©Î£ S!ï!^Iète$flΣ / Bon Hans Bethge
Ein wundervoller Abend, voll Duft und
Klarheit. Der Mond hing sichelförmig über Len
Erlen, wie aus Silber, der Himmel war noch
hell und zeigte den rosa Widerschein der ver
sunkenen Sonne.
Fritz warf die Flinte über die Schulter und
verließ sein langgestrecktes Gutshaus. Er
schritt über die weiche Wiesenkoppel, eine
junge Schimmelstute stürmte herbei, um sich
von ihm den Hals klopfen zu lassen, und jagte
wieder davon. Der junge Gutsherr ging in den
Bald, schritt eine Schneise hinauf, trat unter
eine Buche, ließ sich auf seinen kleinen Jagd-
stuhl nieder und wartete auf einen Bock.
Aber seine Gedanken zogen schnell in eine
andere Richtung. Er dachte an die schlanke Effi
von Flemming, die Tochter des alten Flem
ming auf dem Nachbargut Lehnsdorf, das rei
zendste, verführerischste, aber auch das herbste
und abweisendste Mädchen der ganzen Gegend.
Er liebte sie, aber er war in Verlegenheit, wie
er sie sich erobern sollte. Sie war von einer
Sprödigkeit des Empfindens, daß er nicht recht
wußte, was er zu tun habe, um ihr schwer zu
gängliches Herz zu bezwingen. Während er
ihre Gestalt in Gedanken vor sich sah, schlank,
jung und biegsam, klangen plötzlich Pferde
tritte an sein Ohr: ein Rappe kam die Schneise
emporgetrabt, darauf Effi im Herrensattel, mit
leicht geröteten Wangen, lässig, die Zügel in
der Linken.
Fritz lugte erregt zu ihr hinüber, sein Herz
schlug ungestüm. Sie ahnte nicht, daß er ihr
so nahe war, und ritt vorbei, ein wenig träl
lernd, während sie die Reitgerte durch die Luft
spielen ließ. Jetzt flog drüben eine Waldtaube
von dem höchsten Zweig einer Kiefer auf, Fritz
zielte, die Büchse krachte, die Taube fiel klat
schend zur Erde. Zu gleicher Zeit aber geschah
etwas anderes. Der Rappe bäumte mit er
schrecktem Gewicher auf, Effi glitt hinab, und
das Pferd lief nach Hause. Fritz trat hervor,
Effi erhob sich und sah ihn verwundert an.
„Haben Sie sich wehe getan?" fragte er be
sorgt.
„Es ist nicht schlimm", sagte sie, „ich glaube,
ich habe mir den Fuß verstaucht."
„Sie dürfen nicht gehen", erwiderte er.
„Kommen Sie, ich trage Sie hinüber in mein
Hails."
Er nahm sie energisch auf den Arm, sie
sträubte sich mit Händen und Füßen.
„Still", mahnte er, „Sie haben sich zu fügen,
ich bin stärker als Sie."
„Uebrigens sind Sie eine schlechte Reiterin",
tadelte er, „man darf wohl mit dem Pferd fal
len, aber man füllt nicht von einem Pferde, das
aufrecht bleibt."
„Ihr Schuß war schuld."
„Ich weiß", sagte er, „ich habe Glück gehabt.
Hütte ich die Taube nicht geschossen, so würde
ich Sie jetzt nicht so nahe bei mir haben, wie
ich nie zu hoffen wagte. Es ist schön, Sie so im
Arm zu halten..."
Sic suchte sich wieder zu wehren und wandte
sich wie ein Fisch im Netz, aber alles scheiterte
an der Kraft seiner Arme.
Nun bog er in einen Seitenweg ein, der sie
vom Gutshaus weiter entfernte.
„Wohin gehen Sie?" fragte sie beklommen.
„Ich mache einen kleinen Umweg", antwor
tete er, „ich möchte mir mein Glück verlängern.
Wer weiß, ob ich Sie jemals wieder so auf dem
Arm tragen darf. Effi, ich liebe Sie."
Sie sah ihn groß an, sie hörte sein Herz
schlagen, es schlug heftiger als sonst, wegen der
Last, die er trug, und wegen der Worte, die er
sich abrang. Nun kam ein Lächeln über ihre
Mienen, das ihm Mut verlieh. Er hob ihren
Kopf höher zu sich empor und küßte ihren
Mund. Sie hatte das warme, bestürzende Ge
fühl, besiegt zu werden, und legte demütig die
Allerlei aus
Glück im Keller.
