Literarisches Echo
Soldatenweib
Mein Vater führt' ein Fähnlein, dreihundert schier.
zu Feld.
Mein Bruder war sein Fähnrich, zur Seite
ihm gestellt.
Mein Gatte trug die Flinte, die Trommel schlug
mein Sohn.
Sind alle fortgezogen — und keiner kam davon .. .
Wenn ich nicht wüßte, Gott ist so gut wie groß.
Wollt' ich mich bergen im Felsenschoß.
So muß ich glauben: Gott ist so groß wie gut,
Und Sterne wachsen aus allem Blut.
Ich war des Vaters Tochter, des Bruders
Schwesterlein,
Des Gatten liebste Fraue, dem Kind die Mutter sein.
Viermal der Lippen Paare von meinem Namen
schwer,
Sind alle stumm geworden, und keiner ruft mich
mehr . . .
Wenn ich nicht wüßte, daß Gott sie alle rief,
Wollt' ich wohl weinen die See nochmal so tief.
So muß ich hoffen: Gott weiß wohl, was er tut.
Und Wege wachsen aus allem Blut.
Nun schließ' ich alle Schreine und alle Truhen zu.
Des Vaters braunen Mantel, des Bruders
Wanderschuh.
Des Gatten Birch und Spaten, des Kindes letzten
Tand
Die tragen Bettelleute vom Tore durch das Land . .
Wenn ich nicht wüßte, Gott ist so wach wie mild.
Ich wollte irren durch das Gefilö.
So muß ich lieben den, der so mild wie wach,
Er wird wohl einen, was Welt zerbrach.
Ruth Schaumann.
Der Zichļer der Arbeit ruht aus.
Zum Tode Heinrich Lerschs.
von Dr. Hans Thielmann.
Der deutsche Arbeiter steht heute trauernd
an der Bahre seines Kameraden- hinter dem
Arbeiter stehen die grauen Reihen der Solda
ten — und darüber hinaus trauert das ganze
Volk um einen großen Sohn.
Vaterland! und : Sieg! und : Tod!
Blut! und : Wunden! und : Soldaten!
Freunde! Brüder! Kameraden!
Heimat! Liebe! Gott! und : Not!
In diesen Zeilen aus „Deutschland" liegt
das Wesen des Dichters Heinrich Lersch. Als
Sohn eines rheinischen Kesselschmiedes hat er
sich durch eine harte Jugend und durch die
chaotischen Wirren des Weltkrieges zum glü
henden Bekenntnis zu einem neuen Deutsch
land hindurchgerungen. Seher der Zeit für die
Zeit! Im elterlichen Haus herrschte Armut-
das Erbteil des Vaters, das er übernahm, war
die Liebe zum Handwerk. Sein Leben war
Stahl und Stein, Blut und Flammen. Nieder
schlag dieses Empfindens ist sein „Selbst
bildnis":
Ein Kind noch, mich die Arbeit nahm
und preßte mich in ihre Arme.
Der Mutter Zucht, der Jugend Scham
verlor ich bald im Menschenschwarme.
Eine unstillbare Sehnsucht nach der Freiheit,
ein Ekel vor Gewerkschaften und Parteien
trieb ihn aus der Heimat wie aus einem Ge
fängnis. Lersch wurde Tippelbruder, „ W a l d -
und Landläufer" — durch die Schweiz,
Oesterreich und Italien. Hart war dieser Weg,
Terror, Gendarmen und Läuse — stetige Be
gleiter. Aus Florenz, wo er wochenlang Gärt
ner war, schrieb er, daß „das Singen der Zi
kaden ihn zirm Klingen des Gezähes, wenn
der Fäustel den Stahl klopft", wurde. Die Hei
mat hatte ihn vertrieben, die Heimat lockte
wieder: Heimweh nach rauchenden Fabrik
schloten, nach Hamborn, Gelsenkirchen, Mühl
heim, nach dem Land zwischen Ruhr und Rhein.
Diese Sehnsucht, all die bitteren Erlebnisse sei
ner Fahrt durch Südeuropa, die an den nicht
besonders starken Kräften seines Körpers zerr
ten, die Liebe zu seinem Handwerk — das er
öffnete ihm nun die in ihm lang verborgene
poetische Arbeit. In der Wiener Arbeiterzei
tung erschienen seine ersten Gedichte, 1914 sein
erstes Buch: „Abglanz des Lebens".
