die anderen 
Amtspersonen zwang, vorläufig einmal zuzu 
hören. Ganz gegen ihre Gewohnheit schauten 
sie vor sich hin- aus dem Munde des Jungen 
sprachen die deutschen Landschaften mit Berg 
wäldern und Stromwiesen mit solcher bezwin 
gender Kraft, daß auch der gefüllte Zuhörer 
raum ergriffen lauschte. Es war ihnen allen, 
als ob der junge Mensch aus einer fremden 
Märchenwelt, aus einem Zauberreich, käme, 
in dem nur Begnadete Heimatrecht haben. Er 
sprach von den schlesischen Wäldern, vom 
Schwarzwald und vom Spessart, doch der 
Klang dieser Stimme weckte in den Seelen 
Sehnsucht und Heimweh in die Freiheit. Als 
er nun vom Rhein sprach und von der golde 
nen Abendstunde in einem stillen Dörfchen, 
da ahnten alle Zuhörer, daß ihnen die rheini 
sche Heimat erst jetzt ihre Offenbarung geben 
wollte. Mit angehaltenem Atem warteten sie 
auf das erlösende und beseligende Wort- plötz 
lich zuckten sie zusammen wie unter einem 
Peitschenschlag: „Da kam der Schutzmann und 
verhaftete mich.. 
In einem großen Ausatmen schüttelten sie 
den Bann von sich. Der Richter wandte den 
Kopf zum Fenster hin- war es nicht, als ob 
der Wald zornrauschend ins Siebengebirge 
zurückwich? War die Luft nicht noch vor ein 
paar Sekunden mit Tannenduft und Vogel 
fang erfüllt? Sahen nicht die neugierigen 
Eichhörnchen mit blitzenden Augen umher? 
Wo ist nun Deutschland, wo sind die schwei 
gender Wälder, wo die Täler und Hügel, wo 
ist die grüne Heimat der Seele? Der Richter 
sah in die Akten — er hatte immer noch den 
grüngoldenen Traum vom Wald in den Au 
gen. Er suchte im deutschen bürgerlichen Gesetz 
buch die Paragraphen, nach denen der Sünder 
verurteilt werden mußte. Solange er blätterte, 
hörte er den Wald rauschen- die mit Buch 
staben bedeckten Seiten wurden zum Wald 
boden. Auch die Zuhörer harrten, in sich ge 
kehrt, ob der Junge nicht mit seinem Zauber- 
Kulturelles Mosaik 
In einer Truhe des Nachlasses von Frau 
Foerster-Nietzsche, die angefüllt war mit 
Schriftstücken und Briefen von Nietzsches Vor 
fahren, fand man eine bisher ganz unbekannte 
autobiographische Skizze, die Nietzsche schrieb, 
als er mit 19 Jahren die Landesschule Pforta 
besuchte. Unter dem Titel „Mein Leben" 
soll sie demnächst im Verlag von M. Diester 
weg gedruckt erscheinen. 
* 
In der Reichshauptstadt wird anläßlich des 
40. Todestages des Meisters vom 24. bis 28. 
Oktober vvn der norddeutschen Landesgruppe 
der Internationalen Bruckner-Gesellschaft ge 
meinsam mit der Reichsmusikkammer das 
„Deutsche Bruckner-Fest" veranstaltet werden. 
* 
Während der Olympiade wird das Deutsche 
Theater in Berlin folgende Stücke in ihrer 
Originalbesetzung zur Aufführung bringen: 
„Kabale und Liebe", „Romeo und Julia", 
„Das Wintermärchen", „Die heilige Johanna" 
und aus der vorigen Spielzeit das englische 
Lustspiel „Regen und Wind". 
* 
Das jüngste Werk von Hans Rehberg „Die 
goldene Kugel" wurde vom Staatlichen Schau 
spielhaus in Hamburg zur alleinigen Urauf 
führung erworben. 
* 
In der vor uns liegenden Winterspielzeit 
plant die Kölner Oper folgende Uraufführun 
gen: „Hirtenlegende" (Neubearbeitung) von 
Eugen Bodart, „Till Eulenspicgel" (Neubear 
beitung) vvn E. N. von Reznicek, „Prinzessin 
Nofretete" (Operette) von Nico Dostal, das 
Schauspiel „Elisabeth Charlotte" von Eberhard 
Foerster, „Der Kurfürst führt den Bock" von 
Heinz Lorenz, „Der Zauber der Stimme" von 
Peter Althaus und „Nikolaus Gülich" voll 
Werner Heinen. 