Beim Abbruch eines alten englischen Hauses
stieß man auf ein großes unterirdisches Ge
wölbe, das prachtvoll eingerichtet war .und in
dem man interessante Aufzeichnungen ent
deckte, die von einem Einsiedlerleben mitten in
der Stadt zu berichten wissen.
Der Bewohner dieses Gewölbes war ein ge
wisser Henry Wclby, der eines Tages von sei
nem eigenen Bruder wegen irgendeiner Ver
mögensauseinandersetzung fstft^ erschossen
wurde. Dieser Mordanschlag einsetzte Henry
Welby so, daß er sich entschloß, keinen Menschen
mehr zu sehen, mit keinem Menschen mehr in
Berührung zu kommmen und seine Tage mit
Büchern und ohne Menschen zu verbringen.
Das unterirdische Gewölbe bestand aus drei
Räumen, die alle untereinander verbunden
waren. Morgens erschien eine alte Dieuerln,
die jedoch auch Welby nicht zu Gesicht bekam,
denn er verließ immer den Raum, den sie auf
räumen wollte. Seine Nahrung hatte er aus
ein Minimum beschränkt. Er entwickelte sich
in seiner Einsamkeit zu einem hervorragenden
Sprachkenner und verfaßte zahlreiche philo
sophische Werke. Nach 41 Jahren segnete er
das Zeitliche. Sein Gewölbe aber geriet offen
bar in der Folgezeit in Vergessenheit.
Das weltverlorene St. Kilda.
In weltverlorener Einsamkeit liegt westlich
der äußeren Hebriden die kleine schottische
Insel St. Kilda, die dadurch unter ihres
gleichen merkwürdig ist, daß sie nur drei Mo
nate hindurch bewohnt ist. Alljährlich im Juni
bringt ein Dampfer die Einwohner von St.
Kilda nach ihrer Insel, um sie nach Ablauf
eines Vierteljahres, im August, wieder zurück
zuholen. Während des Winters nisten aus
St. Kilda ungezählte Scharen von Seevögeln.
Obwohl der Aufenthalt der Einwohner nur
vorübergehend ist, verfügt ihre Siedlung doch
über Kirche, Pfarr- und Schulhaus. Während
Tom Zaggler /
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Manz,
München.
38) Nachdruck verboten.
„Gelt, hilfst mir?" fragt Monika nochmal
hinauf und wendet sich daun zum Gehen. Und
sie fühlt die Blicke des Heilandes auf sich
ruhen. Doch bevor sie um die Ecke biegt, schaut
sie nochmals zurück und sagt treuherzig:
„Brauchst keine Angst zu haben. Ich geh
schon heim. Ich tu es net. Und jetzt weiß ich
auch, daß es der Toni gar net wert is, daß ich
brich seinethalben aus der Welt stehl."
Und dann reckt sie sich unwillkürlich hoch.
Ein neuer Lebenswille ist in ihr erwacht, und
sie kann gar nicht begreifen, wie sie so klein
Und schwach hat werden können.
Als sie auf den Hof zukommt, hält sie er
schrocken den Schritt an.
Was soll denn das nun wieder sein? Die
Uhr hat längst Mitternacht geschlagen und der
Brandl kommt aus dem Haus, streichelt im
langsamen Gehen mit beiden Händen die
Hauswaud, bleibt vor dem alten Spalierbaum
stehen und schlingt seine Arme um den grauen
Stamm, als möchte er ihn umarmen.
Einen Augenblick verharrt er so, daun geht
er am Stall entlang und verschwindet hinter
l>en Wirtschaftsgebäuden. Monika folgt ihm,
Und da sieht sie, wie sich der Vater an dem
Eichbaum zu schaffen macht. Sie sieht es zwar
Nicht ganz genau, weil ihn die Haselnußstau-
öen verdecken, aber plötzlich bemächtigt sich
ihrer eine unerklärliche Angst. Mit raschen
Armen teilt sie die Büsche und steht vor dem
Bater.
Der Bauer führt zusammen wie ein er-
tappter Sünder und läßt die Hände sinken.
„Was tust du da?" fragt Monika.
Der Brandl gibt keine Antwort. Aber Mo
nika gewahrt im selben Augenblick einen
strick, den der Brandl an einem Ast des Bau
bles befestigt hat.
Eine Weile stehen sie schweigend vor ein
ander, dann sagt Monika hart:
„Den Strick tust wieder runter!"
Sie streckt selbst die Hand danach und zieht
èie Schlinge zu. Der Vater faßt sie am Arm.