Menschliche Härte und verhaltene Gefühlstiese,
verbunden mit der natürlichen Fröhlichkeit sei
ner rheinischen Heimat finden ihre poetische
Verklärung in seinem Werk. Die Kraft seines
Geistes beglückt ihn, lehrte ihn die Heimat —
seine Schmiede — lieben.
Da bricht der Krieg aus. Der Sänger deut
scher Arbeit wird Träger einer heiligen
Flamme, die mit Windeseile die Reihen deut
scher Feldgrauen und darüber hinaus ein gan
zes Volk durchglüht. Sein erstes Lied „ S o l -
datcnab schied" wurde eines der bekann
testen Mahnworte, die die Dichtung des
Kriegschaos gezeitigt hat. Der Kehrreim dieses
Liedes:
„Deutschland mutz leben,
und wenn wir sterben müssen!"
machte ihn in ganz Deutschland bekannt. Kei
ner wie er hat den Weltenbrand 1914/18 so
geheiligt. Ihm wurde die Erkenntnis zuteil
„Krieg ist die letzte Gottesbundschaft, innigste
Menschenbruderschaft". Man mutz den Men
schen des Stahls und Steins verstehen, wenn
er das große Morden heiligt. Er kann das
große Leid, das „Welt-Karfreitagsgefühl" nicht
verschleiern. Aus dem Sehnen nach Erkennt
nis alles Seins erwuchs in ihm der Schrei
nach Frieden. Der Feind wird in die Dichtung
des Brudertums eingeschlossen, der Gedanke an
die Seelen der toten Helden vorherrschend. Der
Dichter Lersch schämt sich des Menschendaseins:
„Laß mich ein Sonnenstaub sein! Ein Wol
kenhauch, ein Wassertropfen! — nur rein, nur
rein! O Gott, wie schäme ich mich, vor dir
Mensch zu sein "
Als die Kriegsfackel erlosch, kehrte er in
seine Heimat zurück, wurde ein Einsamer
in den Nachkriegswirren, ein Einsamer, den
eine unstillbare Sehnsucht nach einer neuen
Gemeinschaft marterte. Es war selbstver
ständlich, daß das Gefühl der Gemeinschaft ihn
nach der Machtergreifung des Führers in den
Dienst der neuen Kulturarbeit stellte. Viel
Schönes durfte der 1935 mit dem rheinischen
Literaturpreis ausgezeichnete Dichter in der
tätigen Teilnahme bei den KdF.-Fahrten er
wirken. Sein kränklicher Leib ruht nun, die
Kraft seines Geistes aber wird bleiben.
Der Wald siegt
Von Heinrich Lersch.
Im Einverständnis mit „Junge Generation",
Verlag, Berlin, dem Werke Heinrich Lerschs „Im
Pulsschlag der Maschinen", geb. RM. 1,80, ent
nommen.
In meiner rheinischen Heimat stand ein
Bursche vor dem Richter: Arbeitsloser auf
Tippelci. Die Umstünde verlangten, daß er zu
sechs Wochen Gefängnis verurteilt werden
mußte. Der Angeklagte wendete nichts gegen
die Höhe der Strafe ein: nur wollte er sie nicht
jetzt, sondern im Winter abbüßen. Mit heili
gem Ernst begann der Junge von seiner Wan
derfahrt zu erzählen. Schon bei den ersten
Worten hob der Vorsitzende abwehrend die
Hände — dann hörte er einen Ton heraus,
der nicht nur ihn, sondern auch die anderen
Amtspersonen zwang, vorläufig einmal zuzu
hören. Ganz gegen ihre Gewohnheit schauten
sie vor sich hin- aus dem Munde des Jungen
sprachen die deutschen Landschaften mit Berg
wäldern und Stromwiesen mit solcher bezwin
gender Kraft, daß auch der gefüllte Zuhörer
raum ergriffen lauschte. Es war ihnen allen,
als ob der junge Mensch aus einer fremden
Märchenwelt, aus einem Zauberreich, käme,
in dem nur Begnadete Heimatrecht haben. Er
sprach von den schlesischen Wäldern, vom
Schwarzwald und vom Spessart, doch der
Klang dieser Stimme weckte in den Seelen
Sehnsucht und Heimweh in die Freiheit. Als
er nun vom Rhein sprach und von der golde
nen Abendstunde in einem stillen Dörfchen,
da ahnten alle Zuhörer, daß ihnen die rheini
sche Heimat erst jetzt ihre Offenbarung geben
wollte. Mit angehaltenem Atem warteten sie
auf das erlösende und beseligende Wort- plötz
lich zuckten sie zusammen wie unter einem
Peitschenschlag: „Da kam der Schutzmann und
verhaftete mich..