Die Gürzenich-Konzerte werden unter Lei 
tung vvn Generalmusikdirektor Eugen Papst 
die Uraufführung des Violinkonzerts von 
Paul Graencr (Alma Moodie), u. a. die Vierte 
Sinfonie von Bruckner in der Urfassung 
bringen. 
* 
München, die Stadt der Bewegung, veran 
staltet im Nahmen des Festsommers 1936 am 
Sonntag, 21. Juni, auf dem Max-Joseph-Platz 
vor dem Nationaltheater eine gewaltige Kund 
gebung für das deutsche Lied unter dem Leit 
wort: „München eine singende Gemeinschaft". 
5000—6000 Mitglieder sämtlicher Münchener 
Chorvereinigungen werden sich daran beteili 
gen. Dabei sind erstmalig alle Gattungen von 
Chorvereinigungen, Kinder-, Frauen- Ge 
mischte- und Männerchöre einschließlich der 
SA.-Singchöre zu einer gewaltigen Gemein 
schaft zusammengeschlossen. Das Programm 
gibt den einzelnen Chorgattungen Gelegen 
heit, auf ihrem eigenen Gebiet hervorzutreten, 
und sieht auch Gemeinschaftsgesünge vor. 
* 
Aus Wien kommt die Nachricht, daß Franz 
Lehar seine Oper „Kukuschka", die sich nach 
anfänglich erfolgreichen Aufführungen nicht 
behaupten konnte, einer Neubearbeitung un 
terzieht. Er hofft sie bereits im Herbst als 
besonderes Zugstück den Opernbühnen vor 
legen zu können. 
Unter Leitung von Fritz Busch beginnen am 
29. Mai in Glyndebourne in Südengland die 
Mozart-Festspiele. Es werden gegeben: „Ent 
führung", „Figaro", „Don Giovanni", „Cosi 
fan tntte" und „Zauberflöte", jedes Stück in 
der Originalsprache der Partitur. Das Busch- 
Quartett wirkt im Orchester mit. Von den ge 
planten 31 Vorstellungen sind bereits 23 aus 
verkauft. 
* 
In der kommenden Spielzeit werden in 
Düsseldorf uraufgeführt werden: Die Komödie 
„Das Gastmahl der Götter" vvn Paul Joseph 
Cremers und „Genie ohne Volk" vvn Viktor 
Warsitz. 
* 
Der Richard - Wagner - Verband deutscher 
Frauen e. V. hält seine diesjährige Reichs- 
tagung in Stuttgart vom 25. bis 29. Mai ab. 
Am Abend des 26, findet ein Festkonzert statt, 
bei dem Ministerpräsident und Kultusminister 
Prof. Mergenthaler eine Ansprache hält, am 
27, ist Empfang der Mitglieder und auswärti 
gen Gäste, am 28. eine Festaufführung von 
„Maria Stuart" und am 29. als Abschluß die 
Festaufführung von Siegfried Wagners „Der 
Schmied von Marienburg". 
* 
Die Stadt Bayreuth hat das Künstlerperso 
nal der Budapester Oper eingeladen, bei der 
im Oktober geplanten Franz-Liszt-Feier das 
Oratorium „Die heilige Elisabeth" zur Aus 
führung zu bringen. 
♦ 
Die Amtsleitung der NS.-Kulturgemeinde 
erteilte dem Dichter Hermann Burte den Auf 
trag, einen neuen Text zu Händels „Judas 
Makkabäus" zu schreiben. 
* 
Englische Forscher machten wichtige Funde 
in El-Duweir, dem biblischen Lachis, wo einer 
der fünf Amoriterkönige saß, die Josua be 
siegte. Die Sieger steckten die Stadt in Brand. 
Danach wurde sie noch einmal von Nebukad- 
nezar von Babylon und später auch von San- 
herib von Assyrien erstürmt und zerstört. Un 
ter den jetzt gemachten Funden ist besonders 
wertvoll ein Weihrauchgefäß aus einem Grabe 
des 13. Jahrhunderts v. Chr., in dem man 
Schriftzeichen der Sinaischrift fand, die zusam 
men mit den im vorigen Jahre bereits ent 
deckten Briefen vielleicht zur Deutung einiger 
Stellen des Alten Testamentes beitragen 
können. 