„Laß nur! Sein muß es doch. Und wenn es
heut net ist, dann ist es morgen oder über-
Hochîandsromnn von Hans Gr «st
morgen. Weißt, Moni, die Versteigerung will
ich net erleben."
„Es kommt net so weit", antwortet Monika
und zerrt an dem Strick.
„Weißt du einen Ausweg? Ich net."
„Ja, ich weiß — einen Ausweg."
Ihre Stimme klingt ganz ruhig.
Der Brandl forscht in ihrem Gesicht, fängt
ihren Blick ein und hält ihn fest.
„Was ist das für ein Ausweg?"
Nun schwankt ihre Stimme doch ein wenig.
„Ich heirat' den Kerber."
„Du heiratst den — — —"
„Ja, ich Habs g'sagt und dabei bleibt es. Du
mußt gleich mit dem ersten Zug nach Mün
chen fahren und mußt es ihm sagen."
„Darfst mir's glauben, Moni, dös is ein
schwerer Weg."
„Schwerter wird er auch net sein, wie der, den
du grad hast geh'n wollen."
„Was is denn daun mit dem Toni?"
„Dös war noch nie was G'scheites", lügt sich
Monika in das Herz des Vaters hinein. „Jung
war ich halt, weißt. Jung und dumm. Aber
heut nacht bin ich hellsichtig worden. Jetzt denk
ich anders."
„Hast ihn denn gern, den jungen Kerber?"
„So darfst jetzt net fragen, Vater! Es geht
um Haus und Hof. Mach den Strick runter
jetzt und geh mit mir ins Haus".
„In Gotts Namen!" sagt der Brandl immer
noch ein wenig unsicher und macht den Strick
los. „Dann kann alles noch gut werden."
„Ja, alles wird gut", versichert Monika und
wendet sich um.
Sie gehen nebeneinander in den Hof zurück
und der Brandl merkt es gar nicht, daß Mo
nika still vor sich hinweint. Auf der Stiege sagt
sie noch, ohne das Gesicht zu wenden:
„Versäum den Zug net!"
Daun fällt oben leise die Türe ins Schloß
und der Brandl steht im dunklen Flur und
faltet dankbar die Hände.
Zu spät!
Sonntag morgen! Der Toni ist in der Nacht
noch ins Dorf herabgekommen, um den Wo
chenbedarf für seine Hütte einzukaufen. Schon
im ersten Laden erführt er als Neuigkeit: am
26. Juili soll Versteigerung sein beim Brandl-
bauern!
Hand auf seine Schulter. Er schwang sie einmal
übermütig um sich herum, drückte den Kopf an
ihr braunes Haar und sagte: „Jetzt trage ich
dich hinüber in mein Haus — in unser Haus."
Sie schwieg, es schwirrte durch ihr Hirn, es
war, als ob eine ganze Welt um sie zusammen
stürzte und sie verschüttete, aber mit Veilchen
und Rosen.
„Ich preise deinen kleinen Unfall", sagte er.
„Wer weiß, ob es mir sonst jemals gelungen
wäre, dich zu beugen!"
„Und ich preise deinen Flintenschuß", ent-
gegncte sie leise, „er kam gerade zur rechten
Zeit."
„Ja", sagte er, und die gute Waldtaube!
Schade, daß sie tot ist. Nachher gehe ich und
hole sie. Sie soll wenigstens ausgestopft bei
uns bleiben. Wir sind ihr Dankbarkeit schuldig.
Sie ist die wahre Ursache unseres Glücks."
aller Wett
ihres Aufenthaltes auf St. Kilda sind die In
sulaner keineswegs von der übrigen Welt ab
geschnitten. Alle vier Wochen läuft ein Schiff
die Insel an, um die Bewohner mit Post und
sonstigen Dingen zu versorgen. Dieser Posttag
ist für St. Kilda immer ein Ereignis ersten
Ranges.
Urlaubsreise um die Welt in 30 Tagen.
Mr. Boliver Falconer aus der kleinen Stadt
Marlin in Texas wird auf seiner Urlaubs
reise bestimmt viel zu sehen bekommen, beab
sichtigt er doch, in 30 Tagen um die Welt zu
fliegen. Er wird Dallas am 7. Mai verlassen,
um in Lakehurst an Bord des neuen deutschen
Luftschiffes „Hinöenburg" die Fahrt nach
Frankfurt a. Main anzutreten, wo er am 13.