In einem großen Ausatmen schüttelten sie
den Bann von sich. Der Richter wandte den
Kopf zum Fenster hin- war es nicht, als ob
der Wald zornrauschend ins Siebengebirge
zurückwich? War die Luft nicht noch vor ein
paar Sekunden mit Tannenduft und Vogel
fang erfüllt? Sahen nicht die neugierigen
Eichhörnchen mit blitzenden Augen umher?
Wo ist nun Deutschland, wo sind die schwei
gender Wälder, wo die Täler und Hügel, wo
ist die grüne Heimat der Seele? Der Richter
sah in die Akten — er hatte immer noch den
grüngoldenen Traum vom Wald in den Au
gen. Er suchte im deutschen bürgerlichen Gesetz
buch die Paragraphen, nach denen der Sünder
verurteilt werden mußte. Solange er blätterte,
hörte er den Wald rauschen- die mit Buch
staben bedeckten Seiten wurden zum Wald
boden. Auch die Zuhörer harrten, in sich ge
kehrt, ob der Junge nicht mit seinem Zauber-
Kulturelles Mosaik
In einer Truhe des Nachlasses von Frau
Foerster-Nietzsche, die angefüllt war mit
Schriftstücken und Briefen von Nietzsches Vor
fahren, fand man eine bisher ganz unbekannte
autobiographische Skizze, die Nietzsche schrieb,
als er mit 19 Jahren die Landesschule Pforta
besuchte. Unter dem Titel „Mein Leben"
soll sie demnächst im Verlag von M. Diester
weg gedruckt erscheinen.
*
In der Reichshauptstadt wird anläßlich des
40. Todestages des Meisters vom 24. bis 28.
Oktober vvn der norddeutschen Landesgruppe
der Internationalen Bruckner-Gesellschaft ge
meinsam mit der Reichsmusikkammer das
„Deutsche Bruckner-Fest" veranstaltet werden.
*
Während der Olympiade wird das Deutsche
Theater in Berlin folgende Stücke in ihrer
Originalbesetzung zur Aufführung bringen:
„Kabale und Liebe", „Romeo und Julia",
„Das Wintermärchen", „Die heilige Johanna"
und aus der vorigen Spielzeit das englische
Lustspiel „Regen und Wind".
*
Das jüngste Werk von Hans Rehberg „Die
goldene Kugel" wurde vom Staatlichen Schau
spielhaus in Hamburg zur alleinigen Urauf
führung erworben.
*
In der vor uns liegenden Winterspielzeit
plant die Kölner Oper folgende Uraufführun
gen: „Hirtenlegende" (Neubearbeitung) von
Eugen Bodart, „Till Eulenspicgel" (Neubear
beitung) vvn E. N. von Reznicek, „Prinzessin
Nofretete" (Operette) von Nico Dostal, das
Schauspiel „Elisabeth Charlotte" von Eberhard
Foerster, „Der Kurfürst führt den Bock" von
Heinz Lorenz, „Der Zauber der Stimme" von
Peter Althaus und „Nikolaus Gülich" voll
Werner Heinen.
Die Gürzenich-Konzerte werden unter Lei
tung vvn Generalmusikdirektor Eugen Papst
die Uraufführung des Violinkonzerts von
Paul Graencr (Alma Moodie), u. a. die Vierte
Sinfonie von Bruckner in der Urfassung
bringen.