* 
Das Harzer Bergtheater eröffnet die dies 
jährige Spielzeit der „Grünen Bühne" in 
Thale am 20. Juni mit einer Uraufführung 
des Schauspiels „Die Hunnenschlacht" vvn 
Gustav Goes. Eine weitere Uraufführung fin 
det am 2. Juli, dem 1000. Todestage Hein 
richs statt- dem Gedenken des großen Sach 
senkaisers gilt das Stück „Heinrich der Fink 
ler" vvn Wilhelm Schramm. An weiteren 
Stücken nennt der Spielplan Shakespeare 
„Wie es euch gefällt", Hebbel „Die Nibelun 
gen", Kaysler „Jan der Wunderbare", Hitlers 
„Die Hammelkomödie", Anzengruber „Der 
G"wissenswurm", Lorenz „Ein Musikantcn- 
dorf", Hamik „Der Pflaumenkrieg", Wroßt 
„Petroleum in Povpenbüttel" und Schwenzen- 
Malina „Am Himmel Europas". Die Spiele 
werden bis zum 31. August durchgeführt. 
wort die Vögel in ihrem Herzen von neuem 
zum Singen bringe. 
Der Kläger bat ums Wort. Der Richte 
nickte ihm zu. Leise begann der biedere Meister 
von seinen jungen Jahren zu sprechen- daß er 
auch einmal durch das deutsche Vaterland ge" 
wandert und die Heimaterde entdeckt habe. 
Das habe er dreißig Jahre lang vergessen, 
aber nun... Er wollte nicht nur die Klage 
zurückziehen, er fühle sich nicht mehr geschä 
digt, sondern beschenkt, er wolle den Jungen 
beschäftigen und dann für seine weitere Fahr» 
versorgen. Der Richter verbat die Beifalls" 
kundgebungen nach dem Freispruch nicht« 
Jetzt klappte er das Gesetzbuch zu. Der deutsche 
Wald in der deutschen Seele hatte gesiegt. 
Prsbates Mittel 
Als Fürst Bismarck Reichskanzler war, 
besuchte ihn einst ein hoher englischer Diplo- 
mat, der mit dem Fürsten noch von seiner 
Petersburger Tätigkeit her sehr befreundet 
war. Man sprach viel von früheren Zeiten 
und auch von dem jetzigen schweren Amt des 
Fürsten Bismarck. Im weiteren Laufe der 
Unterhaltung meinte der Engländer, daß der 
Fürst bei seiner verantwortungsvollen Arbeit 
wohl oft von Besuchern gestört werde, die 
man ihres Namens oder ihrer Stellung wegen 
schwer abweisen könne, aber doch' als lästig 
empfinde. Der Fürst nickte verständnisvoll 
und meinte, diese Sache sei früher einmal eine 
Zeitlang sehr schlimm gewesen. Dann abet 
habe seine Frau ein prachtvolles Mittel ge" 
funden, und nun könne man unerwünschte 
Besucher stets sehr rasch und unauffällig wie- 
der loswerden. Der englische Diplomat er- 
kündigte sich neugierig nach diesem guten 
Mittel und Bismarck vertraute ihm unter dem 
Siegel der Verschwiegenheit an, daß bei An 
wesenheit eines lästigen Besuchers die Fürstin 
jeweils nach einer kurzen Weile zu erscheinen 
und ihren Gemahl zu irgend einem unauf 
schiebbaren Geschäft abzurufen pflege. Dann 
müßten natürlich auch die Besucher schleunigst 
das Feld räumen. Kaum hatte Bismarck das 
letzte Wort gesagt, da öffnete sich die Tür, 
Fürstin Johanna Bismarck steckte ihren Kopf 
durch den Spalt und sagte lächelnd mit un 
schuldigster Miene: 
„Ottochen, es ist wirklich allerhöchste Zeit, 
daß du dich für die Ausfahrt umkleiden läßt/ 
Fürstin Johanna hat lange nicht verstan 
den, warum ihr Gemahl und sein Gast ein 
stimmig in herzliches Lachen ausbrachen. — 
Schrifttum 
Im Pulsschlag der Maschinen. Novellen von Heinrich 
Lersch, Verlag Junge Generation, Berlin. 
Eine begrüßenswerte Tat, die der Verlag Jungi 
Generation zeitigt. Es handelt sich hier um einen nu< 
kleinen Teilabschnitt aus dein Schaffen des vor weniges 
Tagen verstorbenen Arbeiterdichters. Und doch umreißt 
dieser Ausschnitt durch die sorgfältige Auswahl das We 
sen und die Dichtung Lerschs. Kleine sclbstbiographtsş 
Skizzen, durchpulst von dem Atem stampfender Maschi 
nen, verklärt und dnrchsonnt von der Stille eines erha 
benen Meeres, die der Arbeiter hinter glühendem Eisc» 
erleben darf. Einfach — und ohne Schönrederei — de« 
Wortschatz, stoßend, expressionistisch, wie es eben det 
Mensch des Stuhls vermag. Kein Buch für verträumt? 