Mat eintreffen wird. Von dort will er nach
Amsterdam fahren, um mit einem Flugzeug
der Royal Dutch Mail über Bagdad, Rangoon,
Singapore nach Batavia zu fliegen. Anschlie
ßend geht der Flug nach Manila, wo Mr. Fal
coner den fahrplanmäßigen „China Clipper"
erreichen ivird, der ihn über Guam, Wake
Islands und Hawai nach San Francisco brin
gen soll. Mit einem fahrplanmäßigen trans-
kontinentalen Flugzeug wird die Reise um die
Welt in Dallas beendet. Die Kosten für die
ganze Reise dürften ungefähr 3000 Dollars
betragen.
Pinguin-Eier — die große Mode.
In diesen Tagen trafen aus Südafrika
ganze Schiffsladungen mit Pinguin-Eiern
ein. Sie sind auf einmal die große Mode in
England geworden. Vor vier Jahren wicrde
schon einmal ein Versuch unternommen, Piu-
guin-Eier populär zu machen. Aber damals
ließ sich das englische Publikum durch andere
kulinarische Genüsse ablenken.
Heute aber werden die Pinguin-Eier gleich
mit vorzüglichen Rezepten verkauft. Es gibt
nicht weniger als 25 Methoden, um Pinguin-
Eier zu servieren. Sie sollen im Geschmack
dem zartesten Hühnerei gleichen, nur daß sie
sechsmal so groß sind.
Arme Moni! ist sein erster Gedanke. Aber
warum muß er die Hiobsbotschaft aus frem
dem Munde erfahren? Warum hat es Monika
nicht der Mühe wert gefunden, ihn selber zu
verständigen? Wird sich halt geschämt haben,
beschließt er seine Ueberlegungen und macht
sich gleich aus den Weg zum Vrandlhof. Er
wird der Moni auch von seinem Zusammen
treffen mit der Juta erzählen. Nicht daß ihr
wieder von interessierter Seite weiß Gott was
zugetragen wird.
Da ist er schon vor dem Vrandlhof. In Fei-
ertagskleidern und wie es scheint reisefertig
kommt der Bauer soeben aus der Türe. Mo
nika ist bei ihm und spricht noch mit ihm und
hat dem Vater anscheinend noch was Eiliges
zu sagen. Plötzlich erblickt sic den Jäger, wen
det sich rasch um und geht ins Haus.
Hoppla, sagt da der verblüffte Toni, da ist
etwas nicht in Ordnung. Er wartet hinter den
Haselnufistauden, bis der Bauer hinter den
ersten Häusern verschwindet, und geht dann
wieder vor bis zum Gartenzaun.
Es dauert nicht lange, und Monika kommt
wieder aus dem Haus, um eine Schwinge voll
Holz zu holen.
Bei dem leisen Anruf des Jägers zuckt sie
leicht zusammen. Aber dann kommt sie doch
an den Gartenzaun, steht vor ihm, mit hän
genden Armen und todblassem Gesicht.
Toni erschreckt vor ihrem Aussehen. Daß sie
cs sich so zu Herzen nimmt!
„Was ist denn los, Monika? Bist du krank?"
Sie hebt die Augen, blickt ihn kurz an und
dann an ihm vorbei.
„Ich bin net krank. Nur g'schlafen hab ich
net, die Nacht."
„Glaub ich dir gern, wenn's so steht um den
Hof", erwidert er. „Aber vielleicht kann ich dir
noch einen Nothelfer bringen, Moni, daß die
Versteigerung doch aufgehoben wird."
Eifrig beginnt der Toni seinen Plan zu ent
wickeln, wie er den Grafen heut noch bitten
werde, für den Brandlhof einzuspringen. Da
spricht sie plötzlich dazwischen und ihre Stimme
klingt todtraurig:
„Hast ja eine gute Fürsprecherin beim Gra
fen, die Juta."
Der Jäger horcht verwundert auf: „Wie
meinst denn dös?"
„Ich hab nix b'sonders g'meint damit."
„Monika, du hast was. Bist mir bös?"
Sie hätte aufschreien mögen bei dem weichen
Klang seiner Stimme. Mit übermenschlicher
Sie müssen z»r Slyiyisde Ş, ■ • •
daß im Juli 1909 der Franzose Louis Bleriot
als Erster den Kanal überflog.
*
daß in demselben Jahr der Deutsche August
Euler das erste Flugführerzeugnis erwarb.
*
daß Charles Lindbergh 1927 als Erster den
Atlantischen Ozean überflog.
*
daß das erste deutsche Turnüuch, „Gymnastik
für die Jugend" von Guts-Muths, im
Jahre 1793 geschrieben wurde,
*
daß 1928 die deutschen Flieger Köhl und von
Hüuefeld mit dem Irländer Fitzmaurice diesen
Flug ausführten.