*
München, die Stadt der Bewegung, veran
staltet im Nahmen des Festsommers 1936 am
Sonntag, 21. Juni, auf dem Max-Joseph-Platz
vor dem Nationaltheater eine gewaltige Kund
gebung für das deutsche Lied unter dem Leit
wort: „München eine singende Gemeinschaft".
5000—6000 Mitglieder sämtlicher Münchener
Chorvereinigungen werden sich daran beteili
gen. Dabei sind erstmalig alle Gattungen von
Chorvereinigungen, Kinder-, Frauen- Ge
mischte- und Männerchöre einschließlich der
SA.-Singchöre zu einer gewaltigen Gemein
schaft zusammengeschlossen. Das Programm
gibt den einzelnen Chorgattungen Gelegen
heit, auf ihrem eigenen Gebiet hervorzutreten,
und sieht auch Gemeinschaftsgesünge vor.
*
Aus Wien kommt die Nachricht, daß Franz
Lehar seine Oper „Kukuschka", die sich nach
anfänglich erfolgreichen Aufführungen nicht
behaupten konnte, einer Neubearbeitung un
terzieht. Er hofft sie bereits im Herbst als
besonderes Zugstück den Opernbühnen vor
legen zu können.
Unter Leitung von Fritz Busch beginnen am
29. Mai in Glyndebourne in Südengland die
Mozart-Festspiele. Es werden gegeben: „Ent
führung", „Figaro", „Don Giovanni", „Cosi
fan tntte" und „Zauberflöte", jedes Stück in
der Originalsprache der Partitur. Das Busch-
Quartett wirkt im Orchester mit. Von den ge
planten 31 Vorstellungen sind bereits 23 aus
verkauft.
*
In der kommenden Spielzeit werden in
Düsseldorf uraufgeführt werden: Die Komödie
„Das Gastmahl der Götter" vvn Paul Joseph
Cremers und „Genie ohne Volk" vvn Viktor
Warsitz.
*
Der Richard - Wagner - Verband deutscher
Frauen e. V. hält seine diesjährige Reichs-
tagung in Stuttgart vom 25. bis 29. Mai ab.
Am Abend des 26, findet ein Festkonzert statt,
bei dem Ministerpräsident und Kultusminister
Prof. Mergenthaler eine Ansprache hält, am
27, ist Empfang der Mitglieder und auswärti
gen Gäste, am 28. eine Festaufführung von
„Maria Stuart" und am 29. als Abschluß die
Festaufführung von Siegfried Wagners „Der
Schmied von Marienburg".
*
Die Stadt Bayreuth hat das Künstlerperso
nal der Budapester Oper eingeladen, bei der
im Oktober geplanten Franz-Liszt-Feier das
Oratorium „Die heilige Elisabeth" zur Aus
führung zu bringen.
♦
Die Amtsleitung der NS.-Kulturgemeinde
erteilte dem Dichter Hermann Burte den Auf
trag, einen neuen Text zu Händels „Judas
Makkabäus" zu schreiben.
*
Englische Forscher machten wichtige Funde
in El-Duweir, dem biblischen Lachis, wo einer
der fünf Amoriterkönige saß, die Josua be
siegte. Die Sieger steckten die Stadt in Brand.
Danach wurde sie noch einmal von Nebukad-
nezar von Babylon und später auch von San-
herib von Assyrien erstürmt und zerstört. Un
ter den jetzt gemachten Funden ist besonders
wertvoll ein Weihrauchgefäß aus einem Grabe
des 13. Jahrhunderts v. Chr., in dem man
Schriftzeichen der Sinaischrift fand, die zusam
men mit den im vorigen Jahre bereits ent
deckten Briefen vielleicht zur Deutung einiger
Stellen des Alten Testamentes beitragen
können.