Stunden, sondern ein kleines Werk, das die Arbeit hei 
ligt — und zur Arbeit erzieht. Wir verweisen auf die 
der Sammlung entnommene Skizze: Der Wald siegt. 
Dr. Th. 
Skagerrak. Die größte Seeschlacht der Geschichte. Bort 
Arno Dohm. 1.—20. Tsd. 324 Seiten. 2,83 RM. Volks 
ausgabe. Leinen. Mit 81 dokumentarischen Fotos. 
C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh. 
Skagerrak! Das war der Tag, da das junge Deutsch 
land in seiner reinsten Kraft unter überlegener Führuull 
dem stärkeren Feinde sich siegglünbig entgegenwarf- 
Zwanzig Jahre sind seitdem vergangen, doch der alte 
Ruhm ist unvergessen. Heute setzt dieses Buch de» Hei 
den vom Skagerrak im Herzen des deutschen Volkes ei» 
bleibendes Denkmal. In mitreißendem Erlebe» läßt die 
packende Schilderung nicht mehr los. All die Heldentaten 
bei Freund und Feind vom Admiral bis zum letzten 
Mann an Geschütz und Maschine, hier sind sie aufgezeich 
net. Da lauert der Tod aus Kommandotürmen und Ge 
schützmündungen: hämmert Stahl ans Stahl tonnenweise 
daß es schier ein Rechenexempel bleibt: Werden die 
schweren Kaliber, wird die überlegene Schiffszahl den 
Sieg bringen. Aber Menschenhand und Menschenhirn be 
wältigen in der rasenden Hölle des Kampfes den riesige» 
technischen Apparat der modernen Schlacht, und Geist u»b 
Wille triumphieren über das tote Material. Die deutsch^ 
Flotte, in der Hand ihres stahlharten Führers Admiral 
Scheer, zerschlägt den Briten den sicher geglaubteil Stell' 
Ein grandioses Gemälde, das uns die Größe der Leistunll 
der deutschen Flotte eindringlich zum Bewußtsein bringt 
Ein Buch im Geist der berühmten Parole eines ruhmbe 
deckten Schlachtkreuzers: Scydlitz, drauf! 
Verdun / Das große Gericht. Von P. C. Ettighoffek' 
1.-20. Tsd. 300 Seite». 2,85 RM. Volksausgabe. Lei 
nen. Mit 31 dokumentarischen Fotos. — C. Bertels 
mann Verlag Gütersloh. 
Eine einzige Schlacht des Weltkrieges vereinigt in 
alle Schrecken des modernen Kampfes, umschließt allco 
Heldentum.deutscher und französischer Soldaten u»^ 
bleibt Symbol zähestcil Durchhaltens, — Verdun. Wei 
dn», dieser Schrei voller Schmerz und Trotz, diese ap»- 
kalyptische Hölle und Totenmühle. Verdun ivar bei 
Schmelztiegcl, der ganze Divisionen hüben und drüüc» 
zu Schlacke ausbrannte, und blieb doch die hohe Sclj»^ 
der besten Kampftruppen bei Freund und Feind. Ver 
dun ist wirklich „das große Gericht" geivesen und wir" 
mit diesem Ehrenname» in die Weltgeschichte eingehe»- 
In diesem tiefsten Sinne will Ettighoffens Darstelln»^ 
der Kämpfe verstanden sein. Der ganz große Stil diese- 
Dichters und Verdunkämpfers ist dem heroischen Scho 
des „großen Gerichts" gerecht geworden. Sein Buch 
das Heldenlied vom Kämpfen, Leiden und Sterben zivejst 
großer Nationen. Eine mitreißende, erschütternde Erzş 
lung, die uns mitten hineinführt in die Panzerforts, 111 
die Trichter und Gräben und Artilleriestellungen, zu de» 
Kämpfern bei Freund und Feind. Wir hoffen mit ihre» 
Hoffnungen, wir fühlen mit ihren Siegen, verzweifck» 
mit ihrer Verzweiflung und erleiden schier selbst be» 
Tod mit dem letzten Mann am Maschinengewehr. 
dies Buch liest, den läßt es nicht mehr schlafen. 
I'v mcr 
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hüttei 
Allste, 
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