*
daß die erste Pilotin, die diesen Flug mit Er
folg wagte, die Amerikanerin Miß E a r -
hart war.
*
daß die deutsche Sportfliegerin Thea Rasche
als erste Deutsche 1932 die Pilotinprüfung ab
legte.
Heitere EÄe
Vorlaut. Ausrufer bei einer Verlosung:
„Nummer drei — eine Gans!"
Eine Dame rirft laut und freudig: „Hat
mein Bräutigam.
*
Unfehlbar. Ein Kriminalist brachte einen
langgesuchten Gauner, den er soeben verhaftet
hatte, auf das Polizeipräsidium. Der Kom
missar staunte: „Wie haben Sie ihn nur er
kannt, trotzdem er doch so vorzüglich als Frau
verkleidet war?"
„Daran, daß die vermeintliche Frau an
einer Modeauslage vorbeiging, ohne einen
Blick hineinzuwerfen. Das tut keine Frau!"
*
Sicherheit garantiert.
Peter Rosegger steht am Ufer des Wörther
Sees und ruft den Kahnführern zu: „Wer von
euch kann schwimmen?" Alle treten vor, nur
einer bleibt im Hintergrund. Diesen ruft
Rosegger herbei: „Und du nicht?" —, „Nein,
Herr." — „Dann fahre du mich hinüber aus
andere Ufer!"
*
Bildhauer oder Töpfer?
Der berühmte Bildhauer Schadow verfügte
über einen Humor, der bisweilen recht grim
mig sein konnte. Eines Tages sah er, wie
einer seiner jungen Schüler sein Werk, eine
kleine Figur aus Ton, voll Liebe und Stolz
betrachtete. „Hast du det allein jemacht?" fragte
der Meister, der gern in sein beliebtes Ber
linerisch verfiel. — „Jawohl, Herr Professor,
ganz allein", stammelte freudezitternd der
Jüngling. — „Wirklich ganz allein? Na, denn
kanuste ja Töpfer werden..." lautete der Rat
des Meisters.
Kraft zwingt sie sich zu einem Lächeln. Die
Augen bekommen einen feuchten Glanz, als sie
erwidert:
„Nein, ich bin dir net bös. Es hat alles so
kommen müssen. Deinen Bittgang zum Grafen
kannst du dir sparen. Dazu ist es jetzt zu spät.
Und ich will von dieser Seite auch keine Hilfe!"
Einen Augenblick zögert sie, als wollte sie
noch etwas sagen, dann streift sie sein Gesicht
mit einem eigentümlichen Blick und geht ins
Haus.
Mit einem verdutzten Lächeln sicht Toni ihr
nach. Aber dann beruhigt er sich damit, daß der
ewige Kummer sie verwirrt haben müsse. Sonst
hätte sie sein Angebot sicher mit Freuden an
genommen. Unangenehm ist ihm nur, daß er
Monika von der Juta nichts erzählen konnte.
Aber das kann er ja am nächsten Sonntag
nachholen.
Damit macht sich Toni wieder auf den Weg
zur Hütte. Der Graf soll nicht warten müssen
auf ihn.
Vom Kiefernsee sieht er die Nebel aufstei
gen. Wie helle Schleier wehen sie im Morgen
wind und flattern empor zu den Wolken, die
über der Bergkette lagern.
„Es gibt schlechtes Wetter", sagt der Jäger
zu sich und prüft den Wind. Dann legt er die
letzte Strecke Wegs zurück.
Vor der Tür der Luisenhütte steht Graf
Bruggstein in Hemdärmeln und hat die Hände
tief in die Taschen seiner Lederhose vergraben.
„Na, endlich", sagt er, als er den Jäger
zwischen den Latschen auftauchen sieht. „Mach
dich nur gleich fertig. Wir müssen zum Gröll-
stein."
Es geht etwas langsam mit dem Steigen
beim Grafen und der Toni fragt, ob vielleicht
vom letzten Unfall etivas zurückgeblieben sei.
„Du meinst wegen dem Stoß von dem Stier?
Ist nicht so schlimm. Die Aerzte sehen alle
schwärzer als es ist. Denk dir, hat mir der
Esel von einem Doktor verboten, ich sollt auf
keinen Berg mehr steigen. Aber da müßt ich
doch auch was spüren, nicht wahr, Toni. Lauf
nicht so narrisch! So arg pressiert es nicht."
Graf Bruggstein greift verstohlen an die
linke Brustseite. In geheimer Sorge betrachtet
Toni das Gesicht seines Herrn. Es will ihm
gar nicht gefallen.
(Fortjetzung folgt.)