*
Das Harzer Bergtheater eröffnet die dies
jährige Spielzeit der „Grünen Bühne" in
Thale am 20. Juni mit einer Uraufführung
des Schauspiels „Die Hunnenschlacht" vvn
Gustav Goes. Eine weitere Uraufführung fin
det am 2. Juli, dem 1000. Todestage Hein
richs statt- dem Gedenken des großen Sach
senkaisers gilt das Stück „Heinrich der Fink
ler" vvn Wilhelm Schramm. An weiteren
Stücken nennt der Spielplan Shakespeare
„Wie es euch gefällt", Hebbel „Die Nibelun
gen", Kaysler „Jan der Wunderbare", Hitlers
„Die Hammelkomödie", Anzengruber „Der
G"wissenswurm", Lorenz „Ein Musikantcn-
dorf", Hamik „Der Pflaumenkrieg", Wroßt
„Petroleum in Povpenbüttel" und Schwenzen-
Malina „Am Himmel Europas". Die Spiele
werden bis zum 31. August durchgeführt.
wort die Vögel in ihrem Herzen von neuem
zum Singen bringe.
Der Kläger bat ums Wort. Der Richte
nickte ihm zu. Leise begann der biedere Meister
von seinen jungen Jahren zu sprechen- daß er
auch einmal durch das deutsche Vaterland ge"
wandert und die Heimaterde entdeckt habe.
Das habe er dreißig Jahre lang vergessen,
aber nun... Er wollte nicht nur die Klage
zurückziehen, er fühle sich nicht mehr geschä
digt, sondern beschenkt, er wolle den Jungen
beschäftigen und dann für seine weitere Fahr»
versorgen. Der Richter verbat die Beifalls"
kundgebungen nach dem Freispruch nicht«
Jetzt klappte er das Gesetzbuch zu. Der deutsche
Wald in der deutschen Seele hatte gesiegt.
Prsbates Mittel
Als Fürst Bismarck Reichskanzler war,
besuchte ihn einst ein hoher englischer Diplo-
mat, der mit dem Fürsten noch von seiner
Petersburger Tätigkeit her sehr befreundet
war. Man sprach viel von früheren Zeiten
und auch von dem jetzigen schweren Amt des
Fürsten Bismarck. Im weiteren Laufe der
Unterhaltung meinte der Engländer, daß der
Fürst bei seiner verantwortungsvollen Arbeit
wohl oft von Besuchern gestört werde, die
man ihres Namens oder ihrer Stellung wegen
schwer abweisen könne, aber doch' als lästig
empfinde. Der Fürst nickte verständnisvoll
und meinte, diese Sache sei früher einmal eine
Zeitlang sehr schlimm gewesen. Dann abet
habe seine Frau ein prachtvolles Mittel ge"
funden, und nun könne man unerwünschte
Besucher stets sehr rasch und unauffällig wie-
der loswerden. Der englische Diplomat er-
kündigte sich neugierig nach diesem guten
Mittel und Bismarck vertraute ihm unter dem
Siegel der Verschwiegenheit an, daß bei An
wesenheit eines lästigen Besuchers die Fürstin
jeweils nach einer kurzen Weile zu erscheinen
und ihren Gemahl zu irgend einem unauf
schiebbaren Geschäft abzurufen pflege. Dann
müßten natürlich auch die Besucher schleunigst
das Feld räumen. Kaum hatte Bismarck das
letzte Wort gesagt, da öffnete sich die Tür,
Fürstin Johanna Bismarck steckte ihren Kopf
durch den Spalt und sagte lächelnd mit un
schuldigster Miene:
„Ottochen, es ist wirklich allerhöchste Zeit,
daß du dich für die Ausfahrt umkleiden läßt/
Fürstin Johanna hat lange nicht verstan
den, warum ihr Gemahl und sein Gast ein
stimmig in herzliches Lachen ausbrachen. —
Schrifttum
Im Pulsschlag der Maschinen. Novellen von Heinrich
Lersch, Verlag Junge Generation, Berlin.
Eine begrüßenswerte Tat, die der Verlag Jungi
Generation zeitigt. Es handelt sich hier um einen nu<
kleinen Teilabschnitt aus dein Schaffen des vor weniges
Tagen verstorbenen Arbeiterdichters. Und doch umreißt
dieser Ausschnitt durch die sorgfältige Auswahl das We
sen und die Dichtung Lerschs. Kleine sclbstbiographtsş
Skizzen, durchpulst von dem Atem stampfender Maschi
nen, verklärt und dnrchsonnt von der Stille eines erha
benen Meeres, die der Arbeiter hinter glühendem Eisc»
erleben darf. Einfach — und ohne Schönrederei — de«
Wortschatz, stoßend, expressionistisch, wie es eben det
Mensch des Stuhls vermag. Kein Buch für verträumt?
Stunden, sondern ein kleines Werk, das die Arbeit hei
ligt — und zur Arbeit erzieht. Wir verweisen auf die
der Sammlung entnommene Skizze: Der Wald siegt.
Dr. Th.
Skagerrak. Die größte Seeschlacht der Geschichte. Bort
Arno Dohm. 1.—20. Tsd. 324 Seiten. 2,83 RM. Volks
ausgabe. Leinen. Mit 81 dokumentarischen Fotos.
C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh.
Skagerrak! Das war der Tag, da das junge Deutsch
land in seiner reinsten Kraft unter überlegener Führuull
dem stärkeren Feinde sich siegglünbig entgegenwarf-
Zwanzig Jahre sind seitdem vergangen, doch der alte
Ruhm ist unvergessen. Heute setzt dieses Buch de» Hei
den vom Skagerrak im Herzen des deutschen Volkes ei»
bleibendes Denkmal. In mitreißendem Erlebe» läßt die
packende Schilderung nicht mehr los. All die Heldentaten
bei Freund und Feind vom Admiral bis zum letzten
Mann an Geschütz und Maschine, hier sind sie aufgezeich
net. Da lauert der Tod aus Kommandotürmen und Ge
schützmündungen: hämmert Stahl ans Stahl tonnenweise
daß es schier ein Rechenexempel bleibt: Werden die
schweren Kaliber, wird die überlegene Schiffszahl den
Sieg bringen. Aber Menschenhand und Menschenhirn be
wältigen in der rasenden Hölle des Kampfes den riesige»
technischen Apparat der modernen Schlacht, und Geist u»b
Wille triumphieren über das tote Material. Die deutsch^
Flotte, in der Hand ihres stahlharten Führers Admiral
Scheer, zerschlägt den Briten den sicher geglaubteil Stell'
Ein grandioses Gemälde, das uns die Größe der Leistunll
der deutschen Flotte eindringlich zum Bewußtsein bringt
Ein Buch im Geist der berühmten Parole eines ruhmbe
deckten Schlachtkreuzers: Scydlitz, drauf!
Verdun / Das große Gericht. Von P. C. Ettighoffek'
1.-20. Tsd. 300 Seite». 2,85 RM. Volksausgabe. Lei
nen. Mit 31 dokumentarischen Fotos. — C. Bertels
mann Verlag Gütersloh.
Eine einzige Schlacht des Weltkrieges vereinigt in
alle Schrecken des modernen Kampfes, umschließt allco
Heldentum.deutscher und französischer Soldaten u»^
bleibt Symbol zähestcil Durchhaltens, — Verdun. Wei
dn», dieser Schrei voller Schmerz und Trotz, diese ap»-
kalyptische Hölle und Totenmühle. Verdun ivar bei
Schmelztiegcl, der ganze Divisionen hüben und drüüc»
zu Schlacke ausbrannte, und blieb doch die hohe Sclj»^
der besten Kampftruppen bei Freund und Feind. Ver
dun ist wirklich „das große Gericht" geivesen und wir"
mit diesem Ehrenname» in die Weltgeschichte eingehe»-
In diesem tiefsten Sinne will Ettighoffens Darstelln»^
der Kämpfe verstanden sein. Der ganz große Stil diese-
Dichters und Verdunkämpfers ist dem heroischen Scho
des „großen Gerichts" gerecht geworden. Sein Buch
das Heldenlied vom Kämpfen, Leiden und Sterben zivejst
großer Nationen. Eine mitreißende, erschütternde Erzş
lung, die uns mitten hineinführt in die Panzerforts, 111
die Trichter und Gräben und Artilleriestellungen, zu de»
Kämpfern bei Freund und Feind. Wir hoffen mit ihre»
Hoffnungen, wir fühlen mit ihren Siegen, verzweifck»
mit ihrer Verzweiflung und erleiden schier selbst be»
Tod mit dem letzten Mann am Maschinengewehr.
dies Buch liest, den läßt es nicht mehr schlafen.
I'v mcr
^ie g
hüttei
Allste,
llens
telrüci
Kirche
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Ullern
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